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Erste Hilfe bei Stress

Baldrian, Kamille, Melisse und Lavendel
Von Karin Stern
Die geöffneten Blüten des Baldrians verströmen einen intensiven Duft. Foto: Karin Stern

Wenn die To-do-Liste mal wieder länger als der Tag ist und Weihnachten vor der Tür steht, kann sanfte Pflanzenkraft Körper und Seele ins Gleichgewicht bringen. Einige Heilpflanzen wirken entspannend und beruhigend, andere hingegen helfen beim Einschlafen und sorgen für eine ruhige Nacht.

Baldrian ist auch als Staude im Garten optisch sehr attraktiv. Foto: Karin Stern

Traditionell schreibt man Baldrian (Valeriana officinalis) beruhigende Effekte zu. Die Pflanze kommt daher bei leichter Anspannung und Stress sowie damit verbundenen Schlafproblemen zum Einsatz. Baldrian ist nur selten in Gärten anzutreffen, obwohl das hübsche Kraut sich leicht etablieren lässt. Der kantige, hohle Stängel des Baldrians erreicht eine Höhe zwischen 50 und 150 cm. An den Stängelspitzen sitzen die doldenartigen, rosa-weißen Blüten. Von Juli bis August verströmen sie einen intensiven Duft. Baldrian ist hinsichtlich seiner Bodenansprüche recht anpassungsfähig. Man findet die Pflanze in sonniger Lage sowohl auf feuchten Wiesen als auch in trockeneren Lagen. Dennoch werden die feuchteren Standorte bevorzugt. Der typische Baldriangeruch stammt von den ätherischen Ölen der Pflanze. Katzen finden diesen Geruch extrem anziehend. Die unterirdisch wachsenden Pflanzenteile werden für die Herstellung von Arzneien genutzt. Neben Extrakten oder Baldrianöl gibt es weitere Anwendungsformen wie Badezusätze oder Präparate zum Einnehmen. Ein Tee aus den zerkleinerten Wurzeln soll bei Schlaflosigkeit oder nervöser Unruhe Linderung verschaffen. Tipp: Zur Anwendung und Dosierung von Baldrian und den anderen Kräutern in der Apotheke beraten lassen.

Der optimale Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn zwei Drittel der Blüten am Köpfchen aufgeblüht sind. Foto: Karin Stern
Echte Kamille ist in ganz Europa verbreitet. Foto: Karin Stern

Die Echte Kamille zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen in unseren Breiten. Die Wirkstoffe der Blüten schützen und beruhigen die Magenschleimhaut. Das Heilkraut wirkt entzündungshemmend, krampflösend und antibakteriell. Kamillentee ist als Hausmittel bei Magenbeschwerden sehr verbreitet. Zudem fördert Kamille die Heilung von Wunden und wird daher bei Haut- oder Schleimhauterkrankungen eingesetzt. Chamomilla recutita beziehungsweise Matricaria chamomilla tritt in ganz Europa auf und gilt als anspruchslos. Die 20 bis 40 cm hohe Pflanze ist mit einem mageren Boden an sonniger Stelle zufrieden. Der Handel bietet vorwiegend die Samen an. Die Aussaat erfolgt von März bis Mai in Töpfen oder Schalen in Aussaaterde. Tipp: In kleinen Büscheln zusammengefasst pikieren. Möglich ist aber auch die Direktsaat an Ort und Stelle. Einmal etabliert, sät sich Kamille alljährlich zuverlässig selbst aus. Für die Verwendung als Heilkraut sind die von Mai bis August erscheinenden Blütenköpfe interessant. Wer selbst ernten möchte, pflückt vom dritten bis zum fünften Tag nach dem Aufblühen und trocknet die Blüten an einem luftigen, schattigen Ort. Aus den Blüten werden Tees, Tinkturen, Öle und Cremes ­hergestellt. Wer unter Husten, Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung leidet, kann den heißen Dampf inhalieren.

Zitronenmelisse kann frisch oder getrocknet verwendet werden.
Foto: Karin Stern

Melisse (Melissa ­officinalis) stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum. Sie ist in vielen Gärten als Aromapflanze zu finden. Die ausdauernde Würz- und Heilpflanze zeichnet sich durch ein intensives Zitrusaroma aus. Dies erklärt auch die Bezeichnung Zitronenmelisse. Man pflanzt im Frühjahr in feuchten, humusreichen Boden in sonniger bis halbschattiger Lage. Die Pflanzen sind robust und starkwüchsig. Die jungen Blätter und Triebspitzen werden fortlaufend geerntet und schonend getrocknet. Tipp: Unbedingt vor der Blüte ernten, weil sich dann das Aroma unangenehm verändert. Wer vor der Blüte die Pflanzen kräftig zurückschneidet, regt einen Neuaustrieb an und sorgt damit für reichlich Blätternachschub. Als Würzpflanze passt Zitronenmelisse zu allen Speisen, in denen eine feine Zitrusnote erwünscht ist. Sie wird gern Kräuterbutter, Soßen, Suppen und Salaten zugegeben und dekoriert Desserts. Ein Tee aus den Blättern soll nervöse Spannungen beruhigen und Einschlafschwierigkeiten entgegenwirken.

Getrocknete Lavendelblüten eignen sich prima zum Füllen von Duftkissen. Foto: Karin Stern

Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) wird in der französischen Provence auf Feldern angebaut. Mittels Dampfdestillation gewinnt man daraus ein hochwertiges und wertvolles Öl. Es dient als Rohstoff in der Parfümindustrie ebenso wie für pharmazeutische Zwecke. Auch Duftkissen, gefüllt mit getrockneten Blüten, erfreuen sich großer Beliebtheit. Großmutter legte sie gern in den Wäscheschrank. Wer die Blüten trocknen möchte, schneidet die Triebe in der Blütezeit von Juni bis Juli, wenn sie sich gerade geöffnet haben. Kopfüber aufgehängt, trocknen sie an einem luftigen und schattigen Ort. Rebeln Sie die Blüten anschließend einfach ab. Als Tee aufgegossen, beruhigen sie gereizte Nerven. Lavendelzusätze im Badewasser wirken ebenfalls entspannend, weil die Wirkstoffe die Kortisol-Konzentration im Blut senken. Unser Körper produziert dieses Hormon bei Stress. Nur Lavandula angustifolia enthält die wirksamen Heilstoffe. Andere Lavendel-Arten sind wirkungslos. Im Garten bevorzugt Lavendel einen sonnigen Platz auf eher trockenem und durchlässigem Boden. Der Handel bietet verschiedene Sorten von Lavandula angustifolia, die sich vor allem in den unterschiedlich ausgeprägten Blau- und Violetttönen der Blüte unterscheiden.

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