Die Weißstängeligkeit im Raps, hervorgerufen durch den pilzlichen Erreger Sclerotinia sclerotiorum, tritt in allen Rapsanbaugebieten auf, besonders aber in geschützten Lagen mit hoher Luftfeuchtigkeit und auf küstennahen Standorten wie in Schleswig-Holstein. Das Schadausmaß variiert von Jahr zu Jahr aufgrund der hohen Witterungsabhängigkeit dieser Krankheit. Vor allem zur Rapsblüte besteht ein erhöhtes Schadpotenzial. Was bei der Bekämpfung der Weißstängeligkeit zu beachten ist, erläutert nachfolgender Artikel.
Der Befall der Rapsbestände mit dem Erreger der Weißstängeligkeit, Sclerotinia sclerotiorum, geht von den Überdauerungsorganen nahe der Bodenoberfläche aus, den sogenannten Sklerotien.
Foto: Susanne Hagen
Biologie und Schadbild
Die Sklerotien keimen im Frühjahr bei ausreichender, kontinuierlicher Bodenfeuchte und -temperatur (8 bis 11 °C) und bilden hellbraune, trompetenförmige Apothezien (Fruchtkörper) aus (Bild 1), aus denen Ascosporen herausgeschleudert und durch Wind verbreitet werden. Trocknet die oberste Bodenschicht, in der die Sklerotien eingebettet sind, aus, können die ausgebildeten Apothezien vertrocknen. Das Infektionsrisiko sinkt somit bei anhaltenden trockenen Bedingungen deutlich. Die ausgeschleuderten Ascosporen können direkt im Bestand die Rapspflanzen infizieren oder mit dem Wind über größere Distanzen auf umliegende Bestände verbreitet werden und dort zu Infektionen führen. Die Sporulation fällt hierbei häufig mit der Rapsblüte zusammen. Während der Blüte sammeln sich in den Blatt- und Triebachseln abfallende Blütenblätter, die den Ascosporen einen günstigen Nährboden und zusätzlichen Feuchtigkeitsschutz für eine erfolgreiche Keimung und Infektion bieten (Bild 2). Daher finden an diesen Pflanzenteilen häufig die Infektionen statt. Der Befall breitet sich oft ausgehend von der Blatt- und Triebachseln über den Stängel bis in die Seitentriebe aus. Optimale Infektionsbedingungen sind eine lang anhaltende hohe Luftfeuchtigkeit (durch Niederschläge und Tau; Feuchtigkeitsschutz durch Blütenblätter) sowie Temperaturen von mehr als 15 °C.
Meist erst nach der Blüte werden die Symptome einer Sclerotinia-Infektion im Rapsbestand sichtbar. An Haupt- und Seitentrieben wird, häufig ausgehend von einer Infektion in den Blattachseln, eine bleiche (fahlgelbe bis weißliche), fast immer stängel- beziehungsweise triebumfassende Verfärbung sichtbar (Bild 3 und 4). Rinde und Mark sind an den Befallsstellen zerstört (Vermorschung). Das befallene Stängelinnere ist normalerweise hohl und mit einem weißen, watteartigen Myzel durchzogen, woraus sich die schwarzen, 0,5 bis 2 cm langen Sklerotien (Dauerkörper) des Pilzes im Stängelinneren entwickeln (Bild 5); unter feuchten Bedingungen zum Teil auch auf der Stängelaußenfläche. Oberhalb der Infektionsstelle werden Triebe und Schoten gelb, notreif und sterben im Vergleich zu gesunden Pflanzen vorzeitig ab, wodurch es zu Mindererträgen kommt. Die im Stängelinneren befindlichen Sklerotien gelangen mit der Ernte oder durch vorzeitiges Aufplatzen der Stängel auf den Boden und werden durch die Stoppelbearbeitung in den Boden befördert. Dort können die Sklerotien mehrere Jahre überdauern und unter optimalen Bedingungen auskeimen (Apothezienbildung).
Bekämpfung der Weißstängeligkeit
Im Mittel der Jahre konnten in Schleswig-Holstein durch die Bekämpfung der Weißstängeligkeit Mehrerträge erzielt werden. Dies ist vor allem auf Jahre mit einem stärkeren Sclerotinia-Befall zurückzuführen, wohingegen in befallsschwachen Jahren die Mehrerträge entsprechend geringer ausfielen beziehungsweise nicht vorhanden waren. Zu erwähnen ist noch, dass Ertragssteigerungen nicht nur auf die Bekämpfung der Weißstängeligkeit zurückzuführen sind, sondern auch auf physiologische Effekte und die Steigerung der Schotenstabilität durch die eingesetzten Fungizide.
Die Erfahrungen vergangener Jahre in Schleswig-Holstein und in anderen Bundesländern haben gezeigt, dass der optimale Behandlungstermin oft zum Zeitpunkt der Vollblüte (ES 65) vorliegt, das heißt wenn 50 % der Blüten des Haupttriebes geöffnet und bereits erste Blütenblätter zu Boden gefallen sind. Der Anwendungstermin sollte generell möglichst nah vor eine mögliche Sklerotinia-Infektion gelegt werden (siehe Infektionsbedingungen), da die zur Verfügung stehenden Fungizide vor allem protektiv wirken und keine beziehungsweise nur eine geringe kurative (heilende) Wirkung aufweisen. Eine Empfehlung für den Fungizideinsatz in die Vollblüte des Rapses zur Bekämpfung der Weißstängeligkeit (Produkte und Aufwandmengen) findet sich in der Abbildung. Eine intensive Beobachtung der aktuellen Wetterlage ist somit notwendig, um ein mögliches Infektionsereignis durch den Erreger Sclerotinia sclerotiorum zu identifizieren. Das Prognosemodell SkleroPro in ISIP (Informationssystem für die Integrierte Pflanzenproduktion) kann dabei als Unterstützung zur Entscheidungsfindung und optimalen Terminierung dienen.
Prognosemodell SkleroPro in ISIP
Das Prognosemodell SkleroPro steht auf isip.de in den Entscheidungshilfen kostenlos zur Verfügung. Es zeigt schlagspezifisch an, ob eine Blütenbehandlung gegen Sclerotinia sclerotiorum erforderlich ist und wann zu welchem Termin eine Behandlung bestmöglich erfolgen sollte. Für die Nutzung des Prognosemodells SkleroPro auf isip.de (https://t1p.de/ce7q0) ist die Erfassung des Entwicklungsstadiums 55 (Einzelblüten der Hauptinfloreszenz sichtbar geschlossen) notwendig. Anhand der aktuellen Witterung und der berechneten Pflanzenentwicklung werden dann das regionale Infektionsrisiko ermittelt und schlagspezifische Behandlungsempfehlungen während der Blüte prognostiziert. Auf der Eingabeseite in ISIP müssen schlagspezifische Informationen, wie der Termin des Knospenstadiums (ES 55) als Beginn der Berechnung, die Fruchtfolge beziehungsweise wann zuletzt eine sklerotiniaanfällige Kultur auf der Fläche stand, angegeben werden. Für ökonomische Berechnungen können dann noch die Ertragserwartung, der Rapspreis, die Pflanzenschutzmittelkosten und die Überfahrtskosten eingegeben werden. Mit diesem Modell können somit eigene Beobachtungen und Handlungsentscheidungen unterstützt werden.
Wichtige Aspekte für die Behandlung
Eine hohe Wasseraufwandmenge (über 300 l/ha) ist für eine gute Benetzung zwingend erforderlich. Die Fahrgeschwindigkeit sollte auf 4 bis 6 km/h begrenzt werden, um einerseits die Rapspflanzen bei der Durchfahrt zu schonen und andererseits bei einer Wasseraufwandmenge von mindestens 300 l/ ha ein mittelgroßes Tropfenspektrum zu erzeugen, womit eine bessere Durchdringung des Rapsbestandes gewährleistet werden kann. Dies ist besonders bei einer tiefen Seitenverzweigung wichtig, um die Triebachseln zu schützen, von denen vor allem die Infektionen ausgehen. Des Weiteren sollte die Applikation grundsätzlich in den Abendstunden nach dem täglichen Bienenflug erfolgen. Somit erfolgt kein direkter Kontakt aktiver Bienen mit dem Wirkstoff. Zusätzlich ist der Pollen abgesammelt. Behandlungen in den Abendstunden haben zudem den Vorteil, dass die Pflanzen elastischer sind (verminderter Turgordruck) und Durchfahrtsverluste daher deutlich geringer ausfallen.
Fazit
Starker Befall mit dem Erreger der Weißstängeligkeit, der erhebliche Ertragsminderungen im Raps hervorrufen kann, war in den vergangenen Jahren eher die Ausnahme. Der Erreger sollte aber keinesfalls unterschätzt werden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der optimale Behandlungstermin oft zum Zeitpunkt der Vollblüte (ES 65) vorliegt. Der Anwendungstermin sollte generell möglichst nah vor eine mögliche Infektion gelegt werden, da die zur Verfügung stehenden Fungizide vor allem protektiv wirken und keine beziehungsweise nur eine geringe heilende Wirkung aufweisen. Das Prognosemodell SkleroPro in ISIP kann dabei als Unterstützung zur Entscheidungsfindung und optimalen Terminierung dienen.




