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Fruchtfolgen im Futterbau

Mais, Getreide-Ganzpflanzensilage und Ackergras im Wechsel
Von Dr. Elke Grimme, Tammo Peters, Landwirtschaftskammer SH
17. Mai 2021: Blick auf die Entwicklung von Winterroggen und Welschem Weidelgras. Am nächsten Tag erfolgte im Versuch der erste Schnitt des Welschen Weidelgrases. Foto: Dr. Elke Grimme

Diversere Fruchtfolgen nehmen auch im Ackerfutterbau vor dem Hintergrund der Förderung Humus mehrender Anbausysteme und des durch den Klimawandel induzierten stärkeren Krankheits- und Schädlingsdrucks in Monokulturen eine immer wichtigere Rolle ein. Auch wegen der kommenden Konditionalitäten im Rahmen der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) könnte einiges auf den Ackerfutterbau zukommen.

Wird der Blick auf die auf dem Vormarsch befindlichen Krankheiten und Schädlinge gelenkt, wie zum Beispiel Fusarium, Turcicum-Blattdürre und Maiszünsler, zeigen sich gravierende Zunahmen und verheerende Folgen für den Mais in Selbstfolge. Solche ertragsmindernden Risikofaktoren lassen sich über Fruchtfolge deutlich reduzieren.

Beim Verzicht auf den Anbau von Mais in Selbstfolge verringern sich Probleme der Akkumulation von Problemunkräutern wie Nachtschatten, Gänsefuß, Storchschnabel und der teils sehr schwer bekämpfbaren Hirsearten. Durch den Anbau von Mais in einer Fruchtfolge können die immer wenigeren verfügbaren phytosanitären Wirkstoffe und die zum Teil sehr negativen Effekte einiger herbizider Wirkstoffe im Mais auf Gewässer und Grundwasser deutlich vermindert werden. Mit den richtigen Fruchtfolgegliedern kann aktiver Humusaufbau betrieben werden.

Im Rahmen der neuen GAP-Regelungen wird nach aktuellem Kenntnisstand ab 2023 ein jährlicher Fruchtwechsel auf jeder Ackerparzelle notwendig werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind mehrjährige Kulturen, Gräser, Grünfutter, Brache und Luzerne. Eine Zweitkultur mit Ernte im selben Jahr gilt hierbei als Fruchtwechsel. Eine Zwischenfrucht oder Begrünung aus Untersaaten in der Hauptkultur zählt als Fruchtwechsel, allerdings maximal auf der Hälfte des betrieblichen Ackerlandes. Dabei müssen die Aussaat der Zwischenfrucht oder die Begrünung infolge einer Untersaat vor dem 15. Oktober erfolgen und sind bis zum 15. Februar des Folgejahres auf der Fläche zu belassen. Alle beschriebenen Regelungen können sich im Laufe des Jahres noch ändern.

Am 17. Mai 2021 war der Mais im Wuchs noch sehr verhalten, anhaltende kühle Witterung bremste eine schnelle Jugendentwicklung aus. Foto: Dr. Elke Grimme

Die zunehmenden phytosanitären Probleme von Mais in Selbstfolge sowie die sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen machen deutlich, dass sich auch die Futterbaubetriebe mit Fruchtfolgen beschäftigen müssen. Mais stellt in der Fruchtfolge aufgrund der guten Selbstverträglichkeit keine spezifischen Ansprüche. In der Vergangenheit haben viele wissenschaftliche Studien gezeigt, dass futterbaulich nutzbare Maisfruchtfolgen hinsichtlich Ertrag und Qualität, aber auch hinsichtlich ökologischer Parameter konkurrenzfähig gegenüber Mais in Selbstfolge sein können (Wulfes, 2006; Wachendorf, 2006; Manevski, 2014).

Vergleich der Fruchtfolge

Die Landwirtschaftskammer führt seit Jahren auf dem leichten, sandigen Boden der Versuchsstation in Schuby (Kreis Schleswig) einen Demofruchtfolgeversuch unter praxisüblichen Bedingungen mit Ackerfutterbaukulturen durch. Bei dem Versuch soll verdeutlicht werden, inwieweit auf der Geest Ackergras (Welsches Weidelgras) und Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS; Winterroggen) ertraglich und qualitativ zur Futternutzung in Fruchtfolge mit Silomais herangezogen werden können.

Bei den Trockenmasseerträgen wird deutlich, dass das Welsche Weidelgras und der Winterroggen in der Fruchtfolge den Mais am Geest­standort gut ergänzen (Tabelle 1). Die Varianz der Erträge (2015 bis 2021) des Weidelgrases ist höher als die von Silomais oder Winterroggen (siehe Standardabweichung und Variationskoeffizient in Tabelle 1). Grund dafür ist der hohe Wasseranspruch des Welschen Weidelgrases, der im Zusammenhang mit der geringen Wasserhaltekapazität aufgrund einer niedrigen nutzbaren Feldkapazität (nFK) und der zurückliegenden trockenen Jahre (zum Beispiel 2018) zu Ertragsschwankungen führt. Die Wintergetreideart Roggen kann als Ganzpflanze nicht mit den erzielten Silomaiserträgen mithalten, jedoch waren die Erträge mit 154,9 dt TM/ha auf einem hohen und zufriedenstellenden Niveau. In Tabelle 1 wird zudem die sehr hohe Leistungsfähigkeit von Silomais auf der Geest sowohl in Selbstfolge als auch in der Fruchtfolge deutlich. Steht der Mais in Selbstfolge, ist die Ertragsstabilität in den Beobachtungsjahren 2015 bis 2021 nur minimal höher (siehe Variationskoeffizient) im Vergleich zum Mais in der Fruchtfolge. Allerdings ist die durchschnittliche absolute Ertragshöhe des Maises in der Fruchtfolge aufgrund positiver Vorfruchteffekte des Ackergrases höher. Weiterhin ist in der vorliegenden Betrachtungsweise noch nicht berücksichtigt, dass das Risiko von kulturspezifischen Ertragsausfällen durch den gleichzeitigen Anbau verschiedener Fruchtarten auf dem Betrieb stark gemindert ist.

Während beim Mais am 1. Juli 2021 gerade erst die Reihen geschlossen sind, steht beim Winterroggen die Ernte der Ganzpflanzensilage an. Foto: Dr. Elke Grimme

Liegt das Augenmerk auf dem Energieertrag, so sind beim Vergleich mit dem GPS deutliche Unterschiede zugunsten des Maises auszumachen (Tabelle 2). GPS selbst besteht aus Stängel- und Blattmaterial sowie stärkereichen Getreidekörnern, deren Proteinwerte mit zunehmender Kornreife sinken. Die Stärkegehalte waren beim Roggen 2021 im Vergleich zum errechneten Mittelwert über die Versuchsjahre (2015 bis 2021) niedrig (Tabelle 2). Begründet liegt dies in dem zu späten Erntetermin am 7. Juli 2021. Qualitätsanalysen des Welschen Weidelgrases konnten aus technischen Gründen im vergangenen Jahr nicht durchgeführt werden. Allerdings veranschaulichen die Trockenmasseerträge in Tabelle 3, wie hoch das Potenzial des Ackergrases in der Fruchtfolge sein kann. Nicht nur hinsichtlich des positiven Vorfruchtwertes, sondern auch als idealer Ergänzungspartner zum Silomais in der Wiederkäuerernährung ist das Ackergras sehr gut als Fruchtfolgeglied geeignet.

In der Grafik sind die kumulativen TM-Erträge der jeweiligen Fruchtfolgen aus den Versuchsjahren 2015 bis 2021 dargestellt (vergangenes Versuchsjahr 2021 oben). Die Grafik verdeutlicht, dass beim Anbau von Mais in Fruchtfolge keine Risiken hinsichtlich der Gesamttrockenmasseerträge zu erwarten sind. Insgesamt waren die durchschnittlichen Jahreserträge mit 6,3 dt TM/ha nur marginal geringer (31,7 dt TM/ha über Fünfjahreshorizont). Nicht berücksichtigt ist in diesem Versuch, dass bei einer günstigen Entwicklung des Ackergrases nach GPS ein bis zwei Schnitte oder eine Beweidung des Grases vor Wintereintritt möglich sind und die Erträge in diesem Versuch somit unterschätzt werden. Weitere nicht berücksichtigte Faktoren in dem Demoversuch, zum Beispiel die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und erhöhte Ertragssicherheit des Anbausystems, sprechen ebenfalls für eine Futterbau­fruchtfolge und sollten nicht außer Acht gelassen werden.

Produktionstechnik und Erntezeitpunkt

Zur Erzeugung von Silomais, Getreide-GPS und Ackergras sind alle ertragssteigernden und -sichernden Maßnahmen sinnvoll, die in der jeweiligen Produktion gefahren werden sollten. Dementsprechend sind Empfehlungen zu Standortansprüchen, Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung, -technik, -termin, -stärke, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz zu beachten. Da die Stickstoffdüngung aufgrund hoher Düngerpreise oder im Rahmen der Gebietskulisse der Düngeverordnung gemindert werden muss, sollten besonders der pH-Wert und die Gehalte an Grundnährstoffen im Boden im Fokus stehen. Der Integration von Kleegras in die Fruchtfolge sollte wegen der N bindenden Wirkung und des hervorragenden Vorfruchtwertes besondere Beachtung geschenkt werden.

Der optimale Erntezeitpunkt stellt immer einen Kompromiss zwischen möglichst hohen Trockenmasseerträgen und guter Abreife dar. Zum optimalen Erntezeitpunkt der Getreide-Ganzpflanzensilage lässt sich das Korn noch mit dem Fingernagel eindrücken, es spritzt aber nicht mehr (Ende Milchreife, Anfang Teigreife). Die Halmknoten sind noch grün, während das Stroh bereits mit der Gelbfärbung beginnt. Der tägliche Zuwachs an Trockenmasseertrag und der Anstieg des Trockensubstanzgehaltes während der Abreife des Getreides sind bei kühler Witterung niedriger als bei warmer. Trockenphasen hingegen beschleunigen den Abreifeprozess deutlich. Angestrebt werden, wie beim Mais, 35 % Trockensubstanzgehalt der GPS. In diesem Erntestadium sind noch genügend leicht lösliche Kohlenhydrate für eine gute Vergärung enthalten. Der optimale Erntezeitpunkt beim Welschen Weidelgras zum ersten Schnitt ist erreicht, wenn zirka 50 % der Ähren im Bestand sichtbar sind.

Fazit

Der Silomais wird auch zukünftig für den Futterbau aufgrund seiner hervorragenden Qualitäts- und Futtereigenschaften nicht an Bedeutung verlieren. In Ergänzung mit Getreide-Ganzpflanzensilage und Ackergras sollte die Maisselbstfolge zukünftig jedoch aufgelockert werden, sodass Krankheitszyklen unterbrochen, Problemungräser und -unkräuter unterdrückt sowie Erosionsschutz betrieben werden können. Dies ist möglich bei einem vergleichbar hohen Ertragsniveau wie in der Maisselbstfolge. Weiterhin wird in Zukunft aufgrund der steigenden Temperaturen und verlängerten Vegetationsperioden auch der Anbau von Körnermais und Kulturen wie Hirse immer interessanter werden. Erste Versuche hierzu laufen seitens der Landwirtschaftskammer.

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