Die Zukunft bauen – das wollen die ZukunftsBauer! Henrik Loop aus Bönebüttel im Kreis Plön bei Neumünster engagiert sich in diesem Projekt des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was für ihn dabei im Fokus steht, schildert er im Gespräch mit dem Bauernblatt.
Man soll nicht mit einer trockenen Zahl beginnen, aber 23.500 ha – das ist schon eine Nummer! 650 ha allein jeder Schlag im Durchschnitt. Da wurde gedroschen und gedroschen mit neun Dreschern, fast jeden Tag von Früh bis spät – auf einem von ihnen Henrik Loop, Jungbauer aus Bönebüttel im Kreis Plön bei Neumünster. Ein halbes Jahr war er in Übersee, zuerst in Australien, dann in Chile – „nach der Höla noch mal Erfahrungen sammeln, bevor ich in den Betrieb einsteige“.
Zu Hause
„Fast konnten wir ihn nicht fortlassen, weil vier Wochen vorher ein langjähriger Mitarbeiter gekündigt hat“, erzählt Vater Joachim, „aber wir haben noch einen sehr guten Ersatz gefunden.“ Der Betrieb in Bönebüttel ist natürlich nicht mit dem oben genannten in Australien zu vergleichen, bewirtschaftet aber immerhin rund 500 ha. Er ist vielseitig aufgestellt. Neben dem Hauptstandbein des Ackerbaus gibt es als Nebenzweige Tannenbäume in Direktvermarktung und die Pensionswirtschaft für 50 Pferde, vor allem aber die Energiewirtschaft: Drei Gärbehälter liefern nicht nur Strom für den Hof samt der Trocknungsanlage, sondern auch Nahwärme für 90 Häuser im Neubaugebiet. Die PV-Anlage leistet 150 kWpeak.
Nach dem Sommer auf der Südhalbkugel ist der 23-Jährige jetzt wieder da – frisch und unternehmungsfreudig, wie es passt für einen ZukunftsBauer. Auf Treffen mit den Kollegen in dieser Arbeitsgruppe, an denen er natürlich noch nicht teilnehmen konnte, freut er sich. „Jeder, der zukunftsorientiert ist, ist ZukunftsBauer“, sagt er: „Die Welt wird sich ändern, da ist es gut, sich mit anderen auszutauschen, da muss nicht jeder alleine vorwärtsgehen.“
Beim Tannenbaumverkauf bei Wurst und Glühwein komme man gut ins Gespräch mit Kunden. Der Demeter-Landwirt Dirk Kock-Rohwer, Landtagsmitglied für die Grünen, ist Hof- und Feldnachbar. Man lebe in gutem Einvernehmen, habe ein freundliches, entspanntes Verhältnis und helfe einander aus, sagt Henrik. Jeder solle so wirtschaften, wie er es für richtig halte. „Man muss die Augen offenhalten und links und rechts gucken.“
In Australien
Da kommt ihm die Erfahrung im Ausland zugute – ein Blick nicht nur über den sprichwörtlichen Tellerrand, sondern sogar über das Meer! Die Arbeit in Australien mit 15 anderen Erntehelfern – alles junge deutsche Landwirte – war wie eine Klausur. In die nächstgrößere Stadt brauchte man für 60 km eineinhalb Stunden, da fuhr man gerade mal am Sonnabend zum Einkaufen hin und für ein Bier im Pub.
Die Kontakte und Beziehungen, die entstanden, sind für ihn eine wertvolle Bereicherung. Über solche Kontakte hatte er auch den Aufenthalt vermittelt bekommen. „Ein deutscher Kollege, der zwei Jahre dort gearbeitet hat, hat mir den Betrieb empfohlen.“ Nun hat er bereits selbst Kollegen vermittelt. „Es werden immer gute Leute gesucht.“
Die Bestände in Australien seien sehr dünn gewesen, auch der Trockenheit geschuldet – in dieser Saison 150 mm/Jahr – das ist auch für dort sehr wenig. Dazu unglaublich viele Steine auf dem Feld. Es sei eine Herausforderung gewesen, mit den großen Maschinen sauber zu dreschen – bei satten 10 bis 12 km/h.
In Chile
In Chile sah es etwa anders aus: Mit 1.600 ha Druschfläche war die Fläche immer noch riesig. Der Betrieb lag in dem schmalen Küstenstreifen vor den Anden auf nur 68 m über NN. Die Bestände seien besser gewesen als in Australien und auch als hier: 13,5 t/ha Ernte im Flächenschnitt. Auch gab es genügend Niederschlag mit 1.500 mm/Jahr. Der wichtigste Wirtschaftszweig aber waren 400 ha Kartoffeln, „mit ihnen wurde das Geld verdient“, und zwar in Form von Chipskartoffeln für den Export – „die bekommt man auch hier im Supermarkt“. Für die Kartoffeln wurden 75 bis 80 Mitarbeiter beschäftigt – Sortieren, Waschen et cetera – in der Landwirtschaft etwa zehn. Chefs waren Nachkommen von ausgewanderten Deutschen in fünfter Generation, die in der Familie Deutsch sprachen, die Angestellten und Erntehelfer aber Spanisch –„Google-Übersetzer war der beste Freund“.
Wieder zu Hause
Was nimmt Henrik mit aus seinem Auslandseinsatz? Die Kontakte und das Netzwerk mit den Erntehelfern natürlich. Vor allem aber die Gelassenheit auf den riesigen Betrieben, und das inmitten der Hochsaison der Ernte. „Das strahlen die Chefs aus, das ist mit wenig deutschen Betrieben zu vergleichen. Wenn da was kaputt ist und nicht gleich ein Ersatzteil kommt, dann ist das so. Dann steht der Drescher eben übers Wochenende oder auch zwei Wochen.“
Zwischen Australien und Chile hat sich Henrik Loop dann doch noch ein paar Wochen Urlaub gegönnt, zum Teil in Neuseeland. „Die Landschaft dort, auch die in Chile, die erloschenen Vulkane in den Anden. Auch das ist etwas, das ich mitnehme nach Hause. „Das habe ich immer im Hinterkopf.“




