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Mehr als 1.000 Hektar neue Naturschutzgebiete

Mit dem Ausweisen von mehr als 1.000 ha neuer Naturschutzgebiete noch in der laufenden Legislaturperiode will die Landesregierung die von der EU gesetzten Ziele im Rahmen der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) zügig umsetzen. Dies kündigte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) auf dem Naturschutztag am Donnerstag vergangener Woche vor mehr als 1.000 Besuchern in Neumünster an.

Beschleunigt ausgewiesen werden sollen der Winderatter See im Kreis Schleswig-Flensburg, das Hasenmoor bei Bad Bramstedt, das Wittmoor im Norden Hamburgs sowie das Moor südlich Hövede und Tielenau-Tal im Kreis Dithmarschen. Dem Minister zufolge ist damit eine wichtige Etappe der Biodiversitätsstrategie erzielt, bis 2030 weitere 5.000 ha Natur zu schützen. Täglich stürben weltweit mindestens 130 Arten aus. Deutschlandweit würden jeden Tag 51 ha Fläche zu Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt werden. In Schleswig-Holstein gehe jeden Tag eine Fläche von 3,6 ha verloren, zudem sei der Erhaltungszustand vieler Lebensräume und FFH-Gebiete im Land ungünstig. Für den Minister ist die WVO die Antwort darauf, dass bisheriges Naturschutzrecht auf europäischer und nationaler Ebene nicht ausgereicht habe.

Es gilt das Verursacherprinzip

Auch hier gelte das Verursacherprinzip, also „dass diejenigen, die den Karren in den Dreck gefahren haben, ihn da auch wieder rausziehen müssen“, sagte der Minister. Doch sei die WVO auch ein Kompromiss. Im Gesetzgebungsverfahren habe der Naturschutz in der nationalen Umsetzung schon viele Federn gelassen, erklärte Goldschmidt. Auch auf der nächsten Umweltministerkonferenz werde man erleben, wie geltendes europäisches Recht und dessen Umsetzung infrage gestellt würden. In „Zeiten des Populismus, der Fake News und des Fatalismus, des politischen Radikalismus und der Demokratieverdrossenheit“ könne man so keine Politik machen, resümierte Goldschmidt, sagte aber auch, dass das Erreichen der Ziele der Wiederherstellungsverordnung viel Kraft und Geld kosten werde.

Umweltminister Tobias Goldschmidt Foto: Kristina Mohr

„Schleswig-Holstein ist seit Jahrhunderten ein Agrarland und wird das auch bleiben“, hielt der Umweltminister fest. Renaturierung und Wiederherstellung der Natur bedeuteten nicht automatisch, dass Flächen für die Landwirtschaft unnutzbar würden. Gerade in Schleswig-Holstein wäre dies widersinnig, so Goldschmidt, denn Naturschutz hierzulande heiße in den meisten Fällen „Schutz der Kulturlandschaft“, an die ein großer Teil der Arten gebunden sei. Die Wiederherstellungsverordnung sei zudem kein Programm der Nullnutzung, aber auch der Nullnutzung, Extensivierung und Wiederherstellung „degenerierter Äcker“ und des größten Biotops, des Knicks.

Was Nato und Naturschutz vereint

Hinter jeder Ecke lauere dem Minister zufolge das „völlig vorgeschobene und an den Haaren herbeigezogene“ Totschlagargument der Ernährungssicherheit mit dem Ziel, andere politische Vorhaben zu hinterfragen. Dies sei auch bei der Wiederherstellungsverordnung der Fall. „Die größte Gefahr für die Ernährungssicherheit ist der Artenverlust und der Zustand unserer Agrarökosysteme, ist die Dürre, sind tote Böden und ist der Verlust von Bestäuberpopulationen“, machte Goldschmidt deutlich. Diese Aussage habe auch die Nato in ihre strategische Sicherheitsagenda übernommen: Eines der größten weltweiten Risiken sei demnach Flucht infolge von Zusammenbrüchen von Agrarökosystemen.

Beim Totschlagargument Flächenfraß werde übersehen, dass sich der Naturschutz vor allem für Flächen interessiere, die „landwirtschaftlich nicht so interessant“ seien, weil sie etwa nährstoffarm oder sehr nass und daher schwer zu bewirtschaften seien. Auch in Schleswig-Holstein finde der Flächenverbrauch an ganz anderer Stelle statt durch Supermarktparkplätze, Industrieanlagen, Erneuerbare-Energien-Anlagen, Verkehrswege oder Neubauprojekte. Bei diesen Vorhaben werde „keinerlei Rücksicht genommen“, ob es sich um gute oder weniger gute Böden für die Landwirtschaft handele.

Wie können Landwirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Natur wiederherstellen? Ideen dazu konnten die Besucher auf einer Pinnwand des Bauernverbandes hinterlassen. Foto: jh

Der Minister sei es „ein Stück weit leid“ zu hören, der Naturschutz klaue der Landwirtschaft die Flächen. Vielmehr müssten Landwirtschaft und Naturschutz eine Allianz bilden und sich dagegen wehren, dass auch 2025 in großem Ausmaß Flächen versiegelt würden. „Landwirtschaft und Naturschutz sind natürliche Verbündete gegen die Flächenversiegelung und gegen den Flächenfraß“, so Goldschmidt. Der WVO werde gern das Argument entgegengesetzt, das Rad völlig neu erfinden zu müssen und ein neues Bürokratiemonster zu schaffen. Maßgeblich werde die Frage der Bürokratie davon abhängen, ob man es mit „freiwilligen Maßnahmen und klarer, schlauer Förderung“ schaffe, die Zielsetzung der WVO zu erreichen. Auch müsse das Rad nicht neu erfunden werden, denn vieles, was in Schleswig-Holstein bereits geschehe, „zahlt direkt auf die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung ein“, etwa die Biodiversitätsstrategie, das Auenprogramm, die Niederungsstrategie, der Aktionsplan Ostseeschutz oder das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz.

Betriebe müssen am Markt bestehen können

Für Landwirt Tilo von Donner, der an einer der Podiumsdiskussionen über Projekte mit Vorbildcharakter für den Bauernverband Schleswig-Holstein teilnahm, sind es vor allem Fragen der Verlässlichkeit und Planbarkeit, die sich auf den Betrieben bei Überlegungen zum richtigen künftigen Weg stellten. Förderungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) seien immer wieder im Wandel. „Investitionen auf den Betrieben, auch in Richtung Naturschutz, müssen langfristig angelegt werden“, unterstrich von Donner. Wenn sich aber Umstände permanent veränderten, habe man am Ende nicht mehr den Mut, in Dinge einzusteigen. Bürokratie, Gesetze und Verordnungen führten zum Teil dazu, dass man Angst habe, nachdem man etwas angeschoben habe, an einer anderen Stelle „in die Falle zu tappen“.

Ein weiteres Problem sei zudem die Finanzierung. So funktioniere etwa die Umwandlung von Dauergrünland in eine offene Weidelandschaft bei von Donner nur durch eine Querfinanzierung über die Pensionspferdehaltung, die Prämie über den Ökolandbau und die Ökoregelung 4 aus der GAP. Zur Umsetzung von Maßnahmen für mehr Naturschutz erklärte der Landwirt aus dem Kreis Plön: „Wir wollen es, wir wollen es auch gern freiwillig, aber wir müssen es über den Markt erzielen können oder Anreizsysteme schaffen, damit Betriebe wirtschaftlich weiterexistieren können. Das ist essenziell.“

Neben Fragen der Finanzierung brauchten die Landwirte auch hier Verlässlichkeit sowie rechtliche Rahmenbedingungen, „die uns den nötigen Handlungsspielraum lassen, um Wirtschaftlichkeit und Naturschutz, Umweltschutz und Klimaschutz zu vereinen und auf Augenhöhe zu bringen“. Im Austausch funktioniere es auf den unteren Ebenen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz sehr gut, ist von Donners Eindruck. Mehr kommen müsse jedoch durch das Land und den Bund.

„Bericht der ZKL vergilbt auf dem Schreibtisch“

Hier blickte von Donner auf die Arbeit der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), in der durch Zusammenarbeit verschiedener Akteure ein Abschlussbericht erarbeitet wurde, der Wege nach vorn skizziert habe. „Dieser Bericht war sehr umfassend und zukunftsweisend, doch landete er auf dem Schreibtisch von Julia Klöckner und Cem Özdemir, der einen zweiten Abschlussbericht draufgelegt hat, und vergilbt inzwischen auf dem Schreibtisch von Alois Rainer. Wir können noch so viel reden, aber wenn es um die Finanzierung und rechtlichen Rahmenbedingungen geht, liegt die Umsetzung in der Politik. Und da fehlt mir das Handeln, da kommt viel zu wenig“, so von Donner.

Viel zu oft nehme man dem häufig ehrenamtlichen Engagement für mehr Naturschutz den persönlichen Gestaltungsspielraum. Oftmals scheitere es an den Rahmenbedingungen und ursprünglich große Projekte müssten wieder eingedampft werden, weil sie durch Richtlinien ausgebremst würden. „Dieses wahnsinnige Regelwerk bringt uns auch im Naturschutz an unsere Grenzen“, beklagt von Donner. Für ihn sei erfolgreicher Naturschutz kein Instrument der reinen Freiwilligkeit oder allein der Politik, sondern müsse vor allem über Anreizsysteme und genügend Gestaltungsspielräume umgesetzt werden. „Das alles kann jedoch nur gelingen, wenn wir als Betriebe am Markt existieren können.“ Die wichtigste Botschaft des Naturschutztages an das Umweltministerium lautet für den Landwirt daher, dass auch im Bereich des Naturschutzes die Bürokratie „so verschlankt werden muss, dass wir Räume für die Natur auch wieder sinnvoll gestalten können.“

Bauernverband als Kooperationspartner

Über das veranstaltende Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) wurde der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) dieses Jahr als Kooperationspartner in die Gestaltung des Naturschutztages eingebunden. Für den BVSH war es dabei wichtig, dass die Sichtbarkeit der Anliegen landwirtschaftlicher Betriebe und das gemeinsame Voranbringen der Themen von Landwirtschaft und Naturschutz in der Fläche sich in den einzelnen Programmpunkten der Veranstaltung wiederfanden. Zudem habe im Vorbereitungsgremium Einigkeit darüber erzielt werden können, dass durch die Ausrichtung auf praktische Beispiele den Teilnehmern die Möglichkeiten, Grenzen und Herausforderungen für die betroffenen Akteure am anschaulichsten vermittelt werden könne.


Symbolpolitik schafft Widerstände

BVSH-Vizepräsident Hirschberg zum Naturschutztag

Die Ankündigung von Minister Goldschmidt, mehr als 1.000 ha neue Naturschutzgebiete auszuweisen und damit bei der Umsetzung der Naturwiederherstellungsverordnung aufs Tempo zu drücken, stieß bei Ludwig Hirschberg, Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), auf Zurückhaltung. „Wir Landwirte sind dabei, wenn Maßnahmen tatsächlich eine Verbesserung für die Umwelt bringen. Aber wir sind nicht dabei, wenn es um Verwaltungsstellen und um mehr Bürokratie, stärkere Beschränkungen und vor allem um Flächenrequirierung für den Naturschutz geht“, unterstrich Hirschberg. Für ihn habe in der Rede des Umweltministers der Tenor vorgeherrscht, die Naturwiederherstellungsverordnung müsse zu einem großen Erfolg gemacht werden – „koste es, was es wolle, und koste es den Landwirt, was es wolle“. Laut Hirschberg herrsche durchaus die Erkenntnis, die Landwirte mit ins Boot zu holen, „aber das soll vor allem durch Überzeugungsarbeit und nicht durch das Bewegen von Geldern geschehen“, sei sein Eindruck. Wenn an diesem Tag von Gegensätzlichkeiten die Rede gewesen sei, rühre dies daher, dass einseitig Forderungen bestünden, jedoch der Wille fehle, diese auch zu finanzieren. „Wenn man dies auch noch durch Ordnungsrecht umsetzen will, schafft man sich erst recht Gegner.“

Ludwig Hirschberg Foto: jh

Auf der einen Seite gebe es die in warme Worte gepackte Ankündigung neuer Naturschutzgebiete und die freudige Mitteilung, dass der „Umweltbooster“ eingeschaltet werde, auf der anderen Seite stehe ein umfassender Wechsel im Landwirtschaftsministerium an. Darin komme eine Gewichtung zum Ausdruck, die „schon bedenklich ist“, verdeutlichte Hirschberg.

Den Kernsatz, der die Landwirtschaft betreffe, habe Tilo von Donner auf den Punkt gebracht: „Wenn unsere Betriebe kein Geld verdienen, können sie auch keine Leistungen erbringen, die man ihnen zusätzlich aufbürdet.“ Bevor weitere Flächen zu Naturschutzgebieten erklärt würden, sollte vielmehr auf bereits bestehenden Arealen geprüft werden, wie mehr Biodiversität, etwa durch Prädatorenmanagement, geschaffen werden könne.

Soja-Deal zwischen USA und China

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Die EU ist stark auf Soja für ihre Viehwirtschaft angewiesen. Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 kaufte sie deshalb 14,5 Mio. t Sojabohnen und 20,1 Mio. t Sojaschrot hauptsächlich aus den USA und Brasilien. Dabei profitierte sie von den gesunkenen Preisen für Sojabohnen, die wegen des Handelskrieges zwischen den USA und China auf ein Dreijahrestief gefallen waren, weil Peking als Antwort auf die von US-Präsident Donald Trump eingeführten hohen amerikanischen Zölle auf chinesische Industrieprodukte unter anderem die Einfuhr von amerikanischem Soja gestoppt hatte und dieses stattdessen aus Brasilien und Argentinien bezog. Der Schritt hat US-Farmern – viele von ihnen überzeugte Trump-Wähler – massive Verluste beschert, weil die US-Sojaexporte nach China von 10 Mrd. € im Jahr 2024 auf (bisher) null im Jahr 2025 eingebrochen sind. Aufwind erhielten die Sojapreise nach dem Treffen zwischen Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping Ende Oktober. Danach wurde vom US-Finanzminister (!) verkündet, dass China für das Jahr 2025 den Import von 12 Mio. t US-Soja plane, in den kommenden drei Jahren zudem der Bezug von jeweils 25 Mio. t aus den USA vorgesehen sei. Obwohl diese Menge geringer ist als vor dem Handelsstreit, nahmen die Märkte die Botschaft positiv auf, auch wenn eine Bestätigung aus China fehlte. Nun soll Peking am Ende der ersten Novemberwoche drei US-Exportfirmen Genehmigungen erteilt haben, Sojabohnen in das Land zu liefern. Zeitgleich haben die Preise für Sojabohnen und -schrot an der Chicago Board of Trade (CBoT) weiter positiv reagiert.

Sojaproduktion in der EU und Deutschland

Für das Jahr 2025 wird für die EU eine Sojafläche von 1,1 Mio. ha prognostiziert. Das wäre nach der Rekordfläche der Vorsaison die bisher zweitgrößte. Die Soja-Ertragsprognose für die EU liegt aktuell bei 2,85 t/ha, was 7 % über dem Fünf-Jahres-Schnitt für 2020 bis 2024 liegt. Damit wären aus EU-Ernte etwa 3,1 Mio. t gentechnikfreie Sojabohnen für die europäische Veredlungswirtschaft verfügbar. In der Ukraine wird die Sojafläche im Jahr 2025 bei 2,3 bis 2,4 Mio. ha liegen. Das sind 7 bis 10 % weniger als im Vorjahr (2,6 Mio. ha). In Serbien wird für 2025 ein Rückgang von über 40 % auf etwa 150.000 ha geschätzt, hauptsächlich wegen fehlendem Z-Saatgut. In Deutschland spielt der Sojaanbau erst seit 2015 eine Rolle. 2025 waren es 43.600 ha, von denen etwa 134.000 t Sojabohnen geerntet wurden. Rund 75 % der deutschen Sojaproduktion stammen aus Bayern (57 %) und Baden-Württemberg (18 %).

Entwaldungsverordnung

Übrigens gilt die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR), die alle betrifft, die „Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Ölpalme, Soja, Rinder oder daraus hergestellte Erzeugnisse auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, bereitstellen oder ausführen“, auch für die Sojaanbauer in der EU. Diese müssen ihre jeweiligen ­Soja-Produktionsflächen mithilfe von Geolokalisierungskoordinaten (GPS) erfassen und melden. Es bleibt zu hoffen, dass diese zusätzlichen bürokratischen Auflagen die Ausweitung der Sojaflächen in der EU nicht behindern, denn eine Auflockerung der doch sehr von Wintergetreide dominierten Fruchtfolgen wäre wünschenswert. Laut Donau Soja wird zudem nach eigenen Angaben eine CO2-Reduktion um bis zu 90 % gegenüber brasilianischem Soja erreicht.

Futterkamper Punschwoche

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Vom 25. bis 27. November lädt das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zur zweiten Futterkamper ­Punschwoche ein.

Drei Tage lang stehen Pferd, Schwein und Rind im Mittelpunkt – mit Fachforen, Praxisberichten und Austausch in vorweihnachtlicher Atmosphäre.

Im „Alten Kuhhaus“ erwarten die Besucher Fachausstellungen, Infostände und ein kleiner Weihnachtsmarkt mit Waffeln und Punsch.

An jedem Tag bieten drei Fachforen mit hochkarätigen Referenten/-innen aktuelle Themen zu Haltung, Management, Tiergesundheit, Technik und Zukunftsperspektiven.

25. November – Pferdetag
Forum 1: Notfall im Stall
Forum 2: Praxis-Impulse
Forum 3: Fütterung neu denken

26. November – Schweinetag
Forum 1: Neue Technik im Stall
Forum 2: Magen-Darm-Gesundheit
Forum 3: Unternehmensstrategie

27. November – Rindertag
Forum 1: Gut beraten
Forum 2: Ausgerechnet Klima
Forum 3: Langfristig fit

Beginn: 9 Uhr im „Alten Kuhhaus“; ab 16 Uhr klingen die Veranstaltungen gemütlich bei Punsch und Klönschnack aus

Ort: Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, 24327 Blekendorf

Eintritt: 15 € (inklusive Frühstück und Heißgetränken)

Es ist keine Anmeldung erforderlich.

Das vollständige Programm findet sich hier.

Fahrturnier in Negernbötel

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Zum fünften Mal ­veranstaltete Mareike Meier gemeinsam mit Jörn Rennebach auf Hof Rützen­hagen ein Indoor-Fahrturnier. Dafür kamen Weltcupfahrer, die schleswig-holsteinische Fahrsportelite sowie Nachwuchs und Neustarter nach Negernbötel, Kreis Segeberg. Die Titel der Hallenlandesmeister machten die erfahrenen Teilnehmer unter sich aus.

Auf dem Hof Rützenhagen von Mareike Meier ist in diesem Herbst viel los. Erst startete hier die Springturnierserie Nordic Jumping Events, dann veranstaltete die Hausherrin ein großes Fahrturnier, bevor sie zum Weltcup-Saisonstart nach Frankreich fuhr, um dann wieder zu Hause ihren 40. Geburtstag zu feiern und gleich das nächste Springturnier auf ihrer Anlage zu organisieren.

Doch das eigene Fahrturnier ist für die Weltranglistendritte immer etwas Besonderes. In diesem Jahr war sie mehr als zufrieden mit dem Nennergebnis. „Es war überwältigend“, freute sie sich. Mit 118 Nennungen waren die Prüfungen sehr voll. Damit trotzdem alles gut ablaufen konnte, musste das erste Gespann um 7.30 Uhr in die Halle fahren. „Wir haben dann alle Prüfungen hintereinanderweg durchgeführt. Es gab nur ganz kurze Pausen.“ Die letzte Siegerehrung fand abends um 22 Uhr statt. „Ein straffes Programm, aber alle waren glücklich und zufrieden“, resümierte Meier, die sich vor allem freute, dass alles unfallfrei und ohne Probleme ablief.

Natürlich war die Gastgeberin nicht nur Organisatorin, sondern auch Teilnehmerin. In der Vierspännerprüfung für Pferde der Klasse S startete sie mit zwei Gespannen und belegte die Plätze drei und vier. Sie hatte jeweils zwei erfahrene Pferde mit zwei Nachwuchshoffnungen angespannt. Mit dem Ergebnis war Meier zufrieden, denn sie trat gegen fünf weitere Weltcupteilnehmer und vier erfahrene Vierspännerfahrer an. Am Ende musste sie sich nur Christoph Sandmann, dem erfahrensten deutschen Leinenkünstler, sowie Michael Brauchle, einem Kaderkollegen, geschlagen geben. Außer Konkurrenz fuhren der für Österreich startende Daniel Schneiders und Schwedens Fredrik Persson. Für sie alle war das Turnier in Negernbötel eine gute Gelegenheit, die Pferde vor dem Beginn der neuen Weltcupsaison zu testen.

Nicht nur der Spitzensport stand im Fokus des Tages. Für die Wettbewerbe der Ein- und Zweispänner sowie für die kombinierten Prüfungen der Klassen A und M mit Kegelfahren und Geländehindernissen hatten sich viele Amateurfahrer gemeldet, nicht nur aus Schleswig-Holstein. Für die Fahrer aus dem Bundesland zwischen den Meeren ging es auch um die Meistertitel.

Lisa Halkjae wurde Hallenlandesmeisterin im Pony-Einspänner. Foto: Kurt-S. Becker

Hallenlandesmeisterin im Pony-Einspänner wurde Lisa Hal­kjae. Die Dänin, die in Schleswig-Holstein wohnt und für die Pferdesportgemeinschaft Süderlügum fährt, ist auch schon amtierende Landesmeisterin. Sandra Blies, die im Pony-Zweispänner für die Fahrergemeinschaft Steinburg antritt, hat nun ebenfalls zwei Titel, genau wie Peter Heuser von der Fahrergemeinschaft Schleswig-Holstein/Hamburg im Pony-Vierspänner.

Ein weiterer Titelverteidiger ist Jan Tödt. Er hatte bereits im vergangenen Jahr in Negernbötel bei den Pferde-Zweispännern gewonnen. Im Pferde-Einspänner holte sich Martina Greve den Titel. Sie hat in diesem Jahr schon mit der Mannschaft im Hallencup gewonnen. Große Überraschungen gab es bei der Titelvergabe also nicht.

Tür und Tor

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Auch wenn das Gartentor heutzutage nicht mehr als Statussymbol gilt, ist es nach wie vor ein wichtiges gestalterisches Element, das den Stil des Gartens mitbestimmt. Ob schlicht oder filigran, mit viel oder wenig Durchblick, traditionell oder modern – im Reich von Tür und Angel findet sich eine unglaubliche Vielfalt.

Besonders auf großen Grundstücken bietet sich die Unterteilung durch Hecken und Tore an. Foto: Karin Stern

Gartentore übernehmen eine ganze Reihe von Funktionen. Sie können gleichermaßen Zutritt gewähren wie auch verwehren. Somit heißen sie einerseits Besucher willkommen, sorgen aber auch für Privatsphäre, sofern diese gewünscht ist. Zudem bietet das Gartentor als hübscher Blickfang interessante gestalterische Möglichkeiten. Auch innerhalb weitläufiger Grundstücke erfüllen Gartentore wichtige Aufgaben, indem sie verschiedene Gartenräume voneinander trennen und in einen weiteren Bereich überleiten. Für diesen Zweck empfehlen sich vor allem halbhohe Varianten, die sich harmonisch einfügen. Ohnehin sollte eine Fremdkörperwirkung unbedingt vermieden werden. Dies gelingt, wenn das Gartentor passend zum Stil des Hauses, der Einfriedung und der Gartengestaltung gewählt wird.

Neben dem zuverlässigen und bequemen Betrieb sollte das Gartentor schön und wohlproportioniert aussehen, gleich welcher Stilrichtung es sich zuordnen lässt. Wer mit offenen Augen einen Spaziergang durch die Straßen oder im Rahmen der Offenen Gärten in Privatgärten unternimmt, bemerkt die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. Da trennt ein Weidentor den Nutzgarten vom Gartengrundstück ab oder ein schlichtes Metalltor öffnet den Weg in den lauschigen Senkgarten. Nicht aus dem Blick verlieren sollte man zudem den Bereich links und rechts des Gartentors. Nicht immer muss sich ein Zaun anschließen, auch Sträucher oder niedrige Einfassungshecken führen die Einfriedung fort. Besonders lebhaft wirkt es, wenn Gartentürchen mit Hecken und Mauern aus Klinkern oder Naturstein kombiniert werden.

Rosen und Feuerdorn mildern die massive Wirkung der Klinkermauer ebenso ab wie das filigrane Metalltor. Foto: Karin Stern

Auch die Ausstrahlung des Gartentors kann je nach Bauart und -weise ganz unterschiedlich ausfallen. Das mannshoch verrammelte Eingangstor wirkt eher abweisend, dagegen gewährt die transparente Barriere an der Grundstücksgrenze Passanten einen tiefen Einblick in die private Welt. Doch das ist auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Neben den hüfthohen Gartentor-Varianten spielt auch der gute alte Torbogen gestalterisch eine Rolle und wird in letzter Zeit wieder neu entdeckt. Tipp: Kletterrosen oder überhängende Clematis lockern eine strengere Gestaltung mit ihrem verspielt-romantischen Flair auf. Doch ein Torbogen kann auch rein „pflanzlich“ sein: Aus Hainbuche, Liguster oder Eibe lassen sich im Laufe der Zeit fantastische Bögen formen. Sie leiten wunderbar von einem Gartenteil in den nächsten über.

Einladend und mit wohnlichem Charakter grenzt das hölzerne Gartentor Grundstück und Straße voneinander ab. Foto: Karin Stern

Neben der Gestaltung gibt es auch bei der Auswahl des Baumaterials einige Punkte zu beachten. Holz oder Metall, so lautet zunächst die entscheidende Frage. Holz strahlt eine gemütlichere Stimmung aus. Gartentore aus Holz sind meist ohne große Schnörkeleien gearbeitet, häufig recht schlicht gehalten. Ob mit Latten in Reih und Glied oder eher aus unregelmäßigerem Spaltholz hergestellt, ob blickdicht verbrettert oder luftig und Einblick gewährend konstruiert – das sind nur einige der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Und die Qual der Wahl setzt sich bei der Holzart fort. Heimische Hölzer wie Lärche, Kiefer oder Eiche konkurrieren mit geflochtenen Weidentoren oder filigranen Bambusvarianten. Wer sich für Holz entscheidet, muss außerdem die Frage der Imprägnierung beantworten. Robustes Lärchenholz schützt sich durch seine Harze und Öle viele Jahre selbst vor der Witterung. Im Laufe der Zeit nimmt es unbehandelt eine altersgraue Farbe an. Dieser Prozess lässt sich hinauszögern, wenn das Holz einmal im Jahr mit einem entsprechenden Pflegeöl aus dem Baumarkt behandelt wird. Anstriche mit deckender Farbe oder einer Lasur schützen das Holz ebenso, müssen jedoch von Zeit zu Zeit erneuert werden.

Kunstvolle Schmiedearbeit veredelt diesen Eingang. Foto: Karin Stern

Wenn die neue Gartenpforte aus Metall gefertigt sein soll, kommen verschiedene Stilrichtungen infrage. Sie hängen eng mit der Materialwahl zusammen. Stahl und Edelstahl wirken eher geradlinig modern, während sich Schmiedeeisen sehr variantenreich präsentiert. Ob gerade, gewölbt oder geschwungen, schlicht, mit reicher Ornamentik und vielen Schnörkeln versehen, romantisch verspielt oder in moderner Architektur – hier findet jeder genau das richtige Modell für seinen Geschmack. Ein solches Eingangstor kann auch als Schiebetor oder zweiflügeliges Drehtor mit elektrischem Antrieb konstruiert werden. Neben den Gartenpforten aus Edelstahl bieten Modelle aus verzinktem Eisen oder Stahl wartungsfreie Haltbarkeit ohne jeden Pflegeaufwand. Dank einer Pulverbeschichtung ist auch die farbliche Gestaltung in der kompletten RAL-Palette möglich.

Filigranes Tor und massive Sandsteinpfosten – eine perfekte Kombination. Foto: Karin Stern
Das grün gestrichene Gartentor fügt sich fein abgestimmt in die Umgebung ein. Foto: Karin Stern
Für die beliebten Staketenzäune aus Kastanienholz gibt es passende Gartentore. Foto: Karin Stern


Versorgung bleibt angespannt

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Trotz guter Ernten dürfte die Versorgung auf dem globalen Sojamarkt angespannt bleiben. ­Davon geht die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) aus. Sie weist darauf hin, dass der Verbrauch an Sojabohnen derzeit schneller wachse als die Produktion, sodass die Bestände erstmals seit mehreren Jahren sinken würden. Zudem verfestigte sich im Welthandel die Verschiebung zugunsten Südamerikas.

Laut Ufop schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die weltweite Sojaproduktion 2025/26 auf rund 428 Mio. t; das wären nur 1 Mio. t weniger als im Vorjahr. Die IGC-Experten gingen davon aus, dass die Landwirte in den USA mit 116 Mio. t voraussichtlich rund 3 % weniger Sojabohnen ernten würden als in der vergangenen Saison, bedingt durch ungünstige Witterung und verzögerte Erntearbeiten. Brasilien steuere hingegen auf ein Rekordniveau zu und festige seine Rolle als wichtigster Anbieter am Weltmarkt. Erwartet werde in dem südamerikanischen Land eine Erzeugung von 177 Mio. t.

Die Sojaproduktion in Argentinien wird der Ufop zufolge mit 48,5 Mio. t etwas schwächer eingeschätzt als im Vorjahr, da viele Betriebe auf Mais und Sonnenblumen umgestellt hätten. Auf ein neues Allzeithoch von rund 430 Mio. t werde nach Berechnungen des Getreiderates der globale Verbrauch an Sojabohnen steigen. Als Wachstumstreiber wirke hier vor allem die weitersteigende Nachfrage nach Fleisch und damit nach Proteinfuttermitteln, unter anderem für die stark wachsende Lebensmittelproduktion im asiatischen Raum. Im vergangenen Jahr hatte der Verbrauch bei 419 Mio. t gelegen.

Nach Angaben der Ufop entwickelt sich der weltweite Handel mit Sojabohnen sehr dynamisch. Das Marktvolumen werde vom IGC für 2025/26 auf 187 Mio. t geschätzt; das seien etwa 3 Mio. t mehr als im Vorjahr. Allein 113 Mio. t Sojabohnen dürfte Brasilien exportieren, was die Rolle des Landes als globaler Hauptsojalieferant weiter festige. China bleibe mit Importen in Höhe von rund 113 Mio. t der mit Abstand wichtigste Nachfrager und beziehe nahezu die gesamte benötigte Ware aus Südamerika. age

EU gewinnt im Pommes-Streit

Schiedsgericht der Welthandelsorganisation

Die Europäische Union hat im Streit mit Kolumbien über Zölle auf Pommes frites einen weiteren Erfolg erzielt. Nach wie vor geht es um tiefgekühlte Ware von Herstellern aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Wie die Welthandelsorganisation (WTO) feststellte, hat Kolumbien die Empfehlungen eines WTO-Schiedsgerichts nicht korrekt umgesetzt. Bereits im Jahr 2022 hatte die WTO entschieden, dass die von Kolumbien verhängten Antidumpingzölle nicht regelkonform sind. Wie die EU-Kommission mitteilte, folgte die WTO der EU in ihrer Argumentation, dass Kolumbien WTO-widrige Berechnungsmethoden verwendet habe, um Dumpingspannen nachzuweisen beziehungsweise diese aufzublähen. Der EU-Kommission zufolge können beide Parteien nun die Annahme des Berichts durch das WTO-Streitbeilegungsgremium auf dessen Sitzung am 24. November beantragen. Wird der Bericht angenommen, müsse Kolumbien die beanstandeten Maßnahmen unverzüglich aufheben. Sollte Kolumbien die Entscheidung nicht vollständig umsetzen, könne die EU die WTO um die Genehmigung für Vergeltungsmaßnahmen bitten, um die vollständige Einhaltung zu erzwingen. Der Streit konnte laut der EU-Kommission trotz der Lähmung des WTO-Berufungsgremiums vom funktionsfähigen Streitbeilegungssystem profitieren, da sowohl Kolumbien als auch die EU Teil der Mehrparteien-Interimsvereinbarung über Berufungsverfahren sind. age

Rekordmenge an Sojabohnen erwartet

Agrarproduktion in Brasilien

Die Sojabohnenproduktion in Brasilien dürfte in diesem Jahr auf ein Rekordniveau steigen. Davon geht der brasilianische Verband der Pflanzenölindustrie (Abiove) aus. Die Analysten des Verbandes rechnen für das Wirtschaftsjahr 2025/26 mit einem Gesamtaufkommen von 178,5 Mio. t Sojabohnen; das wären 6,7 Mio. t oder 4 % mehr als im Vorjahr. Optimistisch zeigt sich Abiove auch für die Sojabohnenexporte. Hier wird mit 111 Mio. t ebenfalls ein neuer Höchstwert erwartet; damit würde die Vorjahresmenge um 1,5 Mio. t oder 1,4 % übertroffen.

Brasilien ist der weltweit wichtigste Sojaproduzent. Foto: Imago

Auf Rekordkurs sieht der Fachverband zudem das Verarbeitungssegment. Abiove rechnet damit, dass 2025/26 rund 60,5 Mio. t Sojabohnen in die Verarbeitung gehen werden, nach 58,5 Mio. t in der Vorsaison. Das Aufkommen an Sojaöl wird von den Marktexperten auf 12,1 Mio. t beziffert; gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Plus von 3,5 %. Damit einhergehen dürfte ein Anstieg der Produktion von Sojaschrot. Hier stellt Abiove eine Gesamtmenge von 46,6 Mio. t in Aussicht; 2024/25 waren es 45,1 Mio. t.

Die Exporte an Sojaöl werden laut Schätzung des Verbandes im laufenden Wirtschaftsjahr bei 24,6 Mio. t liegen und damit das Vorjahresergebnis um 4,2 % übertreffen. Im Gegenzug wird Brasilien voraussichtlich 125.000 t Sojaöl einführen; das wäre ein Zuwachs von 25 %. age

Meister des Dialogs

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Mit der Ernennung von Cornelia Schmachtenberg (34) zur Landwirtschaftsministerin und Magdalena Finke (38) zur Innenministerin verordnet Ministerpräsident Daniel Günther (alle CDU) der Kieler Landesregierung eine Verjüngungskur. Er selbst hebe zukünftig den Altersschnitt im Kabinett, erklärte er am Dienstag auf der Pressekonferenz zur Regierungsumbildung. Auch die Frauenquote steigt mit dem Wechsel der Ressortspitzen auf 60 %. Günther setzt damit klare Signale Richtung Aufbruch und Modernisierung.

Aus der Regierungsverantwortung verabschieden sich in der kommenden Woche Werner Schwarz und Dr. Sabine Sütterlin-Waack. Während die Innenministerin bereits zu Beginn der Legislaturperiode erklärte, nicht bis 2027 mitregieren zu wollen, hat sich Schwarz offenbar in „vertrauensvollen Gesprächen“ mit Günther geeinigt, seinen Stuhl für die rund 30 Jahre jüngere Schmachtenberg zu räumen. Dass diese Einigung in einem konstruktiven Dialog zustande kam, ist glaubhaft und passt zu Schwarz‘ Führungsstil, sowohl als Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, als Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes als auch als Landwirtschaftsminister. Als Kompromissfinder zeichnete er sich unter anderem in der Zukunftskommission Landwirtschaft und im Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein aus.

Es gibt Kritiker, die den scheidenden Landwirtschaftsminister als „blass“ bezeichnen. Dabei sind die Ergebnisse seiner Arbeit durchaus sichtbar. Nach dem Aufbau eines neuen Ministeriums hat er die Umsetzung des Neun-Punkte-Plans von Ministerpräsident Günther zum Bürokratieabbau akribisch verfolgt. Mit dem Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft schuf er eine ­zukunftsorientierte Institution. Ja, er war nie ein Mensch der ganz lauten Töne. Allerdings musste er auch mit angezogener Handbremse agieren, da viele Themen der Landwirtschaft in Brüssel und Berlin entschieden werden. Zum anderen musste er in vielen Bereichen Kompromisse mit dem grün geführten Umweltministerium finden. Nicht von ungefähr fordert der Bauernverband Schleswig-Holstein, dass die Verantwortung für Wasserwirtschaft und Vertragsnaturschutzprogramme dem Landwirtschaftsministerium zugesprochen wird.

Pläne dazu gibt es aktuell nicht. Das bestätigte Günther auf Nachfrage des Bauernblattes. Entsprechend wird auch Schmachtenberg nur einen begrenzten Gestaltungsspielraum haben. Immerhin, die studierte Agrarierin ist vom Fach, kennt sich in Schleswig-Holstein aus und hat bereits als umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Umwelt- und Agrarausschuss des Kieler Landtags gewirkt. Ob ihr das bei Meinungsverschiedenheiten mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) hilft, bleibt abzuwarten. Die Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein setzen darauf, dass sie ihre Interessen mindestens genauso gut vertritt wie Schwarz – und gern noch etwas „lauter“.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Erinnerungen, Geschichten und Gemeinschaft

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Im Heider Stadttheater feierte der Landjugendverband Schleswig-Holstein ein besonderes Jubiläum mit vielen Gästen, Ausgelassenheit und einem Blick auf Vergangenes und die Zukunft.

Monatelang hatte die Projektgruppe geplant, organisiert und vorbereitet. Ende Oktober war es so weit: Der Landjugendverband Schleswig-Holstein feierte sein 75-jähriges Bestehen im festlich geschmückten Stadttheater in Heide. Ein würdiger Rahmen für ein Jubiläum, das nicht nur die Geschichte, sondern vor allem den Zusammenhalt einer starken Gemeinschaft feierte.

Humorvoller Auftakt und starke Worte

Nach und nach trafen sie ein: Ehrengäste, ehemalige Vorsitzende, Weggefährten und aktive Landjugendliche aus allen Teilen des Landes. Bekannte Gesichter aus Kreisverbänden und Ortsgruppen, Vertreter befreundeter Verbände und natürlich die Geschäftsstelle sowie der Landesvorstand sorgten dafür, dass der Saal sich rasch füllte. Trotz Regen und begrenzter Parkplätze verlief der Einlass entspannt. „Landjugendlich pünktlich“ hieß es augenzwinkernd, denn der Beginn verzögerte sich nur um 10 min, was bei solchen Veranstaltungen durchaus im Rahmen liegt.

Ehrengäste, ehemalige Vorsitzende, Weggefährten und aktive Landjugendliche kamen nach Heide. Foto: Thore Groth

Marlies Muxfeldt und Sören Schatt eröffneten den Abend und hießen alle Gäste herzlich willkommen. Danach übernahmen die ehemaligen Vorstandsmitglieder Hannes Bumann und Tim Blöcker die Moderation – mit viel Charme, Humor und einer kleinen Showeinlage: Das Sakko musste kurzzeitig fallen, um das weiße Landjugend-Shirt darunter zu präsentieren. „So passt’s besser“, meinten die beiden und das Publikum war sofort auf ihrer Seite.

Im Anschluss folgten die Grußworte, landjugendtypisch kurzweilig, denn nach jeder Rede mussten sich die Redner noch ein paar spontanen Fragen der Moderation stellen. So entwickelte sich ein launiger Austausch auf der Bühne, in dem Erinnerungen, Anekdoten und aktuelle Themen ihren Platz fanden.

Erinnerungen und Wegbegleiter

Gemeinsam auf der Bühne standen Claudia Jürgensen (Präsidentin des LandFrauenverbands SH), Klaus-Peter Lucht (Präsident des Bauernverbands SH) und Ute Volquardsen (Präsidentin der Landwirtschaftskammer SH). Sie blickten auf ihre eigenen Anfänge in der Landjugend zurück; auf erste Projekte, neue Freundschaften und lange Partynächte. Mit einem Lächeln erinnerte sich Claudia Jürgensen an ihre erste Begegnung mit Tajo Lass, dem späteren ersten Vorsitzenden – natürlich beim Hüttenabriss. „Nicht lang schnacken, einfach anpacken“, lautete seine Devise, erzählte sie. Diese Tatkraft habe sie von Anfang an beeindruckt. Heute zollt sie den jungen Leuten großen Respekt, die Landwirtschaft und Ehrenamt miteinander verbinden: „Die Landjugend ist dabei ein großer Motivator!“ Auch sie selbst war einst mittendrin.

Die Landjugend-Vorsitzenden Marlies Muxfeldt und Sören Schatt eröffneten die Jubiläumsfeier.

Klaus-Peter Lucht hob die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landjugend hervor und dankte auch für die Aktivität in der Ausschussarbeit. „Darauf können wir stolz sein und das soll auch so bleiben.“ Kurz zuvor hatte der Bauernverbandspräsident noch über seine eigenen Anfänge in der Landjugend berichtet, wobei vor allem spektakuläre Partynächte in Erinnerung geblieben seien. Auf die Frage, wie der Bauernverband weiblicher und jünger werden könne, warb Lucht dafür, Frauen noch stärker in Ausschüsse einzubinden, Netzwerke zu fördern und digitale Möglichkeiten zu nutzen – das sei ein Weg, um den Verband jünger und weiblicher zu machen.

Ute Volquardsen hob hervor, dass Parität und Gleichberechtigung in der Landjugend schon seit den 1950er Jahren ein Thema seien. „Das war damals wie heute ein prägendes Merkmal der Landjugend“, betonte sie und berichtete, wie sie damals als Jugendliche nach der Konfirmation mit ihrer Schwester zur Landjugend stieß.

Humor, Haltung und ein Hauch Nostalgie

Auch Staatssekretärin Anne Benett-Sturies, die Agrarminister Werner Schwarz (CDU) vertrat, gratulierte herzlich und lobte die Landjugend für ihr Engagement in der Bildungsoffensive des Landes. Sie sei ein verlässlicher Partner, wenn es um Zukunftsthemen gehe.

LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen (v. li.), die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen, und Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht blickten in ihrer Ansprache augenzwinkernd auf eigene Erlebnisse in der Landjugend zurück. Foto: Lisa Tödter

Für den Bund der Deutschen Landjugend sprach Bundesvorsitzender Lars Ruschmeyer – und wurde gleich zu Beginn gefragt, ob er denn dieses Jahr auch Mais gefahren habe. „Ja, und ohne mich festzufahren!“, gab er lachend zurück. Trotz zweier Autopannen auf dem Weg von Dresden nach Heide hatte er es noch rechtzeitig geschafft. In seiner Ansprache hob er hervor, wie aktiv Schleswig-Holstein in der Landjugendarbeit, auch im Bundesverband, sei – von der 72-Stunden-Aktion bis zu klaren politischen Positionen. „Aktiv, engagiert, am Puls der Zeit und dabei oft mit einer beneidenswerten Ruhe“, so fasste Lars Ruschmeyer seine Eindrücke zusammen. Diese Gelassenheit habe sich besonders beim Deutschen Landjugendtag im vergangenen Jahr in Jübek gezeigt, der für ihn zu den schönsten Erlebnissen zähle.

Danach übernahm mit Volker Haack ein früherer Landesvorsitzender das Mikrofon. Zwischen 1985 und 1987 stand er an der Spitze des Verbandes und brachte als Erinnerungsstück seinen alten Reisekoffer mit, der ihn früher zu Landjugendtreffen im In- und Ausland begleitet hat. „Damals wurde ich von meiner Mutter einfach angemeldet, das war rückblickend das Beste, was sie machen konnte“, erinnerte er sich mit einem Lachen.

Mit Humor berichtete er von den „Getränkesitten“ vergangener Zeiten und vom Wandel der Landjugend. „Heute ist vieles entspannter, damals war’s strenger, aber feiern konnten wir schon immer gut.“ Mit Humor nahm Volker Haak die Bürokratie aufs Korn, die er als Bürgermeister nur zu gut kennt. Manchmal, so seine augenzwinkernde Botschaft, täte ein bisschen mehr „einfach Machen“ gut – Projekte anpacken, statt sich in Formularen zu verlieren. „Wenn etwas gebaut ist, dann steht es eben und dann soll erst einmal jemand kommen und es wieder abreißen.“ Der Saal lachte zustimmend. Mit Nostalgie blickte Haack auf frühere Zeiten zurück, als sogar ein Flugzeug zur Grünen Woche nach Berlin genommen wurde. Nur 20 min dauerte der Trip in die Hauptstadt. Heute kaum vorstellbar, damals aber ein echtes Abenteuer.

Buffet, Zeitung und die längste Nacht

Nach so vielen Geschichten und Erinnerungen eröffnete Marlies Muxfeldt das Buffet und erklärte traditionell den „Bratenlauf“. Nach dem Festessen füllte sich das Foyer zusehends, denn jetzt trafen nach und nach die Landjugendlichen aus ganz Schleswig-Holstein ein, teils mit Bussen angereist, um gemeinsam zu feiern.

Ab 21 Uhr wurde das Stadttheater endgültig zur Partyzone. Es wurde getanzt, gelacht und gefeiert, und das bis weit nach Mitternacht, denn durch die Zeitumstellung dauerte die Nacht eine Stunde länger. Wer kurz durchschnaufen wollte, blätterte in der Jubiläumszeitung, die auf den Tischen auslag. Sie bot viele Fotos, Grußworte und einen spannenden Rückblick auf 75 Jahre Landjugendgeschichte.

Ein Abend, der im Gedächtnis bleibt

Das 75. Jubiläum war mehr als nur ein Fest. Es war ein Stück Landjugendgeschichte, lebendig erzählt und gefeiert von Menschen, die die Bewegung geprägt haben, damals wie heute.

Ein besonderer Dank gilt dem Stadttheater Heide, der Projektgruppe und allen, die diesen Abend möglich gemacht haben. Und so bleibt von dieser Feier nicht nur der Duft der köstlichen Rouladen in Erinnerung, sondern das Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, die auch nach 75 Jahren nichts von ihrer Begeisterung verloren hat.

Im Stadttheater in Heide feierte der Landjugendverband Schleswig-Holstein sein 75-jähriges Bestehen. Foto: Thore Groth

Biomasse muss „Erneuerbar“ bleiben

Die Bundesregierung hält weiterhin an ihrem Vorhaben fest, Biomasse künftig nicht mehr als Erneuerbaren Energieträger im Stromsteuerrecht zu definieren. In einer Verbändeanhörung zum Gesetz zur Änderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes im Finanzausschuss des Bundestages stießen diese Pläne am Montag weiterhin auf deutlichen Widerstand aus der Wirtschaft.

In ihrer Stellungnahme betonten die im Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB) organisierten Bioenergieverbände, dass die Streichung von Biomasse aus der Definition Erneuerbarer Energien im Widerspruch zu unionsrechtlichen und nationalen Bestimmungen stehe. Sollten künftig nur noch Wind-, Solar-, Wasser- und Geothermieenergie berücksichtigt werden, verstoße dies gegen das unionsrechtliche Gleichbehandlungsgebot. Zudem würde die Reform die Systematik bestehender nationaler Regelwerke, etwa des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), unterlaufen. Die Bioenergie leiste einen wichtigen Beitrag zur Flexibilisierung und Stabilisierung der Stromnetze. Diese Rolle würde durch die geplante Neuregelung geschwächt.

Die HBB-Leiterin Sandra Rostek bewertete in der Ausschussanhörung die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen für die Anlagenbetreiber zwar als „wenig gravierend“. Entscheidend sei jedoch das Signal, das davon ausgehe, wenn Biomasse plötzlich nicht mehr als „Erneuerbar“ eingestuft würde. Sollte dies Schule machen, könnte sich dies letztlich auch wirtschaftlich nachteilig für die Branche auswirken.

Das vom Bundesfinanzministerium vorgebrachte Argument, die Reform diene dem Bürokratieabbau, wies Rostek zurück. Bereits heute müssten die Anlagen zahlreiche Nachhaltigkeitszertifizierungen durchlaufen. Eine zusätzliche Nachweissystematik speziell für das Stromsteuerrecht sei daher überflüssig. Stattdessen könne auf bestehende Zertifizierungen zurückgegriffen werden.

Auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) schloss sich der Kritik an. Der Verband lehnt in seiner Stellungnahme die geplante Streichung von Biomasse aus der Definition Erneuerbarer Energieträger ab. Biomasse, insbesondere Holz, sei für den DRV „der Inbegriff Erneuerbarer Energie“.

Zugleich begrüßte der DRV, dass Landwirtschaft und produzierendes Gewerbe dauerhaft von der Stromsteuer entlastet werden sollen. Allerdings müsse auch der Agrarhandel in diese Entlastung einbezogen werden. Andernfalls entstünde eine Ungleichbehandlung innerhalb der Landwirtschaft, warnte DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp in der Anhörung. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem „vermutlichen Versehen“, das im Gesetzgebungsprozess unterlaufen sei. Holzenkamp erläuterte, dass in genossenschaftlich organisierten Betrieben des Agrarhandels, in denen sich mehrere Landwirte zusammengeschlossen hätten, häufig energieintensive Tätigkeiten wie Trocknung, Kühlung, Reinigung oder andere Verarbeitungsschritte des Ernteguts durchgeführt würden.

Der Agrarhandel übernehme im Sinne der Arbeitsteilung somit Aufgaben, die eindeutig der Landwirtschaft zuzurechnen seien. „Wenn ein einzelner Landwirt diese Tätigkeiten ausführt, wird er entlastet. Schließen sich jedoch mehrere Landwirte beispielsweise zu einer Genossenschaft zusammen, greift die Entlastung nicht“, monierte Holzenkamp.

Strategien für eine effiziente Pflanzenversorgung

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Teuer eingekaufte Düngemittel sollen bedarfsgerecht platziert und nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Gleichzeitig soll, im Einklang mit der Düngeverordnung, dass Ertragspotenzial ausgeschöpft und eine qualitativ hochwertige Ernte eingefahren werden. Zugleich gilt es klimabedingte Risiken durch eine optimale Pflanzenernährung abzumildern.

Liebigs Gesetz des Minimums besagt, dass das Wachstum einer Pflanze von demjenigen Nährstoff abhängig ist, der als Erstes den Bedarf der Pflanze nicht mehr decken kann und der somit begrenzend auf das Wachstum wirkt. Hierbei ist zu beachten, dass dies gleichermaßen für Makro- und Mikronährstoffe gilt – so kann Kupfermangel zum Beispiel Taubährigkeit beim Weizen verursachen. Für die bedarfsgerechte Nährstoffversorgung spielen außerdem Wasserversorgung, die Nachlieferung von Nährstoffen aus dem Bodenvorrat und der richtige Applikationszeitpunkt eine zentrale Rolle.

Wie sich in diesem Frühjahr erneut zeigte, erschwerten extreme Witterungsperioden die Düngerapplikationen. Eine effiziente Stickstoffversorgung hängt jedoch nicht nur von Bodenfeuchte, sondern auch von Nährstoffverhältnissen und Düngezeitpunkten ab. Stichprobenartig durchgeführte Pflanzenanalysen zeigten in der Bestockungsphase ausreichend verfügbaren Stickstoff, sodass für diese Fälle gesagt werden kann, dass die Düngegaben präzise erfolgten (siehe Abbildung 1).

Schwefel (S) und Stickstoff (N) stehen in einer positiven Wechselwirkung (Synergie) zueinander, weil Schwefel für die Stickstoffverarbeitung in der Pflanze benötigt wird. Liegt ein Schwefelmangel vor, reduziert dies die Stickstoffnutzungseffizienz, selbst bei ausreichender Stickstoffversorgung. Deswegen ist eine gleichzeitige Gabe von N und S im optimalen Verhältnis von 10:1 empfehlenswert, während eine Vorratsdüngung nur das Auswaschungsrisiko erhöht, da Sulfat im Boden ebenso mobil ist wie Nitrat. Eine Elementarschwefelgabe zu Zwischenfrüchten kann die Verwertung des Rest-Nmin verbessern. Da Elementarschwefel stetig von Bodenbakterien zu pflanzenverfügbarem Sulfatschwefel umgewandelt wird, besteht ein geringeres Auswaschungspotenzial als bei einer Sulfatdüngung.

Die Ergebnisse der Pflanzenanalysen aus dem Frühjahr, die in den BBCH-Stadien 24-36 durchgeführt wurden, zeigen eine im unteren Normbereich einzuordnende Phosphorversorgung der Pflanzen trotz ausreichend mit Phosphor versorgter Böden (Gehaltsstufe D nach VDLufa). Zwar konnten keine expliziten Phosphormangelerscheinungen beobachtet werden, doch der Unterschied zwischen Pflanzenversorgung und Bodengehalt lässt darauf schließen, dass die Phosphatbereitstellung aus dem Boden eingeschränkt sein kann. Maßnahmen zur Verbesserung der Phosphorverfügbarkeit in den Böden durch zum Beispiel Förderung der Mykorrhizierung, Zwischenfruchtbau oder Anpassung des pH-Wertes können eine optimale Pflanzenernährung ohne Phosphordüngung verbessern.

Ein Schätzrahmen ermöglicht es Landwirten, die Wahrscheinlichkeit einer Schwefelunterversorgung zu schätzen, indem sie Faktoren wie Standort, Witterung und Bodenbeschaffenheit berücksichtigen.

Phosphor wird im Gegensatz zu Stickstoff im Boden kaum in der Tiefe verlagert, allerdings bindet sich wasserlösliches Phosphat sehr leicht an andere Bodenbestandteile in fester, nicht pflanzenverfügbarer Form. Bei sehr niedrigen pH-Werten im Boden wird eine Bindung an Eisen-, Zink- und Aluminiumoxide gefördert. Dementgegen wird bei hohen pH-Werten, beziehungsweise bei guter Kalziumversorgung des Bodens, die Bildung von nicht pflanzenverfügbaren Kalziumphosphaten gefördert. Mittels Wurzelsäuren oder auch durch mikrobielle Aktivität besteht die Möglichkeit, diese im Boden wieder zu erschließen.

Organische sowie mineralische Phosphordüngegaben sollten aufgrund der geringen Mobilität im Boden eingearbeitet werden. Eine Phosphordüngung während der Vegetation birgt das Risiko, aufgrund der geringen Mobilität in zu geringer Menge oder zu spät im Wurzelraum der Pflanze anzukommen, wodurch die Wirtschaftlichkeit der Kopfdüngung zu überdenken ist. Zudem kann sich der nicht von den Pflanzen aufgenommene Phosphor im Boden anreichern, wodurch das Risiko für hohe Nährstofffrachten in Wasser- und Winderosionen steigt.

Durch eine Kalkung auf Grundlage regelmäßiger Analysen lässt sich der pH-Wert im bodenspezifischen Optimum halten. Dies hat einen starken Einfluss auf das Bodenleben, die Umsetzung von organischer Substanz sowie auf die Nährstoffverfügbarkeiten. Folglich können Kalkungen die Nährstoffausnutzung aller teils teuer eingekauften Nährstoffe verbessern und sollte stets mit im Fokus der Düngeplanung stehen.

Bei der Umsetzung von Kalk (CaCO3 oder CaO) wird Kalzium (Ca2+) frei, das als Makronährstoff von der Pflanze benötigt wird, beispielsweise als Bestandteil der Zellwände. Zum anderen ist Kalzium ein wichtiger Baustein des Bodens. Es ist unter anderem ein entscheidender Verbindungsstoff, der Tonteilchen zu Ton-Humus-Komplexen verkittet, die wiederum den Boden in Bezug auf Wasserhaushalt, Durchwurzelbarkeit, Durchlüftung und Stabilität maßgeblich verbessern. Eine Kalkung ist demnach zugleich eine pH-Regulation wie auch eine Kalziumdüngung für Pflanze und Boden.

Langjährige organische Düngung fördert die Mikronährstoffverfügbarkeit im Boden und reduziert folglich den Düngebedarf.

Kalium erhöht die Resilienz der Pflanze durch eine höhere Frost- und Trockentoleranz und verbessert physiologische Abwehrmechanismen, beispielsweise durch stärkere Zellwände. Leichte Böden können aufgrund der geringen Sorptionskraft nur geringe Kalimengen speichern und vor Auswaschung schützen. Große Kaligaben sollten auf diesen Böden entsprechend gesplittet werden. Bei schwereren Böden mit einer größeren Sorptionskraft spielt diese Gefahr nur eine untergeordnete Rolle, sodass Vorratsdüngungen mit Kalium möglich sind.

Kalium steht mit Natrium in Synergie. Natrium ist in der Lage, einige Funktionen von Kalium in der Pflanze zu übernehmen, obwohl es selbst kein Nährstoff ist. Es wird als „nützliches Element“ bezeichnet. Im Boden verfügbares Natrium kann den Düngebedarf an Kalium senken.

Anders sieht es mit Magnesium aus. Kalium und Magnesium verhalten sich antagonistisch, da sie von der Wurzel über den gleichen Mechanismus aufgenommen werden, sodass ein Überangebot des einen die Aufnahme des anderen blockieren kann. Dies kann zu einem Mangel trotz ausreichendem Nährstoffgehalt im Boden führen. Mithilfe von Pflanzenanalysen können antagonistische Effekte der Nährstoffe in überversorgten Böden (VDLufa-Klassen D und E) frühzeitig erkannt werden. In Schleswig-Holstein sind häufig Marschböden natürlicherweise stark mit Magnesium versorgt. Je nach Ausgangssubstrat kann dies auch im Östlichen Hügelland vorkommen, wenn auch kleinräumiger.

Neben den Makronährstoffen liefern die Blattanalysen weitere Einblicke in die Nährstoffversorgung. Zum Probenahmezeitpunkt ist der Weizen ausreichend mit Mangan, Kupfer und Zink versorgt. Eine bereits im Herbst angewendete Mikronährstoffdüngung kann den Stoffwechsel der Pflanze stärken. Eigenschaften wie Frosthärte, Zellstabilität und die damit verbundene Stresstoleranz werden verbessert. Zudem können Mikronährstoffgaben auch die Stickstoffeffizienz steigern. Beispielsweise fördert Kupfer die Stickstoffaufnahme und Eiweißsynthese.

Eine sehr geringe Streuung unserer Stichproben zeigt die Borversorgung der Pflanzen. Dieser Nährstoff wird unter anderen benötigt für die Stoffwechselaktivität und die Zellteilung. Die Proben wurden ausschließlich auf nicht auswaschungsgefährdeten Böden gezogen, was die gute Versorgung erklären kann. Da Bor in der Pflanze kaum mobil ist, muss es sowohl über die Blätter als auch über die Wurzeln der Pflanze aufgenommen werden.

Stichprobenhafte Mikronährstoffuntersuchungen der in den Beratungsgebieten ausgebrachten Wirtschaftsdünger zeigen relevante Mikronährstofffrachten von Mangan, Kupfer und Zink, wobei Schweinegülle, äquivalent zu den Makronährstoffen, die höchste Mikronährstoffkonzentration aufweist. Rindergülle und Gärrest ähneln sich im Kupfergehalt pro Quadratmeter und, anders als bei der Schweinegülle, im Mangan-Zink-Verhältnis.

Mit dem Einsatz von Wirtschaftsdüngern kann folglich ein Teil des Mikronährstoffbedarfs der Pflanzen gedeckt werden. Langjährige organische Düngung fördert die Mikronährstoffverfügbarkeit im Boden und reduziert damit den Düngebedarf. Die Zink-, Mangan- und Kupfergehalte in Wirtschaftsdüngern übersteigen teilweise die für eine ausgeglichene Pflanzenernährung benötigten Mengen. Da es sich hierbei um nicht im Boden zersetzbare Metalle handelt, können sie sich mit der Zeit anreichern.

Es wird deutlich, dass die Nährstoffversorgung in der Pflanze das Ergebnis vieler ineinandergreifender Mechanismen ist, die den Erfolg von Düngemaßnahmen mit beeinflussen. Erkenntnisse über Bodenbeschaffenheit, Wasserverhältnisse, pH-Wert, Fruchtfolgeeffekte sowie Wechselwirkungen zwischen den Nährstoffen können durch Boden- und Pflanzenanalysen in einen Kontext gebracht werden. Mit der darauf aufbauenden Düngestrategie kann die Effizienz speziell von Stickstoff und Phosphor erhöht und die Düngung kann reduziert werden. Dies spart Geld im Düngereinkauf und leistet einen Beitrag zum Gewässerschutz.