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Klauenbäder, aber richtig!

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Infektiöse Klauenerkrankungen wie zum Beispiel die Mortellarosche Krankheit (Dermatitis digitalis) sind wohl jedem Rinderhalter bekannt, und viele müssen sich täglich damit auseinandersetzen. Treten solche Krankheiten gehäuft und in starker Ausprägung auf, kommt es zu vermehrten Lahmheiten und verminderter Leistung. Aus diesem Grund wird in der Praxis oft ein Klauenbad eingesetzt, um der Lage Herr zu werden. Doch worauf ist hier zu achten, und was für Möglichkeiten gibt es?

Das Prinzip des Klauenbades ist, dass die Kuh beim Durchschreiten des Bades die Klauen in eine desinfizierende Lösung eintaucht und so die Erreger an der Klaue und im Zwischenklauenspalt abgetötet oder reduziert werden. Auf diese Weise wird die Neuinfektion eines Tieres verhindert. Grundsätzlich ist dafür ein geeignetes und zugelassenes Präparat auszuwählen.

Klauenbäder mit einem bioziden, also keimreduzierenden Wirkstoff dürfen grundsätzlich nur zu vorbeugenden Zwecken eingesetzt werden und dienen nicht der Behandlung bereits befallener Tiere. Viele der DLG-geprüften Biozide enthalten Formaldehyd (Formalin) oder Glutaraldehyd. Da diese Stoffe als Biozide gelten und nicht als Tierarzneimittel, dienen sie nicht zur Behandlung von Erkrankungen wie Mortellaro, sondern lediglich zur Prophylaxe.

Kommen offene Läsionen erkrankter Tiere mit diesen Bioziden in Kontakt, erfahren die Tiere einen brennenden Schmerz. Arzneimittel zur Behandlung von Klauenerkrankungen, die über ein Klauenbad angewendet werden, sind für den heimischen Markt zugelassen. Zusätzlich zu Präparaten mit einem bioziden Wirkstoff ist es sinnvoll, Präparate mit einer hautpflegenden Wirkung einzusetzen. Diese dürfen auch von Rindern mit Klauenerkrankungen passiert werden. Eine gesunde und gepflegte Haut mit einer intakten Hautbarriere ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die Vermeidung von Erkrankungen wie Mortellaro.

Erst einmal Füße waschen

Unabhängig von der Art des Klauenpflegeproduktes sollten die Klauen der Rinder vor der Anwendung gewaschen werden. Sind Haut und Zwischenklauenspalt mit Mist oder Ähnlichem verschmutzt, erreichen die Wirkstoffe nicht ihre Zielfläche, und Desinfektion und Hautpflege bleiben aus. Auch verschmutzt das Klauenbad weniger schnell, wenn die Rinder dieses mit sauberen Füßen betreten.

Besonders vor Klauentrockenbädern ist ein Waschen der Klauen zu empfehlen, da sich das eingesetzte Pulver mit dem anhaftenden Mist zu einem festen Mantel verbinden kann, welcher dann die Klaue umschließt. Einfaches Waschen der Klauen und des Zwischenklauenspaltes beugt auch ohne anschließendes Klauenbad infektiösen Klauenerkrankungen vor. Durch tägliches Waschen mit Wasser kann beispielsweise das Auftreten der Mortellaro’schen Krankheit um bis zu 30 % reduziert werden.

Saubere und trockene Laufgänge sind bei der Bekämpfung infektiöser Klauenerkrankungen bedeutsamer als jedes Klauenbad.

Das klassische Klauenbad

Das eigentliche Klauenbad besteht aus einer flachen Wanne, welche mit Wasser und einem entsprechenden Präparat gefüllt ist. Die Wanne liegt meist am Ausgang des Melkzentrums oder an einem ähnlichen Durchgang, den die Kühe täglich passieren müssen. Beim Durchschreiten der Wanne tauchen die Klauen der Tiere in die Lösung ein und werden mit dieser benetzt. Dazu sollte die Wanne etwa 15 cm tief sein. Damit jede Klaue mindestens zweimal eintaucht, wenn die Wanne eine Länge von 3 bis 3,5 m aufweist.

Wer die Klauen vorher nicht händisch, zum Beispiel im Melkstand, abspülen möchte, sollte ein Reinigungsbad vor der Wanne mit dem Wirkstoff aufstellen. Zwischen diesen Wannen sollte ein Abstand von etwa 2 m liegen, damit das Reinigungswasser von den Klauen abtropfen kann.

Der Bereich hinter den Klauenbädern sollte sauber und trocken sein. Besonders Spaltenböden bieten sich hier an, um das Entstehen von Pfützen zu verhindern. Rinder betreten Wasser für gewöhnlich sehr ungern, weshalb sie sehr zügig die Wanne durchlaufen oder sogar springen, was zu einer mangelhaften Benetzung der Klaue führt. Auch koten die Tiere vermehrt in die Wanne und verschmutzen die Lösung, was die Wirksamkeit beeinflusst.

Vor der ersten Nutzung sollte die Wanne ausgelitert werden, da die Volumenangaben des Herstellers teilweise abweichen. Bei selbstgegossenen Betonbecken weicht die Berechnung oft auch ab. Das genaue Volumen ist jedoch wichtig, um den eingesetzten Wirkstoff genau zu dosieren. Die exakte Dosierung für die jeweiligen Präparate wird von den Herstellern im Gebinde angegeben. Trotzdem sollte der pH-Wert der Lösung überprüft werden. Dieser sollte zwischen 4,0 und 5,5 liegen, um die Erreger zu hemmen. Ist der pH-Wert zu niedrig, kommt es zu Hautschäden durch Verätzungen.

Kühe mit offenen Läsionen sollten nicht nur aus rechtlichen Gründen am Klauenbad vorbeigelotst werden. Aufgrund der Läsionen werden besonders viele Erreger ausgeschieden, die dann über die Lösung andere Kühe besiedeln können.

Zum Befüllen der Klauenbadwannen sind auch trockene Produkte erhältlich. Die Rinder laufen also nicht durch eine Flüssigkeit, sondern durch ein Pulver. Von den Tieren wird dieses Klauentrockenbad deutlich besser angenommen, als wenn sie durch das Wasser gehen. Die Produkte enthalten teilweise Kalk, welcher eine desinfizierende und austrocknende Wirkung zeigt. So wird der Keimdruck an der Klaue minimiert. Zu häufiger Kontakt mit Kalk kann die Haut jedoch rissig und spröde werden lassen, was wiederum eine perfekte Einstiegspforte für Erreger darstellt.

Der Einsatz einer Rückenspritze eignet sind vor allem bei kleineren Tiergruppen oder wenn die Installation eines Klauenbades aus baulichen Gründen nicht möglich ist.

Das Handsprühgerät

Eine gute und simple Alternative zum Klauenbad kann der Einsatz einer Rückenspritze sein. Besonders im Jungviehbereich kommt diese häufig zum Einsatz, da hier oft kein geeigneter Ort zum Aufstellen der Wannen verfügbar ist. Im Optimalfall werden die Tiere im Fressgitter fixiert und die Klauen mit einem Schlauch abgespült. Der Wirkstoff wird im passenden Verhältnis in der Rückenspritze angerührt und aufgesprüht. Für größere Tiergruppen sind Akkugeräte gut geeignet. Der Vorteil dieses Verfahrens ist vor allem der geringe Produktaufwand, da bedeutend weniger kostspieliges Mittel benötigt wird als für das Befüllen einer Wanne. Jedoch ist der Arbeitsaufwand natürlich höher, als die Rinder selbstständig durch eine Wanne laufen zu lassen.

Die Klauenmatte

Auf dem Markt sind auch spezielle Klauenmatten erhältlich. Die Matten können ähnlich wie ein Klauenbad am Melkstandausgang aufgebaut werden, sodass die Kühe diese passieren müssen. Die schwammartige Matte schäumt dann die Klauen der Tiere mit der Lösung ein, mit welcher die Matte vorab befüllt wurde. Sofern die Kühe an die Matte gewöhnt sind, wird diese besser akzeptiert und langsamer passiert als das klassische Klauenbad. Aufgrund der besseren Akzeptanz koten die Tiere selten darauf und verschmutzen die Matte weniger. Die Reinigung der Matte nach der Nutzung ist jedoch recht aufwendig im Vergleich zu einer normalen Klauenwanne. Es sind jedoch schon Systeme am Markt erhältlich, welche sich über Schlauchsysteme automatisch befüllen und die entsprechenden Wirkstoffe richtig dosiert zufügen. Auch reinigen sie sich selbst, sodass sie einfach dauerhaft am Melkstandausgang installiert werden können. So müssen die Kühe diese täglich zweimal passieren. Ein solches System ist wirkungsvoll und arbeitssparend, jedoch mit erhöhten Investitionskosten verbunden.

Fazit

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, infektiösen Klauenerkrankungen vorzubeugen. Hier ist betriebsindividuell zu entscheiden, welches Vorgehen am besten passt. Es gilt zwischen der Stärke des Krankheitsauftretens, der Arbeitswirtschaftlichkeit, den baulichen Gegebenheiten und den entstehenden Kosten abzuwägen. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass alle vorgestellten Möglichkeiten keine Wundermittel sind. Viel bedeutender ist es, das Haltungsumfeld der Rinder so zu gestalten, dass der Erregerdruck möglichst gering ist. Vor allem saubere und trockene Laufgänge sowie gut gepflegte Liegeboxen sind hier ausschlaggebend.

Geplante Änderungen beim Fruchtwechsel in der Praxis beachten

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Bund und Länder haben sich auf eine Änderung der Fruchtwechselregelung bei den Agrarprämien (GLÖZ 7) ab dem Jahr 2025 verständigt, und der Bund hat dies bereits mit der EU-Kommission abgestimmt (siehe Bericht in Bauernblatt Ausgabe 31, Seite 10). Danach sollen die bisherigen Regeln vereinfacht und durch die folgenden drei Regeln ersetzt werden:

1. Auf jedem Ackerschlag muss spätestens im dritten Jahr ein Fruchtwechsel erfolgen. Also muss auf allen Flächen, in denen in den Jahren 2023 und 2024 die gleiche Kultur gestanden hat, im nächsten Jahr eine andere Hauptkultur angebaut werden.

2. Jährlich muss auf mindestens 33 % der Ackerschläge eines Betriebes entweder ein Wechsel der Hauptkultur oder bei gleichbleibender Hauptkultur eine Winterzwischenfrucht angebaut werden. Für die Praxis bedeutet das, dass der Anbau einer Zwischenfrucht im Herbst 2024 für jene Betriebe sinnvoll sein kann, die sonst im Jahr 2025 nicht auf mindestens 33 % ihrer Flächen den Fruchtwechsel erfüllen. Zusätzlich trägt der Anbau von Zwischenfrüchten zur Erfüllung der Winterbodenbedeckung (GLÖZ 6) bei.

3. Bis einschließlich 2025 können Maismischkulturen noch zur Erfüllung der Fruchtfolge genutzt werden. Ab 2026 gelten Maismischkulturen jedoch als Hauptkultur Mais und sind somit nicht mehr für den Fruchtwechsel anrechenbar. Bei der Ökoregelung 2 „Vielfältige Kulturen“ gilt die Zuordnung von Maismischkulturen zur Hauptkultur Mais bereits ab dem nächsten Jahr.

Die bisherigen Ausnahmen für bestimmte Betriebe (Ökobetriebe, Betriebe bis 10 ha und solche mit hohem Grünlandanteil) und Flächen beziehungsweise Kulturen (Brache, mehrjährige Kulturen, Roggen, Tabak und Saatgutmais jeweils in Selbstfolge und für Gras- und Grünfutterpflanzen) sollen weiterhin gelten. Die geplanten Änderungen müssen noch in nationales Recht umgesetzt werden. 

Ergebnisse Landessortenversuche Winterraps und Anbauempfehlung zur Aussaat

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Die Rapsernte verlief so durchwachsen wie das Wetter in diesem Jahr. Optisch hervorragende Bestände – enttäuschende Ergebnisse am Ende. Auf leichten Böden zeigten sich die Erträge oftmals besser. Trotz trockenem Erntewetter war in vielen Bereichen einfach zu viel Wasser vorhanden. Der Artikel beschreibt, wie die einzelnen Sorten an den verschiedenen Standorten abgeschnitten haben.

Der Deutsche Wetterdienst berichtete Anfang Juli, dass die vergangen zwölf Monate bundesweit die niederschlagsreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 waren. 1.070 mm Niederschlag waren es im Zeitraum von Juli 2023 bis Juli 2024, 789 mm sind es im langjährigen Durchschnitt. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf das Rapsjahr 2023/2024.

Zudem waren die Wintermonate deutlich zu warm: der Januar 4 K wärmer, der Februar sogar 6 K, der März 3 K wärmer als der jeweilige Mittelwert der Monate von 1961 bis 1991. Der Raps, quittierte dies mit dem frühesten Blühbeginn in den Aufzeichnungen der Schleswig-Holsteinischen Rapsversuche, wo er den Erdflöhen und den Wassermassen nicht erlegen war. Am 6. April blühten die frühesten Sorten.

Dabei endete der April frostig, und der Raps blieb in seiner Entwicklung mit blühenden Haupttrieben stehen. Erst der wärmere Mai ließ den Raps weiterwachsen. Er blühte an den Nebentrieben lange nach. Sieben Wochen lang bescherte er dem Land einen goldgelben Frühling. Bisher hatten sich lange Blühphasen immer positiv auf den Ertrag ausgewirkt.

Entwicklung an den Versuchsstandorten

Die Aussaat der Landessortenversuche erfolgte 2023 Ende August in ein bereits auf allen sieben Standorten gut feuchtes Saatbett, da die Trockenphase bereits im Juli endete. Die Aussaatbedingungen waren noch optimal, anders als für die später folgende Getreideaussaat. Der Raps hatte fast überall einen guten Start und konnte sich üppig in den Herbst entwickeln. Ausnahmen gab es, wenn er direkt in einem stärkeren Regen gedrillt worden war und verschlämmte.

Schwierig wurde es danach zum Beispiel in der Marsch. Die Böden im Sönke-Nissen-Koog waren von Oktober bis April wassergesättigt, die Pfahlwurzeln faulten ab. Der Versuch musste daraufhin beendet werden, blieb aber stehen. Die lichten Bestände verunkrauteten über den Sommer mit Kamille, die sich besonders unter Sauerstoffmangelbedingungen im Boden konkurrenzstark zeigte, ein Bild, das sich auf vielen Praxisflächen, besonders in den Kögen zeigte (siehe folgendes Bild).

Standort Sönke-Nissen-Koog – Sauerstoffmangel im Boden begünstigt Kamille in ausgedünnten Beständen. Schwere Standorte waren im April 2024 oft umbruchwürdig.

Der Rapserdflohdruck zeigte sich besonders im Lauenburgischen im Versuch in Kastorf. Dennoch konnte er dort, anders als 2022, durch die Behandlungsempfehlung des Pflanzenschutzdienstes bei der Landwirtschaftskammer gehalten und beerntet werden. Herausragend hat sich diesmal der Raps 2023/24 in Schuby entwickelt. Der leichte Standort mit 24 Bodenpunkten litt diesmal nicht unter Wassermangel.

In Loit und Futterkamp haben sich die Bestände im Herbst sehr mastig entwickelt, und besonders in Futterkamp kam es zu einer merklichen Streckung der Stängel im Herbst. Die Winterhärte wurde jedoch nicht abgefordert, so verloren einige Sorten über Winter nur einen Teil der alten Blätter. Zur Vernalisierung reichten die wenigen kalten Tage Anfang Dezember, und der Raps zeigte den ganzen Winter über eine leichte Entwicklung.

Die nasse Witterung im Frühjahr und Frühsommer sorgte dafür, dass die Bestände mit Nährstoffen optimal versorgt waren. Allerdings ist zu vermuten, dass durch die Nässe auch die Sauerstoffversorgung der bessern Böden unzureichend war, was sich auf die Wurzelgesundheit ausgewirkte. Selbst bei optimaler Nährstoffversorgung kann eine unterentwickelte Wurzel die Pflanze zwar versorgen, jedoch ist die Wurzel in der Abreife maßgeblich an der Umlagerung der Nährstoffe aus dem Gewebe ins Korn beteiligt. Dieser für die Ertragsbildung maßgebliche Prozess schien hier am Ende gestört gewesen zu sein. Zudem fehlte es im Juni und Juli an Sonnenstrahlung. Praktiker berichten von Erträgen zwischen 20 und 40 dt/ha.

Standort Sönke-Nissen-Koog – Staunässe von Oktober bis März ließ kein Wurzelwachstum zu.

Rapssorten-Sortiment im Überblick

Grundsätzlich werden nur noch Hybridsorten angebaut. Die älteste Sorte im Sortiment ist nach Anbaufläche die am häufigsten in der Praxis angebaute Sorte ‚Ambassador‘. Sie beendet das fünfte Jahr im Landessortenversuch. ‚LG Activus‘, ‚KWS Ambos‘ und ‚Daktari‘ wurden vom Bundessortenamt als Verrechnungs- und Vergleichssorten benannt und werden im amtlichen Prüfwesen daher als Referenzsorten genutzt. ‚Ludger‘ und ‚Heiner‘, die beiden anderen Verrechnungssorten, wurden zur Aussaat 2023 aus dem LSV-Sortiment gestrichen, da sie ihren Zenit überschritten haben.

Das Mehrjährig geprüfte Sortiment besteht zudem aus (von alt nach jung/aufsteigende BSA-Nummern): ‚PT 303‘, ‚Scotch‘, ‚Picard‘, ‚LG Adonis‘, ‚PT 299‘, ‚PT 203‘, ‚Archivar‘, ‚Humboldt‘, ‚Herrmann‘ und ‚Vespa‘. Die Sortenempfehlung wird sich im Artikel nur auf das mehrjährig geprüfte Sortiment beziehen.

Einjährige Ergebnisse der Sorten ‚LG Ambrosius‘, ‚Cheeta‘, ‚Famulus‘, ‚Triple‘, sowie die Direktaufsteiger ‚KWS Ektos‘ und ‚KWS Vamos‘ werden nur in den Ergebnistabellen im Internet veröffentlicht (www.lksh.de).

Neue Darstellung der Ergebnisse

In diesem Artikel ist für jeden Bodenklimaraum eine grafisch aufbereitete Übersicht zu den Leistungsdaten der mehrjährig geprüften Sorten zu sehen. Die bisher gewohnte Darstellung der Standortdaten in Tabellenform ist per Kurz-URL (tinyurl.com/3b3afrkw) abrufbar. Diese Tabellen finden sich auch in der Versuchsdatenbank auf der Homepage sowie der Kultur Raps.

Veröffentlicht werden die Parzellenerträge ohne Abzüge. Das Versuchsmittel wird aus den Erntedaten berechnet. Eine Reduktion auf praxisnähere Werte hat keinen Einfluss auf die Rangfolge der Sorten und die relativen Erträge. Die Mehrjährige Zusammenstellung nach der Hohnheimer Serienauswertung lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor und wird nachfolgend im Internet veröffentlicht.

Ergebnisse der Marschstandorte

In der Marsch gibt es in diesem Jahr nur Ergebnisse aus Barlt. Auch der Versuch in Barlt hat im Winter sehr unter den nassen Füßen gelitten und ist leicht ausgedünnt in den Frühling gestartet. Dennoch konnte der Versuch zu Ende geführt werden. In der Auswertung zeigte sich der Versuch mit einer Grenzdifferenz von 11 % als noch aussagekräftig.

Wie Abbildung 1 zu entnehmen ist, liegt das mittlere Ertragsniveau bei 44 dt/ha und der mittlere Ölgehalt bei hohen 47,7 %. Dies deutet auf eine beeinträchtigte N-Verfügbarkeit hin. Spezialist für solche Situationen ist die Sorte ‚Ambassador‘. Sie weist den höchsten Kornertrag auf, was den niedrigen Ölgehalt so weit ausgleicht, dass sie den ersten Platz in der Marktleistung belegt. Ähnliches gilt für die Sorte ‚Humboldt‘.

In Abbildung 1 gibt es ein Sortencluster mit durchschnittlichen Ölgehalten. ‚PT 303‘, ‚Picard‘, ‚KWS Ambos‘ und ‚Vespa‘ zeigen sich hier in der Marktleistung überdurchschnittlich. ‚PT 299‘ und ‚Archivar‘ fallen durch Ölgehalte über 48 % auf, jedoch reicht der Kornertrag in diesem Jahr nicht aus, um durch den Ölzuschlag den fehlenden Kornertrag in der Marktleistung auszugleichen. Ein Prozentpunkt mehr Öl bedeuten 1,5 Prozentpunkte mehr Marktleistung bei gleichem Kornertrag.

Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH

Ergebnisse der Geeststandorte

Der LSV in Schuby konnte unter besten Bedingungen beendet werden. Bundesweit zeigen sich in der Ernte 2024 die Standorte im Vorteil, die in den trockenen Jahren unter Trockenstress gelitten haben. Wie Abbildung 2 zu entnehmen ist, beträgt das mittlere Ertragsniveau 43 dt/ha. Mit einer Düngung von nur 131 kg N (rotes Gebiet) ist die Leistung für den Standort herausragend. In den Vorjahren lagen die Erträge unter 40 dt/ha.

Auf den leichten Standorten, die in den trockenen Jahren hauptsächlich durch die Sorte ‚Ambassador‘ dominiert worden sind, ist in diesem Jahr alles anders. Sorten, die sich im Vorjahr in Loit und Futterkamp stark zeigten, führen hier die Liste an. Der gegenüber der Marsch niedrige Ölgehalt auf der Geest sowie der hohe N-Entzug (nicht gezeigt) sprechen für eine unbeeinträchtigte Nährstoffaufnahme im Frühjahr. Auf der Geest wurde diesmal nur ein LSV angelegt. Aus Schafstedt/Tensbüttel gibt es ausschließlich Ergebnisse der Kohlherniesorten.

Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH

Ergebnisse des Östlichen Hügellandes

Die Versuchsergebnisse am Standort in Futterkamp zeigt nach der Auswertung eine Grenzdifferenz, die deutlich über der Streuung der Ertragsleistung der Sorten liegt. Das Ergebnis aus Futterkamp wurde daher verworfen. Kastorf und Loit hingegen konnten in der kurzen Trockenphase am 24. und 25. Juli beerntet werden. Auf den besseren Standorten des Östlichen Hügellandes (Abbildung 3) taten sich die zweijährigen Sorten hervor, die gezielt für den deutschen Markt gezüchtete worden sind. ‚Vespa‘ ist derzeit eine der gesundesten Sorten im Sortiment. Ertraglich an fast allen Standorten stark, wird sie nur von ‚LG Adonis‘ durch den höheren Ölgehalt in der Marktleitung übertroffen. Den höchsten Ögehalt erreichte die Sorte ‚KWS Ambos‘, was die Sorte in der Marktleistung auf eine Stufe mit der im Kornertrag leicht besseren Sorte ‚Archivar‘ stellt.

Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH

Prüfung der Sorten mit Kohlhernieresistenz

Die Kohlherniesorten stehen außerhalb des amtlichen Prüfwesens und müssen daher nicht strikt nach den Vorgaben des Bundessortenamtes angebaut werden. Daher ist der Versuch zweistufig gefahren worden und enthält somit eine Variante, die ohne Fungizide und Wachstumsregler geführt wurde, und eine Variante, die ortsüblich behandelte Stufe.

Abbildung 4 gibt eine Übersicht über das gesamte Versuchsmittel aller Standorte. Im Kornertrag führt die Sorte ‚Credo‘ knapp vor der Sorte ‚Crocodile‘, die durch den knapp 0,5 Prozentpunkte höheren Ölgehalt die etwas bessere Marktleistung erreichte. Unter den nassen Bedingungen zeigt sich die Sorte ‚Cromat‘, die in den trockenen Jahren ihre Zulassung durchlaufen hat, nicht so ertragsstabil wie in den Vorjahren. Sie gehört aber noch in das breite Mittelfeld der durchschnittlichen Sorten.

Insgesamt gibt es wenig neue Sorten im Sortiment, zudem streuen die Sorten im Kohlherniesegment ertraglich wenig, sodass die Landwirtschaftskammer in ihrer Anbauempfehlung rät, bei den kohlhernieresistenten Sorten zu bleiben, mit denen man sich auskennt und die auf dem eignen Betrieb bisher gut funktioniert haben.

Die Abbildung 5 über die zweistufige Marktleistung zeigt, dass besonders die Sorten ‚Credo‘, ‚Cratos‘ und ‚SY Alibaba‘ negativ auf die Wachstumsreglerbehandlung reagiert haben. ‚Credo‘ hätte unbehandelt stärker als ‚Crocodile‘ abgeschnitten. Besonders ‚Cromat‘ und ‚LG Alltamira‘ reagierten dagegen positiv auf die Behandlung im Frühjahr und Herbst. Blütenbehandlungen gegen Sclerotinia haben dabei in allen Versuchen stattgefunden.

Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH
Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH

Anbauempfehlung zur Rapsaussaat

Ein Mitarbeiter aus der Sortenförderungsgesellschaft hat das LSV-Sortiment kürzlich mit einem Parkplatz voller blauer VW Golf verglichen. Sportcoupés und Geländewagen würden in der Wertprüfung aussortiert, da sie nicht das winterungsbetonte Anbausystem passen. Was übrig bleibt, sei also sehr uniform. Dieses Bild passt. Denn in der Regel liegt die Spannweite der Leistung der Sorten zueinander unter der Grenzdifferenz des Versuchs.

Das Leistungsniveau ist deutlich von den Standortbedingungen und dem Jahr abhängig. Und bei der Anbauempfehlung stehen eher die ackerbaulichen Eigenschaften im Vordergrund, da sie zum eigenen Betriebstyp passen müssen. Das Optimierungspotenzial der Wirtschaftlichkeit ist bei Raps auf der Kostenseite und somit im Hinblick auf die Bestandesführung und Ernte größer.

Für alle sandigen Standorte, schwach lehmige Sande und stark sandige Lehme bleibt die Anbauempfehlung noch einmal bei ‚Ambassador‘. Aufgrund ihrer Genetik scheint die Sorte an die klimatischen Schwankungen am besten angepasst. In trockenen Jahren ist ihre Marktleistung immer herausragend gewesen, in normalen Jahren hat die Sorte immer noch durchschnittlich abgeschnitten. Als früheste Sorte mit RLm7–Phoma-Genetik und genetisch fixierter Schotenplatzfestigkeit sicherte die Sorte ihren Ertrag auch in instabilen Erntephasen ab.

Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH
Quelle: Dr. Christian Kleimeier, LKSH

Wer bisher ‚Ambassador‘ angebaut hat, sollte dabeibleiben. ‚Ambassador‘ ist frohwüchsig im Herbst, startet jedoch eher verhalten ins Frühjahr. Die Sorte kann spät gesät werden, Austrieb und Blüte sind jedoch weniger spätfrostgefährdet. Besonders in Nachbarschaft zu den früh blühenden kohlhernieresistenten Sorten ‚Cromat‘ und ‚Crocodile‘ fällt ‚Ambassador‘ im Frühjahr aber durch den zögerlichen Wuchs auf, ein Rückstand, der bis zum Blühen in der Regel jedoch wieder aufgeholt wird. ‚Ambassador‘ benötigt keine Wachstumsreglerbehandlung im Frühjahr. Die Sorte ist eher kleinrahmig.

Das dritte Jahr in Folge zeigt sich ‚Picard‘ besonders umweltstabil und über alle Bodenklimaräume überdurchschnittlich in der Leistung. Besonders auf den schwereren Böden ist die Sorte bei vergleichbarem Ölgehalt im Kornertrag ‚Ambassador‘ überlegen. ‚Picard‘ neigt wenig zum Überwachen und verfügt im Herbst über ein breites Saatfenster. Im Frühjahr gehört sie zu den schnellsten Sorten und ist im Blühbeginn mit 2 eingestuft.

Hier werden die Landessortenversuche Raps am Standort Loit geerntet.

In der Hohnheimer Serienauswertung für den Kornertrag führt die Sorte ‚PT 303‘ (siehe Ergebnisse von 2023). Da aus der Ernte 2023 keine LSV-Ergebnisse vorliegen, ist die Sorte, obwohl schon vor drei Jahren zugelassen, erst zwei Jahre geprüft. In Bezug auf Stängelgesundheit und Standfestigkeit ist die Sorte ‚PT 303‘ herausragend und wird mit einer hohen Toleranz gegenüber Sclerotinia beworben. ‚PT 303‘ ist auffällig großrahmig und wirft erst spät ihre Blätter ab. Dadurch bleibt die Sorte lange physiologisch aktiv, was sich im Ertrag bemerkbar macht. Sie ist jedoch spät in der Ernte und trotz des Ertragsvorteils eher wenig für Betriebe geeignet, die Raps früh und deutlich vor dem Weizen dreschen müssen. Wer in dem Bereich flexibel ist, für den ist ‚PT 303‘ eine gute Wahl. Besonders im Ölgehalt tun sich die Pioneer-Sorten hervor.

‚LG Activus‘, ‚Adonis‘ und ‚Archivar‘ sind wie die oben benannten blauen Autos, allerdings die GTI-Variante. ‚LG Activus‘ hat nach der Zulassung im ersten Jahr am besten abgeschnitten und wurde daher vom Bundessortenamt als Vergleichssorte benannt. ‚LG Adonis‘ und ‚Archivar‘ liegen aufgrund eines noch höheren Ölgehaltes in der Marktleistung leicht über ‚LG Activus‘. Ackerbaulich sind die drei Sorten jedoch eher spät in der Ernte und mit ‚PT 303‘ vergleichbar. Eine hohe Reifeverzögerung resultiert aus der Gesundheit, und die Sorten können durchaus auch mal nach frühem Weizen gedroschen werden. Das passt nicht in jeden Betrieb.

Die KWS-Sorten haben sich in den vergangenen Jahren als sehr gesund und ertragsstark gezeigt. ‚KWS Ambos‘ ist zusammen mit ‚PT 303‘ die großrahmigste Sorte im Versuch und zeigt eine zügige Herbstentwicklung und einen frühen Start im Frühjahr. Somit ist ‚KWS Ambos‘ für mittlere und späte Saattermine geeignet. Besonders an maritim geprägten Standorten mit ausgeglichenem Klima zeigt die Sorte eine herausragende Leistung.

Im ersten Prüfjahr zeigten die Sorten ‚KWS Vamos‘ und ‚KWS Ektos‘ Leistungen, die über dem Niveau von ‚LG Activus‘ und ‚KWS Ambos‘ lagen. Daher sind sie als Stämme direkt aus der WP3 aufgenommen worden. Dabei ist ‚KWS Vamos‘ aufgrund ihrer langsamen Herbstentwicklung besonders für sehr frühe Saattermine um den 10. August geeignet.

Im Frühjahr zeigten sich alle drei Sorten vergleichbar, und besonders ‚KWS Ektos‘ wies die schnellste Entwicklung aller LSV Sorten im Frühjahr auf. Eher Unscheinbar hat sich ‚Vespa‘ seit zwei Jahren unter die Spitzensorten gemogelt. Unter schwierigen Bedingungen durchschnittlich, schnitt sie unter guten Bedingungen hervorragend ab. Was ‚Vespa‘ besonders auszeichnet, ist eine hervorragende Gesundheit. Derzeit ist sie die gesündeste Sorte im Sortiment.

Die Ergebnistabellen finden sich auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer: http://tinyurl.com/3b3afrkw

Fazit

Mit der Rapsernte 2024 kann man auf ein spannendes und vielerorts sehr schwieriges Rapsjahr zurückblicken. Leichte Standorte lieferten hervorragende Ergebnisse, normale und schwere Standorte enttäuschten, obwohl der Raps hervorragend entwickelt war. Stress durch zu viel Wasser in der Kornfüllungsphase behinderte die Nährstoffumlagerung in den Pflanzen. Das zeigte sich jedoch erst nach der Ernte. Hohe Erwartungen wurden durch niedrige Erträge enttäuscht.