Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein, Klaus-Peter Lucht, konnte im Oktober an einer Studienfahrt des Verbands der deutschen Milchwirtschaft (VDM) in den USA und anschließend am International Dairy Summit (Internationaler Molkereigipfel) in Chicago teilnehmen.
Im Zentrum der Studienreise standen Besuche auf verschiedenen Milchviehbetrieben in den Bundesstaaten Illinois, Wisconsin und Iowa. Insbesondere in Wisconsin, das auch als „Dairy Country“ bezeichnet wird, ist die Struktur der Betriebe sehr vielfältig. Früher wurde dort vor allen Dingen Weizen angebaut, wegen starken Schädlingsbefalls schwenke man um auf Milch, da es gute Bedingungen für den Maisanbau gibt. Neben Mais werden aber auch Luzerne und Soja angebaut. Fast die gesamte Milch, nämlich zirka 90 %, werden zu Käse verarbeitet.
In Wisconsin selbst gibt es rund 6.000 Milchviehbetriebe, von denen 95 % familiengeführt sind. Neben vielen kleineren Betrieben existieren auch sehr große Betriebe, die auch mehrere Standorte unterhalten. In den allermeisten Betrieben sind pro Kuh und Tag Milchleistungen von über 40 kg keine Seltenheit. In vielen wird dreimal täglich gemolken.
Betrachtet man auf der einen Seite, dass es nur wenig oder keine staatliche Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe gibt, so ist auf der anderen Seite auch eine sehr viel geringere Regelungsdichte in Bezug auf Bewirtschaftungsvorgaben vorhanden. Möglicherweise ist aus diesem Grund keine so gravierende Einflussnahme seitens politischer Verbände notwendig. Allerdings werden auch 15 US-$-ct pro 100 Pounds (Gewichtseinheit) in ein nationales Marketingprogramm eingezahlt (entspricht ungefähr 3 €-ct pro 100 l). In Wisconsin gehen davon 5 ct an ein Marketingprogramm speziell für Wisconsin. Es werden auch jährlich 7,8 Mio. US-$ Steuergelder an die drei Universitäten im Bereich der Milchforschung gegeben.
Allerdings wurde während des Besuchs der University of Wisconsin in Madison deutlich, dass auch in Amerika intensiv über das Thema Nachhaltigkeit diskutiert wird. Anders als in Deutschland und Europa wird aber in der dort vorherrschenden Diskussion mehr Wert darauf gelegt, dass alle drei Säulen der Nachhaltigkeit erfüllt sein müssen. Auch spielt in der breiten Diskussion immer wieder eine Rolle, dass die Landwirte die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Die Landwirte werden darüber hinaus auch als Treuhänder der Landschaft bezeichnet.
Einhergehend mit der Betriebsgröße und dem häufigen Melken sind in den Betrieben viele Mitarbeiter beschäftigt. Diese kommen im Regelfall aus Mittel- und Südamerika. Nicht selten werden die Betriebe von mehreren Geschwistern als Familienbetriebe gemeinsam geleitet. Auf allen Betrieben war deutlich zu sehen, dass die Produktivität an erster Stelle steht. Auf einer Farm in Iowa wurde berichtet, dass es durchaus auch Programme für zum Beispiel einen Grünlandstreifen gibt. Diese werden allerdings für die Landwirte deutlich attraktiver als in der EU dotiert.
Bei dem Besuch des World Dairy Summit in der zweiten Woche in Chicago standen naturgemäß die vielen Fachdiskussionen und der Austausch mit Landwirten aus allen anderen Teilen der Welt im Zentrum. Auch in diesen Diskussionen wurde deutlich, dass die Geschwindigkeit der Veränderungen durch die gesetzgebenden Organe zu Schwierigkeiten auf den Betrieben führt. In dieser hohen Veränderungsdichte machen sich viele Betriebsinhaber Sorgen, ob und wie der Betrieb in die nächste Generation weitergegeben werden kann. Einen Hinderungsgrund dafür stellt auch dar, dass eine Übertragung an Familienfremde unter Umständen wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Andere Länder beklagen ebenfalls einen Tierärztemangel. Neben dem Blick der einzelnen Landwirte zeigten aber auch die vielfältigen Vorträge und Diskussionsbeiträge aus anderen Ländern, dass das Thema Nachhaltigkeit von allseitigem Interesse ist. „1 % ernährt 100 %“, stellte ein Diskussionsteilnehmer deutlich heraus.
„Die Landwirtschaft in Europa und insbesondere in Deutschland benötigt unternehmerische Freiheit, um die entsprechenden Angebote machen zu können“, resümierte Klaus-Peter Lucht nach Abschluss der Reise. Nachhaltigkeit sei eben ein Kerngeschäft der Landwirtschaft, das nur erfüllt sein kann, wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen. Ein anderer Reiseteilnehmer stellte heraus, dass auf den Betrieben und während des Kongresses eine beeindruckende Innovationskraft und Einstellung der Unternehmen und Unternehmer zu sehen war.
Klar ist auch, dass in vielen Bereichen die Kluft zwischen ländlichem Raum und städtischer Bevölkerung ebenso gravierend vorhanden ist wie in Europa. Deutlich wurde aber auch, dass die Branche allen Grund hat, stolz auf die produzierten Lebensmittel und das Geleistete zu sein. So berichtete im großen Forum eine Teilnehmerin aus Kenia, dass ihr der Schulbesuch nur möglich war, weil ihre Eltern eine Kuh hatten.



