Vor fünf Jahren, am 28. Januar 2020, wurde der erste Fall mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland von einem Labor bestätigt. Zwei Tage später rief die Weltgesundheitsorganisation eine internationale Gesundheitsnotlage aus. Plötzlich stand die Welt im wahrsten Sinne des Wortes still. Das öffentliche Leben war verwaist. Überfüllte Krankenhäuser, Pflegepersonal, das bis an den Anschlag und darüber hinaus gearbeitet hat, schreckliche Krankheitsverläufe und viel zu viele Opfer mussten hingenommen werden. Quarantäne, Kontaktbeschränkung, Homeoffice waren dagegen die leichteren Folgen. Aber auch das hat am Ende schwer zu beurteilende Langzeiteinschränkungen bei vielen hinterlassen.
Zu Beginn der Pandemie gab es eine enorme Nachfrage nach Lebensmitteln. Viele Menschen legten Vorräte an, es kam regelrecht zu Hamsterkäufen. Die Landwirtschaft stellte sicher, dass genügend Produkte wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milch produziert wurden, um den Bedarf zu decken. Die Versorgungsketten waren schnell angespannt, insbesondere wegen internationaler Handelshemmnisse und Logistikproblemen. Ein großes Problem der Landwirtschaft war der Arbeitskräftemangel. Besonders in der Erntezeit mussten viele Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland zu Hause bleiben, insbesondere aus Osteuropa, aufgrund von Reisebeschränkungen und Quarantäneregelungen.
Die Corona-Pandemie führte zu Veränderungen im Konsumverhalten der Bevölkerung. Besonders am Anfang wurden regional produzierte Lebensmittel sehr geschätzt. Die Nachfrage nach frischen Lebensmitteln, die direkt von lokalen Bauernhöfen stammten, stieg. Die Fleischindustrie, vornehmlich in großen Schlachtunternehmen, standen massiv unter Druck. Ausbrüche von Covid-19 in der Belegschaft führten zu Betriebsschließungen und zu massiven Verwerfungen in der Lieferkette. Dies führte zu Engpässen und zeitweise zu Preiserhöhungen. Einige Unternehmen mussten ihre Produktion einschränken.
Die Regierung ergriff während der Pandemie verschiedene Maßnahmen, um die Landwirtschaft zu unterstützen. Dazu gehörten Finanzhilfen, die Sicherstellung von Krediten und eine Erleichterung der Arbeitsbedingungen für Saisonarbeiter. Der Agrar- und Lebensmittelsektor in der gesamten EU stellte seine Krisenfestigkeit unter Beweis und versorgte Bürgerinnen und Bürger weiter mit hochwertigen und sicheren Nahrungsmitteln. Die Landwirtschaft spielte eine zentrale Rolle in der Krisenbewältigung der Corona-Pandemie. Sie war systemrelevant.
Gleichzeitig stehen Ernährungssicherung und Energieversorgung durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wieder auf der politischen Agenda ganz oben. Das Bewusstsein ist gereift: Landwirtschaft ist systemrelevant. Dazu brauche es eine entscheidungsfreudige Politik, die praktikable Rahmenbedingungen anbietet, die Wertschöpfung unterstützen und auf Wertschätzung beruhen.
Welche Folgen die Covid-19-Pandemie und die aktuelle geopolitische Entwicklung noch haben werden, lässt sich nicht vorhersagen. Der politische Lerneffekt steht aber fest, dass das Ernährungssystem robuster werden muss, um die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zu verbessern und die Lieferketten fit für künftige Krisen zu machen. Die gute Nachricht ist: Die Landwirtschaft ist dieser Aufgabe gewachsen. mbw



