StartNachrichtenAgrarpolitikMäßige Ernteprognosen in Deutschland und Schleswig-Holstein, DBV fordert Entlastungen

Mäßige Ernteprognosen in Deutschland und Schleswig-Holstein, DBV fordert Entlastungen

Hoher wirtschaftlicher Druck auf landwirtschaftlichen Betrieben
Von age, BVSH, rq
Auf Flächen des Gutes Schmoel bei Schönberg wird Hafer gedroschen. Foto: Frederik Hille

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht angesichts des wachsenden wirtschaftlichen Drucks auf die Betriebe die Bundesregierung gefordert. „Wir brauchen eine spürbare Steuerentlastung beim Diesel und die zügige Einführung der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied kürzlich in Berlin.

Er verwies auf die aktuellen Erntezahlen der Landesbauernverbände, die deutliche Ertragseinbußen für wichtige Ackerkulturen erwarten ließen. „Schwächere Erträge, geringere Erlöse und hohe Betriebskosten treffen die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Lage“, so Rukwied.

Ertragsrückgänge

Seinen Ausführungen zufolge träfen hohe Kosten für Diesel und Düngemittel die Betriebe unmittelbar in der laufenden Produktion: „Wer Versorgungssicherheit und eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft will, muss die Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig halten.“ Deshalb sei eine Entlastung beim Diesel bis Ende November erforderlich. Zudem besteht der Verband darauf, die im Koalitionsvertrag vereinbarte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage einzuführen. Rukwied bezeichnete die Risikoausgleichsrücklage als wichtigen Baustein, um Betriebe in Krisenjahren zu stabilisieren.

Nach DBV-Angaben bestätigen die neuesten Zahlen der Landesbauernverbände die bisherigen Ernteschätzungen. Während die Wintergerste noch ein durchschnittliches Ergebnis erreiche, zeigten sich bei Winterweizen und Raps deutliche Rückgänge. Mit einer Ertragsschätzung von 7,6 t/ha liegt die Wintergerste nur leicht unter dem Ertrag des Vorjahres von 7,8 t/ha.

Deutlich schwieriger stellt sich dem Bauernverband zufolge die Lage für Winterweizen dar. Ertragsrückgänge von bis zu 15 % würden in einigen Regionen gemeldet. Ähnlich sei die Situation beim Raps. Dort drohten Einbußen von bis zu 18 %. Neben der wechselnden Witterung litten die Betriebe laut DBV darunter, dass die Möglichkeiten zur wirksamen Bekämpfung von Schädlingen eingeschränkt seien. In manchen Regionen hätten zudem massive Hagelschauer zu Ernteeinbußen geführt.

Besorgt zeigt sich der DBV auch über die Situation im Futterbau. Ausbleibende Niederschläge auf Grünland- und Futterbauflächen ließen in vielen Regionen Engpässe in der Versorgung der Tiere im kommenden Winter befürchten. Als angespannt stuft der Verband die Lage für Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln ein. Für die weitere Entwicklung der Bestände seien dringend Niederschläge notwendig. Selbst dann seien allenfalls durchschnittliche Erträge zu erwarten.

Regionale Unterschiede

Malte Jacobsen

Unterdessen vermeldete der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) Ende vergangener Woche, dass die Erntearbeiten zwischen den Meeren gut vorankämen. Die Wintergerstenernte sei in weiten Teilen Schleswig-Holsteins – bis auf Standorte im Marschland und auf den Inseln – nahezu abgeschlossen. „Die Erträge fallen überwiegend positiv aus und liegen meist im mittleren bis überdurchschnittlichen Bereich, auch die Qualitäten sind vielerorts gut“, berichtete BVSH-Vizepräsident Malte Jacobsen.

Allerdings zeigten sich regionale Unterschiede. Während insbesondere im Norden und an der Ostseeküste des Landes gute Ergebnisse erzielt würden, führten Trockenheit und Hitze in Teilen des Südens von Schleswig-Holstein zu geringeren Erträgen und teilweise auch zu Qualitätseinbußen. „Die Gerste konnten wir weitestgehend unter sehr guten Bedingungen dreschen, sodass wir in diesem Jahr nicht trocknen müssen. Bei den aktuellen Energiepreisen ist das für die Betriebe eine willkommene Erleichterung“, erklärte Jacobsen.
Schwere Unwetter mit Hagel haben hingegen im Raum Angeln, Schwansen, Pinneberg und im Herzogtum Lauenburg zum Teil schwere Schäden auf den Feldern hinterlassen.

Klaas Röhr Fotos: rq

Gleichzeitig habe die Ernte von Raps, Erbsen und Winterweizen begonnen. Vor allem auf leichteren Standorten werde bereits Raps gedroschen. Die ersten Rückmeldungen ließen auf sehr durchwachsene Erträge schließen. „Der Raps profitierte im Frühjahr von günstigen Wachstumsbedingungen und einem insgesamt geringeren Krankheitsdruck. Regional kam es jedoch durch Schädlinge wie den Rapserdfloh sowie örtliche Unwetterschäden zu spürbaren Ertragseinbußen, die sich nachhaltig auf das Ernteergebnis auswirken“, so Klaas Röhr, Landwirt aus Reinfeld.

Parallel zur laufenden Ernte richteten die Betriebe den Blick bereits auf die kommende Saison. Die Vorbereitungen für die Rapsaussaat im August liefen an, ebenso würden erste Zwischenfrüchte ausgesät. Im Grünland falle die Bilanz bislang erfreulich aus. Die ersten beiden Schnitte hätten laut BVSH überwiegend gute Erträge und Qualitäten gebracht, auch die Heuernte habe unter günstigen Bedingungen erfolgen können. Dank ausreichender Niederschläge entwickelten sich die Bestände derzeit gut, sodass nach derzeitigem Stand mit einer sicheren Futterversorgung zu rechnen sei.

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