Dr. Gerrit Friedrich Bub ist seit diesem Monat neuer Leiter der Forstabteilung in Bad Segeberg. Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer, sprach mit dem Diplom-Forstwirt und Doktor der Naturwissenschaften über den Waldbau im nördlichsten Bundesland.
Dr. Bub, Sie haben sich regional stark verändert. Sie kommen aus Nordrhein-Westfalen, haben in Freiburg, Bonn und Koblenz studiert, und Ihre letzte Wirkungsstätte war die Leitung eines großen Kommunalwaldes im Sauerland. Was reizt Sie am Waldbau in Schleswig-Holstein?
Dr. Gerrit Bub: Schleswig-Holstein ist das Land des Privat- und Kommunalwaldes. Das Land zwischen den Meeren bildet die Spitze der deutschen Bundesländer. Von Lauenburg bis Angeln finden sich interessante Waldstandorte und viele unterschiedliche Waldbestände. Der Waldbau in Schleswig-Holstein ist geprägt durch das jahrhundertealte Waldeigentum und die sich daraus entwickelnde einzigartige Kulturlandschaft. Es ist für mich eine Herausforderung, mit unserer Abteilung die Waldwirtschaft der unterschiedlichen Forstbetriebsgemeinschaften zu betreuen, zu fördern, zu beraten und durch den Wandel des Klimas zu führen. Ich freue mich, diese großartige Verantwortung übernehmen zu dürfen.
Der Wald hat Klimastress, und in vielen Regionen in Deutschland ist sein Anblick nach Borkenkäferbefall und Windbruch ein Trauerspiel. Kommen wir hier im Land zwischen den Meeren noch vergleichsweise gut weg?
Die Folgen des Klimawandels sind in der Tat in vielen Bundesländern für den Wald erschreckend. Die „Jahrhundertkata-
strophe“ 2018 bis 2022 in den deutschen Mittelgebirgen ist für uns im Norden ein mahnender Aufruf. Unser Wirtschaftswald und das Waldeigentum sind langfristig auch in Schleswig-Holstein durch die Klimaveränderung bedroht.
Also ausruhen können auch wir uns nicht?
Leider nein, im Gegenteil. Wir müssen jetzt handeln, um den Folgen des Klimawandels im Wald zu begegnen. Ich bringe aus Nordrhein-Westfalen nach Schleswig-Holstein viel praktische waldbauliche und forstbetriebliche Erfahrung mit, die dazu beitragen soll, den Wirtschaftswald in Schleswig-Holstein langfristig klimaresilient umzubauen und zu fördern. Nach dem Gesetz des Örtlichen geht es mir darum, die Wirtschaftskraft unserer Wälder zu erhalten und auszubauen, damit die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes auch zukünftig nachhaltig erfüllen können.
Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe in den kommenden Jahren?
Ich möchte als Abteilungsleiter und forstlicher Praktiker nah an den Menschen und den Forstbetrieben in Schleswig-Holstein sein. Unsere Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein steht als einfühlsamer Partner den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern mit Rat und Tat zur Seite, um ihren wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu sichern. Dafür bedarf es eines gut durchdachten, mit den Eigentümern und den Forstexperten abgestimmten, innovativen Waldbaukonzeptes, das den Herausforderungen des Klimawandels, aber auch den vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes gerecht wird. Es bedarf der Aus- und Weiterbildung junger Forstwirtinnen und Forstwirte und der Information unserer Forstbetriebsgemeinschaften und aller am Wald interessierten Bürgerinnen und Bürger. Unsere Bezirksförster stehen nahe an der Seite der Forstbetriebsgemeinschaften. Sie sind unsere vertrauenswürdigen Ansprechpartner für die Waldeigentümer vor Ort. Wir möchten mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ein Dienstleister für das Waldeigentum in Schleswig-Holstein sein. Dazu besetzen wir auch innovative Geschäftsfelder, denn Wald ist mehr als die Summe seiner Festmeter.
Ist der Privatmensch Dr. Bub, der Ehemann und Familienvater, in seiner Freizeit auch im Wald unterwegs und, wenn ja, welche Regionen gefallen ihm bei uns im Norden und wo möchte er unbedingt einmal hin?
Selbstverständlich gehe ich auch in meiner Freizeit sehr gern in den Wald – alleine oder mit meiner Familie, immer ist unser Rauhaardackel Moritz mit dabei. Beim Wandern durch unsere Wälder kann ich Fachliches erkennen und Privates erleben. Als Forstmann und Jäger freue ich mich, die vielfältigen Waldgebiete und die Eigentümerinnen und Eigentümer im Land zwischen den Meeren noch besser kennenzulernen. Als forstlicher Praktiker weiß ich: Nur wer die Borke der Bäume vor Ort erfasst hat, kann mit den Eigentümern über den Werdegang des Waldbestandes verantwortlich befinden. Man wird mich im Wald treffen und kann mich jederzeit auf den Wald ansprechen.



