Fläche ist begehrt – das belegt der jüngst veröffentlichte Pacht- und Kaufpreisspiegel Schleswig-Holstein. Allein für Ackerland sind die Preise innerhalb eines Jahres um fast 10 % auf durchschnittlich knapp 46.000 €/ha gestiegen. Dabei gab es bereits im Vorjahr einen Preissprung um mehr als 10 %. Das wirkt sich mittlerweile auch auf die Pachtflächen aus, die ebenfalls teurer werden. Die Konsequenz: Für landwirtschaftliche Betriebe wird es immer schwieriger, neue Flächen zu erwerben oder Pachtflächen zu halten. Laut Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) liegt der Pachtanteil der Betriebe inzwischen deutlich höher als 50 %. Das stelle die Rentabilität zunehmend infrage.
In diesem Jahr laufen zudem die steigenden Bodenpreise und die schlechten Ergebnisse der Getreideernte auseinander. Alle Schätzungen gehen von einer deutlich unterdurchschnittlichen Erntemenge mit mäßigen Qualitäten aus. Das passt nicht zusammen.
Wer sind die Preistreiber auf dem Bodenmarkt? Der BVSH gibt an, dass hierzulande täglich mehr als 3 ha Fläche für Infrastruktur wie Straßen, Erneuerbare Energien, Stromtrassen, Gewerbegebiete, Wohnbebauung und Firmenansiedlungen verloren gehen. Und wo versiegelt wird, fordert der Naturschutz zusätzliche Ausgleichsflächen. Außerdem sollen nach dem Willen der Landesregierung landwirtschaftliche Flächen für die Moorvernässung und Aufforstungsmaßnahmen aus der Nutzung genommen werden. Ein weiterer, relativ neuer Flächenfresser sind Photovoltaik-Anlagen, die teils sogar auf guten Ackerböden entstehen. BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht mahnt zu Recht: „Grund und Boden sind die wichtigsten Produktionsfaktoren unserer Landwirtinnen und Landwirte, aber nicht vermehrbar.“
Klar ist: Durch den Schwund von landwirtschaftlichen Flächen stehen dem Anbau von Nahrungsmitteln immer weniger Äcker und Wiesen zur Verfügung. Dem ließe sich mit Produktivitätssteigerungen begegnen, also höheren Erträgen pro Flächeneinheit. Wenn die Politik aber die Entwicklung und Nutzung von Pflanzenschutzmitteln, Züchtungsverfahren und Düngung einschränkt, passiert genau das Gegenteil. Das belegen die schwachen Ergebnisse der Getreideernte in diesem Jahr. Als Konsequenz schrumpft der Selbstversorgungsgrad.
Die wichtigste und kurzfristig umsetzbare Gegenmaßnahme ist sicherlich der sparsame Umgang mit Flächen und damit die Reduzierung des Flächenverbrauchs, der bundesweit sogar mehr als 50 ha pro Tag kostet.
Ernährung geht uns alle an. Gut also, dass die Norla in der kommenden Woche ihre Tore öffnet. Hier können Landwirtinnen und Landwirte sowohl mit Verbrauchern als auch Politikern wunderbar ins Gespräch kommen und sie von der großen Bedeutung und hohen Qualität regional erzeugter Nahrungsmittel überzeugen.



