Im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens „Klimafitte Böden“ hat die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW Kiel) gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Gewässerschutzberatung Nord, erfolgreich einen Feldtag zum Thema „Silomaisaussaat im Direktsaatverfahren“ in Brammer in der Nähe von Nortorf durchgeführt.
Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) nutzte die Gelegenheit, den Bescheid für das durch das Kompetenzzentrum klimaeffiziente Landwirtschaft ihres Ministeriums geförderte Projekt persönlich zu überreichen. Sie betonte in ihrer Ansprache, dass ein wesentlicher Schlüssel zur Anpassung pflanzenbaulicher Bewirtschaftungssysteme an die Auswirkungen des Klimawandels im Boden liege. Den zunehmenden Extremwetterereignissen könne ihrer Auffassung nach nur mit veränderten Bewirtschaftungssystemen begegnet werden, die die Bodenfruchtbarkeit gezielt förderten. Dies sei wesentliches Ziel des Projektes, und sie hoffe, dass am Ende konkrete Empfehlungen für die Etablierung reduzierter Bodenbearbeitungssysteme auf verschiedenen Standorten in verschiedenen Betriebsstrukturen für Praxis und Beratung in Schleswig-Holstein bereitgestellt werden könnten.
Klimafolgen auf den Standorten sichtbar
Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen, unterstrich die Notwendigkeit zur Anpassung und Veränderung im Pflanzenbau, um den Herausforderungen der bereits sichtbaren und der zukünftig zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Gerade auf den schwierigen Standorten der Marsch sind bereits jetzt Ertragsstagnationen bis hin zu Ertragsdepressionen zu beobachten, die ihre Ursache unter anderem in der mangelnden Bodenstruktur dieser Standorte haben. Die theoretischen Zusammenhänge wurden von Prof. Conrad Wiermann von HAW Kiel eingeordnet und an einem vor Ort präparierten Bodenprofil erläutert. Ziel zukünftiger Bodenbearbeitungssysteme müsse es seiner Meinung nach sein, die bodeninternen Strukturierungsprozesse zu nutzen, um die Ressourcen (unter anderem Wasser, Nährstoffe) des Unterbodens erschließen und effizient nutzen zu können. Sinnbildlich steht die Tätigkeit des Regenwurms in diesem Zusammenhang: Er durchmischt organische und mineralische Bodenpartikel, strukturiert den Boden in ein weit verzweigtes Röhrensystem und stabilisiert diese Struktur durch seine Ausscheidungen. Von Ebba Nagel (HAW Kiel) wurde anschließend das Projekt in seinem Aufbau und seinen Aktivitäten näher vorgestellt: In jedem Naturraum sind bereits Leuchtturmbetriebe eingerichtet, die verschiedene Bewirtschaftungssysteme, Betriebstypen und auch Erfahrungsstände repräsentieren. Auf den Flächen dieser Betriebe werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, von Bodenuntersuchungen über Ertragserfassungen bis hin zu Drohnenbefliegungen zur Erfassung von Daten im sichtbaren, nahinfraroten und thermalen Spektralbereich (RGB-, multispektrale und thermale Aufnahmen).
Großes Interesse aus Praxis und Beratung
Die knapp 100 Besucher konnten anschließend den praktischen Einsatz von fünf Direktsaatmaschinen begutachten. Auf der mit Zwischenfrüchten und seit zirka fünf Jahren pfluglos bewirtschafteten Fläche von Landwirt Ole Rohwer wurde von Prof. Helge Stephan der Einsatz verschiedener Direktsaatmaschinen koordiniert. Ziel der Veranstalter war es, die Bandbreite technischer Lösungen für die Direktsaat anhand verschiedener Maschinen zu veranschaulichen. Die vorgestellten Maschinen unterschieden sich nicht nur in ihrer Arbeitsbreite und Bauweise, sondern hauptsächlich in der Ausgestaltung der Säaggregate beziehungsweise der Kombination der Werkzeuge und Andruckrollen. Es wurden Maschinen mit Scheibenscharen, mit und ohne Undercut, Zinken- und Crossslotschare gezeigt. Nach einer kurzen Herstellerpräsentation der jeweiligen Maschinenkonzepte wurden pro Maschine zwei Bahnen Mais gedrillt und Dünger unter Fuß ausgebracht. Von den zahlreichen Besuchern konnten dann die Ausgestaltung des Säschlitzes, die Ablagetiefe und -genauigkeit der Saatkörner beziehungsweise des Düngebandes, die hervorgerufenen Bodenbewegungen sowie die verbleibende Mulchschicht bewertet werden. Neben der Präsentation der Direktsaatmaschinen stand der Austausch zwischen Praktikern, Beratern, Wissenschaftlern und Herstellern im Mittelpunkt des Feldtages. Praktiker mit unterschiedlichem Kenntnis- und Erfahrungsstand nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Beratern und Herstellern. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse konnten diskutiert und analysiert werden. Auch das Projekt erfuhr zahlreiche neue Impulse und Ideen, sodass alle Beteiligten am Ende feststellen konnten, dass sich die manchmal lange Anfahrt aus anderen Landesteilen gelohnt hatte.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Datenerhebung auf den Projektflächen in allen Landesteilen wird nun intensiv weitergeführt. Zur Ernte werden Ertragserhebungen durchgeführt, sodass im Herbst erste Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Bewirtschaftungssystemen vorliegen werden. Für die Zukunft sind weitere Feldtage, Vortragsveranstaltungen und Beiträge beziehungsweise Berichte in unterschiedlichen Fachmedien geplant. Aktuelle Informationen zum Projektgeschehen, erste Ergebnisse und geplante Veranstaltungen können auf der Homepage (https://www.klimafitteboeden.de) und dem Instagramkanal (https://www.instagram.com/klimafitte_boeden/) eingesehen werden.




