Diese Frage war Gegenstand eines Vortragsabends des VFL Plön – Beratungsring Lütjenburg und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kürzlich in Lütjenburg.
Die Trends bei der Druschfruchternte sind eindeutig: Mehr Druschleistung und Effizienz durch höhere mechanische Kapazität und mehr Intelligenz. Dies geht einher mit volatileren Märkten für Druschfrüchte sowie einer abnehmenden Anzahl von Technikanbietern bei zunehmender Ausrüstungsvariabilität. Der Traditionshersteller Deutz-Fahr hat seine Mähdrescherproduktion in Kroatien Ende Februar eingestellt. Die Nachfrage und damit die Stückzahl hatten einen kritischen Wert erreicht.
Der Markt wird nun ausschließlich von den drei großen aktiennotierten Unternehmen Agco, CNH und John Deere sowie der Claas KgaA mbH dominiert. Sampo aus Finnland spielt nach der Investition von Mahindra aus Indien sowie dem Ende der Zulieferung an John Deere eine geringe Rolle. Diese Entwicklung mag ein Indikator für den Kundenwunsch nach leistungsstarken Mähdreschern mit Informations- und Regeltechniken auf neuestem Stand sein.
Unterschiedliche Assistenzsysteme
Grundsätzlich stellt sich die Frage, welchen Nutzen ein Assistenzsystem bringt. Dieser kann je nach Fahrerqualifikation und Erntebedingungen unterschiedlich sein. Falls die Erntebedingungen denen für die Grundeinstellung eines Mähdreschers entsprechen, kann der Nutzen der Regeltechnik unter Umständen null betragen. Falls der Bediener des Mähdreschers über sehr gute Einstellkenntnisse verfügt, kann sich der Nutzen ebenfalls in Grenzen halten – doch wie lange? Der Einstellregler wird nicht müde und passt stets die Einstellungen an, wenn sich die Erntebedingungen ändern. Auch schwanken Erntebedingungen aufgrund zunehmender Witterungseinflüsse und teilflächenspezifischer Anbau- und Pflegeverfahren immer mehr, sodass auf die Einstell-Regeltechnik in der oberen Mittelklasse sowie in der Oberklasse nicht verzichtet werden sollte.
Auswertungen von Teleservice-Leistungsprotokollen zeigen, dass ein aktueller Rotormähdrescher der zweithöchsten Leistungsklasse (Chassisbreite fünf Schüttler) mit Vollautomat die Tagesleistungen eines gut eingestellten, älteren Mähdreschers der höchsten Leistungsklasse (Chassisbreite sechs Schüttler) nicht nur erreicht, sondern teilweise überschreitet. Bei einer Ersatzbeschaffung ist also zu überlegen, ob es nicht doch besser die schmalere, aber intelligentere Maschine sein sollte. Sie bringt zusätzlich den Fahrwerk-Kostenvorteil, da sie bei Nutzung von 800er Frontbereifung innerhalb der gesetzlichen Transportbreite bleibt. Die breitere Maschine kann dagegen nur mit Raupenlaufwerk bodenschonend genutzt werden.
Im Detail gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Versionen der verschiedenen Anbieter. Das umfangreichste Gesamtpaket aus mehreren Einzelautomaten bietet Claas mit Cemos an. Im Dialogmodus hilft der Assistent bei allen Einstellungen vom Schneidwerk bis zum Häcksler. Die Regeltechnik ist ein Baukastensystem aus mehreren Automaten, die je nach Erfordernis individuell zusammengestellt werden. In den selbstlernenden Dreschwerkautomaten sind sogar die Schaltungen von Intensivdreschleisten und Korbklappen einbezogen. Die Verlustsensorik kann über ein gesondertes Menü maschinenspezifisch kalibriert werden.
New Holland IntelliSense und Case AFS Harvest Command sind quasi baugleich. Von der gegebenen Einstellung ausgehend optimieren sie die Rotor- und Reinigungseinstellungen. Bei manuell eingestelltem Dreschspalt werden je nach gewählter Strategie Rotordrehzahl und Durchflussgeschwindigkeit (Winkel der Leitschienen oben im Rotorgehäuse) optimiert. Kernstück ist die Drucksensorik zur Messung der Beladung der Siebe. Danach und nach der Überkehrmenge sowie den Kornverlusten wird die Einstellung der Reinigung optimiert.
John Deere Harvest Settings Automation basiert auf den Daten von zwei Kameras. Zusätzlich zu der allen Systemen gemeinsamen Kamera im Kornelevator befindet sich eine zweite Kamera im Überkehrelevator. Der Mähdrescher wird manuell eigenständig oder mithilfe des Dialogsystems ICA eingestellt. Passen die Kamerabilder zu den Vorstellungen des Bedieners, werden diese Bilder als Sollbilder gespeichert. Stimmen die Ist- und die Sollbilder nicht überein, passt die Regeltechnik die Maschineneinstellungen entsprechend an.
Agco Idealharvest basiert auf Sensoren zur Detektion der Längsverteilung der abgeschiedenen Körner in der Maschine als Grundlage für die Rotoren- und Reinigungseinstellung. Diese prinzipiell sehr gute Methode zur Messung der Abscheidefunktionen ist nicht neu, scheiterte in der frühen Forschungsentwicklung jedoch an ihrer Einsatzsicherheit. Aktuell ist das System noch nicht so weit entwickelt wie beim Wettbewerb.
Ein neuerer Trend ist die vorausschauende Technik am Mähdrescher. Case stellte dazu auf der letzten Agritechnica ein System mit Radarsensoren vor dem Schneidwerk vor. Claas nutzt einen Bestandesscanner am Kabinendach für das System AutoHeader. John Deere schaut mit Kameras und Satellitendaten vor den Mähdrescher, sodass er quasi sieht, welche Art von Fruchtbestand er gleich ernten wird. Vorteil: Die Einstell-Regeltechnik kann frühzeitig reagieren, vor allem wenn der Durchsatzregler seine Signale erst erhält, wenn das Erntegut bereits verarbeitet wird. Großflächige Einsatzerfahrungen von Unabhängigen liegen noch nicht vor.
Grenzen der neuen Mähdrescher
Die Leistungsfähigkeit beziehungsweise Leistungsdichte der Mähdrescher, vor allem der Rotormähdrescher (Axial-Rotor- und Tangential-Axial-Rotor- beziehungsweise Hybridmähdrescher) nimmt weiter zu. Dies geht einher mit höheren Motorleistungen und selbstverständlich stärker dimensionierten Antrieben. Das erhöht die Maschinenmasse. Einige Mähdrescher sind daher bereits mit Heck-Stützachse oder Gegengewicht am Schrägförderer auf der Straße unterwegs. Ob das der richtige Weg in die Zukunft ist, bleibt fraglich.
Zur Steigerung der Druschleistung wurden unter anderem die Durchmesser der Dreschtrommeln vergrößert und die der Rotorrohre bei unverändertem Außendurchmesser verkleinert. Letzteres steigert zwar den Strohdurchsatz von Axialrotoren, aber auch das Risiko von Ausdrusch- und Abscheideverlusten unter schwierigen Erntebedingungen. Große Dreschtrommeldurchmesser erhöhen das Durchsatzvermögen, die Abscheidung am Dreschkorb nimmt jedoch prinzipiell ab, weil die Beschleunigung nach außen abnimmt. Folglich werden die Kapazitäten der nachgeschalteten Axialrotoren oder Abscheidetrommeln erhöht. Die Kapazitätsgrenzen der Schüttler sind bereits seit etwa 30 Jahren erreicht.
Die Antriebsingenieure setzen auf Zentralgetriebe wie einerseits bei Agco und CNH, andererseits auf Riemenantriebe wie bei Claas und John Deere (X9). Zentralgetriebe bieten den Vorteil der sehr guten Zugänglichkeit aller Baugruppen und sparen Platz zwischen Chassis und Fahrwerk (NH CR 11). Sie erhöhen jedoch die Maschinenmasse und verlagern den Schwerpunkt nach hinten oder sogar auch zur Seite. Riemenantriebe zeichnen sich durch geringe Massen und die höchsten Wirkungsgrade aus. Ist ein Riemen defekt, wird er getauscht, auch in der Ernte. Ein Zentralgetriebe wird wohl kein Händler bevorraten. Ein Defekt außerhalb der Garantie- oder Kulanzzeit wird teuer.
Strohernte – Rotor oder Schüttler?
Über Strohqualität wird zwar oft gesprochen, sie ist jedoch nirgends definiert. Fakt ist: je kürzer das Stroh, desto dichter das Schwad und desto länger die Nachtrocknungszeit. Ob langes, quasi unbeschädigtes Stroh abgelegt wird, hängt viel mehr von seiner Brüchigkeit als vom Dresch- und Abscheidesystem ab. Selbst das strohschonendste Standard-Dreschsystem mit Dresch-, Wendetrommel und Schüttlern kann sprödes Stroh derart zerstören, dass die Reinigung mit Kurzstroh überlastet wird.
Der Anteil an Kurzstroh, das zwischen den Stoppeln zu Boden fällt, ist bei Schüttler- und Rotormähdreschern mit baugleichem Dreschwerk gleich hoch. Rotormähdrescher erzeugen mehr Kurzstroh im Langstroh. Das dichter liegende Schwad muss folglich eher gelüftet/gewendet werden. Dann entstehen Strohverluste. Kann das Stroh direkt nach dem Drusch gepresst werden, bleibt der Strohertrag etwa gleich.
Hier einige Anmerkungen kurz gefasst:
• Bei mehr als 12 m Arbeitsbreite und Anbau von Leguminosen können Bandschneidwerke mit geteiltem Rahmen sinnvoll sein. Bei hohem Rapsanteil empfiehlt sich das Schneckenschneidwerk. Eine höhere Druschleistung im Vergleich zum korrekt eingestellten Schneckenschneidwerk mit variabler Tischlänge konnte in stehendem Getreide und Raps bisher nicht nachgewiesen werden.
• In Ostholstein sollte ein Mähdrescher auf jeden Fall mit einer Hangausgleichstechnik ausgerüstet sein. Ein Fahrwerks-Hangausgleich funktioniert nicht mit einem Raupenlaufwerk. Mähdrescher mit Raupe werden mit Regeltechnik für die Reinigung und die Beschickung des Rücklaufbodens ausgerüstet. 
• Bei zunehmenden Arbeitsbreiten nehmen die Ansprüche an die Querverteilung des Häckselgutes zu. Claas und New Holland nutzen zur Präzisierung indirekt beziehungsweise direkt messende Regeltechniken.
• Mähdrescher werden immer teurer. Pro 100.000 € Anschaffungspreis sollten bei zehnjähriger Nutzung mindestens 100 ha/a Kampagneleistung erreicht werden. Anderenfalls bleiben Eigenmechanisierern die längere Nutzungsdauer oder der junge Gebrauchte.
• Der Dieselverbrauch von Mähdreschern wird in der zeitkritischen Ernte oft vernachlässigt. Unter den Erntebedingungen in Schleswig-Holstein kann bei einer Kampagnenleistung von 600 ha/a ein Unterschied von 1,5 l/t Druschgut bei einem Dieselpreis von 1,5 €/l die Erntekosten um mehr als 11.000 €/a erhöhen.
Fazit
• Die Anzahl der Mähdrescher fertigenden Unternehmen nimmt ab, die Varianten- und Ausstattungsoptionen nehmen zu. Dies schafft für die Landwirte und Lohnunternehmer eine zunehmende Intransparenz. Die Strukturen vergrößern sich. Der Anteil an Eigenmechanisierern nimmt zu. Für Lohnunternehmer ist es wenig attraktiv, Druschkapazität für die Ansprüche der Kunden mit kürzeren Erntezeiträumen vorzuhalten.
• Rotormähdrescher mit geringer Chassisbreite (fünf Schüttler) erreichen höhere Druschleistungen als Schüttlermähdrescher der Oberklasse (sechs Schüttler). Noch zähes, feuchtes Stroh wird von Rotormähdreschern in kompakteren Schwaden abgelegt und trocknet verzögert oder nicht ohne Wendevorgang ab.
• Zwischen den Assistenz- und Regeltechniksystemen bestehen große technische Unterschiede. Beim Vergleich ist zu berücksichtigen, wie viele Nonstop-Einstellungen ein System beinhaltet, die womöglich bei anderen Systemen Stop-Einstellungen sind, also zum Anhalten zwingen.
• Die zunehmenden Massen von Mähdreschern werden vor dem Hintergrund der aktuell nicht größer dimensionierten Raupen und begrenzten Hinterachslasten sowohl auf dem Acker als auch auf der Straße zum begrenzenden Faktor.



