Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), kurz JKK, gehört zur Familie der Korbblütler und zur Gattung der Greis- oder Kreuzkräuter. Alle Arten dieser Gattung enthalten Pyrrolizidinalkaloide (PA), die im tierischen Organismus zu giftigen Substanzen umgewandelt werden. Diese Gifte können irreversiblen Schäden an Leber und Stoffwechsel verursachen. Sie reichern sich mit jeder aufgenommenen Dosis an und werden im Gegensatz zu manchen anderen Substanzen nicht abgebaut. Akute Vergiftungen sind selten, doch chronische, schwer erkennbare Vergiftungen stellen ein größeres Problem dar.
Pferde reagieren besonders empfindlich gegenüber den PA, gefolgt von Rindern. Schafe und Ziegen zeigen in der Regel weniger starke Reaktionen. Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover ergab, dass Schafe erhebliche Mengen JKK ohne erkennbare Gesundheitsschäden fressen können. Im frischen Zustand werden die Pflanzen aufgrund ihrer bitteren Inhaltsstoffe meist gemieden. Doch im getrockneten oder silierten Zustand, etwa im Heu oder in Silage, werden die Bitterstoffe abgebaut, während die Giftstoffe erhalten bleiben. Junge, unerfahrene Tiere fressen gelegentlich auch frische Pflanzen, was das Risiko erhöht.
Für Menschen besteht nur beim Verzehr von Honig aus Regionen mit hohem JKK-Vorkommen eine geringe Gefahr. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist eine akute Gesundheitsgefährdung durch PA im Honig jedoch sehr unwahrscheinlich. Belasteter Honig wird in Deutschland sehr selten nachgewiesen.
Merkmale des Jakobskreuzkrauts
Das Jakobskreuzkraut lässt sich anhand der folgenden Merkmale leicht erkennen:
• leuchtend gelbe Blütenköpfchen, 15 bis 20 mm groß, in dichten, schirmförmigen Rispen
• 13 gelbe Zungenblüten pro Blütenkopf
• kantiger, gedrillter, starker Stängel, oft mit rotem Überlauf
• Wuchshöhe zwischen 30 und 120 cm
• Hüllblätter mit schwarzer Spitze
• fiederteilige, wechselständige Blätter mit spinnwebartigem Flaum auf der Unterseite
• charakteristischer, strenger Geruch beim Zerreiben der Blätter
Nach der Blüte bildet die Pflanze flugfähige Samen, die wie beim Löwenzahn vom Wind verbreitet werden.
Lebenszyklus des Jakobskreuzkrauts
Das Jakobskreuzkraut ist eine zwei- bis mehrjährige Pflanze, die in der Natur vor allem in lückigen Beständen gute Wachstumsbedingungen findet. Als konkurrenzschwacher Lichtkeimer benötigt es offene Stellen, in denen es sich ausbreiten kann. Besonders überweidete Pferdeweiden mit lückigem Bewuchs bieten ideale Bedingungen. Im ersten Jahr bildet das Jakobskreuzkraut eine Rosette, die im zweiten Jahr zur Blüte kommt. Nach der Blüte stirbt die Pflanze in der Regel ab. JKK weist eine hohe Samenproduktion von bis zu 150.000 Samen pro Pflanze auf. Der Hauptverbreitungsweg ist der Wind, wobei die Samen nur in einem Umkreis von etwa 50 m verteilt werden. Allerdings können sie durch Anhaftungen an Maschinen, Pflegegeräten, Autos, Zügen, Kleidung, Fell- und Federkleid von verunreinigten Flächen weiterverbreitet werden. Ein entscheidendes Problem ist die lange Überlebensfähigkeit der Samen im Boden: Sie können bis zu 25 Jahre keimfähig bleiben. Dadurch besteht ein erhebliches Samenpotenzial im Boden, das bei schlecht gepflegten Grünlandbeständen oder bei der Umstellung auf extensive Nutzung zu einer starken Verbreitung führen kann.
Ökologische Bedeutung und Verbreitung
Das Jakobskreuzkraut ist eine heimische Pflanze und wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten und somit ein wichtiger Bestandteil des heimischen Ökosystems. In den letzten Jahren wurde jedoch eine verstärkte Ausbreitung beobachtet, was auf verschiedene Faktoren zurückgeführt wird. Zum einen kommt es bei der Extensivierung der Bewirtschaftung vorübergehend zu einem vermehrten Auftreten von JKK, bis sich ein ökologisches Gleichgewicht eingestellt hat. Zudem schafft die Zunahme trockener Witterungsverhältnisse günstige Bedingungen für das Wachstum. Zum anderen kann die Einführung nichtheimischer Genotypen in Saatgut für Begrünungen die Verbreitung begünstigen.
Jakobskreuzkraut bevorzugt sonnige, eher trockene Standorte wie Böschungen, Weg- und Waldränder, Ödland, Kies- und Geröllflächen, Autobahnstreifen sowie extensiv genutztes Grünland und wenig gepflegte Weiden. Auf intensiv geführten, gut bewirtschafteten Flächen mit regelmäßiger Düngung und Nachsaat ist die Verbreitung eher gering.
Eine vollständige Ausrottung des JKK ist weder möglich noch ökologisch sinnvoll, da es Teil des heimischen Ökosystems ist und indirekt auch Vögeln, Amphibien, Reptilien und Kleinsäugern zugutekommt, die sich von Insekten ernähren. Die Regulierung sollte sich daher auf landwirtschaftlich genutzte Flächen konzentrieren.
Präventive Maßnahmen und Pflege
Die wichtigste Strategie im Umgang mit dem JKK ist die Prävention. Auf intensiv genutztem Grünland, das regelmäßig gemäht, gedüngt und nachgesät wird, hat die Pflanze kaum eine Chance. Eine dichte Grasnarbe und das schnelle Schließen von Lücken durch Nachsaat verhindern die Keimung. Überweidung, Tritt- oder Narbenschäden sollten vermieden werden, da sie die Ausbreitung begünstigen können.
Einzelne Pflanzen sollten frühzeitig entfernt werden. Die regelmäßige Kontrolle der Flächen im Frühjahr ist unerlässlich. Bei geringem Befall können sie durch Ausstechen im vegetativen Stadium oder durch Ausziehen und Ausreißen vor der Samenbildung entfernt werden. Die manuelle Entnahme ist eine effektive Methode, um JKK bei vereinzeltem Vorkommen zu bekämpfen. Wichtig ist, die Pflanzen vollständig zu entfernen, um ein erneutes Austreiben zu verhindern.
Bei einem Aufkommen in hoher Dichte ist eine regelmäßige Mahd vor der Samenreife sinnvoll, um die Vermehrung zu verhindern. Wird das Jakobskreuzkraut während der Blüte gemäht, können die Pflanzen durch Notreife dennoch keimfähige Samen bilden. Bei einer frühzeitigen Mahd entwickeln sich jedoch zahlreiche Seitentriebe, die zu einer intensiven Nachblüte führen können. Das führt dazu, dass die Pflanzen im Folgejahr noch kräftiger auftreten und die Verbreitung verstärkt wird. Daher empfiehlt sich eine zweite Mahd, um die Pflanzen zusätzlich zu schwächen. Das Mahdgut darf nicht als Futter oder Einstreu verwendet werden, sondern muss entsorgt werden. Nach der Mahd sind Nachsaat, Narbenpflege und eine angepasste Bewirtschaftung entscheidend.
Kleine Mengen an Jakobskreuzkraut können über die Restmülltonne entsorgt werden. Bei größeren Mengen ist die Entsorgung über Müllverbrennungsanlagen oder Bioabfallverwertungsanlagen ratsam. Alternativ ist eine Verwertung in Nass- oder Trockenfermentern möglich. Eine Entsorgung über Kompost oder Mist ist unbedingt zu vermeiden. Die Samen bleiben hier keimfähig und können so die Verbreitung der Pflanze erheblich fördern. Eine unsachgemäße Entsorgung würde somit das Problem verschärfen und die Ausbreitung in der Umgebung begünstigen.
Chemische Bekämpfung
Reicht das händische Entfernen nicht aus, kann eine chemische Regulierung notwendig werden. Dabei sollte die Behandlung einzelner Pflanzen im Vordergrund stehen. Damit der Einsatz von Herbiziden erfolgreich ist, muss der richtige Zeitpunkt getroffen werden. Je nach Herbizid sollte eine Maßnahme zwischen dem Rosettenstadium und dem Schieben des Blütenstandes erfolgen. Nesterweises Auftreten von Jakobskreuzkraut und Einzelpflanzen können mit einer 1%igen Simplex-Lösung mit der Rückenspritze behandelt werden. Bei einem vermehrten Aufkommen von Jakobskreuzkraut sollte eine flächige Herbizidanwendung durchgeführt werden. Folgende Produkte könnten eingesetzt werden:
• 2,0 l/ha Simplex; ab dem Rosettenstadium bis zum Schieben des Blütenstandes
• 3,0 l/ha Kinvara; bis zum Ende des Rosettenstadiums
Das Produkt Simplex besitzt die beste Wirkung gegen das Jakobskreuzkraut und kann flexibler in der Vegetation eingesetzt werden, ist jedoch mit sehr vielen Anwendungsbestimmungen und Auflagen versehen (siehe https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Pflanzenschutz/Pflanzenschutzmittel_Ackerkulturen/Herbizide/Gruenland_H_Abstandsauflagen.pdf). Das Produkt Kinvara hingegen hat weniger Auflagen, ist in der Wirkung jedoch etwas schwächer. Nach jeder chemischen Behandlung darf die Fläche erst nach vollständigem Verrotten der Jakobskreuzkrautpflanzen beweidet werden.
Biologische Regulierung
Da JKK in Deutschland heimisch ist, sind auch einige natürliche Fraßfeinde (Antoganisten) vorhanden. Hier ist der Kreuzkraut- oder Blutbär (Tyria jacobaeae) der wohl bekannteste. Die natürlichen Fraßfeinde sind insbesondere auf Naturschutzflächen von Bedeutung, da eine Mahd sich negativ auf die Entwicklung der Population der Antagonisten auswirkt. Meist stellen sich die Ausbreitung und Vermehrung der Fraßfeinde mit einer Verzögerung ein, da die Vorkommen sehr isoliert sind. Eine gezielte Ansiedlung beispielsweise des Blutbären ist möglich. Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass durch die biologische Bekämpfung eine stark belastete Fläche in der Regel nicht vollständig von JKK befreit wird. Sie kann jedoch die weitere Verbreitung eindämmen. Das Dulden von Jakobskreuzkraut auf Naturschutzflächen kann ein wichtiger Bestandteil der Erhaltung und Förderung von natürlichen Gegenspielern sein, muss aber immer im Einklang mit der Gesundheit von Weidetieren erfolgen.
Schutz für das Tierwohl
Erntegut von Grünland mit Jakobskreuzkraut-Vorkommen darf weder als Futter noch als Einstreu genutzt werden. Die giftigen PA können bei Tieren schwere Vergiftungen verursachen. Eine sorgfältige Kontrolle und Entfernung der Pflanze in erster Linie auf Futterflächen, aber auch auf Weiden ist daher unerlässlich. Ein gutes Grünlandmanagement mit angepasster Nutzung und Düngung, regelmäßiger Pflege und Nachsaat ist die wirksamste Maßnahme, um einer Ausbreitung des JKK vorzubeugen.