Das Landeserntedankfest fand am Sonntag auf der Ansgar-Wiese in Haddeby, Kreis Schleswig-Flensburg, statt. Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche, hielt die Predigt vor etwa 500 Menschen im extra aufgebauten Zelt neben der St. Andreas-Kirche.
Die Bischöfin und Landwirtschaftsminister Werner Schwarz würdigten die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte. Steen betonte die besondere Bedeutung des Festes in einem Jahr voller Krisen, die auch die Landwirtschaft stark betroffen haben.
Das Landeserntedankfest wird vom Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz Schleswig-Holstein und der Nordkirche veranstaltet. Für die Landesregierung nahmen Landwirtschaftsminister Werner Schwarz und Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (beide CDU) teil. Unter dem Motto „Auf den Tisch“ begleiteten Bischöfin Nora Steen und Propst Helgo Jacobs die Feierstunde.
Steen erinnerte in ihrer Predigt daran, dass Erntedank tatsächlich in allen Religionen weltweit gefeiert werde. Die Tradition, in der Erntezeit Danke zu sagen und alles Geerntete auf den Tisch zu legen, sei so alt wie die Menschheit. Glaubensfrage Ernährung Die Bischöfin würdigte die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte. Sie sprach an, dass die Ernährung heute für viele Menschen zu einer Art Glaubensfrage geworden sei. Essen polarisiere regelrecht, wenn es darum gehe, ob man Fleisch konsumiere, wie Tiere gehalten würden, ob man sich vegetarisch oder vegan ernähre. Dabei handle es sich nicht um ein neues Phänomen. Schon vor gut 2.000 Jahren sei man sich uneinig gewesen über Essensvorschriften und Fragen der geschlechtlichen Orientierung.
Der Predigttext „Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich“ (1. Timotheus 4, 1-5) sei die Antwort. Das heiße sinngemäß, „wir dürfen leben, wie wir wollen“, und es sei die Aufforderung zu Toleranz. Extreme Haltungen verhärteten die Fronten, so Steen, damit seien die Herausforderungen der Zukunft nicht zu lösen. „Essen ist divers“, sagte sie und riet, die gegenseitige Achtung voreinander nicht zu vergessen und den Fokus auf das Gemeinsame zu legen, um die Gesellschaft zusammenzuhalten. Das betonten in ihren Fürbitten auch Klaus-Peter Dau, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Schleswig, sowie Lena Sophie Hagge und Tajo Lass, Vorsitzende der Landjugend.
Gesellschaftliche Aufgabe
Im Anschluss an den Gottesdienst dankte Landwirtschaftsminister Schwarz den schleswig-holsteinischen Landwirtinnen und Landwirten für ihren Einsatz. Der Erntedank erinnere daran, wie viele Ressourcen und Arbeit, aber auch Herzblut in die Produktion von gesunden Lebensmitteln flössen. „Wir wollen für die eingebrachten Ernten dankbar sein und unseren Landwirtinnen und Landwirten Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenbringen“, so Schwarz.
Der Minister betonte die Bedeutung der Landwirtschaft als Wirtschaftszweig und als Motor für den Erhalt und die Weiterentwicklung der ländlichen Räume. Die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen diene dabei keinem Selbstzweck, sondern der gesellschaftlichen Aufgabe der Erzeugung von Nahrungsmitteln, so Schwarz weiter. „Gleichzeitig tragen die Landwirte zum Erhalt der Kulturlandschaft bei und erbringen wertvolle Gemeinwohlaufgaben für den Natur-, Umwelt-, Klima- und Artenschutz“, betonte der Minister.
Danke für Verständnis
Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, sprach seinen Dank aus, der vom Land in die Städte getragen werde, nämlich für das Verständnis der Mitbürgerinnen und Mitbürgen gegenüber den Landwirtinnen und Landwirten für ihre Arbeit und die ihnen entgegengebrachte Geduld, wenn schwere Maschinen auf den Straßen und mitunter in Ortschaften unterwegs seien, gerade während der so arbeitsintensiven Erntezeit. Dafür erntete Lucht kräftigen Applaus. Er erinnerte auch an die Schlepper, die im Frühjahr die Straßen blockiert hätten, und machte deutlich, dass dies nicht aus Spaß geschehe oder um große Maschinen vorzuführen, sondern weil der Berufsstand mit ernsthaften Problemen zu kämpfen habe. Er erwähnte auch den Neun-Punkte Plan, den Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf dem Landesbauerntag als politische Reaktion auf die Proteste präsentiert habe und sinnvolle Ansatzpunkte enthalte.
Lucht sprach den rasanten Strukturwandel in der Landwirtschaft an, der schneller gehe als erwartet und eine Herausforderung für den ländlichen Raum darstelle. Er betonte, dass die Zukunft der Landwirtschaft wesentlich von der Anerkennung der Gesellschaft abhänge. Die Landwirtinnen und Landwirte seien sich ihrer ethischen und moralischen Verpflichtung bewusst, die Schöpfung zu bewahren.
Alle an einen Tisch
Das Motto des Landeserntedankfestes „Auf den Tisch“ griff Claudia Jürgensen, Präsidentin der LandFrauen Schleswig-Holstein, auf und formulierte es um. Sie ermunterte in ihrem Grußwort, an den Tisch zu kommen, Austausch und Gemeinschaft zu pflegen. Sie lobte die jüngste Bildungsoffensive des Landwirtschaftsministeriums (BiLEV) und betonte, wie wichtig es sei, dass an außerschulischen Lernorten jungen Menschen die Themenfelder Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz nähergebracht würden, um die Wahrnehmung für gesunde Lebensmittel und deren Produktion zu stärken.
Der Gottesdienst wurde musikalisch begleitet von den Haddeby Singers. Der Bauernmarkt auf dem Festplatz lockte mit Ständen der verschiedenen Vereine und einer Ausstellung alter Landtechnik über 1.000 Besucher an. mbw




