StartNachrichtenLand & LeuteDer kleinste Leuchtturm Hamburgs

Der kleinste Leuchtturm Hamburgs

Im Stadtteil Wilhelmsburg steht auf Europas größter Binneninsel das Leuchtfeuer Bunthaus
Von Sigrid Querhammer
In Wilhelmsburg steht Hamburgs kleinster Leuchtturm mit dem Namen „Bunthaus“; bis 1977 war der gerade einmal 7 m hohe Leuchtturm in Betrieb. Fotos: Sigrid Querhammer

An der Bunthäuser Spitze, dort wo sich die Elbe für zirka 20 km in die Norder- und die Süderelbe teilt und den Stadtteil Wilhelmsburg zu einer Insel macht, steht Hamburgs kleinster Leuchtturm Bunthaus.

Gerade einmal 7 m ist der mehr als hundertjährige hölzerne Leuchtturm an der Südspitze der Insel Wilhelmsburg hoch. Bis 1977 war er in Betrieb. Seitdem ist er ausschließlich eine Touristen­attraktion. Eine steile Treppe führt hoch auf die Galerie. Von oben bietet sich eine grandiose Aussicht. Es gibt weder Öffnungszeiten noch Eintrittspreise. Der Leuchtturm im Stadtteil Wilhelmsburg ist immer geöffnet.

Der Bunthäuser Wanderweg führt zum Leuchtfeuer.

Erreichbar ist der Leuchtturm über den Bunthäuser Wanderweg. Gerade einmal 800 m Fußweg unter hohen Bäumen sind es vom Parkplatz am ehemaligen Stackmeisterhaus bis zum Leuchtturm. Im ehemaligen Stackmeisterhaus ist das Elbe-Tideauenzentrum, ein Bildungszentrum der Gesellschaft für ökologische Planung, eines gemeinnützigen Naturschutzvereins, untergebracht. Das plattdeutsche „Stack“ bezieht sich auf das Abstecken der Ufer. Die Hauptaufgabe der Stackwerker war es, die Funktion der Elbe als Verkehrsweg sicherzustellen und weiterzuentwickeln. Im Elbe-Tideauenzentrum geht es um ganz besondere Lebensräume am Elbufer: ­die Süßwasser­tideauen. Unweit des Leuchtturms befindet sich einer der letzten ­Süßwassertideauenwälder Europas, gleichzeitig der letzte Urwald Hamburgs.

Das Wort Süßwassertideaue setzt sich aus den drei Wörtern Süßwasser, Tide und Aue zusammen. In der Elbe fließt Süßwasser, das aber von Ebbe und Flut (Tide) beeinflusst wird. Das heißt, die Auen werden regelmäßig von Süßwasser überflutet. Als Süßwassertideaue wird daher ein Ufergebiet bezeichnet, das regelmäßig von Süßwasser überflutet wird. In Kirchdorf befindet sich das historische Zentrum von Wilhelmsburg.

Nach den Besuchen von Leuchtturm und Elbe-Tideauenzentrum lohnt sich auf alle Fälle ein Besuch im nahe gelegenen Kirchdorf. Beim bis heute vorwiegend ländlich geprägten Ortsteil Kirchdorf handelt es sich um den historische Kern von Wilhelmsburg. Hier sind auf einer überschaubaren Fläche gleich mehrere Baudenkmale zu bestaunen.

Ein Kleinod im alten Ortskern von Kirchdorf ist die evangelisch-lutherische Kreuzkirche aus dem Jahr 1388. Leider kann sie außerhalb der Gottesdienstzeiten nur am Sonntag von 14 bis 16 Uhr besichtigt werden, aber auch die Außenansicht lohnt den Weg. Nebenan befindet sich das ehemalige Küsterhaus. Das 1660 gebaute, mit Reet gedeckte Haus gilt als das älteste Haus in Wilhelmsburg.

Mühle Johanna

Sehenswert ist die liebevoll sanierte Holländer-Windmühle Johanna in Wilhelmsburg, die seit 1998 wieder voll funktionsfähig ist. Die 1875 erbaute Mühle ist die fünfte an diesem Standort und wurde bei der Wiederinbetriebnahme 1998 auf den Namen der letzten Müllerin, der 1904 geborenen Johanna Sievers, getauft. Die Mühlentradition an diesem Platz reicht bis in das Jahr 1585 zurück. Johanna war bis 1961 in Betrieb. Der letzte Eigentümer fand keinen Nachfolger und verkaufte sie an die Hansestadt Hamburg. Nach einer wechselvollen Geschichte in städtischer Hand erwarb der Wilhelmsburger Windmühlenverein 1997 ein dreißigjähriges Erbbaurecht. Die Mühle wurde saniert. Nach 37-jähriger Pause konnte 1998 wieder das erste Getreide geschrotet werden. Gruppen können einen Mühlenbesuch buchen, erhalten eine Führung und können die Mühle in voller Funktion erleben. In der Mühle gemahlenes Mehl wird zum Verkauf angeboten. Einmal im Monat öffnet das Mühlen-Café. Ehrenamtliche Mühlenfreundinnen des Vereins bieten ihren selbst gebackenen Kuchen an und erzählen auf Wunsch gern die eine oder andere Mühlengeschichte. Die Kuchen werden gespendet, der Erlös fließt in den Erhalt der Mühle. 2012 wurde an der Mühle ein Backhaus gebaut. Hier wird zu besonderen Anlässen in der Mühle gemahlenes Korn zu Brot verbacken und verkauft.

Blick vom Leuchtturm auf die beiden Elbarme an der Bunthäuser Spitze, die Wilhelmsburg zu einer Insel machen.

Das 1907 gegründete Museum Elbinsel Wilhelmsburg, das im ehemaligen Wilhelmsburger Amtshaus von 1724 untergebracht ist, ist zurzeit geschlossen. Es soll saniert und umgebaut werden und künftig auch das erste Sturmflutmuseum Hamburgs beherbergen. Denn hier auf der Elbinsel Wilhelmsburg waren bei der Sturmflut 1962 die meisten der über 300 Todesopfer zu beklagen. Auch nach der Neueröffnung sollen die Exponate aus der Geschichte der Wilhelmsburger Landwirtschaft gezeigt werden. Wann das so weit sein wird, ist noch nicht klar. Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) gab im Dezember 2022 den Startschuss für die Sanierung, die 5,9 Mio. € teuer werden soll. Bis 2025 bleibt das Museum planmäßig geschlossen. Virtuell lässt es sich auch während der Bauphase unter ­museum-wilhelmsburg.de besuchen. Gartenfreunde sollten unbedingt noch einen Abstecher in den Inselpark im Zentrum der Insel machen. Hier fand 2013 die Internationale Gartenausstellung statt.

Wilhelmsburg hat seinen Namen übrigens von Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Celle. Er kaufte 1672 drei große Elbinseln, die durch Verbindungsdeiche miteinander verbunden wurden. Die neu entstandene Insel Wilhelmsburg ist mit 35 km² die größte Binneninsel Europas.

Frachter auf der Elbe
Heimatmuseum Wilhelmsburg
Kreuzkirche Wilhelmsburg
Taglilien im Inselpark
In der Mühle wird noch Getreide gemahlen.


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