StartNachrichtenAgrarpolitikPositives Bild mit Luft nach oben

Positives Bild mit Luft nach oben

Aktuelle Umfrage der i.m.a zum Image der deutschen Landwirtschaft
Von Tonio Keller
Die Landwirtschaft steht in der i.m.a-Umfrage besser da als ihr allgemeiner Ruf. Foto: Imago

Wie steht die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit da? Dazu hat der Verein information.medien.agrar (i.m.a) jetzt bei 2.225 Teilnehmern ab 16 Jahren eine bundesweite repräsentative Befragung durchgeführt. Ein Ergebnis vorweg: Das Image der Landwirtschaft scheint besser zu sein, als man nach Medienberichten vermuten könnte. Allerdings bleibt aus Sicht vieler Bürger eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Die Ergebnisse der Befragung, die die Agentur pollytix im Zeitraum August/September durchführte, stellte in weiten Teilen Patrik Simon von i.m.a vor. Im Interesse der Befragten standen vorrangig die Qualität der Nahrungsmittel sowie der Umgang mit Tieren und der Umwelt. An unterer Stelle standen der Alltag der Landwirte, Technik in der Landwirtschaft (eigenartig angesichts des Zustroms auf der Norla, fand Simon) und Urlaub auf dem Bauernhof, wobei hierzu das Interesse seit der vorigen Befragung stark zugenommen habe.

Landwirtschaft/Landwirte

Die Berichterstattung über die Landwirtschaft in den Medien wird überwiegend als ausgewogen empfunden (61 %). Die meisten informieren sich immer noch über das Fernsehen, erst an zweiter Stelle über das Internet.

Mehr als die Hälfte (56 %) glaubt, dass die Landwirtschaft in Deutschland auch in Krisenzeiten die Ernährungssicherheit gewährleisten kann – immerhin ein Drittel (30 %) glaubt das nicht. Um Ernährungssicherheit weiter zu gewährleisten, gestehen fast alle den Landwirten angemessene Preise zu (93 %) sowie mehr Freiheit bei der Nutzung von Flächen (83 %).

Bei der klassischen Frage nach der gesellschaftlichen Wichtigkeit rangieren die Landwirte an dritter Stelle (33 %) hinter Ärzten (59 %) und Pflegern (56 %) und fast gleichauf mit Polizisten und Lehrern. Ganz unten stehen Politiker und Rechtsanwälte (je 5 %) sowie Journalisten (2 %).

Als Probleme der Landwirtschaft werden vor allem Preisdruck durch den LEH (66 %), Preissteigerungen (60 %) und Klimawandel (59 %)empfunden, weniger eine mangelnde Wertschätzung in der Bevölkerung (allerdings beurteilen sich hier die Befragten im Grunde selbst).

Konsum und Ernährung

„Konsum und Ernährung“ titelte der zweite Block der Befragung. Wegen des Klimawandels verzichten würde man am ehesten auf Flugreisen (46 %), kaum auf Fleisch und Wurst, Urlaub und Autofahrten (je 15 oder 14 % – also so gut wie kaum jemand). Als Maßnahmen würden hingegen ergriffen: weniger Lebensmittel wegwerfen (77 %), Sonderangebote (70 %) und preiswertere Lebensmittel (62 %) kaufen und die Vorratshaltung anpassen (56 %).

Schulische Bildung

Zu wenig Landwirtschaft in der Schule vertreten? Das sehen 63 % so – „zu viel“ sagen nur 3 %. 78 % würden es begrüßen, wenn landwirtschaftliche Themen im Unterricht verpflichtend wären. Auch hier stehen gesunde Ernährung, Umweltschutz und Klimawandel sowie Erneuerbare Energien im Vordergrund. Besuche von Schulklassen auf Bauernhöfen wurden als sehr wichtig (61 %) oder wichtig (35 %) angesehen.

Erwartung/Wahrnehmung

Susanne Schulze-Bokeloh, Vizepräsidentin des Deutschen Bauernverbandes, oblag es, den Themenbereich „Erwartungen und Wahrnehmungen“ darzustellen. „Welche Eigenschaften wünschen Sie sich von den deutschen Landwirten?“ lautete die Frage. Verantwortungsvoller Umgang mit Tieren und Umwelt, Landschaftspflege sowie die Versorgung mit vor allem regionalen Lebensmitteln hoher Qualität standen auch hier auf der Wunschliste oben.

Bei der Einschätzung der Befragten, inwieweit Landwirte diese Wünsche gegenwärtig erfüllen, sieht es hingegen anders aus: Beim Umgang mit Tieren klafft eine Schere von Wunsch und gefühlter Wirklichkeit von 78 zu 31 % (47 % Differenz), beim Umgang mit Boden, Wasser und Luft von 71 zu 29 % (42 % Differenz). Weitere Themen weisen 20 bis 25 % Differenz aus, am geringsten bei der Versorgung der Verbraucher mit Produkten aus der Region (12 % Differenz). In Bereichen, wo wenig erwartet wird, wird dies auch in etwa erfüllt. Der einzige Punkt, der die Erwartungen übertraf, war das unternehmerische Verhalten der Landwirte.

Simon betonte gleichwohl, dass die Abstände zwischen Wunsch und Wirklichkeit gegenüber früheren Befragungen geringer geworden seien, „aber die Hausaufgaben sind klar“. – „Die Themen zeigen, dass wir bei Tierwohl, Umwelt und regionaler Vermarktung auf dem rechten Weg sind“, kommentierte Schulze-Bokeloh und verwies auf das Konzept „Zukunftsbauer“. Es genüge jedoch nicht, der Öffentlichkeit zu beteuern: „Ja, wir machen doch schon!“ „Wenn es wahr ist, dann müssen wir das besser kommunizieren“, so die DBV-Vize.

Wer Schmähungen und Angriffe in Medien, Politik und Öffentlichkeit vor Augen hat, mag verwundert sein über die relativ wohlwollende Sicht auf die Landwirtschaft. Auf Nachfrage beteuerte Rainer Faus von pollytix, dass die Kriterien für repräsentative Umfragen genau eingehalten worden seien. Ob 2.225 Teilnehmer eine genügend große Stichprobe darstellen, bleibt die Frage. Aber vielleicht steht die Landwirtschaft tatsächlich besser da, als es mitunter den Eindruck vermittelt.

Die vollständigen Ergebnisse finden Sie auf der Startseite bauernblatt.com oder hier

oder Angebot auswählen und Artikel gleich weiterlesen

Abonnement
upgraden

Für Abonnenten der gedruckten Ausgabe nur 1,50 €/Monat (Jahresabo 18,- €).

Abonnement
abschließen

Digital-Abonnement für nur 64,- € für 6 Monate (Jahresabo 120,- €).

Ihre Vorteile auf einen Blick:
  • • unbegrenzter Zugriff auf alle bb+ Artikel
  • • das Bauernblatt bereits ab Donnerstagmittag auf Smartphone oder Tablet
  • • Zugang zum Archiv bisheriger Bauernblatt Ausgaben (seit August 2013)
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
WEITERE ARTIKEL
- Anzeige -
- Anzeige -

Meistgeklickt