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Deutsches Spring- und Dressurderby

Sieg beim zehnten Mal in Hamburg-Klein Flottbek
Von Redaktion
Frederic Tillmann und DSP Comanche sind die Sieger im 95. Deutschen Springderby. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Im Sattel von Comanche hat Frederic Tillmann das 95. Deutsche Springderby in Hamburg gewonnen, auf den Tag genau 13 Jahre nach seinem Bruder Gilbert Tillmann. Isabell Werth gewann alle drei Fünfsterneprüfungen in der Dressur und sicherte sich mit Viva Gold ihren sechsten Derbysieg.

Zum zehnten Mal war Frederic Tillmann im Deutschen Springderby am Start, zum fünften Mal mit dem zwölfjährigen DSP Comanche. Schon zweimal wurde er Zweiter, einmal Vierter. Jetzt hat es endlich mit dem Sieg geklappt.

Als 14. der 32 Starter ritt Tillmann in den Derbyparcours. Das Paar schaffte eine schwierige Hürde nach der anderen, und 164,30 s später stand fest: Das war die 166. Nullrunde in der Geschichte des Derbys. Komplette Fassungslosigkeit im Gesicht des Reiters. Danach begann das lange Warten. In den nächsten 72 min schaffte es niemand ohne Fehler durch den Parcours. Doch dann war Simon Heineke, Bereiter im Stall Moorhof in Wedel, Kreis Pinneberg, als letzter Reiter an der Reihe. Der 33-Jährige trat mit dem Holsteiner Wallach Cordillo an, der bereits 2019 unter Nisse Lüneburg Derbysieger geworden war, und sorgte mit einem fehlerfreien Ritt dafür, dass auch das 95. Deutsche Springderby im Stechen entschieden wurde.

Tillmann musste vorlegen. Zügig fing er an, nahm seinen Comanche vor den Bahnschranken und der Mauer extrem zurück und blieb in 54,84 s fehlerfrei. „Ich war jetzt das dritte Mal im Stechen beim Derby“, resümierte er. „Ich habe es zweimal zuvor schon nicht so gut zu Ende gebracht, aber aus diesen Fehlern habe ich gelernt. Heute hat alles geklappt. Aber die 2 min, die ich dann noch warten musste, bevor ich das Ergebnis von Simon erfuhr, das waren die schlimmsten.“ Heineke leistete sich zwei Hindernisfehler und kam auf Platz zwei. Das bedeutete den Sieg für Frederic Tillmann.

„Natürlich bin ich sehr happy“, sagte Heineke. „Auch wenn ich es Cordillo gern noch einmal ermöglicht hätte, mit seinen 18 Jahren hier vielleicht als Derbysieger vom Platz zu gehen.“ Der Wallach war bereits zum sechsten Mal im Deutschen Springderby dabei, das vierte Mal mit Simon Heineke. „Aber insgesamt bin ich einfach nur glücklich und dankbar.“

Turnierchef Matthias Rath resümierte: „Gerade dieser Derby-Abschluss war noch einmal etwas ganz Besonderes. Bis zum Schluss haben alle mitgefiebert: Gibt es ein Stechen oder nicht? Dass dann ausgerechnet der letzte Reiter das Stechen noch erreicht, hat die Spannung perfekt gemacht.“

Sensation knapp verpasst

Auf Platz drei reihte sich André Thieme ein, der wie bei seinem Sieg im vergangenen Jahr mit Paule unterwegs war. Das Paar beendete den 1.250 m langen Parcours mit einem Abwurf. Der Fehler passierte ausgerechnet am niedrigsten Hindernis von allen, am Aufsprung des großen Walls. „Ich kann gar nicht sagen, dass ich mir zu sicher war, aber ich war nach Sprung drei ein bisschen geschockt“, beschrieb Thieme seinen Ritt. „Diese irischen Wälle springt Paule normalerweise ohne Probleme, doch heute hat er dort kurz gezögert. Dabei sind wir etwas aus dem Rhythmus gekommen und sogar leicht gestolpert. Danach hatte ich über den Wassergraben und die Palisade eigentlich wieder ein richtig gutes Gefühl. Im Nachhinein weiß ich selbst nicht genau, warum ich den Wall dann so eng auf der Innenbahn angeritten bin.“

Eine historische Sensation wäre greifbar gewesen: Noch nie hat ein Reiter in Hamburg den Großen Preis und das Derby im selben Jahr gewonnen. Für das Stechen im Grand Prix von Hamburg, ein Springen über 1,60 m, hatten sich acht Reiter qualifiziert. Thieme ging mit seiner Stute DSP Chakaria als vorletzter Starter in den Parcours und siegte in 39,59 s. Das waren rund 1,5 s weniger, als die zweitplatzierte Emilie Conter aus Belgien auf Portobella van de Fruitkorf brauchte. Platz drei ging ebenfalls an eine Belgierin, Gudrun Patteet im Sattel von Sea Coast Qarvaljo d’Or. „Ich war hier schon Zweiter und Dritter im Großen Preis. Jetzt musste es mal klappen“, sagte Thieme anschließend.

Den Sieg im Championat von Hamburg sicherte sich der Ire Cian O’Connor mit Genghis Khan. Die beiden meisterten das Springen über 1,55 m in 45,20 s. „Schon im ersten Umlauf musste man die Zeit im Hinterkopf behalten, um sich optimal für die zweite Runde zu positionieren“, erklärte der viermalige Olympiateilnehmer. „Hinter der Planke gab es eine längere Galoppstrecke, ansonsten lief alles recht flüssig. Wenn man den vorletzten Sprung gut erwischt hat, konnte man auf den letzten noch einen Galoppsprung weniger reiten. Das ist mir gelungen.“ Für den zehnjährigen Genghis Khan war der Sieg der Abschluss seiner Turnierauftritte in Hamburg. „Heute Abend geht er zurück in seinen Heimatstall nach Belgien, morgen darf er erst einmal auf die Weide“, erklärte O’Connor.

Platz zwei ging an den Schweizer Edouard Schmitz auf seinem Olympiapartner von Paris, Gamin van’t Naastveldhof. Der Niederländer Arne van Heel, der für den Holsteiner Verband im Sattel des Verbandshengstes Keaton HV saß, setzte sich auf Platz drei, nur 0,01 s vor Mario Stevens auf Starissa FRH.

Zum sechsten Mal siegte Isabell Werth (Mitte) im Deutschen Dressurderby. Ingrid Klimke (4. v. li.) und Moritz Treffinger (4. v. r.) folgten auf den Plätzen zwei und drei. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Siege für Isabell Werth

Im 66. Deutschen Dressurderby sicherte sich Isabell Werth zum sechsten Mal das begehrte Blaue Band. Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt gewann im Sattel des zehnjährigen Hengstes Viva Gold OLD die Kür der Fünfsternetour und schaffte damit den Gesamtsieg in der Derbywertung. „Ein Derbysieg ist superbesonders“, freute sie sich.

Für den Oldenburger Dunkelfuchs von Vivaldi war es eine Premiere: Viva Gold absolvierte in Hamburg seine erste internationale Kür überhaupt und begeisterte auf Anhieb mit einem Spitzenresultat von 84,365 %. Die anspruchsvolle Choreografie zu Hits von Neil Diamond meisterte der Hengst scheinbar mühelos. „Ich bin total zufrieden, echt happy”, strahlte Werth. „Dieses Pferd ist sensationell, und er wurde hier in Hamburg von Tag zu Tag besser.”

Platz zwei in der Kür ging an Ingrid Klimke mit ihrer Fürstenball-Tochter First Class. Die Reitmeisterin erreichte 77,040 % und zeigte sich nach der Prüfung entsprechend zufrieden: „Hinter Isabell im Grand Prix Dritte und heute in der Kür Zweite zu werden, ist ja eigentlich schon ein Sieg. Ich freue mich sehr für First Class, die sich immer weiter entwickelt, besonders in der Kür. Sie kennt die Musik, ich kann mich tausendprozentig auf sie verlassen, und sie wächst dabei immer über sich hinaus.“

Rang drei sicherte sich Moritz Treffinger mit Fiderdance und 76,525 %. Für den Bereiter des Gestüts Bonhomme in Brandenburg ging mit dem Start in Hamburg ein lang gehegter Traum in Erfüllung: „Ich habe das Turnier jahrelang nur im Fernsehen verfolgt. Dieses Jahr zum ersten Mal selbst hier vor Ort reiten zu dürfen, ist eine riesige Ehre.“

Erstmals wurde das Deutsche Dressurderby ohne Pferdewechsel geritten. Stattdessen floss der CDI5*-Grand Prix als erste Teilprüfung in die Wertung ein. Der Derbysieger wurde durch die Addition der Prozentpunkte aus dem Grand Prix und der Kür ermittelt. Die höchste Gesamtsumme gewann. Wie in der Kür belegten Ingrid Klimke und Moritz Treffinger die Plätze zwei und drei. Isabell Werth konnte auch den Grand Prix für sich entscheiden, allerdings im Sattel von Wendy de Fontaine. In einer fehlerfreien, harmonischen Runde ritten die beiden zu 81,043 %. Mit Viva Gold kam sie außerdem auf den zweiten Platz (75,783 %) vor der Norwegerin Isabel Freese im Sattel von Total Hope OLD (73,978 %).

Die dritte Fünfsterneprüfung, der Grand Prix Special am Sonnabend, floss nicht in die Derbywertung ein. Hier feierten Werth und Wendy de Fontaine einen weiteren Erfolg: Mit 80,021 % setzten sie sich vor Isabel Freese auf Total Hope OLD an die Spitze. Dritte wurden Leonie Richter und Lord Europe mit 70,553 %.

Rath äußerte sich positiv über den neuen Modus: „Jeder, der dieses Wochenende miterlebt hat, wird sagen müssen: Das Konzept ist super aufgegangen, auch vom gesamten Zeitplan her. Bereits am Freitag war das Dressurstadion komplett voll. Dass wir nun an drei Tagen ein volles Haus haben, ist definitiv der richtige Weg.“

Hamburgerin vorn

Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg sicherte sich Sophie Levien gemeinsam mit ihrem elfjährigen Wallach Carlo Carlucci den Sieg im Deutschen Ponydressurderby. Bereits in den beiden Qualifikationen hatte die Nachwuchsreiterin jeweils den Sieg davongetragen. Im Finale mit Pferdewechsel bewies sie erneut Nervenstärke und großes reiterliches Feingefühl.

Für die junge Reiterin aus Hamburg, die sich in ihrem letzten Ponyjahr befindet, war es bereits die dritte Teilnahme am Ponyderby. Im vergangenen Jahr hatte sie das Finale knapp verpasst. Umso größer war nun die Freude über den verdienten Triumph. Besonders bemerkenswert: Es war Leviens erste Prüfung mit Pferdewechsel. Entsprechend gespannt blickte sie dem Finale entgegen. „Es war tatsächlich aber leichter als gedacht“, sagte sie anschließend. „Alle drei Ponys waren sehr gut und reell geritten, dadurch ließ sich alles angenehm nachreiten.“ Die Plätze zwei und drei gingen an die Schwestern Lilli und Lisa von Helldorff aus Niedersachsen. Die Auszeichnung für das beste Pony erhielt der Palomino-Wallach Dreamlike von Lisa von Helldorff.

Sophie Levien meisterte den Pferdewechsel und wurde Gesamtsiegerin im Ponydressurderby. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Sowohl im Deutschen Springderby als auch im Grand Prix Special der Dressurreiter wurde ein Harmonie- und Fairnesspreis verliehen. Im Springen ging die mit 10.000 € dotierte Auszeichnung an Clara Blau mit ihrem Paul. Das Paar hatte sich zwar zwei Abwürfe geleistet, aber die 25-Jährige war von ihrem Herzenspferd völlig begeistert und strahlte: „Ich habe mich über jedes Hindernis gefreut, das er so toll gesprungen ist. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht.“ In der Dressur stimmten die Zuschauer für Helen Langehanenberg und ihre Stute Daniela.

Turnierchef Matthias Rath und Christian Flessing, zweiter Vorsitzender des Norddeutschen und Flottbeker Reitervereins, zogen am Derbysonntag ein positives Fazit: „Das Wetter war in diesem Jahr zwischendurch schon eine Herausforderung“, sagte Rath. „Aber auch wenn es nicht nur nieselt, sondern richtig regnet: Die Menschen bleiben sitzen. Sie sind so begeistert von dem Sport, von der Atmosphäre, die sie selbst gestalten. Das ist großartig. So kommen wir dieses Jahr in etwa auf dieselbe Besucherzahl, die wir 2025 ohne Regen erreicht haben, etwa 94.000. Damit sind wir absolut happy.“

Flessing sagte: „Wir sind sehr froh und zufrieden, wie sich das Derby in den vergangenen beiden Jahren weiterentwickelt hat. Gerade die Veränderungen im Dressurprogramm machen sich bemerkbar. Die Tribünen an der Dressurarena waren nahezu durchgehend bis auf den letzten Platz besetzt. Das begeistert uns total.“ Es gebe Überlegungen, den Zuschauerbereich im Dressurstadion auszubauen. Aktuell hat die Sitzplatztribüne eine Kapazität von rund 1.000 Plätzen. „Wir sind natürlich platzmäßig begrenzt, aber ein paar Ideen haben wir schon.“ pm

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