Start Blog Seite 129

Die Ernte im Blick

0

Diese Frage war Gegenstand ­eines Vortragsabends des VFL Plön – Beratungsring Lütjenburg und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kürzlich in Lütjenburg.

Die Trends bei der Druschfruchternte sind eindeutig: Mehr Druschleistung und Effizienz durch höhere mechanische Kapazität und mehr Intelligenz. Dies geht einher mit volatileren Märkten für Druschfrüchte sowie einer abnehmenden Anzahl von Technikanbietern bei zunehmender Ausrüstungsvariabilität. Der Traditionshersteller Deutz-Fahr hat seine Mähdrescherproduktion in Kroatien Ende Februar eingestellt. Die Nachfrage und damit die Stückzahl hatten einen kritischen Wert erreicht.

Der Markt wird nun ausschließlich von den drei großen aktiennotierten Unternehmen Agco, CNH und John Deere sowie der Claas KgaA mbH dominiert. Sampo aus Finnland spielt nach der Investition von Mahindra aus Indien sowie dem Ende der Zulieferung an John Deere eine geringe Rolle. Diese Entwicklung mag ein Indikator für den Kundenwunsch nach leistungsstarken Mähdreschern mit Informations- und Regeltechniken auf neuestem Stand sein.

Korrekt eingestellte Schneidtischlänge – keine Straußbildung vor der Einzugsschnecke und ein gleichmäßiger Gutfluss

Unterschiedliche Assistenzsysteme

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welchen Nutzen ein Assistenzsystem bringt. Dieser kann je nach Fahrerqualifikation und Erntebedingungen unterschiedlich sein. Falls die Erntebedingungen denen für die Grundeinstellung eines Mähdreschers entsprechen, kann der Nutzen der Regeltechnik unter Umständen null betragen. Falls der Bediener des Mähdreschers über sehr gute Einstellkenntnisse verfügt, kann sich der Nutzen ebenfalls in Grenzen halten – doch wie lange? Der Einstellregler wird nicht müde und passt stets die Einstellungen an, wenn sich die Erntebedingungen ändern. Auch schwanken Erntebedingungen aufgrund zunehmender Witterungseinflüsse und teilflächenspezifischer Anbau- und Pflegeverfahren immer mehr, sodass auf die Einstell-Regeltechnik in der oberen Mittelklasse sowie in der Oberklasse nicht verzichtet werden sollte.

Auswertungen von Teleservice-Leistungsprotokollen zeigen, dass ein aktueller Rotormähdrescher der zweithöchsten Leistungsklasse (Chassisbreite fünf Schüttler) mit Vollautomat die Tagesleistungen eines gut eingestellten, älteren Mähdreschers der höchsten Leistungsklasse (Chassisbreite sechs Schüttler) nicht nur erreicht, sondern teilweise überschreitet. Bei einer Ersatzbeschaffung ist also zu überlegen, ob es nicht doch besser die schmalere, aber intelligentere Maschine sein sollte. Sie bringt zusätzlich den Fahrwerk-Kostenvorteil, da sie bei Nutzung von 800er Frontbereifung innerhalb der gesetzlichen Transportbreite bleibt. Die breitere Maschine kann dagegen nur mit Raupenlaufwerk bodenschonend genutzt werden.

Im Detail gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Versionen der verschiedenen Anbieter. Das umfangreichste Gesamtpaket aus mehreren Einzelautomaten bietet Claas mit Cemos an. Im Dialogmodus hilft der Assistent bei allen Einstellungen vom Schneidwerk bis zum Häcksler. Die Regeltechnik ist ein Baukastensystem aus mehreren Automaten, die je nach Erfordernis individuell zusammengestellt werden. In den selbstlernenden Dreschwerkautomaten sind sogar die Schaltungen von Intensivdreschleisten und Korbklappen einbezogen. Die Verlustsensorik kann über ein gesondertes Menü maschinenspezifisch kalibriert werden.

New Holland IntelliSense und Case AFS Harvest Command sind quasi baugleich. Von der gegebenen Einstellung ausgehend optimieren sie die Rotor- und Reinigungseinstellungen. Bei manuell eingestelltem Dreschspalt werden je nach gewählter Strategie Rotordrehzahl und Durchflussgeschwindigkeit (Winkel der Leitschienen oben im Rotorgehäuse) optimiert. Kernstück ist die Drucksensorik zur Messung der Beladung der Siebe. Danach und nach der Überkehrmenge sowie den Kornverlusten wird die Einstellung der Reinigung optimiert.

John Deere Harvest Settings Automation basiert auf den Daten von zwei Kameras. Zusätzlich zu der allen Systemen gemeinsamen Kamera im Kornelevator befindet sich eine zweite Kamera im Überkehr­elevator. Der Mähdrescher wird manuell eigenständig oder mithilfe des Dialogsystems ICA eingestellt. Passen die Kamerabilder zu den Vorstellungen des Bedieners, werden diese Bilder als Sollbilder gespeichert. Stimmen die Ist- und die Sollbilder nicht überein, passt die Regeltechnik die Maschineneinstellungen entsprechend an.

Agco Idealharvest basiert auf Sensoren zur Detektion der Längsverteilung der abgeschiedenen Körner in der Maschine als Grundlage für die Rotoren- und Reinigungseinstellung. Diese prinzipiell sehr gute Methode zur Messung der Abscheidefunktionen ist nicht neu, scheiterte in der frühen Forschungsentwicklung jedoch an ihrer Einsatzsicherheit. Aktuell ist das System noch nicht so weit entwickelt wie beim Wettbewerb.

Ein neuerer Trend ist die vorausschauende Technik am Mähdrescher. Case stellte dazu auf der letzten Agritechnica ein System mit Radarsensoren vor dem Schneidwerk vor. Claas nutzt einen Bestandesscanner am Kabinendach für das System AutoHeader. John Deere schaut mit Kameras und Satellitendaten vor den Mähdrescher, sodass er quasi sieht, welche Art von Fruchtbestand er gleich ernten wird. Vorteil: Die Einstell-Regeltechnik kann frühzeitig reagieren, vor allem wenn der Durchsatzregler seine Signale erst erhält, wenn das Erntegut bereits verarbeitet wird. Großflächige Einsatzerfahrungen von Unabhängigen liegen noch nicht vor.

Mit einem Volumen von 20 m³ verfügt der CR 11 über den größten Bunker der Längsfluss-Mähdrescher, nur Nexat bunkert mehr – die Maschinenmassen werden grenzwertiger.

Grenzen der neuen Mähdrescher

Die Leistungsfähigkeit beziehungsweise Leistungsdichte der Mähdrescher, vor allem der Rotor­mähdrescher (Axial-Rotor- und Tangential-Axial-Rotor- beziehungsweise Hybridmähdrescher) nimmt weiter zu. Dies geht einher mit höheren Motorleistungen und selbstverständlich stärker dimensionierten Antrieben. Das erhöht die Maschinenmasse. Einige Mähdrescher sind daher bereits mit Heck-Stützachse oder Gegengewicht am Schrägförderer auf der Straße unterwegs. Ob das der richtige Weg in die Zukunft ist, bleibt fraglich.

Zur Steigerung der Druschleistung wurden unter anderem die Durchmesser der Dreschtrommeln vergrößert und die der Rotorrohre bei unverändertem Außendurchmesser verkleinert. Letzteres steigert zwar den Strohdurchsatz von Axialrotoren, aber auch das Risiko von Ausdrusch- und Abscheideverlusten unter schwierigen Erntebedingungen. Große Dreschtrommeldurchmesser erhöhen das Durchsatzvermögen, die Abscheidung am Dreschkorb nimmt jedoch prinzipiell ab, weil die Beschleunigung nach außen abnimmt. Folglich werden die Kapazitäten der nachgeschalteten Axialrotoren oder Abscheidetrommeln erhöht. Die Kapazitätsgrenzen der Schüttler sind bereits seit etwa 30 Jahren erreicht.

Die Antriebsingenieure setzen auf Zentralgetriebe wie einerseits bei Agco und CNH, andererseits auf Riemenantriebe wie bei Claas und John Deere (X9). Zentralgetriebe bieten den Vorteil der sehr guten Zugänglichkeit aller Baugruppen und sparen Platz zwischen Chassis und Fahrwerk (NH CR 11). Sie erhöhen jedoch die Maschinenmasse und verlagern den Schwerpunkt nach hinten oder sogar auch zur Seite. Riemenantriebe zeichnen sich durch geringe Massen und die höchsten Wirkungsgrade aus. Ist ein Riemen defekt, wird er getauscht, auch in der Ernte. Ein Zentralgetriebe wird wohl kein Händler bevorraten. Ein Defekt außerhalb der Garantie- oder Kulanzzeit wird teuer.

Strohernte – Rotor oder Schüttler?

Über Strohqualität wird zwar oft gesprochen, sie ist jedoch nirgends definiert. Fakt ist: je kürzer das Stroh, desto dichter das Schwad und desto länger die Nachtrocknungszeit. Ob langes, quasi unbeschädigtes Stroh abgelegt wird, hängt viel mehr von seiner Brüchigkeit als vom Dresch- und Abscheidesystem ab. Selbst das strohschonendste Standard-Dreschsystem mit Dresch-, Wendetrommel und Schüttlern kann sprödes Stroh derart zerstören, dass die Reinigung mit Kurzstroh überlastet wird.

Der Anteil an Kurzstroh, das zwischen den Stoppeln zu Boden fällt, ist bei Schüttler- und Rotormähdreschern mit baugleichem Dreschwerk gleich hoch. Rotormähdrescher erzeugen mehr Kurzstroh im Langstroh. Das dichter liegende Schwad muss folglich eher gelüftet/gewendet werden. Dann entstehen Strohverluste. Kann das Stroh direkt nach dem Drusch gepresst werden, bleibt der Strohertrag etwa gleich.

Schüttler-Mähdrescher mit zusätzlichen Abscheiderotoren zerstören das Stroh oft ähnlich intensiv wie Rotor-Mähdrescher.

Hier einige Anmerkungen kurz gefasst:

• Bei mehr als 12 m Arbeitsbreite und Anbau von Leguminosen können Bandschneidwerke mit geteiltem Rahmen sinnvoll sein. Bei hohem Rapsanteil empfiehlt sich das Schneckenschneidwerk. Eine höhere Druschleistung im Vergleich zum korrekt eingestellten Schneckenschneidwerk mit variabler Tischlänge konnte in stehendem Getreide und Raps bisher nicht nachgewiesen werden.

• In Ostholstein sollte ein Mähdrescher auf jeden Fall mit einer Hangausgleichstechnik ausgerüstet sein. Ein Fahrwerks-Hangausgleich funktioniert nicht mit einem Raupenlaufwerk. Mähdrescher mit Raupe werden mit Regeltechnik für die Reinigung und die Beschickung des Rücklaufbodens ausgerüstet. 

• Bei zunehmenden Arbeitsbreiten nehmen die Ansprüche an die Querverteilung des Häckselgutes zu. Claas und New Holland nutzen zur Präzisierung indirekt beziehungsweise direkt messende Regeltechniken.

• Mähdrescher werden immer teurer. Pro 100.000 € Anschaffungspreis sollten bei zehnjähriger Nutzung mindestens 100 ha/a Kampagneleistung erreicht werden. Anderenfalls bleiben Eigenmechanisierern die längere Nutzungsdauer oder der junge Gebrauchte.

• Der Dieselverbrauch von Mähdreschern wird in der zeitkritischen Ernte oft vernachlässigt. Unter den Erntebedingungen in Schleswig-Holstein kann bei einer Kampagnenleistung von 600 ha/a ein Unterschied von 1,5 l/t Druschgut bei einem Dieselpreis von 1,5 €/l die Erntekosten um mehr als 11.000 €/a erhöhen.

Fazit

• Die Anzahl der Mähdrescher fertigenden Unternehmen nimmt ab, die Varianten- und Ausstattungsoptionen nehmen zu. Dies schafft für die Landwirte und Lohnunternehmer eine zunehmende Intransparenz. Die Strukturen vergrößern sich. Der Anteil an Eigenmechanisierern nimmt zu. Für Lohnunternehmer ist es wenig attraktiv, Druschkapazität für die Ansprüche der Kunden mit kürzeren Erntezeiträumen vorzuhalten.

• Rotormähdrescher mit geringer Chassisbreite (fünf Schüttler) erreichen höhere Druschleistungen als Schüttlermähdrescher der Oberklasse (sechs Schüttler). Noch zähes, feuchtes Stroh wird von Rotormähdreschern in kompakteren Schwaden abgelegt und trocknet verzögert oder nicht ohne Wendevorgang ab.

• Zwischen den Assistenz- und Regeltechniksystemen bestehen große technische Unterschiede. Beim Vergleich ist zu berücksichtigen, wie viele Nonstop-Einstellungen ein System beinhaltet, die womöglich bei anderen Systemen Stop-Einstellungen sind, also zum Anhalten zwingen.

• Die zunehmenden Massen von Mähdreschern werden vor dem Hintergrund der aktuell nicht größer dimensionierten Raupen und begrenzten Hinterachslasten sowohl auf dem Acker als auch auf der Straße zum begrenzenden Faktor.

Pflanzenschutz-Prognosemodell SkleroPro in ISIP

Nachdem bereits am 1. März ­meteorologischer Frühlings­beginn war, folgte am 20. März der astronomische Frühlingsbeginn, der durch die ­Konstellation von Erde und ­Sonne ­definiert ist.

Seit dem 22. März begann mit der Forsythienblüte der Erstfrühling. Aber auch der Winterraps ist in diesem Jahr früh entwickelt. Das Streckungswachstum hat nun nach den Nachtfrösten deutlicher eingesetzt. Die Knospen sind teils seit Mitte bis Ende März sichtbar (siehe Foto). Das Entwicklungsstadium 55 (Einzelblüten der Hauptinfloreszenz sichtbar geschlossen) benötigt man als Beginn der Berechnung im Prognosemodell SkleroPro in ISIP. Das Modell steht auf isip.de in den Entscheidungshilfen kostenlos zur Verfügung. Es zeigt schlagspezifisch an, ob eine Blütenbehandlung gegen Sclerotinia sclerotiorum dann erforderlich ist und zu welchem Termin eine Behandlung bestmöglich erfolgen sollte. Mit diesem Modell können eigene Beobachtungen und Handlungsentscheidungen unterstützt werden. Auf der Eingabeseite in ISIP müssen schlagspezifische Informationen wie der Termin des Knospenstadiums ES 55 als Beginn der Berechnung, die Fruchtfolge beziehungsweise Informationen darüber, wann zuletzt eine sklero­tiniaanfällige Kultur auf der Fläche stand, angegeben werden. Für ökonomische Berechnungen können dann noch die Ertragserwartung, der Rapspreis, die Pflanzenschutzmittelkosten und die Überfahrtskosten eingegeben werden. Das Modell ermittelt mithilfe von Witterungsparametern die möglichen Infektionstermine. Bei allgemeinen Fragen zu Pflanzenschutz-Prognosemodellen erteilt die Autorin gern Auskunft unter shagen@lksh.de

Bewahren als Idee

0

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht – oder die Bäume vor lauter Schmetterlingen nicht, ab und an hilft zudem ein zweiter Blick, wie bei dem Foto „Im Wald der Monarchen“ des spanischen Naturfotografens Jaime Rojo. Mit diesem Foto wurde er Gesamtsieger beim Wettbewerb Europäischer Naturfotograf des Jahres (ENJ) 2024 der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT). Diese und viele weitere beeindruckende Aufnahmen des Wettbewerbs sind erneut im Stadtmuseum Schleswig zu sehen.

Bereits zum zwölften Mal präsentiert das Stadtmuseum die Siegerbilder des Wettbewerbes: „Dafür bin ich sehr dankbar und finde es wunderbar, dass wir diese Ausstellung zeigen dürfen“, sagt Dr. Dörte Beier, Leiterin des Stadtmuseums Schleswig. Am Donnerstag vergangener Woche fand die Eröffnungunsveranstaltung statt.
2024 wurden knapp 18.000 Aufnahmen von fast 1.000 Amateur- und Profifotografen aus 38 Ländern eingereicht. Die fünfköpfige, international besetzte Jury ermittelte in drei Tagen intensiver Arbeit 107 Siegerbilder in neun Kategorien und zwei Sonderkategorien. Einige Teilnehmenden schafften es, mit gleich drei Bildern in die Auswahl zu kommen.
Dabei hatten die Jurymitglieder ganz unterschiedliche Hintergründe, Herangehensweisen und mitunter auch ganz unterschiedliche Antworten auf die vermeintlich einfache Frage, was ein gutes Bild sei. Letztlich waren sich aber alle einig: Jaime Rojos Bild „Im Wald der Monarchen“ ist mit seinem Detailreichtum und seiner Hintergrundgeschichte klassisch schön und zeitlos.

„Feuerwerk“ nennt Ingo Arndt sein Foto mit Säure spritzenden Ameisen.
Foto: GDT ENJ 2024/Ingo Arndt

Die spektakuläre Aufnahme gelang dem Spanier im Schmetterlings-Schutzgebiet El Rosario in Mexiko, in dem Rojo für das „National Geographic Magazine“ unterwegs war. Dicht gedrängt überwintern die Monarchfalter dort in den Zweigen der Oyamel-Tannen, nachdem sie im Herbst Tausende von Kilometern aus ihren Sommerquartier im Norden Amerikas zurückgelegt haben. Kleinste Veränderungen in der Walddecke können das empfindliche Mikroklima, an das sich die Schmetterlinge angepasst haben, negativ beeinflussen.
Darum geht es unter anderem in dem Wettbewerb – zum einen die Schönheit und Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt in mitunter nie gesehenen Details zu zeigen und gleichzeitig für den Schutz der Natur und des Klimas zu sensibilisieren. „Bewahren als Idee, das ist die Motivation der teilnehmenden Fotografen. Sie wissen ganz viel über die Natur und wo sie ihre Motive finden, zum Wissen kommt Herz mit dazu. Etwas Alltägliches wie zum Beispiel Insekten erscheint in völlig neuen Ansichten, filigran, poetisch und schön. Das macht etwas mit einem. Die Ausstellung sensibilisiert jedes Jahr aufs Neue für die Belange der Natur und auch ich lerne jedes Mal wieder Neues dazu“, so Dörte Beier, die sich privilegiert fühlt, diese Bilder in einer Ausstellung zeigen zu dürfen.

Ein Motiv zum Schmunzeln: Der „Angry Bird“ des Norwegers Kjell Vikestad 
Foto: GDT ENJ 2024/Kjell Vikestad


Und auch für den GDT-Regionalgruppenleiter von Schleswig-Holstein und Hamburg, den Meeresbiologen, Autor und preisgekrönten Tiefseefotografen Solvin Zankl, ist der Wettbewerb etwas ganz Besonderes: „Weil er Menschen einen Einblick in die Natur gibt, den sie so sonst nie haben“, erklärt er. Da es laut den Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs nicht erlaubt sei, die Fotos mit irgendeiner Technik oder KI zu verfremden, könne man sicher sein, echte Originalaufnahmen zu sehen. In einer Zeit, in der man in den Medien und in den sozialen Netzwerken nicht mehr sicher sein könne, was echt sei oder nicht, sei das von besonderem Wert und es gebe nur noch wenige Orte, wo das möglich sei. „Somit ist das hier für mich ein ruhender Pol, wenn ich hier hereinkomme. Hier weiß ich, all diese Fotos zeigen Begegnungen der Fotografinnen und Fotografen, die diese Bilder gemacht haben. Sie sind da draußen gewesen und haben das Erlebnis gehabt. Sie sind den Tieren, Pflanzen und Landschaften begegnet. Man kann vor die Bilder treten und sich überraschen lassen, man kann sich in den Moment einfühlen, staunen oder schmunzeln“, so Zankl. Wer gerade anfange mit dem Fotografieren und sich für Naturfotografie begeistere, finde hier zudem sehr viele Inspirationen. In den Beschreibungen erfahren die Besuchenden oft, wie die Bilder entstanden.
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind auch wieder die Gewinner des Fritz-Pölking-Preises und des Fritz-Pölking-Jugendpreises. Für Schulklassen und junge Besuchende hat Museumspädagogin Sandy Ziegeler ein Kreuzworträtsel erarbeitet, das am Eingang ausliegt und mit dem die Kinder die Ausstellung auf ihre Weise entdecken können. Die Ausstellung ist bis zum 22. Juni zu sehen.

Weitere Informationen unter stadtmuseum-schleswig.de

„Algenpizza“
Foto: GDT ENJ 2024/Csaba Daroczi
„Neue Welt“
Foto: GDT ENJ 2024/Grzegorz Długosz
„Vorhang“
Foto: GDT ENJ 2024/Svetlana Ivanenko


Ein Stück französisches Nationalheiligtum in Schleswig

0

Ein unscheinbar wirkendes Stück Leinenstoff sorgt international für große Medienresonanz und Aufmerksamkeit. Bei Erschließungsarbeiten eines Privatnachlasses fand das Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH) in Schleswig 2023 ein Fragment von der Unterseite des Teppichs von Bayeux. Landesarchivleiter Prof. Rainer Hering erläuterte in einer Pressekonferenz, warum dieser Fund so bedeutend ist, und bewies einmal mehr, wie wichtig Archivarbeit für das Bewahren von Kulturgut ist.

Dass bereits eine Presseeinladung solche Wellen schlägt, damit hatte Rainer Hering auch nicht gerechnet. In der Einladung war in Kurzform zu lesen, worum es sich bei dem Fund handelt. „Diese Presseeinladung war dann schon drei Wochen vor dieser Konferenz online zu lesen, es wurde bis Neuseeland berichtet. Es gibt wohl kaum ein Archiv, das allein mit einer Presseinladung so eine weltweite Resonanz gefunden hat“, so der Leiter des Landesarchivs.

Gewebe-Fragmente von der Unterseite des Teppichs von ­Bayeux Foto: LASH


Bei dem Teppich von Bayeux handelt es sich um nichts Geringeres als ein Stück französisches Nationalheiligtum mit einem 1982 eigens dafür errichtetes Museum in der Normandie. Der Teppich wurde im 11. Jahrhundert angefertigt, er misst 68 m x 50 cm, die Stickereien zeigen in 58 Einzelszenen die englisch-normannische Geschichte von 1064 bis zur Eroberung Englands (1066 Schlacht von Hastings) durch den normannischen Herzog Wilhelm den Eroberer. Seit 2007 steht der Teppich im Unesco-Register „Memory of the World“. Doch wie kommt dann ein so ungewöhnlicher Fund wie dieses Teppich-Fragment nach Schleswig?
Dazu erläuteterte Rainer Hering vorab die Aufgaben des Landesarchivs: „Als Gedächtnis des Landes sind wir für die dauerhafte Archivierung der rechtlich und historisch zentralen Unterlagen zuständig, die bei schleswig-holsteinischen Landeseinrichtungen und Gerichten sowie bei Bundesbehörden mit regionaler Zuständigkeit entstanden sind. Darüber hinaus dürfen wir auch Unterlagen aus Privathand übernehmen, von Firmen, Vereinen oder Verbänden. Denn schließlich wollen wir ja alle, dass Geschichte nicht nur aus der Perspektive des Staates geschrieben wird.“

Disziplin Textilarchäologie

Textilarchäologe Karl Schlabow (r.) im weißen Kittel bei den Forschungsarbeiten am Teppich 1941
Foto: LASH

Aus so einem Privatnachlass stammt der bedeutende Fund. 2022 erhielt das Landesarchiv den Nachlass des Textilarchäologen Karl Schlabow (1891-1984). „Er war einer der ersten Textilarchäologen überhaupt, hat diese Disziplin quasi mitgegründet und gehörte zu den wenigen Männern, die sich in diesem Bereich bewegten und arbeiteten“, so Hering. Textilien sei aus archäologischer Sicht über lange Zeit kein größerer Wert beigemessen worden, dabei könnten sie sehr viel auch über das Alltagsleben sagen.
Karl Schlabow wurde 1926 Leiter des Städtischen Museums in Neumünster, von 1947 bis 1956 wirkte er am Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte und baute das Industriemuseum in Neumünster, heute Museum für Tuch und Technik, weiter aus. Er wirkte an der Konservierung der Moorfunde von Nydam und Thorsberg sowie von vorgeschichtlichen Textilien mit. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet: 1951 ernannte ihn die Kieler Universität zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät, 1959 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1977 die Caspar-von-Saldern-Medaille der Stadt Neumünster. Als 2023 Archivarin Regina Bieck den Schlabow-Nachlass sichtete und erschloss, fand sie in den Unterlagen unter anderem eine Glasplatte mit Geweberesten. „Ich ahnte, dass es etwas Besonderes ist, und legte es meinem Vorgesetzten zur weiteren Prüfung vor.“ Anhand der Akten, die sich Nachlass befanden, sowie anhand der Beschriftung der Glasplatte konnten die Gewebereste dem Teppich von Bayeux zugeordnet werden. In der täglichen Archivarbeit sei das dann schon etwas Besonderes gewesen, erzählte Bieck: „So ein Fund passiert einem auch nicht jeden Tag und ich war schon überrascht und aufgeregt.“

Deutsches Ahnenerbe

Für Karl Schlabow, der 1933 NSDAP-Mitglied geworden war, waren germanische Vorstellungen prägend und die Ahnen „heilig“. 1939 wurde er in die vorgeschichtliche Abteilung des SS-Ahnenerbes aufgenommen und erhielt den Rang eines SS-Scharführers ehrenhalber. Die Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ wurde 1935 als privater Verein insbesondere auf Anregung des Reichsführers SS Heinrich Himmler (1900-1945) errichtet. Sie sollte den wissenschaftlichen Beweis für die Überlegenheit des deutschen Ariers durch Forschungen zum Indogermanentum – insbesondere zur germanischen Vorgeschichte – erbringen. In diesem Kontext war Karl Schlabow im Juni 1941 zu Forschungsarbeiten unter Führung von Herbert Jankuhn (1905-1990) für ein größeres Publikationsprojekt in Bayeux und entfernte für Materialanalysen die Gewebeprobe, die er sich persönlich aneignete und die in seinem Nachlass überliefert wurde.
„Dieses Forschungsprojekt hatte drei ideologische Zielrichtungen. Dargestellt wird auf dem Teppich die Eroberung Englands. Im Zweiten Weltkrieg sah man dies als historisches Zeichen, dass man es schaffen kann, England zu erobern. Als Zweites wollte man versuchen, die Normannen mit in eine germanisch-arische Geschichte zu integrieren und als Drittes sollte der völkische Führerstaat gerechtfertigt werden“, erläuterte Rainer Hering die Recherchearbeiten zu Karl Schlabow und dem Grund, warum das Teppich-Fragment nach Schleswig kam.

Historische Gerechtigkeit

Landesarchivleiter Prof. Rainer Hering präsentiert die Gewebereste des Teppichs sowie dazugehörige Akten.
Foto: Iris Jaeger

„Für mich ist klar, dass es sich um eine widerrechtlich erworbene Gewebeprobe handelt, um NS-Raubgut. Und für mich ist es selbstverständlich, dass es zurückgegeben wird. Das ist eine meiner zentralen Botschaften. Es ist ein Stück historische Gerechtigkeit, dieses unrechtmäßig Entfernte an Frankreich zurückzugeben, denn da gehört es hin“, betonte Rainer Hering.
Mit dem Museum in Frankreich und den französischen Behörden habe man Kontakt aufgenommen und auch das schleswig-holsteinische Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur einbezogen. „Es sind viele diplomatische Ebenen zu berücksichtigen, man kann die Glasplatte ja nicht einfach per Post zurückschicken. Der Austausch mit dem Bayeux-Museum in Frankreich verlief sehr gut und konstruktiv.“
Die Rückgabe der Glasplatte mit den Teppich-Fragmenten ist noch für das laufende Jahr geplant. Zuvor wird aber die Öffentlichkeit die Möglichkeit haben, die Gewebereste des Teppichs in der Sonderausstellung „Wikingerdämmerung – Zeitenwende des Nordens“ vom 16. April bis 2. November auf Schloss Gottorf in Schleswig zu besichtigen. „Das ist mit dem Bayeux-Museum so abgestimmt“, so der Leiter des Landesarchivs. 

Ausgleichszahlungen für Gänseschäden

Die im Frühling zahlreich, vor allem an der Nordsee, rastenden Weißwangen- und Nonnengänse verursachen große Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen auf Acker- und Grünland.

Das Umweltministerium (MEKUN) bietet seit Langem verschiedene finanzielle Ausgleichsmöglichkeiten an, zum Beispiel über den Vertragsnaturschutz. Die Richtlinie für Ausgleichszahlungen bei Schäden in ackerbaulichen Sommerkulturen geht nunmehr in das dritte Jahr. Dabei kann online ein Antrag auf Ausgleich nach einem definierten Verfahren gestellt werden. Informationen finden sich hier.

Eine weitere Richtlinie für Ausgleichszahlungen bei Schäden durch ziehende Wildgänse ist derzeit in der Erarbeitung im Landwirtschaftsministerium (MLLEV). Diese wird auch den Ausgleich auf Grünland und in Winterkulturen umfassen und den Gänsemelder nutzen.

Es wird darauf hingewiesen, dass für beide Richtlinien im ersten Schritt eine Meldung von Wildgänsevorkommen über den Gänsemelder zu erfolgen hat. Der Gänsemelder ist eine Online-Plattform, auf der flächenscharf Vorkommen gemeldet werden können. Neue Nutzer müssen sich als „Privatperson“ registrieren.

Für die Inanspruchnahme von später zu beantragenden Ausgleichszahlungen ist die Meldung erforderlich. Schäden sind spätestens 14 Tage nach Eintritt in den Gänsemelder einzutragen. Für weitere Fragen und Beratung steht der Fachbereich Umwelt und Gewässerschutz zur Verfügung.

Holsteiner Frühjahrskörung in Elmshorn

Ein Dutzend Hengste war für die Holsteiner Frühjahrskörung in Elmshorn angemeldet. Nach der Musterung auf dem Pflaster, dem Freispringen und der Vorstellung unter dem Reiter für die Vierjährigen und Älteren konnten fünf von ihnen die Körkommission um Zuchtleiter Stephan Haarhoff überzeugen. Anschließend standen eine Züchtermesse und eine Auktion auf dem Programm.

Unter den fünf neuen Vererbern, die von der Körkommission grünes Licht erhielten und fortan das Prädikat „gekört“ tragen, sind vier dreijährige. Cor Victor von Corniolo-Casall stammt aus der Zucht und dem Besitz von Dr. Antonio Conde. Die Pferde des Arztes aus Portugal stehen bei Thies Hansen in Wöhrden, Kreis Dithmarschen.

Conde berichtete, dass Cor Victor aus seiner besten Stute sei, die er vor 17 Jahren als Fohlen bei Nico Detlef auf Fehmarn gekauft habe. Zu der Zeit habe niemand den Vater Casall gekannt. Das Fohlen habe sich auch gar nicht nach seinen Vorstellungen entwickelt, denn die Stute sei nur 1,62 m groß geworden. Aber in der Zucht habe B Caravella dann überzeugt. Drei ihrer Fohlen seien jetzt gekörte Hengste. Alle Fohlen seien sehr kraftvolle und typvolle Pferde, wie auch Cor Victor. Ihn will Conde nicht verkaufen. Er sei ein „Keeper“, also ein Pferd zum Behalten.

Auch Zuchtleiter Stephan Haarhoff war voll des Lobes für den Hengst und bescheinigte ihm neben einem „herrlichen Gesicht, gepaart mit einem tollen Ausdruck, eine sehr gute Abwicklung des Sprunges – vor allem, wenn es höher wurde“.

Fremdblut vertreten

Ebenfalls zugelassen wurde Casall de Cord von Casall-Accord II. Jörg Kröger aus Quickborn, Kreis Pinneberg, zeichnet züchterisch verantwortlich für dieses Nachwuchstalent. „Einer der wohl auffälligsten Typen am heutigen Tage. Ein Pferd mit großen Linien und ganz leichter Aufmachung, das auch am Sprung von sich zu überzeugen wusste“, urteilte der Zuchtleiter.

Casall de Cord aus der Zucht und dem Besitz von Jörg Kröger aus Quickborn, Kreis Pinneberg, wurde in Elmshorn gekört. Foto: Janne Bugtrup

Der dritte Dreijährige ist Zuccatoki von Zuccero HV-Catoki, gezüchtet und ausgestellt von Harm Thormählen aus Kollmar, Kreis Steinburg. „Hier sahen wir einen richtigen Sportler mit ganz viel Kraft und einem herausragenden Vorderpferd, toller Halsung und einem starken Rücken, der am Sprung mit viel Bas­cule und Abdruck ausgestattet ist“, schwärmte Haarhoff von diesem Schimmel. Der Niederländer (KWPN) Semper fi von Mylord Car­thago-Grandorado TN wurde ebenfalls zur Zucht zugelassen.

„Das Niveau in diesem Jahr war bei unserer Frühjahrskörung sehr erfreulich. Insbesondere die Dreijährigen überzeugten durchweg am Sprung. Auch der uns präsentierte bereits sieben Jahre alte Dressurvererber Sky von Sezuan aus dem Gestüt Schönweide in Grebin, Kreis Plön, hat bleibenden Eindruck hinterlassen und mit seinen drei sehr guten Grundgangarten brilliert“, so Haarhoff. Der Prämienhengst der Hannoveraner Körung 2020 hatte seinen 50-Tage-Test mit Höchstnoten beendet. Unter anderem bekam er viermal die 9,0 für Interieur, Charakter, Leistungsbereitschaft und Galopp. Der Fremdreiter Philip Hess gab ihm sogar eine 9,75 für die Rittigkeit. Im vergangenen Jahr absolvierte er sein Debüt in Klasse M, qualifizierte sich zweimal für das Bundeschampionat und holte als Finalist in Warendorf mit einer 9,5 die beste Trabnote des Tages.

Messe und Bieterduell

Nach der Körung ging es in der Elmshorner Fritz-Thiedemann-Halle interessant weiter. Auf der Züchtermesse hatten Hengsthalter Stände errichtet und konnten so nicht nur in den direkten Austausch mit Züchtern treten, sondern auch ihre Stationen und Hengste präsentieren. Fachvorträge über den Weg zum Wunschfohlen sowie Eintragungs- und Registrierungsmöglichkeiten beim Holsteiner Verband waren ebenfalls im Angebot – ein Rundumpaket von der Wahl des passenden Hengstes bis zur Fohlengeburt und -registrierung.

Am Abend trat Auktionator Hendrik Schulze-Rückamp ans Pult und die Bieterduelle der Frühjahrsauktion begannen. Die meisten Begehrlichkeiten weckte Mr. Cheeky von Million Dollar-Diarado aus der Zucht von Michael Rump aus Beidenfleth, Kreis Steinburg. Ausgestellt wurde der dunkelbraune Wallach von Yannick Lembke aus Süderlügum, Kreis Nordfriesland. Für 44.250 € sicherten sich Online-Bieter den Sechsjährigen, der bereits Erfolge in Springen bis 1,10 m vorweisen kann.

Mr. Cheeky von Million Dollar-Diarado aus der Zucht von Michael Rump aus Beidenfleth, Kreis Steinburg, wurde teuerstes Pferd der Auktion. Foto: Janne Bugtrup

Zum Preis von 38.000 € wechselte der fünfjährige Ancelotti von All Star-Calido I vom Zuchthof Hollen aus Niedersachsen den Besitzer. Ancelotti, der ebenfalls schon erste Platzierungen gesammelt hat, wird seine Reise in die USA antreten. Ziro von Zuccero HV-Dinken aus der Zucht und dem Besitz von Sören von Rönne aus Neuendeich, Kreis Pinneberg, kostete 37.500 €. Der dreijährige Schimmelhengst wird zukünftig in Ungarn zu Hause sein. Die Pferde kosteten im Durchschnitt rund 25.000 €. pm

Elfenblumen überzeugen als robuste Bodendecker

0

Jetzt im April scheinen die zarten Blüten der Elfenblumen über dem Laub zu schweben. Aus der Distanz sind die dünnen Blütenstielchen kaum wahrzunehmen. Je nach Art und Sorte erstrahlen die Blüten in Weiß, Rot und verschiedenen Gelbtönen. Aber auch Violett, Rosa und Zweifarbiges gehören zur Farbenpalette dazu. Doch sehenswert ist auch das Laub der robusten Bodendecker.

Elfenblumen springen einem nicht gleich beim ersten Anblick ins Auge. Denn weder die zarten Blüten noch das vielfältige Laub beeindrucken durch schiere Größe. Ihre Schönheit offenbart sich erst bei genauem Hinsehen. Hinzu kommt, dass die Staude etwas Zeit zum Etablieren braucht und die Blütezeit von April bis Mai vergleichsweise kurz ausfällt. Man traut der Elfenblume (Epimedium) mit ihren graziösen Blüten und dem hübschen Laub gar nicht diese Nehmerqualitäten zu, die sie im Garten an den Tag legt. Problemlos besiedeln Elfenblumen jene schattige Stellen, wo sonst gar nichts so recht wachsen mag, und zeigen dabei auch längerer Sommertrockenheit die kalte Schulter. Die meisten Arten sind immergrün und rhizombildend. Die horstbildenden Varianten hingegen werfen ihr Laub im Winter meist ab.

Die zarten Blüten der Elfenblume schweben an dünnen Stielen über dem attraktiven Laub. Foto: Karin Stern

Die aus Europa und Vorderasien stammenden Arten der Elfenblume sind meist wintergrün. Sie zeigen sich als genügsame Bodendecker, die, einmal eingewachsen, auch Trockenperioden problemlos überstehen. Diese Arten bilden unter Laubgehölzen dichte Teppiche. Die elfengleichen Blüten kommen darüber sehr gut zur Geltung, wenn das alte Laub vor dem Neuaustrieb im Frühling abgeschnitten wird. Die Rhizomteppiche der Elfenblumen graben Nachbarn meist das Wasser ab. Doch bei zeitgleicher Pflanzung behaupten sich Orientalische Nieswurz (Helleborus orientalis), Wald-Geißbart (Aruncus dioicus), Russel-Brandkraut (Phlomis russeliana) und der Echte Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) gegen den Ausbreitungsdrang der rhizombildenden Arten.

Neuere Sorten der Elfenblume präsentieren oft farbstarke, etwas größere Blüten. Foto: Karin Stern

Die sommergrünen Arten der Elfenblumen stammen meist aus dem ostasiatischen Raum. Mit Wurzeldruck von Gehölzen und großen Stauden kommen sie nicht so gut zurecht. Zudem sollte der Boden nicht zu trocken sein. Die horstig wachsenden Pflanzen werden gern in kleinen Gruppen gepflanzt. Sie passen gut in konkurrenzarme, schattig gelegene Beete. Empfehlenswerte Nachbarn sind Lerchensporn, Schattengräser, frühjahrsblühende Anemonen, Funkien und Salomonssiegel. Ganz apart wirken der frische Laubaustrieb und die zarten Blüten der Elfenblumen in Kombination mit Zwiebelblühern wie Schneeglöckchen, Hundszahnlilie und Puschkinie.

Immer mehr Gartenfreunde wenden sich der zierlichen Schönheit zu und finden Gefallen an den eigenwillig gespornten Blütenformen und dem bunten Laubaustrieb einiger Arten und Sorten. Von großem Interesse sind dabei die neueren, großblütigen Sorten wie die horstbildende Hybride ‚Amber Queen‘. Ihre reich verzweigten Blütenrispen können bis zu 60 cm hoch werden. Tipp: An eine geschützte Stelle pflanzen, damit die jungen Blätter bei Spätfrost keinen Schaden nehmen. Die wintergrünen Blätter sind häufig bräunlich marmoriert. Rhizombildende Elfenblumen sind in der Regel gut winterhart. Es empfiehlt sich jedoch, Neupflanzungen und alle sommergrünen Arten (ihre Wurzeln verlaufen sehr oberflächennah) mit einer Laubschicht zu schützen.

Zum Sortiment zählen auch zweifarbige Blüten. Ihre Schönheit offenbart sich bei genauem Hinsehen. Foto: Karin Stern

Elfenblumen lieben halb- bis vollschattige Standorte. Als Bodendecker für den Wurzelbereich großer Gehölze empfehlen sich vor allem die Sorten ‚Orangekönigin‘, ‚Sulphureum‘ und Epimedium pinnatum. Sie behaupten sich dort über Jahrzehnte und trotzen dabei Trockenheit ebenso wie Nährstoffmangel und Dauerregen. Etwas heikler in dieser Hinsicht sind Epimedium grandiflorum und Epimedium x youngianum. Sie bevorzugen eher durchlässigen, humosen und nicht zu nährstoffarmen Boden im Halbschatten. Allzu trockene Standorte vertragen sie nicht. Ab und zu ist bei allen Arten ein Blattrückschnitt fällig, damit die Bodendecker nicht zu sehr in die Höhe wuchern. Wer den Schnitt von Sommer bis Winterende vornimmt, schadet der Pflanze nicht, sondern sorgt für einen frischen Austrieb. Das Breitenwachstum lässt sich durch Abstechen des Wurzelgeflechts mit dem Spaten begrenzen. 

,Frohnleiten‘ ist eine wertvolle, wintergrüne Sorte. Der anspruchslose Bodendecker passt gut unter Laubgehölze. Foto: Karin Stern

Vielfalt der Epimedium-Arten im Überblick (Auswahl):
Rhizombildende Bodendecker:
Epimedium perralchicum ‚Frohnleiten‘
Epimedium x versicolor ‚Sulphureum‘
Epimedium alpinum (sommergrün)
Epimedium pinnatum
Epimedium pauciflorum
Epimedium warleyense ‚Orangekönigin‘
Epimedium epsteinii

Horstbildende Arten:
Epimedium grandiflorum ‚Amber Queen‘
Epimedium omeiense ‚Akane‘
Epimedium pubigerum (immergrün)

Langsame Ausbreitung in der Fläche:
Epimedium ‚Enchantress‘ (üppige, rosafarbene Blüte)
Epimedium x rubrum
Epimedium stellulatum ‚Wudang Star‘
Epimedium warleyense ‚Ellen Willmott‘
Epimedium x youngianum ‚Roseum‘

Buntes Laub beim Austrieb:
Epimedium grandiflora ‚Lilafee‘
Epimedium perralchicum ‚Frohnleiten‘
Epimedium grandiflorum ‚Amber Queen‘

Attraktive Herbst- und Winterfärbung:
Epimedium x versicolor ‚Sulphureum‘
Epimedium warleyense ‚Ellen Willmott‘
Epimedium stellulatum ‚Wudang Star‘

Foto: Imago

Dezember-Viehzählung: Weniger Schweine in der EU

0

In der EU hat sich der Abbau des Schweinebestandes im vergangenen Jahr abgeschwächt. Nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) wurden bei der Erhebung im Dezember 2024 insgesamt 131,985 Millionen Schweine gezählt; das waren 877.000 oder 0,7 % weniger als ein Jahr zuvor. Gegenüber Dezember 2022 errechnet sich ein Rückgang um 2,43 Millionen Tiere beziehungsweise 1,8 %. Der Bestand an Zuchtsauen, der in den zwölf Monaten bis Dezember 2023 um 1,1 % aufgestockt worden war, wurde nun wieder reduziert, und zwar um 3,5 % auf 10,15 Millionen Tiere im Dezember 2024.

Gedeckt waren zum Zeitpunkt der jüngsten Viehzählung knapp 6,92 Millionen Sauen, womit die Vergleichszahlen aus den beiden Vorjahren um 2,4 % beziehungsweise 2,1 % verfehlt wurden. Den EU-weiten Ferkelbestand beziffert Eurostat auf etwa 39,96 Millionen Tiere; das waren 1,6 % weniger als im Dezember 2023, aber 1,1 % mehr als ein weiteres Jahr zuvor.

Bei den Jungschweinen bis 50 kg wurde ein Zuwachs um 3 % auf 28,41 Millionen Tiere verzeichnet; das waren allerdings 0,8 % weniger als ein weiteres Jahr zuvor. Die Zahl der Mastschweine mit einem Gewicht von 50 kg und mehr verringerte sich im Jahresvergleich hingegen um 1,3 % und zu Dezember 2022 um deutliche 4,3 % auf nur mehr 53,33 Millionen Stück.

Starker Rückgang in Polen und Italien

In den einzelnen Mitgliedstaaten verlief die Entwicklung sehr uneinheitlich. Spanien als größter Produzent meldete im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme des Schweinebestandes um 2,1 % auf 34,52 Millionen Stück. Damit wurde auch das bisherige Rekordniveau von Dezember 2022 übertroffen, und zwar um 1,3 %. Unter den größeren Erzeugerländern verzeichnete nur noch Dänemark ebenfalls eine Bestandsaufstockung, und zwar um 1,9 % auf 11,58 Millionen Schweine. Im Gegensatz dazu nahm deren Zahl in Deutschland weiter ab, wenn auch nur noch um 0,2 % auf 21,18 Millionen Tiere, womit das Niveau von 2022 um 0,9 % unterschritten wurde.

Weiter abwärts ging es auch in Frankreich und den Niederlanden, wo mit zuletzt knapp 11,72 und 10,18 Millionen Schweinen 0,7 % beziehungsweise 1,9 % weniger gezählt wurden als im Dezember 2023. Einen deutlich kräftigeren Abbau des Schweinebestandes meldete Polen mit 7,1 % auf 9,08 Millionen Tiere. Einen regelrechten Einbruch verbuchte die Schweinehaltung in Italien, wahrscheinlich mit verursacht durch die auch dort grassierende Afrikanische Schweinepest (ASP). Italienweit standen nur mehr 7,82 Millionen Schweine in den Ställen, 14,7 % weniger als gegen Ende 2023.

Etwas weniger gedeckte Sauen in Spanien

Im Unterschied zum gesamten Schweinebestand wurde die Zahl der Zuchtsauen in Spanien in den zwölf Monaten bis Dezember 2024 kräftig reduziert, nämlich um 5,6 % auf 2,61 Millionen Stück. Bei den gedeckten Sauen betrug das Minus aber nur 0,7 % auf 1,77 Millionen Tiere.

In Deutschland nahmen sowohl der Zuchtsauenbestand als auch die Zahl gedeckter Sauen um 0,3 % auf knapp 1,40  beziehungsweise 1,00 Millionen Tiere ab. In Frankreich fiel der Rückgang mit 1,8 % auf 836.000 Zuchtsauen und mit 2,5 % auf 581.000 gedeckte Sauen stärker aus. Dänemark meldete dagegen für diese Bestände einen Zuwachs von jeweils gut 2 % auf 1,16 Millionen sowie 719.000 Tiere. Eine sehr kräftige Abstockung des Zuchtsauenbestandes verzeichneten die Niederlande. Gegenüber Dezember 2023 ging die Zahl um 14 % auf 783.000 und die Zahl der gedeckten Sauen um 11,9 % auf 496.000 zurück.

Ähnlich stark fiel der Herdenabbau in Polen mit 9,6 % auf 600.000 und 9,9 % auf 411.000 Stück aus. In Italien ging der Bestand um 8 % auf 597.000 zurück, während die Zahl der gedeckten Sauen um 9,2 % auf 497.000 abnahm. 

Die „Braut“ kommt aus dem Privatwald

0

Seit 1972 werden im Frühjahr in Schleswig-Holstein wertvolle Stammhölzer vor allem verschiedener Laubbaumarten gebündelt und zum Verkauf angeboten. Dafür stehen zwei zentral gelegene Holzlagerplätze (Daldorf im Kreis Segeberg und Lanken im Kreis Herzogtum Lauenburg) zur Verfügung. Das angewandte Verkaufsverfahren nennt sich Submission, eine Auktion mit schriftlichem Gebot der Kaufinteressenten. Ende Februar kamen 2.771 fm der wertvollsten Hölzer aus den Wäldern des Landes im Rahmen dieses schriftlichen Meistgebotsverfahrens zum Verkauf. Das Wichtigste vorweg: Die sogenannte Braut stellte der Privatwald, der „Bauer“ kommt aus den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF).

Der teuerste Stamm der Submission wird als „Braut“ bezeichnet. Hier ist der höchste gebotene Eurobetrag je Festmeter ausschlaggebend. In diesem Jahr ging diese begehrte Trophäe an einen Waldbesitzer des Privatwaldes in Dobersdorf im Kreis Plön. 2.840 €/fm und einen Gesamtpreis von 10.706,80 € brachte dieser Exzellenzstamm. Mit zusammen 3,77 fm war er auf allen schleswig-holsteinischen Submissionen der insgesamt am höchsten bebotene. Der Eichenstamm wurde von einem Furnierwerk aus Lohr am Main gekauft. Er wird dort zu Furnier verarbeitet werden. Der insgesamt wertmäßig teuerste Stamm wird als „Bauer“ bezeichnet. Hier punktete in diesem Jahr ein Stamm aus den SHLF. Mit einem Volumen von 4,1 fm erzielte er einen Preis von 2.724 €/fm und einen Gesamterlös von 11.174 €. Käufer ist ebenfalls ein Furnierbetrieb aus der Nähe von Frankfurt am Main.

Mit 3,77 fm war diese Eiche von allen vier schleswig-holsteinischen Submissionen der insgesamt am höchst bebotene Stamm. Er kommt aus einem Privatwald im Kreis Plön, hat eine Länge von 6,8 m und einen Mittendurchmesser von 84 cm (unter Rinde) und ist damit die sogenannte Braut.

Eiche bleibt preislich stabil

Dr. Chris Freise ist Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) und zeigt hier den teuersten Einzelstamm der Submissionen. Es ist eine Eiche aus den Wäldern der SHLF. Mit einem Volumen von 4,1 fm erzielte dieser Stamm einen Preis von 2.724 €/fm und einen Gesamterlös von 11.174 €. Er wurde an einen Furnierbetrieb aus der Nähe von Frankfurt am Main verkauft.

Der Schwerpunkt lag erneut bei der Eiche. Es lieferten 28 Waldbesitzer. Die gegenüber den Vorjahren immer noch verringerte Holzmenge war markt- und witterungsbedingt beeinflusst. Viele Kunden signalisierten im Vorfeld jedoch auch einen konjunkturbedingt eher verhaltenen Absatz ihrer Produkte und somit eine geringere Nachfrage. „Die Eiche bleibt preislich erneut sehr stabil“, sagte Dr. Manfred Quer. Er ist Geschäftsführer der Schleswig-Holsteinischen Holzagentur (HOAG). Für Eiche wurde bei den Werthölzern der durch die von der HOAG repräsentierten Forsten ein Durchschnittspreis von 728,84 €/ fm (2024: 723 €/ fm; 2023: 679 €/fm) für die verkauften Hölzer errechnet: ein um 0,78 % besserer Wert als im sehr guten vorigen Jahr 2024 und der zweitbeste Wert seit 26 Jahren. Es wurden außerdem Lärchen- und Douglasienwerthölzer angeboten. Beide Nadelholzarten blieben in diesem Jahr hinter den Erwartungen der Anbieter zurück, Lärche: Höchstpreis 354 €/fm, Durchschnittspreis 278 €/ fm; Douglasie: Höchstpreis 351 €/fm, Durchschnittspreis 282 €/ fm. Die Ergebnisse im Detail und die der Landesforsten finden sich im Internet unter lksh.de/forst

Hintergrund zur Submission

In diesem Jahr wurde das Holz am 26. Februar nach festgelegten Regeln meistbietend verkauft. Die offiziellen Ergebnisse gab es zwei Tage später. In Daldorf wurde das Wertholz des Privatwaldes zusammen mit dem Wertholz der SHLF präsentiert. Zudem hatten einige wenige Waldbesitzer aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern Werthölzer angefahren. In Lanken wurde das Holz der Kreisforsten Lauenburg, des Stadtwaldes Mölln und des Stadtwaldes Lübeck angeboten.

Die Eiche ist die wertvolle Hauptbaumart, und so verschenkte Dr. Manfred Quer auch diesen Anhänger in Form einer Eichel an seine Partner bei den Landesforsten.

Schon Mitte Dezember wurden die Hölzer bei den beiden Submissionsplätzen angeliefert und in Reih und Glied ausgelegt. Mitte Januar wurden die Verkaufskataloge (Losverzeichnisse) den Kaufinteressenten zur Verfügung gestellt. Die Kaufinteressenten konnten dann in einem Zeitfenster von zirka drei Wochen das Holz begutachten und ihr schriftliches Gebot termingerecht abgeben. Insgesamt haben sich 13 Bieter aus ganz Deutschland und Dänemark an den Submissionen beteiligt. Verkauft wurden acht verschiedene Holzarten, vor allem Eichen und Douglasien sowie geringe Mengen anderer Hölzer wie Esche, Lärche, Ahorn, Kirsche, Ulme und Roteiche. Das wertvolle Laubholz geht vor allem an Furnier-Hersteller und Sägewerke, die daraus hochwertiges Schneideholz beispielsweise für die Möbelproduktion herstellen. Starke Eichen, Eschen und Douglasien werden zum Teil auch für edle Fußbodendielen oder für besonders wertvolle Schlossdielen und für Tischplatten verwendet. Zum Erfolg einer Submission tragen zahlreiche Menschen bei: Holz einschlagende Forstwirte, Holzrücker, Fuhrleute, Taxierteam, Platzorganisatoren und schließlich die Holzkäufer.

Fazit

Der Waldbesitz in Schleswig-Holstein ist mit dem Ergebnis der diesjährigen Submissionen insgesamt zufrieden. Die Preise für die wichtigste Holzart der Submissionen, für die wertvollen Eichen, sind gegenüber den Vorjahren stabil geblieben, weil die Eiche in vielen Verwendungsbereichen weiterhin eine sehr gefragte Holzart ist. Thies Mordhorst, Abteilungsleiter für Holzmarkt bei den SHLF, und Dr. Manfred Quer, Geschäftsführer der Schleswig-Holsteinischen Holzagentur, bewerten das Ergebnis gleichermaßen positiv. Die alljährlichen Submissionen von wertvollem Laubholz werden seit über 50 Jahren durchgeführt. Sie verkörpern in besonderer Weise die Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft und sind ein besonderes Schaufenster für die Entwicklungen auf dem Laubholzmarkt.

Kupierverzicht und Buchtenstruktur

0

Eine erfolgreich umgesetzte Buchtenstruktur macht einen ­Unterschied, wenn es um die ­Haltung unkupierter Ferkel geht. Im folgenden Beitrag werden jüngste Erfahrungen der Versuchsstation Wehnen aus einem Umbau vorgestellt.

Das Konsortialprojekt zum Verzicht auf Schwanzkupieren beim Schwein (KoVeSch) wurde von 2018 bis 2022 unter anderem in den Ställen der Versuchsstation Wehnen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen durchgeführt. Ziel des Projektes war es, Maßnahmen zu entwickeln, die es Landwirten ermöglichen sollen, langfristig auf das Schwanzkupieren zu verzichten. Die Ergebnisse zeigten, dass eine verbesserte Buchtenstrukturierung das Schwanzbeißgeschehen maßgeblich beeinflusst. Daher wurde im September 2024 ein weiteres Abteil der Versuchsstation in Wehnen im Rahmen des Forschungsprojektes „TiPP (Transparency in Pig Production)“ verändert, um dem Schwanzbeißen mit dem Umbau und Einbau weiterer Klimasensoren näher auf den Grund zu gehen.

Struktur der Buchten

Die sechs Buchten der Ferkelaufzucht (FAZ) wurden bereits 2021 als Dreiflächenbucht aufgebaut. Diese bestehen aus jeweils einem Kotbereich mit Tränkevorrichtungen auf Gussrosten, daran anschließend einem Aktivitäts-, Fress- und Beschäftigungsbereich auf Kunststoffspalten und am Versorgungsgang gelegen einem Liegebereich – ebenfalls aus Kunststoffspalten. Im Ergebnis wurde von den Tieren keine klare Buchtennutzung umgesetzt. Zudem kam es zu häufig zu Schwanzbeißereignissen.

Die erste Optimierung zur Verbesserung der Buchtenstruktur fand dann 2023 statt. Anders als zu Beginn 2021/22 wurden zusätzlich abgedunkelte Bereiche geschaffen. Durch Ausschaltung einer Lichtleiste konnten die Akzeptanz der Buchtenstruktur und das Abliegen im angestrebten Liegebereich verbessert werden. In vier der sechs Buchten haben die Tiere den Kot- und Liegebereich korrekt angelegt und setzten dies an Tag 25 weiterhin um (Bilderserie 1). Nichtsdestotrotz gab es Optimierungsbedarf, da die Situation der Buchtenstruktur und der Schwanzbeißereignisse für den Betrieb noch nicht zufriedenstellend war, sodass umgebaut wurde.

Ferkel im Mikroklimabereich

2024 wurde das Ferkelaufzuchtabteil mit einem Mikroklimabereich (Abdeckung mit durchgängigem Lamellenvorhang) ausgestattet.

Die untere Bilderserie 2 zeigt die Akzeptanz der Buchtenstruktur an Masttag 14, nachdem ein Mikroklimabereich (ohne Heizung) eingebaut wurde. Die 24 Ferkel pro Bucht nehmen den Mikroklimabereich an, der zu 50 % mit Betonelementen und zu 50 % mit Kunststoffspalten (10 % Perforation) ausgelegt ist. Im Ergebnis kam es bis zu diesem Zeitpunkt zu keinerlei Schwanzbeiß­ereignissen, was besonders mit der gelungenen Buchtenstruktur begründet wird. Erfahrungsgemäß treten während dieser Aufzuchtperiode die ersten Schwanzbeißereignisse auf.

In Bilderserie 3 ist die Buchtenstruktur an Tag 28 zu sehen. Die Ferkel setzen die Buchtenstruktur weiterhin gut um, auch wenn Einzeltiere sich weitläufiger in der Bucht verteilt zur Ruhe legen. Je Ferkel sind 0,13 m² im Mikroklimabereich verfügbar. Die Gesamtfläche von 3,1 m² (1,2 m x 2,6 m) wird aber nicht zu 100 % ausgenutzt, da zwischen den Tieren noch kleine Lücken zu finden sind. Ein „effizientes“ Ablegen wird erfahrungsgemäß erreicht, wenn die Seitenverhältnisse des Liegebereichs optimal sind. Die Tiefe des Mikroklimabereiches wäre dabei nach der Länge des Tieres ausgerichtet, wie man es unter anderem aus dem Nürtinger System kennt. Begründet durch diverse weitere Ansprüche an die Haltungsumgebung wird oftmals von diesem Prinzip abgewichen. Bei der Beurteilung des vorzuhaltenden Liegeplatzes ist dies allerdings zu berücksichtigen.

Bilderserie 4 zeigt die Einhaltung der Buchtenstruktur an Tag 37, also einen Tag vor dem Ende der Ferkelaufzucht. Die Struktur ist grundsätzlich weiter umgesetzt, die vorherige Situation der Nutzung des Liegebereichs hat sich allerdings verstärkt.

Kamerabilder Bucht 1 bis 6 am 21. Oktober 2024, 8.30 Uhr, Tag 14 in FAZ
Kamerabilder Bucht 1 bis 6 am 4. November 2024, 11.06 Uhr, Tag 28 in FAZ
Kamerabilder Bucht 1 bis 6 am 13. November 2024, 7.44 Uhr, Tag 37 in FAZ

Klimaverhältnisse im Blick

Zur Einhaltung der Buchtenstruktur müssen als Grundvoraussetzung die passenden Klimaverhältnisse vorherrschen. In Tabelle 1 sind die aktuelle Klimakurve sowie die Klimaverhältnisse während Bilder­serie 1 dargestellt. Aufgrund der fehlenden Mikroklimaheizung wird das Abteil mit 28 °C zunächst wärmer eingestellt, vor allem damit sich die Betonelemente im Liegebereich ausreichend erwärmen und austrocknen, sodass die Ferkel sich dort ohne Erkrankungsrisiko ablegen können. Die Betonelemente wurden bewusst in den Mikroklimabereich der Liegekiste gelegt, da die Ferkel so bei zunehmendem Alter und Gewicht eine verbesserte Thermoregulierung betreiben können. Dadurch bleibt der Liegebereich attraktiv. Innerhalb weniger Tage wird die Abteiltemperatur auf 25 °C und binnen einer Woche auf 23,3 °C abgesenkt. So wird sichergestellt, dass die Ferkel ausschließlich den geschützten Liegebereich als solchen nutzen.

Eine eingehaltene Buchtenstruktur und der richtige Wärmehaushalt der Ferkel sind zwei wesentliche Faktoren, die bei der Haltung unkupierter Tiere beachtet werden müssen. In dem vorgestellten Durchgang wird beides als passend bewertet, auch wenn die Soll-Temperatur zum Ende der Ferkelaufzucht nicht erreicht wurde.

Die Klimakurve lässt sich bei entsprechenden Außentemperaturen leichter einhalten. Wie sich die Situation im Sommer und bei höheren Temperaturen darstellt, bleibt abzuwarten. Naheliegend ist, dass dann mit einer Luftkonditionierung stärker unterstützt werden muss.

Leistungen und Verletzungen

Am Ende müssen auch die biologischen Leistungen passen. Diese sind in Tabelle 2 zu sehen. Mit 490 g liegt die Tageszunahme (TZ) bei 5,5 Wochen Aufzuchtdauer um knapp 20 g über dem Jahresdurchschnitt in dem Abteil. Letztlich stellte sich dieser Durchgang mit guten Leistungen und einer passenden Gesundheit (1,4 % Verluste) dar.

Ein Wermutstropfen bleibt. Zum Ende der Aufzucht kam es in dem Durchgang noch zu Schwanzverletzungen. Als Ursache wird vor allem punktueller Ressourcenstress (Futter/Beschäftigungsmaterial), aber auch ein besonders hohes Fliegenaufkommen gesehen.

Möglichkeiten der Technik

Die verbaute Kameratechnik macht es grundsätzlich möglich, die Situation im Stall 24 Stunden täglich zu überwachen und zu beurteilen. Neben der Akzeptanz der Buchtenstruktur kann vieles überwacht werden: zum Beispiel Fütterungszeiten, Kämpfe um Ressourcen, Ressourcenverschwendung, die Schwanzhaltung, Schwanzbeißereignisse und die Tätertieridentifikation.

Durch Ergänzung weiterer Techniken, deren Kombination und die Nutzung Künstlicher Intelligenz könnten automatische (Früh-)Warnsysteme eingerichtet werden, die den Landwirt in der Überwachung unterstützen beziehungsweise gezielt Fokuspunkte setzen können, auf die sich der Landwirt primär konzentrieren kann. Insgesamt stünden mehr Informationen zur Verfügung und effizienteres, zielgerichteteres Arbeiten wäre möglich. Genau dieser Zielsetzung wird in diversen Projekten – auch an der Versuchsstation in Wehnen – nachgegangen. 

Fazit

Die Optimierung der Buchtenstruktur lässt sich auf Basis dieses Durchgangs als Erfolg bewerten. Die Schwanzbeißereignisse während des sonst besonders kritischen Zeitraums von Tag 14 bis 20 sind ausgeblieben. Die zum Ende leicht auftretenden Schwanzbeißereignisse zeigen einmal mehr den multifaktoriellen Einfluss und den hohen Anspruch unkupierter Tiere an den Tierbetreuer, jegliche Stresspotenziale zu unterbinden. In dem jüngsten Durchgang (beendet 30. Januar 2025) konnten Schwanzbeißereignisse nochmals weiter reduziert werden. Die Haltung unkupierter Tiere ist möglich – bei konsequenter Umsetzung baulicher Grundlagen auch in geschlossenen Ställen. Zudem ist das Vorhalten von Notfallmaßnahmen wichtiger Bestandteil des Managements. Ob der Umbau auch langfristig gut funktioniert oder wo gegebenenfalls noch nachjustiert werden muss, wird sich zeigen. Aufgrund bisheriger positiver Erfahrungen aus älteren, ähnlich gestalteten Abteilen der Versuchsstation ist man hier optimistisch.


Für das EIP-Projekt „DeTail – Detection of Tail Biting“ steht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen der operationellen Gruppe in beratender Tätigkeit zur Seite. Das Vorhaben, für das das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein als Leadpartner fungiert, wurde in Ausgabe 12 vom 23. März 2024 ein erstes Mal vorgestellt. Ein weiterer Artikel erschien in der Ausgabe 49 vom 7. Dezember 2024. 

Juliane Ahlhorn, Landwirtschaftskammer SH