Ein bunter Festumzug, fünf regionale Musik- und eine Tanzgruppe, eine prallvolle Kirche und fast zwei Stunden geistlicher und weltlicher Input: Das Landeserntedankfest in Eckernförde bot sowohl viel Spaß als auch Stoff zum Nachdenken. Unter dem Thema „Butter bei die Fische“ nahmen die Vortragenden Bezug auf die Situation von Landwirtschaft und Fischerei.
„Se schnackt un schnackt un passeern doot nix!“ Lorenz Marquardt, Vorsitzender des Fischereiverbandes Schleswig-Holstein, der eigentlich anhub, für eine gute Zukunft seiner Zunft zu beten, konnte sich nicht eines Seitenhiebes auf die Politik angesichts der prekären Lage der Küsten- und Binnenfischerei enthalten, und das auf Platt.
Marckwardt war zu einer Stellungnahme im Gottesdienst ebenso gebeten worden wie die Landjugend, für die Cindy Winter und Momme Dau vom Vorstand des Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde Probleme der Landwirtschaft benannten – etwa fehlende Planungssicherheit und überbordende Bürokratie – , dabei aber auch nach vorne schauten, indem sie betonten, dass die Landjugend Projekte anstoße und auch schwere Herausforderungen bewältige. Ein kleines solcher Projekte in guter Tradition: Der Kreislandjugendverband hatte die Erntekrone gebunden, die nun im Altarraum von St. Nicolai schwebt.
Die dritte Stellungnahme sprach Sven Lassen vom Umweltteam der Gastgeberkirche, und auch er hatte konkrete Anliegen an Politik und Verwaltung, etwa die Freigabe von Südkirchendächern für PV-Anlagen zur Stromversorgung der Gotteshäuser.
Solch bodenständige Bitten wurden begrüßt im Festgottesdienst, wie Bischof Gothart Magaard in seiner Predigt betonte – seiner letzten als Bischof beim Landeserntedankfest vor seinem Ruhestand. Bitten und auch mal fordern ist okay, doch der Bischof lenkte das Augenmerk sodann auf die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Menschen. Dazu nahm er Bezug auf die zuvor gehörte Brotvermehrung aus dem Evangelium (Markus 6, 40 ff): Am Anfang steht ein Mangel, die Menschen haben Hunger. Doch Jesus schaut nicht auf den Mangel, sondern auf das, was da ist. Er fragt die Jünger „Was haben wir?“ – „Nur fünf Brote und zwei Fische.“ Er beginnt, sie zu teilen, sie werden wieder und wieder geteilt. Überraschend werden am Ende alle satt, und es bleibt noch viel übrig.
Im Evangelium wird es als Wunder dargestellt, für Magaard besteht das Wunder darin, dass die Menschen miteinander teilen. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“, zitierte er Mahatma Gandhi. „Wir haben viel, manchmal zu viel, aber auch in unserem Land gibt es Menschen, die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen.“ „Butter bei die Fische“ bedeutet für ihn: Komm auf den Punkt, rede nicht nur, tu was! Warte nicht, bis andere handeln – auch angesichts des Klimawandels.
Bei den Fürbitten lagen Jessica Bruhns, Vorsitzende des Landjugendverbands Schleswig-Holstein, die Sorgen und Nöte der Landwirte am Herzen.Um die Gnade der Demut und der Dankbarkeit, um das Wissen um unsere Grenzen und die Ehrfurcht vor dem Leben bat Hilde Schlotfeldt vom Vorstand des LandFrauenvereins Eckernförde in ihren Fürbitten.
Der eher weltliche Teil hatte nach dem Gottesdienst Raum auf der Bühne vor der Kirche. Unter bis dahin nur ganz feinem Nieselregen wehte dort ein frischer Wind in jeder Hinsicht. Staatssekretärin Anne Benett-Sturies sprach in Vertretung für den erkrankten Minister für Landwirtschaft und ländliche Räume, Werner Schwarz (CDU). Auch sie griff das Motto „Butter bei die Fische“ auf und appellierte an die politische Verantwortung, „dass die Fischer nicht ihre Existenzen verlieren“. Butter stehe als köstliches Nahrungsmittel als Symbol für die Landwirtschaft. „Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, dass Ernährungssicherheit nicht selbstverständlich ist.“ Moorgeprägte Niederungen stünden vor erheblichen Veränderungen, dabei könne es nicht Ziel sein, die Nutzung dort aufzugeben. Benett-Sturies freute sich, dass die Nordkirche nun Mitglied im Dialogprozess Zukunft der Landwirtschaft ist.
Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht blickte im Gespräch mit dem Moderator, Pastor Wilko Teifke, frohgemut in die Zukunft. Auf dessen Frage, was ihm Hoffnung mache, sagte er unter Applaus, „weil wir Bauern hochmotiviert sind und gute Laune haben!“. Mit Wetter umzugehen, auch mit den Unwägbarkeiten des Klimawandels, sei Aufgabe des Landwirts. Die Landwirtschaft habe die Klimaziele erfüllt und werde sie weiter erfüllen. „Wir werden unseren Teil dazu beitragen und können das auch!“ Es würden Flächen für Biodiversität bereitgestellt, aber „wir sind Unternehmer und müssen für unsere Leistungen auch Einkünfte erzielen“. Die Politik müsse dafür „Beinfreiheit“ geben.
„Wir dürfen nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen“, sagte Klaus Stark, Bürgervorsteher der Stadt Eckernförde. Dazu müsse auch der Tourismus, ein wichtiger Faktor in Eckernförde, weiterentwickelt werden: die Altstadt bewahren, den Strand schonen. Den Satz „Das darf gerne heil bleiben“ nehme er aus seiner Zeit als Erzieher im Kindergarten mit.
Claudia Jürgensen kam als Vorsitzende des LandFrauenverbands auf die Bühne. Gefragt, was den ländlichen Raum lebenswert mache, sagte sie: „Dass die Menschen gern ehrenamtlich engagiert sind, dass eine Willkommenskultur besteht, eine Gemeinschaft, in der jeder mitgenommen wird und man sich umeinander kümmert“, und schloss so den Kreis zu den Botschaften des Gottesdienstes.
Siehe auch Editorial https://www.bauernblatt.com/die-beste-grundlage-in-krisen/




