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30 Prozent ökologische Landwirtschaft: Vision versus Wirklichkeit

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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (B90/Die Grünen) hat das Ziel bekräftigt, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland bis 2030 auf 30 % auszudehnen. „Mit unserer Biostrategie wollen wir dafür entlang der gesamten Wertschöpfungskette geeignete Rahmenbedingungen schaffen und Hürden beseitigen“, sagte Özdemir am 30. Mai auf dem Hof von BÖLW-Vorstand Hubert Heigl.

Gerade hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die aktuellen Zahlen zu Biofläche und Biobetrieben für das Jahr 2023 veröffentlicht. Die ökologische Fläche belief sich auf 1,9 Mio. ha oder 11,4 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. 14,4 % aller landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften ökologisch. Der Trend sei zwar positiv, aber das Wachstum verlangsame sich von Jahr zu Jahr, so die BLE. Für das politische Ziel von 30 % Bio, das wären 5 Mio. ha im Jahr 2030, müssten in den kommenden Jahren mindestens zweistellige Wachstumsraten erreicht werden. In Schleswig-Holstein werden übrigens 77.000 ha ökologisch bewirtschaftet, das sind 7,9 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Geringer ist der Ökoanteil nur in Nordrhein-Westfalen mit 6,1 % und Niedersachsen mit 6,0 %.

Weniger Biobetriebe

Insgesamt schieden 2023 mehr Betriebe aus dem Ökolandbau aus als Höfe dazukamen, die auf Bio umgestellt haben: 2023 wirtschafteten 36.680 Höfe ökologisch, 182 weniger als im Jahr zuvor. Der BÖLW nennt mehrere Gründe für den Rückgang. Demnach gaben Betriebe auf, weil Hofnachfolger fehlten. Zudem stellten weniger Landwirte auf Bio um und einige Biobetriebe sind zur konventionellen Bewirtschaftung zurückgekehrt. „Die Rahmenbedingungen für die Umstellung auf Bio waren 2023 herausfordernd. Neue Regeln bei der Agrarförderung bürden den Biobetrieben zusätzliche Bürokratie auf“, so die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres im „Spiegel“. Auch die starke Inflation und das dadurch veränderte Kaufverhalten der Kunden, hin zu günstigen Bioprodukten, verunsichere die Biolandwirte.

Biomarkt wächst wieder

Der wesentliche Einflussfaktor ist die Nachfrage nach Bioprodukten. Der Marktanteil von Biolebensmitteln ist in den vergangenen Jahren stetig auf rund 7,0 % im Jahr 2021 gestiegen, 2022 ging der Anteil erstmals wieder zurück, auf 6,3 %. In Deutschland werden über 181 € pro Kopf für Biolebensmittel ausgegeben. Nur in der Schweiz, Dänemark und Luxemburg wird im europaweiten Vergleich mehr für Öko gezahlt. Übrigens wird Bio vor allem von Besserverdienenden gekauft, das erklärt auch den Einbruch des Biomarktes nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine Anfang 2022, der zu einer Explosion der Energie- und Lebensmittelpreise führte. 2023 verzeichnete die deutsche Biobranche ein Plus von 5 % gegenüber 2022 auf 16,08 Mrd. €, so der BÖLW. Allerdings beruhte das Wachstum auf höheren Preisen, nicht auf größeren Mengen. Insbesondere die Discounter und Drogeriemärkte verliehen dem Biomarkt Schwung, die Biohofläden mussten Umsatzverluste hinnehmen.

Signifikante Importe

Zusätzlich zu Biolebensmitteln aus deutscher Produktion wird auf Importe zurückgegriffen. Die Biogetreideimporte betrugen 2021/22 zirka 133.500 t oder 10 % des Bedarfs. Danach gingen sie zurück wegen der besseren inländischen Versorgung, auch waren die Logistikkosten so stark gestiegen, dass sich Transporte aus vielen Ländern kaum gelohnt haben. Zudem spielen deutsche Herkünfte für viele Verarbeiter eine größere Rolle. Schweine- (mehr als 30 % Importe) und Rindfleisch (zirka 15 % Importe) aus ökologischer Produktion wurden 2021/22 verstärkt importiert. Die größere inländische Biomilchproduktion hingegen führte bei schwächerer Nachfrage zu geringeren Importen (mehr als 20 % Importanteil). Die Frage bleibt, ob das gebetsmühlenartige Wiederholen von „30 % Öko bis 2030“ dem Anliegen weiterhilft oder ob es nicht eine realitätsfremde, ideologische Weltsicht vermittelt. Es bleibt dabei: Nachhaltigkeit und Umweltschutz müssen betriebswirtschaftlich sinnvoll sein. Dann klappt es auch mit dem Ausbau der Ökolandwirtschaft.

Eine Rose unter den Waldbäumen

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Die Mehlbeere (Sorbus aria) bildet mit ihren Verwandten, den Ebereschen, eine Gattung aus der Familie der Rosengewächse. Sorbus bedeutet lateinisch Sperber. Die Preisträgerin 2024 ähnelt im Verhalten unserem kleinen heimischen Greifvogel in vieler Hinsicht. Auch sie erscheint in den Wäldern in Schleswig-Holstein und im ganzen Norden eher heimlich und ziemlich selten. Ein guter Grund, sie hier vorzustellen.

Stammesgeschichtlich betrachtet ist die Mehlbeere erst nach der letzten Eiszeit aus dem asiatischen Raum über Südeuropa zu uns nach Mitteleuropa eingewandert. Ein Hinweis auf ihren langen Wanderweg aus dem Süden geben ihre Blühfreudigkeit und ihre auffällige Behaarung an der Blattunterseite.

Baum der Landbevölkerung

In alter Zeit galt die Mehlbeere als Schutz vor Dämonen und Geistern. Ein beblätterter Zweig, angebracht über der Türschwelle der Hofstelle, sollte böse Geister verbannen. Die Mehlbeere bildete einen Teil des Dorflebens. Früher nutzte die ländliche Bevölkerung die leuchtenden Früchte zur Schweinemast.

Nach der Blüte im Mai/Juni reifen im August/September die typischen roten, 1 bis 1,5 cm großen, apfelähnlichen Früchte. Verspeisen sollte man sie nicht, da das Fruchtfleisch zumindest schwach giftig ist. Die Gifte (Parascorbinsäure) gehen jedoch verloren, sobald sie erhitzt werden.

In Notzeiten streute man früher die getrockneten und zerriebenen Früchte zwischen das Mehl und buk damit das Landbrot. Daher rührt auch der Name des Baumes, Mehlbeere. Daraus gewonnener Essigbranntwein, Saft oder Kompott, Marmeladen und Gelee erfreuten wie Grütze und köstlicher Kuchen die Dorfgemeinschaft. Erntet man die Früchte nicht, verbleiben sie zumeist über den Winter an den Trieben. Dort dienen sie vielen Tierarten als Notration in karger Zeit.

Die Mehlbeere ist der Baum des Jahres.

Ein willkommener Gast

Das bis zu 20 m hohe Gehölz ist ein Baum des Berglandes Mittel- und Südeuropas. Die Mehlbeere steigt an einigen Waldstandorten bis auf eine Höhe von 1.700 m über NN hoch. Die Sorbusart findet ihre Heimat von den Pyrenäen bis nach Mitteldeutschland. Die gut zersetzbaren Blätter haben eine Größe von bis zu 14 cm und weisen dreieckige, zugespitzte, gesägte Lappen auf. Die Blattoberseite ist dunkelgrün, die abgewandte Seite eher grau bis gelb. Der Volksmund meint, dass bei drohenden Unwettern sich die Blattunterseite verfärbe. Das abgefallene Laub verbessert die Bodenfruchtbarkeit und trägt damit zur Vitalität des Waldbestandes bei. Die Krone der Mehlbeere ist unregelmäßig und gleicht einem Oval, zuweilen auch einer Pyramide.

Der Wuchs der Mehlbeere

Die Mehlbeere wächst in der Jugend rasch, fällt dann aber stark im Zuwachs ab. Ihr Wachstum gipfelt um das 60. Lebensjahr. Einige Exemplare erreichen sogar ein Alter von 200 Jahren. Die umfangreichste Mehlbeere finden wir in England mit einem Stammumfang von 1,8 m. Ihr Wurzelwerk bildet ein Herz. Es reicht tief in den Waldboden hinein.

Kalk im Waldboden sagt der Mehlbeere besonders zu. Gleichwohl sind auch leicht saure Standorte ein Refugium für sie. Die Sorbusart liebt das Licht. Man findet sie vereinzelt in sonnigen Laub- und Bergwäldern. Sie trotzt auf Kahlflächen im Wald dem Wind und dem Frost. Die Mehlbeere tritt auch als Pionier- und Mantelgehölz der Waldränder auf. Sie gilt als konkurrenzschwach. Daher finden sich auch keine Reinbestände aus Mehlbeeren.

Gern gesellt sich der Wärme liebende Einzelbaum zu den sommerwarmen Eichen- und Buchengesellschaften. Die für unsere Breiten bislang noch seltene, trockentolerante Flaumeiche ist der Mehlbeere eine gute Begleiterin.

Die forstliche Nutzung

Forstwirtschaftlich erfüllt die Mehlbeere eher eine dienende Aufgabe. Die Zuwächse und die Dimensionen sind zu gering, um großflächig mit ihr wirtschaften zu können. In Schutzwäldern kann sie allerdings eine bedeutende Aufgabe als Beimischung übernehmen. Sie gilt als flurschützendes Gehölz. Für Knicks könnte sie daher als Einzelbaum durchaus geeignet sein. Auf trockenen Hangstandorten hält sie durch ihr Wurzelwerk den wertvollen Humusboden zurück und gilt daher als hervorragendes Bodenschutzholz. Der stockausschlagfähige Waldbaum kann auch als Niederwald bewirtschaftet werden.

Der Stamm der Mehlbeere ist zumeist spannrückig und krummschäftig. Das Holz ist gleichförmig und zeichnet sich durch einen sehr breiten, hellgelben Splint mit einem rotbraunen Kern aus. Es gilt als schwer, fest, zäh, elastisch und biegsam. Tischler, Wagner und Drechsler schätzen die Eigenschaften der Mehlbeere. Früher fand das Holz gern im Schiffbau, im Instrumentenbau und speziell für Zahnräder Verwendung. Für den Außenbau ist es untauglich. Es brennt dafür aber umso besser.

Fazit

Als später Einwanderer kann die Mehlbeere im angemessenen Umfang gut mithelfen, unsere heutigen Wälder artenreicher zu gestalten und damit dem Klimawandel entgegenzutreten. Ihre ökologische Funktion und ihr wertvolles Tischlerholz bereichern unser Waldbild der Zukunft.

Liefern statt Labern

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Bürgerforen, Bürgerräte und andere Dialogprozesse schießen wie Pilze aus dem Boden. Politiker argumentieren, dass diese Art der Öffentlichkeitsbeteiligung inhaltliche Impulse gebe und die Demokratie stärke. Sie drücken jedoch ebenfalls eine gewisse Handlungsohnmacht aus, frei nach dem Motto „Wenn ich nicht mehr weiterweiß, bilde ich ‘nen Arbeitskreis“. Ein prominentes Beispiel ist die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), die im Dezember 2019 von der damaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) infolge von Bauernprotesten initiiert wurde. Die ZKL hat unter Einbindung von Praktikern, Wissenschaftlern und gesellschaftlichen Akteuren Empfehlungen für eine Transformation hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zusammengetragen und 2021 in einem Abschlussbericht vorgestellt.

Eine Kernaussage des Berichts lautet: „Der Umbau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ökologisches Handeln muss in betriebs- und volkswirtschaftlichen Erfolg umgesetzt werden und so auch soziale Anerkennung begründen. Dabei kann und darf die Landwirtschaft nicht alleingelassen werden.“ Doch statt in die konkrete Umsetzung zu gehen, bat der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) gut ein Jahr später die ZKL, ihre Arbeit erst einmal fortzusetzen – eine Hinhaltetaktik? Die Bauern hielten trotz ihrer Unzufriedenheit und mangelnder Perspektiven still, schließlich arbeiteten auch ihre Vertreter in der Kommission mit.

Dass die kurz vor Weihnachten 2023 präsentierten Sparbeschlüsse der Ampel-Koalition dann massive Proteste des gesamten ländlichen Raums auslösten, dürfte eigentlich niemanden überrascht haben. Sie erfolgten ohne vorherige Abstimmung mit den Bauernvertretern und ignorierten die ­Empfehlungen der ZKL. Das kürzlich beschlossene Agrarpaket zur Entlastung der Landwirtschaft wiegt die zusätzlichen Belastungen der Branche mitnichten auf.

Offene Kritik und Frust über das Handeln der Ampel-Regierung kommen mittlerweile sogar aus den eigenen Reihen. Die ersten Mitglieder der Regierungsfraktionen wechseln schon in die Oppositionspartei CDU. Sowohl die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Melis Sekmen (ehemals Grüne) als auch die Hamburgerin Anna von Treuenfels-Frowein (ehemals FDP) haben sich jüngst den Konservativen angeschlossen. Bereits im Juni auf dem Deutschen Bauerntag in Cottbus forderte Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke (SPD) von der Bundesregierung „Kraft zur Korrektur“.

Und die ZKL? Die bisherige Ignoranz der Politik hat dazu beigetragen, dass sich der Ton zwischen Bauernverband und Naturschutzorganisationen zuletzt verschärft hat. Nach einem klärenden Gespräch beschlossen die Mitglieder aber, ihre Arbeit fortzusetzen. Gut so! Mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, erhöht den Handlungsdruck auf die Politik. Eine Rückkehr in die Grabenkämpfe der Vergangenheit führt nur zu agrarpolitischem Stillstand, wie wir ihn bereits unter Kanzlerin Merkel mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) erlebten und was eben 2019 in der ZKL mündete.

Dr. Robert Quakernack

Auszahlungspreise leicht angestiegen

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Die angelieferten Milchmengen gingen im Monat Juni weiter zurück, blieben aber über Vorjahresniveau. Die Auszahlungs-Grundpreise der schleswig-holsteinischen Meiereien stiegen im Durchschnitt um 0,77 ct/kg an.

Hierzulande bewegen sich die Grundpreise in einem Bereich zwischen 43,0 und 45,0 ct/kg Milch. Die Spanne hat sich somit im Vergleich zum Monat Mai deutlich verkleinert, indem der untere Bereich der Preisspanne gekappt wurde. In Süddeutschland ist die Spanne etwas größer, sie liegt im Bereich zwischen 43,0 und 48,0 ct. In Ostdeutschland liegt der Durchschnittspreis weiterhin bei 43 ct und im Westen haben wir nun eine Preisspanne, die zwischen 43,0 und 44,5 ct/kg liegt.

Milchanlieferung rückläufig

Die Milchanlieferung in Deutschland war im Monat Juni rückläufig, nachdem die Anlieferungsspitze saisonbedingt Ende Mai überschritten wurde. Der Rückgang betrug in der letzten Juniwoche bereits 0,9 % im Vergleich zu der Woche davor. Die insgesamt in den ersten 26 Wochen des Jahres abgelieferte Milchmenge bewegt sich noch um 0,1 % über der Vorjahreslinie, allerdings befinden sich die Inhaltsstoffe der abgelieferten Milch auf einem sehr niedrigen Niveau. An den Rohstoffmärkten setzten sich Anfang Juli festere Tendenzen durch. Vor allem an den Fettmärkten wird das Angebot als eher knapp eingeschätzt. Dies gilt vor allem für abgepackte Butter und für Formbutter. So hat der Lebensmitteleinzelhandel die abgepackte Butter im Preiseinstiegssegment Anfang Juli auf 1,99 €/250 g angehoben. Für Blockbutter wird die Marktlage als sehr ruhig beschrieben, es kommt momentan kaum zu Abschlüssen. Nach vorn gerichtet gaben die Butterkurse für den Zeitraum Juli 2024 bis März 2025 an der EEX in Leipzig jedoch leicht nach.

Pulvermarkt uneinheitlich

Im Pulvermarkt gibt es unterschiedliche Richtungen. Der Markt für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität befindet sich schon im Ferienmodus, es kommt daher kaum zu Abschlüssen. Allerdings herrscht auf der Angebotsseite auch kein Verkaufsdruck. Die Preise für Magermilchpulver bewegen sich daher seitwärts bis leicht schwächer in der Preisspanne zwischen 2.300 und 2.500 €/t. Auch hier gaben die nach vorn gerichteten Kurse für Magermilchpulver an der EEX weiter nach. Ähnlich sieht die Lage bei Magermilchpulver in Futtermittelqualität aus. Auch hier gibt es momentan kaum neue Abschlüsse, sodass die Notierungen saisontypisch schwächer ausfallen. Für Vollmilchpulver bewegen sich die Preisnotierungen seit Anfang Juni schon auf einem stabilen Niveau seitwärts und liegen daher weiterhin zwischen 3.850 und 3.910 €/t an der Butter- und Käsebörse in Kempten. Bei Süßmolkenpulver in Lebensmittelqualität sieht es etwas anders aus. Hier gibt es aktuell Bedarf. Diese Nachfrage stößt allerdings auf ein begrenztes Angebot, sodass die Preisnotierungen hier etwas angezogen haben. Für Süßmolkenpulver in Futtermittelqualität stellt sich die Marktlage etwas anders dar. Hier geben die Notierungen wie bereits in den Vorwochen weiter leicht nach.

Käsemarkt freundlich

Die Käsenotierungen bewegen sich schon seit Jahresbeginn stabil seitwärts. Kleine Anpassungen nach oben gab es Anfang Juni und auch jetzt in der ersten Julihälfte konnten die Meiereien leicht festere Kurse durchsetzen. Der Grund liegt in der insgesamt hohen Nachfrage nach Meiereiprodukten. So wird Käse nur nach Bedarf produziert und der übrige Milchrohstoff in andere Verarbeitungslinien gelenkt. Es gibt also kaum Lagerbestände, die Ware verlässt jung die Werke. Die Marktteilnehmer zeigen sich auf beiden Seiten zufrieden, es wurden alle Kontingente planmäßig abgerufen. Auch die Kontraktabrufe aus den Urlaubsregionen Südeuropas bewegen sich im saisonüblichen Rahmen, während aus Drittstaaten eine verstärkte Nachfrage zu verzeichnen ist. Dies macht sich auch in den Notierungen der amtlichen Notierungskommission in Hannover bemerkbar, sie wurden im Schnittkäsebereich in der vergangenen Woche um 10 ct auf 4,25 bis 4,45 €/kg angehoben. Die Preise für Blockware blieben hingegen unverändert.

Welche Fruchtfolge im Futterbau?

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Fruchtfolgen im Futterbau bekommen im Zuge der neuen GAP- Regelungen bei Antragstellung aufgrund des geforderten dreijährigen Fruchtwechsels auf jedem Ackerschlag (Glöz 7) eine große Bedeutung. Auf der Versuchsstation Schuby, Kreis Schleswig-Flensburg, führt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein seit 2015 einen Streifen-Fruchtfolgeversuch mit Ackerfutterbaukulturen unter praxisüblichen Bedingungen durch.

Es zeigt sich, dass Ackergras und Winterroggen-Ganzpflanzensilage auf der Geest in Fruchtfolge den Silomais ertraglich ergänzen können. Zum Vergleich wird in langjähriger Selbstfolge angebauter Silomais herangezogen.

In der Wiederkäuerernährung ist Welsches Weidelgras ein sehr guter Ergänzungspartner zum Silomais.

Produktionstechnik und Erntezeitpunkt beachten

Silomais, Winterroggen als Ganzpflanzensilage (GPS) und Welsches Weidelgras (Ackergras) sind hinsichtlich Standortansprüchen, Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung, Saattechnik, Saattermin, Saatstärke, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz nach Empfehlung anzubauen. Die in der jeweiligen Produktionsrichtung ertragssteigernden und ertragssichernden Maßnahmen sind durchzuführen.

Jede Kulturart hat zum Erntezeitpunkt eigene Ansprüche. So wird der Getreidebestand zur Ganzpflanzensilage optimalerweise zum Ende der Milchreife bis Anfang der Teigreife gehäckselt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Halmknoten grün, das Stroh beginnt mit der Gelbfärbung. Das Korn lässt sich noch mit dem Fingernagel eindrücken, es spritzt aber nicht mehr.

Der tägliche Zuwachs an Trockenmasseertrag und der Anstieg des Trockensubstanzgehaltes während der Abreife des Getreides sind bei kühler Witterung niedriger als bei warmer. Trockenphasen hingegen beschleunigen den Abreifeprozess deutlich. Angestrebt wird wie beim Silomais ein Trockensub­stanzgehalt der gesamten Winterroggenpflanze von 32 bis 35 %. In diesem Erntestadium sind noch genügend leicht lösliche Kohlenhydrate für eine gute Vergärung enthalten.

Idealerweise befindet sich der Silomais zur Ernte in der Teigreife. Beim Anritzen der Körner tritt kein milchiger Saft mehr aus, der Korninhalt ist teigartig. Der optimale Erntezeitpunkt beim Welschen Weidelgras zum ersten Schnitt ist erreicht, wenn zirka 50 % der Ähren im Bestand sichtbar sind. Für jede Kulturart ist der optimale Erntezeitpunkt immer ein Kompromiss zwischen möglichst hohen Trockenmasseerträgen und ordentlicher Abreife bei guten Silier- und Futterqualitäten.

Auf der Geest kann Winterroggen als Ganzpflanzensilage den Mais ertraglich gut ergänzen.

Fruchtfolge ohne Ertragsverluste

Die aufgezeigten Trockenmasseerträge über Jahre in Tabelle 1 zeigen, dass sowohl Welsches Weidelgras (Ackergras) als auch Winterroggen als Ganzpflanzensilage in der Fruchtfolge Mais am Geest­standort gut ergänzen. Ein breiteres Aufstellen mit mehreren Kulturen in der Fruchtfolge hat den Vorteil einer Minimierung des Ertragsrisikos, wie die vergangenen beiden Versuchsjahre 2022 und 2023 zeigen.

Es wird deutlich, dass 2022 der Witterungsverlauf während der Vegetation dem Silomais deutlich zusetzte. Niederschlagsdefizite ab Mitte Juli zur Blüte bis Ende August führten zum Ertragsabfall des Silomaises. Auch beim Welschen Weidelgras als Kultur mit hohem Wasserbedarf waren die Ertragsdepressionen deutlicher ausgeprägt. Die Getreide-GPS profitierte vom eingebrochenen Silomaisertrag im vorletzten Jahr. 2023 hingegen waren Winterroggen-GPS und Welsches Weidelgras stark von der Frühsommertrockenheit betroffen.

Silomais ist eine sehr attraktive Frucht sowohl in der Rinderfütterung als auch für die Biogaserzeugung und nimmt somit einen sehr hohen Anteil in den Fruchtfolgen auf der Geest ein.

Wichtige Frucht für Biogas

Auch für Biogasbetriebe ist Silomais eine sehr attraktive Frucht und nimmt somit einen sehr hohen Anteil in den Fruchtfolgen ein. Der Anbau von Silomais in Selbstfolge wird trotz langjährig hoher Trockenmasseerträge, wie in der Grafik dargestellt, nicht empfohlen, auch wenn reine Ertragsausfälle durch langjährigen Anbau von Mais in Selbstfolge nicht festgestellt werden konnten. Festzuhalten ist außerdem, dass der Maisanbau in Fruchtfolge keine pflanzenbaulichen Nachteile mit sich bringt.

Wird der Blick auf den Variationskoeffizienten (CV) in Tabelle 1 gerichtet, zeigt sich eine minimal höhere Ertragsstabilität bei Mais in Selbstfolge im Vergleich zu Mais in Fruchtfolge im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2023. Der Variationskoeffizient als Maß für die relative Streuung beschreibt das Verhältnis der Standardabweichung zum Mittelwert. Winterroggen-GPS zeigt aufgrund des hohen Ertragsverlusts 2018 eine geringere Ertragsstabilität als Silomais.

Wird das Versuchsjahr 2018 in den aufgeführten Kulturen nicht berücksichtigt, liegt die Streuung der Variationskoeffizienten von Silomais in Fruchtfolge und Getreide-GPS um nur noch 1 % zugunsten des Silomais auseinander. Deutlich größere Ertragsschwankungen des Welschen Weidelgrases und folglich deutlich höhere Varianz lassen sich anhand der Erträge im Vergleich zu Silomais und Winterroggen-GPS (2015-2023) mit den zurückliegenden trockenen Jahren, hohem Wasseranspruch des Welschen Weidelgrases und geringer Wasserhaltekapazität aufgrund niedriger nutzbarer Feldkapazität (nFK) erklären.

Die Grafik zeigt die aufsummierten TM-Erträge der jeweiligen Fruchtfolgen aus den Versuchsjahren 2015 bis 2023 (letztes Versuchsjahr 2023 oben). Es wird deutlich, dass beim Anbau von Mais in Fruchtfolge keine Risiken hinsichtlich der Gesamttrockenmasseerträge zu erwarten sind. In diesem Versuch wurde eine mögliche Beweidung beziehungsweise Schnittnutzung bei günstiger Entwicklung des Ackergrases nach GPS vor Wintereintritt nicht berücksichtigt.

Wird das Augenmerk auf die Qualitäten der Kulturen gerichtet, so sind deutliche Unterschiede zugunsten vom Mais auszumachen (Tabelle 2). Die Stärkegehalte waren beim Roggen als Ganzpflanze 2023 im Vergleich zum errechneten Mittelwert über die Versuchsjahre 2015 bis 2023 (in Klammern) sehr niedrig. Insgesamt betrachtet reichten Stärke-, Energie- und Proteinwerte der Winterroggen-GPS nicht an den Qualitäten von Silomais heran.

Ackergras als wichtiges Fruchtfolgeglied

In der Wiederkäuerernährung ist Ackergras ein sehr guter Ergänzungspartner zum Silomais. Die Nutzungsintensität der Kultur hat hierbei einen entscheidenden Einfluss auf die Futterqualität. Unter Schnittnutzung sind die Qualitäten bei richtigem Management als sehr hoch einzuschätzen. Der Anbau von Gras-Leguminosen-Mischkulturen hat zudem den Vorteil des hohen Vorfruchtwerts und der Einsparung von mineralischen Stickstoffdüngern. Hinweise zur Arten- und Mischungswahl im Ackerfutterbau können auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer (www.lksh.de) abgerufen werden.

Resistenzen nicht überbewerten

In Futterbaufruchtfolgen mit Silomais, Wintergetreide-GPS und Welschem Weidelgras ist das Risiko der Herbizid-Resistenzentstehung von Weidelgräsern als ausdauerndem, mehrjährigem Ährengras mit wurzelnden Seitentrieben gering einzuschätzen. Bei normaler und angepasster Schnittnutzung des Welschen Weidelgrases in Fruchtfolge wird das Stadium der Samenreife nicht erreicht. Ein Aufbau des Samenpotenzials resistenter Biotypen im Boden ist daher sehr unwahrscheinlich; eine Vermehrung von Problem-Weidelgräsern kann ohne toleranten oder resistenten Samen nicht stattfinden.

Fazit

Aufgrund hervorragender Qualitäts- und Futtereigenschaften wird Silomais auch künftig eine große Bedeutung im Futterbau behalten. Ertraglich ergänzen Wintergetreide-Ganzpflanzensilage und Welsches Weidelgras die Fruchtfolgen für Futterbaubetriebe gut. Die Ergebnisse des langjährigen Fruchtfolgeversuchs in Schuby der Landwirtschaftskammer zeigen, dass in Maisfruchtfolgen auf der Geest mit Winterroggen-GPS und Welschem Weidelgras nicht mit Ertragseinbußen zu rechnen ist und Ertragsrisiken durch Anbau mehrerer Kulturen minimiert werden.

Gravert GbR in Lindau ausgezeichnet

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Die Kammer vergibt seit Jahrzehnten den Ehrenpreis für züchterische Leistungen, seit einigen Jahren für Innovationen und beispielhafte Tierhaltung. Im Folgenden wird einer der diesjährigen Preisträger vorgestellt, die Gravert GbR in Lindau im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Vorgaben von Gesellschaft und Politik, aber auch die Krisen der vergangenen Jahre schaffen immer wieder neue Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Das betrifft vor allem die Tierhaltung. Wie viele andere Wirtschaftszweige hat die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungsprozesse durchlebt.

Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer (LKSH), Ute Volquardsen, hat zwei Betriebe ausgezeichnet, die den Wandel erfolgreich bestritten haben. Sie besuchte Anfang Juli den Milchviehbetrieb Gravert GbR und den Zuchtbetrieb seltener Rauwolliger Pommerscher Landschafe Hardy Marienfeld in Blunk im Kreis Segeberg. Beiden wurde in feierlichem Rahmen der Ehrenpreis der LKSH für beispielhafte Tierhaltung übergeben.

Timo Gravert mit einer der Seniorinnen, „Ralli 253“, im Stall

Mut haben, Neues zu wagen

„Aus Jahrhunderten stetiger Anpassung und des Wandels kann eines mit Fug und Recht festgehalten werden: Landwirtinnen und Landwirte sind Profis darin, Ideen zu entwickeln und neue Wege zu gehen“, sagte Volquardsen. „Wissenschaft, Forschung und Beratung tragen natürlich zum Entwicklungsprozess landwirtschaftlicher Neuerungen aktiv bei. Aber der Ursprung vieler Ideen entfaltet sich oft auf den landwirtschaftlichen Betrieben, meistens in Form eines Prototyps. Wir Landwirtinnen und Landwirte schrauben, tüfteln und grübeln so lange, bis wir eine Lösung für fast jedes auftretende Problem gefunden haben.“

Aber Kreativität allein schaffe keine Veränderung. Der Mut, Neues zu wagen, die Hingabe und Ausdauer seien es, die aus einer Idee eine in der Praxis anwendbare und in der Gesellschaft akzeptierte Neuerung machten. Wahrscheinlich sei es dieser eine Grundsatz, der neue Ideen hervorbringe und auf Betrieben von einer Generation zur anderen weitergegeben werde: „Geht nicht gibt es nicht!“

Die ausgezeichneten Betriebe seien sehr unterschiedlich, aber es verbinde sie die Hingabe für ihre Tiere. Beide zeigten, dass bereits kleine Maßnahmen große Wirkung erzielen könnten, sagte Volquardsen bei der Verleihung des schweren Bronzetellers und der Urkunde. Der Preis wird von der LKSH seit Jahrzehnten einmal im Jahr vergeben und ist dieses Jahr im Design generalüberholt worden.

Die Gravert GbR melkt seit 2015 mit vier Robotern, was zu deutlicher Entlastung bei den täglichen Routinen geführt hat.

Geht’s dem Menschen gut, geht’s der Kuh gut

Seit 1929 bewirtschaftet die Familie den Betrieb und hat ihn über die vergangenen Jahrzehnte in mehreren Wachstumsschritten stetig weiterentwickelt. Aktuell sind das 280 Rinder plus Nachzucht, rund 650 ha und seit 2009 eine Biogasanlage. Die Brüder Timo und Arno Gravert mit ihren Familien und ihren Eltern, drei Festangestellten und drei Auszubildenden bewirtschaften den Betrieb.

Timo Gravert ist der Kuhmensch. Anlässlich der Preisverleihung stellt er seine Schützlinge vor: „Ich liebe hübsche Kühe, aber wir wollen auch nicht in Schönheit sterben.“ Will heißen, langlebig sollen die Tiere sein, hochleistend, aber wenn sie schick sind, schadet das nicht. Sein jüngerer Brüder Arno bewirtschaftet die Biogasanlage. Die beiden vertreten sich und so gibt es auch einmal freie Tage. Beide Graverts sind stolze Familienväter und möchten Zeit mit den insgesamt elf Kindern verbringen.

Timo Gravert (li.) und Arno Gravert bilden die Gravert GbR mit Aufgabenteilung: Der eine ist Kuhmensch, der andere betreibt die Außenwirtschaft mit Biogasanlage und Unterstützung des anderen.

Nach den zahlreichen Erweiterungsbauten in den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde bewusst entschieden, aktuell keine wesentliche Bestandserweiterung vorzunehmen. Vielmehr ist es das erklärte Ziel, die Haltungsbedingungen der Tiere weiter zu verbessern und die erarbeiteten Freiräume für Mitarbeiter und Betriebsleiterfamilien zu erhalten.

Volquardsen dazu: „Ich finde es bemerkenswert, wenn man in der heutigen Zeit eines stetigen Wachstums einfach mal sagt, dass man zufrieden mit dem Erreichten ist und seine Energie eher in die Feinjustierung des Betriebes steckt. Im Hinblick auf die Tiergesundheit haben Sie in den vergangenen Jahren in neue Fußbodenbeläge investiert oder das tägliche Klauenbad eingebaut, um Mortellaro vorzubeugen. Aber auch Investitionen in Lüftungstechnik oder den Futterschieber sind Sie trotz manchmal schwieriger Wirtschaftslage mutig angegangen. Im Management haben Sie den Fokus auf die kontinuierliche Nutzung der gesammelten Daten gelegt, um frühzeitig auf Gesundheitsprobleme reagieren zu können. Da eine gesunde Herde auf gesunden Kälbern aufbaut, ist Ihr aktueller Schwerpunkt die Verbesserung der Kälberhaltung. Diese wollen Sie ab sofort mit ihrer neuen Herdenmanagerin zusammen angehen.“

Der schwere Bronzeteller ist dieses Jahr optisch generalüberholt worden.

Die zeitlichen Freiräume wurden 2015 durch den Kauf von vier Melkrobotern geschaffen und zusätzlich durch die Festanstellung der neuen Herdenmanagerin in diesem Jahr. Diese Freiräume werden genutzt für Fortbildung, Ehrenämter oder auch für die Freizeitgestaltung. Dabei spielt auch die Betriebsform GbR eine entscheidende Rolle. Durch die doppelte Führungsverantwortung und das 100%ige Vertrauen untereinander sind diese Freiräume erst möglich. Der Betrieb zeichnet sich durch ein konsequentes Tier- und Arbeitsmanagement aus, was sich auch in der Leistung widerspiegelt. Aktuell liegt diese bei 11.850 kg mit 3,86 % Fett und 3,48 % Eiweiß. Zudem hat der Betrieb sieben 100.000-l-Kühe, also Tiere, die alt werden und sich lange bester Gesundheit erfreuen.

Bedeutung der Tierhaltung in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist landwirtschaftlich durch die Tierhaltung geprägt. Rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche ist Grünland. Die Rinderhaltung umfasst 934.149 Tiere mit 341.631 Milchkühen. Die übrigen sind Fleischrinder, Mutterkühe und Nachzuchten. Auf rund 920 Betrieben werden 197.600 Schafe mit anteilig 66 % Mutterschafen gehalten.

In der Milchkuhhaltung ist die vornehmliche Haltungsform der Liegeboxenlaufstall mit und ohne Laufhof, zudem hat rund die Hälfte aller schleswig-holsteinischen Milchkühe Zugang zur Weide. Schleswig-holsteinische Milchviehbetriebe lieferten 2023 rund 3 Mio. t Milch an die Meiereien.

In der Schafhaltung wird der größte Anteil der Tiere auf Weiden gehalten. Zwar werden über Winter beziehungsweise über die Lammzeit auch vermehrt Tiere aufgestallt, den überwiegenden Teil des Jahres verbringen die Mutterschafe und Lämmer dann jedoch draußen. Zu ihren Aufgaben zählen neben der Fleisch-, Milch- und Wollproduktion die Landschafts- und Deichpflege.