In Zeiten steigender Kosten für importierte Futtermittel wie Soja, wachsender gesellschaftlicher Erwartungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit sowie zunehmender gesetzlicher Anforderungen wird die bedarfsgerechte Proteinversorgung von Milchkühen vermehrt durch Leguminosen unterstützt. Die Nutzung von Körnerleguminosen als heimische Eiweißquellen rückt zunehmend in den Fokus. Eine zentrale Rolle spielen Ackerbohnen, Erbsen und Süßlupinen. Ebenso wie andere Futtermittel hat der Einsatz von Körnerleguminosen Vorteile, bringt aber auch Herausforderungen mit sich und ist nicht unbegrenzt möglich.
Körnerleguminosen sind reich an Rohprotein (20 bis 35 %) und bieten damit eine wertvolle Alternative zu importiertem Sojaschrot. Ihr Anbau ist in vielen Regionen Deutschlands möglich und unterstützt die regionale Wertschöpfung. Durch den Anbau eigener Eiweißkomponenten auf dem Betrieb kann die Abhängigkeit vom Weltmarkt reduziert werden. Die Einsparung von Transportwegen und der Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen verbessern die Klimabilanz. Körnerleguminosen sind zudem gut für die Bodenstruktur, fixieren atmosphärischen Stickstoff und unterstützen damit den Humusaufbau. Sie senken den Bedarf an mineralischem Stickstoffdünger und wirken sich positiv auf die Fruchtfolge aus.
Als Komponente in der Milchviehfütterung zeichnen sich Körnerleguminosen durch eine hohe pansenabbaubare Proteinfraktion aus. Sowohl Ackerbohne, Erbse als auch Lupine wirken sich positiv auf die Proteinsynthese der Pansenmikroben aus. Wie immer gilt auch beim Einsatz von Körnerleguminosen: Die Vorteile des Einzelfuttermittels werden nur bei bedarfsgerechter Rationsgestaltung insgesamt sichtbar.
Herausforderungen und Grenzen
Naturgemäß unterliegen auch die Nährstoffgehalte von Körnerleguminosen jahres- beziehungsweise standortbedingten Schwankungen, die sich im Zuge der Rationsgestaltung nur durch vorherige Laboranalyse bewerten lassen. Dies gilt insbesondere für den Rohproteingehalt, aber auch die Verfügbarkeit essenzieller Aminosäuren. Körnerleguminosen enthalten wenig Methionin und Cystein, sodass eine Ergänzung durch andere Rationskomponenten wie Rapsextraktionsschrot erforderlich ist. Antinutritive Inhaltsstoffe wie Tannine in Ackerbohnen oder Alkaloide in Lupinen können die Verdaulichkeit beeinträchtigen. Die moderne Sortenzüchtung (zum Beispiel Süßlupine) reduziert das Risiko für diesen Effekt jedoch deutlich.
Leguminosen sind lagertechnisch empfindlich und müssen gut getrocknet und belüftet werden. In der Verarbeitung werden technische Möglichkeiten zur Aufbereitung (zum Beispiel Toasten) und Zerkleinerung benötigt.
Auswirkungen auf Leistung und Gesundheit
Studien zeigen, dass durch den gezielten Einsatz von bis zu 2,5 kg TM Lupinenschrot pro Tier und Tag Milchleistungen auf dem Niveau von Soja erzielt werden können. Teilweise kam es im Rahmen von Untersuchungen zu Steigerungen der Milchmenge bei stabilen Milchinhaltstoffen. Der Einsatz von Lupinen bringt im Bereich der Proteine die größten Gehalte mit, zudem ist ein vergleichsweise hoher Energiewert beschrieben. Er ergibt sich aus dem enthaltenen Fett und pektinreicher Rohfaser. Die Belastung aktueller Sorten mit antinutritiven Stoffen ist gering, darf jedoch nicht ganz außer Acht gelassen werden. Bei übermäßigem Einsatz kann es durch den hohen Proteingehalt zu erhöhten Harnstoffgehalten in der Milch kommen.
Körnerleguminosen im Ökolandbau
In der ökologischen Milchviehhaltung sind Körnerleguminosen nicht nur weit verbreitet, sondern mitunter auch alternativlos. Aufgrund der Vorgaben zur regionalen Herkunft und GVO-Freiheit ist der Einsatz von Sojaschrot in der ökologischen Milchproduktion häufig ausgeschlossen. Zudem integrieren Ökobetriebe Leguminosen gezielt in die Fruchtfolge, um Humus aufzubauen, Stickstoff zu fixieren und die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. So erzeugen sie, bei geeigneter Lagerung, ein futterwerttechnisch stabiles Futtermittel. Ökobetriebe setzen zumeist auf den Eigenanbau von Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen, um die Eiweißlücke in der Fütterung zu schließen. Dabei sind Kombinationen mit Getreide-GPS, Kleegrassilage und betriebseigener Heu- oder Luzernewirtschaft häufig zu finden. Ökomilchviehbetriebe nutzen die Leguminosen nicht nur als Eiweißquelle, sondern auch als strategisches Element für Bodenfruchtbarkeit und Klimaschutz. Besonders erfolgreich sind jene Betriebe, die die Qualität der geernteten Leguminosen engmaschig kontrollieren und mit gezielter Rationsplanung kombinieren. Die langfristige Einbindung in Fruchtfolgen kann sich positiv auf die Klimabilanz des gesamten Betriebs auswirken.
Potenziale auch auf konventionellen Betrieben
Auch konventionelle Milchviehhalter erkennen die Potenziale der Leguminosen. Besonders in Regionen mit guten Anbaubedingungen werden Ackerbohne und Erbse als Sojaersatz in die Ration integriert. Bei eigenem Anbau sind Körnerleguminosen nicht nur deutlich günstiger als zugekauftes Sojaschrot, sondern bringen auch hier Vorteile für die Fruchtfolge und Bodenfruchtbarkeit. Herausfordernd ist hier jedoch der Einsatz in Hochleistungsrationen mit Milchleistungen über 35 kg. Hier sind Leguminosen allein meist nicht ausreichend. Die Kombination mit Rapsextraktionsschrot und Getreide lässt jedoch eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung zu. Konventionelle Milchviehbetriebe setzen verstärkt auf Mischrationen (TMR), bei denen die Einbindung von geschroteten Leguminosen flexibel erfolgt. Wichtig ist eine gezielte Abstimmung auf die Energie- und Proteinversorgung. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen pansenabbaubarem und pansenstabilem Protein ist entscheidend, um eine hohe mikrobielle Proteinsynthese zu ermöglichen.
Zudem spielt die Integration in bestehende Futterbausysteme eine große Rolle: Auf Vieh haltenden Betrieben mit intensiver Silonutzung (Mais, Gras) können Leguminosen die Ration sinnvoll ergänzen und für Abwechslung sorgen. Fütterungstechnisch empfehlen sich die Kombination mit energiereichen Komponenten und eine tägliche Einsatzmenge von bis zu 2,5 kg TM.
Fazit
Körnerleguminosen sind in der modernen Milchviehfütterung eine zukunftsfähige Eiweißquelle. Sie bieten klare ökologische, ökonomische und agronomische Vorteile, insbesondere für den ökologischen Landbau, aber zunehmend auch für konventionelle Betriebe. Ihre erfolgreiche Integration in die Fütterung setzt jedoch eine fundierte Planung, angepasste Technik und betriebsindividuelle Beratung voraus.
Wer auf Soja verzichten, Futterkosten senken und die eigene Nachhaltigkeit verbessern will, findet in Lupine, Ackerbohne und Erbse wertvolle Verbündete für die Ration der Zukunft. Die zunehmende Bedeutung von Regionalität, Klimaschutz und Tiergesundheit fördert dabei die Akzeptanz dieser Kulturpflanzen. Entscheidend für ihren wirtschaftlichen Erfolg sind eine strategische Einbindung in Fruchtfolge und Fütterungssystem sowie die Berücksichtigung ihrer spezifischen Eigenschaften in der Rationsberechnung.




