210 Frauen diskutierten beim KreisLandFrauentag Ostholstein auf Gut Immenhof in der Gemeinde Malente über das Thema „Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher“.
Die Freude war allen Beteiligten anzumerken: endlich wieder ein Treffen, endlich wieder ein Gedankenaustausch in Präsenz! Das betonte auch die Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes Ostholstein, Jutta Fahr. Sie konnte nicht nur über 200 Landfrauen, sondern auch viele Netzwerkpartnerinnen aus Politik, Wirtschaft und Kirche der Region begrüßen.
Die Organisatorinnen hatten ein buntes Programm aus Vorträgen, Podiumsdiskussion und Quiz vorbereitet. Zum Vergnügen trug auch die Örtlichkeit bei, denn Verwalter Ole Marxen von Gut Immenhof gab einen Einblick in die Entwicklung und Neuausrichtung der historisch bedeutsamen Anlage. Doch bei aller Freude vergaßen die Frauen auch nicht die angespannte und kaum absehbare Lage in der Weltpolitik.
Jutta Fahr blickte in ihrem Grußwort auf die vergangenen zwei Jahre mit Corona, Flutkatastrophe und ganz aktuell dem Ukraine-Krieg zurück. Sie rief die LandFrauen zu einem „starken Miteinander“ auf. Denn dafür seien sie angetreten: füreinander einstehen, Gemeinschaft leben und miteinander gestalten. „Jeder ist aufgefordert, sich Gedanken zu machen, wie Hilfe möglich ist. Solidarität heißt auch Verzicht. Wir LandFrauen haben den langen Atem dafür“, sagte Fahr und erhielt donnernden Applaus.
Auch die Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein, Ulrike Röhr, betonte diese Werte, für die die LandFrauen seit 75 Jahren einträten. Denn so lange ist es her, dass sich der Landesverband gegründet hat. Röhr lud alle Frauen ein, am 10. Juni nach Neumünster in die Holstenhallen zu kommen und mitzufeiern. Und wer sich frage, können wir überhaupt feiern, dem sage sie: Ja, wir können! „Es ist wichtig, füreinander da zu sein. Wir müssen auch Energie tanken für all das, was vielleicht noch kommt“, sagte Röhr.
Zum Thema des KreisLandFrauentages betonte sie, der Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher spiele im Verband eine große Rolle. Seit dieser Dialogprozess 2019 initiiert worden war, gehöre sie selbst der Steuerungsgruppe an. In den drei Jahren seien abschließend 24 Thesen aufgestellt worden, die unter anderem die Forderungen nach Wertschätzung heimischer Lebensmittel und fairen Preisen beinhalten. „Dabei müssen auch Handel und Politik in die Verantwortung genommen werden“, so Röhr. Das Thema Hofübergaben bereite Sorgen, weil nicht klar sei, in welche Richtung wir es gehe. „Wie wichtig eine starke heimische Wirtschaft ist, wird gerade aktuell sehr deutlich“, sagte Röhr mit Blick auf den Ukraine-Krieg und seine Auswirkungen auf Angebot und Preisgestaltung.
Was tut die Landwirtschaftskammer für den Dialog zwischen Verbraucher und Erzeuger? Diese Frage beantwortete die Präsidentin Ute Volquardsen mit Beispielen wie Caféführer, Förderung von Bauerhofpädagogik und Ähnlichem sowie vor allem einer aktiven Pressearbeit. Sie nannte Portale wie „Gutes vom Hof“ und appellierte an alle, auch neue Medien zu nutzen. „Landwirtschaft von der Stange gibt es nicht mehr“, sagte Volquardsen.
Ein großes Anliegen aller LandFrauen sowie der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ist die Verbraucherbildung. Verbraucherwissen schon im Kindergarten zu vermitteln, in Schulen fortzuführen und in Hofläden bei der Direktvermarktung zu kommunizieren – daran wird auf vielen Ebene gearbeitet, wie unter anderem in der Kathrin Dehn-Schumacher, Beisitzerin im Kreisvorstand, locker und souverän moderierten Podiumsdiskussion mit Selvihan Benda von der Verbraucherzentrale, Sabine Schwarten als Vorsitzende des Verbandes Binnenfischer und Teichwirte sowie Ute Volquardsen sehr deutlich wurde. Die Frauen beantworteten auch Fragen der Frauen im Publikum, die sich unter anderem Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung wünschten. LandFrau Friederike Landschoff ging noch einen Schritt weiter und forderte die Kammer auf, mehr zu forschen, inwieweit Insekten als Futtermittel genutzt werden könnte. Den Schlusspunkt setzte die Verlosung der „Güte-Tüte“, denn die Frauen hatten in einem Quiz zeigen können, wie aufmerksam sie den Ausführungen gefolgt waren.



