Seit fünf Wochen tobt der Krieg zwischen dem Iran auf der einen und Israel und den USA auf der anderen Seite. Neben dem menschlichen Leid vor Ort sind die Auswirkungen weltweit zu spüren. Hierzulande haben vor allem die Treibstoff- und die Düngemittelpreise deutlich angezogen. An den hiesigen Tankstellen ist der Dieselpreis von zirka 1,60 auf 2,50 €/l gestiegen. Die Forderungen für Harnstoff haben sich von 470 auf 800 €/t fast verdoppelt. Auch für andere Betriebsmittel wie Strom und Erdgas werden deutliche Preisaufschläge erwartet, sollte sich die Situation im Iran-Krieg nicht entspannen.
Starke Abhängigkeit
Wie in vielen anderen Bereichen zeigt sich hier die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Import fossiler Brennstoffe. Bereits vor dem Iran-Krieg war die Situation der hiesigen Landwirtschaft kritisch. Viele Betriebszweige arbeiten nicht kostendeckend. Gerade der Ackerbau leidet unter den seit Jahren rückläufigen Erlösen für viele Ackerfrüchte. Aber auch die Milcherzeugung ist mit dem Einbruch der Auszahlungspreise konfrontiert. Durch die hohen Energie- und Düngerpreise sorgen sich viele nicht nur um das Schicksal etlicher landwirtschaftlicher Betriebe, es gibt auch Stimmen, die von der möglichen Gefahr einer Lebensmittelknappheit sprechen. Vorerst sind die Märkte jedoch gut versorgt. Große Lagervorräte an Getreide und Ölfrüchten verhindern aktuell einen Anstieg der Kurse an Terminmärkten, wie er sonst beobachtet wurde, wenn Krisen die Rohstoffmärkte erschütterten.
Höhere Erlöse wären für die Landwirte jedoch wichtig, um die höheren Betriebsmittelpreise auszugleichen. Damit wird die Situation zunehmend kritisch. Während einige Stimmen die Politik zu Hilfe rufen, suchen andere Betriebsleiter nach betrieblichen Anpassungsmöglichkeiten. Einige Optionen wären: Man kann bei der Frühjahrsaussaat auf weniger intensive Früchte wie Leguminosen setzen. Dadurch kann man auch mineralischen Stickstoff in der Folgefrucht einsparen. Für den Herbst kann man Zwischenfrüchte zur Stickstoffbindung aussäen. Bei den Feldarbeiten sollte man Möglichkeiten zur Dieseleinsparung nutzen. Mittelfristig gibt es Einsparungsmöglichkeiten durch die Nutzung von eigener Energie wie Photovoltaik in Verbindung mit einem Batteriespeicher oder einer Hackschnitzelheizung. Der wichtigste Hebel ist meist nicht eine einzige große Investition, sondern sind viele kleine Maßnahmen: weniger Überfahrten, präzisere Düngung, eigener Solarstrom und bessere Nutzung organischer Dünger. So sinkt die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen – und der Betrieb wird robuster gegen Preissprünge.
Alles Bio?
Auch die komplette Umstellung auf biologische Landwirtschaft käme für einige Betriebe infrage. Die Erlöse für Bioerzeugnisse sind in den letzten Jahren erstaunlich stabil geblieben. Aktuell reicht das Angebot an heimischer Produktion in vielen Bereichen nicht für die Nachfrage aus. Allerdings ist Bio nicht automatisch die wirtschaftlich beste Antwort für jeden Betrieb. Es gibt auch Nachteile, so steigt die Arbeitsbelastung deutlich. Die Umstellung dauert meist zwei Jahre und funktioniert nur, wenn es für die Produkte einen sicheren Markt und Preisaufschlag gibt. Aber mit Blick auf weniger Einsatz von fossiler Energie ist meist ist nicht die komplette Umstellung der entscheidende Hebel, sondern dass konventionelle Betriebe einige „Bio-Prinzipien“ übernehmen.



