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Chaos auf dem Rohölmarkt

Marktkommentar
Von Björn Wiencken, LKSH-Markt
Foto: Imago

Der Rohölmarkt zeigt sich aktuell sehr volatil. Der Kurs der wichtigsten Rohöl-Leitsorte Western Texas Intermediate, kurz WTI, die an der größten Warenterminbörse der Welt, der New York Mercantile Exchange (NYMEX) gehandelt wird, hat in den vergangenen Wochen eine erstaunliche Rallye hinter sich gebracht. Während die Kurse Mitte der zweiten Januar-Woche noch auf ein sehr tiefes Niveau von unter 56 US-$/bbl gefallen waren, setzte danach eine relativ steile Preisrallye ein, die zum Ende der vorigen Woche vorerst ihren Höhepunkt bei über 65 US-$/ bbl erreichte. Allein innerhalb der vorigen Woche kletterte der Kurs um knapp 5 US-$. Zu Anfang dieser Woche kam dann der Preiscrash. Der Kurs fiel am Montag innerhalb eines Tages um 3 US-$/bbl.

Bestandsaufbau für 2026 prognostiziert

Nun könnte man die Kursanstiege seit Jahresbeginn natürlich auf die winterlichen Witterungsbedingungen in Europa, vor allem aber auch in den USA schieben. Dies verursacht natürlich einen deutlich höheren Ölverbrauch, was dann wiederum die Lagerbestände schrumpfen lässt. Kombiniert man das nun mit den frostbedingten technischen Ausfällen in der Ölförderung in den USA, wird dort aktuell natürlich deutlich mehr Rohöl verbraucht als gefördert. Hinsichtlich des Weltmarktes kann dies allerdings durch eine höhere Produktion in Südamerika ausgeglichen werden. Abseits der aktuellen Frostperiode lohnt sich auch ein Blick auf die Erwartungen für das gesamte Jahr 2026. Hier wird eine durchschnittliche globale Ölproduktion von 108 Mio. bbl pro Tag erwartet, während der Verbrauch nur bei 105 Mio. bbl pro Tag liegt. Übers Jahr gesehen ist also mit weiter steigenden Lagerbeständen zu rechnen. Die hohen Fördermengen in Südamerika sind es auch, die für eine gute Versorgungslage auf dem Rohölmarkt sorgen, selbst wenn die Opec+ ihre Fördermengen nicht weiter erhöht. Von dieser Seite gibt es also kaum Grund für derartige Kursschwankungen wie Anfang dieser Woche.

Geopolitische Risikoprämien

Diese starken Kursschwankungen weisen eher auf einen verunsicherten Markt hin, und hierfür sind meist geopolitische Ereignisse verantwortlich. In diesem Fall sind es einmal mehr die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Nachdem schon vor drei Wochen ein Eingreifen der USA im Rahmen der gewaltsam niedergeschlagenen Proteste im Iran vermutet wurde, hat diese Gefahr zum Ende der vorigen Woche wieder dazu geführt, dass Risikoprämien in Höhe von 7 bis 10 US-$/bbl auf die Ölpreise aufgeschlagen wurden.

Der Ölmarkt fürchtet dabei allerdings weniger den Ausfall der iranischen Ölexporte. Der Anteil des Iran an der weltweiten Ölproduktion beträgt nur etwa 3 %. Viel wichtiger für den weltweiten Ölhandel ist hingegen die Straße von Hormus, eine Meerenge vor der Küste des Iran, die auch vom Iran kontrolliert wird. Auf diesem Seeweg werden ungefähr 20 % des weltweit gehandelten Öls transportiert. Entsprechend sensibel reagiert der Markt, wenn die Gefahr einer Störung dieser wichtigen Passage besteht. Diese hohen Risikoprämien wurden zum Anfang der Woche zumindest teilweise wieder zurückgenommen. Auf dem Rohölmarkt haben sich Zeichen der Entspannung durchgesetzt. Offenbar wird abseits der Medien doch noch zwischen den USA und dem Iran verhandelt.

Dies zeigt einmal mehr, dass US-Präsident Donald Trump bewusst mit den Märkten „spielt“. Denn mit starken Kursschwankungen lässt sich an den Terminmärkten deutlich mehr Geld verdienen als mit stabilen Märkten. Besonders wenn man die Macht, hat diese selbst zu initiieren.

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