Flächentausch ist eine begehrte Option, wenn Moore für den Klimaschutz wiedervernässt werden sollen. Eine Möglichkeit dazu bietet die Flurbereinigung. In der fünften Veranstaltung der Reihe „Zukunft der Landwirtschaft in den Niederungen“ des Landwirtschaftsministeriums (MLLEV) stellte die Flurbereinigungsbehörde in der Rendsburger Deula ihre Arbeit vor – und lud anschließend zu einem Ortstermin im Wilden Moor bei Osterrönfeld ein.
„Schön, dass wir die Flurbereinigung haben! Der Vorteil ist: Man kann über fünf Ecken tauschen“, sagt Klaus Wieck: „Es hat hier keine Verlierer gegeben. Alle, die getauscht haben, haben gut getauscht. Aber man muss auch Flächen dafür haben, dann dreht sich das Karussell.“
Wieck ist Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft (TG) Wildes Moor. Ein solches Gremium ist auch nötig, denn es gibt rund 400 Eigentümer dort. Größter ist die Gemeinde Osterrönfeld mit knapp 170 ha, ein Naturschutzverein pflegt die Flächen. Die Stiftung Naturschutz eignet derzeit 12,5 ha, teils (noch) als Grünland. „Wiedervernässung – nun, der nähern wir uns erst“, sagt Sonja Limberg von der Flurbereinigungsbehörde ( FlurbB), die das Wilde Moor betreut.
Das Verfahren läuft bereits seit 1988. „Es beruht auf Freiwilligkeit, da kann es schon mal länger dauern, aber auf diese Weise können für alle Beteiligten die besten Lösungen gefunden werden“, sagt Thorsten Petrowitz von der FlurbB: „Bei Mooren brauchen wir einen langen Atem. Flurbereinigung ist eine Generationenaufgabe.“
Entsprechend ist das Verfahren im Wilden Moor noch nicht abgeschlossen. „Ein paar Ackerflächen haben wir noch zum Tausch“, verrät Wieck. Wenn ein passender Betrieb aufgegeben werde, bemühe sich die TG, dessen Flächen für ihren Fundus zu kaufen. Dies sei in der Vergangenheit bereits gelungen, zum Beispiel bei einem in den 1990er Jahren aufgelösten Betrieb, daraus könne man immer noch schöpfen. „Diese Nutzflächen schieben wir immer noch hin und her“, sagt Sonja Limberg. Auch die Landgesellschaft, die auf der Veranstaltung vertreten war, ist Projektpartner und Dienstleister und führt ebenfalls Flächenangebote aus ihrem Fundus heran.
Die Flurbereinigung ist landesweit erfolgreich unterwegs. Im Pirschbachtal bei Mölln könne es jetzt nach „nur“ 20 Jahren in die Planvorlage gehen, erklärt Petrowitz: „Die Öffentlichkeit ist hochzufrieden.“
Fördermöglichkeiten gibt es reichlich: für die Flurbereinigung selbst 60 bis 70 % aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK), für Naturschutzverfahren in der Flurbereinigung gar 100 %. Für Wegebau außerhalb der Flurbereinigung gibt es immerhin noch 53 % Förderung – ja, auch Wegebau ist im Spektrum des Verfahrens enthalten.
Der gesamte Ablauf ist durch Gesetz geregelt, wie Beate Tjardes von der FlurbB erläutert. Die Anregung dazu muss aus der Öffentlichkeit kommen, Träger des Verfahrens sind die Beteiligten, die FlurbB begleitet neutral. Es wird die TG mit ihrem Vorstand gebildet. „Dann kommt der wichtigste Teil, der am längsten dauert: die Verhandlungen für den Tausch“, sagt Tjardes. Nach Besitz- und Nutzungsübergang können Baumaßnahmen erfolgen, um Flächen bewirtschaftbar zu halten, etwa Wegebau, Knickanlage oder -verlegung, Mäandrierung von Bächen. Am Ende erfolgt der Eigentumsübergang mit Berichtigung der öffentlichen Bücher.
„Das größte Problem ist, dass es insgesamt wenig Flächenverfügbarkeit gibt. Es herrscht ein großer Flächendruck“, erklärt Timo Neumann, Leiter der FlurbB. Die Behörde ist dem Landesamt für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung (LLnL) zugeordnet und damit dem Landwirtschaftsministerium unterstellt. Minister Werner Schwarz (CDU) macht in einem Video deutlich: „ Flurbereinigung ist eine Möglichkeit, den Moorschutz voranzubringen, weil sie alle Beteiligten mitnimmt.“
Klaus-Peter Dau, Vorstandsmitglied im Bauernverband Schleswig-Holstein und maßgeblich engagiert in Fragen der Zukunft der Niederungen, hat sich ebenfalls auf der Veranstaltung informiert. „Es müssen geeignete Flächen aufgekauft werden, um Handlungsreserve zu haben, dann werden die Landwirte auch bereit sein zu tauschen. Doch da wird der Spielraum immer enger“, sagt er. „Ein Problem dabei ist: Wer bezahlt bei einem Tausch die Differenz zwischen Ackerland und Moorland? Das ist noch nicht geklärt.“
Informationen zur Flurbereinigung mit Beispielverfahren unter: https://t1p.de/utju3




