Die Ziegenpest, ein tödliches Virus, das Schafe und Ziegen befällt, wütet in Griechenland und Rumänien. Tausende Tiere wurde bereits gekeult, und die Regierungen beider Staaten haben Beschränkungen für Tiertransporte erlassen, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.
Der erste Ausbruch ereignete sich Mitte Juli in Thessalien, einem landwirtschaftlichen Zentrum Griechenlands. Die Region erholt sich noch immer von den verheerenden Überschwemmungen aus dem vergangenen September, die hohe Schäden verursacht und den Viehbestand der Region dezimiert haben.
Schaf- und Ziegenhalter in Griechenland dürfen ihre Tiere vorerst nicht mehr außerhalb ihres Betriebes verbringen. Das hat das Athener Landwirtschaftsministerium Anfang dieser Woche beschlossen, nachdem am Wochenende neue Fälle der Pest der kleinen Wiederkäuer (PPR) bekannt wurden. Laut Kostas Tsiaras, dem griechischen Minister für ländliche Entwicklung, wurden bisher etwa 14.000 Tiere gekeult, und Hunderttausende werden derzeit untersucht, berichtet der Nachrichtendienst Euractiv.
Tsiaras erklärte, es gebe keine schlüssigen Beweise dafür, wie das Virus nach Griechenland gelangt sei. Allerdings seien Importe aus Rumänien, das ebenfalls mit der Seuche zu kämpfen hat, gestoppt worden.
Sorge um Fetaproduktion
Der Minister bezeichnete die in der Stadt Elassona, einem wichtigen Herstellungsort von Fetakäse, festgestellten Fälle als „das große Problem“. Feta, der als Produkt mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g. U.) eingetragen ist, wird aus Schafs- und Ziegenmilch hergestellt.
Die griechische Regierung hat zugesagt, den Landwirten beizustehen. Sie deutete an, dass sie Mittel aus der EU-Agrarreserve, die jährlich mit mindestens 450 Mio. € ausgestattet ist, beantragen wird, um die Verluste auszugleichen.
Rumänien hat nach Angaben der rumänischen Behörde für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit 37 aktive Ausbrüche der Ziegenpest in Tulcea, Constanta und Timis zu verzeichnen, bei denen über 200.000 Tiere getötet wurden. Bukarest hat den Transport lebender Schafe und Ziegen und die Weidehaltung in den betroffenen Gebieten eingeschränkt sowie die Nutzung der gleichen Weide durch mehrere Herden verboten.
Im Dezember 2023 zählte Griechenland laut Angaben des Statistischen Amtes der EU (Eurostat) mit 2,88 Mio. Stück die meisten Ziegen in der EU, gefolgt von Spanien mit 2,29 Mio. sowie Frankreich und Rumänien mit jeweils knapp 1,3 Mio. Ziegen. Bei der Schafhaltung steht Griechenland in der EU mit 7,25 Mio. Tieren auf Rang drei. Führend sind Spanien und Rumänien, Ende 2023 mit einem Schafbestand von 13,6 und 10,19 Mio. Tieren.
LSD in Nordafrika
Derweil wächst in Spanien die Sorge um die mögliche Einschleppung einer anderen bei Wiederkäuern auftretenden Seuche, der Lumpy Skin-Krankheit (LSD). Diese Rinderkrankheit wird durch blutsaugende Insekten übertragen. Nachdem die LSD, bei der es sich nicht um eine Zoonose handelt, im Juli 2023 erstmals in Libyen aufgetreten ist, wurde sie vor wenigen Wochen auch in Algerien nachgewiesen. Binnen kurzer Zeit berichteten algerische Medien über fast 70 Ausbrüche bei Rinderhaltungen im Osten des Landes. Noch wurden keine Fälle aus Tunesien und Marokko gemeldet.
Spanien mahnt zur Vorsicht
Das Landwirtschaftsministerium in Madrid mahnte die Rinderhalter zu größter Sorgfalt. Das Auftreten dieser Krankheit hätte neben den direkten Tierverlusten und Produktionseinbußen Kosten für die Bekämpfung und Handelsbeschränkungen zur Folge, die im Fall von Drittländern auf ein Importverbot hinauslaufen dürften.
Seit 2012 hat sich die LSD im Nahen Osten, in Teilen Südosteuropas, auf dem Balkan, im Kaukasus, in Russland und Kasachstan verbreitet. Seit 2019 wird die Seuche auch aus Südostasien einschließlich Taiwan, China und Thailand gemeldet. In der EU kam es zwischen 2015 und 2017 in Griechenland und Bulgarien zu Ausbrüchen der LSD. Seitdem laufen in beiden Ländern Impfkampagnen sowie ein Überwachungsprogramm. Dieses Jahr fährt Griechenland ein spezielles Programm, um die Abwesenheit des Virus nachzuweisen. age
Ziegenpest
Die Pest der kleinen Wiederkäuer (Peste de petits ruminants = PPR) ist eine anzeigepflichtige, hochansteckende Viruserkrankung (Morbillivirus) der Schafe und Ziegen, die mit dem Erreger der Rinderpest (RPV) genetisch eng verwandt ist.
Sie ist nach Einteilung des neuen Tiergesundheitsrechts der EU eine Seuche der Kategorien A+D+E, die also normalerweise nicht in der Union auftritt und unmittelbar bekämpft, getilgt und überwacht werden muss. PPR ist endemisch in Afrika und weiten Teilen Asiens. Seit 2016 sind Fälle in Europa, insbesondere in der Türkei aufgetreten. Die Viruserkrankung verläuft akut mit hohem Fieber und führt meist zum Tod der Tiere. Empfänglich sind Schafe und Ziegen. Der Mensch kann sich nicht infizieren. bb




