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„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ heißt es im Volksmund. Die Bedeutung: Man muss sich auch einmal etwas trauen, denn oftmals führen die mutigen Entscheidungen zum Erfolg. Genau diesen Weg schlugen zwei Brüder aus Dithmarschen ein – mit Erfolg.
Mathis und Steffen Block sind ein gutes Team. Davon konnten sich die Mitglieder des Fachausschusses Einkommensalternativen auf dem Betrieb in Osterrade, Kreis Dithmarschen, in jeder Hinsicht informieren. Die Brüder boten einen umfangreichen Einblick in ihre Geschäftsidee, die sie gemeinsam in die Tat umsetzten.
Der Fachausschuss Einkommensalternativen besuchte den Betrieb von Mathis Block in Osterrade, v. li.: Enno Karstens, Leiter Abt. Bildung und Beratung der LKSH, Astrid Petersen, 2. Vorsitzende, Inken Engelbrecht, Eike Brandt, Silke Stammer, Mathis Block, Geschäftsführer Block Bio Innovationen, Steffen Block, Geschäftsführer Block Bio Innovationen, Iris Petersen, Ute Bielfeldt, Vorsitzende, Annette Blöcker, Heidi Thamsen, Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer SH.
Bereits 2016 hätten sie die vielfältigen Möglichkeiten für die Landwirtschaft erkannt, erzählte Steffen Block. Pflanzenkohle werde durch die pyrolytische Verkohlung von pflanzlicher Biomasse hergestellt (der Begriff „Pyrolyse“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Feuerauflösung“). Davon gab es auf dem Hof mehr als genug, nämlich zum Beispiel Knickholz, das jedes Jahr beim Rückschnitt anfällt. Zu der Zeit arbeitete Steffen Block allerdings noch in Vollzeit im Bereich Sportmarketing: „Wir haben uns trotzdem peu à peu an das Thema herangewagt, bis schließlich die Entscheidung, es zu machen, eine logische Konsequenz war.“ Damals war eine Investition von 1,8 Mio. € notwendig, heute seien im Schnitt 1,4 bis 1,5 Mio. € erforderlich.
Mathis Block zeigt Annette Blöcker, wie die Anlage zur Herstellung von Pflanzenkohle gesteuert wird.
Pflanzenkohle als Kuhfutter
Mit jedem Kilo Pflanzenkohle werden der Atmosphäre bis zu 3,1 kg CO2 entzogen und dauerhaft gebunden. Bei diesem Prozess entstehe darüber hinaus Wärme, mit der über ein lokales Netz der Hof und weitere umliegende Häuser versorgt würden: eine Win-win-Situation sozusagen. Für Mathis Block, der von seinem Vater einen klassischen Milchviehbetrieb übernommen hatte, ist zudem noch ein weiterer Aspekt bedeutsam: Seiner Ansicht nach werden Kühe, insbesondere auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, heutzutage immer mehr in Watte gepackt: „Ein Landwirt in Deutschland benötigt im Durchschnitt 56 Kühe, um monatlich auf dieselbe Milchmenge wie ein Kollege aus Irland mit 49 Tieren zu kommen.“ Das Thema Tiergesundheit habe ihn daher sehr beschäftigt, zumal seine Kühe oft mit Clostridien infiziert gewesen seien.
Seitdem er die Kühe mit der selbst produzierten Pflanzenkohle zusätzlich füttere, habe sich der Gesundheitszustand der Tiere deutlich verbessert. Derzeit produzieren und verkaufen die Brüder die EBC-AgroBio-zertifizierte Pflanzenkohle in großen Plastiksäcken, aber sie planen eine kleinere Variante für Privatpersonen, die zum Beispiel einen Garten haben.
Digitalisierung ist Thema Nummer eins
Im Anschluss an den Hofbesuch informierte der Leiter Abteilung Bildung und Beratung der Landwirtschaftskammer, Enno Karstens, die Teilnehmerinnen über aktuelle Projekte und Entwicklungen im Bereich Einkommensalternativen. Ein wichtiges Projekt sei das geplante Buchungsportal für Veranstaltungen. Ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren laufe bereits. Ferner sei das Thema Digitalisierung derzeit in vielen Bereichen vorrangig, denn schließlich müsse auch die Landwirtschaftskammer weiterhin Prozesse optimieren.
Für Kammerpräsidentin Ute Volquardsen ist darüber hinaus in diesem Zusammenhang die Künstliche Intelligenz (KI) bedeutsam: „Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen. Wir wollen auf jeden Fall vermehrt damit arbeiten, um zukunftsfähig zu bleiben.“
Pflanzenkohle:
• verbessert die Bodenstruktur
• speichert Wasser und Nährstoffe effizient
• fördert den Humusaufbau
• reduziert den Düngemittelbedarf
• mindert die Bildung von Ammoniak und Lachgas in Ställen
• wirkt als Toxinbinder in der Fütterung
• Mit jedem Kilo Pflanzenkohle werden bis zu 3,1 kg CO2 der Atmosphäre entzogen und dauerhaft gebunden.
Fazit
Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe in Schleswig-Holstein entwickeln Ideen und Projekte, die zukunftsweisend sind. Neben den klassischen Betriebszweigen wie Ackerbau und Milchviehhaltung haben sich zum Beispiel die Bereiche „Urlaub auf dem Bauernhof“, „Direktvermarktung und Bauernhofcafés“, „Bauernhofpädagogikkurse“ und Lehrgänge zum Thema „Greencare“ etabliert. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unterstützt die Akteure mit Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie individueller Beratung.
Anfang März besuchten fünf junge Schweden die Lehranstalt für Forstwirtschaft, um mehr über die Forstwirtschaft in Deutschland und die praktische Laubholzernte zu erfahren. Drei Wochen haben sie mit den Forstwirtauszubildenden gemeinsam gearbeitet, im Internat gelebt und an verschiedenen Exkursionen zu den Besonderheiten der deutschen Forstwirtschaft teilgenommen. Neben neuem Wissen und Erfahrungen sind natürlich auch neue Freundschaften entstanden.
Die Lehranstalt für Forstwirtschaft pflegt mit ihren Forstwirtauszubildenden seit Anfang der 2000er Jahre einen regelmäßigen jährlichen Austausch mit schwedischen Forstschulen. In den zurückliegenden Jahren hatten üblicherweise je fünf Auszubildende aus Bad Segeberg die Chance, an einem Maschinenführerlehrgang in Schweden teilzunehmen und im Rahmen des Austausches zudem Land und Leute näher kennenzulernen. Für die Auszubildenden ist es eine besondere Möglichkeit, die angesichts der begrenzten Teilnehmerzahl nicht allen zur Verfügung steht. Aktuell erfolgt der Austausch mit der Naturbruksskolan in Svenljunga.
Seit 2018 nutzt auch die Partnerschule in Svenljunga die Möglichkeit, junge Menschen nach Deutschland zu einem Austausch zu schicken. Im ersten Jahr noch auf eigene Kosten, hat sich der Besuch aus Schweden auch finanziell durch die Erasmus-Förderung etabliert. Mit Ausnahme der Pandemiejahre (2021 und 2022) sind in jedem Jahr zwischen drei und sechs junge Schweden nach Bad Segeberg gereist.
Ankunft in Schleswig-Holstein
Anfang März war es dann wieder so weit, dass vier junge Männer und eine junge Frau aus Schweden in Bad Segeberg ankamen. Begleitet wurden sie von zwei Lehrenden aus ihrer Schule, die jedoch nach zwei Tagen wieder die Rückreise antraten. Somit waren die Gäste auf sich allein gestellt. Wie sich jedoch zeigte, hat sich schnell ein inniger Kontakt mit dem dritten Ausbildungsjahr an der Lehranstalt entwickelt. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten vor allem auf Seite der deutschen Auszubildenden hat man schnell Wege der Verständigung gefunden.
Begonnen hat der diesjährige Austausch mit einer kurzen Einführung in die Landwirtschaftskammer und ihre Forstabteilung und deren Aufgaben sowie einer gemeinsamen Stadtrallye in Bad Segeberg gemeinsam mit den deutschen Auszubildenden. Die Gruppen waren dabei jeweils gemischt, sodass beide Seiten an ihren englischen Sprachkenntnissen feilen konnten.
Einblick in die deutsche Forstwirtschaft
Der nächste Tag war geprägt von einem vertieften Einblick in die deutsche Forstwirtschaft am Beispiel eines größeren privaten Forstbetriebes. Hier wurden die grundsätzlichen Unterschiede am deutlichsten. Während man in Schweden eher auf die Gesamtmasse des Rohstoffes Holz schaut, steht in der deutschen Forstwirtschaft der Wertzuwachs des einzelnen (eher wertvollen) Holzstamms im Zentrum. Und so investieren deutsche Forstbetriebe, auf den ersten Blick schwer verständlich für die Schweden, viel Liebe und Zeit in die Entwicklung qualitativ hochwertiger Einzelbäume und Stämme.
Den Abschluss des Tages bildete ein Besuch auf dem Submissionsplatz in Daldorf, wo auch die Zuschlagspreise für das dort liegende Stammholz mitgeteilt wurden. Angesichts von Preisen von über 10.000 € für einzelne Stämme wurde die Zielsetzung dieser anderen, auf den Einzelstamm ausgerichteten Forstwirtschaft hier noch einmal deutlich. Und so ist davon auszugehen, dass der eine oder andere Festmeterpreis den Schweden noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Besuch im Laubholzsägewerk
Blick über die Köpfe der Schweden auf die Blockbandsäge im Laubholzsägewerk Fotos: Dr. Jörg Hittenbeck
Als nächster Programmpunkt stand der Besuch eines Laubholzsägewerks an. Wie es der Zufall manchmal will, wurde gerade zum Zeitpunkt des Sägewerksbesuchs das erste Holz vom Wertholzlagerplatz aus Dalldorf angeliefert. So konnten die jungen Gäste direkt beobachten, wie aus einem Langholzstamm mit einigem Manipulationsaufwand langsam Schnittholz für Bodenbeläge entstand. Einzelne Holzmerkmale (oder auch Fehler) bekommen dabei eine besondere Bedeutung für die spätere Sortierung des Schnittholzes in verschiedene Qualitätskategorien. Das besuchte Sägewerk trocknet zudem einen Teil des Holzes in den eigenen Lagerhallen beziehungsweise Trockenräumen, sodass die späteren Kunden die Ware direkt nach der Auslieferung verarbeiten können. Auf dem ersten Stück des Rückweges nach Bad Segeberg machte die Exkursionsgruppe noch halt in der Zentrale der Landwirtschaftskammer, um sich über die weiteren Aufgaben der Kammer zu informieren und in der Deula zu Mittag zu essen. In der Zentrale wurden Fotos gemeinsam mit den schwedischen Gästen gemacht und direkt auf dem Instagram-Account der Landwirtschaftskammer gepostet (siehe dazu auch Foto in dieser Ausgabe, Kammer kompakt, S. 33).
Besuch in der Kammerzentrale
Den Abschluss des Exkursionstages bildete der Besuch bei einem Harvester. Diese skandinavische Standardtechnik wird schon seit Jahrzehnten auch in Deutschland für die Holzernte eingesetzt. In diesem Fall handelte es sich jedoch um einen speziell für die Starkholzernte unter deutschen Bedingungen aufgerüsteten Harvester. Neben einem deutlich stärkeren Kran kommt auch ein Aggregat zum Einsatz, das mit größeren Stammdurchmessern zurechtkommt. Das Bild der Maschine mit den schwedischen Gästen verdeutlicht die Größe des Harvesteraggregats. So konnten die schwedischen Gäste die aus der Heimat bekannte Technik mit Sonderausstattung im Einsatz sehen.
Käferkalamitäten im Harz
Eine Besonderheit, auf die die Schweden für ihre eigene Forstwirtschaft gern verzichten können, sind die Käferkalamitäten in der Fichte der zurückliegenden Jahre. Das machte ein Besuch im Harz sehr deutlich. Insbesondere infolge der Trockenjahre 2018 bis 2020 und der daran anschließenden Massenvermehrung von Borkenkäfern präsentierte sich den schwedischen Gästen ein nahezu apokalyptisches Bild des Harzes: abgestorbene Bäume und Kahlflächen, so weit das Auge reichte. Angesichts der Tatsache, dass die Fichte die Hauptbaumart in den Wäldern um Svenljunga ist, und des auch dort offenkundigen Klimawandels waren die Gäste etwas bestürzt. Zurück in Bad Segeberg haben sie dann auch die Zeit genutzt, sich mit dem Waldschutzexperten der Forstabteilung gemeinsam Gedanken für den schwedischen Wald zu machen. Sollte es in einigen Jahren, hoffentlich Jahrzehnten, so weit sein, dass Ähnliches auf die schwedischen Wälder zukommt, sind jedenfalls diese fünf jungen Menschen bereits vorbereitet und haben Ideen, wie der Prozess zumindest verlangsamt werden kann.
Praktische Arbeit und Abschied
Wenn der Eindruck entsteht, die schwedischen Gäste hätten überwiegend nur geschaut und seien nicht selber aktiv geworden, so täuscht das. Zwei Wochen ihres Deutschlandaufenthaltes haben die Schweden gemeinsam mit den Auszubildenden der Lehranstalt in den Wäldern rund um Bad Segeberg bei gemeinsamer Arbeit verbracht. Für alle stand eine Woche mit dem Schwerpunkt (Laub-)Starkholzernte mit verschiedenen Techniken und Hilfswerkzeugen auf dem Programm sowie eine weitere Woche mit verschiedenen forstlichen Arbeiten, sozusagen ein Best-of der praktischen Forstwirtschaft.
Dabei sind neue Freundschaften entstanden und so fiel der Abschied allen schwer. Die Zeit bis zum Wiedersehen war nicht lang, der Gegenbesuch aus Deutschland startete am Ostermontag bereits mit der Klassenfahrt und setzt sich mit fünf ausgewählten Auszubildenden bis Ende Mai fort. Der deutsch-schwedische Austausch in der Forstwirtschaft ist zum Erfolg geworden, der die Menschen verbindet.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ernannte Alois Rainer (CSU) am Dienstag (6. Mai) in Berlin zum neuen Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Nach der Vereidigung im Deutschen Bundestag fuhr der Minister zur Amtsübergabe mit seinem Vorgänger Cem Özdemir (Grüne).
Rainer hat dabei erste Eckpunkte seiner politischen Agenda genannt. „Wir müssen unsere bäuerlichen Familienbetriebe stärker entlasten und ihnen mehr Planungssicherheit geben“, sagte der CSU-Politiker. Bürokratieabbau sei dabei kein Schlagwort, sondern eine politische Verpflichtung. Sein Ziel sei es, „im Einklang mit Umwelt und Tierwohl beste Bedingungen für die Landwirtschaft in Deutschland zu schaffen“.
Zwei Staatssekretärinnen
Er bezeichnete die Landwirtschaft als das Rückgrat des ländlichen Raums. Sie verdiene Wertschätzung, Verlässlichkeit und faire Rahmenbedingungen. Ihm gehe es darum, den ländlichen Raum insgesamt „als Lebensraum zu stärken, als Wirtschaftskraft zu fördern und als Heimat lebendig zu halten“. Der langjährige Bundestagsabgeordnete betonte, es sei ihm „eine große Ehre und Verantwortung“, das Amt des Bundesministers für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zu übernehmen. Dieses Regierungsamt sei für ihn „kein Beruf, sondern eine Berufung“.
Unterstützung bei seiner neuen Aufgabe erhält Rainer von seinen Parlamentarischen Staatssekretärinnen Silvia Breher (CDU) und Martina Englhardt-Kopf (CSU). Breher stammt aus dem Oldenburger Münsterland in Niedersachsen. Seit 2017 vertritt sie als direkt gewählte Bundestagsabgeordnete den Wahlkreis Cloppenburg-Vechta im Deutschen Bundestag. Sie war im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft sowie im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend tätig. Englhardt-Kopf stammt aus Schwandorf in Bayern. Seit 2021 vertritt sie als direkt gewählte Abgeordnete den Bundeswahlkreis Schwandorf/Cham im Deutschen Bundestag. Sie gehörte bisher dem Verkehrsausschuss sowie stellvertretend dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgeabschätzung an. Mit ihrer Familie bewirtschaftet sie einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb.
Hohe Erwartungen
Positiv reagierten die Agrarverbände auf die Nominierung von Rainer. Umwelt- und Tierschutzvertreter betonen ihre Gesprächsbereitschaft. Nahezu übereinstimmend wurde hervorgehoben, dass Rainer mit den Themen vertraut sei. Er kenne die Branche, habe kommunal- und bundespolitische Erfahrung und einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft.
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), bescheinigte Rainer eine hohe Fachkompetenz und langjährige politische Erfahrung. Dessen wichtigsten Aufgaben sieht der Bauernpräsident darin, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft wiederherzustellen sowie spürbar Bürokratie abzubauen. Gefragt seien ein klarer agrarpolitischer Kompass und Entscheidungen im Sinne der Bauernfamilien.
Laut Raiffeisenpräsident Franz-Josef Holzenkamp wird es für den neuen Minister darum gehen müssen, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen und schnell in den Arbeitsmodus zu gelangen. Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft warte händeringend auf ein starkes Signal, wie die großen Herausforderungen angepackt und gelöst werden könnten. Dringend geklärt werden müsse die Finanzierung elementarer Transformationsprozesse wie etwa der Umbau der Tierhaltung. Notwendig sei, Ökologie und Ökonomie sinnvoll zu harmonisieren. Schließlich gehe es darum, die Bedeutung des ländlichen Raums und der Genossenschaften für die gesamte Wertschöpfungskette anzuerkennen.
Bio-Ausbau steigern
Hohe Erwartungen hat auch die Biobranche an den nächsten Agrarminister. Er sei als gelernter Metzgermeister „ein Mann vom Fach“, stellte die Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Tina Andres, fest. Allein im Biobereich sorge die Verarbeitung von Lebensmitteln im ländlichen Raum für 170.000 Arbeitsplätze. Insgesamt sei die Wertschöpfungskette Bio mit ihren 380.000 Beschäftigten zwar auf Wachstumskurs; es gebe aber noch „viel Luft nach oben“. Andres sieht Rainer gefordert, die Bio-Ausbauziele von mindestens 30 % in ganz Deutschland anzustreben.
Nach Auffassung von Bioland-Präsident Jan Plagge sollte der neue Minister seine Erfahrungen und Kenntnisse dazu nutzen, den Umbau des Sektors hin zu mehr Nachhaltigkeit entschieden voranzutreiben. Klimawandel, Gewässerbelastung und Artensterben bedrohten auch die Landwirtschaft in ihrer Existenz und erforderten schnelles und wirkungsvolles Handeln. Eine Grundlage dafür biete die vorliegende Bio-Strategie 2030. Bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) müsse die Honorierung von Ökosystemleistungen eine herausragende Rolle spielen.
Aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ist der Umbau der Tierhaltung eine zentrale Aufgabe für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Um kostendeckende Preise und faire Marktbedingungen durchzusetzen, müsse der Landwirtschaftsminister marktpolitische Rahmenbedingungen setzen, wie etwa verpflichtende Verträge vor Lieferung. In der GAP müssten Fördermittel gerechter verteilt werden – über eine Stärkung der Umverteilungsprämie oder eine Staffelung oder Kappung. Ein großer Wettbewerbsvorteil für die europäische Landwirtschaft sei die Sicherung der Gentechnikfreiheit, erklärte die stellvertretende AbL-Bundesvorsitzende Lucia Heigl.
„Der Umbau zu einer natur- und klimaverträglichen Landwirtschaft duldet keinen Aufschub“, mahnte der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland, Jörg-Andreas Krüger. Er forderte den Minister auf, aktiv den Dialog mit Natur- und Umweltverbänden zu suchen, um Landwirtschaft und Naturschutz als gemeinsame Aufgabe zu begreifen.
Die Nachricht von der gescheiterten Kanzlerwahl erreichte den Landesvorstand des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) zu Beginn seiner Sitzung am Dienstagvormittag (6. Mai) in Rendsburg. „Dann dauert es eben ein bisschen länger“, kommentierte Präsident Klaus-Peter Lucht und sollte damit recht behalten. Schließlich erreichte Friedrich Merz (CDU) wenige Stunden später im zweiten Wahlgang die benötigten Stimmen.
Damit kann die neue Bundesregierung starten. Gespannt zeigte sich Lucht mit Blick auf die Ernennung von Carsten Schneider (SPD) als Umweltminister. Er hoffe auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Herausfordernd dürfte seiner Einschätzung nach die Rückkehr von Jochen Flasbarth als Staatssekretär ins Umweltministerium sein. Der ehemalige Nabu-Präsident gilt als Naturschutz-Hardliner.
Zur Gänseproblematik erneuerte der BVSH-Präsident eine langjährige Verbandsforderung: „Die Bestandszahlen müssen runter.“ Dies habe er kürzlich auch gegenüber Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nochmals betont. Gespannt ist der BVSH-Präsident, wie die Umsetzung des Aktionsplans Ostseeschutz voranschreite. Der Verband werde sich im Sinne der Zielvereinbarung konstruktiv einbringen. Kritisch bewertet Lucht weiterhin das Verbot des Güllefahrens auf angetauten Böden. Er unterstrich: „In anderen Bundesländern geht es, hier aber nicht.“ Dabei sei die Sache fachlich klar. Er halte es für falsch, wenn Schleswig-Holstein im Ländervergleich bei der Auslegung der Regeln am vorsichtigsten agiere. Daneben müsse es im Sinne der Kreislaufwirtschaft grundsätzlich erlaubt sein, 230 kg N auf Grünland auszubringen.
Mit Blick auf das von der EU beschlossene Naturwiederherstellungsgesetz wolle der Verband „vor die Welle kommen“ und nicht mit neuen Schutzgebieten übersät werden. Der Vorstand zeigte sich überzeugt: „Immer neue Flächen unter Schutz zu stellen hilft nicht.“ Vielmehr müssten die bisherigen Schutzflächen auf Erfolg überprüft werden. Auch Naturschutz müsse effizient sein. Als problematisch bewerten die Vorstandsmitglieder, dass es viele Konflikte zwischen Artenschutz und Klimaschutz gebe. Doch nur im Klein-Klein zu bleiben, sei keine Lösung. Ein weiteres wichtiges Thema für die Landwirtinnen und Landwirte sei die Umsetzung der Datensäule. Man erwarte, dass bis zur Norla konkrete Ergebnisse vorlägen.
Generalsekretär Michael Müller-Ruchholtz gab eine Einschätzung zum Koalitionsvertrag. Dieser enthalte überwiegend Absichtsbekundungen. Zudem stünden einige Vorhaben unter Finanzierungsvorbehalt. Positiv seien unter anderem die Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung und das Bekenntnis zur Tierhaltung. Müller-Ruchholtz ist zudem gespannt, wie der angekündigte Bestandschutz von 20 Jahren bei Neu- und Umbauten im Detail umgesetzt werde. Als schlecht bewertete er den Wunsch nach einer Erhöhung des Mindestlohns. Dies widerspreche zudem dem Ziel, die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse zu erhöhen. Dem pflichtete Vorstandsmitglied Heinrich Mougin bei. Er warnte vor einer Erhöhung auf 15 € schon 2026. Das hätte Strukturbrüche zur Folge. Mougin kritisierte darüber hinaus, dass immer mehr Pflanzenschutzmittelwirkstoffe ihre Zulassung verlören beziehungsweise verlieren würden und nannte als aktuell diskutierte Wirkstoffe Cyprodinil und Fluordioxonil. „Nur mit Notfallzulassungen zu arbeiten, ist ein enormer Aufwand. Wir brauchen echte Zulassungen“, forderte Mougin.
Zum Knickschutz berichtete der Stellvertretende Generalsekretär Dr. Lennart Schmitt, dass noch in diesem Jahr ein Modellvorhaben gestartet werde, bei dem das seitliche Einkürzen bereits am 15. August erfolge. Sollten sich keine negativen Folgen einstellen, könnte die derzeitige Frist (17. September) verschoben werden.
Die Bedeutung von Nutzhanf in der deutschen Landwirtschaft wächst stetig. Mit der Erhöhung des zulässigen THC-Gehalts auf 0,3 % durch die Europäische Union und der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Rohstoffen eröffnen sich neue Perspektiven für diese traditionelle Kulturpflanze. Eine aktuelle Studie des Arbeitsbereichs Landwirtschaftliche Betriebslehre der Georg-August-Universität Göttingen untersuchte die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte des Hanfanbaus sowie dessen Potenziale aus Sicht der Praxis.
Nutzhanf zeichnet sich grundsätzlich durch seine Anpassungsfähigkeit aus, reagiert aber dennoch auf bestimmte Standortbedingungen.
Ackerbauliche Aspekte
Die Pflanze gedeiht am besten auf tiefgründigen, humosen Böden mit guter Wasserversorgung. Sandige, flachgründige Böden oder stark verdichtete Tonböden sind weniger geeignet, da sie das Wurzelwachstum beeinträchtigen können. Der pH-Wert sollte im neutralen bis leicht basischen Bereich liegen.
Die Aussaat von Sommerhanf erfolgt ab Mitte April bei Bodentemperaturen von mindestens 8 °C. Dabei spielt die Nutzungsrichtung eine entscheidende Rolle für die spätere Aussaatstärke: Während für die Faserproduktion etwa 350 Körner je Quadratmeter (K./m²) empfohlen werden, genügen für die Samengewinnung zirka 100 K./m². Eine Alternative bietet der Winterhanfanbau nach früh räumenden Hauptfrüchten wie Wintergerste als Zweitfrucht. Die Aussaat erfolgt hier bis spätestens Ende Juli. Nutzhanf lässt sich flexibel in Fruchtfolgen integrieren und eignet sich besonders als Vorfrucht in Systemen, die stark von Winterungen dominiert sind. Im ökologischen Landbau wird Hanf häufig nach Leguminosen angebaut, um von deren Stickstofffixierung zu profitieren.
Der Nährstoffbedarf von Nutzhanf ist moderat. Für Sommerhanf ist ein Stickstoffbedarf von bis zu 160 kg N/ha, je nach Ertragsniveau, empfohlen, während für Winterhanf reduzierte Werte von bis zu 100 kg N/ha angegeben werden. Der höchste Nährstoffbedarf tritt im Zeitraum des schnellen Wachstums von Mitte Mai bis Ende Juni auf. Organische Dünger wie Gülle oder Gärreste eignen sich gut und unterstützen zusätzlich die Bodenstruktur.
Besonders hervorzuheben ist die aktuell noch bestehende Unempfindlichkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Auch Herbizidmaßnahmen sind unter normalen Bedingungen nicht zwingend notwendig, da die Pflanze aufgrund ihrer schnellen Jugendentwicklung und dichten Bestandsbildung sehr konkurrenzfähig gegenüber Unkräutern ist. In der Regel kann also beim Hanfanbau vollständig auf chemischen Pflanzenschutz verzichtet werden.
Eine besondere Herausforderung stellt die Ernte dar. Der optimale Zeitpunkt variiert je nach Nutzungsziel: Für die Fasergewinnung liegt er zwischen Vollblüte und Blühende durch bodennahen Schnitt bei einem Feuchtegehalt des Strohs von etwa 14 %. Für die Samennutzung erfolgt die Ernte etwa vier bis sechs Wochen später. Die Feuchtigkeit der Samen sollte bei der Ernte etwa 15 % betragen. Die Doppelnutzung erfordert eine präzise Terminierung der Ernte auf die Samenreife (Mitte September bis Anfang Oktober), da Samen und Fasern unterschiedliche Reifezeiten aufweisen. Spezielle Maschinen oder ein Zweistufenverfahren kommen dabei zum Einsatz. Im Winterhanfanbau erfolgt die Ernte im Frühjahr. Die Stängel werden bei ausreichender Trockenheit und angemessener Witterung im Februar bis März geerntet.
Hanfernte: Ölsorten mit niedrigem Wuchs reifen auf leichten Böden einheitlich ab und lassen sich gut ernten. Der Drusch erfolgt analog zum Raps mit langen Stoppeln und ähnlicher Einstellung des Mähdreschers. Die Kammer Schleswig-Holstein bietet Anbauberatung an. Ansprechpartner ist Dr. Christian Kleimeier (ckleimeier@lksh.de). Foto: Dr. Christian Kleimeier
Abnehmer und Endprodukte
Die wichtigsten Abnehmer für Hanfprodukte mit den entsprechenden Endprodukten sind:
Textilindustrie→ Fasern für Kleidung und technische Textilien
Bauindustrie → Dämmstoffe, Verbundwerkstoffe
Lebensmittelindustrie → Hanfsamen, -öl und -protein
Kosmetikindustrie → Hanföl für Hautpflegeprodukte
Papierindustrie → Spezialpapiere
Erfahrungen aus der Praxis
Es wurden Tiefeninterviews mit 14 Landwirtinnen und Landwirten aus Norddeutschland geführt und anhand ihrer Erfahrungen die ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen des Hanfanbaus beleuchtet. Die Ergebnisse der Experteninterviews lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Ökonomische Aspekte
Der Hanfanbau bietet aus Sicht der Landwirtinnen und Landwirte durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel erhebliche Einsparpotenziale bei den Produktionskosten im Vergleich zum Marktfruchtanbau. Die Möglichkeit der Doppelnutzung von Fasern und Samen eröffnet zusätzliche Einkommensquellen, stellt aber auch eine Herausforderung für Erntetechnik und Timing dar. Darüber hinaus weisen einige Befragte darauf hin, dass eine gewisse Anbaufläche vorteilhaft ist, um beispielsweise die Ernte- und Aufbereitungstechnik effizienter auszulasten. Für kleinere Betriebe kann dies eine Hürde sein, sodass Kooperationen mit Nachbarbetrieben oder vertragliche Absprachen mit Verarbeitern die Wirtschaftlichkeit verbessern können.
Vorteilhaft ist, dass in Grünlandbetrieben oftmals vorhandene Maschinen für den Hanfanbau genutzt werden können, was die Einstiegshürden senkt.
Die Landwirtinnen und Landwirte bestätigen zudem, dass der Winterhanfanbau als beerntbare Zweitfrucht eine effiziente Ausnutzung der verfügbaren Flächen und eine zusätzliche Verwertung vorhandener organischer Düngemittel ermöglicht. Als zentrale Herausforderung erweist sich die Vermarktung – stabile Absatzwege und verlässliche Abnahmeverträge sind für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend. Dem stehen Unsicherheiten bei Marktpreisen gegenüber, insbesondere falls gesicherte Abnahmeverträge nicht vorhanden sind.
Ökologische Aspekte
Die befragten Landwirtinnen und Landwirte betonen und bestätigen die dem Nutzhanf zugesprochenen positiven Umweltwirkungen. Das tief reichende Wurzelsystem verbessert die Bodenstruktur und schützt vor Erosion.
Die Landwirtinnen und Landwirte bekräftigen, dass die schnelle Bestandsentwicklung in der Praxis einen vollständigen Verzicht auf Herbizide ermöglicht. Der geringe Wasserbedarf nach der Jugendphase macht Hanf zu einer klimaresilienten Kultur. Besonders hervorgehoben wird die sehr gute Vorfruchtwirkung, die sich positiv auf die Erträge der Folgekulturen auswirkt.
Zudem wird die Fähigkeit des Hanfs zur CO2-Bindung als weiterer ökologischer Vorteil gesehen, insbesondere wenn die anfallende Biomasse beispielsweise in der Bauindustrie (zum Beispiel als Dämmstoff) eingesetzt wird und so der gebundene Kohlenstoff längerfristig erhalten bleibt. Einige Landwirtinnen und Landwirte diskutieren in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, über die Teilnahme an Klimaschutzprogrammen zusätzliche Erlöse zu erzielen, betonen jedoch, dass dies noch von klareren Vorgaben und Marktmechanismen abhängig ist.
Soziale Aspekte
Der Hanfanbau kann aus Sicht der Landwirtinnen und Landwirte zur Verbesserung des Images der Landwirtschaft beitragen. Die umweltschonende Produktionsweise ohne Pflanzenschutzmittel findet in der Gesellschaft positive Resonanz. Allerdings bestehen teilweise noch Vorurteile und Missverständnisse zur Unterscheidung zwischen Nutz- und Drogenhanf. Hier sehen Befragte einen klaren Bedarf an Aufklärungskampagnen, um Vorbehalte abzubauen und dass Potenzial dieser Kulturpflanze bekannter zu machen.
Die Schaffung regionaler Wertschöpfungsketten durch den Hanfanbau stärkt ländliche Räume. Auch die Entstehung neuer Kooperationen zwischen Landwirtinnen und Landwirten sowie regionalen Verarbeiterinnen und Verarbeitern wird als positiver sozialer Effekt wahrgenommen. Einige Betriebe berichten zudem, dass gerade junge Menschen dem Hanfanbau besonders aufgeschlossen gegenüberstehen und großes Interesse an innovativen, nachhaltigen Kulturverfahren haben.
Fazit
Nutzhanf bietet der Landwirtschaft vielversprechende Perspektiven. Seine ökologischen Vorteile, wie die Verbesserung der Bodenstruktur und CO2-Bindung, sowie die ökonomischen Potenziale durch Flächendoppelnutzung und geringen beziehungsweise fehlenden Pflanzenschutzmittelbedarf machen ihn zu einer nachhaltigen Ergänzung der Fruchtfolge. Herausforderungen bestehen vor allem in der Vermarktung, die eine strategische Planung erfordert.Für einen erfolgreichen Anbau empfiehlt sich eine schrittweise Flächenausdehnung mit vorheriger Absicherung der Vermarktung. Regionale Kooperationen und Aufklärungskampagnen könnten helfen, Vorurteile abzubauen und die Nachfrage nach Hanfprodukten weiter zu stärken. Mit der richtigen Strategie kann Nutzhanf einen wertvollen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft leisten, insbesondere wenn Skaleneffekte, stabile Absatzverträge und eine effektive Einbindung in Fruchtfolgesysteme berücksichtigt werden.
Die Wahrnehmung von Reizen bei Schweinen unterscheidet sich erheblich von der des Menschen. Dies konnten die Teilnehmer des Seminars der Landwirtschaftskammer zur Sinneswahrnehmung beim Schwein am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp am 28. März hautnah erleben.
Unter der fachkundigen Leitung von Benito Weise wurden am Vormittag die theoretischen Grundlagen der Wahrnehmung von Schweinen eingehend erläutert. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Welt mit den Augen der Schweine zu erkunden. Dafür wurde eine innovative Software entwickelt, die die spezifische visuelle Wahrnehmung eines Schweins simuliert und auf eine VR-Brille überträgt. Diese Erfahrung bot den Fachleuten aus Beratung, Wissenschaft und Praxis die Gelegenheit, das Verhalten von Schweinen besser nachzuvollziehen und die gewonnenen Erkenntnisse in den Betriebsalltag zu integrieren. Die Veranstaltung wurde durch das Projekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) „Netzwerk Fokus Tierwohl“ gefördert.
Ein anderer Blickwinkel auf die Tierhaltung
Zu Beginn der Veranstaltung bat Weise die Anwesenden, die aktuell gängigen Haltungsformen auszublenden und sich in die Perspektive von Schweinen hineinzudenken. Er stellte den Zuhörern die Frage: „Woher kommen die Tiere?“ Diese Frage lenkt den Fokus auf die Evolution und die Anpassung an die natürlichen Lebensräume. Daraus können grundsätzliche Bedürfnisse an die Haltungsumgebung abgeleitet werden. Schweine sind grundsätzlich sehr anpassungsfähige Geschöpfe. Das zeigt sich täglich bei der Haltung im Stall. Hier können die Schweine nicht uneingeschränkt ihrem arttypischen Verhalten nachgehen. Mit anschaulichen Beispielen verdeutlichte der Fachmann, wie die Schweine ihre Umwelt wahrnehmen und welche Reize auf sie einwirken. Dabei wird Stress nicht nur durch einzelne Ereignisse, sondern durch eine Vielzahl von Faktoren hervorgerufen. Anhaltende negative Reize führen letztlich zu klinischen Symptomen, die oftmals zu spät erkannt werden.
Durch eine VR-Brille konnten die Teilnehmer die Welt aus der Sicht von Schweinen erleben.
Arttypische Verhaltensmuster
Die Evolution der Schweine begann vor etwa 30 Millionen Jahren in einer Umgebung, die von Seen und Buschsteppen geprägt war. Im Verlauf haben sie komplexe Verhaltensmuster und Überlebensstrategien wie Reviertreue und -strukturierung sowie Sozial- und Ernährungsverhalten entwickelt. Der Referent erklärte, dass Schweine ihre Reviere in freier Wildbahn mittels Ausscheidungs- und Markierungsverhalten klar abgrenzten, um sich so Komfortzonen schaffen. Dabei bilden Rückzugs-und Futterplätze sowie die Nähe zu Wasserquellen die Grundlage. In einer natürlichen Umgebung leben Schweine in Herdengrößen zwischen 30 und 35 Tieren zusammen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es eine ausgeprägte Rangordnung und enge soziale Beziehungen. Zudem pflegen die Tiere über die Vokalisation eine gute Kommunikation untereinander. Gemeinsame soziale Strukturen sind wichtig für das Wohlbefinden der Tiere und sollten bei der Haltung berücksichtigt werden. Schweine sind Allesfresser, wobei 70 bis 80 % ihrer Nahrung pflanzlich sind und Proteine eine wichtige Rolle spielen. Ihr Wühl- und Erkundungsverhalten ist essenziell, Langeweile in reizarmen Umgebungen führt zu erhöhtem Stress. Diese Verhaltensweisen sind bis heute in den Lebewesen verankert, können aber unter modernen Haltungsbedingungen oft nicht ausgelebt werden.
Sinneswahrnehmung der Schweine
Der Fokus des Seminars lag darauf, den Teilnehmern aufzuzeigen, wie Schweine ihre Umgebung wahrnehmen und erkunden. Weise erläuterte, dass Schweine über ein äußerst ausgeprägtes Geruchssystem verfügen, das als ihr wichtigstes Sinnesorgan gilt. Der Geruch spielt eine entscheidende Rolle bei der Nahrungssuche und ist ebenso bedeutend für soziale Interaktionen, wie etwa das Sexualverhalten, die Rangordnung oder das Revierverhalten.
Auch der Tastsinn ist von großer Bedeutung. Die Rüsselscheibe, die als Tastorgan fungiert, ist speziell für die Nahrungssuche und das Erkundungsverhalten ausgelegt. Ein weiteres sehr wichtiges Sinnesorgan ist das Gehör. Die akustische Wahrnehmung der Schweine unterscheidet sich grundlegend von der menschlichen. Ihre Ohren sind besonders empfindlich für Geräusche im hohen Frequenzbereich. Der Referent betonte, dass Geräusche, die auf Gefahren hinweisen, sowie Geräusche von Lüftungen, Lampen, Trafos, Türen oder Photovoltaikanlagen in diesem höheren Frequenzbereich liegen und Stress auslösen können. Darüber hinaus erläuterte er, dass Schweine in der Lage sind, Geräusche miteinander zu verknüpfen und eine Assoziation zu bestimmten Stressereignissen, beispielsweise der Kastration von Ferkeln, herzustellen. Zudem sind sie hervorragende Richtungshörer.
Alle drei Sinne bieten den Tieren auch bei absoluter Dunkelheit eine verlässliche Orientierungshilfe.
Auf einem Bildschirm konnten alle Teilnehmer verfolgen, wie die Schweine ihre Umgebung wahrnehmen.
Die Welt durch die Augen eines Schweins
Im praktischen Teil der Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, durch eine VR-Brille die Welt aus der Sicht von Schweinen zu erleben. Dies gab ihnen einen Einblick in die täglichen Herausforderungen, mit denen Schweine konfrontiert sind. Es wurde deutlich, dass Schweine kurzsichtig sind und nur zwischen hell und dunkel auf Distanz unterscheiden können. Objekte in ihrer Umgebung nehmen sie nicht klar wahr, und die Größenverhältnisse erscheinen verzerrt, was ihre Orientierung zusätzlich erschwert. Schweine haben jedoch ein weites Sichtfeld von zirka 310°. Lediglich ein kleiner Bereich hinter dem Tier und direkt vor der Rüsselscheibe bleibt für sie nicht einsehbar. Kontraste und Reflexionen erzeugen Schatten, die von den Schweinen intensiver wahrgenommen werden. Diese erscheinen ihnen wie große Löcher im Boden, weshalb sie solche Bereiche meiden.
Fazit
Das Seminar zur Sinneswahrnehmung beim Schwein bot den Teilnehmern wertvolle Einblicke in die Lebenswelt der Schweine und sensibilisierte sie für die Bedürfnisse der Schweine und die unterschiedliche Aufnahme von Reizen im Vergleich zum Menschen. Die Veranstaltung hat Anreize geschaffen, die eigene Denkweise zu hinterfragen und die Haltungsform und -umgebung von Schweinen mit neuen Ansätzen zu überdenken mit dem Ziel, das Wohl und die Gesundheit der Tiere zu fördern.
Der Mai-Kontrakt für Weizen an der Matif steht seit Wochen unter Druck. Am 2. Mai lag der Kurs mit 201,75 €/t nur knapp über der Marke von 200 €/t und hat damit seit Anfang April 23 €/t verloren. Der Kursverlust wurde zunächst verursacht durch die neuen Einfuhr-Zölle und den Handelsstreit, den die US-Regierung entfacht hat. Zuletzt rückte jedoch der Wettermarkt in den Mittelpunkt der Marktanalysen. Auf der Nordhalbkugel sorgten Regenfälle in vielen Regionen für eine Verbesserung der Vegetationsbedingungen. Damit steigen die Ertragsprognosen für Getreide. In China soll es dagegen weiterhin zu trocken sein. In den USA stehen die Kurse für Weizen und Körnermais unter Druck. Neben den Regenfällen sorgt dort der Handelskonflikt für Preisabschläge. Die US-Regierung berichtete von positiven Gesprächen mit China. Peking widerspricht dieser Aussage. Damit schwindet die Hoffnung auf eine rasche Lösung. Gebremst wird die Talfahrt der US-Kurse nur durch den schwachen Dollar. So wurden Verkäufe von Körnermais Richtung Spanien, Taiwan und Südkorea gemeldet.
Günstiger Preis sorgt für Nachfrage
Viele Marktbeteiligte hoffen, dass das erreichte Preisniveau die Nachfrage auf dem Weltmarkt nach EU-Getreide wieder erhöht, da auch der Eurokurs wieder etwas gefallen ist. Die westeuropäischen Weizenpreise sind mittlerweile auf dem Niveau der Kurse, die im Schwarzmeerraum aufgerufen werden. Frankreich soll bereits in der Vorwoche 120.000 t Weizen nach Ägypten verkauft haben. Dennoch bleiben die französischen Weizenexporte deutlich hinter den Vorjahreszahlen zurück. Auch das Wetter bleibt weiterhin ein Thema. Trotz der jüngsten Regenfälle bleibt es in vielen Regionen Nordeuropas weiterhin zu trocken. Aus der Schwarzmeerregion gab es in der Vorwoche Meldungen über Nachtfröste. Die Hoffnungen auf ein Ende des Krieges in der Ukraine bleiben ebenfalls unerfüllt. In der vorigen Woche kam es zu einem Angriff auf einen russischen Schwarzmeerhafen, bei dem auch ein Getreideterminal getroffen wurde. An den Terminbörsen könnten die mittlerweile deutlich reduzierten Kurse einige Anleger zum Kauf animieren. Wenn dann noch der Wettermarkt für entsprechende Schlagzeilen sorgt, ist eine rasche Preiserholung möglich – so die Hoffnung einiger Marktbeteiligter.
Rapskurse mit großen Schwankungen
An der Matif ist zum Monatsbeginn der Mai-Termin ausgelaufen. Dies sorgte bereits im Vorfeld für starke Preisschwankungen. Allein durch den Wechsel des Frontmonats von Mai auf August verlor der Kurs 80 €/t und fiel bis auf 460 €/t. Zum Wochenbeginn zeigt sich eine leichte Preiserholung auf 470 €/t. Dennoch sind auch die Gebote für die neue Ernte reduziert worden. Die schwachen Rohölkurse drücken ebenfalls auf die Rapskurse. Stützend wirken die relativ stabilen US-Sojapreise. Im Sojahandel setzt man auf die angesetzten Gespräche mit China. Auch die EU-Kommission plant, den Import von US-Soja deutlich zu erhöhen, um der US-Regierung entgegenzukommen. Fraglich bleibt nur, wie solch eine Vereinbarung praktisch umgesetzt werden soll. Werden die EU-Importeure verpflichtet, mehr US-Soja zu kaufen? Sind am Ende die Tierhalter in der EU durch höhere Futtermittelpreise die Leidtragenden dieser Vereinbarung? China will sich dagegen unabhängiger von importierten Futtermitteln machen. Unter anderem soll der Sojaschrotanteil im Mischfutter reduziert werden.
Im Lehr- und Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer (LKSH) in Futterkamp wurde erneut Landwirtschaft zum Erleben ermöglicht. Am 4. Mai gab es einen umfassenden und spannenden Einblick in die praktische Arbeit der Landwirtschaft, insbesondere aber in die Tierhaltung und den Ackerbau.
Seit dem Event vor zwei Jahren hat sich einiges getan. Seitdem werden die Rinder- und Schweineställe im Sinne des Tierwohls und der Effizienz umgebaut und tolle Projekte etabliert. Alle Fragen rund um die moderne Landwirtschaft beantworteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an diesem Tag den Verbraucherinnen und Verbrauchern und aktiven Bäuerinnen und Bauern.
Blick und Gang durch die Ställe waren möglich und gewollt. Denn viele Menschen haben eine Meinung zur Landwirtschaft, doch immer weniger kennen sie wirklich. Dabei haben alle – egal ob Fleischesser, Vegetarier oder Veganer – täglich auf dem Teller oder beim Spaziergang durch unsere Kulturlandschaft unmittelbar damit zu tun.
„Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen. Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Sie ist nicht nur für die Nahrungsmittelproduktion verantwortlich, sondern auch für den Erhalt unserer Kulturlandschaft und die Förderung von Tierwohl. Ich lade alle ein, sich aktiv mit den Themen Landwirtschaft und Tierhaltung auseinanderzusetzen und die Arbeit der Landwirte wertzuschätzen, dazu ganz nebenbei im Rahmen eines tollen Hoffestes viele Aktionen und regionale Lebensmittel zu genießen“, sagte Ute Volquardsen. Sie ist die Präsidentin der LKSH und hat die Großveranstaltung eröffnet. Auch Fachpublikum kam zum Gut in Blekendorf im Kreis Plön, weil es viel zu erfahren gab. „Die Digitalisierung ist entscheidend für die Zukunft der Tierhaltung. Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz ermöglichen es uns, präzisere Entscheidungen zu treffen und die Gesundheit der Tiere zu überwachen und zu erhalten. Ich sehe besonders viel Potenzial in der Nutzung von Datenanalysen zur Optimierung von Fütterung und Zucht. Überall an den Ställen, die einsehbar sind, haben die Mitarbeiter Führungen angeboten und standen für Fragen zur Verfügung. Landwirte zeigen generell ein großes Interesse an den neuen Standards, aber es gibt auch Herausforderungen. Viele sind bereit, in Tierwohl zu investieren, benötigen jedoch Unterstützung, um die finanziellen und praktischen Hürden zu überwinden. Wir bieten mit dem Projekt ,Netzwerk Fokus Tierwohl‘ (gefördert von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) und unserer übrigen Arbeit ein Fortbildungsangebot an, um diesen Übergang zu erleichtern“, so Volquardsen.
Am Tag des offenen Hofes im LVZ wurden die Ställe und Hallen also für jeden geöffnet und es konnten die Felder mit ihren vielfältigen landwirtschaftlichen Kulturen erkundet werden. Es durfte gespielt, gefeiert und es durften heimische Lebensmittel genossen werden. Vor allem für Kinder und Menschen ohne Bezug zur Landwirtschaft war es ein besonderes Erlebnis, dass sie Schweine, Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen und sogar Strauße aus nächster Nähe bestaunen konnten.
Bereits zum zweiten Mal war Rewe wieder als starker Partner aus dem Lebensmitteleinzelhandel beim Tag des offenen Hofes auf Futterkamp vertreten. Auf dem Lindenplatz präsentierte das Unternehmen eine kulinarische Reise durch die Region: 15 regionale Lieferantinnen und Lieferanten luden zum Probieren ein und freuten sich, mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern in den Austausch zu gehen und über ihre Produkte zu informieren. Viele der angebotenen Artikel sind mit dem Gütezeichen „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“ (GQSH) ausgezeichnet. Regional ging es auch beim Rewe Food Truck zu, der heimische Leckereien der Eigenmarke Rewe Regional anbot. Mehr zur Rewe-Lokalpartnerschaft erfuhren Interessierte am Rewe-Treffpunkt Kaufleute am Lindenplatz. Das Unternehmen sorgte für guten Appetit und Unterhaltung mit Treckern und einer Fotobox.
In Zeiten hoher Inflation kostete der Hoftag weiterhin keinen Eintritt und das Parken war ebenfalls frei. Die LKSH freut sich, wenn das Fachpublikum und die Verbraucher Informationen und gute Erlebnisse mit nach Hause nehmen konnten.
LKSH-Präsidentin Ute Volquardsen (li.), Landwirtschafts-Staatssekretärin Anne Benett-Sturies und BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht beim offiziellen Part auf dem Lindenplatz. Fotos: Isa-Maria KuhnGroßes Interesse an der SchweinehaltungKälberhaltung fasziniert.Besichtigung im neuen Deck- und WartestallDas Bullenreiten beim Gütezeichen kam super an.Ohne die zahlreichen Helfer wie die Freiwillige Feuerwehr geht nichts.Claus-Peter Boyens, Leiter des LVZ, mit Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht (r.)LKSH-Getreideexperte Achim Seidel (in Grün) bei einer der beliebten FeldfahrtenIn der Reithalle gab es den ganzen Tag ein wunderbares Schauprogramm.Rewe war Partner und versorgte alle gut.Schaubild mit SchleswigernTolle Torten der LandFrauen
Am 3. April bot der bundesweite Girls‘ und Boys‘ Day wieder die Möglichkeit der beruflichen Orientierung abseits von Rollenklischees. Auch vier Ortsvereine beteiligten sich mit Aktionen für die Hauswirtschaft.
Zum dritten Mal organisierten der LandFrauenverein Nordstrand und der LandFrauenverein Hattstedt den Boys‘ Day in der Herrendeichschule Nordstrand.
Die Jungen haben Wäsche sortiert und gebügelt, Schulfenster geputzt, Knöpfe angenäht und Betten bezogen. Hierbei wurden sie von Elke Baumbach und Anke Nissen unterstützt. Einige Jungs waren schon zum zweiten Mal dabei. Sie freuten sich besonders auf das Essen. Während der eine noch nie ein Bügeleisen in der Hand hatte, konnte ein anderer perfekt das Bett beziehen. Beim Knöpfeannähen brauchten einige Jungen etwas Hilfe und andere haben gleich drei Knöpfe angenäht. In der Schulküche wurde mit Sandra Tischer, Birthe Albertsen, Ingrid Moseler und Sabine Schwarz ein gesundes, schmackhaftes Mittagessen zubereitet. Es gab einen Frucht- und Gemüse-Smoothie. Für die Kartoffelsuppe wurde ordentlich geschnippelt. Zum Nachtisch gab es eine Mandarinen-Quarkspeise. Ein gemeinsames Essen an schön gedeckten Tischen und die Zertifikatsübergabe schlossen den Vormittag ab. Anke Nissen
Sie freuen sich auf selbst gemachte Pizza: die LandFrauen Anne Martin (li.) und Monika Slotta (r.) vom OV Berkenthin und drei junge „Küchenbullen“.Foto: LandFrauenverein Berkenthin u. U.
Der Boys‘ Day wurde von den LandFrauen Berkenthin und Umgebung unter Leitung von Anne Martin wieder erfolgreich an der Grund- und Gemeinschaftsschule Stecknitz in Berkenthin durchgeführt. In diesem Jahr war es entspannt: Sieben Frauen hatten nur fünf Jungen zu betreuen. Davon waren zwei „Wiederholungstäter“, die am liebsten im nächsten Jahr wieder dabei wären, aber leider steht dem der Schulwechsel entgegen. Bevor es an die gemeinsame Arbeit ging, wurden die zu beachtenden Hygieneregeln durchgesprochen und umgesetzt. Dann rotierten die kleinen „Küchenbullen“ durch die unterschiedlichen Arbeitsstationen. Es wurden Brötchenteig angesetzt, Pizzateig geknetet, Pizzasoße gekocht, Pizzabelag geschnippelt und Nachspeise zubereitet. Zwischendurch wurden Fenster geputzt, Geschirr abgewaschen und aufgeräumt sowie der Tisch gedeckt und sehr schön dekoriert (!). Zur Erfrischung zwischendurch gab es Zitronenwasser und als Pausensnack selbst gebackene Quarkbrötchen mit Frischkäse und hausgemachter Marmelade. Nach dem gemeinsamen Essen, das sich auch einige Lehrkräfte schmecken ließen, überreichte Anne Martindie Zertifikate an die erfolgreichen Absolventen. Alle Beteiligten haben sichtbar einen schönen, produktiven und lehrreichen Vormittag miteinander verbracht und waren hochzufrieden mit den Ergebnissen. Wertschätzend kalkuliert wurde die Verpflegung von den Jungen mit 10 bis 15 € pro Person. Tatsächlich waren es 4,45 €. Angelika von Keiser
LandFrau Frauke Siemen vom OV Kappeln erklärt den Jungs den Umgang mit Nadel und Faden.Foto: Svenja Priewe
Auch wir von den Kappelner LandFrauen waren an diesem Tag aktiv dabei und haben mit der 7. Klasse der Gemeinschaftsschule in Kappeln beim Girls‘ und Boys‘ Day mitgemacht. So konnten zehn Jungen im Trainingscamp zeigen, wie sie mit Nadel und Faden umgingen und dabei einen Knopf annähten, das Hemd für die Feier am Abend bügelten, sich mit Hygieneregeln auseinandersetzten, ein Dreigänge-Menü zubereiteten (gemischter Salat mit Zitronen-Sahnedressing – Gemüsesuppe – Mandarinen-Quarkspeise mit Schokoraspeln) und die Kalkulation dafür machten. Gekocht wurde nicht nur für sie selbst, sondern insgesamt für 28 Personen, denn auch die Mädchen sollten bei dem Mittagessen dabei sein. Vorher hatten diese die Freiwillige Feuerwehr Kappeln besucht und durften da hinter die Kulissen schauen und auch selbst aktiv dabei sein. Nach dem gemeinsamen Essen wurde dann noch kurz geschätzt, wie viel wohl das Dreigänge-Menü pro Person gekostet hatte. So gab es Summen zwischen 3,80 € und 22 € – am Ende waren es 2,68 € pro Person! Wir möchten uns noch einmal bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Kappeln und auch bei den Lehrkräften der Gemeinschaftsschule Kappeln für die Zusammenarbeit bedanken. Svenja Priewe
Der Zwischenfruchtanbau ist ein wichtiges Element in Fruchtfolgen, mit vielseitigen Auswirkungen auf das Anbausystem. Vor dem Winter leisten sie einen erheblichen Beitrag zum Grundwasserschutz, weil sie Stickstoff aufnehmen und nur geringe Rest-Nmin-Gehalte im Boden zurücklassen. Die Herausforderung ist es, dass dieser in der Pflanzen- und Wurzelmasse gebundene Stickstoff der Folgefrucht zu Zeiten des größten Bedarfes wieder zur Verfügung steht.
Ein Patentrezept zum Zwischenfruchtanbau gibt es nicht, zu vielfältig sind die Standortbedingungen, Zwischenfruchtarten, Aussaatverfahren und letzten Endes auch die Witterungsbedingungen nach der Ernte der Hauptfrucht. Auf leichten, auswaschungsgefährdeten Standorten gibt es keine Argumente, die gegen den Zwischenfruchtanbau sprechen.
Auf schweren Böden steht der Zwischenfruchtanbau jedoch in Konkurrenz zum Strohmulchverfahren. Auf nachlieferungsstarken und wenig auswaschungsgefährdeten Böden ist in der Vergangenheit besonders in trockenen Jahren eine Vorzüglichkeit des Strohmulches hinsichtlich der Ertragsleistung der Folgefrucht Zuckerrüben zu verzeichnen gewesen. Anders als auf leichten Standorten liegen die Frühjahrs-Nmin-Werte, die in der Düngebedarfsermittlung (DBE) zum Abzug gebracht werden, auf diesen Standorten nach Strohmulch häufig höher als nach Zwischenfrucht. Das hat geringere erforderliche N-Düngermengen bei gleichem oder oft auch höherem Ertragsniveau zur Folge.
Zwischenfruchtanbau mit Umbruch
Nach dem nassen Winter 2023/24 jedoch lagen die Nmin-Werte im März nach Strohmulch auch auf den besseren Böden zum Teil unter denen bei Zwischenfrüchten, was auf eine Stickstoffverlagerung in tiefere Schichten schließen lässt. Um dem von vornherein vorzubeugen, empfiehlt sich somit auch auf den schweren Böden der Zwischenfruchtanbau mit entsprechendem Umbruch. Es stellt sich die Frage, wie der Zwischenfruchtanbau gestaltet werden kann, damit keine negativen Auswirkungen auf die Ertragsleistung der Folgefrucht auftreten.
Dieser Problematik widmet sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen seit mehreren Jahren und nunmehr im zweiten Versuchsjahr auch in einer Exaktversuchsserie. An drei Standorten wurde eine Mischung aus 70 % Ölrettich und 30 % Sommerwicke mit einer Saatstärke von 60 kg/ha mit verschiedenen Verfahren und sich daraus ergebenden Terminen ausgebracht.
Zwei Umbruchvarianten getestet
Über Winter erfolgte an zwei Terminen ein Umbruch der Varianten durch Mulchen und – wo die Bodenbedingungen es zuließen – Grubbern, eine weitere Variante blieb ohne Bearbeitung bis zur Zuckerrübenaussaat stehen. Im November erfolgten eine Nmin-Beprobung sowie die Ermittlung des Aufwuchses (Trockenmasseertrag und Stickstoffaufnahme), eine weitere Nmin-Beprobung gab es im März. Letztere Probe gibt den Wert an, der bei der DBE in Abzug zu bringen ist. In der Folge werden Zuckerrüben angebaut, die nur eine geringe mineralische Startdüngung (in Koldingen keine) erhalten. So kann jede Variante ihre N-Nachlieferung aus dem Boden und die Auswirkung auf die Ertragsergebnisse der Zuckerrüben unter Beweis stellen.
Zwischenfrüchte konkurrieren mit Stroh
Obwohl die Standorte ähnlich bonitiert sind, ergeben sich erhebliche Unterschiede im Aufwuchs der Zwischenfrüchte und in den Nmin-Werten. Verbleibt Stroh auf der Fläche, konkurrieren die Zwischenfrüchte mit den Bakterien, die das Stroh abbauen, um den Stickstoff. So konnten die Zwischenfrüchte am Standort Koldingen, wo das Stroh abgefahren wurde, die höchste N-Aufnahme erzielen. Durch das zusätzliche Befahren der Fläche zeigte sich allerdings auch ein sehr ungleichmäßiger Aufgang in der Überwurfsaatvariante (vor der Getreideernte mit Drohne). Auch in der Direktsaatvariante waren diese Spuren lange sichtbar. Erst in der klassischen Aussaat nach Bodenbearbeitung wuchs ein einheitlicher Bestand (am Standort Koldingen war bei diesem Saattermin der Ölrettich bestandsbildend). Eine Folge aus dem lückigen Aufgang einerseits und der langen Wachstumszeit andererseits waren sehr kräftige Pflanzen mit großen Rettichen. Aufgrund dieses Erscheinungsbildes wurden in Koldingen die Varianten Drohnen- und Direktsaat, die erst zur Saat umgebrochen werden sollten, bereits im Januar gemulcht. Im Vergleich zu anderen Zwischenfruchtarten weist Ölrettich ein schlechtes Abfrierverhalten auf. Auch nach der Frostphase im Februar war der Ölrettich in Höckelheim und Koldingen nicht vollständig abgefroren. In Barum war zu beobachten, dass die spät gesäte Variante nicht so gut abgestorben war wie die früh gedrillten. Um den Ölrettichbestand vor der Aussaat der Hauptfrucht sicher zu beseitigen, kann der vorgezogene Umbruch gut genutzt werden. Der Einsatz eines Totalherbizids kann dann häufig unterbleiben.
Eine weitere Besonderheit am Standort Koldingen war ein sehr hoher Nmin-Wert vor Winter in der Senf-Spätsaatvariante. Offensichtlich war der Senf nicht in der Lage, dem Boden den Stickstoff in dem Maß zu entnehmen, wie es die vorher gesäten Varianten konnten. In der Folge ist auch der März-Nmin-Wert dieser Variante hoch. Unter feuchteren Witterungsbedingungen als im vergangenen Winter hätte in dieser Variante eine Auswaschungsgefahr für den Stickstoff bestanden.
Ölrettich-Wicke-Mischung mit einem Samenanteil von 30 % Wicke. Das entspricht einem Gewichtsanteil von 69 %.
Aussaatzeitpunkt bestimmte Aufwuchs
Aus den Tabellen 2 bis 4 lassen sich folgende Aussagen ableiten:
Je früher die Zwischenfrucht ausgesät wurde, desto höher sind der Zwischenfruchtaufwuchs und die daraus folgende N-Aufnahme.
Ein Umbruch im November führte innerhalb einer Zwischenfruchtvariante zu den höchsten Nmin-Werten, am Standort Barum erzielte der Umbruch im Januar ähnliche Werte. Zu beachten ist die Verteilung des Stickstoffs auf die Bodenschichten. Am Standort Barum ist der Stickstoff nach Novemberumbruch auf die Schichten 0 bis 30 cm und 30 bis 60 cm sehr gleichmäßig verteilt, nach Januarumbruch findet sich der größte Anteil in der obersten Bodenschicht. Nach Novemberumbruch kann es bereits zu einer Verlagerung des Stickstoffs in die unteren Schichten gekommen sein.
In der Strohmulchvariante lag im März der größte Anteil des Stickstoffs an allen Standorten in der Schicht 60 bis 90 cm vor. Bei hohen Niederschlagsmengen besteht jedoch die Gefahr der Auswaschung. Andererseits kann dieser Stickstoff von den Zuckerrüben gerade in trockenen Jahren gut genutzt werden.
Ohne vorgezogenen Umbruch sind die Nmin-Werte am niedrigsten, der Hauptanteil liegt in der obersten Bodenschicht.
In diesem Jahr stehen an allen drei Standorten Zuckerrüben, die im Herbst mit Ertragserfassung beerntet werden. Die Aussaat in Höckelheim erfolgte am 25. März und die Aussaat in Koldingen am 27. März. Am Standort Barum sind die Zuckerrüben bereits am 20. März gedrillt worden. In Barum ist der Versuch fester Bestandteil des niedersächsischen Zuckerrübentages, der am 4. Juni 2025 stattfindet. Zu dem Termin liegen dann auch die Nmin-Werte aus dem Mai vor und es wird mit Spannung erwartet, ob den Rüben anzusehen sein wird, auf welcher Zwischenfruchtvariante sie wachsen. Die Ergebnisse sind naturgemäß jahres- und witterungsbedingt unterschiedlich. Daher wird die Versuchsserie fortgeführt, um die Varianten herauszufinden, die im Mittel der Jahre auf den Standorten am besten abschneiden.
Wicke eignet sich für Rote Gebiete
Als Versuchszwischenfrucht wurde eine Ölrettich-Wicke-Mischung mit 29,5 % Samenanteil Wicke ausgewählt (Aussaatstärke 60 kg/ha), die sich in den Versuchen der vergangenen Jahre und in der Praxis für den Anbau in Roten Gebieten bewährt hat. Sie ist zudem für Kartoffelfruchtfolgen geeignet und für Zuckerrübenfruchtfolgen empfehlenswert. 29,5 % Samenanteil Wicke entsprechen je nach Tausendkorngewicht (TKG) zirka 67 % Gewichtsanteil. Eine Düngung der Zwischenfruchtmischung erfolgte in den Versuchen nicht. Nach den Vorgaben der Düngeverordnung (DÜV) dürfen Zwischenfrüchte außerhalb Roter Gebiete mit 60 kg Gesamt-N/ha beziehungsweise 30 kg Ammonium-N/ ha gedüngt werden. In Schleswig-Holstein trifft das auf Zwischenfruchtmischungen mit einem Leguminosenanteil unter 50 Gewichts% zu. Reine Leguminosenzwischenfruchtbestände oder Mischungen mit 50 oder mehr Gewichts% Leguminosenanteil dürfen nicht gedüngt werden.
Bevor die Entscheidung zum Umbruch der Zwischenfrüchte getroffen wird, ist der rechtliche Rahmen zu prüfen. Eine Übersicht gibt die Abbildung der Standzeiten der Zwischenfrüchte. Besonders außerhalb Roter Gebiete auf schweren Böden und bei geplanter früher Sommerung liegen keine Einschränkungen im Rahmen von Glöz 6 vor. Dienen die Zwischenfrüchte zum Erreichen der Vorgaben von Glöz 7, dürfen sie nach dem 1. Januar eines Jahres beseitigt werden.
Große Vielseitigkeit der Zwischenfrüchte
Neben dem Beitrag zum Wasserschutz dienen Zwischenfrüchte dem Erosionsschutz, der Unkrautunterdrückung, dem Humuserhalt und vielen weiteren Aspekten. Mit dem richtigen Management des Bestandes kann Einfluss auf den Stickstoffhaushalt und die Stickstoffdynamik des Bodens genommen werden. Die Nachlieferung von weiterem Stickstoff aus der Zwischenfrucht, der sich nicht im Frühjahrs-Nmin findet, muss aus pflanzenbaulicher Sicht unbedingt bei der Düngeplanung berücksichtigt werden. Das Verfahren der Spät-Nmin-Methode mit einer moderaten Andüngung und der Prüfung des Nmin-Wertes im Mai ist ein gutes Hilfsmittel bei der Festlegung der endgültigen N-Versorgung am Beispiel von Zuckerrüben.
Zwischenfruchtversuch am Standort Koldingen am 26. Februar 2025 nach Frostphase: vorn Direktsaat, gemulcht, dahinter klassische Saat, Mulch, Senf, späte Saat, klassische Saat, Direktsaat, Drohne
Neues Handbuch zum Zwischenfruchtanbau erhältlich: Der informative Praxisratgeber „Zwischenfruchtanbau“ wurde in Zusammenarbeit der Landwirtschaftskammern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sowie des Kuratoriums für Technik und Bauwesen (KTBL) erarbeitet. Das kleine Handbuch kann für eine Schutzgebühr in Höhe von 5 € zuzüglich Mehrwertsteuer und Porto bestellt werden. Das bildreiche Praxishandbuch widmet sich auf 124 Seiten allen Aspekten des Anbaus von Zwischenfrüchten, sowohl zur Futternutzung als auch zur Gründüngung, von der Artenwahl über Saatverfahren, Düngung, Pflanzenschutz, Fruchtfolgeeignung, Wasseranspruch bis zur Arbeitswirtschaft. Die gängigsten Zwischenfruchtarten werden in Steckbriefen beschrieben. Bestelladresse: zwischenfrucht@lksh.de
Spät-Frühjahrs-Nmin-Methode in Zuckerrüben
Um das für das jeweilige Anbaujahr optimale N-Angebot möglichst genau zu treffen, wird in Versuchen in Niedersachsen seit einigen Jahren das Verfahren der Spät-Frühjahrs-Nmin-Beprobung überprüft. Hierbei werden die Zuckerrüben zur Aussaat niedrig angedüngt (120 kg N/ha – Nmin). Im Mai zum Sechsblattstadium, spätestens aber um den 25. Mai wird eine weitere Nmin-Probe (0 bis 90 cm) gezogen, deren Ergebnis über eine eventuelle Nachdüngung entscheidet:
• Andüngung Zuckerrüben auf 120 kg N/ha – Nmin
• Durch eine späte Nmin-Analyse im Mai (Vier- bis Sechsblattstadium, spätestens 25. Mai, 0 bis 90 cm) kann überprüft werden, ob das N-Angebot noch ausreichend ist:
– Nmin/Mai über 160 kg N/ha: keine Nachdüngung nötig
– Nmin/Mai unter 160 kg N/ha: Nachdüngung empfehlenswert
– Nachdüngebedarf Mai = 160 kg N/ha – aktuell gemessener Mai-Nmin-Wert
Liegt auf leichten Standorten der Nmin-Wert im März bei 20 kg N/ha, so werden immerhin 100 kg N/ha angedüngt. In den Versuchen 2024 wurde diese Variante auf dem leichten Versuchsstandort aufgrund des Mai-Nmin-Wertes von 260 kg N/ha nicht weiter aufgedüngt. Das Ertragsergebnis unterschied sich nicht signifikant von dem der nach Bedarfswert gedüngten Variante, die insgesamt 170 kg N/ha mineralisch erhielt. Auf einem schweren Versuchsstandort mit einem Nmin-Wert im März von 90 kg N/ha betrug die Andüngung 30 kg N/ha. Die Bedarfswertvariante erhielt 100 kg N/ha mineralisch. Hier betrug der Spät-Nmin-Wert 190 kg N/ha, weshalb auch hier nicht nachgedüngt wurde. Auch hier unterschieden sich die Ertragsergebnisse nicht signifikant. Auch in den Vorjahren wurden mit dieser Methode gute Ergebnisse erzielt.
Schnell gelesen
• Nmin-Werte nach Zwischenfrüchten hängen von Standort, Aussaattermin, Aussaatverfahren, Bestandesführung (Umbruch) und der verwendeten Zwischenfrucht ab.
• Ein Umbruch bereits im November führt auf den Standorten in diesem Versuch innerhalb einer Zwischenfruchtvariante zu den höchsten Nmin-Werten im Frühjahr.
• Nur eine eigene Nmin-Probe bringt Kenntnis über die Stickstoffsituation auf dem jeweiligen Schlag.
• Durch Anpassungen der Vorgaben in der GAP dürfen Zwischenfrüchte in vielen Situationen bereits vor Jahreswechsel beziehungsweise kurz nach dem Jahreswechsel beseitigt werden.
• in Roten Gebieten kein Umbruch vor dem 16. Januar