Das erste Flugsaatjahr ist abgeschlossen – Zeit für eine Zwischenbilanz. Und die Ergebnisse könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. An neun Projektstandorten, verteilt über ganz Schleswig-Holstein, wurden in diesem Jahr Drohnenversuche angelegt. Dabei zeigen sich eindrucksvolle Erfolge ebenso wie deutliche Fehlschläge. Was entscheidet aber über Erfolg oder Misserfolg?
So gibt es Standorte, an denen die per Drohne ausgebrachte Zwischenfrucht den Vergleichsvarianten regelrecht davongewachsen ist und – abhängig von der Saatgutmischung – brusthohe, geschlossene Bestände ausgebildet hat. Gleichzeitig finden sich Flächen, auf denen die Keimung nach der Drohnensaat nahezu vollständig ausblieb. Teilweise mussten die Versuchsflächen im Anschluss sogar bearbeitet werden, weil Ausfallgetreide und Problemunkräuter überhandnahmen.
Eine erste Bilanz
Für die Zwischenfruchtaussaat wurde grundsätzlich ein Termin rund zwei Wochen vor der Ernte angepeilt. Eine häufig geäußerte Sorge, die Zwischenfrucht könne bei einer verzögerten Ernte „durchwachsen“, bestätigte sich nicht: Selbst bei Zeiträumen von bis zu fünf Wochen zwischen Aussaat und Drusch trat dieses Phänomen nicht auf. Ausgebracht wurde stets die vom Züchter empfohlene Saatstärke. Auf eine Erhöhung – wie sie in süddeutschen Versuchen teils empfohlen wird – wurde bewusst verzichtet. Zum einen, um die Vergleichbarkeit mit den weiteren Aussaatvarianten zu wahren, zum anderen, weil eine höhere Saatstärke die Betriebskosten deutlich steigen lässt und damit den entscheidenden Kostenvorteil der Drohnensaat schmälern würde.
Bereits im ersten Projektjahr zeigte sich eindrucksvoll, dass der erhoffte Vegetationsvorsprung von mindestens zwei Wochen tatsächlich ins Auge fiel. In Entwicklung und Biomassebildung lagen die Drohnensaat-Varianten den verschiedensten Vergleichsverfahren wie Stoppelbruch plus Drillsaat, Direktsaat oder auch Striegelausbringung deutlich voraus. Hinzu kam ein weiterer Vorteil: Durch die ausbleibende Bodenbewegung wurde kaum Ausfallgetreide zum Keimen angeregt oder vergraben. Entsprechend war der Besatz an Ausfallgetreide über alle Standorte hinweg in der Drohnensaat am geringsten. Das wirkt sich zugleich positiv auf den Gewässerschutz aus, da ohne Bodenbewegung die Mineralisation zum Vegetationsende nicht zusätzlich angekurbelt wird. Ein sichtbarer Nachteil dieser fehlenden Bodenbearbeitung war jedoch die ausbleibende Lockerung des Bodens. Dadurch konnten die Zwischenfrüchte ihre maximale Durchwurzelungstiefe teilweise nicht erreichen, weil die Wurzeln früh auf Verdichtungshorizonte trafen und sich dort verzweigten. Besonders deutlich zeigte sich dies beim Ölrettich: Obwohl er grundsätzlich eine über 100 cm tief reichende Pfahlwurzel bilden kann, entwickelte er in den Drohnenvarianten häufig keine senkrechte Pfahlwurzel, sondern teilte sich bereits in oberen Bodenschichten horizontal auf.
Insgesamt waren die Drohnenvarianten häufig schon vom Feldrand aus durch ihren üppigen Bestand zu erkennen – ein Bild, das allerdings täuschen kann. Die großen Einzelpflanzen kaschierten in mehreren Fällen, dass die Pflanzendichte pro Quadratmeter nicht immer zufriedenstellend war. Woran liegt das?
Das Saatgut
Zwischenfruchtmischungen werden in der Regel für die Drillsaat entwickelt. Der wichtigste Unterschied zur Drohnensaat besteht jedoch darin, dass das Saatgut nicht mit Boden bedeckt wird. Entsprechend eignen sich Lichtkeimer deutlich besser als Dunkelkeimer, deren Keimung durch UV-Strahlung gehemmt wird. Gleichzeitig müssen die Arten schnell Blattmasse bilden, um gegenüber Ausfallgetreide und Unkräutern konkurrenzstark zu sein – eine Regulierung über Bodenbearbeitung steht in der Drohnensaat nicht zur Verfügung. Auch ein hoher Bedarf an Keimwasser wirkt sich nachteilig aus, da die reine Oberflächenfeuchte ausreichen muss. Schwierigkeiten zeigten sich dementsprechend etwa bei großkörnigen Samen wie Sonnenblumen, die an keinem Standort zufriedenstellend keimten.
In den Saatmischungsversuchen überzeugten im ersten Jahr vor allem Ölrettich, Wicke, Erbsen, Rauhafer und Öllein. Phacelia funktionierte grundsätzlich ebenfalls gut, zeigte sich jedoch deutlich anfälliger gegenüber Störfaktoren wie Pflanzenschutzmaßnahmen und war daher standortabhängig unterschiedlich erfolgreich. Auch Kleearten erwiesen sich als vielversprechend, da sie zu den Lichtkeimern zählen. Ihre vergleichsweise langsame Jugendentwicklung wurde jedoch an Standorten mit starkem Konkurrenzdruck durch Ausfallgetreide oder Unkräuter schnell zum Nachteil: Der Klee wurde dort verdrängt. Problematisch war dies vor allem dann, wenn der Klee in der Mischung als tragende Art zur geschlossenen Bodenbedeckung vorgesehen war – diese blieb in solchen Fällen aus, und die Bestände entwickelten sich lückig.
Schnecken und Mäuse
Das größte Problem im ersten Jahr waren Schnecken und Mäuse, die teilweise sogar zu Totalausfällen führten. Die oberirdisch liegenden Saatkörner der Drohnensaat bieten beiden Schaderregern eine leicht zugängliche Nahrungsquelle. Durch die fehlende Bodenbearbeitung entfällt zudem die mechanische Regulierung der Schneckenaktivität, während die durchgehende Bodenbedeckung deren Entwicklung weiter begünstigt. Der Einsatz von Schneckenkorn gemeinsam mit der Saat vor der Ernte ist nicht zulässig und daher keine Option. Eine Verschiebung der Aussaat auf den Erntetag, um anschließend Schneckenkorn auszubringen, würde hingegen den zeitlichen Vorteil der Drohnensaat weitgehend zunichtemachen.
In den kommenden Jahren wird daher untersucht, ob bestimmte Zwischenfrüchte in der Jugendentwicklung weniger attraktiv für Schnecken sind und möglicherweise gemieden werden. Sollte sich hier kein klarer Effekt zeigen, ist der Einsatz der Drohnensaat auf Flächen mit bekannt hohem Schneckendruck bedenklich. Besonders deutlich zeigte sich das Problem auf mittelschweren bis schweren Böden an Ost- und Westküste. Dies ist auch einer der Gründe, warum die Zwischenfruchtbestände der Drohnensaat auf den leichteren Standorten der Geest am stärksten und sehr geschlossen ausgeprägt waren.
Die Strohverteilung
Die Grundidee der Drohnensaat sieht vor, dass das Stroh nicht abgefahren, sondern gehäckselt wird. Die entstehende Strohhäckseldecke soll den Keimling schützen und ihm ermöglichen, sich hindurch nach oben zu entwickeln. Im ersten Versuchsjahr zeigte sich jedoch, dass dieser Effekt bei einer Aussaat zwei Wochen vor der Ernte nicht immer zuverlässig eintritt: Vor allem bei hohen Strohmengen wurden die Keimlinge eher erstickt, anstatt geschützt zu werden. Besonders auffällig war dies auf Flächen mit großen Druschbreiten mit ungleichmäßiger Strohverteilung – hier wurden ausgeprägte Streifen sichtbar. Die Strohabfuhr hingegen funktionierte überraschend gut. Trotz mehrfacher Überfahrten mit Presse, Radlader und Ballenwagen waren die Fahrspuren bereits nach rund drei Wochen verwachsen und später nicht mehr zu erkennen.
Um auf Standorten ohne Strohbergung Probleme durch Strohmengen zukünftig zu vermeiden, wird Aussaat in den kommenden Jahren näher an den Erntetermin geschoben, damit sich die Zwischenfrucht besser anpassen kann. Eine weitere Idee, die geprüft werden soll, ist der Hochschnitt. Ein Hochschnitt nach der Drohnensaat würde vor allem zwei Vorteile bieten: Die aufliegende Strohmenge wäre geringer, und die höherstehenden Stoppeln könnten die junge Zwischenfrucht zusätzlich vor Strahlung schützen und Feuchtigkeit halten. Eine weitere Stellschraube ist die Sortenwahl. Getreidesorten mit geringerem Strohertrag sind für die anschließende Drohnensaat vorteilhafter.
Und der Pflanzenschutz?
Insbesondere Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe können den Feldaufgang empfindlicher Folgekulturen beeinträchtigen. Unter üblichen Bedingungen stellt das meist kein Problem dar: Wird das Mittel frühzeitig eingesetzt und erfolgt die Aussaat später mit zumindest minimaler Bodenbearbeitung, wird der eventuell noch vorhandene Spritzfilm aufgebrochen und der mikrobielle Abbau der Wirkstoffe gefördert.
Bei der Drohnensaat entfällt diese Möglichkeit jedoch vollständig. Zudem findet die Aussaat noch vor der Ernte statt, was den Abbauzeitraum nochmals verkürzt. Entsprechend muss der Wirkstoff bis zum Zeitpunkt der Drohnensaat ausreichend abgebaut sein, um Auflaufdepressionen zu vermeiden. Die Abbaurate hängt dabei sowohl vom Anwendungstermin (Anzahl Tage zwischen Applikation und Aussaat) als auch maßgeblich von den Niederschlägen in den Wochen nach der Ausbringung ab. Ein trockenes Frühjahr oder Frühsommer kann den Abbau der Sulfonylharnstoffe erheblich verlangsamen. Laut Anwendungsbestimmungen wird in sehr trockenen Jahren vor dem Nachbau empfindlicher Kulturen sogar eine tiefe, mischende Bodenbearbeitung (15 bis 20 cm) empfohlen und darauf hingewiesen, dass Schäden an Zwischenfrüchten möglich sind.
Nicht alle Sulfonylharnstoffe sind davon gleichermaßen betroffen. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn im Frühjahr die Wirkstoffe Metsulfuron, Iodosulfuron oder auch Propoxycarbazone eingesetzt wurden. Metsulfuron kommt unter anderem in den Produkten Pointer Plus, Dirigent SX, Concert SX oder Ergon vor. Iodosulfuron zum Beispiel in Niantic oder Husar OD. Beide Wirkstoffe werden nur gering an Bodenteilchen gebunden, wirken sehr gut auf Raps und einzelne Zwischenfrüchte und besitzen eine gute Wasserlöslichkeit. Das heißt, sie können von der nachfolgenden Kultur leicht aufgenommen werden und sind bei trockenen Bedingungen seit der Anwendung in der oberen Bodenschicht vermutlich noch nicht vollständig abgebaut. Zudem ist der Wirkstoff Metsulfuron ein Metabolit von Iodosulfuron. Besonders kritisch ist es daher, wenn im Weizen Mischungen aus diesen Wirkstoffen eingesetzt wurden. Die diesjährigen Versuche erlauben hierzu keine systematische Auswertung, dennoch fiel auf, dass Phacelia – als zweikeimblättrige, sulfonylharnstoffempfindliche Zwischenfrucht – an Standorten mit entsprechenden Pflanzenschutzeinsätzen einen deutlich verhaltenen oder ausbleibenden Feldaufgang zeigte. Der Einfluss des Pflanzenschutzes wird in den kommenden Jahren als Versuchsfrage in den Versuchen aufgenommen.
Wenig Wasser ist ein Thema
In diesem Jahr spielte die Witterung der Drohnensaat stärker in die Karten als den Vergleichsvarianten. Vor der Ernte fiel meist ausreichend Niederschlag, sodass die Drohnensaat häufig unmittelbar vor einem Regenguss ausgebracht werden konnte – ein deutlicher Vorteil für den Feldaufgang. Nach der Ernte stellte sich dagegen eine trockenere Phase ein, die den Zwischenfruchtaufwuchs der Vergleichsvarianten deutlich erschwerte. Trotzdem zeigte sich entlang größerer Knicks, wie empfindlich die Drohnensaat auf Feuchtigkeitsmangel reagiert: In Bereichen mit geringerer Niederschlagsverfügbarkeit beziehungsweise stärkerer Wasserentzugswirkung durch Gehölze brach der Feldaufgang spürbar ein. Auffällig war zudem, dass Komponenten der Zwischenfruchtmischung mit einem höheren Keimwasserbedarf fast ausschließlich in der Stoppelreihe keimten, da sie dort das von den Stoppeln ablaufende Wasser nutzen. Um den Einfluss der Witterung verlässlich beurteilen zu können, werden die Versuche in den kommenden Jahren fortgeführt.
Fazit
Die Flächen werden detailliert hinsichtlich Feldaufgang, Biomasseaufwuchs, Bodenbedeckung, N-Fixierung sowie der Herbst- und Frühjahrs-Nmin-Werte ausgewertet. Eine umfassende Aufbereitung der Ergebnisse des ersten Versuchsjahres folgt im Frühjahr 2026. Die gewonnenen Eindrücke zeigen bereits, wie viele Stellschrauben über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. In den kommenden Jahren werden wir diese Faktoren weiter untersuchen, um die Praxistauglichkeit und Grenzen der Drohnensaat präzise beurteilen zu können.



