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Mit dem Antrag zur „Maritimen Souveränität in der Zeitenwende“ beschloss der Bundestag in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause grundlegende Forderungen von AquaVentus und schafft hiermit eine nachhaltige Perspektive für die Offshore-Wasserstoff-Industrie.
Das Abgeordnetenhaus fordert mit dem Antrag die Bundesregierung auf, eine begrenzte Anzahl weiterer Flächen auf Basis der Ausbauziele für die Offshore-Wasserstofferzeugung von mindestens 10 GW auf See in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) auszuweisen, die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Abtransport des erzeugten Wasserstoffs zu schaffen sowie die Netze und Pipelines so zu ertüchtigen und auszubauen, dass der Erneuerbare Strom möglichst nicht abgeregelt werden muss beziehungsweise den Ausbau von Elektrolyseuren auf See voranzutreiben, um den überschüssigen Strom direkt vor Ort in Wasserstoff umzuwandeln, der dann im Gasnetz abtransportiert werden kann.
Der Antrag von SPD, Grünen und FDP sowie des Abgeordneten Stefan Seidler (SSW) steht beim Bundestag unter t1p.de/4ca9b
„Dieser Antrag ist die direkte Antwort des Deutschen Bundestags auf den branchenweiten Appell der Offshore-Wasserstoffwirtschaft vom Mai zur Schaffung einer nachhaltigen Perspektive für diese junge, aber richtungsweisende Technologie zur gesicherten heimischen Produktion von Grünem Wasserstoff“, sagt Robert Seehawer als Geschäftsführer des AquaVentus Fördervereins.
„Die Stärkung der maritimen Wirtschaft ist für den Ausbau der Offshore-Wasserstoffenergie unerlässlich, zumal dieser mit der gesamten Offshore-Wind-Industrie im Einklang zu erfolgen hat. Die Herausforderungen sind enorm, aber machbar, wenn die Politik weiterhin klaren Umsetzungswillen zeigt.“ Die AquaVentus Initiative hat das Ziel, 1 Mio. t Grünen Wasserstoff pro Jahr aus Windenergie auf der Nordsee zu erzeugen und per Pipeline an Land zu transportieren. Der Appell ist unter t1p.de/2s8kn abrufbar.
Sieben Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Schleswig-Holstein traten beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbes der deutschen Landjugend in den Sparten Forst-, Land- und Hauswirtschaft an. Die insgesamt 84 Teilnehmer, die Mitte Juni im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem in Niedersachsen ihr Können unter Beweis stellten, hatten sich in zahlreichen Vorentscheiden unter knapp 10.000 Vertretern der Grünen Berufe qualifiziert. Mit zum Team der Schleswig-Holsteiner gehörten auch drei Richter und Richterinnen. Einer von ihnen war Hannes Bumann. Hier sein Bericht.
Am Abend vor dem Start des Wettbewerbs trafen sich alle Richter nach der offiziellen Einführung in den einzelnen Sparten, um noch einmal die praktischen Aufgaben zu besprechen und zu verteilen. Am nächsten Morgen ging es an den Start. Während die Teilnehmenden die theoretischen Prüfungen im Bereich Allgemein- und Fachwissen schrieben, machten sich die Richter schon auf dem Weg, alles für die praktischen Aufgaben aufzubauen. Um bei den vielfältigen Prüfungen eine faire und gleichbleibende Bewertung zu gewährleisten, war eine gute Absprache wichtig. Zudem wurde strikt darauf geachtet, dass Richter keine Teilnehmer aus ihrem eigenen Bundesland bewerteten.
Die praktischen Prüfungen erstreckten sich über anderthalb Tage. Sie reichten vom Bau eines Fledermauskastens, das punktgenaue Fällen und das Pflanzen von Bäumen über das Zubereiten landestypischer und saisonaler Beilagen für ein Grillbuffet bis hin zur Kälberhaltung, automatischem Melksystem, Bonitur eines Getreideschlages und Einstellen eines modernen GPS-Systems. Zudem wurde auch geprüft, wie jeder Kandidat sein Wissen bei der Unterweisung von Auszubildenden in der Landwirtschaft weitergeben kann. Punkte gab es von den Richtern auch für Teamgeist und Ehrgeiz. Als am nächsten Abend die Prüfungen abgeschlossen waren, konnten sich bei einem großartigen Grillbuffet alle entspannen und sich in geselliger Runde noch einmal über die beiden herausfordernden Tage austauschen und neue Kontakte knüpfen.
Am kommenden Tag starteten alle gemeinsam zu einer Besichtigung des ehemals größten Schiffshebewerks Europas in Scharnebeck. Im Anschluss daran begaben man sich auf unterschiedliche Exkursionen von der Kartoffelzucht bis hin zur Erkundung der Altstadt Lüneburgs.
Am Abend stand dann die Siegerehrung auf dem Programm. Dazu lud das Landvolk Niedersachsen in festlichem Ambiente ein. Alle hatte sich in Schapptüüch geworfen. Nach kurzen Grußworten ging es direkt zur Siegerehrung in den einzelnen Sparten. Die Spannung stieg auch für die Teilnehmer aus Schleswig-Holstein. Jeder von ihnen hatte sein Bestes gegeben. Leider konnte in diesem Jahr keiner von ihnen aufs Treppchen steigen. Trotzdem waren sich alle einig, dass beim Bundesentscheid alle gewonnen haben: an Erfahrung, Erlebnissen und vielen schönen Erinnerungen, die sie mit neuen Freunden teilen.
Siehe auch landjugend.de/projek te/berufswettbewerb
Hannes Bumann
In der Sparte Forstwirtschaft stand für Lukas Arendt unter anderem das Pflanzen von Bäumen auf dem Prüfungsplan.Hannes Bumann (li.) war als Richter in der Getreidebonitur im Weizen in der Leistungsgruppe 2 der Landwirtschaft im Einsatz. Lena Schilling trat in der Sparte Hauswirtschaft an. Bewertet wurden neben der Zubereitung von Beilagen für ein Grillbuffet auch Kostenkalkulation, Planung und Sauberkeit sowie die Vorstellung des Berufsbildes.
Foto: Tabea SackmannZur Bonitur im Getreide gehörte für Mikel Speetzen (vorn) und Malte Steffens auch die Ermittlung des Düngebedarfs Fotos: Carina Gräschke/BDL
Sommerhaus Osborne House des Königspaars Victoria und Albert Fotos: Wiebke Bock
Geschichte, malerische Landschaften und vielen Blumen prägten die Reise nach Südengland, die der KreisLandFrauenverband Segeberg in diesem Jahr anbot. Mit dem Bus ging es über die Niederlande, Belgien, Frankreich und dann mit der Fähre nach Großbritannien. Ab da brachte der Busfahrer die Reisegruppe sicher durch den Linksverkehr.
Am ersten Tag begaben sich die LandFrauen auf die Spuren von Heinrich VIII. So besuchten sie den Familienbesitz der Familie Boleyn, das Hever Castle mit seinen beeindruckenden Gärten. Die Boleyns waren eine prominente englische Familie des Adels. Sie erreichten den Höhepunkt ihres Einflusses während der Tudor-Zeit, als Anne Boleyn zweite der sechs Ehefrauen von Heinrich VIII. wurde. 1536 beendete ein Hochverratsprozess die Ehe. Der König schickte seine Frau aufs Schafott. Tochter Elisabeth sollte zu einem der größten Monarchen Englands werden.
Nach so viel Geschichte fuhr man nach Sissinghurst. Der 5 ha große Garten des historischen Landsitzes in der Grafschaft Kent zählt mit jährlich mehr als 160.000 Besuchern zu einem der beliebtesten Gärten der Welt. Sehenswert wie den Garten fanden die Schleswig-Holsteinerinnen auch die einstige Römerstadt Canterbury, das Weingut Biddenden, Brighton mit der beeindruckenden Seebrücke und die Isle of Wight, Insel der Blumen, mit dem Sommerhaus Osborne House des Königspaars Victoria und Albert . Bei Stonehenge, mit der über 4.000 Jahre alten Megalithanlage, kam die Frage auf, wie die Vorfahren die riesigen Steine einst bewegten.
Auch das landestypische Picknick kam bei den Mitreisenden wieder sehr gut an. Schön war auch, dass die Gruppe vom typisch englischen Regenwetter verschont blieb. Dafür war es ordentlich windig.
Großer Bahnhof für eine stille LandFrau, die trotzdem etwas zu sagen hatte, auch wenn es um kritische Punkte ging: Martina Greve wurde bei einer Feier im Gasthof Frauen in Beidenfleth als Vorsitzende des KreisLandFrauenverbandes Steinburg verabschiedet. Das hätte eigentlich schon bei der Jahreshauptversammlung im März passieren sollen. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Martina Greve aber nicht teilnehmen, sodass die Abschiedsparty jetzt nachgeholt wurde.
Auch wenn es nun keine Überraschungsfeier mehr sein konnte, war Martina Greve doch überrascht. Neben der neuen Präsidentin des Landesverbandes, Claudia Jürgensen, und dem stellvertretenden Landrat Marko Förster waren auch Telse Reimers (Dithmarschen), Petra Fahje (Segeberg), Frauke Krohn (Pinneberg) und Sandra Röschmann (Rendsburg-Eckernförde) aus den Vorständen der Nachbarkreise angereist. Eine Abordnung der Kreislandjugend mit Jan Haack und Matti Fischer sowie Annika Greve von den Jungen LandFrauen gratulierten ebenso wie die Vorstände der neun Ortsvereine im Kreis Steinburg.
Annemarie Rohde, die die Nachfolge von Martina Greve antrat, lernte ihre Vorgängerin bei dem von Greve initiierten Pausenapfel-Projekt kennen. „Das war vor elf Jahren, und die Aktion gibt es immer noch“, zollte Rohde Anerkennung.
Als eine der jüngsten LandFrauen war Martina Greve 1988 mit 30 Jahren in den OV Kollmar eingetreten. Nach zwei Jahren wurde sie bereits Beisitzerin, dann Vorsitzende des Ortsvereins und war 22 Jahre, davon zwölf als Vorsitzende, im Kreisverband aktiv. Zudem arbeitete sie vier Jahre im Landesverband als Beisitzerin. „Meine Familie hat mir den Rücken freigehalten, mein Mann Ernst-Hermann hat Telefondienste übernommen und auf die Kinder aufgepasst“, betonte Greve. Ehemann, Tochter und Schwiegertochter waren auch zur Feier gekommen.
„Es ist mir eine Herzensangelegenheit hier meinen Respekt, Dank für 33 Jahre LandFrauenarbeit auszudrücken“, sagte Claudia Jürgensen. „Du warst nie eine laute LandFrau, hast aber immer deine Meinung vertreten und auch mal den Finger in die Wunde gelegt, hattest immer Ideen für Neuerungen, hast dich mit viel Engagement eingebracht“, fasste die LandFrauenpräsidentin zusammen.
Eine langjährige Weggefährtin und Freundin, die frühere Landespräsidentin Marga Trede, würdigte Greve als „unparteiisch, verantwortungsvoll, bodenständig und ehrlich“. Die einstige Präsidentin plauderte auch aus dem Nähkästchen gemeinsamer Fahrten zu Seminaren und LandFrauenveranstaltungen und erzählte vom „Kampf“ mit Ticketautomaten der Deutschen Bahn und Einparkaktionen in engen Parkhäusern.
Nicht nur die Grußworte zeigten die Wertschätzung. „Bi ehr, da wuld man Landfruu wehn“, dichteten die „Girlies aus Nutteln“ und verarbeiteten einige Stationen von Martina Greve in ihren Songs.
Das Europaparlament hat sich hinter den Vorschlag der Europäischen Kommission für ein Naturwiederherstellungsgesetz (NRL) gestellt. Wie zu erwarten fiel das Abstimmungsergebnis im Straßburger Plenum am Mittwoch denkbar knapp aus. Für den von der Europäischen Volkspartei (EVP) gestellten Antrag, den Entwurf abzulehnen, votierten 312 EU-Parlamentarier. Dagegen stimmten 324 Volksvertreter. Enthaltungen gab es zwölf.
Der von der Kommission im Juni vorigen Jahres vorgelegte NRL-Entwurf sieht bekanntlich vor, dass bis zum Jahr 2030 insgesamt 10 % der Agrarflächen in der Europäischen Union mit Landschaftselementen im Sinne des Naturschutzes aufgewertet werden sollen. Dies bedeutet laut der Brüsseler Behörde aber nicht zwangsläufig eine Stilllegung.
Nur ein Richtwert?
Von der Kommission wurde mehrfach betont, dass es sich hierbei zunächst um einen Richtwert handelt, um die von den Mitgliedstaaten zu erbringenden Maßnahmen zu bewerten. Als gesetzliche Zielmarke verankert werden solle der Wert nicht. Insgesamt sollen nach dem Willen der EU-Behörde bis einschließlich 2030 auf mindestens 20 % der Land- und Meeresgebiete der Union Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur durchgeführt werden.
Bauern auf der Straße
Trotz Erntezeit waren bereits am Dienstag rund 300 Landwirte aus 20 Ländern nach Straßburg gekommen, um gegen den NRL-Entwurf zu protestieren. Der Slogan lautete: „Ja zur Wiederherstellung der Natur – nein zu einem Gesetz der Naturwiederherstellung“. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), erläuterte: „Wir setzen auf Kooperation, auf gemeinsamen Naturschutz und nicht auf Verbote.“ In kooperativer Form werde man den Green Deal unterstützen. Ein Bewirtschaftungsverbot auf 10 % der Fläche aber sei nicht hinnehmbar und wirke vielerorts existenzbedrohend.
Bei den französischen Kollegen klangen die Proteste noch energischer. Weitere Unterschutzstellungen und ebenso das naturschutzrechtliche Verschlechterungsverbot werden strikt abgelehnt. Laut französischem Bauernverband (FNSEA) wird auf die Sicherheit der Ernährung keine Rücksicht genommen, und trotzdem biete der NRL-Entwurf kein wirksames Instrument zur Bekämpfung des Klimawandels. Nach Einschätzung der Französin Christiane Lambert, Präsidentin des europäischen Bauernverbandes (Copa), ist der NRL-Entwurf der Kommission undurchführbar und werde vielen Landwirten die Existenz kosten, vor allem den kleinen. Sie forderte daher die Rücknahme des Entwurfs und die komplette Neuauflage mit einer anderen Strategie.
Jetzt ist sie wieder da, die gefahrenträchtige Zeit auf den Feldwegen. Nahezu gleichzeitig beginnen Sommerferien und Erntearbeiten. Da sind zum einen Mähdrescher und voll beladene Strohwagen, zum anderen Urlauber, die mit ihren Fahrrädern dem Autoverkehr ausweichen wollen und die Feldwege nutzen.
„Noch bis Ende Oktober herrscht bei uns auf den Feldwegen rege Betriebsamkeit, danach wird es dann ruhiger“, erzählt Janina Schöttler, Landwirtin in Neversdorf, Kreis Segeberg, bei einem gemeinsamen Termin von Landesbauernverband und Vertretern der Radfahrer. Gemeinsam werben beide Verbände für ein respektvolles und achtsames Umgehen miteinander.
Dietrich Pritschau, Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, zählt einige grundsätzliche Probleme auf. Die meisten der früher „Grüne-Plan Wege“ genannten Straßen sind nur 3,5 m breit, die Traktoren und Arbeitsmaschinen können 3 m erreichen. Die Banketten sind von den bis zu 40 t schweren Fahrzeugen nicht immer befahrbar, ein Ausweichen oft nicht möglich. Zudem würden die Knicks immer weniger gestutzt, das sogenannte Lichtraumprofil wachse daher immer weiter zu. Die Traktoren hingegen würden immer größer, auch der Fahrer sitze viel höher, als früher. Vor ihm eine lange Motorhaube, vielleicht noch Anbauten an der Fronthydraulik, da wird die Übersicht über das Monstrum schon schwer. Zwar hätten viele Fahrzeuge schon Heckkameras, aber alle Seiten des Zuges technisch zu überwachen, sei kaum möglich.
Verführt zu schneller Fahrt
Pritschau, selbst Radfahrer, zeigte durchaus Verständnis für die Biker, die zunehmend die Feldwege nutzen. Die seien oft hervorragend asphaltiert, oft sogar besser als Radwege entlang von Bundes- und Landesstraßen. Dazu komme der starke Zuwachs seit der Corona-Krise vor allem von Pedelecs mit deren viel höherer Geschwindigkeit im Verhältnis zu nur muskelbetriebenen Zweirädern. Eine große Bitte hat Pritschau an die Radfahrer: „Tragt bitte einen Helm und eine gelbe Weste!“
An der Ausfahrt wird‘s eng
Dem kann sich auch Landwirtin Janina Schöttler nur anschließen. Erst vor ein paar Tagen hatte sie ihren Traktor samt Arbeitsgerät mit einer Vollbremsung zum Stillstand bringen müssen, weil vor ihr plötzlich eine dunkel gekleidete Familie auf Rädern aufgetaucht war. „Da liegen die Nerven blank“, meinte sie, und das auf beiden Seiten. Um solche Situationen zu vermeiden, hatten sich Landwirte und Radfahrer auf eine gemeinsame Aktion geeinigt, „Rücksicht macht die Wege breit“, lautet das Motto, das sie am gemeinsamen Termin per Spraydose auf dem Asphalt aufbrachten.
Arne Hansen, Abgeordneter der Grünen im Kreistag und Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt-, Natur-, und Klimaschutz, sowie Zeruja Hohmeier, Radverkehrsbeauftragte des Kreises, hatten ihre Fahrräder mitgebracht und demonstrierten, wie schnell es eng werden kann auf den Wirtschaftswegen. Während die beiden Radfahrer, Hohmeier sogar mit einem Lastenfahrrad, normal auf dem Feldweg fuhren, versuchte Landwirtin Schöttler mit ihrem Traktor und Anhänger, aus einer Feldzufahrt auszufahren. Dabei konnte sie die Zweiradfahrer erst dann sehen, als die Front des Traktors schon komplett auf der Fahrbahn war. Natürlich war die Situation gestellt, doch allen Zuschauern wurde klar, dass sich hier eine fast unvermeidliche Gefahr darstellte. „Das ist keine böse Absicht“, betonte Hansen, aber manche Radfahrer, insbesondere Rennradfahrer, gingen voll ins Risiko, seien oft wie berauscht von der hohen Geschwindigkeit, die auf den Feldwegen möglich sei.
Ein weiteres Problem machten Zeruja Hohmeier und Janina Schöttler aus, als sie zusammen im Cockpit des großen Schleppers saßen. Die Schlepperfahrer säßen heutzutage in einer vollklimatisierten Kabine mit Radio, oft auch Funkgerät, vielen Hebeln, Schaltern und Monitoren. Die Radfahrer hingegen hätten oft i-Pods oder Kopfhörer auf und dazu auch noch ein Smartphone am Lenker. Das alles lenkt ab und kann zu Konflikten führen, meinte Arne Hansen. Dabei würden Radfahrer als die schwächeren Verkehrsteilnehmer bei Kollisionen immer den Kürzeren ziehen.
Erntestress macht unachtsam
Dazu komme, dass Städter meist nicht vertraut mit dem Landleben seien. Sie kennen nicht den Druck, dem Landwirte bei der Ernte unterliegen. Da droht eine Regenfront, der Mähdrescherfahrer meldet einen vollen Korntank, das Feld muss vor Sonnenuntergang abgedroschen werden. Dennoch wünscht sich Hansen von den Schlepperfahrern, dass sie sich vom Erntestress nicht dazu verleiten lassen, andere in Gefahr zu bringen.
Oft sind diese etwa 16-Jährige, die gern gute Leistung erbringen wollen. Für sie hat Dietrich Pritschau Merksprüche, wie „Ortsfeld in Sicht, 30 ist Pflicht!“ Die rechtliche Seite, nach der Gerichte bei einem Unfall urteilen, ist klar. Zu einem Fahrrad müssen beim Überholen 2 m Seitenabstand eingehalten werden – auf den schmalen Feldwegen unmöglich. Und bei Unfällen mit Kindern oder Jugendlichen zieht vor Gericht immer der Fahrer des größeren Fahrzeuges den Kürzeren.
Um dem allen aus dem Weg zu gehen, möchten beide Seiten auf das gegenseitige Verständnis von Landwirten und Radfahrern zählen. „Wenn wir uns alle an den Paragraphen 1 der Straßenverkehrsordnung halten würden, bräuchten wir keine andere rechtliche Regelung“, seufzt Arne Hansen. Gegenseitige Vor- und Rücksichtnahme, ein wenig mehr Hineindenken in den anderen Verkehrsteilnehmer – dann würde alles laufen. So empfiehlt sich für Traktorfahrer, die hinter langsamen Radfahrern herfahren, ein kurzes Hupsignal, die Radfahrer könnten dann kurz rechts halten und den Traktor vorbeilassen. Nach einem freundlichen Gruß per Handzeichen fühlen sich dann beide besser.
Dietrich Pritschau (Bauernverband), die Landwirte Janina und Dirk Schöttler und die Vertreter der Radfahrer, Zeruja Hohmeier und Arne Hansen, werben für achtsamen Umgang miteinander auf Feldwegen.
Der Deutsche Bauerntag 2023 stand unter dem Motto: „Perspektiven schaffen – Zukunft bauen“. Das zeigt schon, dass sich einiges in Schieflage befindet. Aktuell hat sich die wirtschaftliche Lage der meisten Betriebe verbessert und ist besser als die mentale Stimmung auf den Höfen. Deshalb war das Motto der 91. Mitgliederversammlung, die am vorigen Donnerstag mit der Verabschiedung der Münsteraner Erklärung endete, gut getroffen.
Die Münsteraner Erklärung ist der Aufruf für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Sie beinhaltet Forderungen an die Politik und bietet Lösungsvorschläge aus der Landwirtschaft. Für ein Gelingen ist eine handlungsfähige Politik Voraussetzung. „Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) reicht uns den kleinen Finger, aber wir brauchen seine ganze Hand für die anstehenden Veränderungen“, brachte es Klaus-Peter Lucht, BVSH-Präsident auf den Punkt. Das Resümee der Teilnehmer aus Schleswig-Holstein fiel einstimmig aus. Zwischen Worten und Taten aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) klafft eine große Lücke.
Immerhin stellte sich Landwirtschaftsminister Özdemir der Diskussion mit den Landwirtinnen und Landwirten in Münster. Inhaltlich hatte er wenig Neues dabei. Das verpackte er in einer klugen Rede, die er mit Zitaten geschätzter CDU-Größen würzte, bis hin zur Selbstironie, indem er sagte, er wolle nicht Minister im „Soja-Würstchen-Ministerium“ sein. Özdemir verbuchte als Erfolg der aktuellen Etatdiskussionen um den Agrarhaushalt, dass die Kürzungen der Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) und für die landwirtschaftliche Sozialversicherung nun schwächer ausfallen als befürchtet. Ansonsten unterstützt er weiterhin die EU-Pläne zur Halbierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und will Totalverbote in sensiblen Gebieten vermeiden. Klingt ganz ok, aber diese Gedanken muss Özdemir zuvor noch im Bundeskabinett und gegenüber Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) durchsetzen. Er hat seinen Stolz über die Umsetzung der Haltungskennzeichnung ausgedrückt und will sie ausweiten. Gründe für Verdrossenheit und für den Ausstieg liefert er genug, das machte die Diskussion leider deutlich.
DBV-Präsident Joachim Rukwied, hatte am Tag zuvor die Bedeutung der Landwirtschaft vor der prekären weltpolitischen Sicherheitslage eingeordnet. Er machte deutlich, Versorgungssicherheit für die Bevölkerung durch heimische Landwirte gibt es nur mit verlässlichen politischen Rahmenbedingungen, das gilt für die EU-Politik genauso wie für die Bundespolitik. Auffällig war dabei, die Sachlichkeit und Souveränität des Bauernpräsidenten, der in seiner frei gehaltenen Grundsatzrede, eine Zeitenwende der Landwirtschaftspolitik forderte. Rukwied hat auf eine öffentliche Abrechnung mit der Politik verzichtet und bot Özdemir so einen Dialog auf Augenhöhe an. Die Standpunkte sind ausgetauscht, jetzt sollte die Zukunftsmaschine Landwirtschaft schnell einen Gang höher schalten.
Die Politik spielt traditionell eine wichtige Rolle beim Bauerntag. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und sein möglicher künftiger Herausforderer Hendrik Wüst (CDU), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident, sprachen in Münster. Beide hoben die Bedeutung der Landwirtschaft insbesondere für die Lebensmittelversorgung, sowie den Umwelt- und Naturschutz hervor.
Scholz sagte in seiner Videobotschaft an die Delegierten, die hiesige Landwirtschaft sei zentral für die Ernährungssicherheit. Er versicherte, die Bundesregierung werde die Branche beim gegenwärtigen Wandel unterstützen. Wesentliche Treiber sieht Scholz im Klimawandel sowie in gesellschaftlichen Erwartungen an eine nachhaltigere Agrarerzeugung. Für die Bundesregierung sei klar, dass Landwirte, egal ob konventionell oder bio, von ihrer Arbeit leben müssen: „Sie ermöglichen, dass 84 Milionen Menschen in Deutschland gut leben können.“
Der Bundeskanzler erinnerte an die durch den russischen Angriffskrieg ausgelöste weltweite Knappheit an Getreide. „Frieden und Ernährungssicherheit sind eng miteinander verknüpft.“
Den Bauerntag nahm Ministerpräsident Wüst zum Anlass, persönlich den Bäuerinnen und Bauern zu danken für ihren direkten und zupackenden Einsatz nach der Flutkatastrophe 2021. Aus dem ganzen Land seinen Landwirte als erste zur Hilfe gekommen und zur Stelle gewesen, das erfordere Dank und Respekt. Wüst bekannte sich zu einer starken heimischen Landwirtschaft. Die Politik müsse dafür durch verlässliche Rahmenbedingungen die Voraussetzungen schaffen. Der geforderte Umbau der Tierhaltung ist dem Ministerpräsidenten zufolge längst im Gange. Entscheidend sei, dass sich der Umbau für die Tierhalter rechne. Wüst stellte sich in seiner Rede demonstrativ vor die Landwirte und forderte, Probleme bei Flächenfraß, Gewässerschutz, Tierwohl und Ernährungssicherheit im Dialog mit der Politik anzugehen. Er räumte ein, dass die Lebensmittelerzeugung zu lange als selbstverständlich hingenommen wurde. Es müsse in der Politik wieder klar sein, dass die Erzeugung von Lebensmitteln Priorität hat. mbw/age
Der Deutsche Bauerntag hat am Donnerstag die Münsteraner Erklärung verabschiedet. Die Delegierten stimmten damit zu, sich den wichtigsten Herausforderungen des Klimaschutzes und dem Erhalt der Biodiversität zu stellen.
Eine vielfältige, wettbewerbs- und zukunftsfähige sowie gleichzeitig wirtschaftlich nachhaltige Landwirtschaft sei auf eine Landwirtschafts- und Ernährungspolitik angewiesen, die die richtigen Weichen stellt und die Voraussetzungen dafür schafft, dass dieses Potenzial genutzt werden kann, heißt es in der Erklärung.
Die deutschen Bauernfamilien fordern die Zukunftsaufgabe der Versorgungsicherheit mit Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen konsequent anzugehen und dies als Ziel im Grundgesetz zu verankern. Ferner fordern sie, nicht beim erreichten Ausbaustand Erneuerbarer Energien im ländlichen Raum stehenzubleiben, sondern Potenziale nachhaltiger Bioenergie und Biomassenutzung sowie Windenergie und Agri-Photovoltaik weiter zu erschließen. Klimaleistungen sollten durch Anreize entlohnt werden, indem unter anderem humusmehrende Maßnahmen im Pflanzenbau und klimaeffiziente Tierhaltung gefördert werden. In der Münsteraner Erklärung fordern die Landwirte, der Tierhaltung eine Perspektive zu geben und Umbau sowie Weiterentwicklung möglich zu machen. Anstelle nationaler Alleingänge im Ordnungsrecht müssten die Lücken in der Tierhaltungskennzeichnung geschlossen, ein klarer Tierwohlvorrang im Bau- und Immissionsschutzrecht festgeschrieben und ein tragfähiges Förder- und Finanzierungskonzept realisiert werden.
Die Erklärung fordert auch, Nutzungsänderungen von Moorstandorten nur freiwillig und in Kooperation mit den Landnutzern und -eigentümern anzugehen und die Möglichkeit der landwirtschaftlichen Nutzung zu erhalten. Eine klare Absage wird dem Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen für den Naturschutz über privilegierten Landerwerb erteilt. Weitere Themen waren der European Green Deal, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), Artenschutz, neue Züchtungstechniken sowie Handels- und Ernährungspolitik.
Auch das DBV-Präsidium legte eine Erklärung vor, in der eine kritische Prüfung der Novelle des Düngegesetzes gefordert wird. Grund sind die weitreichenden Änderungen des nationalen Düngerechts im Zusammenhang mit dem Vertragsverletzungsverfahren zur Umsetzung der Nitratrichtlinie. Dadurch entstehen erheblich höhere Kosten bei der Bewirtschaftung, und das Prinzip der bedarfsgerechten Düngung ist gefährdet. Gefordert wird Planungssicherheit und keine Verschärfungen im Jahrestakt und die Anpassung des Entwurfs an EU-rechtlichen Vorgaben. mbw/age
Der Kolonialismus gehört auch in Deutschland zu den dunklen Kapiteln der Geschichte. Sie hat Spuren hinterlassen, mit deren Aufarbeitung sich Geschichtswissenschaften, Politik und viele Museen in Deutschland bis heute beschäftigen. Eine Spur der kolonialen Aufarbeitung führt nach Rendsburg. Dort befand sich am heutigen Standort des Nordkollegs die Koloniale Frauenschule. Wer waren diese Frauen, die diese Schule besuchten? Was waren die Lehrinhalte und welche Rolle spielten die Frauen im Kontext des Kolonialismus? Einige von vielen Fragen, die Kuratorin Joana Schröder in ihrer Sonderausstellung „Von Rendsburg in die weite Welt. Die Koloniale Frauenschule“ in den Museen im Kulturzentrum Rendsburg (museen-rendsburg.de) zu beantworten versucht.
Als die Schule am 1. Mai 1927 ihren Lehrbetrieb aufnahm, hatte Deutschland gar keine Kolonien mehr. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs musste das Deutsche Reich gemäß dem Versailler Vertrag alle seine überseeischen Kolonien abgeben. Doch Jahrzehnte nach dieser Regelung war die Begeisterung für Koloniales in Deutschland immer noch groß, zudem lebten immer noch viele deutsche Familien in den ehemaligen Kolonien. Aus diesem Kolonialrevisionismus der Zwischenkriegsjahre entstand die Koloniale Frauenschule in Rendsburg, die junge Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren theoretisch und praktisch für haus- und landwirtschaftliche Berufe in den ehemaligen Kolonien ausbildete. Die Schülerinnen kamen sowohl aus ganz Deutschland als auch aus den ehemaligen Kolonien nach Rendsburg. Bis zur Auflösung der Schule 1945 besuchten rund 1.100 Frauen die Einrichtung.
Das ehemalige Hauptgebäude der Kolonialen Frauenschule in Rendsburg Foto: Museen im Kulturzentrum Rendsburg
„Die Schule war in vielerlei Hinsicht eine der bedeutendsten deutsch-kolonialen Institutionen Schleswig-Holsteins, deren Schülerinnen einerseits die traditionellen Frauenrollen der 1920er und 30er Jahre vereinten, andererseits Tätigkeiten vermittelt bekamen, die im Bezug der damals vorherrschenden Rollenbilder der Zeit als neu und ungewöhnlich angesehen werden konnten“, erklärte Museumsleiter Florian Böings bei der Ausstellungseröffnung.
So umfassten die Lehrinhalte neben Maschineschreiben, Sprachen lernen, Kochen, Handarbeit und Gemüseanbau auch das Schlachten von Tieren, Aufgaben der Milchwirtschaft, Handwerksarbeiten, Körper- und Krankenpflege, Tropenhygiene, Schießübungen und vieles mehr. Einer großen Bedeutung wurden der Pflege und Vermittlung des Deutschtums zugeschrieben. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Rassekunde, Vererbungslehre und Ostfragen Teil des Unterrichtsstoffes. Die Ausbildung dauerte ein Jahr, anschließend folgte ein Praxissemester, bevor die Absolventinnen entweder auf ihre elterlichen Betriebe in Übersee zurückkehrten oder erstmals in die ehemaligen Kolonien, verstärkt nach „Deutsch-Südwestafrika“, vermittelt wurden. Die Frauen selbst träumten davon, es von Rendsburg in die weite Welt zu schaffen. Sie sehnten sich nach Abenteuern, dem Fremden und dem Exotischen. Faszinierend seien auch die bestehenden Netzwerke der Absolventinnen über die Schließung der Schule hinaus gewesen, noch Jahrzehnte danach blieben enge Kontakte bestehen, wurde sich getroffen und ausgetauscht.
Die Ausstellung ist das Abschlussprojekt von Joana Schröder, die in den Museen im Kulturzentrum Rendsburg ein zweijähriges Volontariat absolvierte. Mit begrenzten Mitteln in der Kürze der Zeit ein so komplexes Thema in der Form aufzubereiten und dabei die Rolle der Frauen in einem männlich dominierten Themenkontext herauszuarbeiten, sei mehr als beeindruckend, lobte Böings. „Mir war wichtig, die vielen Facetten des Themas nicht allein aus meiner zentraleuropäischen Perspektive zu erzählen“, so die junge Kuratorin. Die Ausstellung soll zu einem transparenten Umgang und einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte motivieren. Mit ihr versuche ich, einen Beitrag zu aktuellen Debatten zu leisten und ein Forum für den Austausch zu bieten.“
Museumsleiter Florian Böings Fotos: Iris JaegerReges Interesse zu AusstellungsbeginnTingatinga-Malereien aus AfrikaSchreibheftStundenplanHandarbeiten gehörte ebenso mit zum Lehrplan …… wie SchießübungenPostkarten der ehemaligen Schülerinnen Am damaligen Standort der Kolonialen Frauenschule befindet sich heute die kulturelle Bildungseinrichtung Nordkolleg