„Wir brauchen einen langen Atem, um Dinge auch im Sinne der Landwirtschaft zu regeln“, erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei der Eröffnung der Norla am Donnerstag vergangener Woche in Rendsburg. Bei dieser Aussage könnte man meinen, dass Günther erst kürzlich die Amtsgeschäfte übernommen hat und nicht schon seit 2017 Ministerpräsident dieses Landes ist.
Wahr ist, dass die CDU in den vergangenen Jahren dem Grünen-Koalitionspartner große Teile der Politik für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume überlassen hat, obwohl die dort lebenden Menschen mehrheitlich konservativ gewählt haben. Das erzeugt vielerorts schon länger Schnappatmung. Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt, beschreibt es so: „Das neu geschaffene CDU-geführte Landwirtschaftsministerium war eine teure, aber wirkungslose Beruhigungspille. Denn mit dem grünen Umweltminister als Gegenspieler haben die Landwirte leider häufig das Nachsehen gehabt.“
Zugegeben, es haben sich auch Dinge in die richtige Richtung entwickelt: die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf angefrorenen Böden ist zu begrüßen, aber auch aus Umweltschutzgründen sinnvoll. Die Aufstockung der Entschädigung von Gänsefraßschäden ist angesichts der Hilflosigkeit betroffener Betriebe eine Notwendigkeit, ebenso die Klarstellung, dass bei unsachgemäßer Knickpflege nicht automatisch ein Vorsatz angenommen wird. Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht lässt zumindest Deichschäfer zukünftig hoffentlich wieder besser schlafen. Häufig entsteht jedoch der Eindruck eines politischen Gegengeschäfts.
Neue Bewirtschaftungseinschränkungen wie die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete oder Pflanzenschutzmittel-Verbote bremsen die „Jubelstürme“ über Erleichterungen oft aus. So tritt die Branche auf der Stelle.
Dabei wird die Luft auf vielen Betrieben aufgrund angespannter Marktlagen immer dünner. Vor allem die Tierhaltung steht unter Druck. Zu Recht forderte Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), daher beim Landesbauerntag, dass das Perspektivpapier zur Zukunft der Tierhaltung auch mit Leben gefüllt werden müsse.
Das Mega-Thema, das aber alle Landwirtinnen und Landwirte umtreibt, ist: zu viel Bürokratie. Das zeigte etwa die „Wünsche- Wand“ am Norla-Stand des BVSH. Beim Bürokratieabbau ist tatsächlich ein „langer Atem“ gefragt. Erste Erleichterungen bei Stallumbauten und Dokumentations- und Berichtspflichten sind bereits erzielt – bitte mehr davon.
Die Norla bot ausreichend Gelegenheit zum „Landluft“ holen vor dem Start in den Wahlkampf zur Landtagswahl. Nirgendwo anders kann man sich besser über die Belange der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes informieren. Bemerkenswert waren vor diesem Hintergrund die Besuche von Sozialministerin und Grünen-Spitzenkandidatin Aminata Touré sowie erstmals von Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Besser spät als nie.



