Ein Baum gibt Schatten, mindert in heißen Sommern die Umgebungstemperatur und erhöht die Luftfeuchtigkeit. Bäume versorgen uns durch ihre große Laubmasse mit Sauerstoff und binden Schadstoffe aus der Luft. Früher wurden als Hausbäume oft Linden oder Eichen gepflanzt. Dafür reicht der Platz heute oft nicht mehr aus, zumal ein Hausbaum frei stehen sollte. Nur dann kann er seine typische Form und seinen Charakter entwickeln.
Der Baum muss zum Standort passen: Neben Bodenbeschaffenheit, Untergrund (Tiefgründigkeit), Klima und Lichtverhältnissen ist auch das Mikroklima zu berücksichtigen. In einem geschützten Innenhof können Baumarten gedeihen, die wenige Meter weiter im freien Feld nicht zurechtkämen.
Bei der Auswahl eines passenden Hausbaumes sollte man aber auch die eigenen Vorlieben beachten. Ist ein Baum mit schöner Blüte oder Fruchtschmuck gewünscht oder soll er vor allem im Sommer Schatten spenden? Auch die ganzjährige Attraktivität des Baumes kann ein Kriterium sein. So sind Magnolien während der kurzen Blütezeit eindrucksvoll, das restliche Jahr über wirken sie eher unscheinbar. Wenn das Herz aber beim Anblick einer blühenden Magnolie aufgeht, kann das ein starker Grund dafür sein, dennoch eine Magnolie als Hausbaum zu wählen.
Man sollte sich zudem immer vorstellen, wie der Baum in zwanzig oder dreißig Jahren aussehen wird. Dass sich starkwüchsige Bäume durch Rückschnitt im Wuchs begrenzen ließen, ist ein leider verbreiteter Irrtum. Allenfalls verstümmelt man den Baum. Auch wenn Schattenwurf in heißen Sommern erwünscht ist – wenn eine ausladende Baumkrone vor dem Haus die Zimmer verdunkelt, zumal im Herbst und Winter, sieht es schon anders aus. Auch deshalb ist von Koniferen und anderen wintergrünen Bäumen im nahen Hausbereich eher abzuraten.
Verschiedene Wuchsformen
Viele Gehölzarten wachsen als Strauch oder als kleiner Baum. Wenn man später einen Baum und keinen Großstrauch haben will, sollte man deshalb schon beim Kauf in der Baumschule auf die richtige Wuchsform achten. Eine stammbildende Züchtung für eher kühle Standorte und nicht zu trockene Böden ist die Traubenkirsche (Prunus padus) ‚Albertii‘. Die eiförmige Krone wird 6 bis 8 m hoch und 4 bis 5 m breit. Im April schmückt der Baum sich mit zahlreichen weißen, weithin duftenden Blütentrauben.
Häufig werden kugel- oder säulenförmige Bäume als kleine Hausbäume angeboten. Hierbei handelt es sich in der Regel um schwachwüchsige Formen auf veredelten Hochstämmen. Züchtungen wie der Kugelahorn und der Rotdorn ,Paul’s Scarlet’ entwickeln auch ohne Schnitt eine gleichmäßig runde Krone. Säulenhainbuche oder Säulenulme wachsen zwar schmal, können aber 10 m und höher werden. Der Schatten eines Säulenbaums ist meist nicht breit genug, um darunterzusitzen. Im Alter verlieren Säulenbäume oft ihre Form und entwickeln dann eine breitere Krone.
Wildfrüchte für Tier und Mensch
Gehölze mit Nährwert für Vögel und andere Wildtiere sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern geben auch Gelegenheit, die Tiere vom Haus aus zu beobachten. Die orangeroten Früchte der Eberesche (Sorbus aucuparia) sind sowohl bei Vögeln beliebt („Vogelbeere“) als auch zu Marmelade und Likör verwertbar. Attraktiv sind ebenfalls die weiße Blüte im Frühjahr und die gelborangefarbene Herbstfärbung. Ebereschen sind anpassungsfähig und vertragen auch Staunässe. Die anfangs schnell, später langsam wachenden Bäume werden 6 bis 12 m hoch und 4 bis 6 m breit. Kleiner bleibt mit rund 2 m Breite und 5 bis 8 m Höhe die schmalkronige Sorte ‚Fastigiata‘, deren Früchte besonders groß sind.
Felsenbirnen sind als Wildfrucht- und Ziersträucher beliebt. Wenig bekannt ist, dass es auch Baumformen gibt: Die Schnee-Felsenbirne (Amelanchier arborea) ‚Robin Hill‘ kann stammbildend gezogen werden und hat dann eine breit ovale Krone von 3 bis 5 m Breite. Wie andere Felsenbirnenarten zeichnet sie sich durch dichte, weiße Blüten im Frühjahr und prachtvolle Herbstfärbung aus. Der Flachwurzler braucht frisch-feuchten, humosen Boden und kann sonnig oder halbschattig stehen. Die im August reifenden Früchte schmecken wenig aromatisch, bei Vögeln sind sie dennoch beliebt.
Blütenschmuck im Frühjahr
Zu den ersten blühenden Bäumen im Jahr gehört die Blutpflaume (Prunus cerasifera) ‚Nigra‘. Die Blüten sind purpurrosa, Blätter und Früchte dunkelrot bis bräunlichviolett gefärbt. Die kleinen, runden Pflaumen sind essbar und lassen sich zu Marmelade verarbeiten. Der Baum kann 3 bis 6 m breit und bis zu 8 m hoch werden. Blutpflaumen bevorzugen kalkhaltige Böden und wärmere Standorte, sind aber anpassungsfähig. Mit ihren tiefen Wurzeln sind sie trockenheitsresistent, neigen allerdings zur Ausläuferbildung.
Magnolien sind aufgrund ihrer prachtvollen, großen Blüten beliebt. Sie entwickeln eine ausladende Krone und werden im Alter oft breiter als hoch. Die beliebte Tulpenmagnolie (Magnolia x soulangiana) kann 4 bis 8 m Höhe und Breite erreichen. Die Purpurmagnolie (Magnolia liliflora) bleibt mit rund 4 m etwas kleiner. Magnolia stellata, die Sternmagnolie, wird nur 2 bis 3 m hoch und breit, bildet allerdings keinen Stamm, sondern wächst strauchförmig. Die Kreuzung Magnolia x loebneri ‚Leonard Messel‘, deren sternförmige Blüten hellviolett sind, lässt sich auch als kleiner Baum von 3 bis 5 m Höhe und Breite ziehen. Etwas größer wird die weiß blühende ‚Merill‘. Während die meisten Magnolien auf kalkhaltigen Böden zu Chlorose neigen, toleriert M. x loebneri auch leicht alkalische Böden. Alle Magnolien brauchen sehr lockeren und gleichmäßig feuchten Boden.
Essbare Früchte
Natürlich eignet sich auch ein Obstbaum als Hausbaum. Heutzutage gibt es sogar von Süßkirschen kleinkronige Züchtungen. Bäume auf schwachwüchsiger Unterlage sind allerdings vergleichsweise anfällig und kurzlebig und eignen sich nur für Spalier- oder Buschformen. Eine Unternutzung ist nur bei Hochstämmen möglich. Quitten und Mispeln wachsen von Natur aus kleiner und kompakter. Beide tragen nicht nur essbare Früchte, sondern auch große, zierende Blüten. Während Mispeln sich durch gleichmäßigen Wuchs auszeichnen, wachsen Quitten oft eigenwillig und bizarr.
Eine malerische, unregelmäßig runde Krone zeichnet den Maulbeerbaum (Morus alba) aus. Auch die großen Blätter sind unregelmäßig gelappt. Obwohl ältere Bäume bis –20 °C winterhart sind, ist ein sonniger, warmer Standort vorteilhaft. Der Boden sollte tiefgründig und möglichst etwas kalkhaltig sein. Morus alba ist aber anpassungsfähig und gedeiht auch auf Sandböden. Die Früchte der Wildform schmecken oft fade, aromatischer sind Züchtungen wie ‚Wellington’ und ,Illinois‘.
Auch Zieräpfel sind essbar. Zierapfelbäume bleiben in allen Teilen zierlicher als großfruchtige Apfelbäume und brauchen anders als diese keinen regelmäßigen Schnitt. Im Frühjahr schmücken sie sich mit je nach Sorte weißen, rosa oder purpurroten Blüten, im Herbst mit zahlreichen roten, gelben oder orangefarbenen Äpfelchen. Die meisten Sorten werden 4 bis 6 m hoch und breit, ‚Evereste‘ und ‚John Downie‘ wachsen etwas schmaler. Zieräpfel sind allgemein robust und anpassungsfähig an den Boden, solange er nicht zu trocken ist.
Bäume für geschützte Lagen
Die Chinesische Kräuselmyrte (Lagerstroemia indica) wächst mehrstämmig und wird in unseren Breiten meist nicht höher als 3 bis 5 m. An einem geschützten, sonnigen bis halbschattigen Standort ist der Wärme liebende Baum mit platanenähnlicher Rinde das ganze Jahr über attraktiv. Der auffallend schönen, rosa bis roten Blüte im Spätsommer und Frühherbst folgt eine leuchtende Herbstfärbung. Die Kräuselmyrte braucht durchlässigen, nicht zu schweren Boden und ist bis etwa –12 °C frosthart.
Cercis siliquastrum, der Judasbaum, verbreitet an warmen, geschützten Standorten mediterranes Flair. Frostempfindlich sind vor allem junge Bäume. Mit seinen schönen, purpurrosa Blüten im Frühjahr am mehrjährigen Holz und auch direkt an älteren Stämmen (Cauliflorie) und herzförmigen Blättern ist der Judasbaum etwas Besonderes. Der Tiefwurzler verträgt Hitze und Trockenperioden und eignet sich mit nur 3 bis 5 m Höhe und Breite auch für sonnige Innenhöfe.
Der Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera), der 4 bis 5 m hoch wird, braucht neben einem warmen Standort durchlässigen, nicht zu sauren Boden. Sowohl die jungen Blätter wie auch die dekorativen Früchte im Spätherbst sind essbar. Aus dem Bast wurde in Asien früher tatsächlich Papier hergestellt.
Bäume für etwas größere kleine Gärten
Durch schönen, gleichmäßigen Wuchs und eine eindrucksvolle Herbstfärbung zeichnet sich der Amberbaum (Liquidambar styraciflua) aus. Im Winter sind die Korkleisten an den älteren Trieben eine Zierde. Der besonders anfangs langsam wachsende Baum kann im Alter 10 bis 20 m hoch und 6 bis 12 m breit werden. In warmer, sonniger Lage ist der Amberbaum ein sehr schöner Hausbaum für größere Vorgärten. Unempfindlicher gegen Kälte und Nässe ist die Sorte ‚Worplesdon‘, die auch etwas kleiner bleibt.
Auch der Eisenholzbaum gehört mit 6 bis 10 m Wuchshöhe und -breite schon zu den größeren „Kleinen“. Nur halb so breit wird die Sorte ‚Vanessa‘. Das Zaubernussgewächs zeichnet sich durch sehr frühe Blüte noch vor dem Laubaustrieb, schönes Laub mit anhaltender Herbstfärbung und eine besonders im Alter interessante Borke aus. Eisenholzbäume sind Wärme liebend, aber anpassungsfähig und frosthart, junge Bäume können etwas empfindlicher sein.
Auf jeden Fall sollte man sich für die Auswahl eines Hausbaumes ausreichend Zeit nehmen. Schließlich trifft man damit eine Entscheidung für mindestens die nächsten Jahrzehnte, denn auch kleinere Bäume können ein stattliches Alter erreichen. Ein Zierapfelbaum kann bei guter Pflege 80 bis 100 Jahre alt werden, ein Maulbeerbaum sogar bis zu 1.000 Jahre.




