Welche Fliegenarten treten in der Öko-Schweinhaltung auf, welche Auswirkungen haben sie auf die Gesundheit der Schweine und welche Rolle spielt der Einsatz von Nützlingen bei der Fliegenbekämpfung? Diese und andere Fragen wurden kürzlich in einer Online-Veranstaltung des Naturland-Verbands zum Thema „Fliegenmanagement in der Öko-Schweinehaltung“ thematisiert.
Durch das Programm führte Martina Kozel von der Naturland-Beratung für Schweinehaltung. Im ersten Teil der Veranstaltung mit Elisabeth Hofinger von der QS Tierwohl des Naturland-Verbands wurden die im Stall auftretenden Fliegenarten betrachtet.
Fliegen lösen Stress bei den Tieren aus, können die Leistung der Schweine senken, Kannibalismus auslösen und außerdem Krankheiten übertragen. Die Teilnehmer der Naturland Online-Veranstaltung lernten, dass es Fliegen mit leckend-saugenden und mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen gibt. Es wurde dargestellt, dass die bedeutendsten Fliegen im Schweinestall die Große Stubenfliege (Musca domestica) und der Wadenstecher (Stomoxys calcitrans) sind. Im Stall finden die Fliegen Nahrung und Brutplätze, denn sie ernähren sich unter anderem von organischen Substanzen oder als Parasit.
Verschiedene Fliegenarten im Stall
Die Große Stubenfliege hat als adulte Fliege eine Lebensdauer von 14 bis 28 Tagen und kann bis zu 2.000 Eier legen. Die Eier befinden sich hauptsächlich in der Einstreu oder der Schwimmschicht der Gülle und benötigen, ebenso wie die Larven, Feuchtigkeit. Anschaulich wurde dargestellt, dass die adulten Fliegen nur 20 % der gesamten Fliegenpopulation im Stall ausmachen, 80 % sind dagegen Jungstadien (Eier, Larven, Puppen). Über ihre Ausscheidungen kann die Große Stubenfliege ernsthafte Krankheiten wie Salmonellose und Maul- und Klauenseuche übertragen. Die Erreger nimmt sie leckend-saugend mit ihrer Nahrung auf, beispielsweise Schweiß, Kot, eiternde Wunden oder Aas.
Das Weibchen des Wadenstechers legt 600 bis 800 Eier in Tierkot (zum Beispiel in Misthaufen) ab, wo auch die Larven- und Puppenstadien überwintern können. Diese Fliegenart kann Bakterien oder andere Erreger wie das anzeigepflichtige EIA-Virus (equine infektiöse Anämie) übertragen. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier über Erreger im Saugrüssel durch Blutsaugen.
Abschließend wurde erläutert, dass Fliegen ein Anzeiger für mangelnde Hygiene in der Tierhaltung sind. Daher sollten Entwässerungsrinnen mindestens wöchentlich durchgespült werden, der Hochdruckreiniger regelmäßig zum Einsatz kommen und außerdem das Schweinefutter einmal am Tag leer gefressen werden, um die Fliegen in ihrer Entwicklung zu hindern.
Bekämpfung mit nützlichen Insekten
Im zweiten Teil der Online-Veranstaltung informierte Stefanie Thudium von der biofa GmbH über die Bekämpfung von Stallfliegen mithilfe von nützlichen Insekten. Zunächst wurde der Einsatz von Schlupfwespen (Muscidifurax spp.) zur Bekämpfung von Fliegen im Festmist thematisiert. Die Schlupfwespe legt ihre Eier in die Fliegenpuppe, wobei ein Weibchen etwa 300 Eier ablegen kann. Die sich entwickelnden Schlupfwespenlarven ernähren sich von der Fliegenlarve und fressen diese auf. Nach etwa drei Wochen schlüpft die nächste Generation Schlupfwespen aus der Fliegenpuppe. Je wärmer es ist, desto schneller ist diese Entwicklung.
Schlupfwespen sind sehr klein, beeinträchtigen die Tiere im Stall nicht und sind für den Menschen nahezu unsichtbar, da sie in trockener Einstreu leben und nicht auffliegen. Da sie im Winter aussterben, müssen Schlupfwespen jedes Jahr neu angesiedelt werden, wofür mindestens 17 °C Umgebungstemperatur notwendig sind.
Die Züchtung von Nützlingen findet unter Laborbedingungen statt. Die Lieferung der Schlupfwespen an den landwirtschaftlichen Betrieb erfolgt in parasitierten Fliegenpuppen, welche dann in der Einstreu (Festmist) verteilt werden. Die Teilnehmer der Veranstaltung erfuhren, dass mindestens fünf Lieferungen im Abstand von zwei Wochen notwendig sind, um eine effektive Ansiedelung der Schlupfwespe im Stall zu erreichen. Dabei ist zu beachten, dass Schlupfwespen keine Zugluft oder Nässe mögen und vor Vögeln geschützt sein sollten.
Für die Bekämpfung von Fliegen im Güllebereich können Güllefliegen (Ophyra aenescens) als Nützlinge eingesetzt werden, welche die Stallfliegen auf der Schwimmschicht der Gülle bekämpfen. Ein Güllefliegenweibchen legt bis zu 600 Eier im Güllekeller auf der Schwimmschicht ab. Dort entwickelt sich die Güllefliegenlarve und bleibt auch als adultes Tier an diesem Ort. Menschen oder Nutztiere werden durch sie somit nicht belästigt. Im dritten Larvenstadium fressen die Larven der Güllefliegen die Larven der Stallfliegen auf.
Die Lieferung der Güllefliegen an den landwirtschaftlichen Betrieb erfolgt im Puppenstadium. Zur Ansiedelung sollten ebenfalls mehrere Aussetzungen der Puppen erfolgen. Vorab sollte einige Wochen der Güllekeller nicht geleert werden und eine stabile Schwimmschicht vorhanden sein. Zu beachten ist auch, dass der vorherige Einsatz von Antiparasitika bei den Nutztieren die Ansiedlung der Güllefliege beeinträchtigen kann. Nach Leerung des Güllekellers sollte außerdem stets eine Auffrischung des Güllefliegenbestands erfolgen.
Sonstige Maßnahmen zur Bekämpfung
Erwachsene Stallfliegen sind dagegen nur mit Fliegenfallen bekämpfbar. Bei Klebefallen sollte beachtet werden, dass auch Vögel oder Fledermäuse hierdurch beeinträchtigt und gefährdet werden können. Diese Tierarten können wiederum mit zur Fliegenbekämpfung im Stall beitragen.
Als ergänzende hygienische Maßnahmen gegen Fliegen im Stall wurden regelmäßiges Ausmisten, sorgfältiges Säubern sowie das Misthaufen umsetzen genannt, denn die Stallfliegen vermehren sich besonders stark und meist ungestört in Misthaufen und offenen Güllebehältern.
Weitere interessante Veranstaltungen zum Ökologischen Landbau sind im Terminkalender des Netzwerks Ökolandbau Schleswig-Holstein zu finden www.oekolandbau-sh.net/aktuelles/termine
Fazit
• In der Naturland Online-Veranstaltung konnte für die biologische Fliegenbekämpfung in der Öko-Schweinehaltung folgendes festgehalten werden:
• Nützlinge können den Fliegenbesatz im Stall deutlich reduzieren.
• Sie sollten möglichst früh im Jahr eingesetzt werden, damit sie die jüngeren Entwicklungsstadien der Stallfliegen bekämpfen können.
• Wenn Gülle und eine Schwimmschicht vorhanden sind, sollte die Güllefliege eingesetzt werden. Ideal ist auch eine Kombination aus Schlupfwespen und Güllefliegen.
• Die Vorteile der biologischen Fliegenbekämpfung liegen in der einfachen und wenig aufwendigen Anwendung sowie der Ungefährlichkeit für Mensch und Tier.




