Im frühen Mittelalter waren Wälder im Land noch sehr verbreitet. Nach fränkisch-römischem Recht standen sie im Eigentum des Landesherrn, in Holstein des Herzogs von Sachsen und seiner Lehnsritter, in Schleswig des dänischen Königs. Da Dithmarschen noch lange selbstständig war, blieben sie dort Eigentum der Bauern. Die Hansestadt Lübeck verfügte als reichsfreie Stadt über eigene Wälder. Die Menschen auf dem Land waren Untertanen des Adels. Sie durften Wälder als freie Weide nutzen, zum Bau ihrer Häuser und zum Schlagen von Brennholz. Die Wälder waren eine wichtige Lebensgrundlage. Alle Dinge des täglichen Bedarfs waren aus Holz.
Der dänische König und sein Bruder, der Herzog von Schleswig, unterhielten in Gottorf einen Jägermeister mit einer Hundemeute und drei Schützen. Ihr Schloss stand im Zeichen der Jagd. Es gab einen Hirschsaal und einen Park mit einem weitläufigen Tiergarten. Sie pflegten die Hetzjagd zu Pferde, um Rothirsche mit einer Hundemeute zu jagen (französische Parforcejagd).
Quelle: Nationalbibliothek Venedig
Der dänische König übernahm in Erbfolge das Herzogtum Holstein und richtete im 16. Jahrhundert Ämter zur Verwaltung in beiden Herzogtümern ein. Die Amtmänner, die der Adel stellte, hatten die Aufgabe, die Nutzung der Wälder zu regeln.
Sehr lukrativ waren die herbstliche Schweinemast, das Brennen von Lehmziegeln, das Schlagen von Bauholz und zunehmend das Brennen von Glas. Um den Bau der Schlösser und Herrenhäuser nach französischem Vorbild zu finanzieren, war der Adel auf Geldeinnahmen angewiesen. In der Amtsstube war ein Hausvogt zuständig für das Geschäftliche und die Aufsicht der Wälder. Um die Aufsicht zu erleichtern, wurden 1671 erstmals Holzvögte bestellt (also ernannt). Es gab 23 Holzvögte. Sie führten ein kärgliches Dasein, da sie nur mit Sachleistung (Deputat) entlohnt wurden: einer Kate in Waldnähe, Brennholz und einer Weide zum Halten einer Kuh.
Ab 1737 wurden acht Hegereiter eingestellt und ein Jägermeister am Gottorfer Hof bestellt. Die Hegereiter hatten eine dreijährige Jägerlehre zu bestehen, erhielten eine Uniform, eine Kate vor Ort und Dienstland zum Halten eines Reitpferdes. Sie führten die Aufsicht über die Holzvögte und unterstanden vier Oberförstern in den Ämtern.
Der König und seine Amtmänner suchten vor allem den Profit zu mehren. Dies führte zu einer historisch nie da gewesenen Entwaldung. So geriet der Schutz der Wälder bald außer Kontrolle. Von 1650 bis 1750 sank der Waldanteil im Land von etwa 50 auf nur 4 %.
Abbildung nach W. Hase 1997
Daraufhin führte der König nach Vorbild der deutschen Fürstentümer 1784 die geregelte Forstwirtschaft ein: Es dürfe nur so viel Holz genutzt werden wie nachwächst. Es wurde eine königliche Forstverwaltung mit einer Waldfläche von etwa 25.000 ha gegründet und ein Oberforstmeister für beide Herzogtümer bestellt. In den Ämtern gab es fünf Oberförster, in den Wäldern 31 Hegereiter und 70 Holzvögte. Der König gründete im Kieler Schloss eine Hochschule und ernannte August Niemann zum Forstprofessor, der die Hegereiter nach neuestem forstlichen Wissen ausbildete. Die Kieler Gaststätte „Forstbaumschule“ und der „Niemannsweg“, der tägliche Fußweg des Forstprofessors, erinnern noch heute an diese Zeit.
Auch die Gutsherren und die Klöster bestellten gleichermaßen Holzvögte für ihre Waldungen. Viele Holzvogteien blieben bis in die 1970er Jahre bestehen. 1867 wurden die königlichen Wälder in den Herzogtümern Teil der preußischen Staatsforstverwaltung. Die Aufsicht führte der Oberlandforstmeister in Berlin. Aus Hegereitern wurden Oberförster, aus Holzvögten Revierförster. Es gab 16 Oberförstereien, 60 Förstereien und 34 Forstaufseher. Die Preußen forcierten den Anbau von Kiefern und Fichten. Die Heideaufforstungen erinnern noch heute an diese Zeit (Segeberger Forst, Loher Heide und Kropper Busch). Der Waldanteil wuchs von 4 auf 8 % an. Nach Abtretung Nordschleswigs in der Weimarer Republik gab es zehn Oberförstereien und 60 Förstereien (35.000 ha). Die Oberförstereien wurden 1933 zu Forstämtern umbenannt. 1955 gab es zehn Forstämter und 77 Förstereien (40.000 ha).
Abbildung nach W. Hase 1997
Seit Einführung der naturnahen Forstwirtschaft 1992 werden wieder heimische Laubbaumarten angepflanzt. Dank großer Aufforstungsprogramme konnte der Waldanteil von 8 auf 11 % angehoben werden. 2006 gab es sechs Forstämter und 43 Förstereien (52.000 ha). 2008 kam es mit den Finanzkrisen zur Auflösung der Forstämter und Neugründung der Landesforsten als Anstalt des öffentlichen Rechts in Neumünster mit 30 Förstereien. Viele Dienstgebäude, die seit der Gründung 1784 bestanden, wurden verkauft.
Heute stehen die Wälder wegen ihrer ökologischen Bedeutung und angesichts der Klimaentwicklung wieder im Vordergrund. Holz als nachhaltiger Rohstoff gewinnt eine wachsende Bedeutung.
Da die Forstwirtschaft gegenüber dem Welthandel bestehen muss, wie auch zunehmend die Landwirtschaft, ergeben sich neue Herausforderungen.




