Herdenschutzberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und ihre Kollegen aus Schleswig-Holstein haben eine Informationsveranstaltung durchgeführt, um die automatisierten Wickeltechniken für Zaunlitzen und Elektronetze in der Praxis zu zeigen und die Unterschiede der jeweiligen Entwicklung mit Praktikern und Multiplikatoren zu diskutieren. In Schleswig-Holstein wurden die Landwirte schon im Rahmen der Baulehrschau im Sommer informiert. Hier die wichtigsten Erkenntnisse.
Den Veranstaltern war es wichtig, die individuellen Bedürfnisse der Schäfer und Mutterkuhhalter bei der mobilen Zäunung aufzugreifen und aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten. Aus diesem Grund gab es auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Bildungszentrums in Echem in Niedersachsen die Möglichkeit, die Produkte von vier Herstellern beim Auf- und Abbau kennenzulernen. Neben drei litzengeführten automatisierten Wicklertechniken wurde auch ein automatisierter Wickler für Elektronetze vorgestellt.
Litzengeführte Wickler
Neben dem schon bekannten Wicklersystem der Firma Rappa wurden die neuen litzengeführten Wickler der Firmen Patura und Gallagher vorgestellt. Der Antriebsmechanismus ist bei den quadgeführten Wicklern identisch: Über eine Kette werden die Ritzel durch die Achsumdrehungen eines Quads angetrieben und mit einer Rutschkupplung gebremst.
Die Firma Gallagher hat den sogenannten Autowinder im Angebot. In der Front werden gleichzeitig sechs Litzen zum Zaunaufbau abgespult. Federn an den Halterungen sorgen für eine Gegenspannung, damit die Rollen nicht unkontrolliert arbeiten. Beim Zaunabbau werden die Haspeln im Heck des Quads an einem Wickler angebracht, um aktiv die Aufnahme der Litzen zu gewährleisten.
Sechs Haspeln haben jeweils Platz für 1.000 m Litze. Aufgezogen ist die bewährte Vidoflex 9, die es jetzt auch mit blauen Kunststoffträgerfasern gibt. Der Widerstand der geflochtenen Litze ist sehr gering (0,06 Ω/m). Die größeren Haspeln haben an den Kanten eine Aussparung, um die leere Haspel am aufgestellten Zaun einzuhaken.
Zum Lieferumfang gehören neben drei Eckpfählen 100 Stahlfederpfähle. Diese haben eine Doppelspitze, die am Pfahl einseitig länger ausgearbeitet ist, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Praktiker berichteten, dass das Handling im Transport und beim Auf- und Abbau dadurch etwas erschwert ist. Gleichwohl ist die Ausarbeitung des Stahls zur Halterung der Twist & Lock Clips als Isolatoren in 20-cm-Abständen ideal zur individuellen Anpassung der Leiterhöhe.
Sechs Isolatoren werden pro Pfahl mitgeliefert, die um maximal sechs weitere Isolatoren ergänzt werden können. Beim Auf- und Abbau zeigte sich, dass der Quadfahrer die Pfähle ohne Absteigen ein- und ausfädeln konnte.
Variante für Schlepper
Der Tornado Master 5.0 der Firma Patura wurde als Schleppervariante mit Dreipunktaufnahme im Heck vorgeführt. Ins Auge sticht der angehängte Magazintisch, der bis zu 400 Pfähle aufgestellt mitführen kann. Das Lochmaß ist maximal 1,2 cm. Direkt am Schlepper befindet sich der Haspelbaum, der fünf Spulen einzeln elektrisch antreibt/bremst.
Eine Messvorrichtung ist direkt am Haspelbaum angebaut, um das spezielle Gewicht des Leitermaterials auf der Trommel beim Antrieb zu berücksichtigen. Dies ist wichtig, um das Material nicht zu überlasten oder schlecht aufzuwickeln. Beim Auf- und Abzäunen werden zwei Personen benötigt.
Nach Einschätzung der Teilnehmer ist das Gerät flächenstark, wenn ebene Flächen gezäunt werden. Die ersten Tornado Master wurden bei Zäunungen zur Wildschweinabwehr auf Ackerflächen eingesetzt. Inwieweit es sich beim Herdenschutz in gewachsene Flächenstrukturen bewährt, wird sich zukünftig zeigen.
Anbau für Anhänger
Olaf Menzel von der Firma Rappa stellte den ATV-6-Litzenwickler im Heckantrieb und als Anbau an den Anhänger vor. Er sieht die Vorteile im Heckanbau beim Quad darin, das Gewicht am Fahrzeug besser zu verteilen und die Belastung der Vorderachse etwas zu senken, damit es noch gut im Gelände händelbar bleibt. Durch die Anbauvariante am Anhänger lässt sich wesentlich mehr Material mitführen.
Rappa bietet auch einen Wickler im Frontantrieb an. Die Litzenmaterialien können wie bei Patura individuell gewählt werden. Farbliche Unterschiede der jeweiligen Litzen oder Bänder helfen beim Umgang mit dem Zaunmaterial, um die Litzen korrekt am Pfahl einzufädeln.
Außerdem wurden Weiterentwicklungen von Litzen erläutert. Die bekannte Steuerlitze (elektrische Drahtfäden sind außerhalb um das Trägermaterial gekreuzt) wurden zur Verlängerung der Haltbarkeit mit einem anderen Trägermaterial ausgestattet. Dies Material kann in unterschiedlichen Farben gewählt werden.
Pflege und Wartung
Bei allen Wicklersystemen sind Wartung und Pflege wichtig. Wie beim Fahrrad ist auch hier eingearbeiteter Schmutz in den Naben der größte Verschleißfaktor. Pflege und Kontrolle aller beweglichen Teile sollten regelmäßig nach Saisonende durchgeführt werden.
Den Herstellerfirmen ging es auch um die Vereinfachung und Erleichterung von Arbeitsschritten. Vorgestellt wurde von der Firma Rappa ein Torsystem zum einfachen Schließen und Öffnen der Zäunung. Am Eckpfahl kann ein leichter Kunststoffpfahl eingehängt werden, der die Litzen über eine Feder und Karabinerverschlüsse am Torpfahl befestigt. So lassen sich ein einfacher Umgang und eine gute Hütesicherheit gewährleisten. Das Thema Erdung und Elektrifizierung wurde im fachlichen Austausch mit den Teilnehmern ebenso angesprochen.
Gerät vom Praktiker
Viele Schäfereien schätzen die Eigenschaften der Elektronetze, kennen aber auch die Kehrseite, wenn es darum geht, wolfsabweisende Höhen großflächig zu verbauen. Der Umgang wird bei Höhen von über 90 cm mit jedem Zentimeter körperlich schwieriger, zeitintensiver und der Verschleiß ist größer. Beim klassischen Zäunen mit Netzen wird das jeweilige Netz mindestens viermal in die Hand genommen.
Schäfer Sebastian Walter hat sich Gedanken gemacht, wie diese Arbeit in allen Belangen effizenter umgesetzt werden kann, und entwickelte das Netzrollgerät Schäfer 2022. Eine große Trommel wird als Anhänger von einer Zugmaschine wie zum Beispiel einem Pkw gezogen. Bis zu 20 Netze mit Vertikalstreben oder maximal 30 einfache Netze können im verbundenen Zustand aufgewickelt werden. Dabei ist es egal, ob die Netze eine einfache oder eine Doppelspitze haben.
Das Netzrollgerät ist 1,50 m breit und kann Netze bis zu einer Höhe von 1,22 m wickeln. Damit keine scharfen Kanten innerhalb der Trommel die Netze beschädigen, ist Edelstahl verbaut. Über eine Hydraulik kann per mobiler Fernsteuerung (Reichweite bis 300 m) das Netz abgewickelt werden, damit in den Ecken mehr Material abgedreht werden kann, um sie gut auszuarbeiten. Dieser Abrollprozess ist sonst auch ohne aktive Steuerung möglich.
Die Hydraulikpumpe an der Trommel dient hauptsächlich zum aktiven Aufnehmen der Netze. Die Fahrgeschwindigkeit ist unabhängig von der Trommeldrehzahl. Ein Lastenbegrenzer sorgt dafür, dass beim Drehen im Aufrollprozess das Material nicht auseinandergezogen wird.
Auf dem Dach des Wicklers ist ein Solarpaneel zur autarken Energiegewinnung aufgebracht. Es ist aus Kunststoff, um bei einem eventuellen Aufprall von Ästen oder Ähnlichem keinen Schaden der Solarzellen zu bekommen. Die Energie wird für die Trommelsteuerung benötigt. Alle Teilnehmer waren positiv überrascht, wie schnell und korrekt die Netze, selbst in den Kurven, aufgenommen wurden.
Nach den praktischen Demonstrationen wurden die Fördermöglichkeiten für die jeweiligen Bundesländer vorgestellt. In der Tabelle sind die wesentlichen Aspekte der verschiedenen Systeme detailliert zusammengestellt.
Fazit
Alle waren sich am Ende einig, dass jede Weidetierhaltung mit ihren spezifischen Flächen individuell betrachtet werden muss und jeder für sich das passende Material für die tägliche Arbeit zusammenstellt. Eine wolfsabweisende Zäunung ist von intaktem, langlebigem wie auch dauerhaftem Leitermaterial abhängig. Ein einfaches Handling sorgt für die Bereitschaft, sich der wolfsabweisenden Einzäunung und Hütesicherheit zu stellen.




