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Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) II richtet sich mit ihrem Abschlussbericht und den darin aufgezeigten strategischen Leitlinien und Empfehlungen für eine zukunftsfähige Agrar-, Umwelt- und Tierschutzpolitik insbesondere an die kommende Bundesregierung.
Die ZKL II hat kürzlich ihren Abschlussbericht einstimmig verabschiedet. Ute Volquardsen, die als Vizepräsidentin des Verbandes der Landwirtschaftskammern (VLK) ZKL-Mitglied war, sieht diese als ein viel beachtetes Beispiel dafür, dass wichtige Zukunftsfragen trotz kontroverser Diskussionen nur gemeinsam anzugehen sind. Die ZKL empfiehlt daher diese neue Kultur der Zusammenarbeit zur Lösung drängender Zukunfts- und Umsetzungsfragen auch Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Zentrales Anliegen der ZKL und gleichzeitig Aufgabe für die neue Bundesregierung ist, den Stillstand zu beenden, Bürokratie wirksam abzubauen, Regulierungen zu vereinfachen und zum Beispiel den Umbau der Tierhaltung etwa durch ein angepasstes Baurecht zu ermöglichen. Für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft hat die ZKL den Rahmen eines Aktionsprogramms aufgezeigt. Sie mahnt an, innovative Wege in eine nachhaltigere Zukunft zu identifizieren und voranzubringen. Für die ZKL werden die Ziele der Nachhaltigkeit, des Umwelt- und Klimaschutzes oder der Biodiversität als gleichwertige Aufgaben angesehen. Ute Volquardsen betont dabei, dass Betriebe nur dann Zukunft hätten, wenn auch die ökonomische Nachhaltigkeit gewährleistet sei. Um zukunftsrelevante Entscheidungen in den Betrieben wissensbasiert treffen zu können, werden die Landwirtschaftskammern die Praxis auch weiterhin über Wissenstransfer aus der angewandten Forschung sowie mit entsprechenden Inhalten in der Aus-, Fort- und Weiterbildung unterstützen.
Mit dem Sonntag des ersten Advents gingen in den Holstenhallen in Neumünster fünf Pferdetage zu Ende. Die Organisatoren des Trakehner Hengstmarkts hatten wieder für volle Hallen und ein abwechslungsreiches Programm gesorgt. Ein Rekord wurde ebenfalls aufgestellt, denn die 420.000 € für den Siegerhengst Havertz waren der höchste bei einer Trakehner Auktion erzielte Preis.
Nicole Derlin aus Travenbrück, Kreis Stormarn, stellte den diesjährigen Siegerhengst Havertz von Blanc Pain aus. Fotos: Stefan Lafrentz
Doch bevor es so weit war, musste der junge Hengst von Blanc Pain sich zunächst drei Tage lang beweisen. Los ging es wie immer auf dem Pflaster, in diesem Jahr bei wirklich feuchtkalten Bedingungen, die dem einen oder anderen Kandidaten sichtbares Unwohlsein bereiteten. Doch die meisten der 38 Hengste absolvierten die erste Teilprüfung wohlerzogen und nahezu unbeeindruckt. „Wir haben ganz bewegungsstarke, moderne Hengste gesehen, eine wirklich interessante Kollektion“, kommentierte Körkommissar Peter Kunath aus Sachsen den Jahrgang. „Eine ganze Reihe Hengste ist sehr gut und aktiv im Hinterbein. Auch in puncto Korrektheit und Interieur haben die Hengste sich gut gezeigt.“ Ein guter Jahrgang, der breit gefächert für die verschiedenen Disziplinen und mit interessanten Abstammungen aufwartete, so lautete das Fazit der Körkommission am ersten Tag.
In seiner Zusammenfassung am Ende der Körtage äußerte sich Dr. Hans-Peter Karp, Mitglied der Kommission, jedoch auch ein wenig kritisch über die Vorführer: „Wir hätten uns bei einigen Hengsten mehr Luft am Zügel gewünscht“, sagte er und fügte hinzu: „Auch der Peitscheneinsatz ist noch etwas übertrieben, obwohl das schon besser geworden ist.“
Am Freitag stand dann das Freispringen an. „Wir wollen keine Spezialspringpferde züchten, aber wir suchen das vielseitig veranlagte Pferd. Auch ein Dressurhengst muss mit seinem Körper umgehen können“, resümierte Karp und bedankte sich bei Jan Meves aus Mehlbek, Kreis Steinburg, und Krisztian Orban aus Rade, Kreis Steinburg, die das Freispringen geleitet hatten. Ebenfalls zufrieden zeigte sich der Zuchtleiter und Geschäftsführer Neel-Heinrich Schoof: „Auch die Dressurhengste haben sich heute souverän gezeigt.“ „Wir haben zudem einige Hengste gesehen, die gut und mit Übersicht gesprungen sind, und das ist auch ein Qualitätssiegel.“
Halbblut bester Springer
Möglich wurde das Freispringen nur durch den Einsatz der Jungzüchter und anderer Helfer, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag alles aufgebaut hatten. In dieser Teildisziplin tat sich der Halbblüter Schneebaron von Asagao XX-Mon Baron besonders hervor. Der später als bester Halbblut- und bester Springhengst ausgezeichnete Fuchs war unter den 15 geprüften Hengsten einer der nur vier Hengste ohne den Spitzenvererber Millennium im Pedigree. Auf diese Konzentration angesprochen, sagte Karp: „Easy Game, der Vater von Millennium, ist selbst zu wenig genutzt worden. Es war ein Glücksfall, dass es einen Nachkommen gab, der mehr Zuspruch bekommen hat. Dass ein Hengst zeitweise viel geprägt hat, gab es immer.“ Allerdings schränkte er ein: „Ich kann den Züchtern aber immer ans Herz legen, sich auch noch nach Alternativen umzusehen.“
Eine solche Alternative ist beispielsweise Blanc Pain, der Vater des diesjährigen Siegerhengstes Havertz. Über ihn und Peron Junior geht das Pedigree auf den ebenfalls sehr bedeutenden Vererber Habicht zurück. Die Mutter von Havertz hingegen ist eine Tochter des Millennium. Die Staatsprämien- und Prämienstute Happy Millennia stammt wie auch der Siegerhengst aus der Zucht von Michaela Böhn aus Niedersachsen. Sie und ihr Ehemann Gerd Böhn hatten im vergangenen Jahr bereits die Jahressiegerstute gestellt. „Das war schon ein Wahnsinnserfolg. Nun noch ein Siegerhengst – da müssen wir erst einmal hinterherkommen“, sagte er.
Bauchgefühl entscheidet
Auf die Frage, wie sie den Hengst ausgesucht habe, sagte seine Frau: „Ich gucke mir die Pedigrees an, dann habe ich ein paar Fohlen gesehen und der Rest ist immer Bauchgefühl.“ Eine Vollschwester zu Havertz gebe es auch schon, die wolle sie aber behalten. Über die Bundesturnierfohlenauktion ging Havertz, der laut seiner Züchterin schon immer ein kleiner Champion war, an Nicole Derlin aus Travenbrück, Kreis Stormarn. „Er hatte damals schon das gleiche Auftreten, war nur kleiner“, erinnert sie sich. Havertz sei ihr dritter Anlauf mit Blanc Pain gewesen. Umso schöner, dass es nun geklappt habe. „Es ist unglaublich“, freute sie sich.
Derlin hatte Havertz zunächst in einen Aufzuchtstall in Dithmarschen gegeben und dann in die Hände der bereits bewährten Vorführerin Anna Wolf. „Sie hat ihn zu dem gemacht, der er heute ist“, so Derlin. Wolf präsentierte den Hengst hervorragend. Schon auf dem Pflaster gab es den ersten Szenenapplaus. Vor der Auktion hoffte Nicole Derlin auf eine „gute Station, wo er decken darf, aber auch in den Sporteinsatz kommt“.
Das hat Havertz auf jeden Fall bekommen, denn das unglaubliche Bieterduell endete bei 420.000 € und brachte ihn in den Besitz von Albert Sprehe. So wird der Braune nun unter anderem Stallnachbar seines Großvaters Millennium auf der Hengststation des Gestüts Sprehe im niedersächsischen Löningen. Dort stehen ihm sowohl züchterisch als auch sportlich alle Möglichkeiten offen, denn die Hengststation gehört zu den renommiertesten ihrer Art in ganz Europa.
„Das ist ein sensationelles Ergebnis, das alle bisherigen Spitzenpreise in den Schatten stellt. Darüber freuen wir uns sehr“, kommentierte Neel-Heinrich Schoof die Auktion. „Besonders erfreulich ist auch das hohe Preisniveau der Prämienhengste, mit dem wir als Veranstalter hochzufrieden sind.“ Zwei weitere Prämienhengste erzielten Preise von mehr als 100.000 €. Darunter war Schneebaron, der damit ebenfalls einen historischen Spitzenpreis für einen Halbbluthengst erzielte. In die Niederlande ging der heiß umworbene, gekörte Zauberbaron von Integer für 180.000 €. Der Durchschnittspreis für die zehn verauktionierten gekörten Hengste betrug 99.200 €, für die nicht gekörten Hengste betrug er 14.875 €.
Nicht zu verkaufen war der Reservesieger. Der dunkelbraune Go Magic aus einer Friedensfürst-Mutter stammt aus Dänemark und blieb im Besitz seiner Züchter Jens Bloch und Karin Ravnkilde. Auch er führt über seinen Vater Helium das Blut des Millennium.
Mit der Tagesbestnote siegte die vierjährige Stute Tamarei von High Motion souverän im neunten Trakehner-Freispringcup. Foto: Stefan Lafrentz
Ibiza‘s Highlight ist top
Neben der Körung gibt es beim Trakehner Hengstmarkt traditionell noch weitere Programmpunkte. Dazu gehört der Freispringcup, in dem drei- und vierjährige Trakehner nach vorheriger Qualifikation starteten. Alle Pferde zeigten harmonische, disziplinorientierte Vorstellungen. Als letzte Starterin setzte sich die vierjährige Stute Tamarei, eine Tochter des Grand-Prix-Siegers High Motion aus der Zucht von Madlen Mager aus Nordrhein-Westfalen, souverän mit der Gesamtnote 8,75 an die Spitze. Das Richterduo honorierte besonders, wie gut vorbereitet und souverän die jungen Pferde mit der Atmosphäre in den Holstenhallen umgingen.
Zur Trakehner Jahressiegerstute wurde Ibiza’s Highlight von Millennium gekürt. Sie stammt aus der Zucht und dem Besitz von Tim Vester. Foto: Dr. Peter Richterich
Ein weiterer Höhepunkt des Trakehner Hengstmarkts ist die Auswahl der Jahressiegerstute. Aus den Trakehner Zuchtbezirken waren 13 dreijährige Stuten angereist, um die Schönste im Land zu ermitteln. Sechs Stuten erreichten den Endring, den die Siegerstute des Zuchtbezirks Rheinland, die Millennium-Tochter Ibiza’s Highlight, unter frenetischem Applaus für sich entschied. Tim Vester aus Nordrhein-Westfalen ist Züchter der Stute, die bereits bei ihrer Eintragung mit der Jahreshöchstpunktzahl die Konkurrenz überstrahlt hatte.
Auf dem ersten Reserverang folgte die von Tonny Nörgaard Bang in Dänemark gezogene Basilika von Preussen Party, die wenig später bei der Auktion der Stuten den Spitzenpreis erzielte. Auf dem zweiten Reserverang sahen die Richter eine Vollschwester des Siegerhengstes 2023, die Helium-Tochter Koh-I-Noor, gezogen vom Konsortium Rheinfels aus Essen und ausgestellt vom Trakehner-Gestüt Staffelde in Brandenburg.
Zehn Reitpferde, zwölf Stuten und eine Trächtigkeit fanden in der Auktion am Freitagnachmittag neue Besitzer. Für 45.000 € wurde die fünfjährige Stute Only Solution zugeschlagen, 40.000 € kostete der Wallach Pur und Edel von Shapiro. Der Durchschnittspreis für die Reitpferde betrug 27.650 € und lag damit deutlich über dem Vorjahresdurchschnitt. Den Spitzenpreis der Zuchtstuten erzielte mit 70.000 € die frisch gekürte Vizejahressiegerstute Basilika. Die Stuten erreichten einen Durchschnittspreis von rund 24.300 €. Den Schlusspunkt der Auktion bildete die Versteigerung einer Trächtigkeit: Ein Vollgeschwisterchen des Prämienhengstes Kenneth entfesselte ein Bieterduell, das bei 38.000 € mit dem Zuschlag endete.
Positives Resümee
Der erste Vorsitzende des Trakehner Verbandes, Dr. Norbert Camp aus Nordrhein-Westfalen, war am Ende des Hengstmarkts mehr als zufrieden. „Es war ein traumhaftes Wochenende“, schwärmte er. Vor allem die Symbiose mit dem Team Aubenhausen sei sehr gelungen gewesen. Team Aubenhausen sind die vierfache Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl mit ihrer Trakehner Stute Dalera sowie ihr Bruder Benjamin Werndl mit Daleras jüngerem Bruder Dallenio. Die Geschwister hatten am Mittwoch- und Donnerstagabend die Holstenhallen mit ihrem Ausbildungsabend „Die Reise vom Jungpferd zum Grand-Prix-Star“ bereichert. „Die Zuschauerresonanz war toll. Wir hatten ein auffallend junges Publikum und ganz viel positives Feedback“, freute sich Camp. Das Ganze sei eine Riesenveranstaltung für den Dressursport gewesen. Er hoffe, so neue Fans für die Trakehner gefunden zu haben. Denn Werndl hatte zum „Hexenkessel Holstenhalle“ und seinem Ritt auf einem sechsjährigen Nachwuchspferd gesagt: „Das geht so nur mit Trakehnern.“
2024 trat der Buchsbaumzünsler, wohl auch aufgrund des milden Winters und der ungewöhnlich warmen Tage im April, sehr früh auf. Der Kampf gegen die hungrigen Raupen des Wärme liebenden Falters ist mühselig. Wer daher auf Alternativen umsteigen möchte, wählt immergrüne Gehölze, auf die der Zünsler keinen Appetit hat. Besonders zu empfehlen sind Eibe, Ilex und Spindelstrauch.
Der Buchsbaum ist aufgrund seiner immergrünen Optik, der Schnittverträglichkeit und der unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten sehr beliebt. Daher sollten die Alternativen in etwa die gleichen Eigenschaften mitbringen. Wer einen Ersatz für die klassische Buchskugel im Topf sucht, findet sie mit dem Ilex ‚Dark Green‘ (Ilex crenata) oder der kleinwüchsigen Eibe ‚Renkes Kleiner Grüner‘ (Taxus baccata). Beide bekommt man schon als Kugel vorgezogen. Mit ein bis zwei Schnitten pro Jahr lassen sie sich im Topf problemlos in Form halten, auch wenn der gewünschte Durchmesser erreicht ist.
Die Eibe ,Renkes Kleiner Grüner‘ bringt die besten Eigenschaften für eine niedrige Einfassungshecke mit. Foto: Karin Stern
Wer umfangreichere Kugeln formen möchte, pflanzt die Eibe ‚Grönland‘ (Taxus x media). Mit ihrer maximalen Höhe von 2 bis 3 m und dem zügigen Wachstum eignet sie sich perfekt für diesen Zweck. Diese Art zeichnet sich zudem durch besonders weiche Nadeln aus. Doch keine Sorge, unter den Eiben findet sich keine Art mit piekender Belaubung. Ist dagegen ein immergrünes Formgehölz mit Blüten für den Kübel gesucht, fällt die Wahl auf den Zwerg-Rhododendron ‚Bloombux‘ (Rhododendron micranthum). Die rosa- bis pinkfarbene Blüte zeigt sich im Juni. Tipp: Gleich nach der Blüte in Form bringen, damit sich für das nächste Jahr die Knospen bilden können. Dieser einmalige Schnitt pro Jahr ist völlig ausreichend. ‚Bloombux‘ wächst etwa 70 cm hoch.
Berg-Ilex ,Stokes‘ kann in Form geschnitten oder auch als niedrige Hecke gezogen werden. Foto: Karin Stern
Doch Formschnittgehölze sehen nicht nur im Kübel gut aus, sie lassen sich auch prima in Beete integrieren. Für diesen Zweck ist die Eibe (Taxus baccata) eine gute Alternative zu Buchsbaum. Sie blickt auf eine jahrhundertelange Tradition als Formschnittpflanze zurück. Kein Wunder, denn die Eibe ist sehr robust und standorttolerant. Selbst nach einem radikalen Rückschnitt bis ins alte Holz treibt sie willig wieder aus. Verschiedene Sorten des Berg-Ilex (Ilex crenata) eignen sich aufgrund ihres kräftigen Wuchses ebenfalls für größere Formschnitte. Charakteristisch für ‚Convexa‘ sind die aufgewölbten Blätter und der langsame Wuchs. Man verwendet die Sorte daher eher für niedrige Formschnitte. ‚Dark Green‘ wächst sehr kräftig und bildet kleine, flache Blätter aus. ‚Green Hedge‘ eignet sich mit einer Höhe von bis zu 2,5 m auch für umfangreichere Formschnitt-Projekte. Auf durchlässigem, ausreichend feuchtem und leicht saurem Boden mit einem pH-Wert von 4 bis 5 hat man viel Freude an immergrünem Berg-Ilex. Auf kalkhaltigem, schwerem Boden gedeiht er jedoch nicht.
Lonicera nitida überzeugt als Kleinstrauch oder Bodendecker gleichermaßen. Foto: Karin Stern
Immergrüne werden gerne als Strukturgeber im Beet verwendet. Als attraktive Alternative zum Buchsbaum bietet sich hier die Heckenmyrte ‚Maigrün‘ (Lonicera nitida) an. Sie lässt sich zwar nicht so gut wie Buchsbaum in Form halten, verleiht dennoch vor allem im Winter dem Beet Struktur. Mit ihren tiefen Wurzeln übersteht ‚Maigrün‘ auch Trockenphasen unbeschadet. Die Stechpalme ‚Heckenzwerg‘ (Ilex aquifolium) wird zwar gern als Buchs-Alternative angeboten, erschwert jedoch den Schnitt mit ihren gezähnten Blättern. Wer beim Schneiden ohne Handschuhe arbeitet, merkt schnell, warum die Stechpalme ihren Namen trägt.
Traditionell findet Buchsbaum als Beeteinfassung Verwendung. Für diesen Zweck bieten sich drei Sorten des Berg-Ilex (Ilex crenata) an. ‚Glory Gem‘ ist sehr winterhart, verträgt Schatten und Schnitt gleichermaßen und wächst mit 5 bis 15 cm Zuwachs pro Jahr eher langsam. ‚Stokes‘ und ‚Glorie Dwarf‘ wachsen ebenfalls gedrungen und langsam. Alle drei ähneln optisch sehr dem Buchsbaum, weisen jedoch andere Bodenansprüche auf. Berg-Ilex bevorzugt wie Rhododendron und Azalee einen etwas sauren, lockeren Boden. Wichtig ist zudem eine gleichmäßige Wasserversorgung. Die bereits oben erwähnte Eibe ‚Renkes Kleiner Grüner‘ macht sich auch als Einfassungshecke prima. Da ihr der starke Haupttrieb der gewöhnlichen Eibe fehlt, verzweigt sie sich schön. Zudem wächst diese Sorte sehr dicht und kommt mit einem einmaligen Schnitt pro Jahr aus.
Berg-Ilex ,Glory Dwarf‘ eignet sich als Ersatz für Buchsbaum, hat jedoch andere Bodenansprüche.Foto: Karin Stern
Für höhere Heckenpflanzungen eignen sich ebenfalls einige Eiben-Varianten. Neben der gewöhnlichen Eibe (Taxus baccata) bringt die Bechereibe ‚Hillii‘ (Taxus media) Abwechslung ins Spiel. Die fruchtlose Sorte lässt sich leicht in Form halten und wird deshalb gern als Alternative zum Buchsbaum gepflanzt.
Die Säuleneibe wächst von Natur aus straff aufrecht und braucht nur selten eine Formkorrektur.Foto: Karin Stern
Die Säuleneibe ‚Fastigiata Robusta‘ (Taxus baccata) zeichnet sich durch einen straff aufrechten Wuchs aus. Das minimiert die Schnittarbeit. Dieser Aufwand fällt beim Liguster ‚Atrovirens‘ (Ligustrum vulgare) aufgrund des schnellen Wuchses höher aus. Dafür gedeiht Liguster auf nahezu allen Gartenböden an sonnigen bis halbschattigen Standorten. ‚Atrovirens‘ ist eine wintergrüne und robuste Sorte. Je nach Witterung können sich die Blätter im Winter verfärben oder auch abfallen.
Die dänischen Landwirte können auch mit der diesjährigen Getreide- und Rapsernte nicht zufrieden sein. Das Getreideaufkommen belief sich laut Danmarks Statistics auf 7,6 Mio. t. Das waren zwar 6,5 % mehr als 2023, aber gut ein Fünftel weniger als 2022 und 16 % weniger als der langjährige Durchschnitt. Die Rapsernte erreichte nur 700.000 t, womit das Vorjahresniveau um 15 % verfehlt wurde.
Das schlechte Ergebnis ist überwiegend ertragsbedingt, denn die Getreidefläche lag mit 1,23 Mio. ha nur um knapp 6 % unter der des sehr guten Erntejahres 2022. Ursache waren übermäßige Niederschläge in diesem Frühjahr und Sommer. Besonders traf das den Winterweizen, dessen Ernte mit geschätzten 3,35 Mio. t noch um 230.000 t oder 6,5 % kleiner ausfiel als 2023 und um 782.000 t beziehungsweise 19 % unter dem Niveau von 2022 blieb.
An Sommergerste, dem zweitwichtigsten Getreide in Dänemark, wurden dieses Jahr 2,8 Mio. t gedroschen; das waren 592.000 t oder 27 % mehr als im Jahr 2023. Zum Ergebnis von 2022 fehlten aber 907.000 t beziehungsweise fast ein Viertel. Die Roggenernte erreichte 662.000 t, nach nur 616.000 t im Vorjahr und 700.000 t im Jahr 2022.
Sehr enttäuschend fiel für die dänischen Landwirte die Rapsernte aus. Sie belief sich nach der amtlichen Schätzung lediglich auf 700.000 t. Damit wurde das Vorjahresniveau bei unveränderter Fläche um 127.000 t oder gut 15 % unterboten. Im Jahr 2022 waren in dem nördlichen Nachbarland bei allerdings umfangreicherem Anbau annähernd 900.000 t Rapssaat erzeugt worden. Wie Danmarks Statistics außerdem berichtete, lag der Verkaufspreis für Getreide im zweiten Quartal 2024 um durchschnittlich 17 % unter dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums. Insgesamt rund 16.800 Betriebe bauten zur Ernte 2024 Getreide an, davon etwa 9.900 Winterweizen und rund 13.900 Sommergerste.
In den kommenden Jahren wird der Getreideanbau in Dänemark weiter zurückgehen. Die Regierung will bis 2045 insgesamt 10 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Wald sowie Naturflächen umwandeln. Laut Regierung ist dies „die größte Veränderung der dänischen Landschaft seit über 100 Jahren“. Die Vereinbarung über die sogenannte „grüne Dreiteilung“ wurde am 18. November auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Getroffen wurde die Entscheidung von den Regierungsparteien sowie der SF, der Liberalen Allianz, der Konservativen Volkspartei und der Sozialliberalen Partei. Dies beinhaltet auch, dass die Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft um 13.780 t reduziert werden müssen. age
Weltgetreidebestand sinkt
auf Zehn-Jahres-Tief
Der Getreiderat rechnet für 2024/25 mit deutlichem Produktionsdefizit
Gemessen an der voraussichtlichen Produktion wird der globale Getreidemarkt auch 2024/25 unterversorgt sein, und das stärker als bislang erwartet. Der Internationale Getreiderat (IGC) senkte seine Vorhersage zur Weltgetreideernte um 4 Mio. t, hob zugleich aber den Verbrauch um diese Menge an.
Die globale Versorgung mit Getreide ohne Reis zeigt sich mit Blick auf das laufende Wirtschaftsjahr angespannter als bislang. Die Getreidebestände werden demnach bis zum Saisonende auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren sinken. Nach den jüngsten Zahlen des Internationalen Getreiderates wird der weltweite Verbrauch die Produktion insgesamt deutlich übertreffen.
Der IGC senkte seine Vorhersage zur Weltgetreideernte 2024/25 gegenüber dem Oktober-Bericht um 4 Mio. t auf 2,311 Mrd. t. Zugleich hob er die Verbrauchsprognose um dieselbe Menge auf 2,332 Mrd. t an. Demnach wäre ein stärkerer Rückgriff auf die Reserven notwendig.
Laut Getreiderat dürften die globalen Getreidebestände im Verlauf dieser Saison daher nicht nur um 12 Mio. t, wie zuvor erwartet, sondern um gut 20 Mio. t auf 576 Mio. t abnehmen. Das wäre die kleinste Menge seit zehn Jahren.
Im Wirtschaftsjahr 2014/15 waren bei einer damaligen Rekordernte von 2,045 Mrd. t Getreide aber „nur“ 2,009 Mrd. t verbraucht worden. Zu den Beständen hieß es seinerzeit, die Silos seien „so voll wie lange nicht mehr“. Inzwischen ist der Bedarf aber um gut 320 Mio. t oder 16 % gewachsen. age
Der Kreisbauerntag in Pinneberg stand unter dem Motto „Zukunftsweisend und mutig“. Gastredner Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), betonte in seiner Rede, wie wichtig das Engagement der jungen Betriebsleiter und der Landjugend sei und dass er sich für deren volle Unterstützung durch das Ehrenamt des Verbandes einsetze.
Der Pinneberger Kreisvorstand Lars Kuhlmann machte am vorigen Mittwoch bei seiner Eröffnung vor 220 Gästen, im Nettwerk in Elmshorn, dem ehemaligen Telekom-Technikzentrum, direkt deutlich, dass es in der Landwirtschaft mehr denn je um die Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und Handel gehe. Und genau das werde umso schwieriger, wenn die Politik an der Lebenswirklichkeit der Landwirtschaft vorbeiregiere. Das zeige sich auch im Kreis Pinneberg, der urban geprägt ist, an vielen Stellen schmerzhaft für die Landwirte. Er nannte aber auch positive Beispiele für Austausch und Kooperationen zwischen Landwirten, Naturschutzverbänden und Jägerschaft, etwa in Initiativen zur Kitzrettung. Kuhlmann begrüßte den Neun-Punkte-Plan von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der unter anderem Erleichterungen bei der Knickpflege, landwirtschaftlichem Baurecht oder Meldefristen anbiete.
Zeitfresser Bürokratie
Junglandwirt Mirco Engelbrecht aus Bokholt-Hanredder, der gerade zum Vorsitzenden der Landjugend Schleswig-Holstein gewählt wurde, sagte zu seinen Zukunftsplänen, dass er sein an der HöLa erworbenes Wissen für die Umsetzung Regenerativer Landwirtschaft einbringen wolle, aber überbordende Bürokratie fresse seine Zeit. Das sei wenig motivierend, nicht nur für junge Betriebsleiter, die durchstarten wollten. Der Junglandwirt beobachtet mit Skepsis den zunehmenden Flächenfraß, gerade auch durch Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen würden den Betrieben Wirtschaftsflächen entzogen. An Bauernpräsident Rukwied richtete er die Bitte: „Setzen Sie sich nach der Regierungsbildung dafür ein, dass es so nicht weitergehen kann.“ Bauernpräsident Rukwied sah die aktuelle agrarpolitische Lage differenziert. Die Entscheidung zum Tierschutzgesetz wertete er positiv, ebenso die neue Höfeordnung. Aber alles, was die Ampel-Koalition noch vorhatte, sehe er als obsolet bis zur Neuwahl und erwarte keine neuen Beschlüsse. Rückblickend auf das zu Ende gehende Jahr bestätigte er, dass der DBV an politischer Wahrnehmung gewonnen habe. Die Landwirtschaft habe gegenüber der Politik mit einer Stimme gesprochen und man sei gestärkt aus den Demonstrationen herausgegangen. Auch sei es gelungen, die politische Agenda in Brüssel zu ändern, der DBV habe in vielen Modifikationen, gerade bei den Glöz-Standards, seine Handschrift hinterlassen.
Forderungen zur Wahl
Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl stünden im Forderungskatalog des DBV die Themen Entbürokratisierung, Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, Ausgestaltung der Tierhaltung, praxistaugliche Regelungen für Düngung und Pflanzenschutz ganz oben. Dem geplanten Mercosur-Handelsabkommen erteilte er in der jetzigen Form eine Absage. Er sprach sich für bilaterale Exporte aus, aber die Regeln müssten verhandelt werden. Dafür gebe es positive Signale aus Brüssel. BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht sprach über die Herausforderungen auf Landesebene und darüber, dass im laufenden Jahr Erfolge erzielt wurden. Er appellierte, sich weiter für die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft einzusetzen, und erinnerte an die ethische Verpflichtung, die Ernährung global mitzugestalten, gerade vor dem Hintergrund, auf einem Gunststandort zu wirtschaften. Lucht betonte die Bedeutung der Berufsvertretung, weil die Landwirtschaft Handlungsfelder brauche, die eine betriebliche Entwicklung zuließen. Thomas Schröder, Vizepräsident des Kreisbauernverbandes, richtete auch als Vorstandsmitglied der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) eine Bitte an Rukwied, sich für deren finanzielle Ausstattung einzusetzen. Die Anerkennung neuer Berufskrankheiten wie Parkinson sei ein Kostentreiber für die Berufsgenossenschaft, der alle betreffe. Schröder betonte in seinem Schlusswort, dass Zusammenhalt die Größe und Stärke des ländlichen Raums ausmachten. mbw
Die Klimakonferenz in Baku ist zu Ende. Statt um konkrete Klimaziele ging es in diesem Jahr vor allem um Geld für vom Klimawandel besonders betroffene Länder. Bis 2035 sollen jährlich 1,3 Bio. US-$, aber mindestens 300 Mrd. US-$ Klimafinanzierung in die Entwicklungsländer fließen.
Bei der gerade zu Ende gegangenen Weltklimakonferenz (COP29) in Baku spielten Landwirtschaft und Ernährung nur am Rande eine Rolle, am entsprechenden Thementag. Nach Verzögerungen hat sich die globale Staatengemeinschaft auf der COP29 doch noch auf ein Finanzierungsziel geeinigt. Bis 2035 sollen jährlich mindestens 300 Mrd. US-$ Klimafinanzierung in die Entwicklungsländer fließen. Zudem soll die Summe bis dahin auf 1,3 Bio. US-$ anwachsen. Das war der Minimalkonsens nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen, der Sonntagnacht, am 24. November, mit zwei Tagen Verspätung erzielt wurde. Deutschland hat für die Klimafinanzierung bislang rund 6 Mrd. € pro Jahr versprochen. Wie viel es künftig nach dem neuen Beschluss sein wird, muss die künftige Bundesregierung entscheiden. Konkret berechenbare Verpflichtungen wurden Deutschland in Baku nicht auferlegt.
Wohin geht das Geld?
Der Fonds für Verluste und Schäden („Loss and Damage Fund“) wurde während der Konferenz um 85 Mio. auf rund 760 Mio. US-$ aufgestockt. Beiträge zu diesem Fonds, mit dem besonders betroffene Länder die Schäden durch den Klimawandel beseitigen sollen, sind freiwillig. Schwellenländer und die Golfstaaten gelten nach den Regularien von 1992 immer noch als Entwicklungsländer. Sie sind darum nicht zur Klimahilfe verpflichtet. Nun sollen sie regelmäßig die Höhe ihrer freiwilligen Zahlungen dokumentieren. Die vom Klimawandel oft besonders betroffenen Entwicklungsländer sollen zum Beispiel Anlagen für Wind- und Solarenergie und die dazugehörige Inftrastruktur aufbauen, um selbst von fossilen Brennstoffen unabhängiger zu werden. Die Länder müssen sich zudem auf Ereignisse wie Überschwemmungen, Taifune und Brände durch den Bau sturmsicherer Häuser und die Umsiedlung von Menschen in sichere Regionen vorbereiten. Am Dienstag, 19. November, fand der Thementag Landwirtschaft statt, dabei wurde die neue Initiative „Baku Harmoniya Climate Initiative for Farmers“ ins Leben gerufen. Sie soll als Plattform dienen, um unterschiedliche Initiativen und Partnerschaften zusammenzuführen und die Klimafinanzierung für Agrar- und Ernährungssysteme zu verbessern. Laut Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) fließen nur 3 bis 4 % der globalen Klimafinanzierung in diesen Bereich. „Die Art und Weise, wie Landwirtschaft betrieben wird und wie wir uns ernähren, spielt eine zentrale Rolle: Sie kann die Klimakrise verschärfen oder zu ihrer Lösung beitragen“, betonte die Parlamentarische Staatssekretärin im BMEL, Claudia Müller (Grüne), anlässlich des Thementages, zu dem sie eigens nach Baku gereist war. Baerbock sagt: Nicht genug Insgesamt hatte Deutschland sich mehr erhofft. Für Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ist die Einigung „nicht genug“, auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zeigte sich enttäuscht: „Was wir hier erleben mussten, war der Abwehrkampf einer fossilen Welt, die nicht akzeptieren will, dass das Zeitalter der fossilen Energien zu Ende geht.“ „Das Baku-Finanzziel stellt das bestmögliche Abkommen dar, das wir erreichen konnten“, konstatierte hingegen der aserbaidschanische COP29-Präsident Mukhtar Babayev. Beteiligte sprachen von „Erleichterung“, dass die Verhandlung nicht gänzlich gescheitert seien. Der Klimaforscher Mojib Latif zog den Sinn der jährlichen UNKimakonferenzen grundsätzlich in Zweifel. „Wir haben 28 Konferenzen hinter uns und die Emissionen sind explodiert. Die COP ist ein Spektakel, das dem Klima bisher nichts gebracht hat“, sagte er der „Rheinischen Post“. Gut sei nur, dass dort die Entwicklungsländer gehört würden und Technologiemessen entstünden.
Kritik von Mojib Latif
Der Seniorprofessor am Kieler Geomar Zentrum nannte es absurd, wenn Klimakonferenzen in Staaten stattfänden, die von Öl oder Gas lebten. Diese Staaten blockierten den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, obwohl der dringend geboten sei. Besser als die jährlichen Mammutkonferenzen wäre es aus seiner Sicht, wenn die großen Verursacher klimaschädlicher Treibhausgase in kleineren Formaten verhandelten. China und die USA verursachten zusammen fast die Hälfte der globalen Emissionen, die G20-Staaten zusammen 80 %. Die nächste UN-Klimakonferenz (COP30) wird im November 2025 im brasilianischen Belém stattfinden.age, mbw
Beschlüsse der COP29
In Baku wurden neue Regeln für Kohlenstoffmärkte beschossen, den Handel mit Emissionszertifikaten. Emissionsminderungen können nun zwischen Staaten übertragen werden. So können zum Beispiel Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern gegen Bezahlung auf die deutschen Emissionsziele angerechnet werden. Bisher war dies bereits für Unternehmen möglich. Eine Bekräftigung der Beschlüsse der Vorgängerkonferenz von Dubai für eine Abkehr von fossilen Brennstoffen und eine Verdreifachung Erneuerbarer Energien bis 2030 kamen in Baku nicht zustande. Auch eine globale Bepreisung von CO2 hat es nicht ins Abschlussdokument geschafft. Angedeutet wird eine mögliche Besteuerung von Emissionsverursachern wie Öl- und Gaskonzernen sowie der Luft- und Schifffahrt. mbw
Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) hat am Dienstag ihre Leitlinien für die künftige Agrarpolitik vorgelegt unter dem Titel „Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in schwierigen Zeiten“. Das Gremium betont die Notwendigkeit, Lösungen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungspolitik zu entwickeln.
Das Sprecherteam der ZKL, Prof. Dr. Regina Birner und Prof. Dr. Achim Spiller, spricht von einer Aufforderung an die Politik. „Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Resilienz der Agrar- und Ernährungssysteme sind gleichberechtigte Kernaufgaben für die künftige Agrar-, Umwelt- und Tierschutzpolitik. Die Mitglieder der Zukunftskommission Landwirtschaft zeigen, dass auch in schwierigen Zeiten mutige Lösungen im Konsens möglich sind“, so Birner.
Der Handlungsdruck steigt
Die Herausforderungen an die Agrar- und Ernährungssysteme sind in den vergangenen Jahren gewachsen, der Handlungsdruck ist weiter gestiegen und Landwirtinnen und Landwirte fordern Lösungen. Der gesamtgesellschaftliche Ansatz der ZKL sei ein ganzheitliches Paket, das an mehreren Stellschrauben ansetze, die künftig besser aufeinander abgestimmt werden müssten. Die ZKL sei davon überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit auszahle – dauerhaft und für alle. Dafür brauche es aber jetzt konsequentes Handeln und zielgerichtetes Investieren. Die Mitglieder der ZKL forderten die Politik auf, klare Umsetzungsschritte zu beschreiben und den politischen Rahmen dafür zu setzen, betonten Birner und Spiller. Aus der besonderen Verantwortung für junge und künftige Generationen haben die Agrar- und Ernährungssysteme eine hervorgehobene strategische Bedeutung. Es geht um die Zukunftsperspektiven für junge Menschen im Agrar- und Ernährungssektor wie auch in ländlichen Räumen. Deswegen empfehle die ZKL, gerade junge Menschen aus Agrar- und Umweltorganisationen stärker in den Dialog einzubinden und deren Konsensbereitschaft für künftige Entwicklungspfade zu stärken, so die Vorsitzenden. Dr. Holger Hennies, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Mitglied der ZKL, zeigte sich erleichtert, dass – trotz erheblicher Kontroversen kurz vor dem Abschluss der ZKL – eine Einigung im Sinne der Landwirtschaft und der Umwelt gefunden worden sei: „Es liegt jetzt in den Händen der nächsten Bundesregierung, die Empfehlungen der ZKL aufzugreifen und aus den Ergebnissen Lösungen für eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft zu finden.“
Anreizsysteme sind nötig
Dabei hob er die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe besonders hervor, ebenso die Forderung nach Regulierungsabbau, die Kooperation als grundsätzliches Prinzip für Naturschutz, Anreizsysteme und Fördermaßnahmen anstelle pauschaler rechtlicher Vorgaben, einen Ausgleichsanspruch für Naturschutzauflagen oberhalb der Anforderungen der guten fachlichen Praxis, die deutliche Verschlankung der Düngeregelungen und Entlastungen für Betriebe in den Roten Gebieten. Zudem stellte er die Gemeinsame Agrarpolitik heraus, die im Sinne der Betriebe weiterzuentwickeln sei, sowie einen vollständigen Abbau der Konditionalität. Weitere Forderungen aus dem ZKL-Bericht (www.bmel.de) sind: einzelbetriebliches Risikomanagement durch Risikorücklage, Agrardieselbesteuerung auf europäischem Niveau, Perspektiven für Erneuerbare Kraftstoffe in der Landwirtschaft, Weiterentwicklung des Umbaus der Tierhaltung, einfachere Gestaltung von Bau- und Immissionsrecht und die stärkere Nutzung der von Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft gemeinsam entwickelten Standards, statt sie durch staatliches Handeln zu konterkarieren. age, pm, mbw
„Jetzt ins Handeln kommen“
Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) war Mitglied der ZKL bis zu seiner Ernennung als Minister. In seiner Stellungnahme begrüßt er die Einigung sehr. „Der Bericht ist vor allem eine Aufforderung an die zukünftige Bundesregierung, endlich klare Umsetzungsschritte und einen politischen Rahmen für die drängendsten Handlungsfelder der Agrarpolitik festzuschreiben“, betonte Schwarz. Er betonte, Ziel müsse es sein, die besonderen wirtschaftlichen Herausforderungen der Betriebe, bezogen auf die Ernährungssicherung, die Klima- und Umweltziele, in Einklang zu bringen. „Es ist äußerst wichtig, dass wir jetzt ins Handeln kommen. Es braucht dringend Klarheit für die Zukunft unserer Betriebe.“ Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister machte deutlich, dass ein angemessenes GAPBudget nötig sei, das die Agrarund Ernährungssysteme wettbewerbsfähig und resilient für die Zukunft aufstelle. Auch die Harmonisierung und Standardisierung von Nachhaltigkeitsbewertungssystemen inklusive eines betrieblichen Treibhausgas-Rechners seien wichtige Bausteine für den Dialog und das Verständnis mit der Gesellschaft. Zudem sei die Züchtung standort- und klimaangepasster Pflanzensorten von essenzieller Bedeutung. Schwarz teilt die Kritik am Umbau der Tierhaltung. Insbesondere das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz in seiner Ausgestaltung stehe der fortschrittlichen Entwicklung hin zu mehr Tierwohl entgegen. pm
Der monatliche Milchpreisvergleich im Bauernblatt zeigt es deutlich: Seit gut einem Jahr steigen die Auszahlungspreise in Schleswig-Holstein stetig an. Seit Mitte dieses Jahres hat sich die Entwicklung sogar etwas beschleunigt. Ursache dafür ist ein eingeschränktes Milchangebot, kombiniert mit niedrigen Milchinhaltstoffen und hohen Preisen für Milchprodukte. Die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit drosseln die Milchproduktion zusätzlich. Die Meiereien erzielen für Butter, Milchpulver und Käse aktuell hohe Preise. Durch eine erhöhte Käseproduktion steht weniger Sahne für die Butterherstellung zur Verfügung. Die Kurse für Industrierahm, den Rohstoff für die Butterproduktion, erreichten zuletzt Rekordwerte. In der Presse gab es bereits Bilder von leer geräumten Butterregalen im Lebensmittelhandel. Vereinzelt musste eine maximale Verkaufsmenge je Kunde festgelegt werden, damit die Weihnachtsbutter für alle reicht.
Milchanlieferung könnte wieder steigen
Entsprechend der saisonüblichen Entwicklung könnte die Milchproduktion Mitte November in Deutschland wieder steigen. Dennoch erwartet man, dass die Anlieferung weiter hinter den Vorjahreswerten zurückbleibt. Die hohen Erlöse haben die Milchproduktion bislang kaum erhöht. Die Milchviehbetriebe kämpfen weiter mit ungünstigen Rahmenbedingungen wie Arbeitskräftemangel und hohen Auflagen. Dazu kommt in vielen Betrieben die Umstellung auf Haltungsstufe 3. Vor allem in Süddeutschland führen die Diskussionen um die Anbindehaltung zur Aufgabe ganzer Bestände. Somit wird vorerst nicht mit einer raschen Erholung der Anlieferungsmengen gerechnet.
Dass bei den Milchgeldauszahlungspreisen noch Luft nach oben ist, zeigen auch die weiter steigenden Spotmilchpreise. In Deutschland legte das Bundesmittel laut Berechnungen des ife-Institutes um 0,3 ct auf 60,4 ct/kg zu. Auch in Italien und in den Niederlanden gab es weitere Aufschläge für die zwischen den Meiereien gehandelten Milchmengen.
Keine günstigen Importe
Hohe Milchpreise und teure Milchprodukte werden auch aus den europäischen Nachbarländern gemeldet. So liegen zum Beispiel die Butterpreise in Irland über dem hiesigen Niveau.
Somit besteht wenig Gefahr, dass günstige Importe die Kurse hierzulande unter Druck setzen. In Frankreich sind die Butternotierungen zwar etwas geringer, doch sind hier die Preise für Milchpulver und Käse vergleichsweise hoch. In Osteuropa ist die Nachfrage nach deutscher Ware zuletzt sogar weiter gestiegen. Hierzulande sind die Erlöse für Schnittkäse nicht so deutlich wie die Butterpreise gestiegen. Dennoch zeigt sich auch hier eine stabile Nachfrage, während die Lagerbestände Richtung Weihnachten weiter abnehmen.
Auch auf dem Weltmarkt ist noch nichts davon zu spüren, dass die hohen Produktpreise die Nachfrage bremsen. An der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade ist der Durchschnittspreis über alle Produkte zuletzt um 1,9 % gestiegen.
Im LEH läuft das Weihnachtsgeschäft mit Butter jetzt an. Angesichts leerer Lager haben die Abnehmer ihre Zurückhaltung aufgeben und gehen auf die hohen Preisforderungen ein. Auch wenn die Nachfrage- und Preisentwicklung nicht für alle Milchprodukte gleich verläuft, könnte das flotte Buttergeschäft die Milchgeldauszahlungspreise vorerst weiter steigen lassen.
Das Spinnen, Weben und kunstvolle Fertigen von Tuch gehört zu den ältesten handwerklichen Fertigkeiten des Menschen. Im Museum Tuch + Technik in Neumünster kann man erfahren, wie dieses Handwerk entstand, welche Entwicklung es durchlief und wie heute noch auf den historischen Webstühlen des Museums gearbeitet wird. Ein Überblick.
Das Museum Tuch + Technik gibt es auf dem Neumünsteraner Kleinflecken seit dem Jahr 2007. Das moderne Gebäude ist durch einen gläsernen Gang mit dem Theater in der Stadthalle verbunden, um Synergieeffekte zu nutzen. Foto: Lydia Bernhardt
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 zieht das Museum Tuch + Technik in Neumünster mit der Dauerausstellung und zahlreichen Sonderveranstaltungen regelmäßig Tausende Besucher an. Denn hier kann man nicht nur auf den Spuren eines jahrtausendealten Handwerks wandeln, hier wird auch die Geschichte erzählt, wie die Schwalestadt zur berühmten Tuchmacherstadt wurde. „Unsere Aufgabe ist das Sammeln, Bewahren, Forschen, Vermitteln und Ausstellen“, erklärt Museumsleiterin Astrid Frevert. Was die Öffentlichkeit sieht, sind die Ausstellungen und Aktionen, während sich der größte Teil der Museumsarbeit hinter den Kulissen abspielt: das Sammeln und Erforschen sowie das Bewahren des kulturellen Erbes für künftige Generationen.
Diese wichtige Arbeit wird im Museum Tuch + Technik derzeit von sieben Festangestellten, einigen Honorarkräften und Aushilfen geleistet. „Wir sind zu wenige“, bedauert die Museumsleiterin, was nicht nur für sie viele Überstunden bedeutet. Das Museum wird zwar von der gemeinnützigen Stiftung Kunst und Kultur der Stadt Neumünster unterstützt, finanziert sich aber hauptsächlich durch Eintrittsgelder, den Förderverein und den Verkauf eigener Produkte im Museumsshop. „Die Produkte im Shop sind allerdings limitiert, da wir in erster Linie ein Schau- und kein Produktionsbetrieb sind“, so Astrid Frevert.
Im Museums-Shop: Kirsten Rolle präsentiert die in der Handweberei hergestellten Erzeugnisse, die gern als Geschenk gekauft werden. Foto: Lydia Bernhardt
Das Museum Tuch + Technik ist aus dem ehemaligen Textilmuseum in der Parkstraße hervorgegangen und wurde mehrfach zertifiziert, also für seine besonders hohe Qualität ausgezeichnet. Bei der Zertifizierung eines Museums werden alle Bereiche von der Öffentlichkeitsarbeit bis zum Lager unter die Lupe genommen. Dieser Prozess müsse alle paar Jahre wiederholt werden, so die Leiterin.
Dass das Museum Tuch + Technik auch im internationalen Vergleich höchsten Ansprüchen genügt und das Zertifikat zu Recht erhalten hat, erkennt man nicht nur an den großzügigen Museumsräumen mit Industriecharme und der gepflegten Dauerausstellung historischer Maschinen, sondern auch am attraktiven Ganzjahresangebot mit wechselnden Sonderthemen, Aktivprogrammen für Schulklassen und Kindergärten, Fortbildungen für Lehrkräfte, kreativen Workshops, Familien- und Gruppenführungen sowie verschiedenen kulturellen Veranstaltungen.
Nicht unerwähnt bleiben darf der alljährliche Webermarkt im Herbst, der einen festen Platz im Museumskalender einnimmt. Auf diesem Kunsthandwerkermarkt mit textilem Schwerpunkt bieten rund 30 Aussteller handgefertigte Kreationen aus Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide sowie exklusive Accessoires zum Verkauf an. Ein fachkundiges Publikum trifft sich hier zum Fachsimpeln. Der wichtigste Rohstoff für Textilien war lange Zeit die Schafwolle. Beliebt ist bis heute das aus Nordafrika stammende Merinoschaf. Die genügsamen Tiere geben besonders viel Wolle und werden inzwischen in Neuseeland, Australien, Spanien und auch in Deutschland erfolgreich gezüchtet. Zweimal im Jahr werden sie geschoren. Die Unterwolle der Schulter-, Nacken- und Seitenhaare ist beim Merinoschaf reinweiß und sehr fein, was sie besonders angenehm macht.
Mechanischer Webstuhl, 1930er Jahre: Die Arbeit am beliebten blau-weißen Jacquardmuster aus Baumwolle mit knapp 2.500 Fäden wird den Besuchern von Jens Nehlsen an Samstagen vorgeführt. Das Muster wird hier noch mittels 300 Lochkarten vorgegeben. Foto: Lydia Bernhardt
Um den Besuchern den Vorgang der Schafschur visuell näherzubringen, bietet das Museum Tuch + Technik seit Sommer 2024 Videoclips an, die per QR-Code abgerufen werden können. Aber wie ging es nach der Schafschur weiter? Wie wurde aus dem riesigen Haufen Wolle ein Faden, ein Tuch, wie eine Decke? Hierfür waren weitere wichtige Arbeitsschritte erforderlich. Erst nachdem die Wolle gereinigt, gekämmt und gefettet wurde, konnte das Garn gesponnen werden. Das heißt, dass Fasern aus der gekämmten Wolllocke gleichzeitig gezogen und so verdreht werden, dass ein Faden nach Wunschstärke entsteht. Danach ging es zum Webstuhl, der vorab mit mehreren Tausend Fäden bestückt werden musste.
Das Weben selbst war eine relativ monotone, wenn auch körperlich anstrengende und laute Tätigkeit, bei der der Weber die Kette (Längsfäden) mit den Schussfäden (Querfäden) in der vom Muster vorgegebenen Reihenfolge verwob. Nach dem Weben wurde der Stoff auf Fehler durchgesehen, gewalkt (frisch gewebtes Tuch aus Wolle ist hart) und bei Bedarf gefärbt. Wie das Spinnen mit Handspindeln und dem späteren Handspinnrad sowie Tretspinnrad funktioniert, wie manuell und industriell gewebt wurde und wie man heute noch an einem Handwebstuhl arbeitet, kann man im Museum Tuch + Technik während einer Führung erfahren. Diese wird jeden Sonntag um 14 Uhr für zirka eine Stunde kostenfrei angeboten.
Die „Spinning Jenny“ machte aus Wolle Fäden in verschiedenen Stärken und ersetzte seinerzeit vier Lohnspinnerinnen. Sie ist ein Museumsnachbau aus dem Jahr 1964. Später wurde sie von der sogenannten Spinning Mule ersetzt, die noch mehr Garn gleichzeitig spinnen konnte. Foto: Lydia Bernhardt
Der frühe Weber musste die ganze Familie ernähren, das Weben war eine reine Männerdomäne. An der Produktion waren jedoch alle Familienmitglieder beteiligt, von den Kleinsten bis zu den Großeltern. „Die Kinder haben die Wolle mit der Hand gekratzt, die Frau hat sie auf Spulen gesponnen, der Mann hat gewebt und der Großvater hat die Garnhaspel aufgerollt“, erzählt Maschinenweber Jens Nehlsen, der sich seit elf Jahren im Museum engagiert, um den Besuchern bei Führungen die Geschichte der Weberei näherzubringen, Fragen zu beantworten und den einen oder anderen Webstuhl vorzuführen. Er selbst hat das Weberhandwerk von der Pike auf gelernt und viele Jahre in einer Textilfabrik gearbeitet. Auch sein Vater sei Weber gewesen, erzählt Nehlsen und ergänzt: „Als der englische Weber J. Hargreaves 1767 die erste Spinnmaschine, die ‚Spinning Jenny‘, erfand, wurden die Spinnerinnen arbeitslos. Die neuartige Spinnmaschine ersetzte nämlich vier Frauen.“
In den Textilfabriken arbeiteten ausschließlich Männer in drei Schichten. Die Fabrikhallen waren laut und stickig, die Arbeit körperlich anstrengend. „Heute ist das anders, denn die modernen Maschinen sind alle computergesteuert“, sagt Nehlsen. Das uralte Prinzip sei jedoch geblieben. Die Handwebmeisterin Kirsten Rolle leitet die Handweberei seit der Eröffnung des Museums im Jahr 2007 als Honorarkraft. Unterstützt wird sie von der Auszubildenden Tonja Timm, die nebenberuflich eine vierjährige Ausbildung zur Handweberin absolviert, und einigen Aushilfskräften. Kirsten Rolle beobachtet, dass sich die Menschen wieder vermehrt Handwebstühle kaufen und das Weben als Hobby wiederentdecken. „Meine Workshops werden in letzter Zeit immer stärker nachgefragt“, sagt Kirsten Rolle.
Meisterin ihres Fachs: Handweberin Kirsten Rolle am Trittwebstuhl. Sie leitet die Handweberei des Museums und gibt Volkshochschulkurse im Spinnen und Weben. Foto: Lydia Bernhardt
Nicht nur Frauen, sondern auch Männer nehmen an den Kursen teil, die sie in Kooperation mit der VHS Neumünster bis zu zehnmal im Jahr anbietet. Die Kurse „Spinnen und Weben“ richten sich an Anfänger und Fortgeschrittene. Vieles, was Kirsten Rolle und ihr Team in der Handweberei herstellen, Schals, Tücher, Schlüsselanhänger und Accessoires, wandert in den museumseigenen Shop, den Museumsladen.
Durch den Anbau von Agroforstsystemen können nachhaltige und regionale Wertschöpfungsketten etabliert werden. Im Verbundprojekt „DigAForst“ werden wirtschaftliche Vorteile durch neue Geschäftsmodelle herausgearbeitet. Dieses Projekt in Niedersachsen ist auch für Schleswig-Holstein interessant.
Mit den Anpassungen der Bundesregierung und der Länder im Sommer 2023 an den Ökoregelungen (ÖR) haben Landwirte einen zusätzlichen kleinen Anreiz bekommen, Agroforstsysteme (AFS) auf landwirtschaftlichen Flächen anzubauen. Nach der ÖR 3 beträgt die Prämie für die Etablierung von Gehölzstreifen auf Ackerland 200 €/ha. Dieser Anreiz ist allein nicht ausreichend, um sich aus wirtschaftlichen Gründen für den Anbau von AFS zu entscheiden. Nachfolgende ökonomische Aspekte sind für den eigenen Betrieb zu evaluieren:
• die langfristige Kapitalbindung durch mehrjährige Gehölze
• die Erweiterung des Produktportfolios
• die pflanzenbaulichen Interaktionen zwischen Gehölzen und Marktfrüchten und
• der Einstieg in das Geschäft am Kohlenstoffmarkt
Im Laufe der nächsten Jahre werden diese Aspekte im Rahmen des Verbundprojekts „DigAForst“ mit Unterstützung von Praxispartnern aus Industrie und Landwirtschaft untersucht.
Kurzfristige Planung im Marktfruchtbau
Im einjährigen Marktfruchtbau erfolgt die ökonomische Bewertung mit Verfahren aus der Leistungs-Kosten-Rechnung (LKR). Sie dient der kurzfristigen Produktionsplanung und unterstellt einen kontinuierlichen Zahlungsstrom mit durchschnittlichen Kosten und Leistungen. Innerhalb der TKR gibt es die Teilkostenrechnung (TKR) und die Vollkostenrechnung (VKR).
Bei der TKR wird zwischen variablen (zum Beispiel Diesel und Saatgut) und fixen Kosten (zum Beispiel Maschinen und Gebäude) unterschieden. In einem mehrstufigen Verfahren werden bei der TKR den Erlösen eines Produktes (zum Beispiel Winterraps) zunächst die variablen und anschießend die Erzeugnisfixkosten gegengerechnet, um nachfolgend den Deckungsbeitrag I beziehungsweise den Deckungsbeitrag II zu kalkulieren. Die allgemeineren Fixkosten eines Betriebszweigs (zum Beispiel Ackerbau) und des Unternehmens werden zwei oder mehreren Produkten zugewiesen. Hieraus ergeben sich der Deckungsbeitrag III und der kalkulatorische Gewinn.
Im Gegensatz zur TKR wird bei der VKR zwischen Einzel- (zum Beispiel Düngemittel) und Gemeinkosten (zum Beispiel Maschinen) unterschieden. Während die Einzelkosten direkt einem Produkt zugeordnet werden, erfolgt die Zuordnung der Gemeinkosten über ein Schlüsselsystem. Die VKR weist im Unterschied zur TKR produktspezifische Stückkosten und Stückgewinne aus.
Langfristige Kapitalbindung bei Gehölzen
Beim Gehölzanbau werden die hohen Etablierungs- und Pflegekosten im ersten und zweiten Jahr erst zeitverzögert durch die Leistungen in den Folgejahren ausgeglichen. Der zeitliche Unterschied zwischen Kosten und Leistungen kann bei Gehölzsystemen zu einer längeren Kapitalbindung führen als im Marktfruchtanbau.
Die längere Kapitalbindung bei Gehölzen ist der wesentliche Grund, warum sich die LKR als Bewertungstool nicht eignet und die Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung anzuwenden sind. Bei der Kapitalwertmethode werden alle künftigen Kosten und Leistungen mit einem Abzinsungssatz auf den Anfangszeitpunkt diskontiert. Bei der Annuitätenmethode erfolgt eine gleichmäßige Verteilung des Kapitalwertes über den Betrachtungszeitraum. Der interne Zinsfuß gibt die prozentuale Rendite der Investition an.
Erweiterung des Produktportfolios
Entsprechend der Portfoliotheorie sollte ein Anleger an der Börse nicht sein gesamtes Kapital in ein einziges Unternehmen investieren, sondern eine Diversifizierung über verschiedene Länder und Sektoren vornehmen. Bei der Planung von landwirtschaftlichen Betriebszweigen und Fruchtfolgen sollte ein ähnliches Prinzip gelten. Das Produktportfolio des Betriebs wird durch den Anbau von AFS um mindestens eine zusätzliche Kategorie (zum Beispiel Energieholz) erweitert. Sinken zum Beispiel die Preise für Körnermais und Winterraps, könnte der Preis für Agrarholz steigen und das landwirtschaftliche Einkommen stabilisieren (siehe Abbildung).
Wenn das Agrarholz nicht auf dem Markt verkauft wird, kann es in der eigenen Hackschnitzelheizung verfeuert werden. Je nach Wärmeleistung und Menge des verfügbaren Agrarholzes kann damit das Wohnhaus oder der Schweinestall beheizt werden. Teurere und zumeist fossile Brennstoffe können dadurch eingespart werden.
Pflanzenbauliche Interaktionen
Der Anbau eines gemischten Systems wie AFS ist aus wirtschaftlichen Gründen nur dann zu bevorzugen, wenn durch den kombinierten Anbau von Gehölzen und Marktfrüchten ein höherer Gewinn erzielt wird als durch den getrennten Anbau auf zwei Flächen. Der AFS-Anbau kann eine Reihe positiver Auswirkungen auf die Umwelt haben (zum Beispiel Humusanreicherung und erhöhte Artenvielfalt). Der wirtschaftliche Nutzen lässt sich nur schwer messen, wenn keine direkten Auswirkungen von Gehölzen auf die Ertragsbildung von Marktfrüchten bestehen.
Ertragssteigernde Effekte wie zum Beispiel Wind- und Erosionsschutz durch Gehölzstreifen auf Marktfrüchte sind tendenziell höher in der Mitte des Feldes. Demgegenüber können sich ertragsmindernde Effekte wie Wasser-, Nährstoff- und Lichtkonkurrenz stärker auf die Marktfrüchte entlang der Gehölzstreifen auswirken. Diese positiven und negativen Effekte sind nicht generalisierbar, sondern hängen wesentlich von einer Vielzahl von Parametern wie der gewählten Marktfrucht, der Exposition des Feldes oder der Flächengröße ab.
Einstieg in den Kohlenstoffmarkt
In den vergangenen Jahren sind der Begriff des Klimalandwirts und die damit einhergehen Verdienstmöglichkeiten zunehmend in die Diskussion gerückt. Zur Förderung des Bodenkohlenstoffs auf landwirtschaftlichen Flächen hat das Europäische Parlament im Frühjahr 2024 eine aktualisierte Verordnung verabschiedet, die für Landwirtschaft und Unternehmen einen freiwilligen Rahmen zur CO2-Zertifizierung bietet. In dieser Verordnung werden vier Kriterien definiert. Ausgewählte Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung müssen
• eindeutig quantifizierbar sein
• eine Zusätzlichkeit gegenüber gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen ausweisen
• eine langfristige CO2-Speicherung gewährleisten und
• einen positiven ökologischen Nebeneffekt aufweisen
Seit einigen Jahren schaffen auf dem europäischen Markt unter anderem kleinere Start-ups (zum Beispiel Klim, CarboCert und Agreena) eine Verbundstruktur zwischen Landwirtschaft und Unternehmen und vermitteln Ausgleichszahlungen für die CO2-Bindung. Die Schwerpunkte der Vermittler variieren zwischen verschiedenen Maßnahmen, zum Beispiel reduzierter Bodenbearbeitung, ganzjähriger Bodenbedeckung, erweiterten Fruchtfolgen oder Anpassung im Düngemanagement. Zusätzlich zu den einzelnen Maßnahmen ist deren Prämienhöhe zu prüfen und auch, inwiefern Leistungen durch AFS-Anbau vergütet werden.
Fazit
Das Projekt „DigAForst“ steht in seiner Kurzform für „Digitalisierung von Gehölzen in Agroforstsystemen (AFS) für eine nachhaltige, regionale Verwertung landwirtschaftlicher Produkte in der Agrarintensivregion Nordwestniedersachsen“. Projektstart von „DigAForst“ war am 1. Juli 2024, und es endet im Juni 2027. Das Ziel des Projekts ist es, mit KI-basierter Technik Bewirtschaftungsmaßnahmen für eine optimale stoffliche und energetische Verwertung zu identifizieren, um regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Geleitet wird das Projekt am Standort Vechta vom Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar). Weitere Partner sind die landwirtschaftlichen Betriebe Hof Schockemöhle (Lohne) und Hof Langsenkamp (Landkreis Osnabrück), das Start-up Nature Robots, die Holzmühle Westerkamp und die Hochschule Osnabrück.
Auf den Betrieben Schockemöhle und Langsenkamp werden neben schnell wachsenden Pappeln auch verschiedene Werthölzer gepflanzt. Die Vermessung der Gehölzbestände wird von Nature Robots mit KI- und Robotertechnik übernommen. Hierbei sollen der Landwirtschaft und der Holzindustrie der aktuelle Zustand der Gehölzstreifen aufgezeigt und optimale Erntezeitpunkte abgeleitet werden. Die Holzmühle Westerkamp wird die Pappelgehölze verwerten und die Eignung für innovative Holzprodukte prüfen. Die Hochschule Osnabrück nimmt während der Projektlaufzeit sowohl die ökonomische Bewertung als auch die Treibhausgasbilanzierung von AFS-Anbau und Holznutzung vor.
Finanziert wird das Projekt aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe.