„Nachhaltig in die Zukunft“ lautete das Motto des Tages der Maschinenringe, der in der vergangenen Woche in Kiel stattfand. Vor rund 300 Teilnehmenden erklärt Nils Thun, Präsident des Bundesverbandes der Maschinenringe (BMR): „Noch nie hat dieses Motto unsere Grundwerte besser beschrieben als heute.“
Mut, Veränderungswillen und Innovationskraft seien bei den derzeitigen Herausforderungen gefragt. „Lasst uns in Lösungen und nicht in Problemen denken“, appellierte Thun. Mit ihren Lösungen übernähmen die Maschinenringe Verantwortung für die Gesellschaft und für die Ernährung heutiger sowie zukünftiger Generationen.
Neue Geschäftsmodelle
Der Klimawandel sei dabei zunehmend spürbar: Wasser werde knapper, die Biodiversität nehme ab. Landwirte hielten dagegen. „Wir binden CO2 in unseren Böden und wir erarbeiten Maßnahmen für mehr Artenvielfalt“, unterstrich Thun. Die Branche entwickle sich kontinuierlich weiter. Notwendig seien Geschäftsmodelle, die Ökonomie und Ökologie miteinander verbänden. Im Rahmen der Tagung wurde an vier Schwerpunktthemen gearbeitet:
1. Nachhaltig digital: Dazu gehören laut BMR Smart Farming und Sensorik. Thun erklärte: „Wir können gemeinsam moderne Technik anschaffen und so ressourcenschonend arbeiten.“ Die Maschinenringe böten mit ihrer „Mein Acker“-Software eine eigene digitale Plattform zur Vernetzung, die laut Thun eine nachhaltigere Wirtschaftsweise ermöglicht.
2. Nachhaltige Energiewende: Energieerzeugung ist für die Landwirtschaft zu einer verlässlichen Einkommensquelle geworden. Maschinenringe könnten beraten und sich zu Energiegemeinschaften zusammenschließen. „Wir denken regional. Wenn wir den Strom regional erzeugen und dort auch verbrauchen, ist das nachhaltig“, betonte der BMR-Präsident.
3. Nachhaltig vor Ort: Maschinenringe können zum Klima- und Biodiversitätsschutz beitragen, indem CO2 gespeichert und in regionalen Nährstoffkreisläufen gedacht wird. „Wir bündeln Wissen und geben es weiter“, so Thun. Maschinenringe kümmerten sich um Kommunikation und Vermarktung.
4. Nachhaltig sozial: Ob Betriebshilfe oder Alltagsbegleitung – die Maschinenringe sind als Ansprechpartner für die Mitgliedsbetriebe da. Thun erklärte: „Wir leben Solidarität und unterstützen Menschen, die im Alltag Hilfe brauchen.“
Nach Angaben des BMR-Präsidenten müssten die drei Säulen der Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden. Oft würden ökologische Leistungen nicht ausreichend vergütet. „Wir haben das Wissen, die Technik, das Netzwerk und den Willen. Lasst uns zeigen, dass Landwirtschaft Teil der Lösung ist“, schloss Thun.
Marsch und Moore
Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) betonte: „Schleswig-Holstein ist ein Agrarland.“ Die Voraussetzungen für Landwirtschaft seien ideal: gute Böden, fast immer ausreichend Niederschlag und gut ausgebildete Menschen. Trotzdem stehe die Landwirtschaft vor zahlreichen Herausforderungen. Neue Ansätze für vielfältige Landnutzungssysteme würden benötigt. In Schleswig-Holstein betreffe das vor allem die Marsch und die Moorstandorte. „Innovation bei Technik, Anbauverfahren und Fruchtfolgen kann hier viel leisten“, so Schwarz. Als wichtige Einrichtung für den Wissenstransfer stellte er das Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft heraus. Dies sei ein Katalysator, um Modell- und Demonstrationsvorhaben voranzubringen. Der Minister stellte klar: „Mir ist es wichtig, Lösungen mit den Betroffenen zu entwickeln.“ Mit Blick auf die Ernährungssicherheit sei man aber weiterhin auf Top-Erträge von Gunststandorten angewiesen, so seine Überzeugung. Er betonte: „Nahrungsmittelproduktion und ein hoher Selbstversorgungsgrad sind für mich persönlich ganz wichtige politische Ziele.“
Die Entwicklung der ländlichen Räume sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) bleibe dafür das zentrale Element. Schwarz warb dafür, die ländlichen Räume als „Chancenraum“ zu begreifen.
Unternehmertum stärken
Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), kritisierte, dass unter dem Begriff Nachhaltigkeit oft ideologisch geprägte Politik forciert werde. „Wir Unternehmer können sehr gut abschätzen, wie wir nachhaltig unsere Tiere und unsere Pflanzen ernähren“, erklärte Lucht. Er forderte ein, dass eine Ausbringmenge in Höhe von 230 kg N/ha „drin sein“ müsse, wenn emissionsarm ausgebracht werde. Wieder erlaubt werden müsse auch das Ausbringen auf gefrorenem Boden, sofern die Aufnahme der Nährstoffe gewährleistet sei. „Das ist fachlich richtig“, betonte Lucht.




