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Primadonna mit Ansprüchen

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Mit ihren markanten Blütenkerzen gehört die Prachtstaude Rittersporn sicher zu den beeindruckendsten Blütenpflanzen, die Natur und gärtnerische Züchtung hervorgebracht haben. Doch als Primadonna legt Rittersporn durchaus einige Ansprüche an den Tag. Bei sorgfältiger Standortwahl und optimaler Pflege erfreut er als Gegenleistung viele Jahre lang.

Hohe Sorten des Rittersporns sind tolle Zaungucker. Der Lattenzaun dient gleichzeitig als Stütze.

Vor der Kaufentscheidung lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Varianten des Rittersporns. Der Hohe Rittersporn (Delphinium elatum) ist mit 1,5 bis 2 m Höhe ein Klassiker für Staudenbeete und gemischte Rabatten. Er verzweigt sich kaum. Seine kerzenartigen Blütenrispen sind recht standfest und werden gern für die Vase geschnitten. Wer sichergehen will, sollte jedoch Rittersporne aus dieser Gruppe grundsätzlich mit einer Stütze versehen. Es wäre zu schade, wenn nach einem Sommergewitter die ganze Pracht geknickt am Boden liegt. Die meisten Sorten von Delphinium elatum remontieren, wenn die Stängel gleich nach dem Welken der Blüten eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten werden. Tipp: Mit einem schnell wirkenden Mineraldünger versorgen und auf eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit achten. Die Nachblüte fällt zwar etwas kleiner aus als die Hauptblüte, hält dafür aber ein wenig länger.

Verzweigter Delphinium belladonna passt gut in natürlich gestaltete Bereiche.
Der Name des Rittersporns bezieht sich auf den rückwärts gerichteten Sporn an der Hinterseite der Blütenknospe.

Die durch den Rückschnitt zunächst entstehende Lücke lässt sich mit mittelhohen Stauden wie Storchschnabel (Geranium) oder Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) im Vordergrund des Rittersporns geschickt kaschieren. Der Hohe Rittersporn entpuppt sich als recht langlebige Schönheit. Eine Teilung zum Erhalt der Vitalität ist meist erst sechs Jahre nach der Pflanzung erforderlich.

Traumhafte Gestaltung mit Skabiose, Rittersporn und Bronzefenchel

Der Verzweigte Rittersporn (Delphinium belladonna) ist ein weiterer Klassiker fürs Beet. Er bleibt mit etwa 80 bis 120 cm Wuchshöhe niedriger als der Hohe Rittersporn. Zudem bildet er zahlreiche grazil verzweigte Blütenstände. Die Hybriden dieser Form sind nicht sehr langlebig. Lässt die Blüte nach, sollten die Stauden ausgegraben und geteilt werden. Tipp: Der Pflanze möglichst einen neuen Standort geben, um Kümmerwuchs und Bodenmüdigkeit vorzubeugen. Auch der Verzweigte Rittersporn lässt sich durch einen Rückschnitt zu einer Herbstblüte anregen. Eine schöne Ergänzung zu den beiden Klassikern sind die Hybrid-Sorten der Pacific-Serie. Sie punkten mit besonders großen und schönen Blüten, die einen Durchmesser von bis zu 7 cm aufweisen. Je nach Sorte wachsen sie anderthalb Meter hoch. Meist werden sie als Zweijährige gezüchtet. Tipp: Niedrigere Pacific-Hybriden machen sich gut im Kübel.

Die schlanken Blütenkerzen des Rittersporns bilden einen tollen Hintergrund für die Hortensie.
Rittersporn, Fackellilie und rot blühende Rosen lassen es farblich so richtig krachen.

Auf der Suche nach passenden Begleitern fällt die Wahl gern auf die zeitgleich erblühenden Rosen. Sie weisen ähnliche Ansprüche auf. Von Vorteil ist hierbei, dass Rittersporn vorwiegend in Farbtönen blüht, die bei Rosen nicht vorkommen (Violett und Blau in allen Schattierungen). Daher harmonieren sie gut mit roten oder rosafarbenen Rosen. Der aufrechte Rittersporn passt zudem prima zu Begleitern mit überhängender Wuchsform wie Taglilien (Hemerocallis) oder vielen Ziergräsern wie Chinaschilf ‚Ferner Osten‘ und ‚Kleine Fontäne‘ (Miscanthus sinensis). Rittersporn fügt sich zudem gut in den klassischen Bauerngarten, aber auch in Prachtstaudenbeete ein. Tipp: Delphinium elatum hier maximal im Tuff zu drei Exemplaren pflanzen. So beeindrucken die imposanten Blütenkerzen, ohne zu massiv zu erscheinen. Eine völlig andere, sehr imposante Wirkung erzielt man, wenn Rittersporne mit ihresgleichen in großen Gruppen gepflanzt werden. Für diese Variante plant man am besten feine Höhenstaffelungen und fließende Übergänge der Blautöne ein.

Prächtige Schönheiten unter sich: weiß bühender Sommer-Eisenhut, Rittersporn und Wiesenraute mit gelber und rosafarbener Blüte

Als echte Primadonna verlangt Rittersporn etwas Aufmerksamkeit. Am optimalen Standort ist die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten wie Echten Mehltau deutlich niedriger. Rittersporn bevorzugt sonnige, luftige Beete. Am liebsten reckt er die Blüten in die Sonne und hat die Füße im Schatten. An heißen und trockenen Standorten mit geringer Luftbewegung sind die Stauden krankheitsanfälliger. Optimal ist ein sandig-lehmiger und nährstoffreicher Boden. Ein etwas höherer Lehm- und Tonanteil ist kein Problem, solange es nicht zu Staunässe kommt. Bei einem zu hohen Humusanteil im Boden erkranken die Pflanzen schneller. Daher ist es ratsam, auf Kompostgaben zu verzichten. Besser sind ein mineralischer Langzeitdünger im April und die flüssige Nachdüngung während des Sommers. Auf jeden Fall sollte der Austrieb des Rittersporns vor hungrigen Schnecken geschützt werden.

Margeritenblüten umschmeicheln in farblicher Harmonie die violettblauen Blüten des Rittersporns. Fotos: Karin Stern
Die hellblaue Blüte des Rittersporns harmoniert mit dem blassen Gelb der Schafgarbe.
Prachtstaude Rittersporn: Die Strahlkraft und Farbwirkung in voller Blüte beeindrucken gewaltig.
Weiß blühender Rittersporn vermittelt hier zwischen den Rottönen von Bartnelke und Spornblume.
In einem „Weißen Garten“ darf die prächtige Blüte des Rittersporns keinesfalls fehlen.
Die Auswahl an Blütenformen und -farben ist erstaunlich groß.
Diese Blüten gefallen mit einem rosa überhauchten Hellblau und braunem Auge.

André Thieme holt sich den vierten Sieg

Fünf Tage lang drehte sich in Hamburg-Klein Flottbek wieder alles um Dressur- und Springsport. Es gab viele schöne Momente, glückliche Sieger und Platzierte, ein Wiedersehen mit Isabell Werth, aber auch einen Unfall und vor allem ein kurioses Finale, aus dem André Thieme als Sieger hervorging.

Im vergangenen Jahr nahm der Spanier Esteban Benitez Valle an den Olympischen Spielen teil – in der Vielseitigkeit. In diesem Jahr ritt er mit dem Holsteiner C the Stars zum ersten Mal im Finale des Deutschen Springderbys, blieb fehlerfrei, startete im Stechen und missachtete dann eine der entscheidenden Wegemarken. Der Knackpunkt: Er wusste nicht, dass er auch im Stechen um die Wegemarken reiten muss. Doch Regeln sind Regeln. Der Spanier, der in Hornsmühlen, Kreis Segeberg, zu Hause ist, wurde eliminiert.

Eine Situation, die André Thieme so auch noch nie erlebt hat. Er war schon auf dem Platz, als klar wurde, dass Valles Ritt nicht zählte. „Ich hatte mir einen großen Strategieplan zurechtgelegt, aber als der Stadionsprecher sagte, er habe die Wendemarke nicht genommen, war ‘ne Menge los in meinem Kopf“, schilderte der Mecklenburger nach seinem Sieg. „Damit war die Spannung natürlich komplett raus. Ich habe nur gedacht, jetzt nicht noch etwas Dummes machen. Aber Paule hat mich nicht im Stich gelassen“, freute sich Thieme, nun vierfacher Derbysieger. Sein Derbypferd Paule ist für ihn ein ganz besonderes Pferd. Die beiden sind auch in Fünfsterneprüfungen erfolgreich und siegten schon für Deutschland in Nationenpreisen.

André Thieme siegte zum vierten Mal im Deutschen Springderby. Dieses Mal saß er im Sattel von Paule. 

Neben den beiden fehlerfreien Ritten von Valle und Thieme gab es im Umlauf zwei Runden mit nur einem Abwurf. Auf den dritten Platz sprang Derbydebütant Charles Hubert Chiche aus Frankreich mit Andain du Thalie vor Frederic Tillmann mit DSP Comanche VL. Für Marvin Jüngel, der in den vergangenen beiden Jahren das Deutsche Springderby gewann, lief es in diesem Jahr mit seiner Balou‘s Erbin nicht ganz optimal: zwei Abwürfe und damit Platz neun. Als Trostpflaster an seinem 24. Geburtstag gab es ein Ständchen der Zuschauer und den Preis für das stilistisch beste Reiten.

Besonderer Moment für Bengtsson

Im CSI5*, dem Championat von Hamburg, lag Jana Wargers lange in Führung. Die Reiterin aus Nordrhein-Westfalen hatte auf der 16-jährigen Dorette gut vorgelegt. „Ich wusste aber, dass Harrie kommt, und das war auch meine große Angst“, gestand die 33-Jährige lachend. Harrie Smolders, ein niederländischer Olympiareiter, war tatsächlich 0,7 s schneller und holte sich mit dem 13-jährigen Belgier Mr. Tac den Sieg. „Ich konnte das Stechen aus dem Häuschen unseres Parcourschefs Frank Rothenberger anschauen. Es war wahnsinnig spannend“, befand Turnierchef Matthias Alexander Rath.

Den Großen Preis von Hamburg gewann zum dritten Mal Christian Ahlmann, dieses Mal im Sattel von Dourkhan Hero Z. Der 50-Jährige genoss jeden Galoppsprung der großen Ehrenrunde und den Jubel der Zigtausend Zuschauer. Platz zwei ging an Christian Kukuk mit seinem olympischen Goldpartner Checker. Dritter wurde der schwedische Topreiter Peder Fredricson auf SV Vroom de la Pomme Z.

Auch Rolf-Göran Bengtsson war wieder in Hamburg dabei. Der Schwede, der in Itzehoe eine Anlage betreibt, hatte den zehnjährigen Holsteiner Hengst Caillan für die CSI4* Classic Tour mitgebracht. Die beiden steigerten sich von Prüfung zu Prüfung und siegten schließlich mit zwei fehlerfreien Runden im CSI4* Grand Prix. Sechs Jahre zuvor hatte Bengtsson mit Caillans Vater Casall den Großen Preis von Hamburg gewonnen und damit den Ausnahmehengst im Alter von 18 Jahren aus dem Sport verabschiedet. „Natürlich denke ich heute auch an diesen Moment, als ich mit Casall hier in Hamburg ganz vorn stand. Und jetzt komme ich mit einem Sohn von ihm her und gewinne den Großen Preis der Viersternetour – das ist enorm“, freute sich Bengtsson.

Für einen Schreckmoment sorgten der Fehmaraner Sven Gero Hünicke und der zwölfjährige Holsteiner My Mister. In der zweiten Qualifikation zum Derby hatten sie schon in der ersten Kombination Probleme – ein Galoppsprung statt zwei. Bei den irischen Wällen passte es auch nicht und das böse Ende nahm es dann am Wassergraben. My Mister sprang zu früh ab und das Paar stürzte. Pferd und Reiter wurden mit dem Anhänger beziehungsweise dem Krankenwagen aus dem Parcours geholt. Turniertierarzt Dr. Michael Köhler berichtete: „My Mister geht es gut. Er hat sich ein bisschen die Schulter geprellt und auf ein Bein getreten. Das kann zuerst schmerzhaft sein. Aber das Pferd ist geröntgt, da ist alles okay. Er steht jetzt in der Box und frisst sein Heu.“ Hünicke wurde im Krankenhaus versorgt, wahrscheinlich mit einem Schlüsselbeinbruch.

Duell der Olympiasiegerinnen

Für die Dressurreiter wurde zum ersten Mal eine Fünfsternetour ausgeschrieben. Im Grand Prix traf Ingrid Klimke, zweimalige Olympiasiegerin der Vielseitigkeit, auf die achtfache Dressurolympiasiegerin Isabell Werth, die zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder in Hamburg dabei war. Klimke hatte Vayron gesattelt und zeigte sich in Bestform: Sieg mit persönlicher Bestleistung von 74,50 %. „Vayron war von Anfang an unheimlich gelassen und die ganze Zeit bei mir. Es hat total Spaß gemacht“, sagte Klimke. Ihr Vater, Dr. Reiner Klimke, gewann 15 Mal das Deutsche Dressurderby. Für Ingrid war es der erste Start in Klein Flottbek. Dritte wurde Werth mit dem zehnjährigen Special Blend. Dazwischen schob sich die Schwedin Sofie Lexner mit Inoraline W.

Lexner und die zwölfjährige Stute gewannen am Sonnabend mit 76,720 % die Grand-Prix-Kür. Ganz besonders genoss die ehemalige Hamburgerin Kathleen Kröncke ihre Runden im Viereck. Sie war mit ihrer 15-jährigen Uniteds Märchen extra aus England angereist, um in ihrer alten Heimat an den Start gehen zu können, und sicherte sich Platz zwei. Dritte wurde Susan Pape auf Harmony’s V-Plus.

Im Grand Prix Special tauschten Klimke und Werth die Plätze. Mit Viva Gold, einem neunjährigen Oldenburger Hengst, gewann Werth auch noch die Intermediaire II, den Louisdor-Preis sowie den Louisdor Grand Prix. Der Ausflug nach Hamburg sollte sich für die erfolgreichste deutsche Olympionikin also gelohnt haben.

Pferdewechsel erfolgreich gemeistert

Für das Dressurderby mit Pferdewechsel hatten sich die besten drei des Dreisterne-Grand-Prix qualifiziert: Anna-Lena Kracht aus Lübeck, Felix Kneese aus Appen, Kreis Pinneberg, und Kristin Biermann aus Niedersachsen. Kracht hatte vor elf Jahren bereits das U25-Dressurderby gewonnen. Nun war es für sie und ihren 15-jährigen, selbst ausgebildeten Florinio der erste Start in einer Dreisternetour. Beide wurden der Herausforderung gerecht: Mit 70,733 % wurde Kracht beste Reiterin im Finale und Florinio sammelte mit allen drei Reitern insgesamt die meisten Punkte. „Das ist schon ein sehr besonderes Erlebnis”, strahlte die frischgebackene Trägerin des Blauen Bandes. „Ins Finale zu kommen, war für mich schon ein ganz großer Erfolg. Und nun auch noch als glücklich Siegerin da rauszugehen, ist für mich unbeschreiblich.” Felix Kneese war mit seinem Oldenburger San Simeon nach Hamburg gereist und belegte den zweiten Platz. Auf Rang drei kam Kristin Biermann mit Queensland.

Die Hamburgerin Anna-Lena Kracht siegte mit dem selbst ausgebildeten Florinio im Deutschen Dressurderby. Foto: reitsport-hellmann.de

Als Siegerin der ersten und zweiten Qualifikation ging Lilli von Helldorff aus Niedersachsen als Favoritin in das Finale des Deutschen Ponydressurderbys. Auch dort führte kein Weg an der 14-jährigen Kaderreiterin vorbei. Im Sattel ihres 13-jährigen Routiniers Dobbi Dobsen gewann sie die Finalprüfung mit 73,250 % und erzielte zudem die zweit- und dritthöchste Wertung mit den Ponys ihrer Konkurrentinnen Lisa Marie Westrup und Carlitta Wittmann. Dobbi sei immer hoch motiviert, lobte Lilli ihren langjährigen Partner. „Es war schon immer ein Traum für mich, im Finale mitzureiten – und das hat Dobbi mir auf jeden Fall ermöglicht“, zeigte sich die Nachwuchsreiterin bescheiden.

Positiv bewertete Veranstalter Matthias Alexander Rath die Stimmung am Dressurstadion. „Das Gesamtkonzept ist nun sehr gut mit der Fünfsterne- und der Dreisternetour sowie dem Ponyderby. Ich bin fest davon überzeugt, dass in Zukunft mehr Reiter nach Hamburg kommen werden, wenn sie merken, wie gut die Bedingungen und die Zuschauer sind.“ Auch das Gesamtfazit nach seiner Derbypremiere fiel positiv aus: „Ich bin froh und glücklich, wie wir das Derby auf die Beine gestellt haben. Es geht darum, ein sehr gutes Turnier für die Reiter zu veranstalten. Die Zuschauer sind hier zudem fantastisch. Sie lassen das Stadion entstehen. Heute waren 24.000 Menschen hier, insgesamt 95.000 Menschen an dem gesamten Wochenende.“pm/fn

Zölle und Wetter: Trotz Trockenheit große Ernten?

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Ende Mai blicken die hiesigen Landwirte mit Sorge auf ihre Felder. Die Trockenheit in diesem Frühjahr hat deutliche Spuren hinterlassen. Vereinzelt konnten einige Schauer um die Osterfeiertage das Schlimmste verhindern, doch regional sind bereits sichtbare Schäden zu erkennen. Dünne Getreide- und Rapsbestände, die zu früh abreifen, lassen in diesem Jahr nur unterdurchschnittliche Erträge erwarten. Durch die Ende Mai einsetzenden Regenfälle sollten sich jedoch die Schäden etwas abmildern.

Die hiesigen Ackerbauern blicken auf eine schwierige Vermarktungssaison 2024/25 zurück. In Schleswig-Holstein begann das Getreidewirtschaftsjahr bereits im Sommer 2024 mit enttäuschenden Erträgen. Trotz der kleinen Erntemenge hierzulande sorgen vor allem die umfangreichen Exporte aus dem Schwarzmeerraum für einen spürbaren Preisrückgang am Weltmarkt. Der Matif-Weizenkurs fiel von 269 €/t im Mai bis Ende August 2024 auf 189 €/t. Erst die Eskalation im Nahost-Konflikt, die US-Präsidentenwahl und die Trockenheit bei der Weizenaussaat in Russland sorgten für einen Anstieg der Kurse für B-Weizen Anfang Januar 2025 auf bis auf 240 €/t. Unterstützt durch weltweit reduzierte Ernteprognosen und mit dem Hinweis auf nachlassende Exporte aus Russland und der Ukraine konnten sich die Weizenkurse bis Anfang Februar im Bereich von 235 €/t behaupten. Die Verkündung der Importzölle der USA durch die Trump-Regierung sorgte anschließend, für Unruhe und Verunsicherung an den internationalen Getreidemärkten. Eine Folge der US-Zölle war ein deutlich höherer Euro-Kurs, der die Wettbewerbsfähigkeit von EU-Weizen auf dem Weltmarkt reduziert hat. Auch die weltweite Nachfrage nach Weizen zeigte Anzeichen von Schwäche. Insbesondere China reduzierte seine Importe, was zu einem Rückgang des globalen Handelsvolumens führte. Prognosen für die Ernte 2025/26 deuten auf eine mögliche Erholung der globalen Weizenproduktion hin. Diese Erwartungen führen zu einem vorsichtigen Verhalten der Marktteilnehmer und drückten die Preise.

Eine leichte Marktbelebung

Um Mitte der 21. Woche zeigt sich eine Marktbelebung im hiesigen Getreidehandel. Der Matif-Weizenkurs hatte am 21. Mai mit 212 €/t die Marke von 200 € überschritten. Grund für den Anstieg der Kurse war eine erneute Wende am Wettermarkt. In Russland reichten die jüngsten Niederschläge bislang nicht aus, um mögliche Schäden in den Weizenbeständen zu verhindern. Ähnliches gilt für den Bereich rund um die Ostsee. Auch in China sorgt aktuell eine Dürre in den Weizenanbaugebieten für mögliche Ernteeinbußen. In den USA entwickeln sich die Getreidebestände ebenfalls nicht immer wie erhofft, wie die jüngsten Bonituren ergeben haben. Parallel dazu sorgte Saudi-Arabien für Bewegung am Weltmarkt. 620.000 t Weizen sollen im Herbst aus der Schwarzmeerregion in das arabische Land geliefert werden. Die USA konnten zudem Kontrakte über Weizenlieferungen Richtung Japan und Mexiko abschließen. Neben den Entwicklungen durch Angebot und Nachfrage bleibt auch die Politik ein entscheidender Faktor im Getreidehandel.

Die USA und China haben sich Mitte Mai darauf geeinigt, die gegenseitigen Importzölle für 90 Tage zu reduzieren. Das sorgt an den Märkten für Hoffnung, dass China wieder mehr Soja und Weizen importiert. Ein endgültiger Friedensschluss im Handels- und Zollkrieg ist dies jedoch noch nicht. Auch die EU hat vorerst Gegenmaßnahmen gegen die US-Einfuhrzölle ausgesetzt. Großbritannien hat sich bereits mit den USA geeinigt. Unter anderem verpflichtet sich das Vereinigte Königreich, mehr Agrargüter wie Rindfleisch und Ethanol aus den USA einzuführen. Diese Entwicklung beobachten die EU-Landwirte mit Sorge, da sie als Vorbild für ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und den USA dienen könnte. Ein anderer politischer Einfluss auf die hiesigen Agrarmärkte könnte sich aus den Beziehungen der EU zur Ukraine ergeben. So plant die EU-Kommission, zu den vor dem Krieg geltenden Zollkontingenten für die Ukraine zurückzukehren. Mit dieser Maßnahme würde die Lockerung des EU-Außenschutzes gegenüber der Ukraine wieder aufgehoben werden. Es könnten vor allem Einfuhren von Körnermais, aber auch von Eiern und Geflügel gedrosselt werden.

Saisonüblich beginnt im Süden Spaniens in diesen Tagen die Getreideernte in Europa. Durch ausreichende Niederschläge in Südeuropa in diesem Frühjahr sind die Kulturen dort in einem relativ guten Zustand, sodass man hier von überdurchschnittlichen Erträgen ausgehen kann.

Globale Weizen-Rekordernte

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA hat Mitte Mai seinen monatlichen WASDE-Report veröffentlicht, der die globale Angebots- und Nachfragesituation an den Agrarmärkten einschätzt. Darin erwarten die Analysten Rekordernten für Weizen und Raps. Die Maisbestände fallen dagegen auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Die Weizenbestände legen leicht zu.

Die europäische Kommission schätzt die gesamte EU-Getreideernte auf etwa 280 Mio. t, was einem Anstieg von 10 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für Weizen sieht man ein Plus von 13 % auf 134 Mio. t und für Körnermais von 10 % auf 65 Mio. t. Die EU-Gerstenernte könnte 51 Mio. t erreichen, was über dem fünfjährigen Schnitt liegt. Nach ersten Schätzungen sieht man auch für Deutschland durch eine deutlich höhere Anbaufläche einen Anstieg der Weizenernte um 15 % gegenüber dem Vorjahr. Die Gerstenernte sollte dagegen kaum größer als im Vorjahr ausfallen. Auch in Schleswig-Holstein hat sich die Aussaatfläche von Wintergetreide im Herbst 2024 gegenüber dem nassen Vorjahr deutlich erhöht. Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass hierzulande 28 % mehr Weizen und 12 % mehr Gerste ausgesät wurden. In der vorletzten Maiwoche lag der Erzeugerpreis für Brotweizen der alten Ernte bei zirka 204 €/t. Für Vorkontrakte lassen sich etwa 197 €/t erzielen. Für Futterweizen liegen die Kurse jeweils etwa 20 €/t darunter. Die Gebote für Wintergerste aus dem Jahr 2024 lagen zu dem Zeitpunkt bei rund 192 €/t. Gersten-Kontrakte für die neue Ernte werden mit etwa 170 €/t gehandelt.

Rapskurse wieder im Aufwind

Auch die Matif-Rapsnotierungen zeigen deutliche Schwankungen. Der Angebotsdruck zum Erntebeginn 2024 sorgte für einen Rückgang der Terminkurse auf etwa 450 €/t. Seitdem bewegen sich die Kurse stetig aufwärts und erreichten Mitte November ein Niveau von 547 €/t. Als Grund werden die schlechte Rapsernte in der EU und der nachlassende Rapsimport aus der Ukraine genannt. Dazu kommt, dass China seine Nachfrage nach Soja aus Furcht vor einem Handelskonflikt nach der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten erhöht hat. Mit Schwankungen erreichte der Matif-Rapskurs Mitte April nochmals ein Niveau von 544 €/t. Die Zuspitzung des Zoll- und Handelskonflikts mit den USA sorgte für rückläufige Soja- und Rohölkurse. In diesen Sog gerieten auch die Rapspreise, die an der Matif Ende April bis auf 460 €/t nachgaben. Seitdem stabilisiert sich die Marktlage, sodass Ende Mai wieder 488 €/t erreicht wurden. Die höheren Erzeugerpreise haben die Umsätze auf Erzeugerebene kaum beleben können. Die alte Ernte ist mittlerweile vermarktet, für Vorkontrakte ist der aktuelle Preis vielen Landwirten noch nicht hoch genug. Doch auch die Mühlen zeigen wenig Nachfrage. Die aktuelle Versorgung ist ausreichend. Für den weiteren Verlauf rechnet man mit günstigen Importen. Die EU bezieht nach wie vor große Mengen an Raps aus dem Ausland. Australien hat sich inzwischen zum Hauptlieferanten vor der Ukraine entwickelt. Auch Kanada liefert deutlich mehr als in den Vorjahren. Aus welchen Ländern demnächst welche Mengen an Raps eingeführt werden, hängt jetzt auch von der Entwicklung des Zoll- und Handelsstreits mit den USA ab. Hierzulande werden Ende der 21. Woche etwa 455 €/t für Raps der alten Ernte gezahlt. Vorkontrakte für die neue Ernte können mit zirka 455 €/t abgesichert werden.

Die EU-Kommission prognostiziert eine europäische Rapsernte von etwa 18,99 Mio. t, gegenüber 16,9 Mio. t im Vorjahr. Für Deutschland sieht man eine um 4,8 % reduzierte Anbaufläche von 1,11 Mio. ha (minus 4,8 %). Der Ertrag wird bundesweit auf etwa 36 dt/ha (minus 0,5 %) geschätzt. Dies würde einer Erntemenge von etwa 4,01 Mio. t (minus 5,2 %) entsprechen. In Schleswig-Holstein rechnet man eher mit einer um 8 % gegenüber dem nassen Vorjahr vergrößerten Anbaufläche.

Fazit

Die Erzeugerpreise für Weizen bewegen sich aktuell auf dem Niveau der beiden Vorjahre, die für Raps leicht darunter.

Vergrößerte Anbauflächen für Wintergetreide sprechen für eine höhere Erntemenge in der EU und in Deutschland.

Schäden durch die lange Trockenheit sind in den Kulturen sehr wahrscheinlich. Die Höhe lässt sich schwer abschätzen.

Neben Angebot und Nachfrage nimmt auch die Politik starken Einfluss auf die landwirtschaftlichen Märkte. Welche Entscheidungen hier getroffen werden, ist oft schwerer vorhersehbar als der Verlauf der Witterung.

2025 könnte ein vielversprechendes Rübenjahr werden

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Im Mai fielen in weiten Teilen Schleswig-Holsteins zwischen 50 und 100 mm Regen. Diese Mengen kamen genau zur richtigen Zeit, denn erste Zuckerrübenbestände schlossen bereits Ende Mai ihre Reihen. Ab diesem Stadium benötigen die ­Zuckerrüben täglich 2 bis 4 mm Wasser. Die Böden sind vorerst gut mit Wasser versorgt, und die derzeit ­feuchtwarme Witterung sorgt für ideales Wachstum. Besonders erfreulich ist, dass die Rüben langsam aus ihrer empfindlichen Jugendphase herauswachsen und dadurch robuster gegenüber Schader­regern und Witterungseinflüssen werden.

Die Bestände zeigen sich für diese Jahreszeit außergewöhnlich gut entwickelt. Der Grundstein für gute Erträge ist gelegt. Auch die Schäden durch Rübenfliegenlarven sind inzwischen weitgehend verwachsen. Die jüngsten Niederschläge haben viele verbliebene Eier abgewaschen. Die Larven, die sich ausreichend ernähren konnten, verpuppen sich im Boden. Nach etwa 20 Tagen schlüpfen neue Fliegen, die rund zehn weitere Tage später wieder Eier ablegen können. Insgesamt sind bis zu drei Generationen pro Jahr möglich, wobei meist nur die erste wirtschaftlich relevant ist. Bei starkem Befall kann jedoch auch eine spätere Bekämpfung notwendig werden.

Während die meisten Flächen inzwischen frei von Beikräutern sind, gilt das für viele Schlagränder noch nicht. Eine gezielte Randbehandlung kann hier sinnvoll sein. Eine Mischung aus 1,3 l/ ha Belvedere Duo, 1,2 l/ha Vivendi 100, 1,0 l/ha Agil und 0,5 l/ha Hasten beseitigt Gräser, Disteln und andere Unkräuter zuverlässig und sichert auch am Rand gute Rübenerträge.

Ein starkes Signal für die Kultur setzten die vier Feldtage in Schleswig-Holstein. Mit durchschnittlich 50 Teilnehmern je Veranstaltung wurde ein großes Interesse gezeigt. Dies ist ein klares Zeichen für die Bedeutung des Zuckerrübenanbaus in der Region.

Ab Ende Juni oder Anfang Juli beginnt voraussichtlich der Frühbezug von Saatgut über den Saatgutshop im CropConnect. Nahezu alle Sorten werden in ausreichender Menge verfügbar sein. Neu ist die Auswahl zwischen verschiedenen Beizungen, darunter Buteo Start mit erwarteter Zulassung, eine systemisch wirkende Beize mit Schutz bis zum sechsten Blattstadium gegen Moosknopfkäfer, Drahtwurm, Erdflöhe und Rübenfliegen. Die Effekte sind bei Weitem nicht vergleichbar mit neonicotinoiden Beizen, allerdings könnte so eine erste Insektizid-Behandlung abgewendet werden.

Saugferkel gekonnt beifüttern

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Auch in größeren Würfen sollten weitgehend homogene Absetzgruppen erreicht werden. Deshalb hat es sich bewährt, die Ferkel bereits in der Abferkelbucht zuzufüttern.

Es gibt in der Praxis verschiedene Ansätze, auch in größeren Würfen die lebend geborenen Ferkel sicher aufzuziehen und hohe Absetzgewichte zu erzielen. Insbesondere geht es darum, die Überlebenschancen von kleineren und weniger vitalen Ferkeln zu erhöhen. Zu einem optimierten Management im Abferkelstall zählen somit jegliche Maßnahmen, die die Sau in ihrer Aufzuchtleistung unterstützen. Neben der rechtzeitigen Kolostrumaufnahme der neugeborenen Ferkel, dem Wurfausgleich oder dem Einsatz von Ammensauen spielt die Beifütterung von Milchaustauschern hier eine wichtige Rolle. Sie entlastet die Sauen und trägt zur bestmöglichen Nährstoffversorgung der Ferkel bei.

Automatisch oder manuell

Das Beifüttern erfolgt oftmals manuell, wobei auch stetig mehr technische Systeme am Markt angeboten werden. Bei den automatischen Tränkesystemen wird die Milch mithilfe von Pumpen durch Leitungen direkt in die Abferkelbucht gepumpt. Diese Systeme können sich deutlich voneinander unterscheiden. Der Landwirt sollte vor dem Einbau die Vor- und Nachteile genau abwägen. Auch der Milchaustauscher muss den Anforderungen des jeweiligen Systems entsprechen. Oftmals ist der Fettgehalt in diesen Milchaustauschern reduziert, um ein Ausbuttern durch die intensive technische Beanspruchung zu unterbinden. Bei allen Systemen ist ein striktes Reinigungsintervall zu befolgen, um den Hygienestatus in den Leitungen hochzuhalten. Ansonsten kann es schnell zu Durchfällen bei den Ferkeln kommen.

Bei großen Würfen stößt die Milchleistung der Sau immer häufiger an ihre Grenzen. Die Ergänzung durch eine zusätzliche Beifütterung – von flüssig über breiig bis fest – kann hier Abhilfe schaffen. Damit soll der Bedarf der Ferkel an hochverdaulicher Energie, Aminosäuren, Vitaminen und Spurenelementen bestmöglich gedeckt und ein Energiedefizit in den ersten Lebenstagen der Ferkel verhindert werden. Hierzu sollte der Milchaustauscher an die Bedürfnisse des Saugferkels angepasst werden. Die Enzymaktivität im Verdauungstrakt wachsender Ferkel verändert sich rasch in den ersten Lebenswochen und ist zu Beginn der Entwicklung vor allem auf die Verdauung von Milch ausgerichtet. Erst im weiteren Verlauf der Entwicklung und vor allem gegen Ende der Säugephase nimmt die Enzymaktivität, die für die Verdauung pflanzlicher Nährstoffe erforderlich ist, deutlich zu. Nach dem Beginn der Beifütterung dauert es drei bis vier Tage, bis die Ferkel nennenswerte Mengen aufnehmen. Deshalb gilt: So früh wie möglich damit beginnen, jedoch mehrmals kleine Mengen anbieten.

Für die Beifütterung der Ferkel sind am Markt verschiedene Produkte erhältlich. Sie reichen von hochwertigen, mit Immunglobulinen ausgestatteten Kolostrumergänzungen oder Elektrolyttränken (direkt zum Zeitpunkt der Geburt) über zahlreiche Milchaustauscher verschiedenster Hersteller bis hin zu Prestartern. Die Einsatzbereiche sind so unterschiedlich wie die Produkte selbst. Den frühesten Einsatzzeitraum nehmen spezielle, mit Kolostrumpulver und Immunglobulinen angereicherte Produkte ein, die bereits am Tag der Geburt die Ferkel unterstützen können.

Bereits zu diesem Zeitpunkt beginnt die Gesunderhaltung der Tiere, was eine unverzügliche und bedarfsdeckende Versorgung mit Kolostrum voraussetzt. Untersuchungen zeigen, dass bei einer unzureichenden Versorgung mit Kolostrum die Ferkelsterblichkeit deutlich zunimmt.

Kolostrum ergänzen

Trotz bestem Wissen und Gewissen im Hinblick auf die Managementmaßnahmen kann die Kolostrummenge bei größeren Würfen unzureichend ausfallen. Ausgefeilte Beifütterungskonzepte können dazu beitragen, die spezifische und unspezifische Immunantwort des Organismus zu verbessern und damit die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Saugferkel ab dem ersten Lebenstag zu unterstützen.

Der gesunde Darm

„Der gesunde Darm ist die Wurzel aller Gesundheit.“ Was bereits vor Tausenden Jahren von Hippokrates (griechischer Mediziner, 300 vor Christus) erkannt wurde, bestätigt sich heute in der modernen Tierernährung. Deshalb gilt es, die Darmentwicklung so früh wie möglich auf positive Weise zu beeinflussen. Ein gesunder Darm ist entscheidend für die Entwicklung eines gesunden und leistungsstarken Ferkels und legt den Grundstein für den Erfolg in der weiteren Aufzucht und Mast. Um eine gesunde Darmmikrobiota zu fördern, werden mittlerweile zahlreiche Produkte auf dem Markt angeboten. Diese reichen von der einfachen Elektrolyttränke bis hin zu komplexeren Ergänzungsfuttermitteln. Letztere versuchen, durch eine spezielle Formulierung und teils unter Einsatz von Pre- und Probiotika die Entwicklung und Besiedelung des Darms positiv zu beeinflussen. Der Darm spielt nicht nur in der Verdauung der Nährstoffe die zentrale Rolle. Er ist auch Hauptsitz des Immunsystems und bereits kleine Ungleichgewichte bringen die Symbiose und deren wichtige Funktion ins Wanken. Für einen funktionsfähigen Darm ist die intakte Darmwand unerlässlich. Sie bildet jene Barriere, die pathogene Eindringlinge daran hindert, ins Blut zu gelangen und sich negativ auf die Tiergesundheit und -leistung auszuwirken. Für die Aufrechterhaltung einer intakten Darmschleimhaut ist daher eine intakte Darmflora – die Gesamtheit aller Mikroorganismen – besonders wichtig. Ziel ist es, die Immunität der Ferkel so früh wie möglich aufzubauen beziehungsweise nachhaltig zu stärken. Ein starkes Immunsystem, eine stabile Darmflora und eine hohe Darmgesundheit bilden die Grundlage für eine optimale Entwicklung der Tiere. Weit verbreitet ist die Beifütterung der Ferkel mit flüssigen Milchaustauschern, umgangssprachlich auch „Ferkelmilch“ genannt. Hierbei ist es wichtig, dass diese Ferkelmilch stets nur als Ergänzung zu betrachten ist. Sie sollte in ihrer Zusammensetzung ähnlich der Sauenmilch gestaltet sein und vor allem aus molkebasierten und hochverdaulichen Komponenten bestehen.

Die richtige Ferkelmilch

Mit dem Einsatz spezieller Milchaustauscher lassen sich Ferkel in der frühen Saugferkelphase bestmöglich unterstützen und der Übergang von flüssiger zu fester und von tierischer zu pflanzlicher Nahrung erleichtern. Dementsprechend wird ihre Zusammensetzung von molkebasierten hin zu erhöhten Anteilen an pflanzlichen Proteinträgern angepasst. Eingesetzt werden hier zum Beispiel hydrolysiertes Weizeneiweiß, Sojaproteinkonzentrat oder auch Weizenquellstärke. Das Ferkel beziehungsweise seine Verdauung wird dabei gezielt auf Stärke und Pflanzenprotein trainiert und damit die Enzymproduktion angeregt. Zusätzlich können durch die getreidebasierten Milchaustauscher, auch flüssige Prestarter genannt, Futterkosten eingespart werden. Die ergänzende Beifütterung der Ferkel wirkt sich sowohl positiv auf die Leistung vor als auch nach dem Absetzen aus. Versuche zeigen, dass mithilfe der zusätzlichen Ferkelmilch höhere Futteraufnahmen und damit auch höhere tägliche Zunahmen und Absetzgewichte erzielt werden können. Der Einsatz von Milchaustauschern senkt zudem die Ferkelverluste und steigert die Anzahl abgesetzter und verkaufsfähiger Ferkel. Dies bringt Vorteile sowohl für die Ferkel als auch für die Sau. Weniger Stress, verringerter Keimdruck und homogenere Ferkel sind die Folge. Dies wirkt sich auch nach dem Absetzen positiv auf die Entwicklung der Schweine bis zum Schlachthaken aus. Je nach Management, Genetik und Wurfgröße variiert der Nutzen, den eine Beifütterung ab der Geburt bis zum Absetzen haben kann. Es hat sich gezeigt, dass Ferkel, die bereits in der Abferkelbucht zusätzliches Futter aufnehmen, auch nach dem Absetzen deutlich früher fressen und höhere Tageszunahmen erreichen. Die ausbleibende „Absetzerlücke“ wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Tiere aus.

Ebenso wird das kurzfristige Überfressen der Ferkel verhindert und die Gefahr des Absetzdurchfalls deutlich reduziert. Durch das Gewöhnen an feste pflanzliche Nährstoffe und das Enzymtraining wird das Saugferkel bestmöglich auf die kritische Phase des Absetzens vorbereitet. Unter dem Strich lassen sich durch das Beifüttern der Ferkel in der Abferkelbucht auch bei großen Würfen vitale und weitgehend homogene Gruppen von Absetzferkeln gewährleisten. Vor allem die leichteren Ferkel profitieren von der Ergänzung zur Sauenmilch. Ihre Überlebenschancen sind deutlich erhöht und neben dem betriebswirtschaftlichen Erfolg wird auch ein wertvoller Beitrag zum Tierschutz geleistet.