Zur diesjährigen Vermehrertagung lud die Norddeutsche Pflanzenzucht (NPZ) am Dienstag voriger Woche nach Malchow auf die Insel Poel ein. Die 50 Teilnehmenden konnten sich vor Ort über neue Sorten informieren. Die Saatgutbehandlung und der zunehmende Schädlingsdruck wurden in Fachvorträgen erörtert.
Am Stammsitz des Unternehmens auf der Insel Poel begrüßte Dietmar Brauer, geschäftsführender Gesellschafter der NPZ, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Vermehrertagung. Brauer sprach die aktuelle Stagnation im Rapsanbau in der EU an und dass es mittlerweile einer Anstrengung bedürfe, die Fläche zu halten. Das führt er auch auf die prekäre Lage bei der Pflanzenschutzmittelverfügbarkeit zurück. Wachstumspotenzial für den Rapsanbau zeige sich dagegen in Nordafrika und Südamerika, wo Raps als zweite Frucht interessant sein könnte, auch als Teil der Lösung für die menschliche Ernährung, als Protein- und Energielieferant.
Ertragreich und resistent
Als neue Leistungsspitze im Ölertrag bundesweit stellte Andreas Baer, Abteilungsleiter Fachberatung und Marketing der NZP, die Rapssorte ,Detlef‘ vor, die ein neues Niveau der Ertragsstabilität zeige. In ähnlicher Weise biete ,Churchill‘ ein neues Niveau an Pilzwiderstand durch drei Resistenzgene gegen Pilzkrankheiten und eine Wasserrübenvergilbungs (TuY)-Virusresistenz. „Erstmals werden die zwei Phoma-Resistenzgene zu einem neuen ,Phoma-Blocker‘ kombiniert und mit einem neuen Resistenzgen gegen Cylindrosporium ausgestattet“, so Baer. Im Kohlherniesegment sei ,Credo‘ zweijährig die leistungsstärkste Sorte in der Kohlhernie (KH)-Leistungsprüfung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Landesforschung Mecklenburg-Vorpommern. Die Besonderheit einer erweiterten KH-Resistenz werde durch die Bezeichnung „Kohlhernie-Blocker“ hervorgehoben.
Baer betonte, dass mit neuen Sortenkandidaten eine neue Variation von Sorten- und Wuchstypen bereitstehe, die noch spezieller auf Witterungssprünge und Ertragssicherheit ausgerichtet seien. Eine neue Phoma-Resistenz werde den Pilzwiderstand (PiWi) weiter erhöhen und das PiWi-Niveau der aktuellen Sorten weiter bereichern. Anhand der historischen Rapssorten konnte gezeigt werden, dass seit ,Visby‘ der Ertragsfortschritt pro Jahr 0,7 dt/ha beträgt und die Züchtung gegen sinkende Praxiserträge regelrecht ankämpft.
Nils Christiansen, Produktmanager Leguminosen international, stellte das Zuchtprogramm für Ackerbohnen vor, das sich auf ein stabiles und hohes Ertragsniveau in Kombination mit einem hohen Proteingehalt konzentriert. Er betonte die Standfestigkeit, verbesserte Trockentoleranz, frühe Abreife und Krankheitsresistenzen. Die Selektion von Tannin- und Vicin-Armut sei ein Ziel der Qualitätszüchtung. Im Leguminosenanbau sehen die Züchter einen Aufwärtstrend der Ackerbohne, deren Fläche auf nunmehr 74.600 ha deutlich angestiegen sei, auch wachse die Erbsenfläche. Seit 2006 züchtet die NPZ aktiv Körnererbsen. Neue Ertragsmaßstäbe peilt das Unternehmen mit den Neuzulassungen ,Symbios‘ und ,Iconic‘ an.
Wirkstoffe fehlen
Auf den steigenden Schädlingsdruck durch Rapserdfloh, Keimlingsinfektionen durch Falschen Mehltau und frühen Phomabefall beim Winterraps ging Simon Goertz, Leiter Saatguttechnologie der NPZ Innovation GmbH, ein. Die NPZ teste verschiedene Behandlungsstrategien, um praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Im Herbst 2024 wurden auf NPZ-Winterraps-Versuchsflächen Beizvarianten getestet. Dabei zeige premiumgebeiztes Saatgut einen um 12 % verbesserten Feldaufgang und vitalere Pflanzen im Vergleich zur nur mit Fungizid behandelten Kontrolle.
Goertz sprach die schwierige Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln an: „1993 standen in der EU noch über 700 chemische Wirkstoffe zur Verfügung. Bis 2030 erwarten wir einen Rückgang auf rund 150.“ Bei biologischen Wirkstoffen stagniere die Anzahl der Wirkstoffe seit über 20 Jahren. Alternativen zu chemischen Produkten seien politisch zwar gewollt, dennoch vermisst der Experte einen Durchbruch in der Zulassungspraxis. NPZ, mbw




