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Die Gelassenheit der großen Betriebe

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Die Zukunft bauen – das wollen die ZukunftsBauer! Henrik Loop aus Bönebüttel im Kreis Plön bei Neumünster engagiert sich in diesem Projekt des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was für ihn dabei im Fokus steht, schildert er im Gespräch mit dem Bauernblatt.

Man soll nicht mit einer trockenen Zahl beginnen, aber 23.500 ha – das ist schon eine Nummer! 650 ha allein jeder Schlag im Durchschnitt. Da wurde gedroschen und gedroschen mit neun Dreschern, fast jeden Tag von Früh bis spät – auf einem von ihnen Henrik Loop, Jungbauer aus Bönebüttel im Kreis Plön bei Neumünster. Ein halbes Jahr war er in Übersee, zuerst in Australien, dann in Chile – „nach der Höla noch mal Erfahrungen sammeln, bevor ich in den Betrieb einsteige“.

Henrik Loop wird Hofnachfolger in 16. Generation. Der Vorfahre Hindrich Loop ist 1594 nachgewiesen.

Zu Hause

„Fast konnten wir ihn nicht fortlassen, weil vier Wochen vorher ein langjähriger Mitarbeiter gekündigt hat“, erzählt Vater Joachim, „aber wir haben noch einen sehr guten Ersatz gefunden.“ Der Betrieb in Bönebüttel ist natürlich nicht mit dem oben genannten in Australien zu vergleichen, bewirtschaftet aber immerhin rund 500 ha. Er ist vielseitig aufgestellt. Neben dem Hauptstandbein des Ackerbaus gibt es als Nebenzweige Tannenbäume in Direktvermarktung und die Pensionswirtschaft für 50 Pferde, vor allem aber die Energiewirtschaft: Drei Gärbehälter liefern nicht nur Strom für den Hof samt der Trocknungsanlage, sondern auch Nahwärme für 90 Häuser im Neubaugebiet. Die PV-Anlage leistet 150 kWpeak.

Die Biogasanlage leistet 1,1 MW, auch für Nahwärme der Neubausiedlung. Fotos (2): Tonio Keller

Nach dem Sommer auf der Südhalbkugel ist der 23-Jährige jetzt wieder da – frisch und unternehmungsfreudig, wie es passt für einen ZukunftsBauer. Auf Treffen mit den Kollegen in dieser Arbeitsgruppe, an denen er natürlich noch nicht teilnehmen konnte, freut er sich. „Jeder, der zukunftsorientiert ist, ist ZukunftsBauer“, sagt er: „Die Welt wird sich ändern, da ist es gut, sich mit anderen auszutauschen, da muss nicht jeder alleine vorwärtsgehen.“

Beim Tannenbaumverkauf bei Wurst und Glühwein komme man gut ins Gespräch mit Kunden. Der Demeter-Landwirt Dirk Kock-Rohwer, Landtagsmitglied für die Grünen, ist Hof- und Feldnachbar. Man lebe in gutem Einvernehmen, habe ein freundliches, entspanntes Verhältnis und helfe einander aus, sagt Henrik. Jeder solle so wirtschaften, wie er es für richtig halte. „Man muss die Augen offenhalten und links und rechts gucken.“

In Australien

Henrik Loop auf dem Drescher

Da kommt ihm die Erfahrung im Ausland zugute – ein Blick nicht nur über den sprichwörtlichen Tellerrand, sondern sogar über das Meer! Die Arbeit in Australien mit 15 anderen Erntehelfern – alles junge deutsche Landwirte – war wie eine Klausur. In die nächstgrößere Stadt brauchte man für 60 km eineinhalb Stunden, da fuhr man gerade mal am Sonnabend zum Einkaufen hin und für ein Bier im Pub.

Die Kontakte und Beziehungen, die entstanden, sind für ihn eine wertvolle Bereicherung. Über solche Kontakte hatte er auch den Aufenthalt vermittelt bekommen. „Ein deutscher Kollege, der zwei Jahre dort gearbeitet hat, hat mir den Betrieb empfohlen.“ Nun hat er bereits selbst Kollegen vermittelt. „Es werden immer gute Leute gesucht.“

Die Bestände in Australien seien sehr dünn gewesen, auch der Trockenheit geschuldet – in dieser Saison 150 mm/Jahr – das ist auch für dort sehr wenig. Dazu unglaublich viele Steine auf dem Feld. Es sei eine Herausforderung gewesen, mit den großen Maschinen sauber zu dreschen – bei satten 10 bis 12 km/h.

In Chile

Die Gruppe der Erntehelfer in Chile mit Chefs und Seniorchefin, r. Henrik Loop. Fotos (2): privat

In Chile sah es etwa anders aus: Mit 1.600 ha Druschfläche war die Fläche immer noch riesig. Der Betrieb lag in dem schmalen Küstenstreifen vor den Anden auf nur 68 m über NN. Die Bestände seien besser gewesen als in Australien und auch als hier: 13,5 t/ha Ernte im Flächenschnitt. Auch gab es genügend Niederschlag mit 1.500 mm/Jahr. Der wichtigste Wirtschaftszweig aber waren 400 ha Kartoffeln, „mit ihnen wurde das Geld verdient“, und zwar in Form von Chipskartoffeln für den Export – „die bekommt man auch hier im Supermarkt“. Für die Kartoffeln wurden 75 bis 80 Mitarbeiter beschäftigt – Sortieren, Waschen et cetera – in der Landwirtschaft etwa zehn. Chefs waren Nachkommen von ausgewanderten Deutschen in fünfter Generation, die in der Familie Deutsch sprachen, die Angestellten und Erntehelfer aber Spanisch –„Google-Übersetzer war der beste Freund“.

Wieder zu Hause

Was nimmt Henrik mit aus seinem Auslandseinsatz? Die Kontakte und das Netzwerk mit den Erntehelfern natürlich. Vor allem aber die Gelassenheit auf den riesigen Betrieben, und das inmitten der Hochsaison der Ernte. „Das strahlen die Chefs aus, das ist mit wenig deutschen Betrieben zu vergleichen. Wenn da was kaputt ist und nicht gleich ein Ersatzteil kommt, dann ist das so. Dann steht der Drescher eben übers Wochenende oder auch zwei Wochen.“

Zwischen Australien und Chile hat sich Henrik Loop dann doch noch ein paar Wochen Urlaub gegönnt, zum Teil in Neuseeland. „Die Landschaft dort, auch die in Chile, die erloschenen Vulkane in den Anden. Auch das ist etwas, das ich mitnehme nach Hause. „Das habe ich immer im Hinterkopf.“

Weizenernte in Chile

Saisonstart mit Sellerie-Jungpflanzen

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Auch wenn die Sortenvielfalt von Knollen- und Stangensellerie am Pflanzentisch etwas beschränkt ausfällt, sind die Setzlinge eine gute Alternative zum Samenkauf. Denn die Aussaat auf der Fensterbank ist wegen der benötigten konstanten 20 °C während der dreiwöchigen Keimphase recht heikel. Sellerie ist in der Jugend sehr temperaturempfindlich. Hinzu kommt die lange Anzuchtphase. Die Aussaat muss bereits Ende Februar erfolgen, wenn im Mai kräftige Setzlinge ausgepflanzt werden sollen.

Bei Jungpflanzen ist die richtige Pflanztiefe entscheidend für die gute Entwicklung. Foto: Karin Stern

Wer allerdings besondere Sorten wie den Stangensellerie ‚Giant Red‘ mit seinen rot gefärbten Stielen bevorzugt, nimmt solche Mühen gerne in Kauf – zumal diese Sorte auch noch eine gute Ernte liefert, wenn sie erst Anfang Mai gesät wird. Dann kommen auch die Samen des unkomplizierten Schnittselleries in den Boden.

Stangensellerie pflanzen Sie ebenso hoch wie der Setzling vorher im Topf saß. Foto: Karin Stern

Ein Blick auf die Wettervorhersage ist ein Muss, bevor es ans Pflanzen der Setzlinge geht. Sie dürfen erst ins Freie, wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Zu niedrige Temperaturen treibt Stangen- und Knollensellerie in die Blüte. Droht nach der Pflanzung noch eine Kälteperiode, deckt man das Beet mit Gartenvlies ab. Beide Selleriearten kommen im Abstand von 40 x 40 cm aufs Beet. Stangensellerie setzt man nicht tiefer, als dieser vorher im Erdpresstopf stand. Für Knollensellerie empfiehlt sich dagegen eine etwas höhere Pflanzung, damit sich die Knollen gut ausbilden. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl angesagt. Bei zu tiefer Pflanzung verformen sich die Wurzeln, bei zu flacher Pflanzung entstehen schnell unerwünschte Nebenwurzeln. Beides mindert die Qualität der Knollen.

Bei Knollensellerie, Stangensellerie und Schnittsellerie gibt es jeweils einige Besonderheiten in der Kulturführung zu beachten. Betrachten wir zunächst die speziellen Wünsche des Knollenselleries. Er bevorzugt einen frischen, eher schweren, humus- und nährstoffreichen Boden mit neutralem bis leicht basischem pH-Wert in vollsonniger Lage. Tipp: Die vorgezogenen Jungpflanzen vorher abhärten, indem sie stundenweise ins Freie gestellt werden. Ein gut mit Kompost versorgtes Beet genügt zu Beginn dem hohen Nährstoffbedarf des Starkzehrers. Im Juli und August verabreicht man der Packungsanweisung entsprechend einen kalireichen Dünger. Er fördert die Knollenbildung und sorgt für die erwünschte helle Ausfärbung der Knolle. Von Anfang August bis zur Ernte im Oktober ist der Wasserbedarf des Knollenselleries am höchsten. Bei Trockenheit empfehlen sich durchdringende, großzügige Wassergaben von 15 bis 20 l/m2. Die Ernte erfolgt fortlaufend bereits ab Ende August. Die Knollen können problemlos bis zum ersten Frost auf dem Beet bleiben. Für die Lagerung erntet man ab Oktober und entfernt dafür die Wurzeln der Knolle sowie alle Blätter bis auf das Herz. In Erde eingeschlagen bleibt Knollensellerie einige Wochen lang frisch. Er würzt nicht nur prima Suppen, sondern schmeckt auch als Schnitzel zubereitet hervorragend.

Stangensellerie erntet man entweder als ganze Pflanze oder schneidet nach Bedarf einzelne Stängel. Foto: Karin Stern
Bei zeitiger Pflanzung braucht Sellerie etwas Schutz durch ein aufgelegtes Vlies. Foto: Karin Stern


Stangensellerie wächst etwa 40 bis 50 cm hoch und bildet daumendicke, kräftige, fleischige Blattstiele mit grünen, gefiederten Blättern. Diese Sellerievariante bevorzugt einen sonnigen Platz. Der optimale Boden weist eine durchlässige, frische, humose und nährstoffreiche, mittelschwere bis schwere Beschaffenheit auf. Die Pflanzzeit zieht sich von Mitte Mai bis Ende Juni. Der Handel bietet vorwiegend „selbstbleichende“ Sorten an. Die Farbe der Stiele schwankt je nach Sorte und Kulturbedingungen zwischen helleren und dunkleren Grünschattierungen. Die Pflanzen setzt man mit 30 x 30 cm Abstand aufs Beet. Sie brauchen besonders im Spätsommer und Herbst reichlich Bodenfeuchtigkeit. Ansonsten beschränkt sich die Pflege auf regelmäßiges Hacken und die mehrmalige Versorgung mit einem kali- und borhaltigen Dünger.

Gießen mit abgekühltem, gesalzenem Kartoffelwasser stillt den erhöhten Natriumbedarf von Sellerie. Foto: Karin Stern

Als ehemalige Küstenpflanze hat Stangensellerie einen relativ hohen Bor- und Natriumbedarf. Dieser wird ganz einfach gedeckt, indem man mit salzhaltigem, abgekühltem Kartoffelwasser gießt. Manche Gärtner streuen alternativ etwas Salz direkt auf den Boden oder geben das Salz ins Gießwasser. Für die Ernte werden ab September entweder einzelne Blattstiele abgeschnitten oder einfach die ganze Pflanze aus dem Boden gezogen. Im Gegensatz zu Knollensellerie ist Stangensellerie frostempfindlich. Er wird daher unbedingt vor dem ersten Nachtfrost geerntet. Bleichsellerie ist übrigens eine Variante des Stangenselleries. Er wird entweder eng nebeneinander angebaut, damit sich die Pflanzen das Licht gegenseitig streitig machen, oder in Gräben gepflanzt und mit fortschreitendem Wachstum weiter angehäufelt.

Schnittsellerie ist der unkomplizierte Vertreter der Sellerie-Familie. Foto: Karin Stern

Beim Schnittsellerie dreht es sich weder um Knollen noch um Stangen: Hier stehen die Blätter im Fokus. Optisch erinnern sie an die der Petersilie. Klein geschnitten würzen sie Suppen, Fleischgerichte und Soßen. Die Samen können ohne Vorkultur ab Ende April, Anfang Mai direkt ins Beet gesät werden. Noch einfacher geht es mit Jungpflanzen aus dem Gartenmarkt. Zur Ernte schneidet man einfach frische Blätter nach Bedarf ab. Das Kraut lässt sich in kleine Sträuße gebunden auch prima, kopfüber an einem luftigen, warmen Platz aufgehängt, für den Wintervorrat trocknen.

Septoria-tritici-Prognose im Winterweizen

Aktuell ist sortenabhängig unterschiedlich starker Ausgangsbefall von Septoria tritici im Winterweizen zu finden. Dieser Ausgangsbefall wurde bereits seit November aufgrund der Niederschläge ab dem Herbst gesetzt beziehungsweise weiter gehalten. Wie sich dieser Befall in den kommenden Wochen weiter entwickeln beziehungsweise auf die ­kommenden neuen Blattetagen ausbreiten wird, hängt von der weiteren Witterung ab.

Das Prognosemodell Septri auf isip.de bietet einen Überblick über mögliche Septoria-tritici-Infek­tionsereignisse und dient damit als Unterstützung für mögliche Behandlungsentscheidungen oder die optimale Terminierung der entsprechenden Pflanzenschutzmaßnahme. Septri berechnet, ob die Witterungsbedingungen (Temperatur, Niederschlag, relative Luftfeuchtigkeit, Blattnässe) für Neuinfektionen durch Septoria/Zymoseptoria tritici günstig waren und ob eine Erstinfektion auf den oberen drei Blattetagen (F bis F-2) stattgefunden hat, was sich sonst ertragswirksam auswirken könnte. Eine Pflanzenschutzbehandlung muss dann vor dem Erstauftreten der Symptome dieser entsprechenden Infektion beziehungsweise infektionsnah erfolgen.

Optimale Septoria-Infektionsbedingungen sind gegeben:

ab dem Entwicklungsstadium 31/32
(F-2 als das drittletzte, aber bereits ertragsrelevante Blatt ist zu 20 % vorhanden),
Ausgangsbefall im Bestand vorhanden,
nach mindestens 3 mm Niederschlag,
anhaltende Blattnässedauer,
Temperaturoptimum bei 19 °C.

Wurde eine Neuinfektion prognostiziert, berechnet das Modell den Ablauf der Inkubationszeit auf Basis der Temperatur. Diese abgelaufene Inkubationszeit wird als relativer Wert ausgegeben und eine Behandlung empfohlen, wenn auf der drittoberen Blattetage (F-2) 30 % der Inkubationszeit abgelaufen sind. Bei der Berechnung wird die Sortenanfälligkeit aus der aktuellen Liste des Bundessortenamtes berücksichtigt. Es handelt sich um ein Modell, mit dem sich schlagspezifische Prognosen berechnen lassen. Für jeden Schlag wird das Datum der Neuinfektion auf F-2, die abgelaufene Inkubationszeit und das Datum des simulierten Erstauftretens von Septoria tritici angezeigt und damit die Entscheidung der optimalen Terminierung der Fungizidmaßnahme unterstützt. Das Septri-Modell steht auf isip.de zur Verfügung. Um eigene Schläge für die Prognose darin anzulegen und berechnen zu lassen, können sich Interessierte auf isip.de in Schleswig-Holstein kostenlos anmelden. Bei weiteren Fragen zu Pflanzenschutz-Prognosemodellen erteilt die Autorin gern Auskunft unter shagen@lksh.de

Frühjahrsvielseitigkeit auf dem Landesturnierplatz in Bad Segeberg

Das Wetter war in den vergangenen Jahren immer ein großes Thema für die Veranstalter der Frühjahrsvielseitigkeit auf dem Landesturnierplatz in Bad Segeberg: Sturm und Hagel, Regen und eisige ­Winde hatten es Reitern, Pferden, ­Helfern und Zuschauern schwer gemacht. In diesem Jahr wurden alle mit sommerlichem Wetter und einer traumhaften Geländestrecke belohnt.

Matthias Karstens hatte am Donnerstag und Freitag mit dem Helferteam noch wie gewohnt im strömenden Regen den Parcours aufgebaut und abgenommen. Doch nichts war nichts aufgeweicht, „und die Pferde mochten am Sonntag so richtig galoppieren“ befand der Geschäftsführer des ausrichtenden Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein (PSH).

Start auf dem Landesturnierplatz

Traditionell ging es mit der Dressur auf dem Landesturnierplatz los. Denn auch wenn die Veranstalter jedes Jahr überlegen, was im nächsten Jahr besser laufen kann: Der Ablauf gehört nicht zu den Dingen, an denen gerüttelt wird. „Wir haben jedes Jahr sehr viele Nennungen, vor allem in der Prüfung der Klasse A“, sagte Karstens. Da der Platz für die Dressur und das Springen von der Geländestrecke im Ihlwald räumlich getrennt ist, könnten mehr Teilnehmer mitmachen, als wenn alles an einem Tag stattfände. Daher hält der PSH an der für die Vielseitigkeit eher ungewöhnlichen Zeiteinteilung mit Dressur und Springen am Sonnabend und Gelände am Sonntag fest.

Die Reiterinnen und Reiter der Vielseitigkeitsprüfung der Klasse L* mit den Leistungsklassen 1 bis 3 machten den Anfang. Diese Prüfung war zugleich eine Sichtung für die Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM) der Junioren. Die Niedersächsin Anna Siemer setzte sich hier an die Spitze, gefolgt von dem Fehmaraner Mathies Rüder und Jan Matthias, der bei Peter Thomsen in Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, reitet. Alle drei blieben auch im anschließenden Springen fehlerfrei und starteten mit nur wenigen Punkten Abstand am Sonntag ins Gelände.

Louise Romeike kam bei der Frühjahrsvielseitigkeit mit dem Holsteiner Wallach Rocket (hier mit Intention) auf den zweiten Platz. Foto: Photorocket

Hier griff die vorher viertplatzierte Louise Romeike ins Geschehen ein. Durch einen guten Geländeritt konnte die gebürtige Schwedin ihren Springfehler ausgleichen und schob sich vor Siemer mit 33,4 Punkten auf den zweiten Platz. Romeike lebt mit ihrem Mann Claas auf Hof Moholz in Nübbel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und hatte den Holsteiner Wallach Rocket aus dem Besitz ihres Schwiegervaters Hinrich Romeike gesattelt. Mit ihrem zweiten Pferd, der Hannoveraner Stute Perseverance Extravagance, kam sie außerdem auf den fünften Platz.

Jan Matthias siegt in Klasse L

Siemer und ihre Holsteiner Stute Kiss Me hatten im Gelände Fehler und landeten mit 35,7 Punkten auf dem dritten Platz. Sieger wurden Jan Matthias und die Holsteiner Stute Kimberly mit 31,4 Punkten. Matthias ist gebürtiger Baden-Württemberger und lebt seit sechs Jahren in Schleswig-Holstein. „Kimberly ist eine siebenjährige Holsteiner Stute, die wir vierjährig gekauft haben. Sie ging als Fünf- und Sechsjährige Bundeschampionate und hat schon mehrfach L-Vielseitigkeiten gewonnen. Ende des Jahres war sie in Bad Segeberg auch in der Zweisterneprüfung platziert“, berichtete Matthias über seine Sportpartnerin. „Das Turnier war super organisiert. Es ging alles reibungslos und hat gut gepasst. Wir hatten einen top Boden, und der Parcours wars schön und flüssig zu reiten“, schwärmte er weiter.

Rüder, der gut ins Turnier gestartet war, landete mit Bon Ton am Ende auf Platz 24. Das Paar hatte im Gelände Differenzen und kam mit vielen Zeitfehlern ins Ziel.

Die zweite Abteilung der L*-Prüfung konnte Neeke Rothe für sich entscheiden. Mit ihrem Deutschen Sportpferdwallach Leon kam sie auf 57,5 Zähler. Rothe wohnt in Bad Schwartau, Kreis Ostholstein, und ist selbst auch als Parcourschefin unterwegs. Mit 59,7 Punkten folgte ihr Philippa Charlotta Inken, ebenfalls im Sattel eines Deutschen Sportpferdes, auf dem zweiten Platz. Dritte wurde Mia Müller-Ruchholtz (60,20) mit Kilbunny Vito. Die Irische Sportpferdstute führt über ihren Vater Ars Vivendi Holsteiner Blut in den Adern.

Die Vielseitigkeitsprüfung der Klasse A** wurde in drei Abteilungen geritten. Die Niedersächsin Friedericke Stock (28,5), die amtierende Schleswig-Holstein Nachwuchschampionesse Mathilde Roskothen (33) aus Satrup, Kreis Schleswig-Flensburg, und die Berlinerin Janette Hacker (24,4) siegten jeweils in ihrer Abteilung. Hinter Hacker platzierte sich Malin Petersen, die auch Vierte in Klasse L geworden war.

„Wir hatten in jeder Prüfung einen Sturz, aber sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner konnten ohne Verletzungen die Bahn verlassen. Ich bin sehr zufrieden“, sagte Karstens.

Schweinehaltung am stärksten abgebaut

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In Deutschland gab es zum Stichtag 3. März 2023 noch 161.700 landwirtschaftliche Betriebe mit Viehhaltung. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) Ende März mitteilte, ist laut den endgültigen Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung die Zahl der Tierhalter gegenüber der vorherigen Erhebung im Jahr 2020 um rund 7.100 Betriebe oder 4 % gesunken.

Von den insgesamt 255.000 landwirtschaftlichen Betrieben hatten damit noch 63 % Vieh auf dem Hof. Am verbreitetsten war die Rinderhaltung; im Frühjahr 2023 gab es hierzulande 100.700 Betriebe mit 10,9 Millionen Rindern. Im Vergleich zum vorherigen Termin hat die Zahl der Halter innerhalb von drei Jahren um 7 % und beim Tierbestand um 4 % abgenommen. Die durchschnittliche Größe einer Rinderhaltung stieg dabei von 104 auf 108 Tiere pro Betrieb.

Besonders häufig haben im Betrachtungszeitraum Milchvieherzeuger ihre Produktion eingestellt; deren Zahl sank um 14 % auf 46.600 Betriebe. Weil der Milchkuhbestand nur um 4 % auf 3,8 Millionen Stück rückläufig war, wuchs die Durchschnittherde von 72 auf 81 Tiere. Mit einem Anteil von 26 % an der gesamten Rinderherde wurden die meisten Rinder in Bayern gehalten, gefolgt von Niedersachsen mit 22 %.

Die stärksten Einbußen im Betrachtungszeitraum verzeichnete den Statistikern zufolge die Schweinehaltung. Von 2020 bis 2023 ging die Zahl der Schweine haltenden Betriebe um 4.300 oder 13 % auf 27.600 zurück. Der Schweinebestand verringerte sich um 15 % auf 22,4 Millionen Stück. Im Gegensatz zu den Rindern bedeutet dies, dass der Durchschnittsbestand pro Betrieb von 826 auf 810 Tiere abnahm. Die meisten Schweine wurden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehalten; deren Anteil am gesamten deutschen Schweinebestand lag zusammen bei 62 %.

Beim Geflügel eignen sich laut Destatis die Tierbestände wegen kurzer Produktionszyklen und Schwankungen nur eingeschränkt für die Darstellung von Entwicklungen im Zeitverlauf. Besser dafür geeignet ist die Zahl der Haltungsplätze, die bei Legehennen von 2020 bis 2023 um 5 % auf 63,3 Millionen zulegte. Gleichzeitig ging aber die Zahl der Hennenhalter um ein Zehntel auf 42.400 Betriebe zurück. Bei Puten sanken sowohl der Tierbestand um 14 % als auch die Zahl der Halter um 11 %. age

Ufop: Einfuhrbedarf deutlich erhöht

Deutsche Rapssaatimporte

Deutschland hat in der ersten Hälfte der Vermarktungssaison 2023/24 spürbar mehr Raps im Ausland bezogen als im Vorjahreszeitraum. Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) taxierte die betreffende Menge für den Zeitraum Juli bis Dezember 2023 mit Verweis auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) auf 3,48 Mio. t Raps, nach nur 2,58 Mio. t in der Vorjahresperiode.

Deutschland ist im EU-Ländervergleich der größte Nettoimporteur von Raps. Für das gesamte Jahr gesehen beläuft sich die Einfuhrmenge auf durchschnittlich 5,6 Mio. t. Foto: Landpixel

Das mit Abstand größte Volumen lieferte die Ukraine mit 995.600 t; das waren 476.100 t mehr als im Vorjahr. Dagegen gingen die Bezüge aus Australien nach der dort flächenbedingt kleineren Ernte um 164.600 t auf 165.800 t Raps zurück.

Die Rapslieferungen aus anderen EU-Ländern geben die Wiesbadener Statistiker für das erste Halbjahr 2023/24 mit insgesamt etwa 2,2 Mio. t an. Der Großteil davon wurde mit 696.600 t aus Rumänien importiert, was einem Plus von 482.600 t entsprach. An zweiter und dritter Stelle der EU-Lieferländer rangierten Polen mit 523.200 t Raps und Frankreich mit 303.900 t, was einem Zuwachs um 284.900 t beziehungsweise einem Minus von 105.600 t entsprach. Aus dem bisher traditionellen Lieferland Kanada kamen erstmals seit fünf Jahren keine nennenswerten Mengen.

Unterdessen waren die deutschen Rapsausfuhren in der ersten Hälfte des laufenden Wirtschaftsjahres im Vergleich zur Vorjahresperiode auf niedrigem Niveau deutlich rückläufig, und zwar um 9.300 t auf 30.300 t. age

Rindfleischmarkt im Umbruch

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Unter den Rinderhaltern herrscht erhebliche Verunsicherung. Nach deutlichen Ansagen der Schlachtunternehmen befürchten so manches Vermarktungsunternehmen wie auch viele Bullenmäster, dass ihnen zukünftig der normale QS-Bulle nicht mehr oder mit Preisabschlägen abgenommen wird.

Der Druck des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) auf die Rinderschlachtunternehmen zur Lieferung von Rindfleisch aus der Haltungsstufe 3 (HF 3) nimmt deutlich zu. Bei den Schlachtkühen ist dies noch nicht ganz so deutlich zu spüren, weil die Anerkennung vieler Milchviehbetriebe durch die Meiereien hin zu QM++, zumindest in verschiedenen Regionen Deutschlands, zu einem deutlichen Anstieg der Lieferung von Schlachtkühen der Haltungsform 3 geführt hat.

Der Markt ist mit Verarbeitungsware aus der HF 3 offenbar besser versorgt. Da wird zwar weiterhin gesucht, aber nicht mit der Vehemenz wie nach Jungbullen. Beim Rindfleisch in der Frischvermarktung an der Theke macht der LEH jetzt richtig Druck. Aldi will schon nach Ostern bei den Eigenmarken hier nur noch Rindfleisch der Haltungsstufe 3 anbieten, Lidl will in Kürze folgen. Auch Edeka erweitert das Programm mit Rasting.

Wenn die Marktführer den Taktstock schwingen

Es ließen sich weitere nennen, es reicht aber schon: Wenn die Marktführer den Taktstock schwingen, müssen oder werden die anderen folgen. In Sachen Qualitätsfleischprogramme für Jungbullen ist im Nordwesten die Westfleisch SCE vorgeprescht. Sie hat verschiedene Programme initiiert. Am schnellsten ging dies noch mit den Strohbetrieben, die im Hinblick auf die gewährte öffentliche Förderung ohnehin die Besatzdichte abstocken mussten, um die Förderung zu erhalten. Entsprechend mussten hier auch keine hohen Preisaufschläge bezahlt werden, um solche Bullen in die Programme zu bringen.

Dieser erste, relativ geräuschlose Angang hat vielleicht sowohl Schlachtunternehmen als auch den LEH zu der Annahme veranlasst, dass der Rest der Bullenmäster schon noch folgen werde. Betriebe, die Anforderung der Haltungsform 3 ohnehin erfüllen, gibt es aber im Nordwesten sowie in Bayern regional nur zwischen 10 und 20 %. Der Anteil wächst zwar stetig, aber für die meisten konventionellen Bullenmastbetriebe bedeutet die Umstellung, dass ein bis zwei Jungbullen weniger in der Bucht gehalten werden können, was bekanntlich erst nach Neuein­stallung in die Bucht am besten passt. Und dann kommen die Umbauten – mit je nach Betrieb sehr unterschiedlichen Kosten.

Wenn aber allein zwei Jungbullen aus der Bucht genommen werden müssen, wäre im Grunde ein finanzieller Zuschlag von zirka 40 ct/ kg Schlachtgewicht zum Ausgleich der Kosten erforderlich. Zurzeit liegen die Zuschläge aber nur bei 20 bis 25 ct/kg.

Auditierung ohne Vertrag möglich

Was vielen Jungbullenmästern missfällt, ist der Umstand, dass die bisherigen Auditierungen für Haltungsform 3 automatisch zu einem Liefervertrag führen. Schlachtbetriebe signalisieren jetzt, dass sie auch Haltungsform-3-Bullen aus Betrieben ohne Vermarktungsvertrag übernehmen. Der Jungbullenmäster muss dann aber sein Audit selbst bezahlen. Das sollte jedoch kein Hemmnis sein.

Haltungsform 3 auch bei Färsen

Färsen der Handelsklasse R3 werden häufig wie Jungbullen bezahlt. Kurzbratstücke sind unter Kennern sehr begehrt. Aktuell zeichnet sich ab, dass auch im Sektor Färsenmast zunehmend die Haltungsform 3 gefragt wird. Bei den oft extensiveren Haltungsformen in der Färsenaufzucht dürfte eine HF-3-Auditierung oftmals leichter sein. Dies spricht dafür, die Prämien ohne großen Aufwand mitzunehmen, zumal der Preisaufschlag ähnlich hoch ist wie in der Jungbullenmast.

Lohnt die Umstellung?

Neben hoch spezialisierten, großen Bullenmastbetrieben, vor allen Dingen im Westmünsterland und im Emsland, findet Bullenmast oft in kleineren landwirtschaftlichen Betrieben in älteren Ställen im Nebenerwerb statt. Ökonomisch macht es wenig Sinn, die Bestandsdichte herunterzufahren und bei hohen Baukosten noch zu investieren. In diesen Betrieben wird sich die Umstellung auf Haltungsform 3 nicht mehr rechnen.

Nicht unerheblich ist die Anzahl von Betrieben, in denen die Bullenmast aktuell in durchaus unterschiedlichen Haltungsformen stattfindet. Da finden sich konventionelle Bullenmastställe, oft noch aus den 1980er und -90er Jahren, neben umgebauten Tieflaufställen und ehemaligen Milchviehställen. Da muss man seriös durchkalkulieren, ob bei gewünschter Fortsetzung dieses Betriebszweiges die relativ geringen Umstellungskosten in einigen Teilbereichen größere Investitionen im letzten Stallbereich nicht doch zum guten Teil mitfinanzieren. Hier ist eine betriebsindividuelle gute Beratung erforderlich.

Haltungsform 3 beim Neubau unabdingbar

In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind vielfach neue Bullenmastställe in der Planung. Hier sollen Treibmistställe auf Stroh mit einer Biogasanlage kombiniert werden. Angeblich liegen allein für das Westmünsterland über 40 Bauanträge zur Genehmigung vor. Ob die im Hinblick auf die rasant steigenden Baukosten noch alle realisiert werden, sei einmal dahingestellt. Sicher ist aber: Wer für die Zukunft baut, kommt an der Haltungsform 3 nicht vorbei.

Der Standard-QS-Jungbulle

Auch in Zukunft wird der normale QS-Bulle der Haltungsform 1 weiter zu vermarkten sein. Aber es könnte schwieriger werden, denn seine edlen Teilstücke werden nicht mehr vollständig über die großen Konzerne des LEH abfließen. Das Verarbeitungsfleisch wie die Vorderviertel werden wohl auf längere Zeit nicht in Vermarktungswege mit Haltungsform 3 abfließen. Auch der Lebendexport von Rindern mit guten Schlachtkörpereigenschaften in Nachbarländer wie die Niederlande könnte eine größere Bedeutung bei der Vermarktung von QS-Standardtieren haben.

Fazit

Der LEH drängt für Rinder massiv auf die Umstellung auf Haltungsform 3 beim Frischfleisch für die Theke. Wenn er das Standard-QS-Fleisch gar nicht mehr anbietet, erübrigt sich auch die Frage, ob der Kunde nicht doch lieber das preiswerte kauft. Bei der Initiative Tierwohl – Schwein erlebt man ja bereits die Umstellung. Zuweilen ist normales QS-Fleisch auch nicht mehr zu bekommen. Ob der Konsument doch mit etwas größerer Kaufzurückhaltung reagiert, wird man dann sehen. Aber nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Tierschutzorganisationen auf den LEH, in Sachen Tierwohl voranzukommen. Dann werden, zum Teil auch bewusst, niedrigere Umsatzzahlen in gewissen Produktbereichen in Kauf genommen.


Kommentar: Werden Haltungsform 1 + 2 ausgelistet?

Vor drei Jahren kündigten LEH-Größen an, in Zukunft nur noch Fleisch aus den Haltungsformen (HF) 3 und höher anzubieten. In breit angelegten Marketingkampagnen zeigte man sich entschlossen, ab dem Jahr 2030 bei allen Fleischarten (Rind, Schwein und Geflügel) die HF 1 + 2 (Initiative Tierwohl) nicht mehr im Sortiment führen zu wollen. Ob die deutschen Erzeuger diese hochgesteckten Ziele in einem so kurzen Zeitraum erreichen würden, wurde nicht geprüft. Nun ist jedem klar, dass man bezüglich der Änderung der Haltungsverfahren nicht alle Nutztierarten über einen Kamm scheren kann.

Man muss genauer hinsehen: In der Milchviehhaltung ist in den Grünlandregionen die Weidehaltung bei einem vergleichsweise geringen Mehraufwand durchaus möglich. Meiereien honorieren dies häufig mit einem Weidemilchpreisaufschlag. Die Altkühe von der Weide entsprechen dann der Haltungsform 3 und werden in der Regel mit einem Preisaufschlag von 15 ct/kg Schlachtgewicht (SG) vergütet.

Bei den Jungbullen ist das schon komplizierter und kostenaufwendiger. Die Umstellung auf HF 3 können längst nicht alle Betriebe umsetzen. Nimmt man die Strohbetriebe heraus, liegt das Potenzial schnell umzustellender konventioneller Betriebe bei 10 bis 20 %. Und wenn es nicht flott genug geht – das Beispiel Rewe Nord zeigt es –, wird französische Ware gekauft und intensiv beworben.

In der ­Geflügelfleischerzeugung kann man die Luisianaställe – zum Beispiel bei der Pute – in HF 3 als eine Haltung mit Außenklimareizen definieren, wenngleich die seuchenhygienischen Risiken für die Tiere zunehmen. In jedem Fall steigen die Produktionskosten in einer auf Kostenminimierung ausgelegten EU-Fleischwirtschaft deutlich an. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Weißfleischerzeugung würde in der EU-27 stark abnehmen. Marktanteile werden verloren gehen.

Im Schweinefleischsektor sprechen gleich mehrere Fakten dafür, dass die vom LEH gesteckten Ziele völlig unrealistisch sind. Der Marktanteil der HF 3 + 4 liegt augenblicklich bei maximal 3 %. Selbst wenn die Schweinehalter haltungskonform auf HF 3 + 4 umbauen wollen, scheitern sie aufgrund der Genehmigungspraxis und finanzieller Gründe. Ob und wie viel der Verbraucher am Ende von dem deutlich höherpreisigen Fleisch kaufen wird, ist fraglich.

Der LEH muss erkennen, dass man die Nutztierhaltung nicht mit der Brechstange auf alternative Haltungssystem umstellen kann. Es gibt gute Gründe, warum Generationen von Landwirten landwirtschaftlichen Nutztiere in Ställen untergebracht haben, die im Hinblick auf Tierkomfort und Tiergesundheit immer besser geworden sind. Schließlich darf der gesundheitliche Verbraucherschutz bei der Lebensmittelerzeugung nicht aus dem Auge verloren werden. Dort bestehen Zielkonflikte, die der LEH offensichtlich nicht hinreichend durchdacht hat.

Dr. Frank Greshake, Dr. Albert Hortmann-Scholten
, VEZG


Pflanzkartoffeln aus Schleswig-Holstein für die ganze Welt

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Schleswig-Holstein ist bekannt für seine Pflanzkartoffelproduktion. Vor allem die Westküste wird aufgrund der Gesundlage für die Kartoffelvermehrung genutzt. Schädlinge, die zum Beispiel Viren übertragen können, treten hier wegen des Westwindes nur im geringen Maße auf. In diesem Jahr gab es aber auch hier einen Anstieg der Viruswerte.

Schleswig-Holstein ist seit vergangenem Jahr das Bundesland mit der zweitgrößten Vermehrungsfläche von Pflanzkartoffeln (2.756 ha). Auf Platz eins steht Niedersachsen mit 6.505 ha und auf Platz drei Mecklenburg-Vorpommern mit 2.584 ha. Der Kartoffelanbau nahm im ganzen Bundesgebiet ab. Schleswig-Holstein ist eines der wenigen Länder, das eine Zunahme der Fläche verzeichnen konnte. Vor allem hohe Stufen, also Kategorien im Vorstufen- und Basisbereich, werden hier angebaut. Diese haben besonders hohe Anforderungen an die Pflanzengesundheit.

Die Anerkennungsstelle und die ehrenamtlich Besichtigenden führen während der Vegetation zwei bis drei Feldbesichtigungen durch. Hierbei wird auf Fehlstellen, Sortenreinheit und Krankheiten wie Schwarzbeinigkeit und Viren geachtet. Die vorige Feldbesichtigungssaison war so gut wie noch nie. Insgesamt wurden nur zwei Partien aberkannt (0,07 %) und nur sechs Partien abgestuft (0,7 %).

Nach der Ernte wird die Beschaffenheitsprüfung durchgeführt. Im Labor werden die Proben mittels Elisa oder qPCR auf bis zu sechs Viren (Roller, Y, A, M, X, S) untersucht. Nach der Beschaffenheitsprüfung gab es eine Aberkennungsrate von 3,5 % und Abstufungen von 11,8 %. 2022 gab es nur 1,5 % Aberkennungen und 9,2 % Abstufungen und 2021 sogar noch weniger mit 0,8 % Aberkennungen und 4,5 % Abstufungen.

Vor allem der Frühjahrsflug der Blattläuse ist für die Kartoffelpflanzen besonders kritisch. Die Kartoffeln beginnen gerade zu wachsen, und das helle Grün ist für die Blattläuse besonders attraktiv. Durch die milden Winter überleben viele Blattläuse. Diese begannen 2023 besonders früh zu fliegen. Die Läuse verursachen dann Primärinfektionen, die meist erst im darauffolgenden Jahr zu sehen sind. Aus den guten Werten der Feldbesichtigung und den relativ schlechten Ergebnissen der Beschaffenheitsprüfung lässt sich schließen, dass es 2023 zu vielen Primärinfektionen gekommen ist.

In Schleswig-Holstein spielt hauptsächlich das Y-Virus eine Rolle. Es kann zu starken Mosaiksymptomen kommen. Viruskranke Pflanzen können zu großen Ertragseinbußen führen. Das Virus wird an die Tochterknollen weitergegeben und kann im nächsten Jahr zu großen Schäden führen. Um die Verbreitung innerhalb der Fläche zu unterbinden, müssen kranke Pflanzen frühzeitig von dem Schlag entfernt werden.

Der Großteil der Pflanzkartoffel aus Schleswig-Holstein wird exportiert, vor allem in Drittländer (Nicht-EU-Länder). Die guten Kartoffelqualitäten sind in der ganzen Welt gefragt. Hauptexportländer sind Ägypten, Marokko und Vietnam, die schon im Herbst ihre Ware erhalten.

Das Pflanzen steht bereits wieder vor der Tür. Um gesunde Pflanzkartoffeln produzieren zu können, ist gesundes Ausgangspflanzgut elementar wichtig. Während der Vegetation sollten der Blattlausflug und das Selektieren von kranken Pflanzen immer im Blick behalten werden. Die Landwirtschaftskammer ist zuständig für die Pflanzkartoffelanerkennung. Es ist eine hoheitliche Aufgabe. Weitere Informationen dazu erteilt die Autorin.

Viruskranke Pflanzen müssen früh selektiert werden.
Foto: Melanie Hahn

Wie entwickelt sich der Milchpreis?

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Es gibt keine Möglichkeit, den zukünftigen Verlauf der Preisentwicklung für landwirtschaftliche Produkte vorherzusagen. Marktbeobachter versuchen, aus der aktuellen Faktenlage einen möglichen Trend einzuschätzen. Gerade beim Milchpreis gibt es verschiedene Prognosemodelle, denn der Milchpreis ist für viele Betriebe entscheidend für den Erfolg in diesem arbeits- und kostenintensiven Betriebszweig.

In Schleswig-Holstein zeigten die Auszahlungspreise seit Mitte des vergangenen Jahres eine leicht ansteigende Entwicklung. Einige Parameter deuten darauf hin, dass diese Preiserholung vorerst unterbrochen wird. Der vom ife-Institut errechnet Rohstoffwert der Milch – ein aus den wirklichen Verkaufspreisen von Butter und Magermilchpulver ermittelter theoretischer Milchpreis – gab im Februar um 0,5 auf 42,2 ct/kg Milch nach. Im Dezember lag dieser Kurs noch bei 43,7 ct/kg. Auch die Börsenmilchwerte, die sich aus den Terminmarktnotierungen für Butter und Magermilchpulver an der EEX-Börse in Leipzig ableiten, gehen ab April ebenfalls weiter zurück, was keinen schnellen Anstieg der Milchpreise in den nächsten Monaten erwarten lässt. Der Trend der Preise für die zwischen den Meiereien gehandelter Spotmilch zeigte zuletzt deutlich nach unten. Anfang März lag der Kurs für Norddeutschland hier noch bei 41,50 und ist bis Ende März auf 33,50 ct/kg Milch gefallen. Auch am Weltmarkt fallen die Preise. Bei der letzten Global-Dairy-Trade-Auktion in Neuseeland am 19. März sind die Preise im Mittel um 2,8 % gesunken. Analysten begründen diesen Preisrückgang mit der rückläufigen Nachfrage am Weltmarkt, vor allem aus China. Dabei ist die Milchproduktion rückläufig. Die fünf größten Exportländer melden ein geringeres Angebot. Die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten ist jedoch uneinheitlich und die weitere Tendenz ungewiss.

Vor allem die hiesige Tierhaltung ist auf der Suche nach verlässlichen Perspektiven. Die hohen Anforderungen der Politik und der Verbraucher führen zu hohen Kosten für den Umbau der Haltungsformen. Kein Milchbauer weiß heute, was er in einem halben Jahr für seine Milch erlöst. Um mehr Gewissheit über die künftigen Preise zu schaffen, will die Politik klare Lieferverträge zwischen Meiereien und Landwirten vorschreiben. Der Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) soll entsprechend geändert werden. Die Gegner dieser Gesetzesänderung befürchten die Neuauflage einer Art Milchquote, da die Lieferverträge auch klare Mengenvorgaben setzen. Derzeit wird diskutiert, ob eine Absicherung der Erzeugerpreise auch über Terminmärkte funktionieren könnte. Zudem werden verschiedene Fest- oder Mindestpreismodelle genannt. Etliche Milchbauern befürchten viel Bürokratie, ohne dass sich die Erlöse wesentlich bessern. Marktexperten sind eher gegen staatliche Eingriffe in den Handel. Sie vertrauen auf das Unternehmertum und die Selbstregulierung durch Angebot und Nachfrage. Wer liquide ist und das nötige Fachwissen hat, kann selbst einen Teil der Produktion über Kontrakte an der Terminbörse absichern. Auch können Meiereien dies für die Lieferanten übernehmen und Kontraktpreise anbieten, ähnlich wie beim Vorverkauf von Getreide oder Raps. Durch solche Maßnahmen können stabilere Preise erzielt werden. Das Risiko nimmt ab, garantiert höhere Preise hat dies jedoch nicht zur Folge.

Gesund ist, was guttut

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Licht und Wärme sind der wichtigste Kraftstoff für Pflanzen und Tiere. Jetzt im Sommerhalbjahr gibt die Natur Vollgas. Auch die Menschen verbringen wieder mehr Zeit draußen – sei es bei der Arbeit auf den Feldern, der Gartenpflege oder dem geselligen Miteinander.

Das Miteinander steht auch im Zentrum der bundesweiten „Agrill“-Kampagne, die vom Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) ausgeht. „Agrill“ ist ein Wortspiel aus „April“ und „Grill“. Bäuerinnen und Bauern laden dabei Verbraucher ein, bei Grillwurst, -käse und -gemüse über landwirtschaftliche Themen zu diskutieren. So sollen „Gesprächsgräben“ in entspannter Lagerfeueratmosphäre überwunden werden. Gut so, denn das Gegenüber anzuhören ist wichtig, auch wenn Meinungen weit auseinanderliegen. Schon der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) erklärte als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2023 analoge Lagerfeuer als „notwendig für die Gemeinschaft“.

Klar ist: Essen bedeutet Emotion. Der Aufschrei der Agrarbranche war laut, nachdem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kürzlich ihre Empfehlungen aktualisiert hat. Laut DGE sollen wir unseren Fleischkonsum um die Hälfte reduzieren und insgesamt weniger tierische Produkte verzehren, um nicht nur unsere Gesundheit, sondern zusätzlich das Klima zu schonen. Wer gerne Wurst und Käse isst, fühlt sich dadurch schnell mit dem moralischen Zeigefinger ermahnt.

Und ja, für öffentliche Einrichtungen sind die DGE-Empfehlungen auch eine Richtschnur. Aber für alle anderen bleiben sie eben „nur“ Empfehlungen. Und beim Essen geht es nicht nur darum, seinen Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen, sondern um Genuss, denn gesund ist, was guttut.

Nahrungsaufnahme ist ohnehin individuell: Mir selbst wurde kürzlich ein Vitamin-B12-Mangel bescheinigt – mit der ärztlichen Empfehlung, mehr tierische Produkte zu verzehren. Aber auch ohne DGE-konträre Diagnose: Kein Verbraucher mag Essensvorschriften. Initiativen wie „Veggieday“ oder „Veganuary“ – ein Wortspiel mit „Januar“ – schließen große Teile der Bevölkerung aus. Sie können zwar dazu dienen, zu informieren und neugierig auf neue Produktgruppen zu machen. Aber wenn Ernährungskampagnen ausgrenzen oder vor den Kopf stoßen, schädigt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Verbraucher sollten vielmehr befähigt werden, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Verständliche und sachliche Information zu Lebensmitteln, zum Beispiel zu Herkunft, Tierwohl oder Inhaltsstoffen, sind dafür hilfreich. Politik sollte hier die passenden Rahmenbedingungen und Systeme schaffen. Denn nur wer gut informiert ist, kann auch gut diskutieren. Besonders jetzt im Aktionsmonat „Agrill“.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Eine Pause von zu Hause und Abenteuer erleben

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Die Inhaftierung eines Elternteils ist ein Ereignis, das das Leben der betroffenen Familien massiv verändert. Besonders für die Kinder kann die Situation sehr schwierig sein. Seit 2018 erhalten sie in Schleswig-Holstein Unterstützung durch das Projekt „Wellenbrechen“, das von der Straffälligenhilfe der stadt.mission.mensch gGmbh in Kiel mit Förderung des Landesministeriums für Justiz und Gesundheit ins Leben gerufen wurde.

Ein Nachmittag auf Hof Stoltenberg in Schönkirchen, Kreis Plön. Aylin* nimmt im Reitstall einen Kamm aus dem Korb und geht zu Pony Daisy. Das Mädchen begrüßt es, streicht leicht über seinen Hals und setzt dann zaghaft den ersten Strich an der Mähne des Tieres an. Daisy hält mucksmäuschenstill. Aylins Gesichtszüge entspannen sich, während sie immer wieder vorsichtig mit dem Kamm durch die Mähne fährt. Reitpädagogin Andrea Block-Stoltenberg ist an ihrer Seite und ermutigt sie, es einmal mit kräftigeren Strichen zu versuchen. Aylin traut sich und lächelt zufrieden.

Die Elfjährige und ihre Geschwister Mehmet* (8) und Leyla* (6) (* Namen geändert) machen gerade eine herausfordernde Zeit durch. Seit einigen Monaten ist ihre Mutter in Haft, etwa eineinhalb Jahre wird sie noch in einer Justizvollzugsanstalt bleiben, bis sie zur Familie zurückkehren kann. Währenddessen ist der Stiefvater der Kinder allein für sie da. Seit September vorigen Jahres begleitet Sozialpädagogin Laura Rahlf die Familie. Sie weiß, was Kinder durchmachen, wenn ihr Leben durch die Inhaftierung von Mutter oder Vater durcheinandergebracht wird. Auch wenn sie nicht schuld an den Straftaten ihrer Eltern sind, leiden sie doch unter den Konsequenzen. „Oft haben sie das Gefühl, von einer Welle an Veränderungen, Ängsten und Fragen überrollt zu werden. Sie sind meist sehr verunsichert. Nicht selten kommt es bei ihnen zu psychischen Problemen und Konflikten mit Freunden oder in der Schule“, so die Projektmitarbeiterin. Da sei es wichtig, dass die Kinder jemanden an ihrer Seite hätten, mit dem sie über Fragen, Befürchtungen, Probleme und Bedürfnisse sprechen könnten, der sie stärke und ihnen helfe, damit umzugehen. Verständnis und Sicherheit seien das, was sie brauchten.

Hier kommt das Projekt „Wellenbrechen“ ins Spiel, das verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote für Kinder und Familien von Inhaftierten bereithält. Neben den Angeboten für Erwachsene, nimmt das Projekt mit pädagogischen Angeboten die Kinder in den Blick. So kam es, dass Laura Rahlf mit Reitpädagogin Andrea Block-Stoltenberg und dem von ihr initiierten Förderverein Landerleben Kontakt aufnahm.

Selbstvertrauen stärken

Der Förderverein ermöglicht Kindern aus prekären Verhältnissen heilsame Natur- und Tiererlebnisse, unabhängig von Herkunft und Geldbeutel der Eltern (das Bäuerinnenblatt berichtete). Die Idee: den psychisch belasteten Geschwistern regelmäßig einen unbeschwerten Nachmittag auf dem Reiterhof zu schenken und dabei ihre Sozialkompetenz und das Selbstvertrauen zu stärken. Hierfür sagte der Förderverein seine finanzielle Unterstützung zu. Für den Selbstbehalt sprang das Projekt ein. So konnte das Angebot für die Familie kostenfrei bleiben.

Der Umgang mit Daisy tut Aylin sichtlich gut. Reitpädagogin Andrea Block-Stoltenberg unterstützt sie im Umgang mit dem New-Forest-Pony.

Zum zweiten Mal hat Laura Rahlf heute die Geschwister von zu Hause abgeholt. Sie begleitet sie bei ihrem monatlich stattfindenden Hofausflug und bringt sie anschließend wieder heim. „In den Osterferien werden alle von uns begleiteten Kinder einen ganzen Tag mit vielen Aktionen auf Hof Stoltenberg verbringen und spielerisch auf dem Rücken der Pferde eindrucksvolle Momente erleben“, kündigt sie an. Auch wenn die Beratungsstelle des Projekts ihren Sitz in Kiel hat, agieren die Mitarbeitenden landesweit. Sie besuchen die Kinder und Familien zu Hause, an einem neutralen Ort, oder diese kommen direkt in die Beratungsstelle. Alle Angebote basieren auf Freiwilligkeit und die Gespräche sind vertraulich. „Eine Zusammenarbeit mit weiteren Stellen oder Ämtern geschieht nur, wenn die Familien dies wünschen. Aktuell betreuen meine zwei Kollegen und ich 36 Kinder und 20 Familien“, informiert Laura Rahlf. Bei Bedarf begleiteten die Fachkräfte die Kinder ebenfalls zu Besuchen ins Gefängnis und unterstützten den Kontakt zum inhaftierten Elternteil. „Manchmal ist es ja so, dass die Eltern getrennt oder geschieden sind und dass ein Elternteil deshalb die Kinder nicht selbst dorthin begleiten will.“

Entspannte Ferienfreizeiten

Außerdem bietet das Projekt kostenlose Freizeiten an. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche, die alle von der Inhaftierung eines Elternteils oder Angehörigen betroffen sind. In lockerer ­Atmosphäre können sie sich kennenlernen und untereinander austauschen. In diesem Jahr wird es im Sommer zum Surfen nach Sylt, in ein Ferienhaus nach Dänemark oder in ein Abenteuercamp nach Radbruch gehen.

„Es ist immer toll zu sehen, wie die Kinder diese Pause von zu Hause in einem Kreis von anderen Kindern genießen, die in einer ähnlichen Situation sind. Hier müssen sie sich nicht verstellen, etwas verheimlichen oder sich schämen“, betont sie. Ebenfalls falle es ihnen während einer Freizeit leichter, sich den pädagogischen Mitarbeitenden zu öffnen und ihnen etwas anzuvertrauen, das ihnen vielleicht schon länger auf der Seele liege. „Wir nehmen uns bewusst viel Zeit, auf die Ferienkinder und ihre Emotionen einzugehen. Sie freuen sich, wenn sie einmal ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen.“

Pony Daisy unterstützt die Kinder darin, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Es vermittelt ihnen ein Gefühl von Wärme, Nähe, Kraft und Stärke.

Aylin, Mehmet und Leyla sind mittlerweile mit Mähne- und Schweifkämmen, Fellbürsten und Hufauskratzen fertig. Jetzt wollen sie mit Daisy auf dem Hofgelände einen Spazierritt unternehmen. Nacheinander dürfen sie entweder ein Stück auf dem Pony reiten, vorweggehen und die Richtung vorgeben oder das Pony an der Leine führen.

Leyla steigt als Erste aufs Pony. Die Reitpädagogin führt sie zu einem Apfelbaum und gibt ihr eine kleine Aufgabe. „Möchtest du für die Kaninchen zum Knabbern ein paar Äste vom Baum holen?“, fragt sie. Leyla nickt noch etwas schüchtern, hält aber schon wenig später stolz einige Äste in der Hand. Sie hat die Aufgabe gemeistert und es sogar geschafft, dabei ihr Gleichgewicht auf dem Ponyrücken zu halten. „Das hast du gut gemacht!“, lobt Andrea Block-Stoltenberg und Leyla strahlt. Laura Rahlf macht ein Foto der Aktion, das sie später den Eltern zeigen wird.

Neues digitales Angebot

Sie berichtet von einem neuen, kostenfreien digitalen Angebot für Kinder und Jugendliche im Alter von etwa zehn bis 18 Jahren, das seit Herbst 2023 zum Projekt „Wellenbrechen“ gehört: einer Online-Beratung und einem Chat.

Laura Rahlf (li.) und Daniel Nicol bieten mit Franziska Brandt (beim Fototermin nicht da) seit Herbst 2023 auf der Wellenbrechen-Webseite einen Chat und eine Online-Beratung an.

Auf der Webseite wellenbrechen-sh.de finden die Heranwachsenden Infos und Antworten zu häufig gestellten Fragen rund um das Thema Inhaftierung: Wie kann ich Kontakt zu Papa oder Mama halten? Wie läuft ein Besuch im Gefängnis ab? Wie sieht dort ein Tag aus? Immer am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 15 bis 17 Uhr, können sie mit den Mitarbeitenden live chatten. „Und zwar anonym. Sie brauchen keinen Namen anzugeben. Sind wir nicht im Chat, können sie sich über die Webseite anonym registrieren und Fragen stellen. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden“, versichert Laura Rahlf.

Auf Hof Stoltenberg geht es für die Kinder nun in die Reithalle. Jetzt schlägt die Stunde für Mehmet, der tatkräftig beim Aufbauen eines Parcours hilft und sich danach auf Daisy schwingt. Er traut sich, einen Moment mit einem Tuch vor dem Gesicht zu reiten, geführt von seinen Geschwistern. Zum Abschluss erhält Daisy für ihre geduldige Mitarbeit jeweils eine Mohrrübe von den Kindern.

Mehmet traut sich, einen Moment mit einem Tuch vor dem Gesicht zu reiten, geführt von seinen Geschwistern.

Als Mehmet zunächst etwas ängstlich ist, nicht wagt, dafür näher an das Ponymaul heranzutreten, legt Aylin schützend ihren Arm um seine Schultern und hilft ihm. Nachdem die Kaninchen des Hofes mit Ästen und frischen Kohlblättern versorgt sind, lassen der Junge und die beiden Mädchen den Nachmittag unbeschwert beim Toben und Versteckspielen auf der riesigen Strohburg ausklingen. Andrea Block-Stoltenberg und Laura Rahlf können in fröhliche, völlig entspannte Kindergesichter schauen. Zum Abschied fragt Mehmet: „Dürfen wir in drei Tagen wiederkommen? Es war so schön hier.“

Weitere Informationen im Internet unter ­wellenbrechen-sh.de, ­stadtmission-mensch.de und ­foerderverein-landerleben.de