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Wie düngt man mit dem NIR-Sensor?

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Für eine gezielte Ausbringung müssen die Inhaltsstoffe der Gülle bekannt sein. In aktuellen Versuchen werden die Abweichungen von Richtwerten, einzelnen Behälterproben und der NIRS-Technik bestimmt und ihr Einfluss auf die auszubringende Güllemenge aufgezeigt.

Aufgrund der hohen Mineraldüngerpreise weiten viele Betriebe die organische Düngung aus. Allerdings sind die Nährstoffe aus Gülle unter Umständen lediglich zu 50 % wirksam. Um unnötige Ertragseinbußen zu verhindern, müssen die vorhandenen Nährstoffe effizienter genutzt werden. Dafür ist eine exakte Kenntnis der Nährstoffgehalte der Gülle erforderlich. Auf deren Grundlage kann das ideale Ausbringvolumen pro Hektar festgelegt und damit eine gleichmäßige und bedarfsgerechte Nährstoffverteilung realisiert werden.

Nährstoffermittlung

Üblicherweise werden zur Nährstoffermittlung entweder Richtwerte verwendet oder Laboranalysen erhoben. Allerdings können in beiden Fällen deutliche Abweichungen von den tatsächlichen Werten auftreten. Beispielsweise können die Nährstoffgehalte in Abhängigkeit von der Gülleart, der Fütterung und der Homogenität extrem schwanken.

Dazu bildet die NIRS-Technik eine vielversprechende Alternative. Sie bietet die Möglichkeit, die Inhaltsstoffe bei der Befüllung der Fässer zu bestimmen und dadurch auftretende Nährstoffschwankungen zu erfassen. Daraufhin könnte das Ausbringvolumen pro Hektar entweder automatisiert über eine Durchflussmengenregelung oder manuell über die Fahrgeschwindigkeit angepasst werden.

Versuch

Vor diesem Hintergrund wird hier ein von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen durchgeführter Versuch vorgestellt, der die Leerung eines Behälters umfasst und sich durch die Ermittlung von fassweisen Nährstoffgehalten auszeichnet. Auf diese Weise können die unter Praxisbedingungen auftretenden Abweichungen von Richtwerten, einzelnen Behälterproben und der NIRS-Technik aufgezeigt und Maßnahmen für eine effizientere Gülleausbringung aufgedeckt werden.

Im weiteren Verlauf dieses Artikels wird dafür zunächst beschrieben, wie die fassweise Nährstoffermittlung bei der durchgeführten Behälterleerung über die unterschiedlichen Abschätzvarianten realisiert werden konnte.

Anschließend werden die ermittelten Verläufe der Nährstoffgehalte präsentiert und die Homogenität der Gülle beurteilt.

Daraufhin werden die mittleren Abweichungen aufgezeigt, die bei den Richtwerten, den einzelnen Behälterproben und der NIRS-Technik aufgetreten sind.

Schließlich wird deutlich, wie sich Abweichungen bei der Nährstoffermittlung auf die auszubringende Güllemenge auswirken können.

Dieser Versuch wurde im Zuge des von der BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) geförderten Projektes „Einsatz von NIR-Sensoren zur Quantifizierung der Nährstoffgehalte in flüssigen Wirtschaftsdüngern“ durchgeführt.

Quelle: Bernd Schlagge

Ablauf

Im Rahmen des Versuchs wurde ein mit Mastschweinegülle gefüllter Hochbehälter vollständig geleert. Dabei wurde die Gülle aus dem Behälter durch eine mobile NIRS-Station (NIRS 1) in einen Güllewagen gepumpt und ausgebracht. Am Güllewagen waren ein Probenahmehahn sowie ein zweites NIRS-System (NIRS 2) verbaut, welches von einem anderen Hersteller stammt.

Zum Start des Versuchs wurden die Nährstoffgehalte der Gülle bestimmt, indem wie üblich eine Probe aus dem aufgerührten Behälter entnommen und an ein anerkanntes Labor geschickt wurde.

Anschließend wurde begonnen, den Behälter zu entleeren. Dabei konnten die Nährstoffgehalte der Gülle fassweise über die beiden unterschiedlichen NIRS-Systeme bestimmt werden.

Zusätzlich dazu wurden fassweise Laboranalysen erhoben. Diese spiegeln die tatsächlichen Verläufe der Nährstoffgehalte über die Behälterleerung wider und sollen als Referenz dienen.

Während des Versuchs wurde durchgehend aufgerührt. Allerdings kam nach Fass 19 eine Anhäufung an ungelösten Feststoffen zum Vorschein. Um den Behälter maximal zu entleeren, wurde das Rührwerk daraufhin gegen die Anhäufung ausgerichtet und im Anschluss mehrmals nachjustiert.

Versuchsaufbau der fassweisen Beprobung und NIRS-Messung

Ergebnisse

Für den Vergleich der Abschätzvarianten werden zusätzlich zu den Versuchsgrößen die Richtwerte der Düngebehörde sowie eine im Vorfeld vom landwirtschaftlichen Betrieb erhobene Behälterprobe herangezogen. Auf diese Weise werden alle praxisüblichen Möglichkeiten zur Nährstoffermittlung berücksichtigt. Die unterschiedlichen Verläufe des Stickstoffgehalts sind in Abbildung 2 dargestellt.

Quelle: Bernd Schlagge

Es ist zu erkennen, dass der Richtwert, die Einzelprobe des Betriebes und die beim Versuch entnommene Behälterprobe deutlich unterschiedliche, konstante Stickstoffgehalte vorgeben.

Im Gegensatz dazu ist von NIRS 1 ein ansteigender Verlauf im Bereich des Richtwerts ermittelt worden. Dagegen liegen die Messwerte von NIRS 2 zunächst auf konstant niedrigem Niveau, bis nach der Umstellung des Rührwerks ein Sprung erfolgt. Anschließend schwanken die Werte auf einem deutlich höheren Niveau.

Die Ergebnisse der fassweise erhobenen Laboranalysen sind grün dargestellt und zeigen auf, dass der Stickstoffgehalt tatsächlich angestiegen ist. Beim ersten Fass liegt der Wert bei zirka 3,5 kg N/m³. Anschließend erfolgt ein relativ konstanter Anstieg bis auf zirka 4,5 kg N/m³.

Augenscheinlich nähren sich diesem Verlauf NIRS 1 und der Richtwert am besten an. Im Vergleich dazu schwankt der reale Phosphorgehalt deutlich extremer, siehe grüner Verlauf in Abbildung 3. Dabei tritt bis zu Fass 18 ein moderater Anstieg auf, bis die Umstellung des Rührwerks einen deutlichen Sprung auslöst. Anschließend setzt sich der Anstieg weiter fort. Es ist ersichtlich, dass dieser Verlauf von keiner Abschätzvariante hinreichend genau abgebildet werden kann.

Der Gehalt an Trockensubstanz verläuft ähnlich zum Phosphorgehalt. Doch im Gegensatz dazu kann sich NIRS 1 dem Verlauf in diesem Fall relativ gut annäheren (siehe Abbildung 4).

Quelle: Bernd Schlagge
Quelle: Bernd Schlagge

Homogenität

Die ermittelten Nährstoffverläufe bestätigen den beim Versuch gewonnenen Eindruck, dass die Gülle trotz des permanenten Aufrührens nicht homogenisiert werden konnte. Das äußert sich unter anderem darin, dass der Stickstoffgehalt in den Fässern über die Behälterleerung um knapp 30 % zugenommen hat. Zudem haben sich der Phosphor- und der TS-Gehalt sogar mehr als verdoppelt.

Diese extreme Inhomogenität ist einerseits auf das unterdimensionierte Rührwerk des Betriebes zurückzuführen. Andererseits ist eine vollständige Homogenisierung selbst unter optimalen Bedingungen kaum realisierbar, da insbesondere Schweinegülle zu einer sehr schnellen Ausbildung von Schwimm- und Sinkschichten mit unterschiedlichen Nährstoffgehalten neigt.

Für eine möglichst gezielte und gleichmäßige Nährstoffausbringung sollte daher in jedem Fall rechtzeitig, ordentlich und dauerhaft aufgerührt werden.

Die Anhäufung an ungelösten Feststoffen wurde im Behälter verteilt.

Genauigkeit

Für die Beurteilung der Genauigkeit der Abschätzvarianten sind deren mittlere Abweichungen zum Referenzverlauf entscheidend. Diese wurden für alle Nährstoffe berechnet und in der Tabelle zusammengefasst.

Es ist zu erkennen, dass die Richtwerte in diesem Fall relativ genau mit den wahren Nährstoffgehalten der Gülle übereinstimmen. Da bei Richtwerten allerdings kein direkter Bezug zur vorhandenen Gülle besteht, können die Abweichungen in anderen Fällen wesentlich höher ausfallen. Diese Annahme hat sich in durchgeführten Stichproben bestätigt.

Bei den einzelnen Behälterproben liegen dagegen deutlich größere Abweichungen vor. In den Abbildungen 2, 3 und 4 ist gut ersichtlich, dass der Anstieg der Gehalte Abweichungen hervorgerufen hat. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass bei der Betriebsprobe entweder Fehler bei der Probenahme begangen worden oder Veränderungen der Gülle zwischen dem Probenahme- und Ausbringzeitpunkt aufgetreten sind.

Am genausten konnten die Nährstoffgehalte über das System NIRS 1 bestimmt werden. Dieses Ergebnis beweist, insbesondere im Zusammenhang mit den ermittelten Nährstoffverläufen, dass mit NIRS-Technik sowohl genaue Nährstoffgehalte gewonnen als auch Nährstoffschwankungen zwischen einzelnen Fässern erfasst und kompensiert werden können. Dadurch werden insbesondere die sehr ungünstigen Ausbringvorgänge, bei denen entweder eine extreme Unter- oder eine Überdüngung auftritt, vermieden. Insofern konnte mit NIRS-Technik tatsächlich eine Steigerung der Wirksamkeit der Gülle durch eine gleichmäßigere und gezieltere Ausbringung herbeigeführt werden.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die vorhandene Gülle von der hinterlegten Kalibrierung abgedeckt wird. Dieser Fall lag bei NIRS 2 augenscheinlich nicht vor. Außerdem treten beim Phosphorgehalt in der Regel größere Abweichungen auf.

Fazit

Mit der NIRS-Technik können unter Voraussetzung einer geeigneten Kalibration sowohl genaue Nährstoffgehalte gewonnen als auch Nährstoffschwankungen zwischen den einzelnen Fässern erfasst werden. Auf diese Weise konnte der Stickstoffgehalt über NIRS 1 im Durchschnitt auf 8 % genau ermittelt werden.

• Sowohl bei den Richtwerten als auch bei einzelnen Behälterproben sowie bei schlecht kalibrierten NIRS-Systemen können deutliche Abweichungen auftreten.

• Für den Stickstoffgehalt lagen die Abweichungen im Versuch bei bis zu 34 %.

• Auf Grundlage der Einzelprobe des Betriebes wären 26 % zu wenig Gülle ausgebracht worden. Dagegen wurde die optimale Ausbringmenge über NIRS 1 auf 7 % genau getroffen.

• Die Gehalte an Stickstoff, Phosphor und Trockensubstanz können über eine Behälterleerung erheblich schwanken.


Es werden Betriebe gesucht

Um die ermittelten Erkenntnisse zu bestätigen, werden in nächster Zeit sowohl weitere Behälterleerungen als auch pflanzenbauliche Versuche durchgeführt. Interessierte Betriebe, die innerhalb eines Tages oder weniger Tage ein gefülltes Güllelager vollständig leeren, können sich für die Teilnahme an weiteren Versuchen melden und damit einen betriebsindividuellen Verlauf der Nährstoffgehalte ermitteln lassen unter bernd.schlagge@lwk-niedersachsen.de

Kammerpreis für Biohof Otzen in Busdorf

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Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH), hat kürzlich wieder zwei Betriebe für innovative Ansätze in der Tierhaltung ausgezeichnet. Oft sind es kleine, konsequente Maßnahmen für großen Erfolg. Den Betrieb der Familie Engelbrecht im Kreis Pinneberg haben wir bereits in der vorigen Ausgabe vorgestellt. Es folgt Betrieb zwei, der Biohof Otzen in Busdorf.

„Diese sind Beispiele für den Einklang von tiergerechter Haltung und Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft“, sagte Volquardsen bei der feierlichen Ehrung im Kreis Schleswig-Flensburg. Viele fordern Tierwohl, die Betriebe im Land setzen es um und die Kammer zeigt einmal im Jahr neue Beispiele dafür.

Wenn die Kammer den Ehrenpreis vergibt, dann kommen schon einmal die ganze Familie, Freunde und Unterstützer zusammen.

Henning Otzen erzählt eine Anek­dote. Er sei auf der Hochzeitsreise nach Frankreich nicht nur in seine Frau, sondern auch in die französische Rinderrasse Maine-Anjou verliebt gewesen. Hierzulande nahezu unbekannt, grasen sie nun auf einer idyllischen Koppel mit Blick zum Viking-Turm in Schleswig. Gute Muttereigenschaften haben die stabilen Kühe, die auch auf kargem Land zurechtkommen. Und das ist auch der Grund für die Auswahl dieser kompakten Fleischrinderrasse. Henning Otzen ist im Hauptberuf Tierarzt, und im Nebenerwerb muss die Landwirtschaft unkompliziert sein. Genauso ist die großrahmige Rasse, für die sich die Familie entschieden hat.

Dr. Walter Reulecke, Geschäftsführer des Fleischrinderzuchtverbandes, freute sich für die Familie. „Das ist eine echte Wertschätzung, denn der Anfang war nicht leicht“, berichtete er von der Bürokratie beim Einführen der ersten französischen Zuchttiere.

Henning Otzen beschreibt, dass die Mutterkuhherde im Winter im einfachen Tretmiststall gehalten wird.

Auch Betriebsleiter Henning Otzen blickte zurück bei seiner Vorstellung der Tiere. Er hatte den Termin bei feinstem Wetter kurzfristig nach draußen zu seiner Herde verlegt. „Wir sind ein Biobetrieb, da ist alles immer etwas komplizierter“, verrät er und berichtet, dass er Stroh zukauft, ebenso Getreidemehl, aber auf Kraftfutter verzichtet. Das Ganze sei ein Familienprojekt, und man sei mit dem Ort verbunden. Das spiegelte sich auch darin wider, dass unter anderem der Bürgermeister und der Leiter des Wikinger-Museums Haithabu, auf das die Kühe blicken, eingeladen waren.

Was die Kammer überzeugt hat

Bereits Vater Hans-Volkert Otzen hat auf dem schwer zu bewirtschaftenden Niederungsstandort von jeher versucht, unterschiedliche Rassen wie Galloways oder Limousin zu etablieren, bis er 2008 schließlich auf die Maine-Anjou gestoßen ist. Diese rotbunte französische Fleischrasse, die sich insbesondere durch ihr sehr ruhiges, zutrauliches und umgängliches Wesen auszeichnet, wird seitdem unter dem Herdennamen „von Hedeby“ gezüchtet. Die seinerzeit gekauften Tiere bildeten die Grundlage für den heutigen Betrieb „Hof Haithabu“ mit seinen rund 40 ha Grünland und der kleinen Mutterkuhherde mit zwei Zuchtbullen.

Ziel ist es, unter Ausnutzung einer möglichst breiten Gengrundlage ein Rind mit guter Muttereigenschaft zu züchten.

Die extensive Tierhaltung ist vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels immer stärker nachgefragt. Die Weidehaltung auf Naturschutzflächen mit einem gewissen Druck an Jakobskreuzkraut ist nicht einfach. Über konsequentes Ausstechen und regelmäßiges Mulchen wird versucht, dieses zurückzudrängen. Familie Otzen sieht sich als Regionalproduzenten, die nach Möglichkeit nur das verfüttern, was auf dem eigenen Betrieb wächst.

Mit über 300.000 ha Grünland ist Schleswig-Holstein ein echtes Weideland. Neben Pferden und Schafen werden von diesen Flächen auch Rinder ernährt. Rund 6.800 Betriebe halten knapp eine Million Rinder, davon sind etwa 360.000 Milchkühe und über 90.000 Fleischrinder wie Limousin, Galloway und eben auch Maine-Anjou.
Maine-Anjou sind leichtfuttrige und kompakte Kühe mit guten Mutter­eigenschaften. Familie Otzen hat dieses Jahr einige Zwillinge.

In der Vegetationsperiode befinden sich alle Tiere auf der Weide. Im Winter stehen die Tiere hingegen in dem offenen, videoüberwachten Tretmiststall. Auch das Winterfutter (Heu und Silage) kommt vom Betrieb und wird nur um Mineralfutter sowie Möhren aus Dithmarschen als Lockfutter ergänzt.

Anerkannt hat die Kammer auch, dass Hans-Volkert und sein Sohn die Zeit finden, sich ehrenamtlich zu engagieren, und zwar als Gründungsmitglieder im Vorstand des Maine-Anjou-Verbandes Deutschland. Sie sind international vernetzt und tragen insbesondere durch ihr Fachwissen maßgeblich zur Erweiterung und Verbesserung der deutschen Population bei.

Ute Volquardsen erklärte bei der Gelegenheit, was sie unter Innovation versteht, die Grundlage des Kammerehrenpreises ist: „Sie zeigen, dass regionale Produktion, Schlachtung und Vermarktung möglich sind. Es ist eine Nische, in der Sie wirtschaften, aber Sie bieten damit Denkanstöße für andere, und darin ist der innovative Ansatz Ihres Betriebes begründet. Mit Ihrer Art der Tierhaltung beweisen Sie, dass auch auf schwer nutzbaren Niederungsflächen mit eher minderwertigem Futter qualitativ hochwertiges und schmackhaftes Fleisch produziert werden kann.“

Sachliche Diskussion gewünscht

Die landwirtschaftliche Tierhaltung steht durch den politisch und gesellschaftlich geforderten und auch von der Landwirtschaft gewollten Umbau in den kommenden Jahren vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Tierwohl und Tiergesundheit sind, wenn es um Tierhaltung geht, mit Recht die bestimmenden Themen unserer Zeit geworden. Aber auch Versorgungssicherheit ist plötzlich wieder in den Fokus der manchmal emotional geführten Diskussion gerückt. Jeder von uns ist Verbraucher und kann sich somit dieser Diskussion nicht entziehen. Deren Umfang und Komplexität, die Vielfalt der Perspektiven sowie die unterschiedlichen Interessenlagen zeigen gerade den Konflikt, der auch immer wieder Ausdruck in Protestaktionen findet.

Das Ziel der Landwirtschaftskammer sei es, so Volquardsen, genau diese Diskussion zu versachlichen und zusammen mit ihren Partnern die Grundlage für eine faktengebundene Information für Verbraucher und Landwirte bereitzustellen.

„Aber auch Politik, Lebensmittel verarbeitende Industrie und Verbraucher müssen durch ihr Handeln zeigen, dass man es ernst meint, die Landwirtschaft beim Umbau der Tierhaltung aktiv zu unterstützen. Politik muss einen langfristigen, fraktionsübergreifenden Weg aufzeigen, der den Betrieben bei ihren Investitionen in die Zukunft Planungssicherheit ermöglicht. Ställe werden eben nicht nur für fünf Jahre, sondern für 20 Jahre gebaut“, führte Präsidentin Volquardsen weiter aus.

Fazit

Trotz der durch Ukraine-Krieg, Corona-, Energie- oder Inflationskrise entstandenen extrem wechselhaften Märkte, von denen insbesondere die Landwirtschaft massiv betroffen ist, darf man nicht darauf warten, dass die unterschiedlichen Interessengruppen den Takt vorgeben. Vielmehr ist die Landwirtschaft dazu angehalten, die zukünftige Entwicklung der Branche aktiv zu gestalten. Umso wichtiger ist es, Betriebe zu haben, die neue und zukunftsweisende Ansätze mutig verfolgen und somit Denkanstöße für die Tierhalter geben. Der Lebensmitteleinzelhandel muss sich ebenso seiner Verantwortung bewusst sein, dass die selbst gesteckten Ziele, zum Beispiel ab 2030 100 % des Frischfleischsortiments aus den Haltungsstufen 3 und 4 verkaufen zu wollen, auch direkte Auswirkungen auf den Konsum und den Preis haben werden. Jedem Verbraucher muss schließlich klar sein, dass es dies nicht zum Nulltarif geben kann.

Das weibliche Gesundheitsrisiko

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Eine Frau und ein Mann gehen zum Arzt, weil es ihnen nicht gut geht. Beide haben einen Herzinfarkt. Der Mann wird, weil er die typischen Symptome gezeigt hat, sofort und richtig behandelt, die Frau wieder nach Hause geschickt. Ein typischer Fall, denn Frauen nehmen Erkrankungen anders wahr als Männer. Mit genau diesem Thema befasst sich die neue Gesundheitsaktion „Gesund trotz Frau – das weibliche Gesundheitsrisiko“, die der LandFrauenverband Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein anbietet.

Die Daseinsfürsorge im ländlichen Raum sei ein besonderes Anliegen des LandFrauenverbandes, betonte Präsidentin Claudia Jürgensen zum Auftakt der Kampagne. Dass der Verband mit gut 28.000 Mitgliedern in 160 Ortsvereinen ein beliebter Partner der Ärztekammer ist, komme nicht von ungefähr. „Die Kammer feiert die LandFrauen, weil sie große Multiplikatorinnen sind“, so Jürgensen. Das hätten auch die vorangegangenen Aktionen zu Themen wie Telemedizin und dem Hören bewiesen. In den kommenden zwei Jahren soll es nun um die Frauengesundheit gehen.

Die Vizepräsidentin der Ärztekammer Schleswig-Holstein und LandFrau aus Husby, Dr. med. Gisa Andresen, schilderte zum Auftakt der Aktion auf dem LandFrauentag in Neumünster die aktuelle Situation. Demnach landeten Frauen in der Regel später in der Notaufnahme, im Herzkatheterlabor oder auf dem OP-Tisch, und das könne gefährlich werden. Frauen hätten zwar seltener einen Herzinfarkt, würden aber, relativ betrachtet, häufiger daran sterben. Und die Medizinerin nannte noch weitere alarmierende Fakten. Frauen erhielten seltener ein transplantiertes Herz, aber sie spendeten häufiger eines. Außerdem würden ihnen zum einen häufig zu hoch dosierte Medikamente und zum anderen Psychopharmaka als angebrachte Schmerzmedikationen verordnet.

Die Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Diakonissenkrankenhauses Flensburg betonte aber zugleich, dass das keine Diskriminierung und auf keinen Fall so gewollt sei. Der Grund dafür liege darin, dass die Frauen in der medizinischen Forschung kaum vorkämen. So seien gesundheitliche Zusammenhänge noch nicht komplett verstanden und das führe zu Fehldiagnosen oder zu Therapieverzögerungen.

LandFrauenverband und Ärztekammer stellen bei der neuen Gesundheitsaktion aber nicht nur die sogenannte Gender-Problematik in den Mittelpunkt. „Es geht uns darum, mit Frauen über Gesundheit ins Gespräch zu kommen. Wir möchten aufklären: über Symptome, die sofort zum Arzt führen sollten, über sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen und Selbstfürsorge. Und wir wollen die Frauen bestärken, ihrem Arzt und ihrer Ärztin selbstbewusst entgegenzutreten“, kündigte Andresen an.

Ab Herbst sollen die ersten Termine vor Ort angeboten werden. Das Bauernblatt wird darüber informieren.

Vom Landwirt zum Gemüsegärtner

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Formenreich und farbenfroh sind die Tomaten von Eggers Gemüsehof in den Vier- und Marschlanden in Hamburg-Ochsenwerder. Auf relativ kleiner Fläche unter dem Einsatz von Technik, Erfahrung und viel Handarbeit produziert die Familie regionale Tomaten für den Raum Hamburg. Um die wertvollen Früchte auch zu verwerten, wenn die Nachfrage mal nicht ganz so groß ist, geht Eggers Gemüsehof neue Wege.

„Mein Großvater betrieb hier noch eine klassische Landwirtschaft mit verschiedenen Tieren und Getreideanbau. Als mein Vater den Hof übernehmen sollte, haben sie gemeinsam den Familienbetrieb zu einem Gemüsehof umgebaut. Meine Mutter hat die Blumen mit in das Sortiment gebracht. Ich bin nun kein Landwirt mehr wie mein Opa, sondern ein Gemüsegärtner.“

Die ,Tiger‘-Tomate sieht nicht nur faszinierend aus, sie ist auch ein Highlight auf jedem Salatteller.

Arne Eggers hat den Familienbetrieb weiterspezialisiert. Neben Blumen und Kräutern, die vor allem in der Verantwortung seiner Mutter Anke liegen, sind heute Tomaten und Staudensellerie die Hauptkulturen, mit denen Eggers Gemüsehof am Markt bekannt ist. Auch Vater Arnold und Arnes Frau Gabriela arbeiten mit im Betrieb. So sind Arne und Gabriela Eggers schon die sechste Generation, die auf diesem Land Lebensmittel erzeugt. Zwei fest angestellte Mitarbeiter und bei Bedarf einige Saisonkräfte unterstützen die Familie bei der Pflege und der vielen Handarbeit.

Gerade die Tomaten verkauft Arne Eggers unter eigener Marke in regionalen Supermärkten und an Wiederverkäufer auf den Hamburger Wochenmärkten. Damit betont er die Regionalität seiner Produkte. In zwei Gewächshäusern auf insgesamt 5.000 m² wächst dieses ursprünglich mittelamerikanische Gemüse in verschiedenen Sorten, Formen und Farben. Von der gelben Cherrytomate über die ‚Vierländer Platte’ bis hin zur Flaschentomate und ‚Tiger’-Tomate ist das Sortiment mit 14 Sorten umfangreich. Dieses Edelgemüse, das man im süddeutschen Sprachraum auch Paradiesapfel nennt, wurde einst von Kolumbus aus der neuen Welt mitgebracht. Heute sind die Tomaten aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken. Die Vielfalt an Sorten und Formen in Eggers´ Gewächshäusern bietet für jeden kulinarischen Wunsch und verschiedenste Rezepte das Richtige. „Wir machen keine Massenproduktion, unsere Tomaten sind etwas für Kunden, die auf Regionalität achten. Dafür bieten wir die Tomaten alle zum gleichen Preis als sogenanntes Pick und Mix an. Der Kunde sucht sich aus allen Sorten aus, wie viele er wovon haben möchte. Alle zum gleichen Preis.“

Der Tomatenanbau erfordert viel Aufmerksamkeit und Hingabe

Von Mitte März bis in den November hinein gibt es frische Tomaten von Eggers Gemüsehof. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, dass es unsere Tomaten so lange gibt. Dafür haben wir auch investiert. Durch eine eigene Photovoltaik-Anlage und ein Blockheizkraftwerk, das mit Biomethan betrieben wird, sind wir CO2-neutral.“ Mithilfe dieser Energiequellen kann Arne Eggers seine Tomaten je nach ihren Bedürfnissen mit Licht, Wasser und vor allem Wärme versorgen, schon bevor die Sonne die Gewächshäuser von allein wärmt.

„Um die Tomatenpflanzen muss man sich kümmern wie um Tiere. Ich gehe mehrmals am Tag durch die Gewächshäuser und schaue, ob die Blätter sich rollen oder die Spitzen hängen. Dann weiß ich, ob sie mehr oder weniger Wasser und Wärme brauchen.“ Und Tiere hält er hier übrigens auch: Unzählige Hummeln schwirren durch die Tomatentriebe und bestäuben die Pflanzen, sodass die Früchte sich überhaupt entwickeln können.

Die ,Vierländer Platte‘ ist eine regionale Liebhabersorte, die wegen ihres ursprünglichen Tomatengeschmacks bei den Kunden beliebt ist.

Auf der relativ kleinen Fläche werden in den Gewächshäusern über das Sommerhalbjahr sehr viele Tomaten erzeugt. Aber die Nachfrage ist nicht immer gleichbleibend stabil. Zum Beispiel in der Urlaubszeit wird weniger gekauft. „Letztes Jahr, als die Energiepreise anzogen, da ging durch die Kaufzurückhaltung auch bei uns der Absatz zurück“, erzählt Arne Eggers. Eine Tomatenpflanze kann man aber nicht einfach drosseln wie eine Maschine. Um die wertvollen, mit Mühe produzierten Früchte ihrer Arbeit nicht wegschmeißen zu müssen, hat sich Familie Eggers als Notlösung überlegt, die Überproduktion erst einmal einzufrieren. „Ein Koch hat mich dann auf die Idee gebracht, unsere Tomaten selbst weiterzuverarbeiten und das Produkt somit zu veredeln.“

Über den Winter hat Arne Eggers eine Manufaktur gefunden, die nun Tomatensoßen, Ketchups und Suppen exklusiv von den eigenen Tomaten, eigenen Kräutern und regionalen Zutaten für den Hof Eggers produziert. Mit vielen Ideen, Versuchen und Verkostungen sind jetzt 13 Produkte mit dem Label des Gemüsehofs Eggers im regionalen Handel erhältlich. „Mein Lieblingsprodukt ist das Tomaten-Pflaumen-Ketchup. Aber auch die Tomaten-Kräuter-Soße hat einen festen Platz in unserer Küche bekommen“, schwärmt Arne Eggers, der sich selbst als Fan von Brotaufstrich, Soßen und Suppe offenbart.

Eine Manufaktur veredelt die Tomaten vom Gemüsehof Eggers zu köstlichen Produkten, die mit eigenem Label im regionalen Handel erhältlich sind.

„Der Vorteil für uns ist, dass wir keine Ware mehr entsorgen müssen, und wir können die Soßen je nach Bedarf produzieren lassen. Dass die Tomaten zwischendurch eingefroren werden, schadet der Qualität überhaupt nicht.“ Jetzt kann man die Tomaten von Eggers Gemüsehof auch im Winter zum Fondue oder das ganze über Jahr als Brotaufstrich genießen. „Dadurch, dass wir unsere eigene Ernte selbst veredeln, können wir das ganze Jahr über regionale Produkte aus den Vier- und Marschlanden anbieten. Das wird sehr gut angenommen und die Produkte schmecken für sich.“

Cherrytomaten eignen sich sehr gut zum Naschen.
Arne Eggers hat den Familienbetrieb in Hamburg-Ochsenwerder weiterspezialisiert, unter anderem auf Tomaten, von denen 14 Sorten in den Gewächshäusern reifen.


Zehn Herausforderungen zwischen Mucheln und Sellin

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Seit 2020 veranstaltet die Landjugendgruppe Selenter See jährlich für ihre Mitglieder eine Rallye mit zahlreichen unterschiedlichen Rätseln und lustigen Aufgaben. Bei bestem Sommerwetter ging es auch in diesem Jahr an den Start.

Die Teams, die aus drei bis fünf Personen bestanden, gingen am Gemeindehaus in Mucheln in einem Abstand von 15 min auf die Strecke. Die Route führte entlang des Tresdorfer Sees über Tresdorf bis nach Sellin. In Mucheln absolvierten die Gruppen bereits ihr erstes Spiel, bei dem es darum ging, verschiedene Begriffe pantomimisch darzustellen, während die anderen Gruppenmitglieder diese erraten mussten und dadurch Punkte sammeln konnten. Beim Zurücklegen des Weges kamen die Teams an Stationen vorbei, die zum Teil von Vorstandsmitgliedern betreut wurden oder die allein zu bewältigen waren. Die Aufgaben waren knifflig, aber oft auch lustig wie das Gurgeln von Liedern, das bereits bei der Pfingstrallye im vergangenen Jahr für viele Lacher und gute Laune sorgte, oder das Schubkarrenrennen, bei dem es ziemlich sportlich zuging.

Zudem bekam jedes Team einen Bogen mit Aufgaben für den Weg, wie das Zählen von Straßenschildern oder das Schätzen von Gewichten. Auch eine kreative Herausforderung stand auf dem Programm. So sollten die Teams in diesem Jahr ein Werbevideo für die Landjugendgruppe drehen. Dabei galt es, zehn Wörter, die auf dem Weg gesammelt werden mussten, einzubringen. Dadurch konnte die Gruppe Punkte bekommen. Die entstandenen Videos sind sehr gelungen und einfallsreich. Ein zusammengeschnittenes Ergebnis der Werbevideos sowie einiger Impressionen befindet sich auf der Instagram-Seite @landjugend_selenter_see

Nach insgesamt zehn Stationen kamen alle Gruppe mit Bollerwagen, Musik und guter Laune in Sellin an und absolvierten dort noch einen Hindernisparcours. Anschließend wurde mit allen Teilnehmern und Stationsbetreuern gemeinsam bei kühlen Getränken gegrillt. Dann stieg die Spannung, als die Sieger verkündet wurden. Die Stellbökener konnten ihren Sieg vom vergangenen Jahr wiederholen. Nach der Siegerehrung klang der Tag gemeinsam bei netten Gesprächen aus und natürlich wurde dabei der Sieg der Stellbökener gefeiert.

Der Vorstand blickt sehr positiv auf die Rallye zurück und hofft, im nächsten Jahr viele neue und alte Gesichter begrüßen dürfen. Und vielleicht bekommen die Stellbökener dann neue Konkurrenz.

Beim „Schubkarrenrennen“ musste ein Ball mit dem Kopf bis zum Ziel gerollt werden.Foto: Finja Timm (2), Ronja Schoel

AfD – wer ist schuld?

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Im Landkreis Sonneberg in Thüringen wurde zum ersten Mal in Deutschland ein AfD-Kandidat zum Landrat gewählt. Es war eine korrekte demokratische Wahl. Dadurch unterscheidet sie sich von Scheinwahlen in so manchen Ländern der Erde, von gefälschten, erzwungenen oder bedrohten Wahlen, von Wahlen, die der unterlegene Gegner nicht anerkennt, von Wahlen in Ländern, in denen eine Opposition, bevor sie überhaupt antreten kann, mundtot gemacht, verfolgt und ins Gefängnis gesteckt wird.

Die AfD in Thüringen konnte gewählt werden, obwohl sie der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hat und beobachtet. Sie kann gewählt werden, obwohl führende Mitglieder unseren Staat verachten, verhöhnen oder gar nicht anerkennen. Den Staat, der es ihnen ermöglicht, gewählt zu werden. Die Partei, die am lautesten schreit, dass sie nicht sagen dürfe, was sie denkt, sagt beständig, was sie denkt, und ihr Kandidat wurde deswegen gewählt – oder trotzdem.

Die Frage ist nur, warum.

Die AfD ist einerseits sichtbar durch allgemeine, inhaltsarme Parolen, die jeder verstehen kann, wie er will: „Deutschland, aber normal“, „Für deutsche Leitkultur“ und „Wir sagen, was ihr denkt“ – oder durch einfach gestrickte allgemeine Forderungen – gegen Zuwanderung, gegen Gendern, aber auch gegen die EU und gegen den Euro.

Aber vielleicht ist das auch vielen an der Wahlurne egal. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Teil der hohen Ergebnisse der AfD sich nicht aus Zustimmung zu ihren Inhalten speist, sondern sogenannte Proteststimmen sind – aus Empörung über die „Altparteien“, um es ihnen mal zu zeigen. „Sie haben uns belogen und betrogen, sie nutzen uns aus, und zumindest machen sie alles falsch“, so die Meinung.

Wählt man dann Leute, die keinen wirklichen Plan haben, wie das gehen soll in unserer komplexen Gesellschaft, vielleicht noch nicht einmal ein Interesse? Eine kleine Episode auf kommunaler Ebene: Die AfD hat es nicht vermocht oder für nötig gehalten, ihren Sitz in acht von zehn Kieler Ortsbeiräten zu besetzen, wie die „Kieler Nachrichten“ vermeldeten, und zwar eine ganze Legislaturperiode lang. Dadurch habe sogar manchmal die Beschlussfähigkeit gelitten. Wenn dies nicht geradezu Verachtung des parlamentarischen Systems ist, so doch mindestens Gleichgültigkeit gegenüber gemeinschaftlichen Aufgaben.

Protestwahl ist Schuldzuweisung. Die feiert leider auch in den anderen parlamentarischen Parteien fröhliche Urständ. „Die Ampel ist schuld, dass die AfD zulegt.“ – „Nein, die Opposition hat die öffentliche Meinung zu deren Vorteil angeheizt.“ Die größte Schuldzuweisung aber betreibt die AfD selbst, ja sie scheint überhaupt fast nur aus Schuldzuweisung zu bestehen.

Die Gesellschaft steht vor immensen Herausforderungen. Es genügt, die Stichworte Klimawandel, Energiewende und Verteidigung zu nennen. Es wird Einschränkungen geben und gibt sie schon. So manche müssten freiwillig auf sich genommen werden, um künftig Schlimmeres für alle zu verhindern oder einzudämmen. Manche Einschränkungen werden verordnet werden müssen, weil nicht immer Einsicht obwaltet. Wer da in politischer Verantwortung steht, ist nicht beliebt. Aber er oder sie ist nicht daran schuld.

Wer ist schuld daran, dass die AfD so hohe Wahlergebnisse hat? Allein die, die sie gewählt haben. Sie werden verantworten müssen, was politisch daraus folgt.

Land würdigt Kinoarbeit

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Kinos sind ein fester und wichtiger Bestandteil der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft. Viele der Lichtspielhäuser gehen in ihrer Arbeit über das normale Kinoprogramm-Angebot hinaus. Und wie auch viele andere Kultureinrichtungen hatten und haben sie unter den Folgen der Pandemie sowie den gestiegenen Kosten zu leiden. Mit dem Kinopreis des Landes Schleswig-Holstein wird seit 2009 die hochwertige Arbeit der Kinos gewürdigt. Dieses Jahr wurde das Preisgeld von 50.000 € auf 100.000 € erhöht, die Verleihung des Kinopreises in fünf Kategorien an 33 Kinos im Land fand vergangene Woche in Rendsburg statt.

Und das im ältesten Lichtspieltheater des Landes – dem KinoCenter Rendsburg mit Inhaberin und Betreiberin Nicole Claussen. Im Mai feierte das Kino sein 109-jähriges Bestehen. Ein würdiger Rahmen für ein würdiges Ereignis, befand auch Kulturstaatssekretär Guido Wendt, der zusammen mit dem Geschäftsführer der Moin-Filmförderung Hamburg und Schleswig-Holstein, Helge Albers, sowie dessen Standortleiterin Schleswig-Holstein, Nicola Jones, die Preise übergab.

„Filmkultur und Kinokultur bedingen sich gegenseitig“, so Wendt. Das Besondere an vielen Kinos sei, dass dort auch Veranstaltungen stattfänden, die nicht immer direkt etwas mit Kino zu tun hätten. Die Kinobühne werde für unterschiedlichste Dinge genutzt, was dafür sorge, dass neben der Stadtgesellschaft auch das Umland in die Kinos komme. Das wiederum sorge für ein wichtiges Standing der Kinos. „Wenn wir als Land zum Erhalt und zur Unterstützung etwas beitragen können, dann versuchen wir das, in dem wir an der Seite mit stabilisieren. Mit dem Preis unterstützen wir gezielt Aktivitäten, die das Kino als Kulturort aufbauen und mit anderen Angeboten vernetzen.“


Moderiert wurde die Veranstaltung von Alexandra Antwi-Boasiako, die als weitere Gäste den Rendsburger Regisseur Arne Feldhusen sowie Rendsburgs Bürgermeisterin Janet Sönnichsen begrüßte, die beide sich noch gut an ihre Rendsburger Kinozeit in Kinder- und Jugendtagen erinnern konnten. Die Kieler Filmemacherin Eugenia Bakurin präsentierte ihren Cannes-Kurzfilm „Long Time No Techno“.

Jan-Per Sellmer, Metro Kino im Schloßhof Kiel (li.) und Lothar Irrgang, Lichtblick Filmtheater Oldenburg (Mitte) bekamen von Kulturstaatssekretär Guido Wendt (r.) den Hauptpreis „Kino der Zukunft“ überreicht.

Die eigentlichen Stars aber waren die Preisträger. Über den mit 7.500 € dotierten Hauptpreis für herausragende Kinoarbeit konnten sich das Kino in der Pumpe Kiel, das Kino-Center Husum sowie das Studio Filmtheater am Dreiecksplatz Kiel freuen. Zum ersten Mal mit dem Hauptpreis (ebenfalls 7.500 €) „Kino der Zukunft“ wurden das Lichtblick Filmtheater Oldenburg und das Metro Kino im Schloßhof Kiel ausgezeichnet. Die Jury (dieses Jahr bestehend aus Marina Harand vom Kultusministerium, Nicola Jones, Jens Hagen Schwadt, Koordinator der Initiative „Dorfkino einfach machbar“ des Filmklubs Güstrow, Polina Atvi als Vorsitzende von CineMova, Ukrainischer Kinoklub in Berlin, sowie Bernd-Günther Nahm, ehemaliger Leiter der Filmwerkstatt) würdigte bei den Hauptpreisträgern unter anderem die vielfältige Programmgestaltung abseits des Mainstream, eine hohe cineastische Qualität, das Aufgreifen und die Umsetzung von Themen wie Nachhaltigkeit, Inklusion, Barrierefreiheit und Teilhabe sowie kindgerechte, medienpädagogische Angebote, die auch schon Kitakindern den Weg ins Kino ebnen.

Über den Preis für qualitätsvolle Programmarbeit konnten sich auch die beiden Rendsburger Kinos freuen: Nicole Claussen, KinoCenter (li.) sowie Karen und Hans von Fehrn-Stender, Schauburg Filmtheater (3. und 2. v. r.)


Sowohl die beiden Rendsburger Kinos KinoCenter und Schauburg Filmtheater als auch das 51 Stufen Kino im Deutschen Haus Flensburg, das Burgtheater Ratzeburg, das Lichtblick Filmtheater sowie das Kino KoKi Kommunales Kino Lübeck freuten sich über den mit 4.000 € dotierten Preis für qualitätsvolle Programmarbeit. Elf weitere Kinos wurden für ihre engagiert gute Kinoarbeit mit 2.500 € ausgezeichnet. Zehn Kinos erhielten eine Auszeichnung und 1.000 € für ihre kontinuierlich gute Kinoarbeit. „Ich freue mich sehr, dass das Land Schleswig-Holstein dieses Engagement durch eine Verdoppelung der Preisgelder erneut würdigt“, so Helge Albers, „denn was Kino kann, kann eben nur Kino.“

Weitere Informationen unter moin-filmfoerderung.de


Andrang draußen, Tiefgang drinnen

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Jazz scheint so beliebt zu sein wie nie zuvor: volle Hallen bei den Hauptkonzerten im Maritim Hotel, Stuhlbesetzungen eine Stunde vor Beginn auf der Open-Air-Bühne – und drängelnde Schlangen vor dem Jazz Café, wo nicht alle Hörwilligen Platz fanden. Die Jazz Baltica in Timmendorfer Strand knackte Rekorde. Der Bauernblatt-Reporter hat zwei Auftritte besucht.

Jazz verbindet – so das immer wiederkehrende Mantra vieler Musiker. Wo es keinen Eintritt kostete, auf der Open Air Bühne und in der Rotunde, war das nicht immer der Fall. Da konnte schon mal ein heftiger Wortwechsel mit den Ordnern oder untereinander wegen Drängelei ausbrechen. Das schwül-warme Wetter tat ein Übriges zur Gereiztheit, hielt aber die Leute keineswegs davon ab, sich lange vorher einen Platz zu sichern und darauf auszuharren – Reservierungsversuche mit Klamotten am Stuhl sinnlos. In die Rotunde kam der Reporter nur für einen schnellen Fotoschuss hinein und wieder hinaus – so viel zu seinem „dritten“ Konzert!

„Noch nie waren unsere kostenfreien Open-Air-Konzerte so gut besucht“, freut sich „riesig“ der Festivalleiter Nils Landgren. Das hatte nicht nur Vorteile. Insgesamt waren rund 18.000 Gäste gekommen.

Wechselnde Nahaufnahmen wurden an die Leinwand projiziert. 

Dafür waren die beiden vom Autor besuchten Konzerte auf der Hauptbühne aller Mühen wert. Lyrisch stieg die Schwedin Karin Hammar auf der Bassposaune ein. Erinnerte ihre Skala anfangs noch etwas an Jagdhornbläser, so verließ sie diese bald temporeich, als sie zur Tenorposaune wechselte. Die Schweden haben es drauf, das rasante, wilde Improvisieren! Doch offensichtlich lieber noch sind ihnen melodiös verträumte Kapriolen, zarte Pizzicati am Bass und elegische Phrasierungen in melancholischem Moll. Das Quartett (Karin Hammar, Posaune, Andreas Hourdakis, Gitarre, Niklas Fernqvist, Bass, und Fredrik Rundqvist, Schlagzeug) wurde als „Four plus One“ bereichert durch die italienische Pianistin Rita Marcotulli – musikalisch bei den Nordländern beheimatet, als wäre sie immer schon dabei gewesen. Überhaupt waren die Frauen stark vertreten auf dieser Jazz Baltica, wie dem Programm zu entnehmen war, und keineswegs hauptsächlich als Sängerinnen.

Die zweite Band im Set indessen sind doch Männer und wiederum in Schweden verortet: das Tingvall Trio
(Martin Tingvall, Piano, Omar Rodriguez Calvo aus Kuba, Bass, und der deutsche Jürgen Spiegel, Schlagzeug), seit elf Jahren in gleicher Besetzung immer wieder Stammgäste auf der Jazz Baltica.

Von Anfang an bauen sie einen stabilen Tonraum, in dem sich das Ohr sicher bewegen kann, die Grenzen ausloten, ohne abzustürzen. Eine Figur rankt sich um einen einzelnen Ton, unentwegt am Piano angeschlagen: das Stück heißt „Specht“. Bei „Birds“ streicht der Bass mit dem Bogen die Flügel und hebt in lieblichen Sexten zum Klavier ab – es muss ein großer Vogel sein. Wenige Jazzbands spielen wie diese auch ab und zu in Dur.

Zum Abschluss ein „SOS an die Welt, ein SOS an uns alle“ um das Morsesignal herum, am Bass gezupft, während eine sich drehende Weltkugel projiziert wird. „Vieles in der Welt läuft gerade nicht so schön wie in diesem Raum“, findet Martin Tingvall. 

Vom Tingvall Trio Bassist Omar Rodiguez Calvo und Drummer Jürgen Spiegel.

Größtes Umspannwerk im kleinen Dorf

Die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare ist eine Herausforderung unserer Zeit. Dazu ist im Südosten von Schleswig-Holstein ein riesiges Umspannwerk geplant. Als bestgeeigneten Ort dafür haben die Betreiberfirmen die kleine Gemeinde Sahms im Kreis Herzogtum Lauenburg ausgemacht. Das weckt Gegnerschaft bei Bewohnern. Andererseits können Landwirte zu gutem Preis Fläche verkaufen.

Da im „echten Norden“ viel Windstrom erzeugt wird und künftig noch mehr erzeugt werden soll, muss ein großer Teil davon in Großstädte und ins übrige Bundesgebiet weitergeleitet werden. Das Fehlen von Trassen mit geeigneter Kapazität wurde vielfach in Öffentlichkeit und Politik kritisiert, aber auch deren Nachrüstung, die inzwischen verstärkt angegangen wird.

Für diese Fernversorgung ist auch ein neuer Netzverknüpfungspunkt (NVP), auch Umspannwerk genannt, vonnöten, und der soll gigantische Ausmaße haben: Mit derzeit geplanten rund 35 ha Fläche wäre die Anlage in Sahms die größte in Deutschland.

Dazu kommt eine weitere Megastromleitung, die das neue Umspannwerk mit dem bestehenden in Oststeinbek bei Hamburg (das mit 18 ha „nur“ knapp halb so groß ist) verbindet. Die Trasse würde über Stormarner und Lauenburger Kreisgebiet verlaufen, entweder entlang der A 24 oder auf einer leicht nördlichen Ausweichroute.

Sahms hat nur rund 400 Einwohner und das Dorf selbst nur eine Fläche von rund 15 ha, das neue Umspannwerk würde also mehr als zweieinhalb mal so groß wie das Dorf werden. „Die Bewohner sind gespalten“, sagt Dr. Helmut Brüggmann, Bürgermeister von Sahms. „Es hat sich eine Bürger­initiative gebildet, die vehement gegen den NVP ist. Andererseits sind drei der vier Landwirte, deren Flächen angefragt sind, bereits bereit zu verkaufen.“ Die Betreiber hätten ein faires Angebot vorgelegt. Zudem seien sie bereit, Teilflächen, die nicht für das Werk nötig seien, aber als Restflächen für die Landwirte uninteressant wären, mitzukaufen, sodass rund 40 ha Fläche in Verhandlung seien. Jedoch könnte nicht verkaufsbereiten Eigentümern am Ende aus Gründen der Versorgungssicherheit auch Enteignung drohen.

Stefan Brüggmann, Bruder des Bürgermeisters, ist Altenteiler und einer der drei, an die die Betreiber herangetreten sind, und er hat sich zum Verkauf entschlossen. Er nennt den angebotenen Preis nicht nur wie sein Bruder „fair“, sondern „unverschämt hoch“ – „Da kann man gar nicht Nein sagen.“ Es geht bei ihm um 6 ha in zwei etwa gleich großen Einzelflächen. „Wir sind im Dorf nicht ganz glücklich über das Vorhaben, es gibt viel Unfrieden“, sagt er. Aber auch er ist überzeugt, dass bei einer Verkaufsverweigerung die Sache in ein Planfeststellungsverfahren gehen würde, an dessen Ende die Enteignung drohe. „Daran sind auch die Betreiber nicht interessiert, da es die Sache verzögern würde. Da geben sie lieber vorher mehr Geld aus.“

Der neue NVP soll drei Teile in einem Komplex zusammenfassen: ein Umspannwerk von TenneT, das die Nord-Süd-Achse von Lübeck über die Elbe Richtung Niedersachsen vervollständigen soll, ein Umschaltwerk der Firma 50Hertz für die oben genannte Verlängerung einer bestehenden Ost-West-Leitung aus Mecklenburg nach Hamburg und schließlich ein Umspannwerk der Schleswig-Holstein Netz AG für die örtliche Versorgung.

Bei der Suche nach einem geeigneten Platz für die Anlage am Kreuzungspunkt der Fernleitungen haben sich die Betreiberfirmen für den Standort Sahms entschieden. Das Vorhaben wird nun der Bundesnetzagentur zur Prüfung vorgelegt, die allerdings bereits in die Entscheidungsfindung einbezogen war. „Wir als Gemeinde haben darauf gar keinen Einfluss“, sagt Helmut Brüggmann.

Wenn alles glatt läuft, soll 2025 mit dem Bau begonnen und in einem „sportlichen“ Zeitplan bis 2029 das Vorhaben abgeschlossen werden. Bürgermeister Brüggmann: „Bei der Bauplanung können wir dann als Gemeinde ein bisschen mitreden.“ 

Wie nachhaltig arbeitet „Bauer Josh“?

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Wie kam der Mensch auf den Hund, das Schwein, das Rind? Die gemeinsame Entwicklungsgeschichte von Mensch und Haustier von der Altsteinzeit bis heute kann in dem neuen Besucherzentrum Domesticaneum im Tierpark Arche Warder auf interaktiven digitalen Terminals nachvollzogen werden. Das geht bis in die Gegenwart, wo Besucher an einem „Nachhaltigkeitssimulator“ Produktionsfaktoren des Landwirts verändern und die Ergebnisse auswerten können. Das Bauernblatt hat die Station zusammen mit einem Landwirt getestet.

Mit Latzhose, Ähre auf dem Hut und Stoppelbart sieht „Bauer Josh“ fast aus wie die Kinderbuchfigur Pettersson. Das spricht gewiss Kinder an und auch, dass sie auf dem Bildschirm die landwirtschaftlichen Maschinen herumfahren lassen können, mal langsam, mal schnell. „Die lachen sich kaputt“, sagt Stefanie Klingel, Pressesprecherin der Arche Warder. Dass Bauer Josh einen Laptop in der Hand hat, entdeckt man erst bei genauerem Hinsehen, und dass hier landwirtschaftliche Produktionsweisen fachkundig simuliert werden, vermittelt sich älteren Schülern und Erwachsenen nur, wenn sie sich länger mit dem Terminal beschäftigen.

Bauer Josh geht zunächst konventionell vor: pflügt, spritzt Herbizid, düngt mit Gülle, sät Mais, setzt Insektizid ein und erntet. Nun kann der Nutzer variieren: den Acker teilweise in Grünland verwandeln oder in eine Blühwiese, auf einzelne Verfahren wie etwa Insektizideinsatz verzichten. Die Resultate erscheinen dann in einem Balkendiagramm: In der Regel verbessen sich durch den Eingriff Wasser- und Bodenqualität und Artenvielfalt, aber er vermindert auch den Ertrag. Andererseits gibt es je nach Verfahren mehr oder weniger EU-Subventionen.

„Wir haben das mit den Fachleuten entwickelt, die auch für uns die Flächenanträge stellen“, sagt Stefanie Klingel. „Manche Besucher verwandeln gleich alles in eine Blumenwiese und wundern sich, dass der Bauer nichts mehr verdient.“

Ein wichtiger Faktor ist der sogenannte Auch-ich-Operator: Der Nutzer klickt an, ob er landwirtschaftliche Produkte möglichst billig kaufen will oder bereit ist, für Tierwohl und Artenschutz einen höheren Preis zu bezahlen. Das wirkt sich dann auch sichtbar auf den Erlös des Bauern aus.

Ende April wurde das Domesticaneum eröffnet. Der Besuch ist im Eintrittspreis der Arche Warder inbegriffen. Man wandert von der Domestizierung des Wolfes zum Hund vor über 300.000 Jahren über die Züchtung von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen der ersten Hirten und Bauern vor 10.000 Jahren. Immer kann man an den Terminals interaktiv Szenen durchspielen, etwa einen Hirsch „erschießen“. Es geht weiter in die Antike und das Mittelalter mit ihrer Vielfalt von Haus- und Nutztierrassen, wie sie nach Möglichkeit in der Arche Warder erhalten werden. Die meisten sind allerdings ausgestorben, „als die Massentierhaltung in den 1950er Jahren begann“, wie es auf einer Tafel heißt.

Per Mausklick kann man Animationen steuern. Hier gewöhnt sich der Wolf an den Menschen.

„Wir möchten erzählen, wie die Haustiere die Kulturgeschichte des Menschen beeinflusst haben und welche Rolle sie dabei über die Jahrtausende spielten“, erklärt Tierparkdirektor Prof. Kai Frölich, der das Konzept maßgeblich entwickelt hat. „In dem letzten Raum soll erklärt werden, wie man die Zukunft der Landwirtschaft gestalten könnte und welche Ansätze es jetzt schon gibt. Die Farm der Zukunft ist natürlich auch der Raum, der sich immer wieder verändern wird, wenn neue Ideen auftauchen.“

Timm Rohwer, konventioneller Landwirt aus Warder und Vorsitzender des Bezirksbauernverbandes Nortorf, hat diese „Farm der Zukunft“ getestet. „Man hat sich viel Mühe gegeben und viele Aspekte reingebracht“, ist sein Fazit. „Ich finde es gut, dass es mit fachlicher Expertise erstellt wurde. Es macht die Komplexität des Themas sichtbar, und vor allem wird der Ertrag des Bauern und die Bedeutung von Subventionen deutlich gemacht.“

Man muss jedoch Zeit und Interesse investieren, bis man am Terminal zu solchen Ergebnissen kommt, und auch bei diesem Test klappte nicht alles auf Anhieb. „Ich war am Anfang skeptisch, ob hier nicht eine allzu simple Darstellung zugunsten biologischer Landwirtschaft vermittelt wird“, räumt Rohwer ein. „Diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt.“ Möglicherweise speiste sich die anfängliche Skepsis aus der recht klischeehaften Darstellung des Bauern Josh – sicher ein Hingucker für Kinder, aber nicht der moderne Landwirt, wie er in diesem Programm eigentlich zugrunde liegen soll. 

Stefanie Klingel von der Arche Warder und Landwirt Timm Rohwer trafen sich mit dem Bauernblatt im neuen Besucherzentrum.