Die erfolgreiche Bekämpfung von Ausfallgetreide, Raps, aber auch Ungräsern und Unkräutern beginnt mit den ersten Maßnahmen nach der Ernte. Damit spart man nicht nur Kosten für chemische Methoden, sondern es kann schon früh ein besonders breites Spektrum an unerwünschten Begleitpflanzen erfasst werden. Aber nur was oben liegt, kann zügig keimen und mit einem späteren Arbeitsgang erfasst werden. Samen, die zu tief in den Boden eingearbeitet sind, fallen rasch in eine Keimruhe und bilden die nächste Welle, wenn sie wieder ans Licht kommen. Darum sind die flache Einstellung und Arbeit der Geräte so wichtig – schon wenige Zentimeter Tiefe zu viel machen hier den Unterschied.
Keimen und wachsen kann nur, was an Samenpotenzial auf dem Acker liegt. Darum muss das Ziel der Maßnahmen sein, den unerwünschten Vorrat auf dem Feld wirksam, Schritt für Schritt auszudünnen. Die Samen sind früh nach der Ernte zum Keimen anzuregen und in einem zweiten oder dritten Schritt mechanisch zu bekämpfen.
Früher war das „Schwarzmachen“ im ersten Arbeitsgang nach der Ernte der Maßstab für den Erfolg: Die Stoppeln mussten raus und die Erntereste sollten gut mit Erde vermischt sein. Damit kommen dann aber auch die Samen aller Begleitpflanzen tief weg – Jahr für Jahr – und tauchen später immer wieder auf. Lange Zeit hoffte man, dass ein tiefes Vergraben helfen würde. Tatsächlich zeigen umfangreiche Versuche, dass mit der Bearbeitungstiefe das Risiko steigt, die Probleme nur zeitlich zu verschieben. Denn die Samen kommen mit späteren Arbeitsschritten zurück ans Licht.
Um die chemischen Lösungen zu ergänzen oder auch teilweise zu ersetzen, richtet sich der Blick darum zunehmend auf mechanische Lösungen, die nach der Ernte mit sehr flacher Bearbeitung zum Einsatz kommen. Nur das flach eingemischte Samenpotenzial kann zügig keimen und mit späteren Schritten erfolgreich erfasst werden. Welche Methoden dabei helfen, worauf zu achten ist und was der Markt an technischen Lösungen bietet, das zeigte eine breit angelegte praktische Vorführung von 17 Gerätevarianten im Rahmen der DLG-Feldtage im vergangenen Jahr zu dem Thema. Der Geräteeinsatz wurde über drei Tage hinweg von zwei Studierenden der Technischen Hochschule Köln (Institut für Bau- und Landmaschinentechnik) begleitet. Es wurden verschiedene Aspekte bewertet, die insgesamt den Bearbeitungserfolg beeinflussen können. Der folgende Bericht soll die Kriterien und Eindrücke im Überblick beschreiben.
Anforderungen an die Technik
Für die Vorführung war vom Veranstalter eine Arbeitstiefe von bis zu 5 cm gefordert. Diese Zielgröße wurde aber nicht immer eingehalten. Einige Aussteller gaben anscheinend bei der Geräteeinstellung einen Zuschlag, um mit Sicherheit einen sichtbaren Arbeitserfolg im Vergleich mit dem Wettbewerb zu zeigen. Das mag auch die Erwartungshaltung vieler Kunden treffen, die noch die herkömmlichen Kriterien anlegen. Als ultraflach gilt allerdings eine andere Zielgröße, die unter diesem Wert liegt (2 bis 3 cm). Die Wirkung der Maßnahme zeigt sich im Feldaufgang erst dann deutlich, wenn nur wenig Feinerde gelöst und mit den Samen vermischt wird. Oben liegendes Stroh und die Stoppel sollen konditioniert und damit die Rotte eingeleitet und unterstützt werden. Dazu soll der Wurzelballen am Stoppel möglichst klein sein, sonst kommt er schwer mit dem Boden, der Feuchte und den zersetzenden Lebewesen in Kontakt.
Dann braucht es Zeit, damit der flächige Aufwuchs gelingt. Bei engen Fruchtfolgen fällt der Erfolg also insgesamt möglicherweise geringer aus. Mit einem späteren Arbeitsgang sind danach die aufgelaufenen Jungpflanzen mechanisch zu bekämpfen. Stroh und Stoppel werden zunehmend mürbe und deren Zersetzung beschleunigt.
Arbeitstiefe richtig einstellen
Die flache Arbeitstiefe gleichmäßig einzustellen ist die erste Aufgabe. Sie dann auch einzuhalten, ist für die Geräte anschließend bedeutsam, um die Oberfläche komplett zu bearbeiten, ohne Streifen liegen zu lassen oder Samen zu vergraben. Da fallen bei einem wenige Zentimeter tiefen Eingriff schon geringe Abweichungen deutlich auf. Ist der Boden uneben, können die Werkzeuge auch einmal ohne Wirkung darüberlaufen. Das schräg versetzte Fahren hilft hier, um Spuren und Unebenheiten zu durchfahren. Die besondere Herausforderung liegt also in der Bodenanpassung über die gesamte Arbeitsbreite. Ein Fahrwerk, zum Beispiel mit vorlaufenden Rädern, soll hier helfen, dass die Werkzeuge der Kontur besser folgen. Einem starren Rahmen(-teil) von bis zu 3 m Arbeitsbreite kann das aber nur bedingt gelingen.
Je exakter bei unebenem Untergrund gearbeitet werden soll, desto besser und kleinteiliger müsste eine Konturanpassung möglich sein. Optimalerweise könnten die Werkzeuge in schmalen Parallelogrammen aufgehängt sein. Dann würde ein Zinkengerät aufwendig in der Konstruktion und damit teuer. Die Hersteller lösen das sehr unterschiedlich. Einige bieten vielfältige Einstellmöglichkeiten und machen den Geräteeinsatz anspruchsvoll. Mehrbalkig sind sie alle, denn das bietet zwischen den Zinken den nötigen Durchgang für größere Ernterestmengen. Bis zu 6 m Arbeitsbreite lassen sich bei einigen Herstellern noch im Dreipunkt fahren, andere arbeiten schon bei geringerer Gerätebreite aufgesattelt. Die Geräte werden dann sowohl im Gewicht als auch bei Zugkraftbedarf und Preis entsprechend unterschiedlich sein.
Arbeitswerkzeuge im Überblick
Viele Hersteller von Zinkengeräten arbeiten mit flach angestellten Flügel- oder Gänsefußscharen und unterschneiden damit den oberen Bodenhorizont samt Stoppel und Wurzelunkräutern. Sie lösen sie aus dem Bodenverband und kippen sie auf die Seite. Haben die Zinken Bewegungsfreiheit (zum Beispiel Federzinken), dann muss der Überschnitt aber ausreichend groß sein, sonst bleiben Streifen, wenn sie sich bei trockenen, schweren Böden nach hinten aufstellen. Gleiches gilt es bei zunehmendem Verschleiß der Schare zu beachten. Hierzu werden besondere Vergütungen der Werkzeuge angeboten, damit die Haltbarkeit wächst.
Vor- oder/und nachlaufende Werkzeuge ergänzen das Arbeitsbild und helfen, Feinerde zu schaffen. Nachlaufende Striegel – meist verstellbar, in zwei oder drei Reihen – ziehen das verbleibende Material auseinander und ebnen den flachen Bearbeitungshorizont ein. Wenn dieser Prozess gleichmäßig gelingt, dann wird auch ein einheitlicher Feldaufgang möglich.
Alternativ kommen auch Scheibenwerkzeuge zum Einsatz – vertikal oder horizontal montiert, mal glatt, mal gewellt. Die horizontale Anordnung ist neu (Acticut): Senkrechte Stiele tragen am unteren Ende eine im Boden parallel zur Oberfläche rotierende Scheibe. Der Boden wird dadurch komplett und sauber abgeschnitten. Die bekannten Kurzscheibeneggen findet man hier nicht. Das Konzept passt für die sehr flache Bearbeitung nicht so gut, weil sie – je nach Bodenverhältnissen – für den ganzflächigen Schnitt schon eine Mindesttiefe benötigen, die unterhalb der ultraflachen Zielgröße liegt.
Ein Mulcher und eine Bodenfräse kommen auch zum Einsatz. Sie zeigen ein Bild, das zur Erwartung passt. Der Mulcher kann dabei aber mehr als ein herkömmlicher, denn er kommt mit einer neuen Anordnung und der doppelten Zahl der Werkzeuge an der Welle. Das senkt die notwendige Drehzahl und so auch den Leistungsbedarf bei gleichem Arbeitsergebnis. Außerdem bringt er gleich die Zwischenfrucht aus und raut mit einem optional vorlaufenden Striegel den Boden an. Alles zusammen soll die Zwischenfrucht mit den Ausfallsamen rasch zum Keimen bringen. Auch ein Schälpflug und ein passiv rotierender Rotationsschleifer sind in der Vorführung. Sie stellen im Konzept der Bearbeitung zwei Extreme dar: Der Schälpflug erreicht mit Spezialkörpern eine Arbeitstiefe von 12 cm, mit einer sauberen Abdeckung der Erntereste. Ultraflach ist das nicht. Welche Variante aber für den Einzelfall die zielführende ist, entscheidet der Betrieb nach seinen Verhältnissen und Gegebenheiten. Darum ist es so wichtig, die Arbeitsweise auf den eigenen Flächen zu testen, bevor eine Entscheidung fällt.
Der Rotationsschleifer Grindstar arbeitet konsequent nur über die Oberfläche – flacher als Zinkengeräte, aber tiefer als Mulcher oder Striegel. Er lässt die meisten Stoppeln stehen, schafft aber ein gutes Maß an Feinerde und aufliegenden Ernteresten für die Keimung. Außerdem reibt er Stoppel und Erntereste und stört wurzelnde Unkräuter. Wird das Ganze nach dem Aufgang der Ausfallsamen wiederholt, müsste das Gerät die aufgegangenen Jungpflanzen wirksam reduzieren können.
Erdanhang am Stoppel
Müssen die Stoppel beim ersten Arbeitsgang wirklich heraus? Wir sind es gewohnt, sie mit Wurzelballen an der Oberfläche liegen zu sehen. Aber für die Wirksamkeit der ultraflachen Bearbeitung ist es möglicherweise gar nicht bedeutsam – zumindest nicht im ersten Arbeitsgang. Lautet das Ziel, möglichst viele Ausfallsamen zum Keimen zu bringen, dann muss nicht der Stoppelballen aus dem Boden gerissen sein. Denn er bringt unter widrigen Umständen nur grobe Kluten an die Oberfläche, die den raschen, gleichmäßigen Feldaufgang stören können. Trotzdem soll die Stoppelmasse an den Boden gebracht und so konditioniert sein, dass die Rotte starten kann. Das wird aber durch grobe, ausgerissene Ballen sicher nicht erreicht. Ein Striegel oder der Rotationsschleifer sind da möglicherweise für den ersten und zweiten Arbeitsgang effektiver. Der Vergleich im Bild zeigt das Arbeitsergebnis eines Gerätes im direkten Vergleich zur Stoppelmasse nach manuellem Enterden (Schütteln, Abklopfen), um die anhängende Masse deutlich herauszustellen – so soll es nicht liegen bleiben. Der erhebliche Erdanhang ist aber auch das Resultat der Bodenfeuchte. Der dritte Tag der Vorführung war niederschlagsfrei und der Boden dadurch besser abgetrocknet. Viele der Geräte erreichten mit ihrer Werkzeuganordnung dadurch auch eine deutliche Verringerung der anhängenden Masse. Das Resultat kann also auch hier durch einen günstigen Bearbeitungszeitpunkt verbessert werden.
Arbeitshorizont und Bonitur
Ob die Arbeitstiefe gleichmäßig eingehalten werden kann, verrät zur Bonitur ein Blick auf den freigelegten Bodenhorizont unter der bearbeiteten Zone. Dazu werden Erde und Pflanzenreste auf einer definierten Fläche geräumt und der Untergrund entsprechend gemessen und bewertet. Es zeigt sich, dass nicht alle sauber, gleichmäßig und komplett abgeschnitten haben. Einige breite Schare lassen Stoppel sogar stehen, obwohl sie komplett unterschnitten worden sind. Dann besteht das Risiko, dass größere Ungräser rasch wieder anwachsen. Die Schare sollten also die Pflanzenreste etwas anheben und umwerfen können. Nachlaufende Striegel können dann die Reste enterden und deren Wurzeln freilegen. Dann trocknen sie sicher ab. Dazu muss der Boden aber auch ausreichend trocken und krümelfähig sein, sonst klebt die Erde fest. Die Verhältnisse auf der Vorführfläche waren dafür nicht immer optimal. Erst am dritten Tag wurde es besser, denn es trocknete zunehmend ab. Damit verbesserte sich auch das Arbeitsbild der Geräte. Die feinkrümelige Auflage sorgt erst dafür, dass der Feldaufgang starten kann. Ist das Arbeitsbild grob und klutig, braucht es Zeit für die Verwitterung und den Zerfall der großen Aggregate. Die Zeit gibt es im Herbst aber nicht, denn die Bestelltermine liegen eng und jeder Tag zählt, wenn es um die Maßnahmen nach der Ernte bis zur Aussaat der nächsten Hauptfrucht geht. Also gilt auch hier: Ein Arbeitsgang unter trockenen Verhältnissen erreicht auch beim Feldaufgang von Ausfallsamen das bessere Ergebnis.
Ein weiterer Aspekt spricht für die Arbeit unter trockenen Bedingungen: Manche Werkzeuge finden sich als Abdruck im freigelegten Profil wieder. Besonders tiefer angestellte, leicht vorlaufende Scharspitzen ziehen Furchen. Ob sich die Unebenheit im Horizont auch auf den Feldaufgang auswirken könnte, bleibt zu prüfen. Wichtiger erscheint aber in diesem Zusammenhang, dass der Boden in der Wurzelzone verschmieren kann und dadurch die Durchlässigkeit für Niederschlag und Durchwurzelung zunächst verloren geht. Dann bleibt das Regenwasser länger auf dem Arbeitshorizont stehen und kann so in Hanglagen die Erosion begünstigen. Außerdem kann sich der Feldaufgang verzögern, wenn sich die Wurzeln nicht zügig entwickeln können. Tatsächlich zeigen sich direkt nach einem heftigen Schauer am zweiten Tag auf freigelegten Boniturparzellen Unterschiede in der Versickerung/Infiltration. Auf diesem Standort kann also die tiefere Bearbeitung der Werkzeuge bei hoher Bodenfeuchte schon den verschmierten Horizont begünstigt haben. Es scheint also ratsam, auch beim Nacherntemanagement geduldig zu sein und günstige Bedingungen abzuwarten – ähnlich wie bei der Saatbettbereitung!
Fazit
Die beste Gerätekombination und Ausstattung für den Betrieb finden sich beim Testeinsatz auf den eigenen Flächen. Die Vorführung während der Feldtage kann dazu aber ein paar Anregungen geben. Oftmals gilt, dass ein Universalgerät nur alles einigermaßen gut kann. Also lässt sich die Anschaffung eines Spezialgerätes rechtfertigen, wenn man den Fokus auf die wirksame Minderung des Ausfallsamenpotenzials (dadurch weniger Aufwand für chemische Methoden!) legt und dazu ein passendes Gerät findet. Der Spezialist wird nach der Ernte sicher mehrmals je Kultur zum Einsatz kommen. Erst dann wird die Wirkung deutlich. Also spricht viel für eine Lösung mit wenig Arbeitstiefe, Gewicht und damit Zugkraftbedarf. Dann bleibt die Arbeit kostengünstig. Wenn dann die Saatbettbereitung für die nächste Kultur ansteht und möglicherweise mehr Arbeitstiefe gewünscht ist, dann gibt es dafür meist andere Lösungen – schon auf dem Betrieb oder sicher im Angebot der Industrie.




