Der Schlachtschweinehandel ist aus dem Winterschlaf erwacht. Die teilweise dramatischen Absatzschwierigkeiten der sogenannten Winterschweine sollten zumindest vorerst ein Ende gefunden haben. Seit Mitte Februar ist der Vereinigungspreis um 10 ct auf 1,55 €/ IP gestiegen. In der Schweinevermarktung sind Angebotsüberhänge und Wartezeiten kein Thema mehr, und auch die Schlachtgewichte sind wieder gesunken. Zu Beginn der laufenden Woche berichten die Erzeuger von einer weiter regen Nachfrage der Schlachtbetriebe. Damit sieht die grüne Seite Spielraum für weitere Notizaufschläge, auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen Situation der Schweinehalter.
Die Schlachthofseite weist solche Forderungen zurück. Dabei wird immer wieder von einem schwierigen Fleischgeschäft berichtet. Saisonbedingt sei die Fleischnachfrage gering. Dazu kommt ein europaweit hohes Angebot, auch durch umfangreiche Mengen aus Spanien. Einige Schlachtbetriebe haben mit reduzierten Schlachtungen auf die jüngsten Preisaufschläge im Lebendhandel reagiert. Zur Lage im Fleischgeschäft gibt es aber auch abweichende Meinungen. So wird im Bericht über den Hamburger Großhandel davon gesprochen, dass sowohl bei der Fleischindustrie als auch auf Versand- und Großhandelsebene relativ problemlos höhere Verkaufspreise für Schweinefleisch hätten durchgesetzt werden können. Reduzierte Abnahmemengen einzelner Schlachtbetriebe konnten problemlos durch andere Abnehmer aufgefangen werden. Auch Sauenfleisch ist inzwischen wieder knapp und kann zu erhöhten Kursen abgesetzt werden.
Probleme bleiben
Trotz der wieder etwas optimistischeren Marktlage stehen die Schweine haltenden Betriebe weiterhin vor großen Herausforderungen. Die Erzeugerpreise sind immer noch unzureichend, während die Kosten auf hohem Niveau bleiben. Exporthemmnisse und hoher Regulierungsdruck sorgen ebenfalls für eine sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dazu kommt der Arbeitskräftemangel. Regional gibt es immer wieder Fälle der Afrikanische Schweinepest. Vor diesem Hintergrund wird befürchtet, dass der Strukturwandel in einen Strukturbruch übergeht. Dieser hat in der Sauenhaltung bereits eingesetzt. Die Bundesregierung hat aus diesem Anlass einen Fleischgipfel einberufen. Der Bundeskanzler hat sich auf seiner Chinareise für bessere Absatzchancen für hiesiges Schweinefleisch eingesetzt.
Nachfrage sinkt
Vor allem setzt die sinkende Nachfrage nach Schweinefleisch der Branche zu. In Deutschland wurden 2010 noch mehr als 50 kg Schweinefleisch pro Kopf verzehrt. Mittlerweile ist dieser Wert auf 35 kg gefallen, auch wenn der jährliche Rückgang mittlerweile nicht mehr sehr groß ist. Die geringe Nachfrage hierzulande kann nur begrenzt durch mehr Exporte ausgeglichen werden. Dies ist in der hiesigen Fleischindustrie zu spüren. Zuletzt häuften sich Meldungen über Schließungen oder Übernahmen von Wurstfabriken. Für Schweinemäster aus Schleswig-Holstein war die Schließung des Schlachthofes in Perleberg besonders schmerzhaft. Da in der Fleischbranche nur geringe Stundenlöhne gezahlt werden können, verschärft sich zunehmend der Arbeitskräftemangel. Auf der anderen Seite stellen die Verbraucher und der Lebensmitteleinzelhandel höhere Anforderungen an Tierwohl, Herkunftssicherung und Produktionsstandards. Wer diese Erwartungen erfüllt und transparent kommuniziert, sollte sich jedoch im zunehmend wettbewerbsintensiven Markt behaupten können.




