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Gerste ist nach Weizen die zweitwichtigste Getreideart in Deutschland. Der Anbau von Wintergerste hat viele Vorteile: Durch eine frühe Ernte kann eine gründliche Stoppelarbeit erfolgen, Arbeitsspitzen können reduziert werden. Es ist eine rechtzeitige Aussaat von Zwischenfrüchten möglich, und durch eine frühe Abreife ist man gut gewappnet gegen Frühsommertrockenheit. Der Anbau dient zudem der Erweiterung der Fruchtfolge. Auch in der Schweinefütterung kann die Verwendung von Gerste Vorteile haben.
Der Anteil der Gerste am Getreide im Mischfutter schwankte in den vergangenen Jahren zwischen zirka 19 und 23 %. Da in diesem Jahr eine höhere Mykotoxinbelastung im Getreide erwartet wird und Gerste von allen Getreidearten bekanntlich am geringsten mit Fusariumtoxinen belastet ist, bleibt abzuwarten, ob mehr Gerste eingesetzt wird. Sie punktet auch beim Befall mit Mutterkorn. Gerade in diesem Jahr wurden höhere Belastungen von anderen Getreidearten beobachtet. Gründe genug, um mehr Gerste zu füttern?
Gerste wird innerbetrieblich vor allem in der Schweinefütterung eingesetzt und ist für die Haltung von Schweinen mit unkupierten Schwänzen geradezu prädestiniert, weil ihre Faser stabilisierend auf die Verdauungsprozesse wirkt. Im Vergleich zu Weizen, Roggen und Triticale weist Gerste einen geringeren Energiegehalt auf.
Seit Jahren sinken die Rohproteingehalte aller Getreidearten. Ein geringer Rohproteingehalt lässt einen zunehmenden Einsatz einerseits eher unattraktiv erscheinen, ist andererseits aber für N-reduzierte Futtermischungen sehr interessant. Während die Gerste vor 20 Jahren noch 10,6 % Rohprotein enthielt, weist die erste Auswertung der diesjährigen Ernte nur 8,2 % auf. In den Landessortenversuchen wurden 2024 im Durchschnitt aller Standorte in Niedersachsen 10,1 % Rohprotein ermittelt, in Schleswig-Holstein waren es 10,6 %. Gerste enthält weniger Stärke und ist rohfaserreicher als Weizen. Im vergangenen Jahr lag ihr Energiegehalt um 1 MJ/kg niedriger. Hingegen ist die Proteinqualität mit knapp 3,8 g Lysin je 100 g Rohprotein höher im Vergleich zu Weizen mit 2,9 g.
Für Schweine ist nicht der Bruttogehalt an Aminosäuren entscheidend, sondern der Gehalt an dünndarmverdaulichen (praecaecal verdaulichen) Aminosäuren. Weizen weist zwar durchweg eine höhere praecaecale Verdaulichkeit als Gerste auf, bedingt durch den geringeren Lysingehalt des Weizens ist der Gehalt an verdaulichem Lysin in beiden Getreiden jedoch gleich.
Für den Einsatz von Gerste sprechen auch ihre diätetischen Eigenschaften. Sie gilt seit jeher als Gesundungsfutter. Durch ihren hohen Fasergehalt kann sie die Verdauungsprozesse stabilisieren. Gerste ist reich an -Glucanen, die zu den schnell fermentierbaren Nicht-Stärke-Polysacchariden zählen. Im Vergleich zu Weizen enthält sie doppelt so viel NDFom (Neutral-Detergentienfaser, aschefrei) und BFS (bakteriell fermentierbare Substanz).
Aktuell beträgt der Preisunterschied zwischen Gerste und Weizen zirka 2,20 €/dt. Im Schnitt des Wirtschaftsjahres 2023/24 lagen die Abgabepreise an die Landwirtschaft für Gerste bei 21,72 €/dt und für Weizen bei 23,11 €/dt – eine Differenz von 1,39 €/dt. Danach würden 10 MJ ME aus Gerste 17 ct und aus Weizen 16,7 ct kosten. Für den Gerstenanbau sollten aber nicht nur aktuelle wirtschaftliche Aspekte, sondern auch die eingangs erwähnten Vorteile wie Fruchtfolgegestaltung, frühe Feldräumung et cetera und die Futtermitteleigenschaften berücksichtigt werden.
Um die monetären Verluste aufgrund von Gänsefraßschäden an der Westküste zu quantifizieren, mögliche Anpassungsmaßnahmen zu erproben und tierhygienische Fragestellungen zu beleuchten, hat das Umweltministerium (MEKUN) in Absprache mit der örtlichen Landwirtschaft in der Gemeinde Westerhever eine fünfjährige Untersuchung durch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein durchführen lassen. Die Ergebnisse werden hier vorgestellt.
Die Westküste ist, neben anderen Gebieten in Schleswig-Holstein, durch die Nähe zur Nordsee ein bedeutendes Rastgebiet für Gänse und weitere Vogelarten. Im Grünland kommt es insbesondere durch die große Anzahl von rastenden Nonnengänsen von Vegetationsbeginn bis etwa Mitte Mai zu Ertragsverlusten für die landwirtschaftlichen Betriebe.
Durch die exponierte Lage in der Nordsee ist speziell die Region Eiderstedt schon lange ein bevorzugtes Rastgebiet für Nonnengänse. Für die Landwirtschaft sind die stark konzentriert rastenden Gänse eine große Belastung und betriebliche Herausforderung. Außer Ackerkulturen wie Winterweizen oder Winterraps wird auf dem Grünland der hochproduktive erste Grasaufwuchs von den Nonnengänsen genutzt, sodass den Betrieben hochwertiges, energiereiches Futter für die Viehhaltung verloren geht.
Zudem kann eine starke Verkotung von intensiv genutzten Flächen beobachtet werden. Die Frage ist dabei insbesondere, ob die Verschmutzung des Futters zu Krankheiten bei den Nutztieren führen kann und ob der Verbiss und der Vertritt die Grasnarbe zusätzlich schädigen.
Versuchsflächen und -design
Der fünfjährige Versuch in den Jahren 2017 bis 2021 umfasste drei Flächen mit hohem Gänsedruck und eine Referenzfläche ohne Gänsebeweidung. 2020 und 2021 ist zudem eine weitere intensiv bewirtschaftete Referenzfläche in den Versuch einbezogen worden.
Die Flächen sind Dauergrünlandflächen im Eigentum der Stiftung Naturschutz/Ausgleichsagentur. Auf den Flächen wurde die Hälfte der Versuchsparzellen mit Körben vor Gänsefraß geschützt, die andere Hälfte war der Gänsebeweidung ausgesetzt. Als ergänzender Faktor wurden vier Düngungsintensitäten mittels Kalkammonsalpeter untersucht.
• D0: ohne Düngung (extensiv, Vertragsnaturschutz)
• D1: 80 kg N/ha zu Vegetationsbeginn (Mitte März)
• D2: 80 kg N/ha nach Abzug der Gänse (Mitte Mai)
• D3: ortsüblich intensiv, gesamt 180 kg N/ha in drei Gaben
Es wurden vier Schnitte im Jahr analog zu einem praxisüblichen Nutzungssystem manuell durchgeführt und die Massengewichte erfasst. Zudem wurden alle Proben einer Grundfutteranalyse unterzogen, um Aussagen zu den vereinbarten Ertragsparametern Trockenmasse (TM), Energie (NEL), Rohprotein (XP) und Rohfasergehalt treffen zu können. Die Ergebnisse wurden abschließend zu Jahreserträgen verrechnet und die Ersatzkosten bestimmt.
In Versuchsparzellen mit Korbschutz kann sich der Grünlandaufwuchs ungestört entwickeln und so die Schnittreife ohne Gänseeinfluss simulieren. Foto: Kerstin Ebke
Daten zeigen Wetterextreme
Die Versuchsjahre waren von Wetterextremen bestimmt. Das Jahr 2017 war gegenüber dem langjährigen Mittel als deutlich zu nass einzuordnen, während die Jahre 2018 und 2019 von Trockenheit geprägt waren. 2017 und 2021 konnte anteilig im ersten Schnitt aufgrund wüchsiger Bedingungen eine Ernte trotz Gänseschaden erzielt werden, was die Ersatzkostenwerte verringerte. Die Ernte 2019 war durch massive Trockenschäden, noch resultierend aus dem Jahr 2018, insgesamt stark verringert.
Verluste an Trockenmasseertrag
Die ausgewählten drei Untersuchungsflächen wiesen im fünfjährigen Mittel mit 67,2 dt/ha, 61,8 dt/ ha und 60,3 dt/ha ähnlich hohe Trockenmasseerträge (TM) auf wie die Referenzfläche Norderweg mit 68,2 dt/ha (Tabelle 1). Diese Erträge sind jedoch als unterdurchschnittlich zu bewerten. Daher ist 2020 und 2021 eine weitere Grünlandfläche mit konventioneller, intensiver Bewirtschaftung einbezogen worden, die im zweijährigen Durchschnitt einen Trockenmasseertrag von 119,6 dt/ha erreichte.
Monetäre Bewertung – Ersatzkostenwert
Aus der Differenz des Jahresertrages in den korbgeschützten und den durch Gänsefraß geschädigten Varianten wurden Ersatzkostenwerte für die Bewertung des entgangenen Ertrages berechnet.
Trockenmasse: Für die Berechnung der monetären Verluste wurden ein Ersatz über Zukauf von Grassilage zugrunde gelegt und weitere Annahmen getroffen:
• Grassilage hat einen durchschnittlichen Trockensubstanzgehalt (TS) von 35 %.
• Für die Umrechnung von dt/ha in m³Erntegut wurde angenommen, dass durchschnittlich 1 m³ Grassilage 5,5 dt wiegt.
• 1 m³ Grassilage wurde mit 25 € bewertet (Marktberichterstattung der Landwirtschaftskammer).
Alle Ergebnisse der fünfjährigen Beprobung sind in Tabelle 2 dargestellt.
Die Werte schwanken stark. In den Jahren 2018 bis 2020 wurde zum ersten Schnitt auf den ungeschützten Parzellen ein Totalausfall verzeichnet. Im ersten und letzten Versuchsjahr konnten aufgrund der wüchsigen Bedingungen geringe Mengen geerntet werden, was zur Verringerung der Ersatzkostenwerte führt. Die Einflüsse der Extensivierung müssen zusätzlich mitbedacht werden.
Analog zum Parameter Trockenmasseertrag wurden Ersatzkostenwerte für Energie (über Kraftfutter) sowie Rohprotein (über Sojaschrot) berechnet.
Gesamtschau Ersatzkostenwerte
Aus der Differenz des Jahresertrages in den korbgeschützten und den durch Gänsefraß geschädigten Varianten wurden Ersatzkostenwerte für die Bewertung des entgangenen Ertrages berechnet. Hierbei wurden die Parameter Trockenmasse (TM in dt/ha, Ersatz als Grassilage), Energie (NEL in GJ/ha, Ersatz als Kraftfutter oder Grassilage) und Rohprotein (in dt/ha, Ersatz als Sojaschrot) betrachtet (Tabelle 3).
Insgesamt gingen auf den unterdurchschnittlich produktiven Grünlandflächen der Stiftung Naturschutz in Westerhever zwischen 2017 und 2021 durchschnittlich 33 % der Jahrestrockenmasse und 80 % der Trockenmasse des ersten Schnittes durch Gänsefraß verloren.
Die Höhe der monetären Verluste wird wesentlich von der Witterung (+/–50 %) und vom Zeitpunkt der ersten Düngung (+/–35 %) beeinflusst. Bei ortsüblicher Düngung von 80 kg N/ha Mitte März und weiteren 100 kg im Jahresverlauf wurden monetäre Verluste von 300 €/ha ermittelt. Die Verluste ließen sich im Versuch auf 180 €/ha senken, indem die erste Düngergabe erst nach dem Abzug der Gänse Mitte Mai verabreicht wurde und so dem nachfolgenden Aufwuchs zur Verfügung stand.
Noch größer war der Einfluss der Witterung. Ausbleibende Frühjahrsniederschläge führten immer wieder zu starken Ertragseinbußen, sodass zukünftig ein Wassermanagement in jedem einzelnen Frühjahr immer bedeutsamer werden dürfte.
Hochertragsstandort Pension Wiese
Für die konventionelle Versuchsfläche Pension Wiese wurden theoretische monetäre Verluste von 719 bis 740 €/ha (Durchschnitt zwei Jahre) ermittelt, wenn 100 % des ersten Schnittes durch Gänsefraß verloren gehen und durch Grassilage oder Soja ersetzt werden (Tabelle 4). Der erste Schnitt der Hochertragsfläche hatte einen überdurchschnittlichen Anteil am Jahresertrag. Mit etwa 730 €/ha wären alle Verluste in Form von Trockenmasse, Energie und Rohprotein auf diesem Hochertragsstandort ersetzbar.
Große Unterschiede ergeben sich durch die Wahl des Futtermittels beim Ersatz des Energieverlustes. Maximale Kosten entstehen, wenn der Ersatz durch Kraftfutter erfolgt. Hier entstehen in dem Vergleich bei einem angenommenen Verlust des gesamten ersten Schnittes zusätzliche Kosten von 332 €/ha. Aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit dürften diese theoretischen Verluste in der Praxis kaum zum Tragen kommen. Hinzu kommt, dass eine bedarfsgerechte Versorgung von Wiederkäuern allein auf der Grundlage von Kraftfutter nicht möglich ist.
Rechnet man bei dieser Fläche mit den ermittelten fünfjährigen Durchschnittswerten von 33 % des Jahresertrages oder 80 % Verlust des ersten Schnittes, ergeben sich rein rechnerisch jährliche Trockenmasseverluste von 517 bis 578 €/ha. Zusammen mit Flächen auf Pellworm dürften die deichnahen Flächen in Westerhever landesweit das Maximum der Gänsefraßverluste im Grünland repräsentieren. Erhebungen von Fraßverlusten durch die Landwirtschaftskammer im Jahre 2021, die im Rahmen eines weiteren, durch das Umweltministerium geförderten Projektes erfolgten, ergaben für das Festland in Nordfriesland und Flächen auf Föhr Verluste beim ersten Schnitt in Höhe von 49 % beziehungsweise 45 %, auf Pellworm von 90 %.
Untersuchungen von Gänsekot
Die Verkotung der Flächen durch Gänse wurde in den Versuch einbezogen. Es wurden die Menge des vorhandenen Kots und dessen Wirtschaftsdüngerwirkung bestimmt und durch die Klinik für Geflügel der Tierärztlichen Hochschule Hannover auf spezifische pathogene Keime untersucht, die potenziell zu einer Krankheitsübertragung von Gänsen auf Wiederkäuer führen könnten.
Versuchsparzelle Grünland Mitte Mai 2018 ohne Gänseschutz mit Verkotung kurz vor dem ersten Schnitt-Termin. Foto: Kerstin Ebke
Die über die Wintermonate durchgeführten monatlichen Beprobungen ergaben eine durchschnittliche Menge von etwa 17 kg Gesamt-N/ha pro Jahr, knapp 8 kg an Phosphat und 20 kg Kalium, die im Kot gebunden auf den Flächen abgelegt wurden. Anzunehmen ist, dass die tatsächlichen Einträge höher gelegen haben, da durch nasse Witterungsbedingungen bei einer monatlichen Sammlung ein Teil des Kotes durch Regeneinwirkung bereits zerfallen gewesen sein dürfte.
Zwischen 2017 und 2020 wurden insgesamt 50 Proben auf drei Erreger beziehungsweise Erregergruppen untersucht:
Alle Proben waren durchgehend negativ auf Salmonellen und Pasteurellose. Im Winter 2019/2020 konnten in drei Proben (zwei gefrorene, eine frische) Chlamydien mittels quantitativer Realtime-PCR nachgewiesen werden, wobei die Messwerte mit zirka Ct 40 nach Auskunft der Klinik für Geflügel keine klinische Bedeutung hatten. Sie deuten vielmehr auf eine überstandene Infektion hin.
Fazit
In der fünfjährigen Untersuchung wurden Ertragsverluste durch Gänsefraß in Höhe von durchschnittlich 80 % des ersten Schnittes oder 33 % des Jahresertrages ermittelt, die sich zu monetären Verlusten von 300 €/ha auf den ertragsschwachen Versuchsflächen addieren. Auf der konventionellen Vergleichsfläche stiegen die rechnerischen Verluste bei 33 % des Jahresertrages oder 80 % Verlust des ersten Schnittes auf 517 bis 578 €/ ha, bei 100 % Verlust des ersten Schnittes auf über 700 €/ ha an. Die Witterung und der Zeitpunkt der Düngung hatten einen großen Einfluss auf die Höhe der Verluste. Bei gleichmäßiger Wasserversorgung im Jahr 2021 sank der Verlust um 50 % gegenüber dem fünfjährigen Durchschnitt. Mit einer ersten Düngung nach dem Abzug der Gänse können die Verluste ebenfalls stark verringert werden. Hinweise auf eine Gefährdung von Weidetieren durch Krankheitskeime im Gänsekot ergaben sich nicht.
Kürzlich besuchte die schwedische Journalistin Anna Froster die Forstabteilung in Bad Segeberg. Hintergrund war eine Reportage über die Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein in dem größten Natur- magazin in Schweden, „Sveriges Natur“.
Frosters Wunsch war es, anhand von verschiedenen Waldbildern die Beratung und Betreuung von privaten und kommunalen Waldbesitzenden näher kennenzulernen. So kam es, dass der Bezirksförster für Ostholstein, Thore Schlüter, zusammen mit seinem Fachbereichsleiter Peer Rosenhagen kurzerhand einen Termin mit der Journalistin im Wald der Gutsverwaltung Glasau ausmachte.
Vor Ort wurde zunächst eine Fläche besichtigt, wo alle Buchen, bedingt durch die Trockenheit der vergangenen Jahre, sehr gelitten haben und teilweise im Absterben begriffen waren. Angrenzend an diese Fläche war schon überall 2 bis 3 m hohe Buchennaturverjüngung zu sehen. Hier hatte sich Förster Schlüter dazu entschieden, die Buchen auf einer Fläche von 0,25 ha zu entnehmen und dort aktiv andere Baumarten, und zwar Nadel- und Laubbaumarten, investiv zu pflanzen.
Durch eine gezielte Anreicherung mit verschiedenen Baumarten kann so über die Jahre ein besonders klimaresilienter Mischwald entstehen und das Holz für den Waldbesitzenden noch zu guten Konditionen vermarktet werden. Wenn an dieser Stelle nichts getan werden würde, würde sich ein reiner Buchenwald entwickeln, der, wenn man den Klimaprojektionen für die kommenden Jahrzehnte glauben mag, erhebliche Probleme durch Trockenstress bekommen würde.
Diese wohlabgewogene, kleinflächige Behandlungsweise beeindruckte Anna Froster sichtlich, da nach ihrer Aussage in Schweden weiterhin der großflächige Kahlschlag von vielen Hektar Größe und die anschließende Wiederaufforstung mit häufig nur ein bis zwei Baumarten die gängige Forstpraxis darstellen.
Als Nächstes wurde gemeinsam ein ehemaliger Fichtenwald besichtigt, der in den vergangenen Jahren durch Stürme, Borkenkäfer und Trockenheit stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Hier musste kalamitätsbedingt ein Kahlschlag in der Fichte durchgeführt werden, und es wurde anschließend ein bunter Strauß von Nadel- und Laubbaumarten gepflanzt. An diesem Beispiel konnten das System der forstlichen Förderung sowie die konkreten Entscheidungen für die einzelnen Baumarten erklärt werden. Dies geschieht auf der Grundlage des vorhandenen Standortes, der zu erwartenden Klimaszenarien sowie natürlich schlussendlich nach dem Willen des Waldbesitzenden und dessen frostbetrieblichen Vorstellungen.
Zu guter Letzt besichtigten alle Beteiligten noch eine Ackererstaufforstung. Hier wurde die Dringlichkeit der Waldmehrung in Schleswig-Holstein erklärt, da der Waldanteil hier nur bei 11 % der Landesfläche liegt.
Der Börsenverein Warenterminmarkt e. V. der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel startet am 11. November eine neue Runde des Börsenspiels. Studenten und andere Interessenten am Thema Terminmarkt erhalten ein fiktives Startkapital. Damit können Depots eröffnet und Kontrakte gehandelt werden. Wer von den Spielern bis Ende Februar 2025 die höchsten (fiktiven) Gewinne erzielt hat, dem winken attraktive Preise. Damit dient das Börsenspiel dazu, die Warenterminmärkte spielerisch kennenzulernen.
Nach dem Motto „Mit Essen spielt man nicht“ sind Terminmarktgeschäfte mit Agrarrohstoffen umstritten. Vielfach wird befürchtet, dass Spekulationen die Nahrungsmittelpreise nach oben treiben. Daher waren Agrar-Terminmärkte in Deutschland lange Zeit verboten. Erst seit 1997 gibt es hierzulande solche Handelsplätze. Direkte Handelsbeteiligte wie Erzeuger und Verarbeiter von landwirtschaftlichen Produkten nutzen den Terminmarkt, um sich gegen Preisrisiken abzusichern. Es gibt aber auch Spekulanten, die eine möglichst hohe Rendite für das eingesetzte Kapital erzielen wollen. Sie sorgen jedoch auch für die notwendige Liquidität für die Termingeschäfte. Der Kursverlauf der einzelnen gehandelten Produkte ist jetzt sehr stark von Ertrags- und Nachfrageprognosen abhängig. Dazu feuern Wettermeldungen oder Export- und Importzahlen den Handel weiter an. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, welche Preisschwankungen internationale Krisen wie die Corona-Epidemie oder der Ukraine-Krieg auslösen können. Durch die Terminmärkte nehmen somit Preisschwankungen spürbar zu. Ob sie der Grund für steigende Nahrungsmittelpreise sind, ist jedoch unsicher.
Chicago verliert an Bedeutung
Lange Zeit haben die Terminmärkte in den USA die Richtung der internationalen Agrarpreise vorgeben. Für den hiesigen Markt sind mittlerweile die Notierungen der Terminbörsen Matif in Paris oder EEX in Leipzig die Orientierung. Bemerkenswert ist der aktuelle Preisanstieg für Raps. Die Matif-Rapskurse haben Anfang-November mit über 520 €/t ein Zweijahreshoch erreicht. Als Ursache wird die kleine Ernte in der EU angeführt. Auch Importe könnten knapp werden, da mit weniger Lieferungen aus der Ukraine gerechnet wird. In Süd- und Osteuropa wird mit einer Sonnenblumenernte gerechnet, die nach Aussage von Beratungsunternehmen als katastrophal bezeichnet wird. Auch aus Frankreich kommen ähnliche Meldungen. Da die globale Versorgungsbilanz mit Raps ohnehin schon angespannt ist, blieben die schwachen US-Sojakurse zuletzt ohne Wirkung auf die hiesigen Rapspreise.
Mögliche Entwicklungen
Auch die Weizenerträge sind in der EU in diesem Jahr vergleichsweise schlecht ausgefallen. Dennoch lässt der von den Erzeugern erhoffte Preisanstieg auf sich warten. An der Matif wurde zum Wochenbeginn 215 €/t für Dezember notiert. Der Mai-Termin liegt dagegen schon bei 233 €/t. Damit zeigt sich hier die Erwartung der Börse, dass die günstigen russischen Exporte bereits im Frühjahr auslaufen. Dazu kommen Meldungen über schwierige Aussaatbedingungen in vielen Regionen. Derzeit bleiben die Exportmengen aus Russland jedoch hoch und bremsen eine mögliche Preiserholung.
Die reduzierten Rindviehbestände haben die Milchproduktion verringert. Die Kurse für Milchprodukte am EEX-Terminmarkt in Leipzig sind deutlich gestiegen. Auch die Auswirkung der Blauzungenkrankheit könnte den saisonüblichen Anstieg der Milchproduktion ab dem Jahreswechsel verzögern. Damit könnte der feste Preistrend noch etwas anhalten, auch wenn die hohen Preisforderungen die Nachfrage nach Milchprodukten bremsen.
Wilde Spekulationen sorgten bereits im 17. Jahrhundert für absurde Preissprünge für Tulpenzwiebeln in Holland. Durch die Einführung von Terminmärkten mit klaren Regeln und Gesetzen versucht man, diese Auswüchse zu unterbinden. Damit haben diese Marktplätze eine entscheidende Position in der Preisbildung für landwirtschaftliche Produkte gefunden.
Er ist wieder da: Donald Trump hat die Wahl zum US-Präsidenten haushoch gewonnen und ein historisches Comeback geschafft. Er ist Nachfolger seines eigenen Nachfolgers. Dieses Kunststück ist bisher nur dem Demokraten Grover Cleveland gelungen, der 1892 seinen Nachfolger Benjamin Harrison geschlagen hat. Trump hat die Stimmenmehrheit in den umkämpften Bundesstaaten Pennsylvania, Wisconsin, Georgia und North Carolina erreicht, damit war ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Bei der Stimmenauszählung brachte es der 78-Jährige am Mittwochabend auf 294 Wahlleute, gereicht hätten 270. So unterliegt nun mit Kamala Harris zum zweiten Mal eine Kandidatin der Demokraten, die als erste Frau ins Weiße Haus einziehen wollte, gegen Trump. 2016 schlug er die einstige US-Außenministerin und Präsidentengattin Hillary Clinton. Trump konnte auf ganzer Linie reüssieren. Er hat nicht nur die Wahl gegen die Demokratin Kamala Harris für sich entschieden. Die Republikanische Partei des zukünftigen Präsidenten steht auch davor, die Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus zu übernehmen.
Trumps Wahlsieg spiegelte sich auch an den Finanz- und Agrarmärkten. Die großen USBörsenindizes sind mit satten Gewinnen in den Handel gestartet. Der US-Dollar hat deutlich an Wert gewonnen und den Euro schon in der Nacht zum Mittwoch unter Druck gesetzt. Die Getreidenotierungen in den USA sind abgerutscht, denn der stärkere US-Dollar mindert die Wettbewerbsfähigkeit der US-Agrarprodukte im internationalen Handel. Auf die US-Farmer könnten harte Zeiten zukommen. Die Getreidepreise könnten unter Druck geraten, wenn der neue Präsident die Zölle für China erhöht, wie er es vor seiner Wahl angekündigt hat: Er wolle einen Zoll von 60 % auf chinesische Waren und eine Abgabe von mindestens 10 % auf alle anderen Importe erheben. Was Trump mit dem Agrarsektor vorhat, ist noch nicht ganz klar. Seine vorherige Amtszeit konzentrierte sich auf die Steigerung der Produktivität, die einherging mit Lockerungen für die ökologische Nachhaltigkeit. Die Landwirte konnten sich zudem über hohe Kompensationszahlungen freuen, die während des Handelskrieges zwischen den USA und China flossen.
Moritz Schularick, Präsident des IfW Kiel, sieht das Ergebnis der US-Wahl so, dass mit der erneuten Wahl Trumps der ökonomisch schwierigste Moment in der Geschichte der Bundesrepublik beginne, „weil zur inneren Strukturkrise nun massive außenwirtschaftliche und sicherheitspolitische Herausforderungen auf uns zukommen, auf die wir nicht vorbereitet sind“.
Während Trump sich in Florida von seinen Anhängern feiern ließ, implodierte am Abend in Berlin die Ampelkoalition. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) entließ Finanzminister Christian Lindner (FDP). Das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet. Scholz kündigte an, er stelle am 15. Januar die Vertrauensfrage. Nach fast genau drei Jahren endet damit das Dreierbündnis der Ampel-Koalition.
Die Wahl von Donald Trump in den USA ist ein lauter Weckruf, aber kein Grund zum völligen Verzweifeln, ebenso die Auflösung der Ampel-Koalition in Berlin. Erkenne die Muster für die nächste Wahl: Trump erreichte seine Anhänger emotional, mit Wut, falschen Aussagen und Versprechungen. Genauso agieren hierzulande die Parteien an den extremen Rändern, das haben die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gezeigt. Wir müssen aufmerksam sein und uns wehren gegen Fake-News und Diffamierung. Ein entschiedener Einsatz für Demokratie und Freiheit ist jetzt umso mehr gefragt.
Das Enthornen von Kälbern gehört für die meisten Rinder haltenden Betriebe zu den Routinemaßnahmen. Die Gründe für diesen Eingriff sind vielfältig, Hauptgründe sind jedoch das gesteigerte Verletzungsrisiko, das von horntragenden Rindern ausgeht, sowie auch zunehmende Verletzungen innerhalb des Tierbestandes. Da dieser Eingriff für das Tier mit Schmerzen verbunden ist, wächst der gesellschaftliche Druck zu Alternativen und auch Neuerungen im Tierschutzgesetz fordern hier Änderungen.
Rinder sind von Natur aus behornt. Daher erfüllen Hörner auch verschiedene Zwecke bei der Auslebung natürlicher Verhaltensweisen.
Der offensichtlichste Zweck ist der Einsatz zur Verteidigung und bei Rangkämpfen. Horntragende Rinder haken bei Rangkämpfen ihre Hörner ineinander und schieben gegeneinander, bis geklärt ist, welches Tier das stärkere ist. Rinder ohne Hörner rutschen dabei eher ab, und die Kämpfe dauern daher mitunter länger. Des Weiteren haben die Hörner eine Funktion bei der Thermoregulation. Da der Hornzapfen sehr gut durchblutet ist, können die Rinder gezielt darüber Wärme abgeben.
Warum überhaupt enthornen?
In der landwirtschaftlichen Praxis überwiegen jedoch zumeist die Gefahren, die von den Hörnern ausgehen. Unsere Nutzrinder leben unter anderen Bedingungen als ihre wilden Vorfahren und stellen auch gewisse Ansprüche an ihre Haltungsumgebung. Da der Platz in einem Stall oder auf einer Weide begrenzt ist, kommt es häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen den Tieren, und der Raum zum Ausweichen ist eingeschränkt. Daher sind die Verletzungen, die sich die Rinder gegenseitig zufügen können auch gravierender als in hornlosen Herden. Auch die tierbetreuenden Personen sind größeren Gefahren im Umgang mit horntragenden Tieren ausgesetzt, sei es durch gezielte Tierangriffe oder durch unbeabsichtigte Verletzungen bei der Arbeit am Tier. 
Bei einer Verödung der Hornanlagen bleibt lediglich ein schmaler Ring zurück, der schnell abheilt. Eine gründliche Durchführung ist jedoch wichtig, um das spätere Nachwachsen eines Hornstumpfes zu umgehen.
Aus diesen Gründen entscheidet sich ein Großteil der Landwirtinnen und Landwirte dazu, genetisch horntragende Kälber zu enthornen. Dieser vergleichsweise schnell durchgeführte Eingriff schützt Mensch und Tier zuverlässig vor Verletzungen durch Hornstöße. Auch die Berufsgenossenschaft spricht sich klar dafür aus, Rinder nach Möglichkeit zu enthornen, um Schäden am Menschen zu minimieren.
Wie richtig enthornen?
Das Enthornen von Kälbern unterliegt klaren gesetzlichen Vorgaben, die das Tierleid bei diesem Eingriff möglichst gering halten sollen. Grundsätzlich verbietet § 6 des Tierschutzgesetzes im ersten Absatz das Amputieren von Körperteilen und Organen bei Wirbeltieren. Laut drittem Absatz des § 6 des Tierschutzgesetzes ist ein solcher Eingriff jedoch zulässig, wenn er aus Gründen des Schutzes notwendig ist. Die Enthornung ist daher bei Kälbern möglich, diese dürfen ein Alter von sechs Wochen jedoch nicht überschreiten.
Außerdem ist der Einsatz einer Sedierung vorgeschrieben, um die Kälber ruhigzustellen und die Wahrnehmung zu trüben. Auch ein geeignetes Schmerzmittel muss den Kälbern verabreicht werden, um die Schmerzen nach dem Eingriff zu lindern. Der Einsatz dieser Medikamente ist verpflichtend, und die Dokumentation wird bei Kontrollen überprüft.
Es gibt zwei mögliche Vorgehensweisen, die zum Enthornen zulässig sind. Beide beinhalten die Anwendung des klassischen Brennstabes. Die gängige Vorgehensweise ist, zunächst in kreisenden Bewegungen um das Horn herumzubrennen und anschließend die Hornknospe mit einer Hebelbewegung komplett zu entfernen.
Eine weitere Möglichkeit ist, nur um die Hornknospe herumzukreisen, bis das Gewebe ringförmig bis zum Schädelknochen durchtrennt wurde. Die Hornanlagen werden also verödet. Die Hornknospe verbleibt in der Haut und verkümmert, da sie nicht mehr durch die Blutgefäße versorgt wird. Aufgrund der kleineren Wunde geht die Heilung schneller voran. Bei unsachgemäßer Durchführung kann jedoch eine Verbindung bestehen bleiben, und es wächst ein kleiner Hornstumpf.
Beide Durchführungen dürfen eine Zeit von 10 s pro Horn keinesfalls überschreiten. Eine anhaltende Hitzeeinwirkung schädigt nachweislich das Gehirn, indem Hirngewebe direkt unter den Hörnern zurückgebildet wird.
Die klassische Entfernung der Hornanlage hinterlässt eine verhältnismäßig große Wunde.
Was bringt die Zukunft?
Die momentane Gesetzeslage fordert mit der Sedierung und der Schmerzmittelgabe nur eine Schmerzminderung bei der Enthornung. Eine wirkliche Schmerzausschaltung ist nur mit dem Einsatz einer Betäubung durch eine Lokalanästhesie umsetzbar, und genau das wird vermehrt gefordert.
Die Neuplanung des Bundestierschutzgesetzes sieht neben dem Ende der ganzjährigen Anbindehaltung vor, dass Kälber zur Enthornung lokal betäubt sein sollen. Dieser Eingriff ist jedoch ausschließlich Tierärztinnen und Tierärzten vorbehalten, sodass die selbstständige Durchführung der Enthornung nicht mehr möglich wäre. Stimmen aus der Praxis fordern daher, dass Rinderhalter an einer Schulung zum Umgang mit der Betäubung teilnehmen können, um diese dann selbst durchzuführen. Ähnlich wird es in der Schweiz gehandhabt, wo eine Betäubung bereits Pflicht ist. Damit würden zum einen die Tierarztkosten gespart und zum anderen die Tierärzte entlastet, die in vielen Regionen ohnehin knapp sind.
Die Bundestierärztekammer (BTK) spricht sich jedoch gegen diese Möglichkeit aus. Durch sorgfältige Terminplanung könne der Aufwand für Tierärzte und Landwirte klein gehalten werden. Als Grund wird aufgeführt, dass Betäubungsmittel ein hohes Suchtpotenzial aufweisen und das Nervensystem beeinflussen. Daher ist eine Abgabe dieser Medikamente nicht sicher. Aufgrund dieser Konflikte ist die Umsetzung dieses Gesetzes noch in der Diskussion.
Wegen dieser ungewissen Zukunftssituation ist es sinnvoll, sich zunehmend mit dem Einsatz hornloser Genetik auseinanderzusetzen. Es ist nicht auszuschließen, dass das Etablieren der Betäubungspflicht nur ein Schritt auf dem Weg zum gänzlichen Enthornungsverzicht ist. Wer weiß schon, was in zehn Jahren passiert?
Fazit
Auch wenn Hörner verschiedene Funktionen für das Tier erfüllen, überwiegen für die meisten Landwirte die Sicherheitsrisiken, sodass Kälber enthornt werden. Für eine sachgemäße Enthornung ist es verpflichtend, dass die Kälber jünger als sechs Wochen sind und der Eingriff unter Anwendung von Sedierung und Schmerzmitteln erfolgt. Das Veröden der Hornanlage hinterlässt zudem eine kleinere Wunde als das Entfernen der Hornknospen. Das neue Tierschutzgesetz sieht zukünftig eine Lokalanästhesie zur kompletten Schmerzausschaltung vor. Die Umsetzung ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.
Christophe Hansen hat seine Anhörung mit EU-Abgeordneten am Montagabend reibungslos überstanden. Der designierte Agrarkommissar pochte auf eine Verbesserung der Position der Landwirte in der Lieferkette, einen starken Agrarhaushalt und neue Einkommensmöglichkeiten. Er sprach sich klar für den Green Deal aus, schlug aber vor, dass einige Rechtsvorschriften vereinfacht werden könnten. Differenziert äußerte sich der EVP-Politiker zu Mercosur. Vorteile sieht Hansen in einem Ukraine-Beitritt.
Eine Mehrheit der Agrarkoordinatoren sprach sich nach der dreistündigen Debatte für den 42-jährigen Luxemburger aus. Vertreter der Europäischen Volkspartei (EVP), der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D), der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) und der liberalen Renew Europe (RE) sowie der Grünen/EFA haben für den noch amtierenden Europaabgeordneten votiert. Gegenwind soll es von den rechtspopulistischen Patrioten für Europa (PfE), der rechtsradikalen Europa Souveräner Nationen (ESN) sowie den Linken gegeben haben.
Hansen, der sich selbst als „Agrarkommissar mit Gummistiefeln“ sieht, kündigte an, dass er in den ersten Tagen seines Mandats einen Dialog zur besseren Unterstützung der Junglandwirte starten werde. Zudem stellte er eine zeitnahe Überarbeitung der Verordnung zur Gemeinsamen Marktordnung (GMO) in Aussicht.
Mehr Spielraum in der Wertschöpfungskette
Damit will er vor allem Zusammenschlüsse von landwirtschaftlichen Betrieben zu Kooperativen deutlich erleichtern und so den Landwirten in der Lebensmittelwertschöpfungskette mehr Spielraum verschaffen. Ziel müsse es sein, unlautere Handelspraktiken (UTP) stärker zu bekämpfen.
Für seine in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit vorzulegende Vision zur Zukunft der Landwirtschaft kündigte er an, wesentliche Empfehlungen des Strategischen Dialogs (SD) aufzunehmen. Die Frage nach dem nächsten Agrarbudget im Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) nach 2027 beantwortete er mit der Ansage, mit großer Entschlossenheit für ein starkes Budget zu kämpfen. Allerdings konstatierte er auch, dass es im künftigen Kollegium auch andere politische Prioritäten geben werde. Es sei daher bereits ein Erfolg, wenn der aktuelle EU-Agrarhaushalt beibehalten werde.
Wie bereits aus seinen schriftlichen Antworten an die Europaabgeordneten vor der Anhörung hervorging, spricht sich Hansen für neue Einkommensmöglichkeiten wie Carbon-Farming aus. Außerdem will er Anreize zum Umwelt- und Klimaschutz verstärken. Vor allem die Einkommenswirksamkeit der Eco-Schemes müsse weiter verbessert werden. Gleichzeitig sprach er sich für möglichst wenig Bürokratie und Vermeidung von unnötigen Regularien aus.
Für die Direktzahlungen fordert der künftige Agrarkommissar zwar keine zu starre Obergrenze, kann sich jedoch deutlich mehr Degressivität vorstellen. Sehr große Agrarunternehmen würden dann je Fläche weniger erhalten als landwirtschaftliche Familienbetriebe. Konkret wurde der künftige Brüsseler Agrarchef hier nicht. Zudem sagte er zu, die externe Konvergenz der Hektarzahlungen zwischen den Mitgliedstaaten endlich abschließen zu wollen.
Differenzierter Blick auf Mercosur
Zum Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten wies Hansen auf die hohen EU-Agrarexporte und den angestrebten Schutz geografischer Angaben hin. Aufgeschlossen zeigte er sich für einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine. Dies würde die geostrategische Lage auch in der Nahrungsmittelversorgung entscheidend verbessern. So könne das Land unter anderem einen wichtigen Beitrag zur strategischen Versorgung mit pflanzlichen Proteinträgern leisten. Hier habe die EU bisher noch eine Lücke von rund 25 %.
Die endgültige Entscheidung fällt am 21. November in der Konferenz der Präsidenten, bevor Ende November das Plenum über das gesamte neue Kommissionskollegium abstimmt. Die zweite Von-der-Leyen-Kommission soll am 1. Dezember starten.age, mbw
Der Deutsche Bauernverband (DBV) pocht weiterhin auf Streichung der Stoffstrombilanz. Nachdem die vorgeschlagenen Änderungen zur Novellierung des Düngegesetzes im Bundesrat im Sommer 2024 keine Mehrheit fanden, soll eine Einigung nun im Vermittlungsausschuss erarbeitet werden. Die Änderung des Gesetzes soll unter anderem dazu dienen, ein von der EU-Kommission im Rahmen des Verletzungsverfahrens gefordertes Monitoring der Wirkung der Düngeverordnung aufzusetzen. Mitverhandelt wird auch die Stoffstrombilanzverordnung, deren Streichung alle Bundesländer befürworten.
Der DBV und die Landesbauernverbände fordern seit Start dieser Hoftor-Bilanz im Jahr 2018 die Abschaffung. Hintergrund für die Ablehnung ist der immense zusätzliche bürokratische Aufwand und auch, dass diese Bilanzierungsmethode zum Nachweis einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung und zur Verbesserung der Gewässerqualität nicht geeignet ist. Alle Energie sollte in die Monitoringverordnung gesteckt werden, damit die Zusagen an die EU-Kommission erfüllt werden können, nachdem die Länder schon umfangreiche Vorarbeiten zur Erhebung der einzelbetrieblichen Daten geleistet haben.
In Schleswig-Holstein werden dafür bereits seit 2023 die einzelbetrieblichen Düngedaten im Portal Endo-SH abgefragt. Des Weiteren muss aus Verbandssicht dringend das Thema Verursachergerechtigkeit und Maßnahmenbefreiung in den Roten Gebieten für nachweislich gewässerschonend wirtschaftende Betriebe von der Bundesregierung angegangen werden.BVSH
Die EU-Kommission hat die Reformfortschritte der Ukraine auf ihrem Weg zur EU-Mitgliedschaft ausdrücklich gewürdigt. Der aktuell laufende sogenannte Screening-Prozess verlaufe reibungslos, heißt es im alljährlich vorgelegten „Erweiterungspaket“, in dem der Stand der Beitrittsprozesse der aktuell zehn Beitrittskandidaten bewertet wird. Erste inhaltliche Verhandlungen mit der Ukraine will die Kommission deshalb schon 2025 beginnen.
Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) erklärte anlässlich der Vorstellung des Berichts die EU-Erweiterung zu einer der Hauptprioritäten der neuen Kommission. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell betonte die Notwendigkeit einer wertebasierten Erweiterung der Union. Auch EU-Erweiterungskommissar Olivér Várhelyi sprach mit Blick auf den Beitritt der Ukraine, Moldawiens und der westlichen Balkanstaaten von einem „geostrategischen Investment in Frieden, Stabilität, Sicherheit und sozioökonomisches Wachstum“.
Fortschritte im Agrarbereich
In dem Bericht wird aber auch deutlich, dass die Ukraine noch einen langen Weg vor sich hat, bis das Land die rechtsstaatlichen, institutionellen und wirtschaftlichen Standards der EU erfüllt. Anerkannt wird, dass trotz der enormen Zerstörungen durch den russischen Angriffskrieg Reformfortschritte erzielt wurden, so etwa im Justizbereich, wo der Auswahlprozess für Richter am Verfassungsgericht reformiert und eine unabhängigere und schlagkräftigere Korruptionsbekämpfung auf die Beine gestellt wurden. Auch im Agrarsektor der Ukraine stellt die EU ein Vorankommen fest.
Um die Angleichung an die europäischen Standards voranzutreiben, empfiehlt die Kommission der Ukraine, die nationale Strategie für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bis 2030, die noch vor dem Jahresende verabschiedet werden soll, konsequent umzusetzen.
Der Bericht listet zudem bereits erfolgte konkrete Reformvorhaben auf. Beispielsweise wurden erste Pilotprojekte für entkoppelte Zahlungen an Landwirte gestartet, um staatliche Unterstützungszahlungen künftig an die der EU anzupassen. Im Bereich der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) arbeite die Ukraine außerdem an der Angleichung der Gesetzgebung, insbesondere bei den Vermarktungsstandards. Auch wurde ein Gesetz über Weinbau und Rebsorten verabschiedet, das den europäischen Vorgaben entspricht.
Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, entsprechen die ukrainischen Tierwohlregelungen zwar noch nicht den EU-Standards; immerhin aber wurden auch im Veterinär- und Tierschutzbereich Fortschritte erzielt. So wurden beispielsweise Gesetze zur Überwachung übertragbarer Tierkrankheiten und zum Tierwohl erlassen. Eine Pilot-Einführung des europäischen Datenbanksystems Traces für den Handel mit tierischen Produkten wurde erfolgreich abgeschlossen und ist nun in begrenztem landesweiten Einsatz. Die Ukraine habe außerdem das Schnellwarnsystem der EU für Lebensmittel und Futtermittel vollständig integriert. Auch wurden Regulierungen zur Gentechnik verabschiedet, die bereits in Teilen EU-Standards erfüllen.
Export soll Devisen bringen
Unterdessen geht die Ukraine schärfer gegen die Unterschlagung von Deviseneinnahmen im Exportgeschäft vor. Um die Kontrolle zu verbessern und Schattenmärkte zu verhindern, wurde vom Kiewer Wirtschaftsministerium jetzt ein sogenanntes Exportgarantieverfahren vorgestellt, das bei der Ausfuhr einer Reihe von Agrarprodukten gelten soll. Dazu zählen Getreide, Pflanzenöle, Presskuchen, Nüsse und Honig. Die neue Regelung soll angewendet werden, bis das derzeit geltende Kriegsrecht wieder abgeschafft ist. Gemäß dem Exportgarantieverfahren dürfen Waren ausschließlich von registrierten Mehrwertsteuerzahlern ausgeführt werden. Außerdem werden laut Ministerium Mindestausfuhrpreise für Waren festgesetzt, die der Ausfuhrgarantie unterliegen. Die Differenz zwischen dem Rechnungsund dem Zollwert dieser Produkte darf nicht negativ sein.
Um die Einhaltung der Vorschriften zu überwachen und zu kontrollieren, werden die Nationalbank, der staatliche Steuerdienst und der staatliche Zolldienst untereinander Informationen austauschen. Darüber hinaus wurden Grundsätze festgelegt, nach denen Steuerrechnungen ausgefüllt und in einem einheitlichen Register registriert werden müssen. age
Munition belastet Ackerkulturen
Die Kampfhandlungen in der Ukraine bedrohen nicht nur die dortige Bevölkerung. Durch den vermehrten Einsatz von Artilleriegeschossen, Minen und Kleinkalibermunition ist auch mit einer Belastung durch Schadstoffe in landwirtschaftlichen Produkten zu rechnen, die wiederum über den Export auf dem Weltmarkt landen. Die eingesetzten Waffen und deren Auswirkungen hat Dennis Röger in seiner Bachelorarbeit im Studiengang Energie- und Umweltmanagement der FH Burgenland analysiert. Das größte Problem stellen Röger zufolge Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Zink sowie anorganische und organische Explosivstoffe wie TNT und Hexogen (RDX) dar. Kontaminiert werde der Boden zum Beispiel durch Landminen, Blindgänger oder nicht verfeuerte Munition. Die Aufnahme der Schadstoffe in das Ökosystem erfolge durch Luftfeuchtigkeit und Regen. Die im UkraineKrieg am häufigsten verwendeten Sprengmittel TNT und RDX zeigten ein unterschiedliches Verhalten bei der Aufnahme in die landwirtschaftlichen Produkte, heißt es in der Arbeit. RDX reichere sich vor allem in den oberirdischen Teilen der Pflanze an. Die höchste Konzentration an TNT sei hingegen in den Wurzeln festgestellt worden. age
Die Lage in der Ukraine hat sich seit der russischen Invasion am 23. Februar 2022 dramatisch verschlechtert. Der ukrainische Agrarjournalist und Branchenexperte Iurii Mykhailov sprach mit Dr. Katharina Seuser, Agrarjournalistin und Professorin für Technikjournalismus, über die Situation in der Ukraine und die Folgen für Menschen und Landwirtschaft.
Dr. Katharina Seuser: Wie geht es den Menschen in Kiew, und wie sieht ihr tägliches Leben aus?
Iurii Mykhailov: Momentan ist Kiew wohl die sicherste Stadt in der Ukraine – wir werden von einem mehrschichtigen Raketenabwehrsystem geschützt. Die ganze Ukraine ist ständig von Angriffen betroffen, von West nach Ost, aber in anderen Städten gibt es keine so gute Verteidigung wie in Kiew. Die Menschen sind überall kriegsmüde, auch in Kiew. Viele Bürger reagieren nicht mehr auf Alarme, sie gehen ihrem Alltag nach. Das liegt auch am Mangel an Schutzräumen und der schlechten Ausstattung. In Kiew dienen vor allem unterirdische Straßenübergänge und U-Bahn-Stationen als Schutzräume. Sie haben nur eine begrenzte Kapazität – das U-Bahn-System ist nicht so gut ausgebaut wie in Berlin, London oder Paris – und es gibt keine Sitzplätze, keine Toiletten, kein Wasser. Es ist windig und im Winter wird die Situation noch schlimmer.
Putins Strategie zielt darauf ab, die Energie-Infrastruktur zu zerstören, um den Widerstand der ukrainischen Zivilbevölkerung zu brechen. Hast du Angst vor dem nächsten Winter?
Ja, habe ich. Der Winter wird die Lage noch ernster machen als sie bereits ist. Die Russen haben alle Kohle- und Gaskraftwerke zerstört, der Strom kommt jetzt hauptsächlich aus Atomkraftwerken, und die liefern nicht die benötigte Energie. Wir müssen mit täglichen Stromausfällen von mehreren Stunden rechnen. Die ukrainischen Behörden warnen, dass sie im kommenden Winter bis zu 20 Stunden täglich dauern könnten.
Besonders betroffen sind die Bewohner von mehrstöckigen Häusern: Aufzüge und Elektroherde funktionieren nicht, in den oberen Stockwerken gibt es keine Wasserversorgung, keine Elektroheizung, und das wird insbesondere die Situation älterer Menschen und von Frauen mit kleinen Kindern noch verschlimmern.
Die Lage ist für die Zivilbevölkerung schrecklich – wie ist sie für Landwirtinnen und Landwirte?
Das größte Problem ist die Verseuchung landwirtschaftlicher Flächen mit Minen. Es gibt Berechnungen, dass die Minenräumung mehrere Hundert Jahre dauern wird. Nach Angaben des Pressezentrums des ukrainischen Parlaments sind seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion 128 ukrainische Bauern durch Sprengsätze wie Minen gestorben. Das zweitgrößte Problem ist der Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft. Viele Männer arbeiten als Soldaten und viele Frauen mit Kindern haben die Ukraine verlassen. Auch deshalb versuchen Agrarunternehmen heute, weibliche Mitarbeiter anzuwerben. Und natürlich gibt es eine riesige Menge beschädigter und zerstörter landwirtschaftlicher Maschinen.
Wie ist die Situation von Agrarjournalistinnen und Agrarjournalisten?
Die Lage der Agrarjournalisten ist sehr schlecht, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Die Einnahmen aus Anzeigen für die Agrarmedien sind stark zurückgegangen. Die meisten Medienhäuser haben die Produktion von Printmedien eingestellt und die Zahl ihrer Mitarbeiter reduziert. Sie veröffentlichen nur noch online.
Seit Kriegsbeginn wurden mehr als 230 Medienhäuser geschlossen. Ein Beispiel ist die Zeitung „День“ („Der Tag“), ein anderes die Poltawer Regionalzeitung „Козельщинські вісті“ („Die Koselschtschyna-Nachrichten“). Die Agrarmedien „AgroNik“, „Аналітичне Агентство Agriculture“ („Analyseagentur Landwirtschaft“), „Висник фермер України“ („Ukrainischer Bauernherold“), „Село полтавське“ („Das Dorf Poltawa“) und „Агросвіт“ („Die Welt der Landwirtschaft“) wurden eingestellt.
Auch die Medien sind vom Fachkräftemangel betroffen, wie andere Unternehmen und die Landwirtschaft. Journalisten arbeiten großteils aus der Ferne, die Stromausfälle beeinträchtigen ihre Arbeit.
Welche Hoffnung hast du, und was denkst du über Friedensverhandlungen?
Wenn dieser Ermüdungskrieg noch lange anhält, wird die Ukraine kapitulieren, denn die russische Wirtschaft ist stärker als unsere und die russische Bevölkerung ist vierbis fünfmal so groß. (Anmerkung Mykhailov vom 14. Oktober: Neuste Nachrichten haben nordkoreanische Truppen in der Ukraine gemeldet.) Deshalb verlangt die Ukraine mehr Waffen und die Erlaubnis, diese auch auf russischem Territorium einzusetzen. Meiner Meinung nach kann nur militärische Stärke die russische Aggression stoppen. Ich denke, dass ein auf Verhandlungen basierender Frieden nicht lange halten wird.
Russland hat bereits fünf ukrainische Regionen in seine Verfassung aufgenommen, von denen nur eine, nämlich die Krim, vollständig von Russland besetzt ist. Selbst wenn es heute eine Einigung gäbe, würde Russland in Zukunft darauf bestehen, dass diese Regionen Teil des eigenen Territoriums sind.Fragen: Dr. Katharina Seuser
Ein großes Problem für die Landwirtschaft in der Ukraine sind die Minen in den Ackerflächen.Foto: Imago
Saporischschja, Ukraine: Ein Pionier sucht auf einem erntereifen Weizenfeld auf einer Farm in der Nähe von Saporischschja nach möglichen Blindgängern. Foto: ImagoÖrtliche Bauern befestigen das Fragment einer russischen Rakete an einem Traktor, um es herauszuziehen, während sie die Felder trotz verstreuter Munitionssplitter und nicht explodierter Granaten bestellen (Region Saporischschja, Südostukraine). Foto: Imago
Ein durch den Beschuss russischer Truppen beschädigter Getreidespeicher ist auf dem Bauernhof Herasymenko, früher bekannt als Steviia, im Dorf Anysiv in der Region Tschernihiw in der Nordukraine zu sehen. Von russischen Besatzern beschädigter Bauernhof in der Region Tschernihiw. Foto: Imago