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Schwergeburt einmal anders

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Die Projekttage der Fachschule für Landwirtschaft Bredstedt standen für einen Teil der Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Tierwohl in der Milchviehhaltung“. Tag eins startete für elf Teilnehmer am 19. März im Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) im neuen AgriSkills Lab. Wie lange darf der Enthornungsstab maximal angesetzt werden? Wie korrigiere ich eine Karpalbeugehaltung in der Geburtshilfe? Und wo muss ich im Ernstfall das Bolzenschussgerät korrekt ansetzen? Diese und weitere Fragen wurden beleuchtet und konnten mit praktischen Übungen am Simulator trainiert werden.

Die Projektgruppe von Kathrin Carstensen fand sich morgens im AgriSkills Lab ein. Hannah Straky (Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“) und Lisa Wieckhorst (Projekt „AgriSkills Lab“) begrüßten die Teilnehmenden und stellten zunächst ihre Projekte vor, die beide vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert werden.

Das „Netzwerk Fokus Tierwohl“ hat es sich zum Ziel gemacht, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern und die Nutztierhaltung in Deutschland unter anderem im Bereich des Tierwohls zukunftsfähig zu machen. Dafür werden beispielsweise verschiedene Medien zur Verfügung gestellt und kostenlose Fortbildungen angeboten.

Eines der Ziele des Projekts „AgriSkills Lab“ ist die Einrichtung einer Lernwerkstatt, die zur Steigerung des Tierwohls durch das Trainieren von richtigen Handgriffen beitragen soll. Dafür stehen unterschiedliche Simulationen und Dummys zur Verfügung, um realitätsnah, aber ohne lebendige Tiere üben zu können.

Für die Projektwoche bot sich eine Kombination beider Projekte an, um den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ein breites Angebot bieten zu können.

Raum voller Möglichkeiten

Die Ziele bei der Gestaltung des Projekttages waren, das vorhandene Vorwissen der Teilnehmer kurz aufzufrischen, aber vor allem die praktischen Handgriffe tiergerecht zu üben und zu festigen. Dafür ist das deutschlandweit einzige AgriSkills Lab bestens geeignet. In Anlehnung an Clinical Skills Labs aus dem Bereich der Tiermedizin befindet sich der zirka 100 m² große Raum des AgriSkills Lab in Futterkamp seit Oktober 2022 in der Entwicklung. Aktuell sind die meisten Stationen vollständig bestückt und die dazugehörigen Lerneinheiten befinden sich in der Entwicklung. Auch ohne die fertigen Lerneinheiten ist eine Nutzung mit der Betreuung durch die LKSH bereits grundsätzlich möglich.

Die Projektgruppe beschäftigte sich lediglich mit einem Teil der Lernstationen aus dem Rinderbereich. Es stehen auch verschiedene Möglichkeiten im Schweinebereich zur Verfügung. Dazu gehören die Ferkelkastration, das Nottöten, die Besamung und die Vermittlung von anatomischen Kenntnissen.

Simulator zur Trächtigkeit

Die Projektgruppe konnte mithilfe von Simulation auf einer VR-Brille theoretische Kenntnisse zur Enthornung trainieren und dabei das eigene Wissen in kleinen Quizfragen testen. Im Anschluss kamen alle Gruppenmitglieder zusammen, um sich über das Gelernte und über eigene Erfahrungen auszutauschen.

Im AgriSkills Lab geht es aber nicht nur um die Vermittlung von theoretischem Wissen, sondern vor allem um die praktische Übung. Dafür steht ein sogenannter Demonstratorstab zur Verfügung, mit dem alle einmal die Enthornung an einem Kälberdummy durchführen konnten. Eine App, aber auch die kritischen Blicke der Teilnehmer gaben dann ein direktes Feedback zur Handhabung und zu dem Enthornen.

Am Trächtigkeitssimulator wird die Haptik geschult.

Parallel zur Enthornung legte der zweite Teil der Gruppe bereits Hand am Trächtigkeitssimulator an. In dem Rinderdummy können unterschiedliche Gebärmuttereinsätze verbaut werden, die den Teilnehmenden zum Beginn der Station gezeigt wurden. Das Betrachten der Gebärmutter ist in der Realität natürlich nicht möglich, aber für die Vorstellung des Erfühlten eine wahre Bereicherung. Nach der optischen Begutachtung wurde dann jeweils eine Gebärmutter so in den Rinderdummy eingehängt, dass sie für die Fachschülerinnen und -schüler nicht sichtbar war. Im Anschluss an die optische Beurteilung wurde die Haptik, also die Wahrnehmung durch den Tastsinn, trainiert. Dafür konnten alle auf die Kuh fassen und für sich eine Vermutung über den Status und die Dauer der Trächtigkeit sowie über die Anzahl der Follikel und Gelbkörper aufstellen. Am Ende gab es natürlich die richtige Antwort und einen abschließenden Blick „hinter die Kulissen“ auf die Gebärmutter.

An der letzten Station fand eine kurze Präsentation statt, um theoretisches Wissen zur Nottötung beim Rind zu erhalten oder aufzufrischen. Dabei wurden zunächst die Begriffe „Transportfähigkeit“, „Schlachtfähigkeit“ und die Nottötung selbst thematisiert. Dann waren die geschulten Augen der TeilnehmerInnen gefragt: Mithilfe von Bildern sollte die Gruppe ihre Einschätzung zum Gesundheitszustand und zu dem weiteren Vorgehen mit dem Tier abgeben. Die Tierbeobachtung ist im Zusammenhang mit der Nottötung eine wichtige Grundlage, um Probleme rechtzeitig zu erkennen und reagieren zu können.

Im anschließenden theoretischen Input wurde besprochen, wie im Ernstfall eine Nottötung korrekt durchzuführen ist. Um sich mit dieser Handhabung vertraut zu machen, konnten alle Projektteilnehmenden mit dem Bolzenschussgerät den korrekten Ansatzpunkt lokalisieren und das Gerät betätigen.

Die Neuheiten im Milchviehstall in Futterkamp präsentierte Josephine Hahn. Sie arbeitet im Fachbereich Rinderhaltung und gab Einblicke in aktuelle Versuche.

Wichtige Geburtshilfe

An der letzten Station des Tages drehte sich alles um die Geburtshilfe. Im theoretischen Teil wurden allgemeine Informationen wie die Phasen der Geburt wiederholt und thematisiert, was als Schwergeburt gilt und ab welchem Anteil an Schwergeburten die Alarmglocken läuten sollten. Mit der Kenntnis über den Normalverlauf einer Geburt lassen sich Abweichungen bei entsprechender Kontrolle gut erkennen. Aber wie kann ich die Kuh im Fall der Fälle richtig unterstützen und wann sollte der Tierarzt hinzugezogen werden? Die praktischen Übungen fanden an zwei Geburtshilfesimulatoren statt, dort platzierten Hannah Straky und Lisa Wieckhorst Kälberdummys mit Abweichungen von der Optimallage in der Gebärmutter, ohne dass die Teilnehmenden davon etwas sehen konnten. Das nacheinander stattfindende Ertasten trainierte dabei erneut die Sensibilität der Fachschülerinnen und -schüler. Erst nachdem jeder eine Vermutung hatte, durften alle einen Blick auf das Kalb im Geburtshilfesimulator werfen. Reihum war dann die Aufgabe, nach allen Regeln der Kunst die Fehlstellung zu korrigieren und das Kalb auszuziehen.

Im Geburtshilfesimulator wurden Fehlstellungen des Kalbes ertastet und korrigiert.

Interesse geweckt?

Am Ende kamen alle zu einer Feedback-Runde zusammen. Die Betreuerinnen des Projekttages freuten sich insgesamt über die gute Beteiligung der Teilnehmenden mit fundierten Vorkenntnissen. Die Freude schien ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit zu beruhen, da auch die Rückmeldungen der Gruppe durchweg positiv ausfielen.

Informationen zu den Weiterbildungsmöglichkeiten über das „Netzwerk Fokus Tierwohl“ gibt es online (www.fokus-tierwohl.de). Hier gibt es verschiedene Medien wie Podcasts, Fachartikel, Videoreihen und kostenfreie Veranstaltungsangebote zum Rind wie zu anderen Tierarten. Weitere Informationen bei: Hannah Straky, ­hstraky@lksh.de, Tel.: 0 43 81-90 09 47.

Für weitere Informationen oder Buchungsanfragen wenden sich Interessierte an Lisa Wieckhorst, lwieckhorst@lksh.de, Tel.: 0 43 81-90 09 46.

Silomais mit Untersaaten für Fruchtwechsel andenken

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Laut „Informationsbroschüre über die einzuhaltenden Verpflichtungen bei der Konditionalität (Stand 14. Januar 2025) und der sozialen Konditionalität (Stand 19. Dezember 2024)“ ist im Jahr 2025 unter Glöz 7 der Fruchtwechsel festgeschrieben, sodass auf jedem Ackerschlag im Zeitraum von drei aufeinanderfolgenden Jahren mindestens zwei verschiedene Hauptkulturen anzubauen sind. Außerdem ist auf mindestens 33 % des Ackerlandes des Betriebes ein jährlicher Wechsel der Hauptkultur vorzunehmen oder vor dem erneuten Anbau derselben Hauptkultur eine Zwischenfrucht, die mindestens bis zum Ablauf des 31. Dezember auf der Fläche vorhanden ist, in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis anzubauen.

Ein Anbau der Zwischenfrucht ist auch erfüllbar durch den Anbau einer Untersaat. Also haben Untersaaten im Mais zur Einhaltung der Konditionalität weiterhin eine Bedeutung. Eine Untersaat im Mais zu etablieren ist machbar, aber auch herausfordernd und hat Grenzen. Passende Witterung, ausreichende Bodenfeuchtigkeit, Schattenverträglichkeit der Gräser, Bestelltermin, Herbizidstrategien im Mais und in der Folgekultur sind nur einige Punkte, die es zu beachten gilt.

Als Untersaaten haben sich Grasmischungen aus Deutschem und Welschem Weidelgras zu gleichen Teilen in der Praxis bewährt. Langjährige Versuche der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein mit einer Grasuntersaat in der Kulturpflanze Mais bestätigen die erfolgreiche Durchführbarkeit mit Einschränkungen.

Die Grasuntersaat am 14. Oktober 2024 

Flächenplanung beachten

Konkurrieren Untersaaten und Mais um Wasser und Nährstoffe auf sehr leichten und stark austrocknenden Sandflächen, scheiden diese Ackerflächen zur Bestellung aus.

Von Flächen mit starker Verungrasung durch Hirsearten, Quecken und/oder Ackerfuchsschwanz wird für Grasuntersaaten im Silomais abgeraten. Bei hohem Besatz mit Storch- und Reiherschnabel wird aufgrund zu gering einzusetzender Mengen an Bodenherbiziden die erwartete Wirkung nicht erfüllt. Es zeigt sich, dass Erfahrungen mit dem Auftreten von Unkräutern und Ungräsern die Flächenplanungen für Mais mit Grasuntersaaten erleichtern.

Grasaussaat in Maisbestand

Grasmischungen aus 50 % Deutschem Weidelgras mit guter Winterhärte und 50 % Welschem Weidelgras mit guter Wüchsigkeit bieten sich als Untersaaten im Silomais an. Die Saatstärke des Grases liegt im Achtblattstadium des Maises bei etwa 15 bis 20 kg/ha, bei wüchsiger Folgewitterung kann die Saatmenge auf 10 kg/ha reduziert werden. Ist die Bodenfeuchtigkeit ausreichend, keimen die Grassamen zügig innerhalb weniger Tage, bei trockenen Bedingungen kann sich das Auflaufen der Samen deutlich verzögern. Eine breitflächige Ausbringung mit Pneumaticstreuer ohne anschließende Bodenbearbeitung ist machbar, da Weidelgräser zu den Lichtkeimern gehören. Die Untersaat kann auch bei ähnlichen Aussaatmengen mit Gülle ausgebracht werden. Eine zu frühe Grasaussaat birgt die Gefahr des Überwachsens der Gräser. Somit kann es zu Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zwischen Untersaat und Mais kommen. Die Grasuntersaat sollte etabliert sein, wenn die Maisreihen schließen. Wüchsige Witterungsbedingungen während der Zeit der Grasaussaat bis zum Reihenschluss des Maises bilden hier die Basis für den Erfolg einer Untersaat.

Witterung und Herbizide entscheidend

Die Entwicklung einer Grasuntersaat wird maßgeblich von den eingesetzten Herbiziden und der Witterung beeinflusst. Einige Pflanzenschutzmittel haben auch eine Wirkung auf Gräser (zum Beispiel Elumis), diese dürfen nicht unmittelbar vor der Aussaat der Untersaat appliziert werden. Bodenherbizide können einen andauernden Einfluss auf die Untersaat haben. Daher sollten Bodenwirkstoffe auch nur mit 25 % der maximal zugelassenen Aufwandmenge in der ersten Maßnahme einer Spritzfolge eingesetzt werden. Andauernde Trockenperioden und geringe Niederschläge können zur Folge haben, dass die Grasuntersaat ein Misserfolg wird. Sie benötigt für eine ausreichende Keimung genügend Feuchtigkeit. Wenn der Standort zum Zeitpunkt der Einsaat der Untersaat unter Trockenstress leidet, sollte auf eine Untersaat verzichtet werden. Die Abbildung zeigt mögliche Herbizidvarianten für eine Grasuntersaat. Es sollte immer darauf geachtet werden, dass zwischen der letzten Herbizidanwendung und der Aussaat der Gräsermischung ein Abstand von mindestens 14 Tagen liegt. Ein gewisses Risiko sich entwickelnder Resistenzen der Gräser gegenüber Herbiziden kann nicht ausgeschlossen werden. Voraussetzung für eine Verbreitung und Etablierung von Resistenzen auf einer Fläche ist, dass resistente Samen in den Boden eingetragen werden. Weidelgräser in der Funktion der Grasuntersaat in der Kultur Mais werden nicht mit Sulfonylharnstoffen behandelt, sie kommen frühestens 14 Tage nach der letzten Herbizidbehandlung auf die Fläche. Somit findet im Mais keine Selektion statt. Allerdings wird in der Gräservermehrung mit Herbiziden gearbeitet, sodass ein gewisses Risiko nicht ausgeschlossen werden kann.

Haben die Herbizidanwendungen nicht den gewünschten Effekt erzielt, kann der Einsatz einer Reihenhacke vor der Aussaat der Untersaaten die Wirkung auf Unkräuter und Ungräser verbessern. Eine gute und bewährte Möglichkeit ist auch die Ausbringung der Untersaat mit einer Hacke, so werden die Aspekte der Unkrautbekämpfung und verbesserte Auflaufraten der Weidelgräser miteinander kombiniert.

Versuche zu Grasuntersaat im Mais

Silomaisversuche mit Grasuntersaat laufen langjährig auf der Versuchsstation Schuby (SL) der Landwirtschaftskammer, seit zwei Jahren allerdings nicht mehr ortsfest, da der Hirsedruck zu groß wurde. Pro Hektar wird ein Bestand mit 90.000 Maispflanzen bei 75 cm Reihenweite angestrebt. Die Graseinsaat von 8 kg/ha Deutschem und Welschem Weidelgras erfolgt im Fünf- bis Sechsblattstadium des Maises mit einer Biodrill von Väderstadt, die das Saatgut über Säschläuche in den Maisbestand sät. In Tabelle 1 sind die gemittelten Trockenmasseerträge des Silomaises mit und ohne Grasuntersaat ab dem Versuchsjahr 2015 aufgeführt. Es zeigt sich eindeutig, dass keine Konkurrenz zwischen Kulturpflanze Mais und Grasuntersaat-Mischungen aus 50 % Deutschem und 50 % Welschem Weidelgras im Versuchsmittel festzustellen ist. In Einzeljahren ist erkennbar, dass die Untersaat den Trockenmasseertrag des Silomaises auch positiv beeinflussen kann.

Einfluss der Maissorte

Mit der mehrjährig durchgeführten Versuchsreihe kann übers langjährige Versuchsmittel auch die Frage beantwortet werden, inwieweit Blattstellung (Tabelle 2) und Pflanzenlänge (Tabelle 3) der Kulturpflanze Mais einen Einfluss auf die Wüchsigkeit der Grasuntersaat haben. Die planophile (horizontale, waagerechte) Blattstellung der Maissorte führt zu einer früheren Beschattung des Bodens als die erektophile (vertikale, senkrechte) Blattstellung. Eher kleinwüchsige, kompakte Maissorten lassen hingegen mehr Licht im Bestand vermuten als großwüchsige, massenbetonte Maissorten. Mehrjährig zusammengefasst können keine statistischen Unterschiede im Silomaisertrag zwischen den unterschiedlichen Maistypen in Bezug auf das Anbausystem mit und ohne Grasmischung als Untersaat festgestellt werden (siehe Tabelle 4). Auch die mehrjährig ermittelten Silomaisqualitäten erfahren keine Einbußen, wenn Grasuntersaaten im Mais gesät wurden (Ergebnisse nicht aufgeführt).

Nach der Maisernte

Nach der Silomaisernte wird eine gründliche Zerkleinerung der Maisstoppel durch entsprechende Schlegelgeräte oder Walzen empfohlen, um die Fusariumbelastung zu reduzieren und der Ausbreitung des Maiszünslers vorzubeugen. Die Bestockung der untergesäten Gräser wird angeregt und somit die Narbendichte gefördert. Eine Untersaat im Mais ist zu überlegen, um den Boden nach der Silomaisernte erosions- und auswaschungsreduzierend zu begrünen und um den geforderten Fruchtwechsel (Glöz 7) der Hauptkultur auf 33 % des Ackerlandes zu erfüllen.

Überraschungskandidat aus Bayern

Söder sucht Bauer“ hieß es einige Wochen lang bei der CSU. Jetzt ist der Mann für das Landwirtschaftsministerium gefunden, er heißt Alois Rainer (CSU). CSU-Chef Dr. Markus Söder hat den 60-jährigen gelernten Metzgermeister am Montag für das Amt des Bundesagrarministers nominiert. Der bayerische Ministerpräsident hatte sich bis zuletzt für die Besetzung des Landwirtschaftsministeriums durch einen CSU-Kandidaten starkgemacht. Ursprünglich präsentierte er im Wahlkampf den bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner als Kandidaten. Der zog seine Bewerbung vor einem Monat zurück, nachdem Tierrechtsaktivisten auf seinem Hof eingedrungen waren.

Rainers politischer Werdegang ist bodenständig. Neben einer Gaststätte betrieben seine Eltern eine Landwirtschaft. Es folgte die Ausbildung als Metzger und Meisterprüfung. Er war 18 Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Haibach, das zeigt er sollte sich auskennen mit den Themen des ländlichen Raums. Er ist parkettsicher im Parlament. Seit 2013 vertritt er den Wahlkreis 230 Straubing als Abgeordneter im Bundestag. Rainer war Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und Ernährung. Während der Ampel-Koalition seit Dezember 2021 war er der Vorsitzende des Finanzausschusses. Als erprobter Haushalts- und Finanzpolitiker bringt er einen Erfahrungsschatz mit, von dem das Landwirtschaftsressort in den kommenden Verhandlungen um die Verteilung des Sondervermögens Infrastruktur profitieren könnte.

Der designierte Landwirtschaftsminister setzt sogar eine Familientradition fort. Schon sein Vater war Abgeordneter im Bundestag. Seine ältere Schwester, Gerda Hasselfeldt (CSU), machte Karriere als Bundesbau- und als Bundesgesundheitsministerin – sie war die erste Frau an der Spitze der CSULandesgruppe.

Markus Söder will keine Überraschungen erleben und hat die Besetzung des Landwirtschaftsministeriums wohl austariert mit zwei starken Staatssekretärinnen. Mit der CDU-Abgeordneten Silvia Breher, Juristin aus Niedersachsen, ist der Bereich größerer Betriebe abgedeckt. Mit Martina Englhardt-Kopf (CSU), Nebenerwerbslandwirtin und Wirtschaftspädagogin aus Niederbayern, wird laut Söder der kleinteilige ländliche Raum vertreten.

Aktuell ist die Stimmung in der Landwirtschaft gut. Dazu dürfte neben der Preisentwicklung auch der Wahlausgang seinen Teil beigetragen haben. Trotzdem steht der neue Landwirtschaftsminister vor einer großen Aufgabe. Es ist einiges an Vertrauen in die Politik verloren gegangen und es ist viel Unruhe entstanden. Das haben die letzten Großdemonstrationen der Bäuerinnen und Bauern in Berlin gezeigt und das zeigen die Hofaufgaben. Die Branche braucht spürbare Entlastungen, politische und finanzielle Unterstützung für die anstehenden Transformationsprozesse, vor allem beim Umbau der Tierhaltung.

Für seinen ersten Bundestagswahlkampf ließ der neue Landwirtschaftsminister damals in seiner Metzgerei Dosen mit der Aufschrift herstellen „Weil es nicht Wurst ist, wer Sie im Bundestag vertritt“. Für die neue Regierung geht es um mehr als die Wurst und um viel Verantwortung. Sie hat genau eine Legislaturperiode Zeit, das Ruder herumzureißen. Dazu mahnen die jüngsten Umfragen zum Wählerverhalten, bei denen die AfD die CDU/CSU jetzt erstmals überholt hat.

Investitionen müssen sich rechnen

Die Stimmung unter Deutschlands Bauern hat sich deutlich verbessert. Das zeigt das aktuelle Agrarbarometer der Landwirtschaftlichen Rentenbank, das vierteljährlich ermittelt wird. Demnach hat sich das Agrar-Geschäftsklima gegenüber der letzten Befragung im Winter 2024 von –1,2 Punkten auf nun –0,4 Punkte deutlich verbessert. Der Wert errechne sich aus den Zukunftserwartungen landwirtschaftlicher Betriebe und der Einschätzung der aktuellen Lage, erläutert die landwirtschaftliche Rentenbank.

Laut Rentenbank will rund ein Drittel der befragten Landwirte den Betrieb durch Diversifizierung auf eine breitere Basis stellen. Dazu sind für die kommenden zwei bis drei Jahre entsprechende Veränderungen geplant. Weiter ausgebaut werden sollen vor allem die Bereiche Photovoltaik und Ackerbau. Unter den Tierhaltern will knapp ein Fünftel auf eine höhere Haltungsform umstellen. Mittlerweile beurteilen 83 % der befragten Landwirte ihre aktuelle Situation als sehr gut, gut oder befriedigend; gegenüber der WinterBefragung ist das ein Plus von zwei Prozentpunkten.

In der Umfrage der Landwirtschaftlichen Rentenbank werden als Gründe für die positive Einschätzung vor allem die hohen Verkaufspreise für tierische Produkte und das eigene Betriebsmanagement genannt. Rund ein Drittel der befragten Landwirte will den Betrieb durch Diversifizierung künftig auf eine breitere Basis stellen. Als ungünstig oder sehr ungünstig wird die derzeitige Lage von 17 % der Befragten eingestuft; das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten. Hier werden die Agrarpolitik, die hohen Betriebsmittelpreise und die Bürokratie als Gründe angeführt.

Auch die Zukunftserwartungen der Landwirte haben sich im Vergleich zur vorangegangenen Befragung etwas verbessert. Rund 10 % der Landwirte schätzen ihre zukünftige Situation als besser oder viel besser ein; dies ist eine Steigerung um einen Prozentpunkt. Allerdings sind 34 % der Befragten davon überzeugt, dass es ihnen in zwei bis drei Jahren schlechter oder viel schlechter gehen werde als heute. Dennoch liegt der Wert auf der Skala des Agrarbarometers mit –2,8 Punkten deutlich über dem Wert der Herbstbefragung von –3,6.

Laut Rentenbank spiegeln sich die optimistischeren Zukunftserwartungen eines Teils der Landwirte und die positivere Einschätzung der aktuellen Lage aber noch nicht in der Investitionsbereitschaft wider. 60 % der befragten Landwirte und damit vier Prozentpunkte weniger als bei der letzten Erhebung planten in den nächsten zwölf Monaten Investitionen. Im Vergleich dazu hätten 77  % in den letzten zwölf Monaten investiert. Die Ergebnisse des Agrarbarometers zeigten aber, dass immer deutlich mehr investiert werde als ursprünglich geplant, so die Rentenbank. Dies deute auf eine hohe Flexibilität der Betriebe und eine schnelle Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen hin.

Die Vorstandssprecherin der Rentenbank, Nikola Steinbock, hob hervor, dass sich die Landwirte verändern und unter anderem durch Diversifizierung breit für zukünftige Herausforderungen aufstellen wollten. Entscheidend für die Umsetzung sei jedoch, dass sich diese Investitionen auch rechneten. Die Bauern investierten beispielsweise in neue Ställe, um den hohen Ansprüchen der Verbraucher an die Tierhaltung gerecht zu werden.

Sorghumsilage als Option für die Milchkuhfütterung?

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Ein Schwerpunkt der öffentlichen Tagung des DMK-Ausschusses Futterkonservierung und Fütterung lag auf dem Thema Sorghum. In zwei Vorträgen wurden die Siliereigenschaften und Qualitäten sowie die Eignung für die Milchkuhfütterung vorgestellt und diskutiert.

Silvia Schmid stellte die Silier- und Fütterungsversuche mit Sorghum am Standort Aulendorf des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg vor. Foto: privat

Silvia Schmid vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) informierte zunächst über den Status quo. Weltweit ist Sorghum ein wichtiges Grundnahrungsmittel und zählt zu den fünf am weitesten verbreiteten Getreidesorten. In Deutschland ist es bisher eine Nischenkultur, laut Angaben des DMK betrug 2024 die Anbaufläche 11.500 ha. Je nach Einsatzzweck werden Energiesorten für die Biogasproduktion oder Silo- und Körnersorten angebaut. Bislang ist der Einsatz zur Rinderfütterung eher unüblich, unter anderem aufgrund der antinutritiven Inhaltsstoffe. Bei abiotischem Stress bilden die Pflanzen Blausäure, in der EU besteht ein Einsatz- und Verschneidungsverbot bei Gehalten über 50 mg/kg bei 88 % Trockenmasse (TM).

Aulendorfer Silierversuche in Labor und Praxis

Im Projekt „Diversifizierung des Silo- und Energiemaisanbaus“ wurde 2022 auf 5,8 ha eine Sorghum-Silosorte angebaut. Die Witterung am Standort Aulendorf war durch ausreichende Niederschläge gekennzeichnet (Juni bis September: 430 mm). Unter diesen Rahmenbedingungen waren die Erträge mit 100 dt TM/ha für Sorghum durchschnittlich, lagen aber deutlich unter denen des Silomaises (200 dt TM/ha). Sorghum und Silomais wurden mit identischer Erntetechnik ohne Siliermittelzusatz geerntet und in baugleiche Silokammern eingelagert. Parallel dazu wurde ein Laborsilierversuch in Weckgläsern angelegt, um die Siliereigenschaften und die Wirkung verschiedener Siliermittel (homo- und heterofermentative Milchsäurebakterien MSBho, MSBhe; chemisch) zu überprüfen.

Das Erntegut war in beiden Fällen als leicht silierbar einzustufen, wobei sich Sorghum durch einen geringeren TM- und Energiegehalt, aber höheren Gehalt an Rohprotein, Zucker und Neutral-Detergenzienfaser auszeichnet (Tabelle 1). Ein ähnliches Bild ergab sich auch für die Laborsilagen, unabhängig vom Siliermitteleinsatz. Die pH-Werte lagen durchweg auf einem sehr niedrigen Niveau (Tabelle 2), wobei die Sorghumsilagen deutlich höhere Milchsäuregehalte aufwiesen. Die Behandlung mit MSBhe resultierte in einer erhöhten Essigsäurebildung. Sehr hohe Ethanolgehalte, insbesondere bei Sorghum, wiesen auf massive Hefeaktivität hin, lediglich das chemische Siliermittel zeigte eine gewisse Wirksamkeit.

Die Praxissilagen wurden begleitend zum Fütterungsversuch ab September 2023 beprobt. Verdichtungsmessungen erfolgten an jeweils drei oberen und unteren Messpunkten (fünf Termine). In beiden Silos wurden im oberen Bereich geringere Verdichtungen festgestellt, die mit höheren Temperaturen, insbesondere im Bereich des Anschnitts, einhergingen (aerober Verderb). Struktur und Haptik der Sorghumsilage unterschieden sich von der Maissilage. Bei der Entnahme mit dem Futtermischwagen wirkte die Sorghum-Anschnittsfläche mechanisch instabiler, die Silagepartikel bröckelten stärker nach.

Sorghumsilage im Fütterungsversuch

Für den Fütterungsversuch wurde ein kontinuierliches Design mit 29 Fleckviehkühen in zwei Gruppen gewählt. Nach einer Angewöhnungszeit und Gleichfütterung (je zwei Wochen) startete die elfwöchige unterschiedliche Fütterung der Kontroll- sowie der Versuchsgruppe. Aufgrund des deutlich geringeren Energiegehaltes der Sorghumsilage wurde der Maisanteil in der Teilmischration (PMR) der Versuchsgruppe nur zu 70 % durch Sorghum ersetzt, was 5 kg TM je Tier und Tag entsprach und das Energiedefizit durch einen höheren Getreideschrotanteil ausgeglichen hat (Tabelle 3). Weiteres Konzentratfutter wurde am automatischen Melksystem nach Laktationstag zugeteilt, die Zuteilung war in beiden Gruppen identisch.

Die Futteraufnahme der Versuchsgruppe war mit 24,4 kg TM höher als in der Kontrollgruppe (22,5 kg TM), wodurch beide Gruppen eine ähnliche Grobfutteraufnahme erzielten. Die Milchleistung war über den gesamten Versuchsverlauf ebenfalls erhöht (32,7 kg mit Sorghum-PMR versus 30,0 kg) bei vergleichbarer Milchzusammensetzung. Die Grobfutterleistung war jedoch mit 10,4 kg ECM (fett- und eiweißkorrigierte Milch) deutlich niedriger als in der Kontrolle (14,7 kg ECM).

Die Untersuchung hat gezeigt, dass bei der Fütterung von zirka 5 kg TM Sorghumsilage pro Tag an Milchkühe grundsätzlich eine hohe Futteraufnahme und Milchleistung möglich sind, wenn der geringeren Energiekonzentration durch Erhöhung des Konzentratfutteranteils in der Ration begegnet wird. Eine vorherige Kenntnis der Blausäurekonzentration ist jedoch unabdingbar.

Mais und Sorghum wurden in baugleichen Silos eingelagert und während der Entnahmephase während des Fütterungsversuches an fünf Terminen beprobt. Die Verdichtung war in den oberen Bereichen zu gering, was zu höheren Temperaturen vor allem im Bereich des Anschnitts führte. Foto: Silvia Schmid

Erfahrungen aus Schleswig-Holstein

Auch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Thema Sorghum. Während in der Vergangenheit hauptsächlich TM-Gehalte und Erträge verschiedener Sorten oder des Gemengeanbaus im Fokus standen, kamen in den Jahren 2023 und 2024 auch Untersuchungen zur Verwertung dazu, da einige Sorten von den Züchtern speziell als Futtersorghum beworben werden. Um den Fragen zur Silierbarkeit der Ganzpflanzen, Silagequalität mit und ohne Siliermitteleinsatz sowie zu den Blausäuregehalten und damit zu möglichen Beschränkungen für die Fütterung nachzugehen, wurden im Labormaßstab Silierversuche mit reinem Sorghum beziehungsweise Mais-Sorghum-Gemenge durchgeführt.

Die Auswertung der Parzellenversuche am Standort Schuby ergab deutlich geringere TM-Erträge für Sorghum und auch der Mischanbau mit Mais konnte mit reinem Maisanbau nicht mithalten. Insbesondere im relativ feuchten, kühlen Jahr 2024 lagen die TM-Gehalte von Sorghum weit unter 30 %, wodurch bei der Silierung eine erhöhte Sickersaftbildung zu erwarten wäre.

Blausäuregehalt im Erntegut zu hoch

Im Jahr 2023 wurde nur eine Sorte auf den Blausäuregehalt hin untersucht, dieser lag mit 76 mg/kg bei 88 % TM zwar auf einem geringen absoluten Niveau, aber immer noch oberhalb des Grenzwertes der EU (50 mg/kg). Durch die Silierung konnte eine Abnahme verzeichnet werden, jedoch nicht unter den Grenzwert. Die Verringerung des Blausäuregehaltes bei der Silierung wird in der Literatur vielfach beschrieben, ursächlich hierfür ist der niedrige Siedepunkt von 26 °C. Bei höheren Temperaturen, die zumindest zu Beginn der Silierung zu verzeichnen sind, wird Blausäure flüchtig und entweicht. Im Jahr 2024 wurden alle angebauten Sorten auf Blausäure hin untersucht, erhöhte Konzentrationen von 57 bis zu 113 mg/kg bei 88 % TM fanden sich nur in Einzelfällen, insbesondere bei den Körnersorten. Da die Körner blausäurefrei sind, wäre das bei ausschließlicher Körnernutzung unproblematisch.

Für die Einschätzung der Wirksamkeit von Siliermitteln wurde in beiden Jahren die gleiche Sorghum-Sorte herangezogen (Sorghum 1), die entweder ohne (Kontrolle) oder mit einem biologischen Siliermittel (MSBho+he) in Weckgläsern einsiliert wurde. 2024 kam eine zweite Sorte (Sorghum 2) dazu, die sowohl solo als auch im Gemenge mit Mais ohne Zusätze siliert wurde.

Die frischen Sorghumganzpflanzen zeichneten sich, bedingt durch höhere Faseranteile und geringere Stärkegehalte, durch deutlich geringere Energiegehalte aus als das Gemenge (Abbildung). Allerdings lagen die Zuckergehalte teilweise auf einem sehr hohen Niveau, wodurch das Erntegut als leicht vergärbar einzustufen war. Das bestätigte sich auch in der schnellen und tiefen pH-Wert-Absenkung auf unter 4,2 bereits nach zwei Tagen.

Alkoholische Gärung bei Sorghum

Die Gärqualität zeichnete sich durch niedrige pH-Werte (unter 3,9), hohe Milchsäure-, Essigsäure- und Ethanolgehalte aus (Tabelle 5), Zucker war nahezu vollständig verbraucht. Die alkoholische Gärung der Hefen ist mit hohen Verlusten verbunden, was speziell bei der Variante Sorghum 2 sehr deutlich wird. Die heterofermentativen MSB im Siliermittel führten zu einer verstärkten Essigsäurebildung, wodurch die Hefen etwas gehemmt wurden. Gut verdichtete und länger gelagerte Silagen (90 Tage) blieben bei aerober Lagerung über zehn Tage kalt (Ausnahme Kontrolle Sorghum 1, 2023), bei suboptimalen Bedingungen erwärmten sich fast alle Silagen innerhalb von 1,3 bis 6,3 Tagen (Ausnahme Sorghum 1, 2024 mit MSBho+he). Die Mais-Sorghum-Silagen erwärmten sich zwei Tage eher als die Sorghumsilage.

Der Sorghum-Parzellenversuch in Schuby zur Ernte am 11. Oktober 2023 lässt die Unterschiede in Habitus und Ertrag zwischen Futter- (li.), Energie- (r.) und Körnersorten schon auf den ersten Blick erkennen. Foto: Dr. Susanne Ohl
Nach zwei Tagen Lagerdauer wurden die ersten Gläser des Labor-Silierversuches bereits geöffnet, um den pH-Wert zu messen. In allen Varianten fand eine sehr schnelle Ansäuerung statt. Foto: Dr. Susanne Ohl

Achtung: Betriebe zum Mitmachen gesucht!

Die Untersuchungen werden 2025 fortgesetzt, geplant sind auch Erhebungen zu Verdichtung und Blausäuregehalt unter Praxisbedingungen. Hierfür werden interessierte Betriebe gesucht, die entweder Sorghum solo oder im Gemenge mit Silomais anbauen (sohl@lksh.de).

Sorghum als Back-up für die Fütterung

In der anschließenden Diskussion wurde die Bedeutung von Sorghum für die Fütterung thematisiert. In Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern erreicht Sorghum unter jetzigen Klimabedingungen häufig nicht die Teigreife und sowohl die Erträge als auch die Energiegehalte sind deutlich geringer als bei Silomais. An extrem trockenen Standorten oder in Regionen mit großer Verbreitung des Maiswurzelbohrers ist Sorghum schon jetzt eine Grobfutteralternative oder Ergänzung zum Silomais. Je nachdem, wie sich der Klimawandel in den kommenden Jahren bemerkbar macht, könnte der Sorghumanbau, beispielweise auf einem Drittel der Maisflächen in dürregefährdeten Regionen, zur Risikominimierung beitragen. Vor der Verfütterung an Tiere ist aber unbedingt der Blausäuregehalt zu bestimmen. Eine gemeinsame Silierung mit Silomais trägt über den Verdünnungseffekt sicherlich zu einer Reduzierung bei.

Fazit

Sorghum eignet sich, sowohl solo als auch im Gemenge mit Mais, sehr gut für die Silierung, allerdings ist mit einer stärkeren Ethanolbildung zu rechnen. Hohe Faseranteile erschweren die Verdichtung, wodurch die Silagen anfälliger für aeroben Verderb sind. Der Einsatz von chemischen oder biologischen Siliermitteln auf Basis von MSBhe trägt zur Qualitätsverbesserung bei. Für die Fütterung sind der Blausäuregehalt zu berücksichtigen und der geringere Energiegehalt auszugleichen.

Teil 1 zur Öffentlichen Tagung des Deutschen Maiskomitees wurde in Bauernblatt Ausgabe 17/25 auf den Seiten 30 bis 32 veröffentlicht.

„Die Qualität unserer Beratung muss stimmen“

Michael Müller-Ruchholtz übernahm zum 1. Mai die Position des Generalsekretärs des Bauernverbandes Schleswig-Holstein von Stephan Gersteuer, der in den Ruhestand geht. Über seine bisherigen Tätigkeiten im Verband und die zukünftigen Herausforderungen für die Landwirtschaft im Norden sprach der 56-jährige frisch ernannte Generalsekretär mit dem Bauernblatt.

Wann sind Sie zum Bauernverband gekommen?

Ich habe am 1. Mai 2000 beim Bauernverband angefangen. Zuvor habe ich mein Studium und mein Referendariat in Hamburg absolviert. Mit meiner Frau bin ich damals nach der Geburt unserer ersten Tochter schnell übereingekommen, dass wir gern zurück nach Schleswig-Holstein wollten, weil wir gebürtige Kieler sind. Ich bin im Kieler Umland aufgewachsen. Daher stammen auch meine Bezugspunkte zur Landwirtschaft. Obwohl ich nicht direkt vom Hof komme, haben wir natürlich als Kinder auf den umliegenden Höfen gespielt, die Milch geholt und so weiter. Auf die Stellenanzeige des Verbandes bin ich dann etwas zufällig gestoßen.

Was für eine Stelle war ausgeschrieben?

Es wurde ein Jurist in der Rechtsabteilung gesucht und es war natürlich ein großer Zufall, zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein, danach ist zehn Jahre lang kein Jurist mehr eingestellt worden.

Warum haben Sie sich für den Bauernverband entschieden?

Für mich ist das Spannende und bis heute Attraktive, dass es zum einen Juristerei ist und zum anderen die Verquickung mit der Politik. Dieser unmittelbare Einfluss oder zumindest der Versuch, auf Gesetzgebung und dann die Anwendung der Gesetze Einfluss zu nehmen, macht diese Tätigkeit für mich unheimlich reizvoll. Und innerhalb der Rechtsberatung befassen wir uns mit einer großen Bandbreite an Themen. Wir sind Generalisten. Mein Lieblingsbeispiel ist die Gründung einer GbR, also einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Dabei muss man viele unterschiedliche Rechtsbereiche mitdenken, zum Beispiel Gesellschaftsrecht, Sozialversicherungsrecht, Erbrecht, Steuerrecht, Prämienrecht und das Landpachtrecht. Wenn ich in nur einem dieser Rechtsbereiche etwas übersehe oder einen Fehler mache, kann das ganze Konstrukt zusammenbrechen. Dann die Übersicht zu behalten, ist eine schöne Herausforderung.

Welche Verantwortlichkeiten haben Sie übernommen, als Stephan Gersteuer 2010 zum Generalsekretär berufen wurde?

Ich bin stellvertretender Generalsekretär, Leiter der Rechtsabteilung und Leiter der Umweltabteilung geworden. 2016 wurde ich zusätzlich Co-Geschäftsführer der Bauernverband Dienste GmbH und der Bauernblatt GmbH. Die Leitung der Umweltabteilung habe ich im Jahr 2020 an Dr. Lennart Schmitt abgegeben, der mich jetzt neben Lisa Hansen-Flüh als weiterer Stellvertreter unterstützt.

Mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit, davon 15 Jahre als stellvertretender Generalsekretär, blicken Sie auf eine lange Zeit im Verband zurück. Was macht es für Sie nach wie vor spannend, für die Bauern aktiv zu sein?

Wir haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit langen Betriebszugehörigkeiten und das ist auch ein wesentliches Kapital bei uns. Denn in dem Geschäft, das wir betreiben, ist es sehr hilfreich, politische und auch rechtliche Entwicklungen über lange Zeiträume begleitet und beobachtet zu haben. Erfahrung ist in unserem Business ein echtes Pfund. Das Schöne an der Arbeit für die Landwirte ist deren Heterogenität. Es gibt eben nicht den einen Landwirt oder die eine Landwirtin. Die Betriebe im Land haben unterschiedliche Betriebsausrichtungen, Schwerpunkte und Herangehensweisen. Das ist die Herausforderung und die Freude der täglichen Arbeit.

Wo gibt es Gemeinsamkeiten?

Das, was alle Landwirtinnen und Landwirte eint, egal ob großer Betrieb, kleiner Betrieb, Haupterwerb oder Nebenerwerb, sind zentrale Fragen zum Eigentum im Sinne von Artikel 14 Grundgesetz. Das Besondere an der Landwirtschaft sind die Standortgebundenheit und die Unbeeinflussbarkeit der Natur. Landwirte können keine Fabrikhalle abreißen und dann ins Ausland gehen, sondern sie sind hier vor Ort gebunden. Bei allem, was wir tun, steht der Schutz des Eigentums im Mittelpunkt, um die Produktionsgrundlage unserer Betriebe zu schützen.

Wie ist die aktuelle Situation in Sachen Flächenkonkurrenz in Schleswig-Holstein?

Der Druck auf die Fläche nimmt immer weiter zu. Neben Infrastrukturvorhaben wie Höchst- und Hochspannungsleitungen, Straßen- und Schienenbau, Gewerbe- und Wohngebieten, Windkraftanlagen ist jetzt das Thema der Freiflächen-Photovoltaikanlagen und zunehmend auch der Batteriespeicher hinzugekommen. Dazu muss man sagen, dass unsere Betriebe in Schleswig-Holstein inzwischen überwiegend Pachtflächen nutzen, während die Eigentümer zunehmend landwirtschaftsfremd sind. Die Nähe zur Landwirtschaft hat aufseiten der Verpächter abgenommen, was dazu führt, dass häufig nur noch eine Optimierung der landwirtschaftlichen Fläche mit Fokus auf maximalen Ertrag passiert. Die Notwendigkeiten der Landwirtschaft mit ihrer Funktion der Ernährungssicherstellung geraten zunehmend in den Hintergrund.

Dr. Lennart Schmitt, Michael Müller-Ruchholtz und Lisa Hansen-Flüh (v. li.), Foto: jh

Die gesamte Branche klagt über hohe Bürokratielasten. Wie macht sich das in der Verbandsarbeit bemerkbar?

Die Beratungsintensität steigt, sowohl was die Zahl der Anfragen als auch was den damit zu betreibenden Aufwand betrifft. Das liegt fast immer an den steigenden gesetzlichen Vorgaben, die auch den Spielraum unserer Betriebsleiterrinnen und Betriebsleiter in der Unternehmensführung einengen. In den vergangenen Jahren sind dadurch mehr Beratungsfelder entstanden. Wir helfen immer intensiver bei den Sammelanträgen und seit drei Jahren haben wir zusätzlich das Thema Düngedokumentation auf der Agenda, um nur zwei Bereiche zu nennen, die eine unheimliche Arbeitsbelastung auf den Betrieben darstellen.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass hier Erleichterungen eintreten?

Bürokratieabbau ist das zentrale Thema, für das wir weiterkämpfen. Erste kleine Erfolge haben wir schon erzielt, aber wir sollten uns nichts vormachen. Es wird nicht gelingen, massiv Vorschriften abzubauen. Meine Hoffnung liegt im Bereich Digitalisierung, vielleicht auch Künstliche Intelligenz. Auf dem Schlepper sind wir hier schon weiter als im Büro. Wir wollen unbedingt die einheitliche Datensäule haben, um mehrfache Meldungen zu verhindern beziehungsweise einzusparen. Vor allem eine Digitalisierung aufseiten der Verwaltung kann also Erleichterungen bringen. Dort ist im Moment der größte Hemmschuh.

Welche Strukturen im Verband wollen Sie stärken und was muss sich entwickeln?

Ich will dafür arbeiten, dass die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Ehren- und Hauptamt im Bauernverband weiterbesteht, und die erfolgreiche Arbeit von Stephan Gersteuer fortsetzen. Natürlich gibt das Ehrenamt die Linie vor und das Hauptamt führt aus. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Oft ist es aber auch ein Hand-in-Hand.

Welche Bedeutung hat der hohe Organisationsgrad im Verband?

Das spielt eine erhebliche Rolle, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen können wir in der Diskussion mit der Politik sagen, dass wir den ganz überwiegenden Teil der Landwirtinnen und Landwirte und deren Meinung vertreten. Zum Zweiten ist das ebenfalls hilfreich gegenüber der Verwaltung. Wir hatten eben schon das Stichwort Bürokratie und Verwaltungsverfahren und können anbieten, als Multiplikatoren zu agieren und im Rahmen unserer Beratung vielleicht auch der Verwaltung manchmal das Leben etwas einfacher zu machen.

Erwarten Sie neue Arbeitsfelder und wie wollen Sie den Verband für die Zukunft aufstellen?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir sehr gut aufgestellt, aber wir werden immer auf veränderte Herausforderungen und Rahmenbedingungen reagieren müssen. Zum Beispiel dadurch, dass viele Betriebe wachsen, kommen mehr Landwirte in die Arbeitgeberrolle. Hier haben wir mit der Einstellung einer Kollegin reagiert, die sich diesem Beratungsschwerpunkt widmet. Gerade auf großen Betrieben sind die Betriebsleiter überwiegend im Büro tätig und weniger in der Außenwirtschaft. Diese fragen oft mehr Beratungsleistungen ab. Aber es gibt auch Leiter kleiner Betriebe, die nicht so viel im Büro sein wollen und Beratungsleistungen einkaufen. Das Allerwichtigste ist, dass die Qualität unserer Beratungsleistung stimmt und sich unsere Mitglieder auf uns verlassen können.

Warum ist Ihnen um die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein nicht bange?

Da ist mir überhaupt nicht bange, weil wir Lebensmittel brauchen. Ernährungssicherung ist in den vergangenen Jahren – Gott sei Dank – endlich bei Politik und Gesellschaft wieder in den Fokus gerückt. Seit vielen Jahren fordern wir, dass dies auch ausdrücklich im Grundgesetz abgebildet wird. Die positive Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft ist gestiegen und Schleswig-Holstein bleibt weiterhin ein Gunststandort, auch und besonders in Zeiten des Klimawandels.

Dr. Lennart Schmitt und Lisa Hansen-Flüh unterstützen Michael Müller-Ruchholtz

Dr. Lennart Schmitt, Foto: privat

Mit der Ernennung von ­Michael Müller-Ruchholtz zum Generalsekretär des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) übernimmt Dr. Lennart Schmitt die vakante Position als Justiziar im Verband. Schmitt leitet ab sofort neben der BVSH-Umweltabteilung, die er 2020 übernommen hat, auch die BVSH-Rechtsabteilung und unterstützt Müller-Ruchholtz als stellvertretender Generalsekretär. Der 39-jährige promovierte Jurist ist seit 2016 beim Bauernverband als Syndikusrechtsanwalt in der Rechtsabteilung tätig. Seit März 2025 gibt Schmitt sein Fachwissen zudem als Dozent für Agrarrecht II an der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft weiter. Schmitt stammt aus Bad Segeberg, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Lisa Hansen-Flüh, Foto: Ulrike Baer

Weiterhin als stellvertretende Generalsekretärin bleibt Lisa Hansen-Flüh für den Bauernverband tätig. Sie gehört seit September 2023 der Hauptgeschäftsführung an. Die 37-jährige Agrarwissenschaftlerin ist seit 2017 beim Bauernverband als Leiterin der Abteilung für Pflanzliche Erzeugung tätig und übernimmt ab sofort auch die Abteilung für Gemeinsame EU-Agrarpolitik und Agrarstruktur. Vor ihrer Verbandstätigkeit hat sie drei Jahre Berufserfahrung als Züchtungsassistentin bei der Norddeutschen Pflanzenzucht gesammelt. Hansen-Flüh stammt aus Brodersby-Goltoft und lebt in Kiel.

Lisa Hansen-Flüh und Dr. Lennart Schmitt bilden zudem gemeinsam mit Michael Müller-Ruchholtz die Geschäftsführung der Bauernblatt GmbH. 

Der lange Weg zur funktionierenden Vernetzung

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Die Digitalisierung bringt zahlreiche Möglichkeiten für die Milchviehhaltung. Täglich entstehen große Mengen an Daten – von der Milchleistung über Fruchtbarkeitswerte bis hin zur Tiergesundheit. Diese Informationen können Landwirten helfen, ihre Herden gezielt zu managen und Prozesse zu optimieren. Doch oft bleiben die Daten in isolierten Systemen gefangen, die nicht miteinander kommunizieren können. Die größte Herausforderung besteht somit darin, verschiedene Technologien und Systeme sinnvoll zu vernetzen, um eine ganzheitliche und effiziente Nutzung der Daten zu ermöglichen.

Neue Datendrehscheiben, energiesparende Funktechnologien wie LPWAN und spezialisierte Sensor- und Analysesysteme bringen frischen Schwung in die Milchviehhaltung. LPWAN ermöglicht es, dass Sensoren – etwa als Bolus oder am Halsband einer Kuh – auch über weite Entfernungen Daten senden, zum Beispiel von der Weide, und das ohne WLan oder Mobilfunk. Sie eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur Vernetzung, stellen aber auch neue Anforderungen an die Integration der Systeme. Damit die Vielzahl an Datenquellen sinnvoll genutzt werden kann, ist ein standardisierter Datenaustausch unerlässlich. Nur so können tierindividuelle Sensorsysteme verlässliche Informationen liefern, die als fundierte Entscheidungsgrundlage für Betriebsleiter dienen.

Mangelnde Integration erschwert die Arbeit

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Systeme weiterhin isoliert arbeiten. Landwirte müssen deshalb häufig mehrere Anwendungen parallel nutzen – mit hohem Aufwand und dem Risiko von Doppelerfassungen. Hinzu kommt, dass bei der Integration unterschiedlicher Systeme nicht immer alle Informationen vollständig und verlustfrei übermittelt werden können. Je nach Datenstruktur und Umfang kann es zu Einschränkungen der Detailtiefe, Datenqualität oder Formatkompatibilität kommen. Ein vollständiger wechselseitiger Austausch aller Daten ist daher nicht in jedem Fall realisierbar, was die effiziente Nutzung vernetzter Technik zusätzlich erschwert.

Der etablierte Weg: ADIS-Dateien

Wenn direkte Schnittstellen zwischen Systemen fehlen, können Daten oft über sogenannte ADIS-Dateien (Agrar-Daten-Informations-System) übertragen werden. Dieses standardisierte Format wurde für den herstellerunabhängigen Datenaustausch in der Landwirtschaft entwickelt und ermöglicht es, Informationen wie Tierdaten, Milchmengen oder Gesundheitsparameter zwischen unterschiedlichen Programmen auszutauschen.

ADIS-Dateien kommen besonders dann zum Einsatz, wenn Systeme verschiedener Anbieter genutzt werden. Sie werden manuell exportiert und importiert, bieten aber eine flexible Lösung, um Daten dennoch strukturiert weiterzuverarbeiten – etwa zur Analyse, Beratung oder Dokumentation. Auch wenn dieser Weg mit etwas Mehraufwand verbunden ist, stellt er eine bewährte Übergangslösung dar, solange noch keine voll automatisierten Schnittstellen vorhanden sind.

Der Anfang ist gemacht

Die steigende Nachfrage nach vernetzten Lösungen erkennen auch die Hersteller: So bieten Melkroboterhersteller wie Lely, DeLaval und GEA inzwischen Schnittstellen zu gängigen Herdenmanagementsystemen wie DSP Agrosoft, Uniform Agri und DairyComp. Auch bei der Integration von Sensor- und Managementsystemen zeigt sich Fortschritt: Gesundheitsdaten des Pansensensors smaXtec können laut Hersteller problemlos in Programme wie DelPro (DeLaval), GEA DairyPlan, Lely Horizon, HerdePlus oder Uniform Agri eingebunden werden. Darüber hinaus ist auch eine Anbindung von smaXtec an die Programme der Landeskontrollverbände (LKV) möglich, wobei Tierstammdaten übertragen und Brunstmeldungen in den LKV-Herdenmanager (MLP-Online und MLP-Mobil) übernommen werden. Brunsten aus weiteren Systemen wie Heattime und Allflex können ebenfalls in die LKV-Programme eingebunden werden.

Seit 2023 steht zudem eine kostenlose Schnittstelle zwischen dem LKV und Lely in Schleswig-Holstein zur Verfügung. Diese direkte Datenübertragung ermöglicht eine einfache Datenübernahme der Bestandsdaten und ersetzt das bisher notwendige manuelle Senden von ADIS-Dateien im Rahmen der Milchleistungsprüfung, was den Arbeitsaufwand verringert und doppelte Erfassungen weitestgehend vermeidet.

Trotz einiger Erfolg versprechender Schnittstellen ist eine Weiterentwicklung für die Standardisierung von Datenwegen nötig, um Daten ohne Einschränkungen – etwa in Detailtiefe, Datenqualität oder Formatkompatibilität – zu übertragen. Dieser Fortschritt erfolgt über die iDDEN GmbH (International Dairy Data Exchange Network). Ziel dieses internationalen Netzwerks ist es, eine zentrale Datendrehscheibe zu schaffen, die den Arbeitsalltag in der Milchviehhaltung erleichtert. Seit 2020 arbeiten Organisationen der Milchleistungsprüfung sowie nationale Rechenzentren und Technikhersteller aus 13 Ländern daran, den Datenaustausch zwischen Landwirten, Systemen (zum Beispiel Melktechnik) und Institutionen zu standardisieren. Auch der LKV Schleswig-Holstein ist als Partner des Rinderdatenverbunds (RDV) in iDDEN eingebunden. Durch diese Zusammenarbeit wird eine nahtlose Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen ermöglicht. Die Bemühungen haben sich gelohnt: Der israelische Stalltechnikhersteller Afimilk tauscht über die iDDEN-Schnittstelle Brunstmeldungen und Tierstammdaten mit den Rechenzentren der LKV aus. Gleichzeitig treiben die großen Melktechnikhersteller die Systemvernetzung weiter voran: DeLaval kooperiert mit iDDEN, um den Datenaustausch zu vereinfachen. GEA ist ebenfalls an iDDEN beteiligt und bindet bereits zahlreiche Systeme über DairyPlan C21 ein. Die Weiterentwicklung des neuen Programms DairyNet sieht eine Anbindung an LKV und HIT vor. Lely pflegt bestehende Schnittstellen zu verschiedenen Herdenmanagementsystemen und plant perspektivisch ebenfalls eine Anbindung an iDDEN.

iDDEN – standardisierter Datenaustausch zwischen Technikherstellern, LKV und Rechenzentren im Milchsektor. Quelle: LKV SH

Unternehmen erkennen die Relevanz der Vernetzung

Nicht nur Landwirte profitieren von einer besseren Integration der Systeme – auch für Unternehmen wird die Digitalisierung zunehmend zu einem entscheidenden Faktor. Hersteller von Melk- und Fütterungstechnik, Sensorik und Managementsoftware erkennen die steigende Nachfrage nach vernetzten Lösungen und investieren verstärkt in standardisierte Schnittstellen. Ein durchdachtes Datenmanagement wird zunehmend zu einem wichtigen Verkaufsargument. Betriebe bevorzugen Systeme, die sich flexibel in ihre vorhandene Infrastruktur integrieren lassen und ihnen so eine höhere Planungssicherheit bieten.

Für Unternehmen bedeutet dies auch, dass sie durch eine bessere Vernetzung langfristige Kundenbeziehungen aufbauen können. Wer es den Landwirten ermöglicht, verschiedene Systeme reibungslos zu kombinieren, steigert nicht nur die Attraktivität seiner Produkte, sondern schafft auch Vertrauen in die Marke. In Zukunft werden sich daher jene Anbieter durchsetzen, die eine einfache und herstellerübergreifende Integration ihrer Systeme ermöglichen.

Fazit

Die effiziente Vernetzung von Daten und Technologien ist entscheidend für die Zukunft der Milchviehhaltung. Landwirte sollten beim Kauf neuer Systeme besonders auf die Kompatibilität mit bestehenden Technologien achten. Viele moderne Herdenmanagementsysteme bieten eine Vielzahl von Funktionen, jedoch nicht immer eine nahtlose Integration. Daher ist es wichtig, vor der Investition nachzufragen, wie gut sich das neue System mit vorhandenen Lösungen wie Melkrobotern oder Gesundheitsüberwachungssystemen verknüpfen lässt. Eine gute Kompatibilität erleichtert die Arbeit und ermöglicht eine bessere Nutzung der gesammelten Daten. Langfristig profitieren Landwirte von flexiblen, zukunftsfähigen Systemen, die ihre Effizienz und Produktivität steigern.

Hinweis: Die Aufzählung der Systeme und Anbieter stellt lediglich eine Auswahl dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

„Handwerken für Dummies“

Im Landjugend-Pavillon in Rendsburg hieß es am vergangenen Wochenende: Ärmel hochkrempeln und loslegen! Beim Seminar „Handwerken für Dummies“ konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer praktische Erfahrungen rund ums Heimwerken sammeln und dabei gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Verschönerung der eigenen Räumlichkeiten leisten.

Zu Beginn des Tages stellte sich die Gruppe gegenseitig vor und erhielt eine kurze Einführung in die geplanten Aufgabenbereiche. Schnell war klar: Hier geht es nicht um Theorie, sondern vor allem um tatkräftiges Anpacken. Nach einer kurzen Aufräumaktion im Pavillon, bei der letzte Materialien verstaut wurden, teilte sich die Gruppe in drei Teams auf: Wand, Tür und Abseite.

Nach einem zweifachen Anstrich ziert nun ein frisches Grün die Wände im Pavillon. Foto: ljv

Das Team Wand kümmerte sich dabei um die gründliche Vorbereitung der Flächen: Leisten wurden abgebaut, Steckdosen demontiert, Wände und Böden sorgfältig abgeklebt. Danach strich die Gruppe die Wandkanten in Weiß vor, um saubere Abschlüsse für die spätere Farbgestaltung zu ermöglichen.

Parallel dazu arbeitete das Team Tür: Die Eingangstür wurde ausgebaut, die beschädigten Bereiche links und rechts außen ausgebessert und der Eingangsbereich komplett neu gestrichen. Nach dem Schleifen erhielt die Tür außen einen frischen Anstrich und erstrahlte wieder in neuem Glanz.

Nach dem Ausbessern von Beschädigungen und dem Abschleifen erstrahlt die Tür in neuem Glanz. Foto: ljv

Das Team Abseite widmete sich der großen Abseite und stieß dabei auf interessante Funde. Neben längst vergessenen Gegenständen vom Deutschen Landjugendtag wurde auch ein wahrer Schatz an Leergut entdeckt, der nun die Kaffeekasse aufbessern kann. Nicht mehr benötigte Materialien wurden sortiert und zur Deponie gebracht.

Nach einem wohlverdienten Mittagessen ging es motiviert weiter und die vorbereitete Wand erhielt einen zweifachen Anstrich in frischem Grün, Steckdosen und Leisten wurden wieder montiert. Auch die restlichen Wände bekamen einen neuen weißen Anstrich, sodass der Raum am Ende einheitlich und freundlich wirkte. Dank der übrigen Farbe wurde zusätzlich die Küchenwand zum großen Raum hin aufgefrischt.

Zum Abschluss wurde die neu gestrichene Tür wieder eingebaut und auf ihre Passgenauigkeit überprüft. Nach einer gründlichen Reinigungsaktion stellten die Teilnehmenden alle Möbel zurück an ihren Platz. Pünktlich um 16 Uhr beendete die Gruppe ihren Einsatz – nicht ohne ein abschließendes Gruppenfoto zur Erinnerung an einen erfolgreichen, produktiven und vor allem lehrreichen Tag.

Mit viel Spaß, Teamgeist und praktischer Erfahrung ging ein rundum gelungenes Seminar zu Ende – und der Pavillon erstrahlt jetzt wieder im neuen Glanz!

Hauswirtschaft im Wandel

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Die Stimmung war bewegt, als über die bevorstehende Schließung der Fachschule für ländliche Hauswirtschaft in Hanerau-Hademarschen berichtet wurde. Monika Schorn, Abteilungsleiterin des Berufsbildungszentrums am Nord-Ostsee-Kanal (BBZ am NOK), erläuterte in der Sitzung des Facharbeitskreises Hauswirtschaft und Verbraucherpolitik am 19. Februar Entwicklung und Gründe für die Entscheidung des Kreistags.

Die 17 anwesenden Frauen waren mehrheitlich selbst Internatsschülerinnen und der Schule emotional stark verbunden. Zugleich zeigten sie Verständnis für den bundesweiten Rückgang der Ausbildungszahlen im Bereich Hauswirtschaft. Junge Menschen stehen heute vor einer Vielzahl an attraktiven Berufsalternativen, besonders weil die Hauswirtschaft oft mit langen, unflexiblen Arbeitszeiten und schlechter Bezahlung verbunden ist. Hinzu kommt nach wie vor ein geringes gesellschaftliches Ansehen des Berufs.

Dabei sind der Rückgang der Ausbildungszahlen und der damit einhergehende Fachkräftemangel ein herber Verlust – gerade im Hinblick auf den erforderlichen Wandel des Agrar- und Ernährungssystems. Das wurde auch in der anschließenden Kleingruppenarbeit deutlich.

Beim Brainstorming sammelten die Teilnehmerinnen Gedanken zur Bedeutung der Hauswirtschaft für den ländlichen Raum, teilweise unterstützt von Künstlicher Intelligenz (siehe Grafik). Sie zeigen deutlich: Auch gemeinschaftlich geführte Haushalte, etwa Bildungseinrichtungen, soziale Einrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens, können langfristig von den fachlichen Kompetenzen hauswirtschaftlicher Fachkräfte profitieren. Sie sind ein wichtiger Ansatzpunkt, damit sich mehr Menschen in Deutschland gesund und nachhaltig ernähren.

Die letzte Bundesregierung forderte bereits einen stärkeren Einsatz saisonaler und regionaler Produkte und weniger Verschwendung von Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung. Um diese Ziele in die Praxis umzusetzen, braucht es Wissen und Fertigkeiten, die qualifizierte HauswirtschafterInnen mitbringen. Der Deutsche Hauswirtschaftsrat fordert daher, die Hauswirtschaft politisch in sozialen Einrichtungen und Diensten fest zu verankern. Der Deutsche LandFrauenverband ist Mitglied im Deutschen Hauswirtschaftsrat, denn die Herausforderungen der Zeit zeigen: Hauswirtschaft ist mehr als ein Beruf. Sie ist Teil der Lösung für eine gesunde und nachhaltige Gesellschaft.

Endlich wieder schleswig-holsteinischer LandFrauentag!

Elena Uhlig Foto: Patrick Liste

Nach der Pause im vorigen Jahr, als Schleswig-Holstein Gastgeber des Deutschen LandFrauentages war, ist es 2025 endlich wieder so weit: Der schleswig-holsteinische LandFrauentag lädt alle Interessierten am 14. Juni ab 10 Uhr herzlich in die Hostenhallen nach Neumünster ein. Zu erwarten sind inspirierende Begegnungen, spannende Themen, starke Frauen und neue Impulse für das Leben auf dem Land. Stargast wird in diesem Jahr Schauspielerin Elena Uhlig sein.

Tickets und weitere Informationen rund um Programm, Ort und Anmeldung im Internet unter:
https://landfrauen-sh.de/veranstaltungen/landfrauentag

Fleischverzehr bleibt stabil

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Das Angebotssortiment im Lebensmitteleinzelhandel an Fleischersatzprodukten wird immer größer und die werbewirksame Inszenierung von vegetarischer oder gar veganer Ernährung nimmt zumindest bei der jüngeren Generation einen immer größeren Stellenwert ein. Auf der anderen Seite steht aber ein Fleischkonsum, der gemessen am Pro-Kopf-Verbrauch seit 2022 nahezu konstant ist. So liegt der geschätzte Fleischverzehr für das laufende Kalenderjahr den neuesten Zahlen zufolge mit insgesamt 52,9 kg pro Kopf und Jahr lediglich um 0,3 kg unter dem Vorjahresverbrauch. Doch wie sieht die Entwicklung bei den einzelnen Fleischarten genau aus?

Schweinefleischkonsum nur noch minimal rückläufig

Entgegen vorherigen Prognosen geht der Verzehr von Schweinefleisch im laufenden Jahr nur noch um 0,2 kg auf 28,2 kg pro Kopf und Jahr zurück. Damit bleibt das Schweinefleisch mit einem Anteil von 52 % die beliebteste Fleischart der Deutschen. Im gleichen Verhältnis ist auch die Inlandsproduktion leicht zurückgegangen. Sie hält sich damit seit 2023 auch auf einem relativ stabilen Niveau, nachdem es in den Jahren davor deutlich stärkere Rückgänge gegeben hat. Die Ausfuhren sind demgegenüber in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um fast 3 % zurückgegangen. Dies ist aber hauptsächlich auf die Handelsbeschränkungen durch die Maul- und Klauenseuche zurückzuführen. Profitieren dürfte der Schweinefleischsektor durch die Fleischknappheit im Rinderbereich und das dort demzufolge sehr hohe Preisniveau.

Positiver Trend beim Geflügel hält an

Eine gegenläufige Bewegung gibt es seit 2022 beim Geflügelfleischkonsum. Hier wird auch im laufenden Jahr mit einem Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs um 0,2 kg auf 13,8 kg gerechnet. Dieser Trend lässt sich auch auf die EU und sogar auf den weltweiten Pro-Kopf-Verbrauch projizieren. Geflügelfleisch ist damit weltweit gesehen die am meisten produzierte Fleischart. In Deutschland steigt der Verbrauch aber stärker als die Produktion und somit ist der Selbstversorgungsgrad in diesem Bereich im Jahr 2024 von 102 auf 100 % gesunken. Zu dem mit Abstand größten Geflügelfleischproduzenten innerhalb der EU hat sich Polen entwickelt. Hier werden inzwischen jährlich 2,89 Mio. t von dieser Fleischart produziert. Im Vergleich dazu liegt Deutschland mit 1,57 Mio. t nach Spanien und Frankreich auf Platz vier.

Rindfleisch mit den deutlichsten Verlusten

Der Rindfleischsektor schneidet mit Verlusten von 0,4 kg im prognostizierten Pro-Kopf-Verbrauch am schlechtesten ab. Der Verbrauch wird in diesem Jahr demnach auf 8,9 kg abfallen. Dies ist zwar auch nur ein relativ geringer Rückgang, hier dürfte sich allerdings das aktuelle Preisniveau für Rindfleisch in den Schätzungen bereits bemerkbar gemacht haben. Viele Verbraucher können sich Rindfleisch einfach nicht mehr leisten und konsumieren es dadurch zwangsläufig weniger. Allerdings muss dazu ergänzt werden, dass die Zahl der geschlachteten Rinder aktuell stärker zurückgeht als der Verbrauch. Somit stehen trotz des hohen Preisniveaus gar nicht genug Schlachtrinder zur Verfügung, um den Bedarf zu decken.

Insgesamt kann die Landwirtschaft dem Trend zu einem bewussteren, reduzierten Fleischkonsum relativ gelassen entgegenblicken. Vielleicht bleibt dem Verbraucher angesichts deutlich sinkender Tierbestände und einer gleichbleibenden Verbrauchernachfrage auch gar nichts anderes übrig, als weniger Fleisch zu essen.