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520 Biosauen im Freiland

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Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Jon-Peer Autzen bewirtschaftet Andreas Abild einen Biobetrieb mit dem Schwerpunkt Ferkelerzeugung in Tarp, Kreis Schleswig-Flensburg. Bis 1996 als reiner Milchviehbetrieb geführt, erfolgte im Anschluss in einer sonst schweinearmen Region der Aufbau einer Sauenherde, in der die Ferkel führenden und tragenden Sauen im Freiland gehalten werden. Seit 2007 wird der Betrieb ökologisch bewirtschaftet. Drei Jahre später übernahm Andreas Abild den Betrieb von seinen Eltern.

Jeweils rund 70 bis 80 Sauen teilen sich einen der drei Abferkelbereiche. Dabei steht jeder Sau, begrenzt durch Elektrozäune, eine Hütte für sich und ihre Ferkel zur Verfügung. Sobald die Ferkel mobil sind, verlassen sie aber immer wieder diesen Bereich, indem sie unter den Stromleitungen hindurchflitzen.

Die tragenden Sauen werden in Gruppen von etwa zwölf Tieren ebenfalls im Freiland gehalten. Insgesamt sind 120 ha Fläche von einem 1,60 m hohen Wildzaun umgeben. Im Innenbereich wird dann mit Stromlitzen gearbeitet. Die Flächen werden in einem vierjährigen Rhythmus jährlich gewechselt. Im Anschluss wird Mais angebaut. „Der zuständige Veterinär kommt einmal im Jahr, und die Zusammenarbeit ist problemlos“, zeigte sich Abild zufrieden. Außerdem werden wöchentlich zwei tote Ferkel zur Sektion gegeben.

In Anbetracht der außergewöhnlich hohen herbstlichen Niederschläge präsentierte sich die Outdoorhaltung immer noch sehr gut.

Sandboden ist ideal

Mit im Schnitt 24 Bodenpunkten ist der sandige Boden gut für eine Outdoorhaltung geeignet. Unter der 25 cm dicken Krume schließt sich eine Kiesschicht an, sodass das Regenwasser schnell abgeleitet wird. Angesichts der außergewöhnlich hohen herbstlichen Niederschläge präsentierten sich die Flächen noch sehr gut. Auch wenn ein Teil von ihnen mittlerweile schwarz war, wies doch ein überraschend hoher Anteil noch einen gut sichtbaren Grasbewuchs auf.

Für die abgesetzten Ferkel wurden ab 2019 neue Stallungen geschaffen. Hier können sich die Ferkel in einen gut isolierten Bereich zurückziehen, in den sie beim wöchentlichen Entmisten der Ausläufe auch kurzzeitig eingesperrt werden können. Mit etwa 70 Ferkeln werden die Tiere in relativ großen Gruppen gehalten, was aber gut funktioniert. Die Ferkelaufzuchtställe werden im Rein-raus-System gefahren. Anschließend benötigt eine Person etwa zweieinhalb Tage für die komplette Reinigung und Desinfektion.

Die Futtertröge aus Beton werden von den Landwirten selbst gegossen.

Kommanditgesellschaft

In der seit 2013 bestehenden Kooperation in Form einer Kommanditgesellschaft (KG) haben beide Betriebsleiter ihre Betriebsstätten behalten, die nur 2 km voneinander entfernt liegen. Bei Kooperationspartner Jon-Peer Autzen stehen das Deckzentrum und das Futterlager. So hat jeder seinen Bereich, wenngleich größere Entscheidungen immer gemeinsam getroffen werden.

Die Zusammenarbeit bewerten beide Partner positiv, da sich ein so komplexer Betrieb deutlich einfacher erfolgreich bewirtschaften lässt. Das auf 250 ha erzeugte Futter erhalten komplett die Schweine. Ein Eiweißergänzer wird zugekauft. Ein Teil des Mistes geht im Tausch mit Gärsubstrat an eine Biogasanlage.

Bestand wurde abgestockt

Im Winterhalbjahr sind die Futterverbräuche höher. Die tragenden Sauen erhalten dann 4 kg Futter pro Tag zuzüglich Kleegras, wobei 1 kg auf den „Winterzuschlag“ entfällt. Die Ferkel führenden Sauen kommen dann auf 8 bis 9 kg Futter pro Tag.

Aufgrund der Kaufzurückhaltung infolge der gegenwärtigen Krisen, aber vor allem wegen des spürbaren Arbeitskräftemangels wurde der Sauenbestand von vormals 600 Tieren auf 520 gesenkt. „Das hat aber auch Vorteile, denn es läuft alles etwas geschmeidiger, wenn man nicht immer am Limit arbeitet“, erklärte Andreas Abild. Gegenwärtig sind sieben Arbeitskräfte und ein Lehrling für die Schweine verantwortlich. Ein Teil der Ferkel wird auf 300 Plätzen selbst gemästet.

Fazit

„Das System funktioniert“, zeigten sich Andreas Abild und Jon-Peer Autzen zufrieden. Weitere Investitionen sind daher momentan auch nicht geplant. „Es läuft erst mal so weiter.“

In den Silos können bis zu 800 t eingelagert werden.

Die Grasnarben optimal vorbereiten

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Die lang anhaltenden Regenfälle der Herbst- und Wintermonate haben auch im Grünland deutliche Schäden hinterlassen, weshalb ein Monitoring der eigenen Grasnarben aktuell sehr wichtig wird. Die Bestandsaufnahme dient als Grundlage, um flächenspezifisch die bestmöglichen Pflegemaßnahmen für das Frühjahr auszuwählen. Schleppen, Striegeln, Walzen und Nachsaat sichern dann bei vorwiegend guten Narben das hohe Ertrags- und Qualitätsniveau oder aber verbessern bereits suboptimal entwickelte Grünlandbestände.

Die Ziele der Grünlandpflege sind eine hohe Narbendichte, eingeebnete Bodenoberflächen sowie eine gute Regenerationsfähigkeit der Grasaufwüchse. Beim Grünlandmonitoring werden während der Flächenbegehung aktuelle Informationen über den Flächenzustand, die Vegetation und den Lückenanteil in der Narbe gesammelt. Überprüft werden hierbei mögliche Schäden in Bereichen mit hoher Bodenfeuchtigkeit, Staunässe oder sogar Überflutungen sowie hochgefrorene Narbenbereiche, Fahr- und Trittspuren (Bodenverdichtung). Auch Schäden durch Mäuse und Wildschweine werden beurteilt. Bezüglich der Vegetation stehen ausgewinterte oder abgestorbene Bestände, der Grad der Verfilzung oder Vermoosung der Narbe sowie der Anteil an Ungräsern und Unkräutern im Visier.

Quelle: Liesel Grün, LKSH

Der Lückenanteil in der Grünlandnarbe zeigt an, ob eine Nachsaat erforderlich ist. Dazu wird ein Zollstock zu einem Quadrat aufgeklappt (40 cm x 40 cm) und auf die Narbe gelegt. Der Anteil der Lücken darin wird mittels einer Handfläche innerhalb des Quadrats geschätzt; diese ergibt eine Fläche von etwa 15 % (Abbildung 1). Dieser Vorgang wird je nach Größe und Heterogenität der Fläche an fünf bis zehn zufällig gewählten Stellen im Bestand wiederholt, um einen guten Überblick über die gesamte Fläche zu gewinnen.

Start in die Saison

Um der Gefahr von Schäden durch Fusariumpilze (Schneeschimmel) in zu lang gewachsenen Beständen vorzubeugen, erfolgte bereits, wo nötig, im Spätherbst eine Nachmahd. Auch eine Beweidung mit Schafen im Herbst oder Winter kann hierfür gute Dienste leisten. Im Frühjahr beginnt die Grünlandpflege nach der ersten Güllegabe. Die Flächen müssen gut abgetrocknet sein, um Verschmierungen der Maulwurfshaufen und somit eine Verschmutzung des Futters sowie Narbenschäden zu vermeiden (Abbildung 2). Mit dem Einsetzen des Schossens der Bestände endet die Zeit für die Pflegemaßnahmen, da dann die Narbenentwicklung nachhaltig geschädigt werden kann.

Quelle: Liesel Grün, LKSH

Die Pflegemaßnahmen

Die Wirkung des Schleppens besteht in erster Linie in der Einebnung der Maulwurfshaufen. Diese würden sonst das Futter bei der Ernte verschmutzen und auch wichtige Eintrittspforten für unerwünschte Gräser und Kräuter darstellen. Schleppen und insbesondere Striegel werden ferner eingesetzt, um Gülleschleier zu entfernen und die Bestockung anzuregen.

Das Striegeln holt zudem abgestorbenes Pflanzenmaterial aus der Narbe heraus und belüftet den Boden, indem es auf dem Boden liegendes organisches Material lockert. Stark verfilzte Narben benötigen einen scharf eingestellten Striegel, um Gemeine Rispe (Poa trivialis) und andere oberflächlich wurzelnde Ungräser oder Unkräuter zu entfernen. Hier eignet sich auch das zweimalige Arbeiten in diagonaler Richtung.

Die dabei frei werdenden Lücken müssen mit einer Nachsaatmischung versorgt werden, damit sich dort schnell eine dichte Narbe aus Futtergräsern entwickelt. Der Einsatz von Walzen soll die ausgebrachten Samen für einen guten Bodenkontakt andrücken oder aufgefrorene Böden auf humosen, anmoorigen bis moorigen Standorten ebnen. Um verschiedene Maßnahmen in einem Arbeitsschritt zu erledigen, bieten sich Grünland-Striegel-Kombinationen an.

Wenn Lücken in einer Grünlandnarbe entstehen, breiten sich binnen Kurzem Unkräuter aus.

Über- oder Nachsaat?

Das Ziel der Saatgutausbringung ist die Verbesserung von lückigen Grasnarben oder die Bestandserhaltung als regelmäßige Grünlandpflege. Entsprechend dem Bewirtschaftungsziel liegt die Entscheidung an, ob eine einfache Übersaat (mit bis zu 10 kg/ha) oder eine Nachsaat (mit 20 kg/ha) notwendig ist. Hierfür werden die aus dem Monitoring gewonnenen Erkenntnisse über die aktuell vorgefundenen Anteile an Lücken, an wertvollen Gräsern und an unerwünschten Gräsern und Kräutern herangezogen (Tabelle 1).

Quelle: Liesel Grün, LKSH

Für den Erfolg einer Nachsaat ist neben der Qualität der Altnarbe auch die nachfolgende Witterung mit ausreichender Wasserversorgung für die Jugendentwicklung entscheidend. Im zeitigen Frühjahr bietet die Winterfeuchte meist gute Saatbedingungen, jedoch kann die Altnarbe dann rasch einen zu hohen Konkurrenzdruck zeigen. Dagegen profitiert eine Nachsaat im Spätsommer oder Frühherbst von der dann abnehmenden Konkurrenzkraft der Altnarbe und von den beginnenden Herbstniederschlägen. Die Aussaat sollte dabei vor dem 15. September stattfinden, damit die Jungpflanzen genug Winterfestigkeit entwickeln können.

Die Nachsaat kann gut mit dem Striegeleinsatz kombiniert werden. Saatgut, das dabei vor den Striegelzinken abgelegt wird, gelangt nicht auf die Altnarbe, sondern hat guten Bodenkontakt. Wird es jedoch zu tief eingearbeitet, kann das Auflaufen der Saat vermindert sein. Eine Ablage hinter den Zinken findet dagegen oberflächlich statt und verspricht ein besseres Auflaufen. Anschließendes Walzen sichert dann den Bodenschluss und reduziert somit die Vertrocknungsgefahr für die junge Saat.

Auswahl von Saatgut

Für Nachsaaten eignen sich wegen der Konkurrenzkraft der Altnarbe nur die Gräser, die eine schnelle Jugendentwicklung aufweisen. Nachgesäte Gräserarten mit langsamer Entwicklung in der Jugendzeit können sich kaum in der Altnarbe etablieren. Empfohlen wird daher der Einsatz einer reinen Deutsch-Weidelgras-Mischung (GV, GV-Klee oder GV-spät). Diese Mischungen setzen sich aus unterschiedlichen Anteilen an frühen, mittelfrühen und späten Sorten des Deutschen Weidelgrases (Lolium perenne) zusammen (Tabelle 2). Die GV-Klee, die zusätzlich 10 % Weißklee enthält, bietet sich insbesondere für die Nachsaat auf Flächen mit Beweidung oder mit reduzierter Stickstoffdüngung an.

Quelle: Liesel Grün, LKSH

Die Aussaatstärke richtet sich bei der Nachsaat nicht nur nach dem Zustand der Narbe, sondern auch nach den Anteilen diploider und tetraploider Sorten (variierende Tausendkorngewichte) in den Deutsch-Weidelgras-Mischungen. Die Richtwerte für eine Nachsaat liegen bei 10 bis 20 kg/ha.

Ein anhaltender Erfolg der Grünlandpflege und Nachsaat auf dem Grünland setzt voraus, dass bei der Folgebewirtschaftung die Nutzungsintensität auf das Ertragsniveau des Bestandes abgestimmt ist. Dieses wiederum hängt entscheidend von den Bodeneigenschaften, der Wassernachlieferung und der Topografie ab.

Fazit

Die Frühjahrs-Grünlandpflege basiert auf dem sorgfältigen Erfassen des aktuellen Narbenzustandes, um für jede Fläche die optimalen Maßnahmen planen zu können. Diese flächenspezifische Pflege ist insbesondere für hochproduktive Grasbestände essenziell. Eine konsequente Grünlandpflege durch Striegeln und Nachsaat hält die Grünlandnarben in einem guten Zustand oder verbessert sie sogar und sichert somit den Ertrag und die Qualität des Futters.

Rinder aktuell: In der Milchproduktion Arbeitszeit einsparen, Teil 2

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Die Erzeugerpreise für Milch sind nach einer deutlichen Steigerung 2021 und 2022 im Jahr 2023 wieder gesunken. Milchexperten rechnen für 2024 mit einem ähnlichen Milchpreis wie 2023. Wer in Zukunft weiterhin noch Milch produzieren möchte, muss deshalb eine weitere Optimierung der Produktion und damit der Produktionskosten vornehmen, um die Milchleistung zu steigern, das Tierwohl zu verbessern und die Erzeugungskosten zu senken. In Teil 2 des Artikels über Arbeitszeitersparnis in der Milchproduktion werden Melker und Melkprozess in den Fokus genommen.

Im Melkstand kann der Melker durch täglich gleich bleibende Routinearbeiten sowie leisen und ruhigen Umgang mit den Tieren und durch Vermeiden von schmerzhaften Behandlungen wesentlich dazu beitragen, dass die Kühe gern in den Melkstand gehen und damit Treibzeiten reduziert werden. Außerdem verläuft die Milchabgabe optimaler (weniger Biomodalität), es werden weniger Melkzeuge durch die Tiere abgeschlagen, Blindmelkzeiten und Nachgemelke verringert und die Melkdauer verkürzt. Tabelle 1 zeigt den Einfluss der Eutervorbereitung auf die Parameter Gesamtgemelk, Nachgemelk und Bimodalität (Zweigipfligkeit) der Milchflusskurve.

In eigenen Untersuchungen wurde der Einfluss folgender Varianten der Eutervorbereitung (Anrüsten) auf die Höhe des Nachgemelks und der Nachgemelkszeit geprüft (Tabelle 2):

komplett unterlassene Eutervorbereitung (sofortiges Ansetzen der Melkmaschine)

0,25 min Vormelkprobe und Euterreinigung

1 min Eutervorbereitung (Vormelkprobe, Euterreinigung, Handstimulation)

Beim sofortigen Ansetzen der Melkmaschine lag das Maschinennachgemelk um 0,7 kg pro Gemelk über der Variante „1 min Eutervorbereitung“ (Tabelle 3). Die Maschinennachgemelkszeit lag mit über 1,5 min bei der Variante „sofortiges Ansetzen“ drastisch höher als bei der Variante „1 min Anrüsten“ mit 0,4 min. Dies führt über die Verlängerung der Gesamtmelkdauer je Kuh zu einer niedrigeren Arbeitsleistung und kann sich durch die längere Maschinenhaftzeit am Euter negativ auf die Eutergesundheit auswirken.

Stressfrei für Tier und Mensch

In der Praxis ist es in der Regel schwierig, fachlich qualifizierte und geschickte Melker zu bekommen, die einerseits hohe Arbeitsleistungen erreichen, andererseits aber auch Einfühlungsvermögen in die physiologischen Abläufe der Kühe und daraus resultierende Verhaltensreaktionen besitzen. Noch zu oft gehört rüder, hektischer Umgang mit den Kühen zum Alltag im Melkstand.

Hier sollte bei Einsatz von Lohnarbeitskräften durch das Leitungspersonal über Stimuli wie Prämien bei hoher Melkqualität beziehungsweise Abzüge bei Fehlverhalten der Melker Einfluss genommen werden. Damit kann ein nicht unerhebliches Potenzial für die Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Milchleistung sowie die Senkung der Zellzahl und die Verbesserung der Tiergesundheit insgesamt erschlossen werden.

Andererseits müssen auch die betrieblichen Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Melker relativ stressfrei melken können. Dazu gehören eine in Abhängigkeit vom Mechanisierungsgrad angepasste Zuordnung von Melkplätzen je Arbeitskraft sowie helle, gut belüftete beziehungsweise temperierte Melkstandbereiche.

Abnahmeautomatik entlastet den Melker, senkt Blindmelkzeiten und steigert die Arbeitsproduktivität. 

Beim Melken ist es zur Senkung der Personalkosten notwendig, den Anteil der manuellen Tätigkeiten zur verringern. Damit können dem Melker mehr Melkzeuge zugeordnet werden, und die Arbeitsleistung steigt. In mittleren und größeren Beständen sollten auf jeden Fall die Stimulation des Euters und die Abnahme des Melkzeugs automatisiert werden. Durch eine automatische Stimulation kann sich gegenüber der Handstimulation ein Einsparungspotenzial von zirka 0,3 AKmin je Gemelk ergeben. Sind die Euter aufgrund guter Haltungsbedingungen sauber, brauchen sie nur mit desinfizierenden Einwegtüchern gereinigt zu werden. Dies bedeutet zirka 0,2 AKmin Arbeitsaufwandsreduzierung je Gemelk gegenüber der Nassreinigung.

Auf ein Nachmelken mit Unterstützung durch den Melker sollte aus Zeitgründen verzichtet werden, vorausgesetzt, Kühe mit hohem Nachgemelk wurden aus dem Bestand selektiert und durch ein vollwertiges Anrüsten wurde die „Melkbereitschaft“ erstellt. Eine Zeiteinsparung von bis zu 0,3 AK min je Gemelk wäre möglich.

Einen Aufschluss über den Milchfluss einschließlich der Höhe der Nachgemelke geben LactoCorder-Untersuchungen. Die kurze manuelle Euterkontrolle und das manuelle Zitzendippen sollten auf jeden Fall durchgeführt werden. Die mögliche Zeiteinsparung von etwa 0,1 AKmin pro Gemelk steht in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, die aus diesen Maßnahmen resultieren. Für das Melkkarussell und das hoch technisierte konventionelle Melken gibt es sehr effiziente Dipp­roboter.

Schwermelker aussortieren

Deformierte Euter erhöhen die Abfallhäufigkeit der Melkzeuge und führen damit zu einem erhöhten Aufwand für das Abspülen und Wiederansetzen der Melkzeuge. Die Zunahme der operativen Tätigkeit für den Melker stört den routinemäßigen Ablauf im Melkstand, die Arbeitsleistung sinkt, die Personalkosten steigen. Schwermelker führen zu einer Verlängerung der Melkdauer der gesamten Gruppe und zu Wartezeiten für die Melker. Die Auswirkungen der Selektion von Schwermelkern auf den Durchsatz, die Melkdauer sowie die Kosten werden beispielhaft in der Übersicht an einem Kuhbestand von 320 Tieren dargestellt.

Deformierte Euter behindern die Technikfunktion, erschweren die Melkarbeit und senken die Arbeitsleistung.

Einen Einfluss auf die Arbeitsleistung und damit auf die Personalkosten haben außerdem die Auswahl des Melkstandes und die dem jeweiligen Melkstandtyp zugeordnete Anzahl der Arbeitskräfte. Durch die Verwendung von Side-by-Side-Melkständen können durch die Reduzierung der Wegezeiten für die Melker die Arbeitsleistungen etwas gesteigert werden. In den USA durchgeführte Untersuchungen in Fischgrätenmelkständen (FGM) und Side-by-Side-Melkständen (SbS) mit 2 x 20 Melkplätzen ergaben Arbeitsleistungen von 90 Kühen je Melker und Stunde im FGM und 93,5 Kühe je Melker im SbS.

Werden zum Beispiel in einem 2 x 8-FGM mit Anrüst- und Abnahmeautomatik zwei Arbeitskräfte eingesetzt, obwohl eine Arbeitskraft bei guter Organisation und entsprechenden baulichen und ausrüstungstechnischen Voraussetzungen durchaus in der Lage ist, die Anzahl der Melkzeuge zu betreuen, entstehen für die Melker unproduktive Wartezeiten und die Arbeitsleistung sinkt erheblich.

Einfluss auf die ­Personalkosten haben außerdem die Motivation der Arbeitskräfte, der gezahlte Stundenlohn sowie die Anzahl der Melkungen je Tag. Gelingt es, die Arbeitskräfte über den Lohn einschließlich Leistungsentlohnung zu motivieren, das heißt höhere Arbeitsleistungen beziehungsweise höhere Arbeitsqualität zu erreichen, kann eine höhere Vergütung bezogen auf 1 l Milch kostensenkend wirken. Eine einfache Stundenlohnanhebung, die nicht an Leistungs- oder Qualitätskriterien geknüpft ist, wirkt jedoch aus betrieblicher Sicht in der Regel kontraproduktiv.

Betriebe, die einen Gewinn je Kuh erwirtschaften, zeichnen sich in der Regel durch eine gute Personalführung einschließlich leistungsabhängiger Vergütung sowie durch straffe Personalstruktur und effektive Arbeitsorganisation aus. Neben einer Grundvergütung sollte ein Teil der Entlohnung nach den Kriterien Milchleistung, Milchqualität, Melkqualität, Tiergesundheit und Tierverluste sowie Ordnung und Sauberkeit erfolgen. Die Arbeitskräfte sollten ständig über die Produktionsergebnisse informiert werden, damit die Leistungsentlohnung für sie nachvollziehbar ist. Nur hoch motivierte Arbeitskräfte werden dauerhaft hohe Arbeitsleistungen bei guter Qualität erbringen.

Die Zusammenhänge zwischen Arbeitszeitbedarf, Arbeitsleistungen und Personalkosten für unterschiedliche Melkstände werden in der Tabelle 3 dargestellt. Soll auch in Zukunft im Landwirtschaftsbetrieb Milch mit Gewinn produziert werden, sind hohe Arbeitsleistungen eine wichtige Voraussetzung.

Fazit

Voraussetzungen für eine Reduzierung der Arbeitskosten in der Milchproduktion aus Sicht des Verfahrens der Milchgewinnung sind:

optimale bauliche Voraussetzungen (Stallbau, Sauberkeit und Hygiene insbesondere im Bereich der Liegeboxen und Laufgänge, Triebwege, Vorwartehof, Melkstand)

optimale Bedingungen am Arbeitsplatz (ausreichend Licht, Luftbewegung sowie Temperaturgestaltung)

Auswahl von Melkständen einschließlich Mechanisierungslösungen (Vorstimulation, Nachmelk-, Abnahmeautomatik, Dippen, Zwischendesinfektion, Schnellaustrieb, Reinigung des Melkstandes) in Abhängigkeit von den betrieblichen Gegebenheiten und finanziellen Möglichkeiten

Wachsende Betriebsgrößen führen zu größeren Melkanlagen (Karussellanlagen gewinnen an Bedeutung).

fachgerecht installierte und einwandfrei funktionierende Melktechnik

exzellente Arbeitsorganisation, hohe Arbeitsproduktivität

Topmanagement und hoch motivierte Arbeitskräfte

Durch optimale Durchführung der Routinearbeiten unter Beachtung melkphysiologischer Erfordernisse der Milchkühe und unter Einbeziehung technischer Lösungen können kürzere Melkdauer, niedrigere Euterbelastung und höhere Arbeitsproduktivität erreicht werden.

bessere Herdengesundheit, weniger Bimodalitäten und Blindmelkzeiten

Reduzierung des Anteils von Kühen mit deformierten Eutern beziehungsweise Schwermelkern

Teil 1, Die Faktoren Gebäude und Technik, finden Sie hier.