Um Finanzen und Absicherung für Frauen ging es beim Bäuerinnenforum des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) auf der Internationalen Grünen Woche. Das Thema des Forums lautete „Altersarmut ohne mich!“. Dafür gibt es einen ernsten Hintergrund. Auf die Frage, ob sich Frauen für das Alter ausreichend abgesichert fühlten, antworteten 30,6 % mit Nein, fast 26 % wussten es nicht so recht. 80 % der Frauen haben keine vorausschauende Einigung im Fall von Trennung oder Scheidung getroffen.
Diese Fakten lieferte die Studie „Frauen.Leben.Landwirtschaft“, die der dlv initiierte und gemeinsam mit dem Thünen-Institut umsetzte. Die dlv-Präsidentin Petra Bentkämper bezog sich in ihrer Eröffnungsrede auf weitere Erkenntnisse daraus. Frauen in der Landwirtschaft sorgten mehrheitlich betrieblich und privat für das Alter vor. „Interessant ist, dass 17 Prozent der Befragten allein das Altenteil als Mittel zur Alterssicherung angaben“, so Bentkämper. Es sei angesichts dieser Situation wichtig, Zahlen, Daten und Fakten zu den Versorgungslücken öffentlich zu machen und den Frauen so die Notwendigkeit des Handelns klar vor Augen zu führen, so Bentkämper. Es gehe auch darum aufzuzeigen, dass mangelnde Perspektiven in der Landwirtschaft das Thema der individuellen Altersvorsorge überschatteten – der Betrieb gehe meist vor. Deshalb sollten auf dem Forum auch Handlungsoptionen ausgelotet werden.
„Es ist erschreckend, wenn man sieht, dass ein Viertel der Frauen nicht weiß, ob sie ausreichend für das Alter abgesichert sind“, stellte Juliane Vees fest. Sie ist alternierende Vorsitzende der Vertreterversammlung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und kann ihre Stimme auch im Vorstand einbringen. Die ehemalige Vizepräsidentin des dlv kritisiert zudem die Umwege in einigen Betrieben, in denen die Sozialversicherungspflicht durch Anstellung in einem Minijob-Verhältnis umgangen werde. „Es ist wichtig, sich selbst um die eigene Absicherung zu kümmern“, appellierte sie. Sie machte auf die zahlreichen Angebote der SVLFG aufmerksam und erläuterte, dass die auch aus Bundesmitteln finanzierte Alterskasse daran arbeite, Forderungen aus der Thünen-Studie umzusetzen. Dazu gehörten eine bessere Aufklärung über Leistungen der SVLFG wie Prävention, Reha sowie Betriebshilfe und Aushilfskräfte im Krankheitsfall. „Handwerksfrauen beispielsweise beneiden uns sehr um die Möglichkeit der Landwirtschaftlichen Alterskasse“, bekräftigt Vees die bestehenden Leistungen. Fakt sei, dass die Altersvorsorge oft zugunsten des Betriebes aufgegeben werden. Abschließend gab Vees den Teilnehmenden einen Denkanstoß mit nach Hause: „Muss es immer der größte Traktor sein, um dann an der Altersvorsorge sparen zu müssen?“
In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass mangelnde Altersvorsorge nicht nur Frauen aus der Landwirtschaft betrifft. Darüber hinaus wurde betont, dass Frauen auch eine gewisse Holschuld hätten, die eigene Vorsorge anzugehen. Neben der Notwendigkeit von Kampagnen zum Thema müsse Altersvorsorge auch in die Lehrpläne der Schulen, Berufsschulen und Studiengänge integriert werden, betonte Petra Bentkämper. Der dlv kämpfe seit Jahren dafür, dass sich das endlich ändere.
Breite Zustimmung aus dem Publikum erhielt der Vorschlag, die Befreiung von der landwirtschaftlichen Alterskasse zu erschweren und damit einen gewissen Versicherungszwang einzuführen. Sascha Strauch von der Verbraucherzentrale Bayern sagte klipp und klar: Eine Pflichtversicherung sei durchaus von Vorteil, zumindest für einen gewissen Grundbestand der Altersvorsorge. Dafür Geld aufzubringen sei auch für alle gesetzlich Versicherten ein Wirtschaftsfaktor, mit dem sie rechnen müssten und den sie nicht einfach abwählen könnten.
Sehr offen und fachkundig sprachen drei LandFrauen über ihren Umgang mit dem Thema Altersvorsorge, darunter auch die Junge LandFrau Katharina Timmermann aus Dithmarschen. Die Bankkauffrau arbeitet nach ihrem BWL-Studium als Personalreferentin bei einer Bank. Aufgewachsen ist sie auf einem Hof. Im ersten Moment sei es komisch gewesen, sich so früh mit der Altersvorsorge zu beschäftigen, so die 31-Jährige. Das sei ein schwer greifbares Thema. Schließlich ließ sie sich beraten, denn es sei ihr dann doch wichtig, abgesichert zu sein. Ihre Mutter arbeite in Teilzeit, sei auf dem Hof nicht angestellt und habe nur eine kleine Rente in Aussicht. Sie habe ihre Altersvorsorge nun gesplittet, unter anderem in Aktien, Bausparvertrag, monatlichen Sparauftrag, und plane die Anschaffung einer Immobilie.
Hedda Korte kam mit ihrer Tochter Anna, 2014 vom dlv als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Vor gut zehn Jahren verkaufte sie ihren medikamentenfreien Putenbetrieb (gearbeitet wird mit Homöopathie) mit Direktvermarktung an Mann und Tochter. „Das Geld geht in meine Altersvorsorge“, so die LandFrau aus Nordrhein-Westfalen, die ihre Altersvorsorge auf mehrere Säulen gestellt hat. Wichtige Voraussetzung für die Klärung sei die Kommunikation in der Familie gewesen, zu der auch noch drei Söhne gehören. „Wir haben uns alle, Kinder und Eltern, an einen Tisch gesetzt und ganz offen darüber geredet“, so die 60-Jährige.
Katharina Timmermann würde sich das auch für ihre Familie wünschen. Das sei aber ein sehr sensibles Thema.
„Ist es irgendwann zu spät, sich um die Altersvorsorge zu kümmern?“, wollte Moderatorin Daniela Ruhe, Hauptgeschäftsführerin des dlv, von den drei Frauen zum Abschluss wissen. Natürlich sei es besser, rechtzeitig anzufangen und sich möglichst breit aufzustellen, so Timmermann. Es lohne aber auch, sich damit zu beschäftigen, und mache immer Sinn, sich beraten zu lassen. Dem pflichtete Anna Korte bei. Sie riet, regelmäßig zu hinterfragen, ob die einmal abgeschlossene Altersvorsorge auch in vielen Jahren noch reiche.
Hedda Korte brachte zum Abschluss noch einen anderen Aspekt zur Sprache: „Wir sind auch Mütter und Erzieherinnen von Söhnen und sollten ihnen vermitteln, dass auch die Geschäftsführerin eines Familienunternehmens, die sich um Kinder und Haushalt kümmert, eine gute Rentenversicherung verdient.“
Christine Reitelshöfer, zweite Vizepräsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes und Milchbäuerin aus Bayern, appellierte abschließend: „Altersvorsorge betrifft uns alle und jede Frau ist einerseits für sich selbst, aber auch für die kommenden Generationen verantwortlich.“
Befreiungen kritisch hinterfragen
dlv-Forderungen zur Bekämpfung weiblicher Altersarmut
Im aktuellen Positionspapier legte der Deutsche LandFrauenverband (dlv) kürzlich konkrete Forderungen zur Bekämpfung weiblicher Altersarmut vor. Darin heißt es unter anderem: „In der Landwirtschaft sind es vor allem engagierte Frauen, die Innovationen auf den Höfen vorantreiben. Doch trotz ihres bedeutenden Beitrags im landwirtschaftlichen Sektor bleibt die finanzielle Absicherung für das Alter oft unzureichend: Beunruhigende 70 Prozent der versicherten Frauen befreien sich sogar von den Pflichtbeiträgen der Landwirtschaftlichen Alterskasse.“
Die dlv-Präsidentin Petra Bentkämper weist auf die Wichtigkeit einer guten Altersvorsorge für Frauen hin: „Die Studie ‚Frauen. Leben. Landwirtschaft’ hat gezeigt, welch fatale Lücken im Wissen um die Altersvorsorge von Frauen bei der Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben klaffen.“
Daher fordert der dlv unter anderem eine flächendeckende sozioökonomische Beratung und die stärkere Einbindung des Themas Altersvorsorge in Ausbildung und Studium. Zudem müssten Befreiungen von der Pflichtversicherung kritisch hinterfragt werden. dlv




