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Nachfrage von privaten Haushalten im Wandel

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Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist die Fleischproduktion in Deutschland um 14 % gesunken und 2022 haben sich Fleischwaren gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich verteuert. Auf dem deutschen Fleisch- und Milchmarkt treten bereits vermehrt pflanzliche Alternativen auf und werden auch weiterhin von den Verbrauchern nachgefragt. Seit 2017 haben sich die Einkaufsmengen an Fleischersatzprodukten verdreifacht. Die Preise für die Alternativen unterliegen weniger Schwankungen als die tierischen Erzeugnisse, allerdings auf einem höheren Niveau.

Fleischmarkt unter Druck: Chancen für Ersatzprodukte?

In der Innovationsforschung für vegane Produkte laufen EU-weit verschiedenste Projekte. Darunter finden sich zum Beispiel Methoden zur Herstellung von Eiklar ohne Hühnerei, echten Milchbestandteilen oder Fleischalternativen, welche aus Pilzmyzel wachsen sollen. Seit Ende Juni 2023 darf in den USA In-vitro-Fleisch verkauft werden, allerdings noch nicht für den privaten Verbrauch. Nach Singapur sind die Vereinigten Staaten das zweite Land, welches dem Verkauf von gezüchtetem Fleisch zugestimmt hat. In der Schweiz wurde erst einmal ein Antrag auf Zulassung gestellt. Gleichzeitig kamen Studien zu dem Fazit, dass Laborfleisch klimaschädlicher als die Nutztierhaltung sei. Dass internationale Großkonzerne und nicht mehr bäuerliche Betriebe das Nahrungsangebot bestimmen könnten, muss ebenfalls kritisch betrachtet werden.

Der Inflationsdruck setzte dem Fleischabsatz in den vergangenen Monaten deutlich zu. Im Jahr 2022 ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch um 6 kg zum Vorjahr gesunken. Mit 77,5 kg liegt der Deutsche 2022 unter dem EU-Durchschnitt von 82,7 kg. Anders sieht es für Fleischersatzprodukte aus: 2022 stiegen die Einkaufsmengen um 9,6 %, während für Fleisch ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet wurde. Wichtig ist hierbei, dass das Ausgangsniveau der Märkte unterschiedlich ist. Ersatzprodukte stellen nach wie vor ein Nischenprodukt dar.

Pflanzliche Drinks weiterhin gefragt

Für 2022 war die Einkaufsmenge an Trinkmilch um 5,5 % niedriger als 2021. Gründe dafür sind die gestiegenen Preise, denn in der Summe erhöhten sich die Ausgaben pro Einheit. Konventionell erzeugter Käse kostete 2022 ganze 18,5 % mehr, worauf die Verbraucher mit einer verringerten Einkaufsmenge reagierten. Für Butter sanken die Einkaufsmengen von 2021 auf 2022 um –9,3 % mit einem gleichzeitigen Anstieg der Ausgaben pro Einheit von 35,8 %. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie sich gestiegene Preise im Verbraucherverhalten auswirken.

Gegensätzliche Entwicklungen lassen sich für den Markt der Milchersatzprodukte beobachten. 2022 stieg die Kaufmenge von pflanzlicher Milch um 4,2 % im Jahresvergleich mit einer negativen Preisentwicklung von –1,0 %. Laut Consumer Panel Services GfK begründet sich der wachsende Markt für Milchalternativen nicht nur durch eine gesteigerte Nachfrage, sondern auch durch das wachsende Angebot der Hersteller. Durch die gesteigerte Produktion lassen sich die Festkosten besser abdecken, was langfristig zu günstigeren Preisen führen müsste.

Noch werden konventionelle Pflanzendrinks teurer als Kuhmilch angeboten. Paradoxerweise kosteten Milchalternativen ökologischer Erzeugung im Vorjahr durchschnittlich 0,73 €/l weniger als konventionelle und waren somit auch günstiger als Biomilch. Die Erklärung hierfür ist, dass Handelsmarken vermehrt Bioalternativen angeboten haben.

Laut dem Danone-Kategorie-Direktor ist die Branche wachstumsstark und wettbewerbsintensiver geworden. Die gestiegenen Produktionskosten übten auf die Marktbeteiligten zusätzlichen Druck aus. Marken versuchen, die Emotionalisierung für pflanzliche Produkte hoch zu halten. Gleichzeitig gehen das Verständnis und die Nähe zur Landwirtschaft mit Tierhaltung bei vielen Verbrauchern zurück. Das Bewusstsein und das Hintergrundwissen spielen neben dem Preis eine zusätzliche Rolle für die Kaufentscheidung. Aufklärungsarbeit über die Produktion pflanzlicher und tierischer Lebensmittel sollte weiterhin im Fokus stehen.

Zukunftsbäuerinnen und Zukunftsbauern

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Die Abschlussprüfungen sind bestanden, die Abschlusspartys gefeiert und die Zimmer auf den Lehrbetrieben geräumt für die neuen Auszubildenden, die am 1. August angefangen haben. Davor fanden im ganzen Land an 15 Orten die feierlichen Freisprechungen der gut 300 Auszubildenden in der Landwirtschaft statt (Link). Dabei wurde wieder die hohe Wertschätzung für die Zukunftsbäuerinnen und Zukunftsbauern sichtbar, wenn die Ausbilder im Schapptüüch zur Zeugnisvergabe kommen, mit den Familien ihrer Auszubildenden an einem Tisch sitzen und die Vertreter von Landwirtschaftskammer, Berufsschulen, Bauernverband, der Kreise und der Kirche Gruß- und Geleitworte sprechen an diejenigen, die in Zunft die Landwirtschaft gestalten werden.


Botschafter sein ist Teil des Berufs“

Die jungen Landwirtinnen und Landwirte sind nicht nur die zukünftigen Gestalter der Landwirtschaft, sie sind auch Botschafter. Sie transportieren das Bild der Landwirtschaft in die Gesellschaft. Sie werden in der ersten Reihe stehen, wenn Lösungen gesucht werden für den Ackerbau unter veränderten Klimabedingungen, für die Weiterentwicklung der Tierhaltung und für die Umsetzung gesellschaftlicher und politischer Forderungen. Sie werden in der ersten Reihe stehen, wenn es darum geht, Landwirtschaft zu erklären, Skeptiker mitzunehmen und falsche Bilder zurechtzurücken.

Dabei werden auch leichtere Ausbildungswege angeboten. Andere Branchen und Wirtschaftsbereiche wetteifern in den Abschlussklassen der Schulen mit attraktiven Angeboten, werben selbst auf dem Ausbildungsmarkt mit der Viertagewoche, mit Fitnesscenterzugang und Leasing von E-Bikes. Auch die Landwirtschaft hat einiges zu bieten an Vielfalt  – von Landtechnik über Tierhaltung bis Digitalisierung. Aber Landwirtschaft ist kein Achtstundenjob. Auch in der Ausbildung können Überstunden anfallen, etwa in der Erntezeit, wenn das Wetter den Takt angibt. Zudem befindet sie sich in einem starken Strukturwandel. Gerade die Veredelungsbetriebe stehen vor grundlegenden Entscheidungen. Wenn zum Beispiel immer mehr Sauenhalter aufhalten, gehen mit den Betrieben auch die Ausbildungsplätze verloren.

Mechthilde Becker-Weigel Foto: bb

Die Ausbildung der jungen Landwirtinnen und Landwirte ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Alle an der Ausbildung Beteiligten sind gefragt und müssen bereit sein, ihre Kompetenzen und ihre Ressourcen wie Zeit und Wissen einzusetzen, um die Auszubildenden optimal auf ihre berufliche Zukunft und ihre Aufgaben als Ernährungs- und Umweltexperten und Botschafter vorzubereiten und bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Nur so werden aus Azubis Zukunftsbäuerinnen und Zukunftsbauern.

Kleinere Ernte von Äpfeln und Birnen erwartet

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Die diesjährige Ernte an Äpfeln und vor allem an Birnen wird in der Europäischen Union nicht das Vorjahresniveau erreichen. Dies ist die Einschätzung von Marktexperten auf dem internationalen Prognosfruit-Kongress, der vergangene Woche im italienischen Trentino stattfand.

Laut dem Generalsekretär der Weltvereinigung für Äpfel und Birnen (WAPA), Philippe Binard, dürfte sich die Apfelerzeugung 2023/24 in den 20 führenden Produzentenländern der EU auf 11,41 Mio. t belaufen und damit um rund 3 % geringer als im Vorjahr ausfallen. Gemessen am Dreijahresmittel mit zwei guten Vorjahren wäre das Pflückergebnis durchschnittlich.

Polen führt als EU-Apfelerzeuger

Die meisten Äpfel in der EU werden auch dieses Jahr in Polen von den Bäumen geholt; in dem östlichen Nachbarland wird allerdings mit einem deutlichen Ernterückgang von 11 % auf knapp 4 Mio. t gerechnet. Dort haben hohe Temperaturen in Verbindung mit einem längeren Wassermangel die Fruchtentwicklung beeinträchtigt.

Beim zweitplatzierten Italien zeichnet sich eine recht stabile Erzeugung von 2,1 Mio. t ab, während Frankreich auf dem dritten Rang mit 1,5 Mio. t rund 8 % mehr Früchte einbringen dürfte.

Für Deutschland sagt die Prognose einen spürbaren Rückgang des Apfelaufkommens gegenüber 2022/23 um 11 % auf 952.000 t voraus; das wären 8 % weniger als das Dreijahresmittel.

Angesichts der Witterungsbedingungen mit Hitze, Regen oder Hagel ist die Qualität der Äpfel den Analysten zufolge in einigen Regionen beeinträchtigt. Die Erzeuger dürften bei den klassischen Sorten ‚Golden Delicious’ und ‚Gala’ eine im Vorjahresvergleich um 12 % beziehungsweise 5 % größere Erntemenge einfahren. Bei vielen anderen traditionellen Sorten wie ‚Red Delicious’, ‚Granny Smith’, ‚Fuji’ oder ‚Jonagold’ wird es 2023 aber weniger Äpfel geben.

Missernte bei Birnen in Italien

Für Birnen prognostizieren die Fachexperten aus den EU-Ländern für 2023 meist rückläufige Produktionsmengen. In den Meldeländern insgesamt soll die Ernte mit knapp 1,75 Mio. t um 13 % unter dem Vorjahr bleiben; das wäre eines der schwächsten Ergebnisse seit Jahrzehnten. Laut Binard ist dieser Rückgang maßgeblich auf die vermutlich um 63 % rückläufige Erzeugung in Italien zurückzuführen. In Frankreich und den Niederlanden soll das Aufkommen um 29 % beziehungsweise 3,1 % sinken, in Belgien dagegen um fast ein Fünftel auf 412.000 t steigen. Demnach wäre Belgien in diesem Jahr der größte Birnenerzeuger in der EU. age

Marktanteil von Biofleisch ist preisabhängig

Die Nachfrage nach Biofleisch ist preisabhängig. Foto: Imago

Fleisch aus biologischer Erzeugung bleibt ein Nischenprodukt in Deutschland, während bei den verkauften Eiern der Anteil von Bioware weit über der Marke von 10 % liegt.

Zwar ist die Nachfrage nach Biofleisch in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, wie aus einer Veröffentlichung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) hervorgeht. Allein zwischen 2018 und 2021 hat sich demnach der Marktanteil von Biofleisch in Deutschland verdoppelt und innerhalb der vergangenen zehn Jahre sogar verdreifacht. Dies allerdings nur auf niedrigem Niveau.

Dass Verbraucherinnen und Verbraucher zu Biofleisch greifen, ist laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) aber nach wie vor die Ausnahme. 2022 stammten lediglich 3,9 % des gekauften Fleisches aus biologischer Erzeugung. Nach Jahren stetigen Wachstums bedeutete dies gegenüber 2021 einen leichten Rückgang. Das ist ein Trend, der 2022 bei fast allen Biolebensmitteln zu beobachten war. Ein wichtiger Grund dafür sind der BLE zufolge die stark gestiegenen Lebensmittelpreise. age

Goldschmidt: „Brauchen Reform der Verteilnetzentgelte so schnell wie möglich“

Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) traf vorige Woche den Präsidenten der Bundesnetzagentur (BNetzA), Klaus Müller, zu dessen Antrittsbesuch im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN). Auf der Tagesordnung standen energiepolitische Regulierungsfragen, die für Schleswig-Holstein auf seinem Weg zum ersten klimaneutralen Industrieland im Jahr 2040 von zentraler Bedeutung sind.

Auf der Diskussionsagenda stand das Thema Reform der Verteilnetzentgelte. Goldschmidt unterstrich dabei die Perspektive Schleswig-Holsteins. „Wir brauchen die Reform der Verteilnetzentgelte so schnell wie möglich, 2025 ist zu spät. Unser Bundesland ist seit Jahren Motor und Innovationstreiber auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die schleswig-holsteinische Energiewende ist ein gesellschaftliches Mitmachprojekt. Gerade im ländlichen Raum bringen sich viele Menschen ein. Die Verbraucher, aber auch die Unternehmen in diesem Land verstehen sich als Zugpferde beim Klimaschutz. Systematische Ungerechtigkeiten wie überhöhte Netzentgelte sind dafür die völlig falsche Quittung. Für das Gelingen der Energiewende brauchen wir die ganze Gesellschaft an Bord. Ich bin mir sicher, dass die Reformfreude der BNetzA auch hier zu einem guten Ergebnis führen wird“, so Goldschmidt.

Klaus Müller sagte dazu: „Überall, wo Erneuerbare stark ausgebaut werden, steigen die Netzentgelte. Zum Teil von aktuell relativ niedrigem Niveau, zum Teil von höherem Niveau. Von einer anderen Verteilung der Kosten würden alle profitieren, die Erneuerbare Energien ausbauen. Für andere Teile Deutschlands hieße das aber höhere Netzentgelte. Wir hören all diesen Argumenten im Moment sehr aufmerksam zu und sind uns unserer großen Verantwortung bei diesem Thema sehr bewusst.“

Goldschmidt begrüßte das Bekenntnis der Bundesregierung, dass die Ansiedlung von Elektrolyseuren vor allem in den Ökostromregionen Norddeutschlands stattfinden solle. Dafür habe man sich in Schleswig-Holstein lange eingesetzt, jetzt müsse der richtige regulatorische Rahmen folgen.

Neue Ideen im alten Bauernhaus

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Der Resthof im Herzen Schleswig-Holsteins stand im Internet nur einen Tag zum Verkauf, so überwältigend war das Interesse. Freya George und David de Temple erwischten mit Glück den letzten freien Besichtigungs­termin und verliebten sich sofort in das idyllische Anwesen. Heute sind sie Besitzer von FreyDaLand. In einem 800-Seelendorf im Kreis Schleswig-Flensburg erfüllten sie sich den Traum vom authentischen und nachhaltigen Leben
in einer Hofgemeinschaft auf dem Lande.

„Möchtest du Zucchinisuppe oder Zucchinikuchen?“, fragt Freya George, während sie die Bauernblatt-Reporterin in die Wohnküche führt. Hier sitzen gerade einige Bewohner zusammen. Einer von ihnen hat für die Gemeinschaft gekocht und gebacken. „Momentan haben wir so viele Zucchini in unserem Gemüsegarten. Wir kommen kaum hinterher, sie zu verarbeiten“, verrät sie schmunzelnd und streicht über ein besonders schönes Exemplar, das frisch geerntet auf dem Tisch liegt.

Hofgemeinschaft, FreyDaLand, Freya George und David de Temple
Fotos: Silke Bromm-Krieger

Seit August vorigen Jahres leben Freya George und David de Temple unweit des Landschaftsschutzgebietes Eider-Treene-Sorge-Niederung in einem Bauernhaus aus dem Jahr 1870. „FreyDaLand“ haben sie ihr 400-m²-Anwesen mit knapp 7.000 m² Garten genannt. Auf dem Gelände gibt es ein Haupt- und ein Nebenhaus, einen Stall, eine Werkstatt, zwei Gartenschuppen und ein Gewächshaus. Ebenfalls steht das historische Backhaus des Dorfes auf dem Grundstück. Es wurde zum schmucken Feriendomizil umgebaut. Der Name FreyDaLand setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der jungen Besitzer zusammen, steht symbolisch aber für mehr. „Wir wollen, dass sich hier alle Menschen wohl und frei fühlen“, unterstreicht David de Temple.

Früher wohnten er und seine Partnerin in Flensburg in einer Zweieinhalbzimmerwohnung ohne Balkon. „In der Corona-Zeit fiel uns die Decke auf den Kopf. Schon lange wollten wir raus aus der Stadt, weg vom Lärm und der Hektik, zurück in die Natur. Wir wollten bewusst nachhaltiger leben, unser Obst und Gemüse selbst anbauen und achtsamer mit der Umwelt und ihren Ressourcen umgehen“, erzählt der Student der Angewandten Informatik und gelernte Büchsenmacher. „Uns war klar, dass wir das nicht nur zu zweit wollten, sondern mit Gleichgesinnten. Wir glauben, dass man als Gemeinschaft mehr Wissen hat und resilienter ist als allein. Der schönste Weg ist der gemeinsame“, bringt es Freya George auf den Punkt, die in einem Unternehmen für Erneuerbare Energien in der Kommunikation tätig ist.

Das frühere Dorfbackhaus wird heute als Ferienhaus vermietet. Im Inneren blieb der alte Backofen funktionstüchtig erhalten.

Sechs Monate schaute das Paar nach einem geeigneten Objekt, bis es FreyDaLand entdeckte. Dabei ging es mit dem Kauf des Anwesens ins finanzielle Risiko. „Wir finanzieren es über einen Bankkredit, und es fühlt sich für uns richtig an.“ Nach dem Erwerb habe ihre lange Reise begonnen, wie sie sagen. Denn der Gebäudekomplex sieht von außen zwar wie ein wunderschönes, perfektes Kleinod aus, innen hingegen ist er nur zu einem Drittel fertig. Etliche Ausbaureserven stehen noch bereit. Auch im Garten steckt Entwicklungspotenzial, das auf die Erweckung aus dem Dornröschenschlaf wartet. „Wir sind dabei, diverse Projekte in die Tat umzusetzen. Hof und Garten brauchen noch viel Liebe.“

Die beiden 30-Jährigen bewohnen zwei von mehreren Räumen im Obergeschoss des Haupthauses. Im Erdgeschoss gibt es ein Gemeinschaftswohnzimmer mit Kaminofen, eine Wohndiele, Bad, Küche, Hauswirtschafts- und Technikraum sowie Gästezimmer. Über Social-Media-Kanäle und Kleinanzeigen fanden sie Mitbewohner, die sich der Hofgemeinschaft, teilweise auf Zeit oder längerfristig, anschlossen. Momentan wohnen in der WG neben Freya und David die Fahrradmechanikerin Svenja, Sozialpädagogin Ronja, Büroangestellte Jeanette und Vera, die eine Ausbildung zur Käserin macht. Milchbauer Thies und seine Frau Lynn errichten zurzeit auf ihrem Familienbetrieb in direkter Nachbarschaft ein eigenes Wohnhaus. Bis es fertig ist, haben auch sie einen Platz in der bunten Hofgemeinschaft gefunden, die zukünftig gern weiterwachsen will. „Wir sind alle in verschiedenen Lebensabschnitten, haben unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen und Essgewohnheiten. Da kann das Zusammenleben manchmal herausfordernd und anstrengend sein. Wichtig ist, offen miteinander zu reden, Dinge, die stören, zeitnah anzusprechen und andere Ansichten auch einmal wertfrei stehen zu lassen“, stellt Freya George heraus. Sie merkt positiv an, dass sie durch das Miteinander Wertvolles lerne und sich stetig in ihrer Persönlichkeit weiterentwickle. David de Temple nickt zustimmend. Leben und leben lassen, lautet sein Motto.

Freya George freut sich auf eine reiche Apfelernte von der hauseigenen Streuobstwiese.

Die Gemeinschaft hat sich verbindliche Regeln und Strukturen für ein harmonisches und konstruktives Zusammenleben gegeben. Einmal wöchentlich trifft sie sich bei einem Essen zum Hofgemeinschaftsmeeting, um über Hofbelange zu diskutieren und zu entscheiden, was arbeitsmäßig ansteht. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten werden dann gleichmäßig verteilt. Jede und jeder bringt sich pro Monat mit 20 Arbeitsstunden in Hof und Garten ein. Regelmäßig nehmen zudem Freiwillige, die WWoofers, am Hofleben teil. Die Abkürzung steht für das Projekt „Worldwide Opportunities on Organic Farms“, das freiwillige Helfer auf ökologische Höfe vermittelt. FreyDaLand beteiligt sich ebenso mit zwei Stellplätzen am „Landvergnügen“. Reisende, die eine entsprechende Mitgliedskarte und Jahresvignette haben, können deutschlandweit bei über 1.400 Gastgebern das Landleben hautnah erkunden und hier mit dem Reisemobil, Campingbus oder Wohnwagen für jeweils 24 Stunden Station machen.

Da der heutige Dauerregen langsam nachlässt, geht es jetzt in Gummistiefeln hinaus auf einen Gartenrundgang. Lebhaft, voller Tatkraft und Begeisterung berichten Freya George und David de Temple, was an Plänen demnächst ansteht und was sie in den vergangenen Monaten schon gewuppt haben. So adoptierten sie eine Gruppe Hühner. Eine Lagerfeuerstelle entstand und Svenja baute eine Schaukelbank, von der man einen herrlichen Blick über angrenzende Wiesen und Felder genießt.

Glückliches Huhn: Das erste Federvieh zog schon bei Freya und David auf dem Hof ein.

Die Streuobstwiese verspricht bald eine reiche Ernte und 13 Reihen mit liebevoll gehegten Gemüsepflanzen sorgen für manch gesunde Mahlzeit. Von einem Himbeerstrauch pflückt David de Temple spontan eine Handvoll Früchte und bietet sie zum Naschen an. Lecker! Von der Kräuterspirale zupft er einige Blätter und zerreibt sie zwischen den Fingern. Wie fein das duftet! Thymian, Rosmarin, Liebstöckel, Borretsch und Co. wachsen und gedeihen prächtig. „Wir hätten nie gedacht, dass wir einen grünen Daumen haben. Aber den brauchen wir eigentlich auch gar nicht, denn die Natur macht das schon“, meint Freya George. Die ersten Frühkartoffeln hätten sie ebenfalls probiert. Bald seien die Kürbisse erntereif. „Selbstversorger sind wir zu etwa fünf bis zehn Prozent, im Sommer mehr, im Winter weniger, aber wir stehen ja erst am Anfang. Von unseren 250 Kilo Äpfeln aus dem vorigen Jahr konnten wir jedenfalls fast ein Jahr lang essen und Saft trinken.“

Abschließend bleibt die Frage, wie die Nachbarn auf ihre neuen Mitbürger mit neuen Ideen im alten Bauernhaus reagieren. „Sie waren gespannt, was auf dem Hof passieren würde. Deshalb luden wir sie gleich zu einem Nachbarschaftsfest ein, und alle kamen“, freut sich David de Temple. „Wir möchten das, was wir tun, transparent machen, mit unserem Handeln in das Dorf hineinwirken und es mitgestalten“, ergänzt seine Partnerin. Sie kandidierte bei der jüngsten Kommunalwahl für den Gemeinderat und wurde prompt gewählt. Außerdem trat sie dem örtlichen Naturschutzverein bei.

Das Hoffest im Juli mit der Eröffnung eines Hoflädchens lockte rund 250 Nachbarn und Gäste. Ein toller Erfolg für die sympathische, engagierte Hofgemeinschaft, die gleichfalls unter „FreyDaLand“ auf YouTube, Facebook, Instagram und TikTok aktiv ist. „Wir haben im ersten Jahr schon viel geschafft und freuen uns sehr darauf, in Zukunft unseren gemeinsamen Weg in Richtung Selbstversorgung und Nachhaltigkeit weiterzugehen.“

Heimatstuben in Schleswig-Holstein virtuell erlebbar

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Schleswig-Holstein ist nach Ende des Zweiten Weltkrieges für viele Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zur neuen Heimat geworden. Ihr kulturelles Erbe haben sie in Heimatsammlungen oder Heimatstuben bewahrt. Mit dem Projekt „Digitalisierung der Heimatstuben in Schleswig-Holstein“ ist dieses Erbe jetzt auch virtuell zugänglich.

Das Kulturministerium und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund haben die neue Homepage vorgestellt, über die 16 digitalisierte Heimatstuben virtuell erlebbar sind (heimatbund.de/kultur- geschichte/heimatstuben.html). Darüber hinaus berichten Zeitzeuginnen und -zeugen in eingebundenen biografischen und thematischen Interviews über ihre Erinnerungen und Erfahrungen. Für die Umsetzung des Projektes hat das Land Fördermittel in Höhe von rund 52.000 € zur Verfügung gestellt. „Es ist unsere Verpflichtung gegenüber den Vertriebenen, diese Sammlungen für sie und für künftige Generationen zu erhalten. Sie sind ein wertvolles kulturelles Erbe und Teil der Erinnerungskultur“, sagte Kulturstaatssekretär Guido Wendt in Büdelsdorf. Seit den 1950er Jahren erhalten und präsentieren die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ihr kulturelles Erbe in zumeist ehrenamtlich betriebenen Heimatsammlungen, Heimatstuben und Heimatmuseen. Doch insbesondere der Generationenwandel stellt sie vor neue Herausforderungen. Einige Sammlungen sind gut integriert in Museen. Andere sind gefährdet und drohen verloren zu gehen. „Die Heimatstuben sind ein Stück Heimatgeschichte in Schleswig-Holstein. Die vergangenen drei Jahre haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, diese in den digitalen Raum zu überführen. Erstens hatten wir noch die Möglichkeit, Zeitzeugen zu interviewen, die mittlerweile ein stolzes Alter erreicht haben. Zweitens können wir auf die Sammlungen aufmerksam machen, und das zu einer Zeit, in der die Nachfolge der Vorstandsarbeit der Heimatstuben häufig ungeklärt ist. Drittens kommt die Botschaft der Zeitzeugen in einer für uns selbst unsicheren Zeit: Krieg und daraus resultierende Flucht und Vertreibung bringen menschliches Leid und große Not mit sich“, sagte der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, Peter Stoltenberg.

Der wissenschaftliche Projektleiter Markus Hartmann, der das Projekt und die Webseite vorstellte, sagte: „Das kulturelle Erbe von Flucht und Vertreibung ist gegenwärtig weitgehend unbekannt und unsichtbar. Die virtuellen Heimat­stuben können dazu beitragen, diesen Geschichten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“ Eine virtuelle Heimatstube existiere unabhängig von ihrem analogen Vorbild und könne dieses nicht ersetzen. „Aber wir können sie im virtuellen Raum leichter zugänglich machen, mehr Menschen erreichen und sie vielfältig nutzen.“

2021 hat sich die Abteilung für Regionalgeschichte des Historischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter Leitung von Prof. Dr. Oliver Auge diesem Projekt angeschlossen. Historiker und Informatiker der Universität haben aus einer Vielzahl von 360°-Fotografien 3-D-Modelle der Ausstellungen erstellt, die virtuell besichtigt werden können. Die Modelle enthalten erklärende Texte, Bilder und Verknüpfungen. Darüber hinaus sind biografische und thematische Interviews mit Zeitzeuginnen und -zeugen in den virtuellen Raum eingefügt. 

Festivalatmosphäre – auch auf dem Bauernhof

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Das Festival Wacken Open Air (WAO) war für 85.000 Besucher geplant, aber am Ende kamen nur rund 61.000 auf den Platz. Wegen der extremen Nässe zog der Veranstalter die Reißleine und ließ keine weiteren Fahrzeuge mehr auf den Camp-Ground. Viele drehten auf der Anreise wieder um, ein großer Teil wurde auf dem ehemaligen Flugplatz „Hungriger Wolf“ bei Itzehoe untergebracht und einige fanden Unterschlupf auf Parkplätzen, in Hausgärten – oder bei Landwirten in der Umgebung.

Sara Reese (31) aus Hackeboe in der Gemeinde Nortorf wollte helfen und bot ihre Hausweide als Ausweichquartier an. Sie beschrieb eine Tafel mit „WOA-Camping, Ausweichunterkunft“ und stellte sie an die Straße. Ein Foto davon postete sie auf Facebook, und die Resonanz erfolgte prompt. Auf der Weide hinter dem Haus sind inzwischen acht Camps aufgebaut, und es entwickelte sich eine Festivalatmosphäre.

Sara und Niklas Reese mit ihren Kindern Hannes, Ida und Greta nahmen WOA-Camper auf ihrem Hof auf. Fotos (2): Herbert Frauen

Auf dem ehemaligen Bauernhof bei Wilster betreibt Niklas Reese (32) ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen mit Reparaturwerkstatt für Landtechnik. Auch er hat Platz zur Verfügung gestellt und berichtet: „Eine Familie aus Österreich war nur eine Nacht hier und hat dann die Lust verloren.“

Stefan, Dirk und Maik aus dem Südharz in Thüringen haben während der Anreise von der Schließung der Plätze erfahren. „Auf der Suche nach einem Ausweichquartier haben wir diese Möglichkeit entdeckt und haben uns gleich angemeldet“, erzählt Stefan. Am Mittwoch sind die drei dann durch Wacken gelaufen und haben entschieden, ihre Karten nicht gegen ein Festivalbändchen einzulösen und sich die 300 € erstatten zu lassen. „Uns ist die Lust vergangen, und das Risiko für weitere Einschränkungen war uns zu groß“, erklärt Maik. Im nächsten Jahr wollen sie trotzdem wiederkommen, denn „es macht einfach Spaß, mit so vielen verrückten Menschen zu feiern“.

Aus dem Emsland sind Frank, Ludger, Karsten und Daniel angereist. Sie haben gleich entschieden, den Platz bei Familie Reese zu nutzen. Ludger: „Auf dem Flugplatz ‚Hungriger Wolf’ gab es keinen Strom, und die Fahrt der 10.000 Menschen mit dem Shuttle-Bus von dort nach Wacken war uns zu unsicher.“ Von dem Platz bei Reese fahren sie mit dem Taxi nach Wacken. Frank: „Das hat super geklappt. Und auch hier auf dem Platz haben wir mit den anderen zusammengesessen und viel Spaß gehabt.“

Diana, Monika, Andy und Dirk aus Kassel sind schon zwei Wochen mit dem Wohnmobil unterwegs. „Hier wurden wir superlieb aufgenommen.“ Mit der Organisation des Festivals sind sie aber nicht ganz zufrieden: „Die Kommunikation hätte besser laufen können, und man hätte die Wege im Vorfeld befestigen sollen, denn das Regenwetter zeichnete sich früh ab“, meint Dirk.

Landwirt Heino Thomas (r.) mit den Töchtern Melina und Leonie (auf dem Schoß) und den Besuchern Ulf (v. li.), Lars und Jan-Philipp beim Morgenplausch

Bei Milchbauer Heino Thomas (36) in Vaale sind zwei Gruppen mit Wohnwagen und Zelten untergekommen. Der Landwirt: „Ich liebe das Miteinander. Hier kann ich unkompliziert helfen, selbst etwas mitfeiern und die Wacken-Atmosphäre schnuppern.“ Eine Gruppe campiert hinter seinem Kuhstall und umfasst zwölf Personen aus Hessen, Bremen und Bremervörde: Zu Familie Hartmann mit Ben, Vater Uwe, Bruder Stephan und Tochter Lea gesellen sich noch Freunde, die sich voriges Jahr auf dem Festival kennengelernt haben. „Es war schon klar, dass wir nicht mehr auf den Platz in Wacken kommen. Aber wir sind trotzdem angereist, denn wir haben dafür unseren Urlaub genommen“, erzählt Ben. Der Hof von Heino Thomas liegt so nah am Festivalgelände, dass sie zu Fuß in Gummistiefeln dorthin gehen können. Für den Aufenthalt auf dem Hof hat Thomas eine Playlist mit Musik zusammengestellt, sodass auch hier in familiärer Atmosphäre gefeiert werden kann.

Land unter beim WOA 2023 – die Fans, die es auf das Gelände schafften, ließen sich den Spaß nicht verderben.  Foto: Bartosz Rittmann

Keine Kontrolle grüner Kennzeichen durch den Zoll

Tonio Keller

In den Sozialen Medien kursierten diese Woche Aussagen, der Zoll habe beim Festival Wacken Open Air Trecker kontrolliert, die Fahrzeuge aus dem Schlamm schleppten, und Zugfahrzeugen mit grünen Kfz-Kennzeichen mit Stilllegung gedroht. Dies dementiert das Hauptzollamt Itzehoe auf seinem offiziellen Twitter-Account: „Die Behauptung, dass der Zoll in Wacken Traktoren bezüglich ihrer grünen Kennzeichen kontrolliert hätte, ist nicht korrekt. Der Zoll hat Anreisende kontrolliert und, mit Fokus auf das Sicherheitsgewerbe, Prüfungen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz durchgeführt.“ Fahrzeuge mit grünen Kennzeichen dürfen nur betrieblich genutzt werden. 

In der „Schaltzentrale“ der Europäischen Union

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Landwirtin Laura Stolley, Agrarausschusssprecherin des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein, hatte die Gelegenheit, auf Einladung des Ministeriums für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein an einer sechstägigen Bildungsreise nach Bonn und Brüssel teilzunehmen. Hier Lauras Bericht über den Arbeitsalltag in Brüssel samt Happy Hour auf der Place du Luxembourg:

Zunächst startete die Reise mit einem Kennenlernen aller Teil-nehmer und den Grundlagen der Europäischen Union (EU) in der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn. Aus jedem Bundesland durften zwei junge Menschen an dieser Reise teilnehmen. Nach dem ersten Kennenlernen wurde klar, dass wir alle aus sehr vielen verschiedenen Branchen stammten. Zum einen waren einige Teilnehmer mit Hintergrundwissen über die Textilbranche anwesend, da das große übergeordnete Thema dieser Woche der Umgang mit Textilabfällen war. Zum anderen insgesamt drei Landjugendmitglieder, die alle aus dem Agrarbereich stammten, als auch Schüler oder Studenten aus den verschiedensten Bereichen.

Jeder hat am ersten Tag in Bonn ein Mitgliedsland der EU zugelost bekommen und sollte sich zu Ge-setzen und Themen, die im Laufe der Woche besprochen wurden, in die Lage dieses Landes versetzen, um abzuschätzen, welche Auswirkungen die Gesetze für das jeweilige Land hätten. Mein Land war Estland.

Nach dieser Vorbereitung ging es nach Belgien in die europäische Hauptstadt Brüssel. Dort besichtigten wir zunächst das Besucherzentrum der Europäischen Kommission und hatten ein Treffen mit einem der Pressesprecher der Kommission, der uns einen Einblick in seinen Arbeitsalltag gab. Im Anschluss durften wir am Mittagspressebriefing teilnehmen, dieses findet jeden Tag von 12 bis 13 Uhr statt. Die Briefings werden in Echtzeit in mehrere Sprachen übersetzt, die Übersetzer sitzen hierfür in einem Rund über dem Saal in schalldichten Kabinen.

Eine Portion belgische Pommes durfte selbstverständlich auf dieser Reise nicht fehlen. Diese gab es bei der Fritterie Maison Antonie, wo sogar Dr. Angela Merkel schon nach einer langen Sitzung gegessen hat. Die Fritten wurden mit einer typischen Belgischen Soße, die etwas scharf war, serviert.

Jedes deutsche Bundesland hat in Brüssel eine Landesvertretung, in der Mitarbeiter beschäftigt sind, um direkt am Geschehen der EU zu sein und mit den Abgeordneten vor Ort ins Gespräch zu kommen. An einem Nachmittag waren wir bei der Landesvertretung Hessen zu Gast, hierbei wurde klar, warum es so wichtig ist, eine Landesvertretung in Brüssel zu haben.

Des Weiteren hatten wir einen Austausch mit einem sehr jungen EU-Abgeordneten. Malte Gallée (Grüne) kommt aus Oberfanken und zog 2022 als Nachrücker für Sven Giegold ins Europäische Parlament ein. Als Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie stellvertretendes Mitglied im Entwicklungsausschuss und dem Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz beschäftigt er sich unter anderem mit Themen wie dem verantwortungsvollen Abbau von primären Ressourcen wie Mineralien, effizienten Recyclingstrategien und Kreislaufwirtschaft.

Der Donnerstagabend ist ein besonderer Abend in Brüssel, denn dann treffen sich viele Abgeordnete und Mitarbeiter der EU auf der Place du Luxembourg, um das bevorstehende Wochenende einzuläuten. Es gibt eine Happy Hour für diverse Getränke und es herrschte eine ausgelassene Stimmung, an der wir als Gruppe teil-haben durften.

Nach dem gemeinsamen Abendessen kam die abendliche Freizeitgestaltung natürlich nicht zu kurz. Dadurch, dass unsere beiden Begleitungen selbst in Brüssel leben, hatten diese sehr gute Tipps für uns. Diese wurden getestet und für gut befunden. Besonders beeindruckend war die Beleuchtung an der Grand Place oder dem Grote Markt bei Nacht – sollte man einfach mal gesehen haben!

Abschließend lässt sich festhalten, dass ich jedem Landjugendlichen aus Schleswig-Holstein eine solche Bildungsreise nach Brüssel und Bonn zu den EU-Institutionen nur wärmstens empfehlen kann. Wie viele Menschen, Meinungen und Sitzungen hinter einer finalen Entscheidung stecken, kann man sich kaum vorstellen, ohne einmal live vor Ort mit Menschen gesprochen zu haben, die sich mit der Materie auskennen. Ich freue mich sehr, dass ich durch die Landjugend eine solche Chance bekommen habe.

Hofflohmarkt in der Maschinenhalle

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Die Jungen LandFrauen (JLF) des Kreisverbandes Ostholstein haben seit ihrer Gründung im April einiges auf die Beine gestellt. Kürzlich luden sie zum Hofflohmarkt mit vielen tollen Ideen ein. Aufgrund des durchwachsenen Wetters wurde dafür die Maschinenhalle in Bergfeld auf dem Hof Friedrichsen gesäubert und vorbereitet. Neben der Verpflegung mit Brötchen, Kuchen und Kaffee wurden an 25 Ständen Lieblingsstücke zum Verkauf angeboten. Neben normalen Flohmarktartikeln lockten auch schöne Trockenblumenkränze, Tonwaren, Stoffartikel und Basteleien. Ein Pferdeanhänger wurde pfiffig zu zwei Umkleidekabinen umgerüstet. Der Markt war sehr gut besucht und die Resonanz bei Verkäufern und Käufern gleichermaßen positiv. 

Mittelalterliche Häuser am Danewerk entdeckt

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Archäologen haben erstmals mittelalterliche Häuser mit direktem Bezug zum Danewerk gefunden. Unweit der Wallanlage, die seit 2018 gemeinsam mit Haithabu Unesco-Welterbe ist, hat ein Team des Archäologische Landesamtes Schleswig-Hostein (ALSH) die Reste von zwei Gebäuden aus dem Mittelalter freigelegt.

„Sowohl die Bauart der Häuser als auch Keramikfunde bestätigen, dass diese Gebäude im 12./13. Jahrhundert errichtet wurden. Sie stammen damit aus der Epoche des Hochmittelalters, in der am Danewerk die gigantische Backsteinmauer des dänischen Königs Waldemar I. errichtet und von seinen Nachfolgern genutzt wurde. 

Obwohl das Danewerk seit fast 200 Jahren archäologisch erforscht wird, ist es vorher noch nie gelungen, Gebäude zu finden, die mit dem Danewerk in direktem Zusammenhang stehen. Die nun gefundenen dürften mit dem wichigen Kreuzungspunkt von Danewerk und Ochsenweg und damit auch der legendären Toröffnung in der Anlage in Verbindung stehen. Deshalb freuen wir uns natürlich enorm über diesen Fund“, erklärt die verantwortliche Archäologin Astrid Tummuscheit vom ALSH.

Letzte Raststätte vor Dänemark

Die beiden zirka 19 und 16 m langen Häuser waren nach Angaben der Danewerk-Expertin mit den Giebeln zum Ochsenweg ausgerichtet und standen zirka 150 m vor der Toröfnung im Danewerk. „Deshalb vermuten wir, dass sie Teil der Verkehrsinfrastruktur von Ochsenweg und Danewerk sind. Ob es sich nun zum Beispiel um eine Art letzte Raststätte vor der Grenze oder eine Zollstelle handelt, werden wir aber womöglich nie abschließend klären. Es sind nur Pfostengruben von den Gebäuden erhalten. Es wäre schon ein enormer Glücksfall, wenn wir jetzt auch noch in den Gruben Funde machen, die solche Rückschlüsse zulassen“, so Tummuscheit.

Die rot markierten Pfostengruben lassen den Umriss eines Hauses erkennen. 

Der Leiter des Danevirke Museums, Lars Erik Bethge, zeigt sich ebenfalls von dem Fund begeistert. „Bei den Ausgrabungen seit dem 19. Jahrhundert sind bis auf Baugeräte bislang kaum Spuren von Menschen unmittelbar am Danewerk gefunden worden. Das nun gleich ganze zwei Häuser gefunden werden und auch noch mit direktem Bezug zum Tor, ist fantastisch. Jetzt sehen wir endlich unsere Vermutung bestätigt, dass an diesem Ort nicht nur der Durchgang bewacht wurde, sondern ein reges Grenztreiben geherrscht haben muss. Dieser Ort war schließlich über viele Jahrhunderte der Übergang zwischen dem europäischen Kontinent und Skandinavien und zur Zeit der Häuser im Hochmittelalter auch Teil der transeuropäischen Handelsroute über die Nordsee in das sehr bedeutende Zentrum Schleswig.“ 

Bis Mitte August wird das Team des ALSH nun die Gruben aus dem Mittelalter ausheben und untersuchen. Die archäologische Untersuchung wird vom Welterbebüro des ALSH, dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Gemeinde Dannewerk finanziert. 

Der Fund legt nahe, dass an diesem Ort nicht nur der Durchgang bewacht wurde, sondern ein reges Grenztreiben geherrscht haben muss.

Vorbereitung künftiger Baumaßnahmen

Mit der Ausgrabung werden künftige Baumaßnahmen auf dem Gelände vorbereitet. Kreis und Gemeinde planen auf Teilflächen eine Erweiterung des öffentlichen Parkplatzes für den Archäologischen Park sowie eine Adventuregolf­anlage eines privaten Betreibers.