Die Flächen des Dauergrünlandes werden je nach vorliegenden Standorteigenschaften und betrieblichen Bedingungen sehr unterschiedlich genutzt. So ist nicht überall die Etablierung von Hochleistungsnarben möglich oder gewollt. Die spätere Art und Intensität der Nutzung muss früh im Jahr für jeden Bestand genau überlegt sein, um die jeweils beste Pflege im Sinne einer nachhaltigen Narbenentwicklung planen zu können. Der Lohn der Frühjahrspflege sind dann gesunde, dichte Grünlandbestände, die zu hohen Anteilen aus wertvollen Pflanzenarten bestehen.
Die erforderlichen Pflegemaßnahmen werden im Frühjahr auf der Basis des angestrebten Bewirtschaftungsziels und nach einer aktuellen Bestandsaufnahme der Fläche geplant. Ein eigenes Grünland-Monitoring bringt das dazu benötigte Wissen über den Zustand der Flächen, das heißt über die Artenzusammensetzung und Lückenanteile in den Narben.
Die Begehung der Flächen im Frühjahr verschafft Klarheit über aktuelle Feuchtigkeitsverhältnisse des Bodens, staunasse oder sogar überflutete Bereiche, Moorlinsen und andere schwierige Stellen. Möglicherweise sind Fahrspuren, Trittspuren oder auch Schäden durch anhaltenden Frost, Mäuse, Tipula, Drahtwurm oder Wildschweine zu erkennen. Besonders wichtig ist es, den aktuellen Zustand der Narbe auf Verfilzungen, Moos, abgestorbene Pflanzen sowie den Anteil an Unkräutern und Ungräsern zu prüfen.
Der Lückenanteil wird als Entscheidungshilfe für eine eventuelle Nachsaat ermittelt. Ein Quadrat aus einem Zollstock (40 cm x 40 cm) wird dazu auf die Narbe gelegt. Die eigene Handfläche im Quadrat beträgt eine Fläche von etwa 15 %. Diese Informationen werden an mehreren zufällig gewählten Stellen im Bestand für einen guten Überblick gesammelt. Auf Flächen, deren vorgefundener Zustand von der Zielvorstellung abweicht, sind Maßnahmen wie Striegeln oder Nachsaat vorzunehmen.
Wann welche Maßnahmen durchführen?
Welche Zeiten sich für die Durchführung am besten eignen, zeigt die Grafik. Die Maßnahmen des Frühjahrs finden zwischen der ersten Güllegabe und dem Einsetzen des Schossens der Bestände statt. Gut abgetrocknete Flächen sind dabei Voraussetzung. Wenn die Witterung nicht mitspielt, kann die Narbenpflege teilweise auf den Herbst verlegt werden.
Der Striegel
• lüftet die Narbe, indem er Verfilzungen, abgestorbenes Pflanzenmaterial und Gülleschleier auskämmt,
• regt dabei auch die Bestockung der Gräser an,
• lüftet den Boden durch Auflockern der organischen Bodenauflage,
• ebnet Maulwurfshaufen ein,
• kann mit der Nachsaat kombiniert werden.
• Achtung: Gestriegelte Narben sind in den ersten Tagen frostempfindlich!
Die Walze
• drückt die Nachsaat an (reduziert so die Vertrocknungsgefahr),
• ebnet Tritt- und Fahrspuren ein,
• sorgt für Bodenschluss auf aufgefrorenen Böden (vorwiegend humose, anmoorige und moorige Standorte),
• kann kleine Steine in den Boden drücken.
• Achtung: Es besteht die Gefahr von Verdichtungsschäden, insbesondere auf zu feuchten und auf schweren Böden.
Die Über- oder Nachsaat
Eine zu geringe Pflanzendichte und Narbenlücken in der Grünlandnarbe führen unvermeidlich zu einer baldigen Verunkrautung und Verungrasung. Daher benötigen alle lückigen Flächen unbedingt eine Nach- oder Übersaat (Tabelle 1). In erster Linie aus dem Erhalt der Narbe und der Bodenstruktur ergeben sich die Vorteile dieser Maßnahme:
• rascher Narbenschluss und dichterer Pflanzenbestand
• Verhinderung vermehrter Ansiedlung von Ungräsern und Unkräutern in den Lücken
• Wertvolle, standortangepasste Arten (Ökotypen) bleiben erhalten.
• Erhalt der Trittfestigkeit
• keine erhöhte Nährstofffreisetzung
• kaum Futterausfall, geringes Ansaatrisiko und niedrigere Kosten als bei Neuansaat
Für eine erfolgreiche Nachsaat müssen anfangs noch vorhandene Verfilzungen und Moos in der Narbe beseitigt sein, damit die Samen für die Keimung guten Bodenkontakt finden. Mit bewährten Gerätekombinationen können alle Schritte in einem Arbeitsgang erledigt werden. Alle Maßnahmen fruchten allerdings nur dann, wenn die Grundbedingungen (pH-Wert und Grundnährstoffe) dem Standort entsprechend im Optimalbereich liegen. Bei der sachgemäßen Pflege und Nutzung des Grünlandes hat das konsequente Dichthalten der Narbe generell die größte Bedeutung.
Welches Saatgut einsetzen?
Von allen Futtergräsern kann sich Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) wegen seiner konkurrenzkräftigen Jugendentwicklung am besten in der Altnarbe etablieren, zudem weist es einen sehr hohen Futterwert auf. Daher sind für eine Nachsaat im intensiv genutzten Grünland allgemein die Standardmischungen G V, G V-spät und G V-Klee (Tabelle 2) am besten geeignet. Sie enthalten nur Deutsches Weidelgras mit von der Arbeitsgemeinschaft der norddeutschen Landwirtschaftskammern geprüften und empfohlenen Sorten.
Tabelle 3 zeigt exemplarisch für jede Reifegruppe die sechs ertragsstarken Sorten sowie deren Ausprägung in den Merkmalen Ausdauer, Rostresistenz und Mooreignung. Während in der G V alle drei Reifegruppen vertreten sind, umfasst die G V-spät ausschließlich Sorten aus der mittleren und späten Reifegruppe. Als Richtwerte für Nachsaaten gelten Aussaatstärken von 10 bis 20 kg/ha, abhängig vom Zustand der Narbe und der Ploidiestufe der eingesetzten Sorten (variierende Tausendkorngewichte). Empfehlungen zur Sorten- und Mischungswahl enthält das kostenlose Faltblatt der norddeutschen Landwirtschaftskammern, das auch im Internet unter lksh.de/landwirtschaft/gruenland/dauergruenland/ abrufbar ist.
Obwohl andere Grasarten als das Deutsche Weidelgras eine langsamere Jugendentwicklung und somit mehr Schwierigkeiten haben, beim Auflaufen mit der Altnarbe zu konkurrieren, können auch diese nachgesät werden. Sie finden ihren Einsatz vor allem unter schwierigeren Klima- und Bodenbedingungen und bei einem weniger intensiveren Nutzungsziel des Grünlands. Hier ist eine Nachsaat im Spätsommer oder Herbst vielversprechender, da die bestehende Grasnarbe zu diesem Zeitpunkt konkurrenzschwächer ist als im Frühjahr.
Kann Narbenqualität langfristig halten?
Wer nachhaltig eine gute Narbenqualität auf seinem Dauergrünland erhalten will, sollte einige grundlegende Tipps beachten. Sehr wichtig für dieses Ziel ist es, die Nutzung und die Düngung sorgfältig an das jeweilige Standortpotenzial anzupassen. Zudem sind Standort und Pflanzenbestand gemeinsam bei der Wahl der Schnitthäufigkeit zu beachten. Da eine hohe Narbendichte das Ansiedeln unerwünschter Gräser und Kräuter weitgehend verhindert, müssen Narbenverletzungen, wie sie beispielsweise durch Tiefschnitt bei der Ernte verursacht werden, vermieden werden.
Darüber hinaus stellen Fahr- oder Trittschäden, zu hohe Weidereste sowie Narbenabdeckungen mit Grabenaushub, Ernteresten oder Wirtschaftsdüngern weitere Eintrittspforten für unerwünschte Pflanzen dar. Wer solche Fehler bei der Bewirtschaftung unterlässt, trägt viel zur Nachhaltigkeit und langfristigen Leistungsfähigkeit seines Grünlandes bei.
Fazit
Um die Produktivität von Grünlandflächen langfristig zu erhalten, müssen diese grundsätzlich differenziert nach Standort und Nutzungsziel bewirtschaftet werden. In jedem Frühjahr erfolgt eine sorgfältige Planung der durchzuführenden Grünlandpflege auf der Basis einer aktuellen Narbenbonitur. Die Maßnahmen Striegeln, Walzen und Nach- oder Übersaat entfernen Verfilzungen und sorgen für eine dichte Narbe. Bei der Auswahl des Saatguts spielen neben Kriterien wie Ertragserwartung und Ausdauer auch die Standortbedingungen eine Rolle. Wird die Pflege regelmäßig durchgeführt und werden auch Narbenschäden durch Bewirtschaftungsfehler weitgehend vermieden, kann die Grünlandnarbe nachhaltig in ihrer Qualität unverändert bleiben.



