In die Rolle eines Landwirtes zu schlüpfen, fällt Landwirtschaftsschülern leicht. Ungewohnter ist das bei der Rolle eines Wissenschaftlers oder eines nichtlandwirtschaftlichen Dorfnachbarn. Darauf ließen sich die Schüler des Berufsbildungszentrums (BBZ) Schleswig am Projekttag „Klimafeste Landwirtschaft“ ein, den das BBZ zusammen mit der Klimaschutzregion Flensburg und dem Naturpark Schlei auf der Klimafarm der Stiftung Naturschutz in Erfde in der Eider-Treene-Sorge-Niederung durchführte.
„Wenn wir es nicht schaffen, den Klimawandel zu bremsen, werden Dürren und Starkregen noch schlimmer“, warnt ein Wissenschaftler. – „Wovon soll ich die Raten für die Bank bezahlen, wenn ich nicht mehr melke?“, fragt sich eine Bäuerin. –„Ich habe Angst davor, dass unsere Dörfer überflutet werden und wir umgesiedelt werden“, fürchtet eine Dorfbewohnerin. Das sind allerdings nicht O-Töne von wirklichen Menschen, sondern fiktive Aussagen, die den Schülern von der Klimafarm als Stoff für eine Diskussion in verteilten Rollen mitgegeben wurden.
„Am Anfang waren alle sauer, aber wir haben viel diskutiert und dann einen gemeinsamen Weg gefunden“, schildert ein Sprecher hinterher den Prozess. „Man muss mit dem Dorf zusammenarbeiten und nicht gegen das Dorf.“ In einer anderen Gruppe gelang das nicht so gut: „Wir waren alle stur und sind auch so auseinandergegangen.“ – „Das kommt vor, das ist nicht unrealistisch“, kommentiert Klimafarm-Leiterin Dr. Elena Zydek. Doch die Sorge vor Dorfüberflutung durch Moorvernässung will sie ausräumen: „Ihr werdet sehen, dass das nicht so ist.“
Die Projekttage „Klimafeste Landwirtschaft“ führt das BBZ Schleswig seit drei Jahren mit seinen Landwirtschaftsschülern im ersten Ausbildungsjahr und in der verkürzten Ausbildung durch – in Kooperation mit der Klimaschutzregion Flensburg und dem Naturpark Schlei. Das Projekt umfasse vier Tage, erklärt Klassenlehrerin Andrea Propp. Neben einer theoretischen Einheit und dem Besuch der Klimafarm (zum zweiten Mal seit deren Gründung) wird ein Betrieb in Brodersby besucht, der seine Kooperation mit dem Naturschutz vorstellt, sowie ein Betrieb in Dannewerk, wo es um Gewässerschutz und Nährstoffmanagement geht.
In Erfde folgt nach der Gruppenarbeit zunächst ein Betriebsrundgang. Stachelwalzenmäher für Kleinschläge bis 1 ha werden gezeigt, die Mähraupe für größere Schläge beschrieben und Schlepper mit besonders großen Reifen erörtert. „Wir betreiben nasse Landwirtschaft, das ist eine Balance zwischen Landschaftspflege und Bewirtschaftung, da wollen wir noch effektiver werden“, räumt Zydek ein.
Ein Schwerpunkt der Klimafarm ist, die Vermarktung von Paludi-Produkten zu eruieren. „Paludi“ – nach Lateinisch „palus“, Sumpf –nennt man von nassem Land gewonnenes Material. In Erfde wird es nicht angebaut, sondern von natürlichem Aufwuchs geerntet. Als Neuigkeit wird den Schülern ein Demofeld für Dachbegrünung mit Paludi-Platten zur Feuchtigkeitsspeicherung und -abgabe gezeigt.
Weil die Schüler „heiß auf Maschinen sind“, bekommen sie anschließend die Aufgabe, in Betriebsanleitungen und an den Schultablets die Daten von für die Nassbewirtschaftung geeigneten Geräten zu recherchieren.
„Spannend“ finden die Schüler den Projekttag. „Wir haben zu Hause auch nasse Flächen, wo die Bewirtschaftung immer schwieriger wird“, kann ein Angelner Junglandwirt Ideen für sich nutzen. Andere sehen den Projekttag eher als Bereicherung durch den Blick nach außen. „Es ist gut, dass es so praktisch und vielfältig aufgebaut ist“, sagt eine Schülerin, „wir haben uns mit echten Meinungen beschäftigt.“ Eine weitere Schülerin findet aus Verbrauchersicht die Produkte interessant, die hier entwickelt werden.
Zum Schluss ging es an einen der eigentlichen Orte des Geschehens: ins Ellerortsmoor, die damals erste vernässte Fläche der Klimafarm.



