Ein langfristiger, großflächiger Stromausfall (Blackout) kann besonders auf landwirtschaftlichen Betrieben innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Einschnitten in der Produktion bis hin zu existenzgefährdenden, nicht umkehrbaren Folgen führen. Um auf die Gefahren eines solchen Versorgungsausfalls aufmerksam zu machen und Empfehlungen für die richtige Vorsorge zu geben, hat der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband einen Info-Flyer herausgegeben.
Trotz eines im internationalen Vergleich stabilen Stromnetzes in Deutschland ist die Gefahr eines Blackouts hierzulande zuletzt gestiegen. Die Ursachen für einen Ausfall können unterschiedlich sein und auch bewusst von außen herbeigeführt werden, etwa durch Cyberangriffe oder Sabotage. „Die allgemeine Bedrohungslage für großflächige Stromausfälle hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft“, erklärt Wolf Dieter Krezdorn vom Bauernverband Schleswig-Holstein, der den Flyer gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband erarbeitet hat. Auch Extremwetterereignisse könnten die regionale Infrastruktur samt Stromversorgung zum Erliegen bringen. Angriffe im Cyberraum stellten eine zunehmende Gefahr für die Grundversorgung mit Energie, aber auch für die Telekommunikation dar.
Kommt es zum unerwarteten Energieausfall, sollten landwirtschaftliche Betriebe für den Erhalt der wichtigsten stromgebundenen Funktionen auf dem Hof vorbereitet sein. „Auf vielen Höfen gibt es keine Notfallkonzepte, geschweige denn eine zuverlässige Notstromversorgung“, macht Krezdorn deutlich. Die zumeist freiwilligen Einsatzkräfte der Feuerwehren oder des Technischen Hilfswerks (THW) können nicht flächendeckend für einen ausreichenden Ersatz sorgen. Jörg Nero, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein, betont: „Die Ressourcen der Rettungskräfte reichen im Katastrophenfall nicht für alle Anforderungen. Landwirte sollten unbedingt Vorsorge treffen, um ihre Betriebe vor einem flächendeckenden Stromausfall zu schützen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt würde ein Blackout laut Krezdorn auf vielen Betrieben zu existenzgefährdenden Engpässen, Ausfällen und Verlusten führen. Auch BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht betont: „Die Gefahr eines Blackouts sollte jeder ernst nehmen. Gerade tierhaltende Betriebe brauchen einen Notfallplan und eine sichere Notstromversorgung.“
Doch neben der Anschaffung eines Stromaggregats ist auch die betriebliche Energie-Infrastruktur auf die Versorgung mit Notstrom abzustimmen, wie Krezdorn erläutert: „Tierversorgung, Belüftung, Beleuchtung, Kühlung und Trocknung sowie Fütterungs- und Melktechnik bleiben so auch im Notfall funktionsfähig.“ Auch in der gartenbaulichen Produktion würde der Ausfall von Klimatisierungs- und Bewässerungsanlagen in kurzer Zeit erhebliche Ertragsschäden verursachen. Zudem führe die Abhängigkeit vieler Betriebe von der zentralen Wasserversorgung (Frisch- und Abwasser) im Krisenfall zu schweren Versorgungsproblemen.
In solchen Lagen sind unzählige Einrichtungen, Betriebe und Behörden betroffen und eine mögliche Hilfestellung durch Feuerwehr und THW obliegt der Einsatzleitung des jeweiligen Führungsstabes. Bei örtlich begrenzten Notfällen kann die Feuerwehr helfen, indem sie eine Zeit lang ein Stromaggregat bereitstellt oder beim Sicherstellen der Wasserversorgung unterstützt. Das THW kann helfen, indem es etwa mobile Pumpen oder andere Geräte zur Verfügung stellt, um die Versorgung der Tiere zu sichern. „Die Kapazitäten reichen aber nicht aus, um alle betrieblichen Systeme weiterzubetreiben. In einer großflächigen und länger andauernden Notlage wird eine mögliche Hilfe wohl nur sehr eingeschränkt möglich sein“, gibt Nero zu bedenken.
Umso wichtiger ist eine systematische Notfallplanung auf den Betrieben, deren Vorlaufzeit nicht unterschätzt werden sollte. Hier ist das Ermitteln der Prozesse und Aufgaben, die im Notbetrieb weiterlaufen müssen, entscheidend. Festzulegen ist dabei, welche Betriebsteile zwingend mit Strom versorgt werden müssen, sowie Einsatzzeiten, Anzahl und Größe der Notstromaggregate und die Treibstoffmenge (für mindestens 72 Stunden), die bevorratet werden muss. Die betriebsinterne Notstromversorgung ist durch einen Elektrotechniker zu installieren und regelmäßig zu prüfen. Regelmäßig sollten Notfallübungen durchgeführt werden. Aggregate und Alarmeinrichtungen sind mindestens monatlich auf ihre Funktion zu überprüfen. Nero unterstreicht: „Für landwirtschaftliche Betriebe ist es unumgänglich, sich im Vorwege Gedanken zu machen und das Gespräch mit den Behörden und der örtlichen Feuerwehr zu suchen sowie entsprechende Notfallpläne zu erstellen.“
Doch die individuelle Vorsorge ist noch aus einem weiteren Grund wichtig, wie Krezdorn erläutert: „Ein Blackout stellt keine versicherte Gefahr im Sinn der betrieblichen Sachversicherung dar und ist in der Regel nicht versicherbar. Dies gilt für Sachbeschädigung ebenso wie für eine Betriebsunterbrechung.“ Landwirte sollten daher mit ihrem Versicherer klären, ob und in welchem Umfang beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen bei einem Blackout mit einer Versicherungsleistung gerechnet werden kann.
Der Flyer liegt in allen Kreisgeschäftsstellen des BVSH aus und ist als PDF-Datei im Internet abrufbar unter bauern.sh
Checkliste zur Notstromversorgung
– Wie viel Leistung benötigt der Betrieb?
– Sollen der Gesamtbetrieb, bestimmte oder nur einzelne Betriebseinrichtungen versorgt werden?
– Welche Anlaufströme sind zu erwarten?
– Welcher Sicherheitszuschlag ist zu berücksichtigen?
– Wird ein Notstromgenerator mit automatischer Spannungs- und Frequenzregelung benötigt?
– Wo soll das Notstromaggregat aufgestellt werden?
– Wo kann der Einspeisepunkt ins Betriebsnetz installiert werden?
– Ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) notwendig?
– Welche Geräte und Daten müssen abgesichert werden?




