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Pressevielfalt in der Landwirtschaft

Neue Sonderausstellung im Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsmuseum in Meldorf
Von Herbert Frauen
Im Rahmen der Pressevielfalt wird auch ein stationäres Monster mit Riemenantrieb gezeigt. Foto: Herbert Frauen

Noch läuft die Sonderausstellung „Eigenbau und Eigenartiges in der Landwirtschaft“ im Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsmuseum in Meldorf. „Wegen des großen Erfolges werden wir einige Exponate weiterhin ausstellen, aber jetzt bereiten wir eine neue Sonderausstellung vor über Pressen“, erklärt Museumsleiter ­Alexander Eggert.

Das Außengelände des Museums soll dabei zusätzlich zu einer Aktionsfläche werden, mit verschiedenen Pressen im Einsatz. „Wir möchten ein lebendiges Museum sein und nicht nur alte Maschinen ausstellen, sondern die Technik auch in Funktion zeigen“, nennt Alexander Eggert den Anspruch des Museums.

Alexander Eggert vor der Lanz-­Presse aus dem Jahr 1910
Foto: Herbert Frauen

Und durch die wechselnden Themenschwerpunkte und die praktischen Vorführungen wolle man auch erreichen, dass die Besucher mehrfach in das Museum kämen und etwas Neues entdeckten. Die neue Ausstellung trägt den Titel „Pressevielfalt in der Landwirtschaft“ als Wortspiel zur Pressevielfalt bei den Tageszeitungen. Zur Ausstellungseröffnung am 12. Oktober kommen Landwirte aus der Umgebung mit ihren aktuellen Pressen dazu, um die Vielfalt und den technischen Fortschritt dieser Erntemaschinen zu demonstrieren. Kulturvermittler Lutz Christiansen hat den Ablauf geplant: „Es werden Rundballen auf dem Hof abgerollt und von verschiedenen Pressen wieder in verschiedene Formate zusammengepresst.“

Dabei wird die Vielfalt dieser Technik deutlich: Ob als Quader oder Rundballen, ob mit Garn, Draht oder einem Netz zusammengebunden, ob niedrig oder hoch verdichtet – es geht immer um das Sammeln, Pressen, Binden und Laden von Silage, Heu oder Stroh. Früher musste man das lose anfallende Heu und Stroh nach dem Mähen oder Dreschen aufwendig per Hand bündeln oder mit Rechen zusammenkehren und binden, um es anschließend auf dem Heuboden oder in die Scheunen einzubringen.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich hier viel getan und die Arbeit enorm erleichtert. Bereits 1901 stellte die Firma Welger aus Wolfenbüttel die Erfindung einer Presse vor. Dadurch konnten Stroh und Heu durch das Pressen zu Ballen deutlich platzsparender transportiert und eingelagert werden. Allerdings konnten die ersten Pressen nur pressen und nicht binden.

Kulturvermittler Lutz Christiansen erklärt die Mengele-Presse mit Hydraulikantrieb.
Foto: Herbert Frauen

„Ein Landarbeiter musste dann unter die Maschine kriechen und mit einem Band von Hand die Niederdruckballen zusammenbinden“, erklärt Lutz Christiansen. Erst 1930 entwickelte die Firma Claas als integrierten Knüpfapparat den Knoter. Dadurch verkürzte sich die Arbeitszeit bei der Raufutterernte enorm. Die Entwicklung ging von den Niederdruck- zu den Mitteldruck- und Hochdruckpressen. Der Transport wurde durch die Laderutsche oder die Ballenschleuder erleichtert und die Formate der Ballen entwickelten sich von kleinen tragbaren Ballen zu den Großformaten als Rund- oder Quaderballen mit Größen von 1,80 m im Durchmesser oder 80 x 120 cm im Querschnitt.

Der technische Fortschritt wird auch an den ausgestellten Pressen im Museum deutlich. Einige sind aus dem Depot geholt worden und wurden bisher noch nie gezeigt. Die größte und älteste ausgestellte Presse der Firma Lanz stammt aus dem Jahr 1910. Sie wurde als stationäre Presse hinter einer Dreschmaschine eingesetzt, um das Stroh mit einer Drahtbindung für die Bahn transportabel zu machen und es zu den Pferden des Heeres zu bringen.

Die Claas-Bubi-S aus dem Jahr 1965 hat ihren Namen aufgrund ihrer Funktion „Bündeln und Binden“ erhalten.
Foto: Herbert Frauen

Die Claas-Bubi-S aus dem Jahr 1965 hat ihren Namen nach ihrer Funktion „Bündeln und Binden“ erhalten. Als Mitteldruckpresse konnte ihr Druck variabel eingestellt werden.

Eine besondere Rarität der Ausstellung ist die Hydro-Pack SB 8580 von Mengele mit einem Presskanal von 80 x 85 cm. Die Quaderlänge konnte variabel gestaltet werden. Das Besondere: Der Presskolben ist ein hydraulischer Zylinder, der das Gewicht deutlich reduzierte. Lutz Christiansen: „Mengele begann 1990 mit dem Vertrieb, aber es kam in der Praxis zu Problemen, da die Vorpresskammer zu klein dimensioniert war und bei nicht ganz trockenem Erntegut leicht verstopfte.“ Trotz einer Nachbesserung des Rotors von Mengele im Jahr 1991 lief die Presse nicht störungsfrei. Der Hersteller kaufte deshalb die 50 ausgelieferten Pressen zurück und verschrottete sie. Ein Landwirt aus Friedrichstadt behielt aber eine und presste damit Bohnenstroh, bevor er sie jetzt dem Museum schenkte.

Bei der Sonderausstellung geht es neben dem Pressen auch um die Verwendung und Bedeutung von Stroh und Heu. Lutz Christiansen: „Das Stroh wird gerade wieder neu entdeckt. Sei es als kurz geschnittene Komponente im Mischfutter, um den Rohfaseranteil zu erhöhen, sei es als Dämmmaterial im Gebäudebau oder sei es als Biomasse zur Wärmegewinnung. Denn 2,5 Kilogramm Stroh haben den Heizwert von einem Liter Heizöl.“

Weitere Informationen unter landwirtschaftsmuseum.sh

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