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Was bringt ein höheres Transportalter?

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Als der Entwurf für die neue Kälbertransportregelung, nach der Kälber künftig erst in der fünften statt in der dritten Woche den Betrieb verlassen dürfen, in den Bundesrat eingebracht wurde, war die Begründung jene, dass ältere Kälber stabiler seien und den Transport besser verkraften könnten. Nicht wenige hatten ihre Zweifel an dieser Argumentation, da bekanntlich die sogenannte immunologische Lücke auch in diesen Zeitraum fällt und der mütterliche Schutz mit jeder Woche schwächer wird. Um hier Klarheit zu schaffen, soll die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnislage zusammengefasst werden.

Transporte sind seit jeher ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Erkrankungen. Besonders stehen hier Atemwegserkrankungen im Fokus, die im Englischen oft als „shipping fever”, also als transportbedingter Allgemeininfekt zusammengefasst werden. Auf einem Transport kommen meist verschiedene begünstigende Faktoren zusammen: Die Verladung auf ein Fahrzeug und der rollende Transport sind für viele Jungrinder etwas vollkommen Neues und daher mit Stress verbunden. Stresshormone, die dabei die Alarmreaktion des Körpers unterstützen, bremsen gleichzeitig die Aktivität der körpereigenen Abwehrzellen und machen den Körper weniger wehrhaft gegen Infekte. Zwischen Stall, Transporter und neuem Stall können zudem erhebliche Klimaunterschiede bestehen, die den Tieren eine hohe Anpassungsleistung abverlangen und den Körper belasten. Bis dahin vorhandene, aber still schlummernde Erreger können diese Schwächephase nutzen und sich im Körper ausbreiten, sodass Erkrankungen kurz nach dem Transport schon ausbrechen. Wenn zugleich Tiere aus verschiedenen Herden aufeinandertreffen, entsteht eine bunte Mischung von verschiedenen Keimen, die auf bisher nicht gegen diese Erreger geschützte Wirtstiere treffen. Daher sind schwere Infektwellen einige Tage nach der Zusammenstellung neuer Gruppen kaum zu vermeiden.

Mütterlicher Schutz

Bekanntlich sind Kälber in den ersten Lebenstagen zwingend auf den mütterlichen Schutz angewiesen, den sie durch die frühe und reichliche Aufnahme von Kolostrum erhalten. Zahlreiche Studien haben gezeigt: Je besser die Versorgung in den ersten Lebensstunden ist, desto besser entwickeln sich die Kälber, sind später gesünder und leistungsstärker. Doch dieser erste Schutz ist endlich: Die übertragenen Antikörper (Immunglobuline) werden verbraucht und vom Körper abgebaut, sodass nach einiger Zeit die körpereigene Abwehr übernehmen muss. Dafür braucht es neben ausreichend Energie und Nährstoffen auch das richtige Training der Abwehrzellen durch Kontakt mit den herdentypischen Keimen und durch Impfungen. Klassischerweise wird der Übergang vom mütterlichen auf den Eigenschutz, die sogenannte immunologische Lücke, irgendwo zwischen der dritten und sechsten Lebenswoche angesiedelt. Daher erscheint es logisch, wenn Kälber eher früh mit einem noch guten mütterlichen Schutz in der dritten Lebenswoche transportiert werden als in der fünften Woche, wenn vom kolostralen Schutz nicht mehr viel übrig ist und das eigene Immunsystem gerade erst laufen lernt.

Treffen im Mastbetrieb Kälber aus verschiedenen Herden aufeinander, sind Probleme kaum zu vermeiden. Foto: Landpixel

Kolostrum: Fakten

Schaut man aber einmal in die jüngere wissenschaftliche Literatur, wird die immunologische Lücke immer mehr infrage gestellt. Sie ist in erster Linie eine Folge einer zu geringen Kolostrumaufnahme. Fällt die frühe Versorgung zu knapp aus, ist der mütterliche Schutz schneller aufgebraucht als der Eigenschutz ausreichend stark werden kann. Studien haben für die mütterlichen Antikörper aus dem Kolostrum eine Halbwertszeit von zehn bis 16 Tagen ermittelt. Das heißt, dass sich nach dieser Zeit der Blutspiegel halbiert und so je nach Ausgangslage nach zwei bis fünf Wochen die mütterlichen Antikörper als alleiniger Schutz nicht mehr ausreichen (Abbildung 1). Zugleich baut ein gut versorgtes Kalb aber auch ab dem ersten Tag seine eigene Abwehr auf, sodass diese im besten Fall ab der sechsten Woche allein für den Schutz des Körpers sorgen kann. Da sich beide Schutzsysteme gegenseitig ergänzen, kann idealerweise das Abklingen der kolostralen Antikörper durch die allmähliche Ausbildung des eigenen Schutzes kompensiert werden. Die Abwehrzellen sind ab dem ersten Lebenstag aktiv und tragen so täglich mehr zum anhaltenden Schutz bei. Es ist aber auch erwiesen, dass diese Zellen erst ausreifen müssen, um ihre volle Leistung zu erreichen. Ältere Kälber sind demnach auch im Bereich der Zellen abwehrstärker als jüngere.

Folgen für das Kalb

Messungen von Blutwerten im Labor helfen, die Abwehrmöglichkeiten einzuschätzen. Wirklich sicher lassen sich Effekte auf das Kalb aber nur durch Experimente mit lebenden Tieren untersuchen. Dafür wirken im Bereich der Infektabwehr einfach zu viele Faktoren zusammen. Um die Auswirkungen unterschiedlicher Transportalter auf die Kälbergesundheit zu untersuchen, wurde in den Niederlanden durch die Universität Wageningen ein Großversuch mit knapp 700 Mastkälbern (Fleischkreuzungen und Holsteins) gestartet (Marcato et al, 2021): Während eine Hälfte der Tiere konventionell am 14. Lebenstag auf Mastbetriebe verbracht wurde, wurden andere Kälber aus den gleichen Herkunftsbetrieben erst am 28. Lebenstag auf die gleichen Mastbetriebe transportiert. So bestand der einzige relevante Unterschied im Transportalter. Starke Ähnlichkeit bestand auch bei den Laborwerten: Die untersuchten Kälber hatten insgesamt ähnliche Antikörperblutspiegel am Ende der ersten Lebenswoche. Auch der Tiefpunkt der Schleimhautschutz bildenden Antikörper (IgA) lag bei beiden Gruppen in der vierten Lebenswoche (Abbildung 2).

Die deutlichen Unterschiede zeigten sich erst in der weiteren Entwicklung der Kälber (Tabelle): So wurden die Kälber mit dem höheren Transportalter (28-Tage-Kälber) seltener medikamentell behandelt, auch wenn der Antibiotikaeinsatz ähnlich war. Weiterhin war die Zahl der Todesfälle in dieser Gruppe nur halb so hoch und die Schlachtkörper am Ende der standardisierten Kälbermast waren mehr als 9 % schwerer. Die später transportierten Kälber waren somit deutlich robuster und haben diesen Vorteil in bessere Gesundheit und stärkeres Wachstum umgesetzt.

Umsetzung in der Praxis

Diese umfangreiche Studie zeigt also deutlich, dass keine negativen Effekte durch das höhere Transportalter zu erwarten sind, wenn die sonstige Behandlung der Kälber vor dem Transport gleich bleibt. Klar ist aber auch, dass sich die Betreuungsarbeit auf den Herkunftsbetrieben erhöht, wenn mehr Kälber länger bleiben. Dass der höhere Platzbedarf auf einem durchschnittlichen Milchviehbetrieb überschaubar ist, hat der Artikel in Bauernblatt-Ausgabe 35 deutlich gezeigt. Mit der neuen Vorschrift verbunden ist aber auch die Pflicht, alle Kälber mit ausreichend geeignetem Futter zu versorgen. Wird diese Pflicht nicht erfüllt, kann dies als Verstoß gegen Tierschutzvorschriften im Ordnungs- und auch im Prämienrecht geahndet werden. Dieser Mehraufwand besteht neben der erhöhten Fütterungsarbeit auch in einem höheren Verbrauch von Milch oder Milchaustauscher. Insbesondere für ökologisch wirtschaftende Betriebe besteht hier die Pflicht zur Vollmilchtränke, auch wenn die Kälber anschließend mangels aufnehmender Biomastbetriebe oft konventionell vermarktet werden müssen. Dabei sind bei drei Wochen alten Kälbern Tränkemengen von über 12 l Milch pro Tag einzuplanen, um bedarfsdeckend zu füttern.

Fazit

Die wichtigste immunologische Entwicklung des Kalbes passiert in den ersten Lebenswochen. Hier erfolgen Weichenstellungen, die sich ein Rinderleben lang auswirken. Dabei haben Kolostrumversorgung, Haltungsbedingungen und Ernährung den größten Einfluss. Eine Verschiebung des Transportalters hinein in die klassische „immunologische Lücke“ als bekannte Schwächephase wirkt daher auf den ersten Blick unlogisch. Betrachtet man aber die Entwicklung der Körperabwehr als Ganzes und nimmt auch die Ergebnisse der großen niederländischen Transportstudie von 2021 zur Kenntnis, ist zu erwarten, dass insgesamt die positiven Effekte für das transportierte Kalb überwiegen werden, wenn Haltung und Fütterung auf Herkunfts- und Aufnahmebetrieb auf einem guten Niveau sind. Ohne Risiko wird der Einkauf von Kälbern verschiedener Herkünfte dennoch nie sein, sodass feste Lieferbeziehungen langfristig immer das Ziel sein sollten.

Die Silomaisernte ist voll im Gang

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Die ersten Septembertage zeichneten sich durch sommerliche Temperaturen, stetig milden Ostwind, hohe Sonneneinstrahlung und ausbleibende Niederschläge aus. Das führte abermals zu einer deutlichen Reifeentwicklung in der Gesamtpflanze des Maises.

Zur Reifeprüfung Silomais werden an elf Kammer-Versuchsstandorten in Schleswig-Holstein die Prüfsorten ,Keops‘ (S 210), ,RGT Exxon‘ (S 220), ,LG 31238‘ (S 230) und ,RGT Haruka‘ (S 250) angebaut. Der Norden des Landes wird in diesem Jahr über die Standorte Husum (NF), Wallsbüll (SL), Schuby (SL), Dannewerk (SL) und Uelsby (SL) abgebildet, im Süden werden die Standorte Barkhorn (RD), Langwedel (RD), Krumstedt (HEI), Futterkamp (PLÖ), Hemdingen (PI) und Leezen (SE) beprobt.

Die Proben für diese Reifeprüfung wurden am 7. September ohne den Standort Krumstedt geschnitten. Zur Probenahme zeigten die Pflanzenproben der Standorte Husum, Wallsbüll und Uelsby noch sehr grüne Blätter auf und die Kolben waren überwiegend noch in der Milchreife. Die Gesamtpflanzenabreife war noch nicht so stark fortgeschritten. Ein anderes Bild liefern hingegen die Standorte Schuby, Barkhorn, Dannewerk und Langwedel, dort rollte der Mais die Blätter, Trockenstress war zu sehen, die Kolben waren überwiegend gut besetzt, gefüllt und weit in der Entwicklung fortgeschritten. Die Pflanzenproben aus Hemdingen und Leezen waren überwiegend bis zum Kolbenblatt von unten her verbräunt, die Kolben gut entwickelt und weit in der Abreife. Die Grafiken 1 und 2 führen die enormen Reifefortschritte der Maispflanzen auf. Im Norden kam es im Mittel zu einem Zuwachs von 3,6 % in der Gesamtpflanze, der Süden verzeichnete sogar einen Reifefortschritt von fast 5,5 %. Die wöchentliche Prognose für den Reifefortschritt in der kommenden Woche mit 1,7 % liefert das Prognosemodell Maisprog.

Quelle: Dr. Elke Grimme, Landwirtschaftskammer SH

In vielen Praxisbeständen ist eine extrem ungleichmäßige Abreife zu beobachten. Hier den optimalen Erntetermin zu erfassen, wird äußerst schwierig. Solche Bestände gilt es gut zu beobachten, um starken Verholzungen von Blättern und Stängeln durch die Ernte dann entgegenzutreten. Die Verdichtbarkeit des Häckselgutes aus solchen Beständen wird zunehmend erschwert, auch nimmt der Futterwert mit zunehmender Verbräunung ab. Zunahmen in der Trockenmasse und Stärkeeinlagerungen sind jetzt nicht mehr zu erwarten. Die lang ersehnten Niederschläge von letzter Woche Donnerstag entspannten kurzfristig das Erntefenster vitaler Maisbestände. Die Maispflanzen konnten wieder Wasser aufnehmen, sofern es auch ausreichend geregnet hatte. Das Regenerationsvermögen von Kolben tragenden und überwiegend grünen Maispflanzen ist nicht zu unterschätzen, Ertrags- und Qualitätszunahmen sind aber nicht auszuschließen. Kolbenloser Mais sowie notreifer Mais mit geringen Kolbenanteilen und verbräunte Maisbestände sollten zügig gehäckselt werden, da kaum noch Ertragszuwächse zu erwarten sind, die Pflanzen weiter altern und an Futterwert verlieren. Läuft in den Praxisbeständen die Restpflanzenabreife deutlich vor der Kornabreife ab, sollte gehäckselt werden, bevor die Körner ausreifen konnten, damit das Häckselgut im Silohaufen ordentlich verdichtet werden kann. Eine geringe Häcksellänge ist bei den sehr unterschiedlich abgereiften Beständen anzuraten, um ein gut verdichtetes Silo zu erlangen. Auch den Silierprozesses und die aerobe Stabilität der Silage mithilfe eines Siliermittels zu unterstützen sind nicht außer Acht zu lassen.

Diese Ergebnisse der Reifeprüfung können lediglich der Orientierung dienen. Gerade die zum Teil doch erheblichen Unterschiede der Maisbestände erlauben es nicht, die hier aufgezeigten Abreifedaten als Richtwerte für eigene Maisflächen anzusehen. Es ist jetzt äußerst wichtig, die Bestände auf Kornansatz und das Abreifeverhalten von Blättern und Stängeln zu kontrollieren.

Quelle: Dr. Elke Grimme, Landwirtschaftskammer SH
Quelle: Dr. Elke Grimme, Landwirtschaftskammer SH

Lernen durch Begreifen

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Die Landesvorsitzenden des Landjugendverbands, Hanna Kühl und Hannes Bumann, hielten ein Grußwort auf dem Landesbauerntag. Hier einige Auszüge:

Landwirte sind in Zukunft noch mehr, nämlich Tierschutzbeauftragte für Insekten. Bienen und Hummeln sind wichtige Akteure der heimischen Landwirtschaft. Bereits jetzt blüht es im ganzen Land auf Ackerrandstreifen und Teilflächen. Dabei wirft längst nicht jede Blume dort einen Euro ins Portemonnaie des Landwirts. Viele zahlen aus eigener Tasche drauf! (…)

„Lernen durch Begreifen“ ist immer noch das beste Lernprinzip. Nichts prägt sich stärker ein als einmal ein Kalb gefüttert oder Äpfel selbst gepflückt und zu Saft verarbeitet zu haben. Wir fordern die Landesregierung auf, ihr Versprechen zu erneuern. Jedes Kind soll in seiner Schulzeit mindestens einmal einen Tag auf einem landwirtschaftlichen Betrieb verbringen. (…)

Das Ehrenamt ist der Motor des ländlichen Raums. Wir brauchen keine politikgesteuerten Koordinatoren für die Jugendverbandsarbeit. Wir brauchen eine starke, unbürokratische Förderung, die es uns möglich macht, uns Freiräume zu schaffen und unser Potenzial zu entfalten. (…)

„Jede Wildbiene ist ihre eigene Königin“

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Inke Studt-Jürs verfügt über besonderes Wissen, das sie gern teilt. Die freiberufliche Webde­signerin aus Weede ist Wildbienenbotschafterin und will in Vorträgen und bei Veranstaltungen über die Lebensweise dieser Insekten informieren und so zu ihrem Schutz beitragen. Im Interview mit dem Bauernblatt gibt die 57-jährige LandFrau auch Wildbienentipps für Balkon, ­Terrasse und Garten.

Frau Studt-Jürs, wie wird eine Computer- und IT-Fachfrau zur Wildbienenbotschafterin?

Mein Ehemann Thomas ist Hobbyimker. Unser eigener Garten ist 1.800 m2 groß und in verschiedene Gartenräume aufgeteilt. Wir haben Beete mit vielen verschiedenen bienenfreundlichen Stauden angelegt und bieten sowohl Honigbienen als auch Wildbienen von Februar bis zum Frost ein vielfältiges Blütenangebot. Dort habe ich zunehmend Wildbienen entdeckt, angefangen, mich dafür zu interessieren, und dann an Seminaren teilgenommen. Jetzt biete ich Wildbienenvorträge an, zum Beispiel bei den LandFrauenvereinen

Was finden Sie an Wildbienen so interessant?

Ihre Lebensweise ist so faszinierend, sie unterscheiden sich ganz stark von Honigbienen. Wildbienen leben fast immer allein, jede Wildbiene ist ihre eigene Königin. Und es gibt sie in ganz klein und in ziemlich groß. Auch Hummeln gehören zu den Wildbienen, sie bilden eine Ausnahme, weil sie kleine Völker bilden.

Insektenhotels sind ja mittlerweile in vielen Gärten zu sehen. Wieso sind diese Tiere noch bedroht?

60 % aller Wildbienen errichten ihre Niströhren im Boden, viele Leute wissen das gar nicht. Anders als Honigbienen legen Wildbienen nämlich nur kurze Flugstrecken zurück, sie bauen ihre Niströhren deshalb in der Nähe ihrer Futterquellen. Zudem haben sie oft nur eine kurze Lebensdauer, weil sie sich auf bestimmte Blüten spezialisieren und nach Ablauf von deren Tracht sterben.

Die Ackerhummel ist von März bis November unterwegs und sehr flexibel in der Blütenwahl. Ihre Nester baut sie gern in verlassenen Mäuselöchern. Foto: Inke Studt-Jürs

Wie können Wildbienen im Garten am besten unterstützt werden?

Die Insekten fliegen besonders im Frühjahr auf blühende Küchenkräuter wie Salbei, Thymian, Majoran oder Schnittlauch. Aber auch Wildkräuter werden gern als Nahrungsquelle genutzt. Dazu gehören Löwenzahn, Giersch, Gundermann, Taubnessel oder Gänsefingerkraut. Um mich noch besser mit Kräutern auszukennen, nehme ich gerade an einem Kräuterkurs teil, den der LandFrauenverband und das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume anbieten.

Kann man auch im Herbst noch etwas für die Wildbienen tun?

Auf jeden Fall Zwiebeln für Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen oder Perlhyazinthen stecken. Sie bieten genauso wie Weiden, deren Pollen sehr eiweißreich sind, im Frühjahr die erste Nahrung für Wild-, aber auch für Honigbienen.

Ernst und lustig, herzhaft und süß

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Auch der Landjugendverband Schleswig-Holstein war nach der erzwungenen Pandemiepause in diesem Jahr endlich wieder auf der Norla vertreten. So erfreute sich der Pavillon der Landjugend 2022 wieder hoher Besucherzahlen.

Der Norla-Auftritt wurde gut geplant, bereits im Mai fand die erste Vorbesprechung mit zehn Projektgruppenmitgliedern im Rahmen des Tags der offenen Geschäftsstelle statt. Hier verschaffte man sich zunächst einen Überblick und die wesentlichen organisatorischen Aufgaben wurden verteilt, um Anfang August die Ergebnisse in einer Onlinekonferenz zusammenzutragen und abzustimmen. Die Bestellmengen für Getränke und Zutaten für den Waffelteig wurden abgestimmt, die Vorlagen für die Basteltüten ausgewählt, und auch die Vorlagen für das Kinderschminken wurden reduziert. Der Speiseplan für die Helfermahlzeiten an den einzelnen Tagen wurde besprochen und entsprechende Aufgaben verteilt.

Neben dem traditionellen Waffelverkauf und dem Verkauf von alkoholfreien Getränken sollte aber auch etwas Neues her. Die Projektgruppe entschied sich, einen alkoholfreien Cocktail auszuschenken und neben den süßen auch herzhafte Waffeln auszuprobieren. Die Wahl der richtigen Rezepte konnte natürlich nicht in einer Onlinekonferenz entschieden werden. Hierzu bot sich der Termin zum Vorbereiten des Landjugend-Pavillons Mitte August an. Nachdem dieser entstaubt, die Toi­letten gereinigt und die T-Shirts gewaschen waren, wurden Cocktailrezepte probiert und der Waffelteig getestet. Die Entscheidung für herzhafte Waffeln in zwei Varianten war schnell getroffen. Die Entscheidung für zwei Cocktails benötigte wenige Schlucke mehr. Diese reiflich überlegten Neuerungen wurden in den ersten Tagen nicht so gut angenommen wie erhofft. Zum Wochenende hin trauten sich dann doch mehrere Besucher an die ungewöhnlichen Varianten heran.

Für den gesamten Zeitraum der Norla konnten 40 ehrenamtliche Helfer aus Landjugendgruppen in ganz Schleswig-Holstein gewonnen werden. Zu ihren täglichen Aufgaben gehörten neben der Herstellung immer wieder frischen Waffelteigs und frischer Cocktails das Waffelbacken, Kaffeekochen und Verkaufen der Leckereien. Aufgrund der zahlreichen Besucher mit Kindern erwies sich das Kinderschminken als eine der zeitaufwendigsten Aufgaben.

Ein Highlight dieser Messe waren die zwei Maskottchen Schwein und Kuh, die täglich auf dem Gelände unterwegs waren und mit kleinen und großen begeisterten Zuschauern Schnappschüsse machten. Zudem bot der Landjugendverband zu jeder vollen Stunde das Kräftemessen „Hau den Lukas“ an. Am Stand des Sparkassen- und Giroverbands Schleswig-Holstein wurden mit den beliebten roten Eimern Spenden für die Renovierung des Landjugendpavillons gesammelt. Diese Aktion war ein voller Erfolg.

Doch das war alles noch nicht genug. Neben dem allgemeinen Messetrubel geschahen an vielen Orten noch spannende Aktionen und Dinge wie zum Beispiel am Stand des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein. Dort nahmen die beiden ersten Vorsitzenden der Landjugend am Gummistiefelboccia teil.

Am Freitag besuchte der Ideen­geber des Grünen Sofas, Heinrich Mougin aus dem Vorstand des Bauernverbandes, den Landjugend-Pavillon. Der Landjugend-Pavillon freute sich am Sonnabend über den Besuch von diversen Politikern: Ministerpräsident Daniel Günther, Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (beide CDU) sowie den Landtagsabgeordneten Nelly Waldeck und Lasse Petersdotter (beide Grüne). Mit dem Landtagsabgeordneten Dirk Kock-Rohwer (Grüne) und dem Bundestagsabgeordneten Max Mordhorst (FDP) fanden lustige Wetten statt (siehe Bericht Ausgabe 36).

Die Norla wurde von Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht auch gleich genutzt, um seine verlorene Wette gegen das Agrarausschusssprecherteam einzulösen: Er rührte am Sonntag vier Stunden lang die Werbetrommel für den Landjugendverband und dessen Förderverein.

Süße Früchte, bittere Bilanz

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Fröhlich pflücken und verkosten sie die rotbackigen, reifen Äpfel – weniger fröhlich war die Stimmung beim gemeinsamen Gespräch zur offiziellen Eröffnung der Apfelernte in Schleswig-Holstein auf dem Obsthof Deekenhörn in Haselau in der Pinneberger Marsch. Die Obstbauern plagen gewaltige Probleme, besonders durch die massiven Energiepreiserhöhungen.

„Zurzeit können die gestiegenen Kosten im Obstbau nicht mehr durch die Markterlöse gedeckt werden“, sagt Obstbauer Georg Kleinwort, der als Kreisbauernverbandsvorsitzender Pinneberg zu der Eröffnung eingeladen hatte. Bisher machten die Energiekosten einen Anteil von 25 % der Produktionskosten aus. Hier sei eine Steigerung um ein Vielfaches erfolgt. Auch die Erhöhungen des Mindestlohnes seien deutlich spürbar.

In der Branche der Obstbauern schlage der Strom besonders stark zu Buche: Die Lager müssten gesteuert werden. Einigen Betrieben seien schon die Stromverträge gekündigt worden. „Wenn sich der Strompreis vervierfacht, ist der Betrieb platt“, bringt es Hans-Caspar Graf zu Rantzau, stellvertretender Kammerpräsident, bei der Versammlung auf den Punkt.

Der Obstanbau in Schleswig-Holstein ist in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin drastisch zurückgegangen. Wurden in den 1970er und -80er Jahren noch rund 2.000 ha Kern- und Steinobst im nördlichsten Bundesland angebaut, so sind es heute nurmehr rund 700 ha, davon allein rund 300 ha in der Haseldorfer Marsch. „Bei Obst haben wir nur drei Prozent Selbstversorgung in Deutschland. Das ist alles andere als eine Überproduktion“, sagt Kleinwort, der auf 65 ha in Haselau Obst anbaut. Was nun, wenn noch mehr heimische Produktion abwandert? „Die Himbeeren sind schon weg!“

Obstbauer Georg Kleinwort begutachtet die Äpfel der Sorte ‚Gala’.

Die meisten Obstsbauern betreiben eine Art von Selbstvermarktung, doch auch die Hofläden werden laut Kleinwort immer weniger und blieben ein Nischensektor. Entscheidend für den Erlös sei die Abnahme des Lebensmitteleinzelhandels, und der zahle auch weiterhin nur die bisherigen niedrigen Preise – 16 bis 18 ct/kg. „Im Supermarkt kostet die Ware dasselbe wie bisher, und der Druck geht auf die Produzenten“, klagt Wilfried Plüschau, der in Hohenhorst auf 50 ha Obst anbaut.

Eine Besonderheit der Vermarktung stellen die sogenannten Klubsorten dar: Apfelsorten, die nur in einer bestimmten Menge angebaut und über bestimmte Händler vermarktet werden, welche dafür einen garantierten Preis erhalten, zum Beispiel 80 ct/kg. Kleinwort führt hier die Sorte ‚Wellant’. Auch ­Sorten, die geeignet sind für Apfelallergiker, werden angebaut. Doch all dies seien „Nischen, ganz kleine Stellschrauben“.

Um die Lage für die Obstbaubetriebe zu verbessern, hat Kleinwort drei Forderungen an die Politik: erstens ein Bekenntnis zum EU-Binnenmarkt, aber mit einheitlichen Rahmenbedingungen unter den EU-Mitgliedstaaten. „Europaweit laufen die Mindestlöhne auseinander, und auch bei den Zulassungen für Pflanzenschutzmittel werden Unterschiede gemacht“, erklärt er. So könnten Waren importiert werden, die den Höchstrückstand eines bestimmten Pflanzenschutzmittels einhalten, dessen Anwendung in Deutschland überhaupt nicht erlaubt ist.

Zum Zweiten fordert Kleinwort einen Außenschutz vor Äpfeln aus Nicht-EU-Staaten. „Es müssen Importe unter die Regeln des EU-Binnenmarktes gestellt werden. Wenn wir keinen Außenschutz haben, sind wir verloren, es geht nicht nur über Zuschüsse.“ – „Letztendlich müssen gleiche Standards für alle gelten“, fasst Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht zusammen. „Entweder die anderen Länder produzieren wie wir, oder sie kommen nicht rein.“

Die dritte Forderung Kleinworts ist eine Marketingoffensive des Lebensmitteleinzelhandels, die insbesondere für deutsche Produkte wirbt.

Eine Besonderheit des Obstbaus bleibt: Auf die aktuelle Situation kann er nicht so schnell reagieren wie manch andere Branche: „Wir pflanzen für 15 Jahre, wir können die Produktion nicht einfach ‘runterfahren“, sagt Wilfried Plüschau. Ein Baum brauche zwei Jahre bis zum Erstertrag und fünf Jahre bis zum Vollertrag. 

Mit der Situation der Obstbauern beschäftigten sich (v. li.) Kammerrepräsentant Henning Münster, KBV-Vorsitzender Georg Kleinwort, BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht, stellvertretender Kammerpräsident Hans-Caspar Graf zu Rantzau und die Landwirte Wilfried Plüschau und Malte Piening.

Mückenplage im Garten nicht erwünscht

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Eine oft unbedachte Folge vieler kleiner Wasserstellen am Haus ist das unerwünschte Erscheinen von Mückenscharen. Um diese Plage in Haus und Garten nicht unnötig zu verschlimmern, ist es notwendig, die für die Larvenentwicklung wichtigen Wasserflächen zu verringern.

Bei der Wahl des Eiablageortes sind die Mücken nicht wählerisch; bereits ein Eimer mit 1 bis 2 l Wasser, der zehn bis zwölf Tage im Garten steht, reicht für die Entwicklung der Nachkommenschaft aus. Deshalb sollten über Sommer keine Behälter mit Wasser im Garten unnütz herumstehen.

In gewachsenen Biotopen wie ein paar Quadratmeter großen Teichen oder Tümpeln gibt es genug Lebewesen, die sich von Mückenlarven ernähren, sodass von dort keine Invasionen zu erwarten sind.

Für kleine Wasserstellen, in denen die natürlichen Feinde der Mücken fehlen, bietet sich der Wasserschlauch an. Diese Unterwasserpflanze bildet viele Fangbläschen, mit deren Hilfe sie kleine Wassertiere und damit auch Mückenlarven fängt, von denen sie sich ernährt. Da die normale Art, der Gemeine Wasserschlauch (Utricularia vulgaris), bis zu meterlange Triebe entwickelt, bietet sich für kleine Wasserstellen die kleinere Art, U. minor, an. Wurzellos schwimmen diese Pflanzen unter der Oberfläche, und zwischen den filigranen Blättern befinden sich die zahlreichen Fangbläschen. An deren Farbe lässt sich die Aktivität der Pflanze beobachten: Hellgrüne Bläschen sind noch „hungrig“, während dunkelrote einen Verdauungsprozess anzeigen.

Vier Pflanzen pro Quadratmeter reichen aus, um auch kleine Wasserstellen mückenfrei zu halten. Neben der Mücken reduzierenden Tätigkeit schmückt sich der Wasserschlauch über Sommer mit über dem Wasser erscheinenden gelben Blüten, die vom Aussehen an Löwenmäulchen erinnern.

Diese Pflanzen lassen sich auch für Schöpfbrunnen verwenden, jedoch wegen Lichtmangel nicht für Regenwassersammelbehälter, die nach Möglichkeit stets verschlossen werden sollten, um eine Eiablage der Mücken nicht zu ermöglichen. Sollte es in solchen Behältern oder in kleinen Wasserstellen ohne den Wasserschlauch einmal von Mückenlarven wimmeln, gibt es selektiv wirkende biologische Präparate auf der Basis von Bacillus thuringiensis israelensis im Handel, von denen schon 1,5 ml/m³ Wasser reichen. Dieses Präparat hat keine schädliche Auswirkungen auf Mensch, Tier und Pflanze, und das Wasser aus Tonnen kann unbedenklich weiter im Garten verwendet werden.

Sollten trotz aller Vorkehrungen an lauschigen Sommerabenden einmal Mücken den Aufenthalt auf der Terrasse verleiden, hilft schon ein altes Hausmittel weiter: einige Tropfen Nelkenöl auf eine Untertasse geben und auf den Tisch stellen.

Neben der Gefahr von Mückenplagen ist bei kleinen Wasserbiotopen, ähnlich wie bei Topfpflanzen, zu bedenken, dass sie mehr Pflege bedürfen, meist auch eine kürzere Lebenserwartung haben und nur selten unbeschadet über den Winter kommen.

Mit den Möglichkeiten der heutigen Technik unter Zuhilfenahme von Pumpen und Schläuchen lässt sich aus dem Wassergarten außerdem ein Fließgewässer vom Brunnen bis zum Wasserlauf herstellen. Sehr beliebt sind auch Sprudelsteine, an die sich ein kurzer Bachlauf anschließt. Gerade im Bereich des fließenden Wassers gibt es viele, aber auch teure Gestaltungsmöglichkeiten. 

Ein neues Gesicht in der Forstabteilung

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Im August wurde in der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer in Bad Segeberg ein personeller Wechsel vollzogen. Peer Rosenhagen hat die Fachbereichsleitung für forstliche Beratung, Betreuung und Waldbestattung von Torsten Kruse übernommen, der in den Ruhestand gewechselt ist.

Nach dem Abitur in Bremen sowie Bachelor- und Masterstudium der Forstwissenschaften in Göttingen folgte für Peer Rosenhagen das zweijährige forstliche Referendariat beim niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Im Anschluss an die erfolgreich bestandene Laufbahnprüfung begann seine Karriere bei den Landesforsten Mecklenburg-Vorpommern im Forstamt Kaliß. Dort arbeitete er über zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem großen Verbundprojekt zum vorbeugenden Waldbrandschutz. Als die Ausschreibung der Landwirtschaftskammer Schleswig-­Holstein für die Fachbereichsleitung erschien, wechselte er ins Land zwischen den Meeren.

Der neue Tätigkeitsbereich setzt sich aus unterschiedlichen Aspekten zusammen:

Ein Schwerpunkt liegt in der Begleitung der zwölf Bezirksförstereien hinsichtlich der organisatorischen Abläufe, der forstwirtschaftlichen und insbesondere der waldbaulichen Entscheidungen. Das beinhaltet auch die Unterstützung der Bezirksförster im Zusammenwirken mit Waldeigentümerinnen und -eigentümern, mit forstlichen Zusammenschlüssen, Unternehmern und Behörden. Die waldbauliche Begleitung von forstlichen Fördermaßnahmen einschließlich fachlicher Absprachen mit den betreuenden Bezirksförstern ist ebenfalls zu nennen. In diesem Zusammenhang soll zudem der fachliche Austausch zwischen den Bezirksförstereien intensiviert werden.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der Betreuung von insgesamt 21 Bestattungswäldern in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg. Hierzu zählen neben der Personalverantwortung der laufende Kontakt zu den Standorten, der Firma RuheForst GmbH sowie die Betreuung der Standorte in Hinsicht auf ihre wirtschaftliche und strategische Entwicklung. Durch ein betriebswirtschaftliches Controlling sollen außerdem Abläufe im Fachbereich weiter verbessert werden.

Die Herausforderungen im Fachbereich sind vielfältig. Die Waldbesitzenden in Schleswig-Holstein sind nach schwierigen Jahren für ihren Wald, insbesondere durch Dürreperioden, Borkenkäferkalamitäten, Sturmschäden und nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie mehr denn je auf eine zuverlässige, zukunftsfähige Beratung und Betreuung ihres Waldes durch die Landwirtschaftskammer angewiesen.

Durch Sturmereignisse geschädigte Wälder stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Foto: Dr. Borris Welcker

Wie man Herdentieren den Stress nimmt

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Am 31. August hatte das Verbundprojekt Netzwerk Fokus Tierwohl gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zum Seminar „Low-Stress-Stockmanship im Schweinestall“ im Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp eingeladen. Im Folgenden ein Erfahrungsbericht, worauf die Tiere positiv oder negativ reagieren.

Referent war Ronald Rongen, seines Zeichens Tierarzt und Verhaltensforscher aus den Niederlanden, der die Methode des Low-Stress-Stockmanship (LSS) auf landwirtschaftlichen Betrieben und auf Schlachthöfen schult.

LSS stammt aus den USA und heißt frei übersetzt „stressarmer Umgang mit Herdentieren“. Ziel ist es, den Umgang mit den Tieren so zu gestalten, dass die natürlichen Verhaltensweisen genutzt und berücksichtigt werden können und so weniger Stressfaktoren für das Tier entstehen und die Unfallgefahr für den Menschen minimiert wird. Vor allem beim Mastschwein ist die Auswirkung von Stress auf die Mastleistung und Fleischqualität hinreichend erforscht. Aber auch im täglichen Umgang mit den Sauen und Aufzuchtferkeln kann unfachmännisches Treiben zu Stress führen, der sich negativ auf die Gesundheit und Leistung der Tiere auswirkt.

Fluchtzone und Balancepunkt

Die Fluchtzone des Schweins ist tier- und situationsabhängig. Intention des Schweins ist bei seiner individuellen Fluchtzone immer der „sichere“ Abstand zum Tierbetreuer. Es lässt sich beobachten, dass die Tiere eine Art 360°-Kreis um sich herum als Fluchtzone schaffen, unabhängig davon, ob sie alleine oder in der Gruppe sind. An oberster Stelle steht für ein Schwein aber immer der Anschluss an die Gruppe, weil der Herdeneffekt dem Tier Sicherheit gibt. Deshalb ist es einfacher, eine Gruppe von Schweinen zu bewegen als ein einzelnes Tier von der Gruppe zu selektieren.

Der Balancepunkt des Schweins bestimmt die Richtung und den Richtungswechsel und kann im Zusammenhang mit der Fluchtzone für den treibenden Menschen genutzt werden, um das Tier in die gewünschte Richtung zu bewegen, ohne unnötig körperlichen Druck auszuüben.

Das Schwein verlässt sich bei der Fortbewegung und der Orientierung in erster Linie auf sein Gehör und seinen Geruchssinn. Das Sehvermögen spielt bei der Orientierung nur eine untergeordnete Rolle.

Schweineverhalten: Fluchtzone, Balancepunkt und blinder Fleck beim Schwein. Quelle: Ronald Rongen

Hören, Riechen und Sehen

Laute metallische Geräusche, wie das Aufeinanderschlagen von Werkzeug und Metall, weckt zwar die Neugier der Tiere, erzeugt aber unnötigen Druck, der zu Stress führen kann. In dem Fall kann man beobachten, wie alle Tiere zusammenzucken, die Ohren und den Kopf alarmiert aufrichten, die Augen weit aufreißen und Spannung in den ganzen Körper kommt. Hohe, helle Töne sind im Gehirn der Schweine mit Gefahr und Anspannung verknüpft (zum Beispiel das Schreien der Ferkel beim Hochheben oder das Schreien der Sauen während eines Rangkampfes). Tiefe, brummende Töne hingegen zeigen die Tiere in entspannten Situationen (etwa Grunzen der Sau während des Säugens). Andere, weniger intensive akustische Reize, wie zum Beispiel eine Rassel oder ein Shaker-Paddel können als Hilfsmittel verwendet werden.

Für den visuellen Reiz kann ein „Matadorencape“ als Abgrenzung dienen. Gelbe Gegenstände dienen ebenso als Hilfsmittel. Die Farbe Gelb wird von nahezu allen Herdentieren als Warnung empfunden. Hintergrund sind die in der Natur vorkommenden gelben Giftpflanzen und giftigen Tiere, die meist auch die Farbe Gelb als Warnsignal tragen.

Ohne Druck in Bewegung bleiben

Schweine bewegen sich in der Gruppe kreisend um den Tierbetreuer, der sich der Gruppe nähert. Diesen Bewegungsfluss halten sie aufrecht und orientieren sich dabei an den vorderen Tieren. Ohne Druck und Lärmäußerungen kann der Tierbetreuer diesen Fluss nutzen, um die gewünschte Richtung der Tiere einzuschlagen. Vereinfacht wird dies zusätzlich durch eine reduzierte Gruppengröße, wodurch sich die Tiere locker verteilen und so weniger Einzeltiere durch das Querstellen den Weg versperren.

Ein Zurückweichen, Sich-Sträuben und Erstarren, genauso wie der Versuch, am Tierbetreuer vorbeizulaufen, lassen nach Rongen auf eine Angstreaktion und Stress schließen.

Haltung auf Stresspotenzial überprüfen

Rongen betont, dass es immer eine Ursache gebe, wenn Schweine zögernd liefen oder ganz blockierten. Es sei die Aufgabe des Tierbetreuers, diese Ursachen ausfindig zu machen und die Stalleinrichtung auf potenzielle Stressquellen zu prüfen. Als Beispiele für solche Hindernisse nannte der Verhaltensforscher für das Tier unbekannte Bodenstrukturen, Gegenstände (Schaufel), Gullideckel, extreme Licht-Schatten-Verhältnisse und so weiter. Auch die Anwesenheit zusätzlicher Personen kann das Verhalten der Schweine stark beeinflussen. Ebenso kann das Herausführen der Schweine aus vollen Ställen durch enge Türen und Tore ein Hindernis darstellen. Durch das Reduzieren der Gruppengröße kann das Treiben erheblich vereinfacht werden. Je häufiger aber ein Kontrollgang mit intensiver Tierbeobachtung in den Buchten erfolgt, desto weniger ausgeprägt ist das Fluchtverhalten der Schweine. Auch das Treiben nach der LSS-Methode kann bei den Kontrollgängen in der Bucht praktiziert und so von den Schweinen erlernt werden. Dies kann beispielsweise beim Verladen das Treiben der Tiere für alle Beteiligten vereinfachen.

Knicks sind prägende Landschaftselemente

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Knicks prägen in Schleswig-Holstein weite Teile des Landes und erfüllen ihren Zweck in vielerlei Hinsicht. Bereits im 18. Jahrhundert angelegt, dienten sie damals vorwiegend der Rohstoffnutzung und der Abgrenzung der Flächen untereinander. Ihr Nutzen ist jedoch weitaus größer. Sie dienen dem Erosionsschutz und bieten einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Mit einer Länge von zirka 55.000 km in Schleswig-Holstein bilden sie grüne Brücken zwischen den landwirtschaftlichen Flächen und leisten ihren Beitrag zur Biodiversität.

Um die vielfältigen Funktionen eines Knicks aufrechtzuerhalten, gelten bestimmte Vorschriften. Diese sind sowohl über das Bundes- und Landesrecht als auch über die Glöz-Standards (CC und künftig Konditionalität) definiert. Erfolgt eine nicht fachgerechte Knickpflege, kann der Verstoß über eine Kürzung der flächengebundenen Direktzahlungen sanktioniert werden.

Maschinell geknickte Gehölze sollten unbedingt von Hand auf die richtige Länge „eine Handbreit über dem Stubben“ nachgesägt werden, um durch eine glatte Schnittkante einen gesunden Wiederaustrieb der Gehölze zu fördern. Foto: Dr. Lars Biernat

Knickpflege und -bewirtschaftung

Das traditionelle Knicken darf im Zeitraum vom 1. Oktober bis einschließlich des letzten Tages im Februar erfolgen. Der Knick darf frühestens alle zehn Jahre auf den Stock gesetzt werden. Dabei muss alle 40 bis 60 m ein Überhälter stehen gelassen und das Schnittgut vom Knickwall entfernt werden. Ein Überhälter, gemäß Biotopverordnung, ist ein Baum ab 1 m Stammumfang, gemessen in 1 m Höhe über dem Erdboden. Er darf im Zuge des Auf-den-Stock-Setzens gefällt werden, wenn mindestens ein weiterer Überhälter (größer als 1 m Stammumfang) in dem 40-bis-60-m-Abschnitt des Knicks erhalten bleibt. Hat der Baum einen Stammumfang von mehr als 2 m in 1 m Höhe über dem Erdboden, so ist dieser dauerhaft geschützt und darf nicht gefällt werden. Das gilt auch, wenn diese Überhälter in einem engeren Abstand als 40 bis 60 m zueinander stehen.

Das seitliche Zurückschneiden des Knicks darf höchstens alle drei Jahre nach erfolgtem Rückschnitt durchgeführt werden und ist, wie das Knicken, im Zeitraum 1. Oktober bis einschließlich des letzten Tages im Februar zulässig. Es müssen ebenfalls drei Jahre zwischen dem Auf-den-Stock-Setzen und dem ersten seitlichen Rückschnitt liegen. Beim seitlichen Rückschnitt gilt es, einen Abstand zum Knickwallfuß von 1 m zur Seite einzuhalten. Ist kein Knickwall, sondern ein ebenerdiger Knick vorhanden, gilt der Abstand von 1 m ausgehend vom äußeren Wurzelhals der Gehölze. Der Rückschnitt ist auf maximal 4 m Höhe begrenzt.

Außerhalb des Erlaubniszeitraums, also zum Beispiel nach der Ernte, ist lediglich die Rücknahme des diesjährigen Zuwachses erlaubt („schonender Form- und Pflegeschnitt“). Da damit jedoch der dreijährige Ruhezyklus von Neuem startet, ist letztlich über die Jahre mehr Breitenzuwachs am Knick vorhanden, als wenn im dreijährigen Turnus bis auf 1 m vom Wallfuß entfernt im Winterzeitraum zurückgeschnitten wird.

Zusätzlich im Sommer erlaubt sind die Herausnahme einzelner Zweige sowie das Freihalten von Einfahrten oder Weidezäunen.

Knickwall und Schutzstreifen

Steht ein Knick an einer Ackerfläche, so muss ein 50 cm breiter Schutzstreifen vom Knickwallfuß eingehalten werden. Auf diesem Schutzstreifen gilt ein ackerbauliches Nutzungsverbot. Bodenbearbeitung, Aussaat von Kulturpflanzen, Düngung und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind innerhalb des Schutzstreifens nicht erlaubt.

Knickwallflanken (seitliche Böschungsflächen) können im Zeitraum zwischen dem 15. November bis einschließlich des letzten Tags des Monats Februar fachgerecht gepflegt werden.

Empfehlungen zur guten fachlichen Praxis

Um den Austrieb der Bäume zu erleichtern, sollten die Schnitte etwa eine Handbreit über dem Erdboden erfolgen. Die Schnittflächen sollten glatt und nicht aufgefasert sein, gegebenenfalls kann händisch nachgesägt werden. Großräumige Kahlschläge innerhalb einer Gemarkung sollten vermieden werden. Sind Gehölzarten mit geringem Stockausschlagvermögen, beispielsweise Ilex und alte Buchen, in einem Knick vertreten, sollten diese beim Knicken stehen bleiben.

Fazit

Knicks sind traditionelle Landschaftselemente und in Schleswig-Holstein prägend für die Kulturlandschaft. Sie dienen nicht nur dem Erosionsschutz und als Rohstofflieferanten, sondern tragen einen erheblichen Teil zur Biodiversität bei. Sie dienen vielen Pflanzen- und Tierarten als wichtiger Lebensraum. Um diese Strukturen zu erhalten und zu schützen, gibt es klare Vorschriften für fachgerechte Pflegemaßnahmen der Knicks. Für eine Beratung steht der Fachbereich Umwelt zur Verfügung. Über die Adresse knick@lksh.de kann Kontakt aufgenommen werden.