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Den Betrieb auf mehrere Beine stellen – damit beschäftigen sich viele Landwirte. Reinhard Beyer, sein Schwager Hauke Dittmer und dessen Sohn Ludwig in Johannisberg auf Fehmarn haben die Idee umgesetzt, aus eigenen Zuckerrüben Branntwein herzustellen.
„Er hat Rumfässer aus Südamerika verschifft“, vermutet Reinhard Beyer von seinem Vorfahren. Der Kapitän Mathias Beyer hatte ein Mädchen aus Puttgarden geheiratet, das ein Stückchen Land in die Ehe einbrachte, und damit 1849 die Hofstelle gegründet. Die Reetdachscheune, die vor ein paar Jahren erneuert wurde, hatte der Ahn aus einem abgewrackten Schiff zusammengezimmert.
Heute bewirtschaftet der Betrieb 120 ha eigene, dazu etwa 80 ha fremde Fläche und betreibt eine kleine Mutterkuhhaltung und einen Wohnmobilplatz – und neuerdings die Fehmarn Destillerie, zu der sich Reinhard Beyer, Ludwig und Hauke Dittmer zusammengetan haben. „Wir sind eine Großfamilie, wir wohnen alle hier und wollen uns für die Zukunft stabil aufstellen“, sagt Reinhard, der 2008 den Hof von seinem Vater übernommen hat.
So kamen die drei auf die Idee, Branntwein zu destillieren. Für Ludwig Dittmer, der als Chemiker gearbeitet hat, ist Destillieren ein Grundhandwerk. Sein Vater Hauke hat schon vorher Honigwein, Hagebutten- und Schlehenlikör für den Eigenbedarf hergestellt. 2022 gründeten sie die Fehmarn Destillerie GmbH.
Versuche mit der Rübe
Natürlich sollte das Destillat aus eigenen Produkten gewonnen werden. Infrage kommen da im großen Stil auf Fehmarn nur Ackerfrüchte – Weizen, Kartoffeln oder Rüben. Sie entschieden sich vorerst für Zuckerrüben. Zuckerrüben werden in Deutschland selten zu Spirituosen verarbeitet, und wenn, dann meist zu Industriealkohol. Schlechte Vorzeichen? „Die Leute haben uns abgeraten, mein Opa kannte Rübenschnaps aus dem Krieg, der soll furchtbar geschmeckt haben“, erzählt Hauke. Im Sommer 2023 konnten sie dann die ersten Flaschen verkaufen.
Sie nannten ihre Marke Feldler mit der Produktbezeichnung „rööv“ (Rübe). Den Branntwein gibt es direkt aus der Destille und auf 38 Vol.-% Trinkstärke verdünnt als rööv klar oder zweieinhalb Jahre im Fass gereift. „Wir verwenden keine Zusatzstoffe und geben auch keinen Zucker zu“, betont Reinhard – bis zu 18 g/l wären sogar ohne Deklaration erlaubt. „Es ist ein ehrliches Produkt, nachhaltig und mit kurzen Wegen.“ Der Geschmack überzeugte auch die Prüfer der International Spirits Awards, die 2024 dem rööv klar die Goldmedaille verliehen. „Die Fachleute hatten nicht erwartet, dass der Geschmack bei dem reinen Destillat so gut ist. Wir haben mit unseren Versuchen gleich ins Schwarze getroffen“, freut sich Reinhard.
Bau der Schaudestille
Wer glaubt, dass jetzt alles geregelt ist, täuscht sich, denn jetzt wird erst die eigene Destille aufgebaut. Bisher nämlich haben die drei Männer zwar die Maische vorbereitet, die als Vorprodukt für den Geschmack und die Qualität entscheidend ist, und die Lagerung in Fässern organisiert. Das Destillieren selbst erfolgt aber noch in einer auswärtigen Anlage.
Doch derzeit wird auf dem Hof ein bisheriger Geräteunterstand zum Destillierraum umgebaut. Dort können Besucher dann die Branntweine an einer Bar direkt neben einer Schaudestille mit 400-l-Brennblase verkosten. Die ist bei einem Hersteller am Bodensee bestellt und soll im Februar geliefert werden. Lustigerweise heißt die Firma Arnold Holstein.
„Am Bodensee gibt es zig Brennereien, hier nur sehr wenige“, erklärt Ludwig. „Aufgrund des Branntweinmonopols waren in Schleswig-Holstein bis 2017 nur Brände von Überschüssen bei Obstbauern erlaubt.“ Damit alles korrekt mit der Branntweinsteuer läuft, wird die Anlage verplombt, der Zoll kann jederzeit die abgegebene Alkoholmenge ablesen. 13,03 €/l reinem Alkohol beträgt die Steuer.
Philosophie der Fässer
Die Fasslagerung ist eine Philosophie für sich, da haben die drei mit Holzschnipseln experimentiert. Sie verwenden neue Eichenfässer, die nicht mit anderen Spirituosen wie Sherry vorbelegt sind, wie es oft üblich ist. Die Fässer werden von innen „getoasted“, also angebrannt. Das Holz vermittelt dann eine eigene Geschmacksnote und die typische braune Rum-Färbung.
In Zukunft können sich die drei auch die Destillierung anderer Feldfrüchte wie Weizen oder Kartoffeln vorstellen. „Wir wollten keine kleine Schnapsbrennerei im Keller, sondern eine Perspektive für die nächste Generation“, fasst es Reinhard Beyer zusammen. Sie werden also noch weiter experimentieren. Tonio Keller




