Bestimmt hat schon jedes Mitglied im Bauernverband mit seiner Kreisgeschäftsstelle zu tun gehabt, und sicherlich ist ihm oder ihr dort bei dem Anliegen geholfen worden. Doch was umfasst eigentlich das gesamte Spektrum einer Kreisgeschäftsstelle, und wie sieht ihr Alltag aus? Das Bauernblatt hat sie besucht, heute: die Kreisgeschäftsstelle für den KBV Plön.
„Land der dunklen Wälder und kristall‘nen Seen“ – was das Ostpreußenlied besingt, könnte auch der Kreis Plön sein, besitzt er doch die meisten Seen in Schleswig-Holstein und unter ihnen die beiden größten, den Großen Plöner und den Selenter See. (Wobei „kristallklar“ – es gibt derzeit ein Blaualgenproblem!) Dazu kommt reichlich Wald in der Holsteinischen Schweiz, die sich der Kreis mit Ostholstein teilt. Manche Landwirte betreiben Campingplätze oder Ferienwohnungen, auch an der Plöner Ostseeküste – ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein.
Tourismus und Naherholung
„Das ist Naherholungsgebiet pur – nicht mit Action, sondern mit viel Ruhe und Entspannung, und das prägt den Kreis“, sagt André Jöns. Er leitet seit drei Jahren die Kreisgeschäftsstelle als Nachfolger von Dr. Dierk Boie. Unterstützt wird er von Bianca Petersen, seit 2003 in der Geschäftsstelle im Zentrum der Kreisstadt, und Karen Holst, die seit eineinhalb Jahren dabei ist. „Sie unterstützen mich in sämtlichen Dingen“, sagt Jöns, etwa bei Pachtverträgen, die immer individuell erstellt werden, die Flurstücke werden dabei stets auf Stand gebracht. „Wenn ein Pachtvertrag erneuert wird, werden nicht einfach die alten Angaben überschrieben, es wird alles aktuell überprüft.“ Jöns ist überzeugt: „Gut erstellte Verträge führen zu weniger Streitigkeiten. Jetzt ist man sich einig, in fünf Jahren vielleicht nicht mehr. Da ist es fatal, wenn etwas schwammig formuliert ist.“
Viele Betriebsformen
Die Landwirtschaft im Kreis hat teil am Östlichen Hügelland in der Probstei und der Holsteinischen Schweiz mit Ackerbau auf sehr fruchtbarem Boden und im Süden an der Geest, wo die Milchviehhaltung zunimmt. Zum Kreisverband gehören auch die Mitglieder im gesamten Gebiet der kreisfreien Stadt Neumünster und diejenigen, deren Flächen sich auf das östliche und südliche Gebiet der Stadt Kiel erstrecken. „Wir haben hier viele Betriebsformen“, sagt Jöns. Über dem Norden des Kreises liegt auch der „Gürtel“ der historischen Adligen Güter wie Panker, Rantzau oder Rixdorf, auf Letzterem finden auch Kreisbauerntage statt. „Denkmalgeschützte Herrenhäuser sehen wunderschön aus, kosten aber viel in der Unterhaltung“, merkt der Geschäftsführer an.
Auswirkung der Seen
Die vielen Seen und das Schwentinetal haben nicht nur ästhetische Bedeutung, sie haben auch bewirkt, dass dort viele Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, die für die Landwirtschaft Einschränkungen nach sich ziehen. Auch über Nährstoffeinträge kämen dort immer wieder Diskussionen auf, weiß Jöns: „Der Naturschutz ist hier stark vertreten.“ Die Wasserflächen ziehen zudem Wildvögel an: „Ein Gänseproblem gibt es nicht nur an der Westküste, es nimmt auch hier von Jahr zu Jahr zu.“
Und eine weitere, triviale Folge des vielen Wassers: „Es ist einfach sehr nass“, sagt Jöns, „man kann nicht immer fahren, wenn man möchte.“ Oft müssten große Stücke nachgesät werden, mit viel Arbeit und Kosten für die Landwirte, und das muss auch in den Agrarantrag eingearbeitet werden. Damit sind wir wieder beim täglichen Geschäft der Kreisgeschäftsstelle.
Dass Jöns nach drei Jahren noch dabei ist, die Mitglieder in seinem Kreis kennenzulernen, ist für ihn stimmig. „Man lernt eine Familie nicht bei einem Treffen kennen, sondern durch langjährige Zusammenarbeit. Die Landwirte müssen uns manchmal Sachen offenbaren, die sie kaum einem anderen erzählen würden. Dieses Vertrauen muss aufgebaut werden. Das braucht Zeit und muss wachsen.“ Auf dieses Vertrauen setzen er und seine Mitarbeiterinnen. „Alles, was wir hier besprechen, bleibt in diesem Büro“, verspricht Jöns.
Hofüberlassung rechtzeitig zur Saison geschafft
Es musste dann möglichst rasch gehen mit der Hofüberlassung, damit Johannes Nohrden (30) noch die Junglandwirteprämie für die Bewirtschaftungssaison 2024 beantragen konnte. Und es hat geklappt: Im Mai konnte er rechtzeitig den Grundantrag auf seinen Namen stellen. „Das ging sehr schnell“, freut sich Johannes Nohrden, der auch Sprecher der Junglandwirte im Kreis Plön ist. „In der Geschäftsstelle haben sie alle Hebel in Bewegung gesetzt.“
Die Familie führt einen Ackerbaubetrieb in Eichhof in Neumünster-Einfeld, mästet dazu rund 60 Färsen. Ein großer Teil des Futters wird an einen Milchviehbetrieb in der Nachbarschaft geliefert, von dem sie auch die Färsen erhält. 2023 hat die Familie von diesem Nachbarn 100 ha zu ihren bisherigen 180 ha hinzugepachtet, für die sie bereits vorher die Lohnarbeit verrichtet hat. Diese Erweiterung war der Anlass für Vater Christian Nohrden (65), den Betrieb an Johannes abzugeben. Und das sollte bereits für 2024 vonstattengehen. „Die Mehrfläche ist eine große Investition, da ist die Junglandwirteprämie sehr wichtig“, betont Johannes.
Die Hofüberlassung kam in der Zeit der beginnenden Grundanträge, wenn in der Geschäftsstelle eigentlich alle Termine belegt sind. „Wir haben es gemacht, und wir haben es geschafft!“, ist Kreisgeschäftsführer André Jöns stolz.




