Kräuterwanderung, Froschkonzert, Wattführung oder Radtour im Binnenland – der Mai ist Aktionsmonat Naturerlebnis. Rund 430 Draußen-Angebote für Erwachsene mit und ohne Kinder und rund 280 für Kitas und Schulen hat das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNur) zusammen mit der Stiftung Naturschutz und den Volkshochschulen zusammengestellt. Der Bauerblattreporter war bei einer gewässerkundlichen Führung an der Gieselau bei Albersdorf dabei.
Unter Buchen und Eichen geht es bergab. Dithmarschen ist zwar der waldärmste Kreis Deutschlands, aber hier im eiszeitlichen Urstromtal nicht, und nur 25 km von der Nordsee entfernt ist das Gelände nicht bretteben, sondern hügelig. Doch nicht lange, und man ist an der Brücke an dem Flüsschen angelangt, das sich zwischen Wiesen und Erlenbruchwald dahinschlängelt.
Bis Ende des vorigen Jahrhunderts wurde das Tal landwirtschaftlich genutzt, heute ist es im Besitz der Stiftung Naturschutz und wird extensiv beweidet. „Die Gieselau ist in weitgehend naturnahem Zustand, sie kann fließen, wie sie will“, sagt der freiberufliche Gewässerökologe Dr. Thomas Schröder, der die Exkursion auch am Sonnabend, 14. Mai, von 15 bis 17.30 Uhr anbietet (5 €, Kinder 2 €).
Schröder steigt mit Gummistiefeln in das flache Bett, schwenkt den Kescher drei, vier Mal über den Grund und gibt die Beute in eine Schale. Da wimmelt schon das Leben! Es sind Larven, die im Flusssand leben, hauptsächlich die von Eintagsfliegen und Köcherfliegern. Letztere heißen so, weil sie ihren „Köcher“ aus Holz, Steinen und Laub bauen, eine Wohnhöhle als Schutz vor hungrigen Fischen. „Es gibt 300 Arten von Köcherfliegen in Deutschland, die Hälfte davon auch in Schleswig-Holstein“, erklärt Schröder.
Eine Besonderheit ist in der Schale gelandet, die Larve der größten Eintagsfliege hierzulande: Ephemera danica, auf Englisch Mayfly – Maifliege – genannt. Ab Mai kann man sie auch als fliegende Insekten beobachten. „Sie war verschwunden und ist zurückgekehrt“, freut sich der Gewässerökologe.
Auch Neunaugen sind hier heimisch, als Vorformen der Fische sind sie die ursprünglichsten Wirbeltiere überhaupt. Sie leben sechs bis sieben Jahre als Larven und brauchen sowohl kiesige als auch sandige Bereiche, wo sie feines organisches Material als Nahrung finden. Als erwachsene Tiere leben sie dann eine Saison. Die Larven der Eintagsfliegen haben einen Zyklus von zwei Jahren, dann kommt das Leben als Erwachsene für einen Tag – mit Glück auch für zwei oder drei. Der Erhalt des Biotops braucht einen längeren Atem, denn wenn der Bach einmal austrocknet, dann war‘s das.



