Um das Zusammenspiel von Mensch und Fahrzeug besser kennenzulernen und die Fahrkünste zu verfeinern, absolvierte eine kleine Gruppe motivierter Autofahrerinnen und Autofahrer auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Boksee ein Fahrsicherheits-Intensivtraining.
Schon zu Beginn wurde deutlich, dass es dabei nicht nur um spektakuläre Fahrmanöver ging, sondern vor allem um grundlegende Fragen der Verkehrssicherheit: Wie alt sind die Reifen, wann wurde der Reifendruck zuletzt kontrolliert, und in welchen Situationen im Straßenverkehr kommt Unsicherheit oder Überforderung auf?
In einer kompakten Theorieeinheit wurden diese Aspekte aufgegriffen, eingeordnet und die oftmals unterschätzte Bedeutung für die tägliche Praxis auf der Straße betont. Auf dem Platz startete die Gruppe zunächst mit einer Slalom-Einheit, die eindrucksvoll zeigte, wie stark sich Geschwindigkeit auf die Fahrzeugbeherrschung auswirkt. Was sich bei 30 km/h noch recht entspannt fahren ließ, wurde bei 50 km/h bereits zu einer anspruchsvollen Aufgabe – insbesondere wenn parallel Kopfrechenaufgaben zu lösen oder die Nebelschlussleuchte zu bedienen war, um typische Ablenkungen im Straßenverkehr zu simulieren. In diesem Zusammenhang legte der Trainer großen Wert auf die korrekte Lenkradhaltung. Entscheidend sei, dass der Airbag-Bereich frei bleibe, damit das Sicherheitssystem im Ernstfall ungehindert eingreifen könne.
Die nächste Übung konzentrierte sich auf die Gefahrenbremsung. Zunächst wurden die Sitze korrekt eingestellt, um auch in kritischen Situationen die Sicherheit des Fahrers zu gewährleisten. Besonders anschaulich war anschließend der direkte Vergleich der Bremswege bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, der den Teilnehmenden eindrücklich vor Augen führte, wie rasant die Bremsstrecke mit zunehmender Geschwindigkeit ansteigt. Zugleich zeigte sich, dass Ganzjahresreifen beim Bremsweg gegenüber Sommerreifen unter den auf dem Platz herrschenden Bedingungen klare Vorteile besaßen.
Im weiteren Verlauf wechselte die Gruppe auf einen speziell beschichteten Teil der Anlage, dessen Asphalt in seiner Beschaffenheit Glatteis nachempfunden ist. Dort wurde zunächst festgestellt, wie groß die Unterschiede der Bremswege im Vergleich zu regulärem Asphalt bei identischer Geschwindigkeit tatsächlich waren. Die Ergebnisse verdeutlichten, wie trügerisch vermeintlich geringe Geschwindigkeiten bei winterlichen Straßenverhältnissen sein können. Ergänzend wurde das Bremsen mit der Handbremse trainiert, um das Verhalten des Fahrzeugs in solchen Extremsituationen besser einschätzen zu können und eine sichere Reaktion zu trainieren. Mithilfe programmierbarer Wasserstrahlen und plötzlich hochklappender Hindernisse wurden anschließend auf beiden Belägen, regulärem Asphalt und „Glatteis“-Beschichtung, unerwartete Situationen wie etwa ein Wildwechsel simuliert. Die Teilnehmenden mussten innerhalb von Sekundenbruchteilen bremsen oder ausweichen, ohne dabei die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Eine besondere Platte im Boden konnte dem Auto zudem einen seitlichen Stoß versetzen, sodass das gezielte Gegenlenken beim Ausbrechen des Fahrzeugs geübt werden konnte. Diese kontrollierte Überraschung sollte die Teilnehmenden auf Szenarien vorbereiten, in denen ein Fahrzeug dem Fahrenden nicht mehr gehorcht, etwa auf nasser oder verschmutzter Fahrbahn. Ein weiterer Übungsabschnitt war einer Fahrbahn mit unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten auf den beiden Spuren gewidmet, wie sie etwa bei Laubansammlungen, Schneematsch oder Fahrbahnverschmutzungen auftreten können. Die Teilnehmenden erfuhren, wie sich das Fahrzeug unter solchen Bedingungen verhält und welche Arbeit moderne Assistenzsysteme, etwa ABS und ESP, im Hintergrund leisten, wenn eine Gefahrenbremsung eingeleitet wird.
Zum Abschluss rückte das Thema Kurvenfahrt in den Vordergrund. Auf einer Fahrbahn, die einer Acht mit unterschiedlichen Kurvenradien nachempfunden war, sollten die Teilnehmenden die Geschwindigkeit schrittweise erhöhen, bis spürbar wurde, wann das Fahrzeug an seine physikalischen Grenzen stößt und der Fahrer aktiv eingreifen muss. Dies sollte als praxisnahe Simulation typischer Situationen wie eines zu schnellen Abfahrens von einer Autobahn oder unterschätzter Kurven auf Landstraßen dienen.
In der letzten Übung wurde eine Kurve mit glattem Asphalt befahren, um die Teilnehmenden erleben zu lassen, an welchem Punkt das Auto wegrutscht und wie man dabei die Kontrolle behalten kann. Insgesamt war das Training auf der ADAC-Fahrsicherheitsanlage sehr gelungen. Die Teilnehmenden konnten ihre eigenen Fahrfertigkeiten erweitern, zugleich wichtige Kenntnisse über Fahrphysik und moderne Sicherheitstechnik vertiefen und nicht zuletzt das Vertrauen in das eigene Fahrzeug stärken.




