Der Arbeitsausschuss Walderschließung des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) bringt regelmäßig die für den forstlichen Wegebau verantwortlichen Fachleute aus den Bundesländern und den Bundesforsten zusammen. Auf seiner jüngsten Sitzung in Sachsen standen neben den aktuellen Entwicklungen in den Ländern insbesondere die Wegeunterhaltung, die Grabenpflege und der Rückbau alter Asphaltdecken im Mittelpunkt.
Nach einem fachlichen Austausch am ersten Tag führte eine Exkursion in den Forstbezirk Neudorf zu verschiedenen Praxisbeispielen.
Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. ist eine bundesweit tätige Einrichtung, die sich mit Fragen der Waldarbeit, der Forsttechnik und der Organisation forstlicher Arbeitsverfahren befasst. Als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Herstellern begleitet es technische Entwicklungen, prüft Forsttechnik und fördert den Wissenstransfer innerhalb der Branche. Die fachliche Arbeit wird unter anderem durch verschiedene Arbeitsausschüsse unterstützt, in denen Fachleute aus Forstbetrieben, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Das KWF finanziert sich vorrangig aus festen Zuschüssen des Bundes und der Länder.
Sachsenforst stellt sich vor
Der Sitzungsteil begann mit einer Vorstellung des gastgebenden Staatsbetriebes Sachsenforst. Rund 28 % der Fläche Sachsens sind bewaldet, wobei der Privatwald mit einem Anteil von 44,5 % die größte Eigentumsart darstellt. Der Staatsbetrieb bewirtschaftet etwa 208.000 ha Staatswald. Insbesondere das Erzgebirge ist forstgeschichtlich durch große herrschaftliche Waldbesitzungen geprägt.
Der Waldumbau gehört zu den zentralen Aufgaben im sächsischen Staatswald. Der jährliche Holzeinschlag liegt bei rund 1,6 Mio. fm und besteht weit überwiegend aus Nadelholz. Aufgrund vergleichsweise hoher Nutzungspotenziale im stärkeren Nadelholz und der derzeit guten Holzpreise ist eine hohe Einschlagsaktivität geplant. Die größten Potenziale liegen dabei vor allem in den Gebirgsregionen.
Zur Erschließung des Staatswaldes unterhält Sachsenforst rund 3.330 km Waldwege. Dies entspricht einer Wegedichte von etwa 17 laufenden Metern je Hektar. Rund 2.788 km sind in ungebundener Bauweise ausgeführt; davon gelten etwa 2.249 km als regelmäßig pflegefähig.
Jährlich werden gut 11,3 Mio. € für die Walderschließung aufgewendet. Der Schwerpunkt liegt auf der Instandsetzung und Pflege vorhandener Wege, während Neubauten nur auf einzelnen kurzen Abschnitten erfolgen. Rund 20 % der Ausgaben entfallen auf Maschinen- und Rückewege, der überwiegende Teil auf die Haupterschließung durch mit Lkw befahrbare Waldwege.
Sachsenforst verfolgt das Ziel einer intensiven und regelmäßigen Wegepflege mit bis zu vier Pflegedurchgängen pro Jahr. Etwa 95 % der Arbeiten werden durch Unternehmen ausgeführt. Erschwert wird die Unterhaltung durch stark gestiegene Materialpreise und längere Trockenperioden. Ist die Deckschicht zu trocken, lässt sich das Material nur unzureichend bearbeiten und wieder in das Wegeprofil einbauen.
Gemeinsame Themen der Bundesländer
An die Vorstellung des Gastbetriebes schlossen sich Berichte aus den Bundesländern und von den Bundesforsten an. Dabei zeigte sich, dass viele Verantwortliche vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Ein wichtiges Thema ist die systematische Erfassung und Prüfung von Ingenieurbauwerken, insbesondere von Brücken und größeren Durchlässen. Angesichts des Alters vieler Bauwerke müssen deren Zustand, Tragfähigkeit und notwendiger Unterhalt zunehmend dokumentiert und bewertet werden.
Auch der Wasserrückhalt im Wald unter Einbeziehung der vorhandenen Wegeinfrastruktur gewinnt bundesweit an Bedeutung. Die Bemühungen werden in mehreren Ländern durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet. Ziel ist es, Niederschlagswasser länger in den Waldflächen zu halten. Neben möglichen positiven Wirkungen auf den Wasserhaushalt im Wald sollen vor allem Abflussspitzen nach Starkregen verzögert und unterhalb liegende Gewässer, Siedlungen und Entwässerungssysteme entlastet werden.
Diskutiert wurden außerdem unterschiedliche Verfahren zur Erhebung des Wegezustandes. Dies reicht von der fachlichen Bewertung einzelner Wegeabschnitte bis zur sensorgestützten Erfassung mit automatisierter Auswertung. Das KWF stellte hierzu das neue Projekt „BioTura“ vor. Dabei sollen neben technischen Merkmalen wie Lichtraumprofil, Schlaglochbildung und Grabenzustand auch biologische Werte im Sinne der Biodiversität erfasst werden. Verschiedene Sensoren und Kamerasysteme sollen auf einem Trägerfahrzeug gemeinsam Daten aufnehmen und in standardisierte Formate übertragen. Der gewählte Ansatz soll es ermöglichen, später weitere Sensoren einzubinden oder nur einzelne Wegeattribute zu erfassen und trotzdem eine einheitliche Datengrundlage zu erhalten.
In allen Ländern belasten hohe Preise für Naturstein und andere Baustoffe die verfügbaren Budgets. Dadurch können vielfach weniger Wegestrecken als geplant ertüchtigt werden. Gleichzeitig nimmt der Aufwand für das Freihalten des Lichtraumprofils zu. Besonders Laubgehölze wachsen von den Seiten in den Verkehrsraum und teilweise sogar in den Wegekörper ein.
Eine zunehmende Bedeutung haben Waldwege außerdem für die Waldbrandbekämpfung. Nach den Waldbränden der vergangenen Jahre werden wieder verstärkt Fragen zur Erreichbarkeit gefährdeter Waldgebiete, zur Anlage von Brandschutzschneisen und zur Löschwasserversorgung diskutiert. Dazu gehört auch der Bau von Brunnen, um Feuerwehren in abgelegenen Bereichen mit Wasser versorgen zu können.
Zugenommen hat auch der Abstimmungsbedarf mit dem Naturschutz. Die rechtliche und fachliche Einordnung von Wegebaumaßnahmen unterscheidet sich zwischen den Ländern teilweise deutlich. Während in einigen Bundesländern bereits klare Abgrenzungen und Vorgaben für Eingriffe in Natur und Landschaft bestehen, gibt es andernorts ausgeprägte regionale Unterschiede.
Ein besonderes Praxisbeispiel stellte der Vertreter Brandenburgs vor. Im Spreewald wurde auf einer Länge von gut 400 m ein Knüppeldamm angelegt. Bei dieser früher verbreiteten Technik entsteht aus Schwachholz der umliegenden Bestände ein befahrbarer Untergrund. Da auf eine Abdeckung mit Erd- oder Mineralmaterial verzichtet wurde, dient die Anlage lediglich als temporäre Erschließung für eine einzelne forstliche Maßnahme. Der hohe Aufwand und die erheblichen Kosten verdeutlichen zugleich das Bekenntnis des Landesbetriebes zur weiteren Bewirtschaftung der Spreewaldflächen.
Von den Bundesforsten wurde über deutlich gestiegene Aktivitäten auf einzelnen Truppenübungsplätzen berichtet. In deren Folge werden vermehrt kurzfristige Reparaturen an Wegen erforderlich, die auch für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, die sogenannten BOS, genutzt werden. Eine Schwierigkeit liegt dabei in der kurzfristigen Verfügbarkeit geeigneter und entsprechend zertifizierter Dienstleistungsunternehmen.
Fachexkursion in den Forstbezirk Neudorf
Der zweite Sitzungstag stand im Zeichen einer umfangreichen Fachexkursion zum forstlichen Wegebau im Forstbezirk Neudorf. An vier Stationen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Nutzung regionaler Baustoffe, moderne Verfahren der Grabenpflege, unterschiedliche Wegepflegegeräte und den Rückbau alter Asphaltdecken.
Haldenmaterial als regionale Ressource
Der erste Exkursionspunkt führte zu einer alten Halde aus dem früheren Uranbergbau. In enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Bodenschutzbehörde sowie auf Grundlage entsprechender Materialuntersuchungen konnte das grobe Steinmaterial für Wegebaumaßnahmen nutzbar gemacht werden.
Der Schwerpunkt lag auf der Befestigung und Ertüchtigung von Maschinenwegen sowie einzelnen Rückegasseneinfahrten. Teile des Haldenmaterials wurden mit einer gemieteten Siebanlage aufbereitet und anschließend mit Dreiachs-Lkw in die Reviere transportiert. Auf diese Weise konnten die Materialkosten für den Forstbezirk etwa halbiert und zugleich eine bereits vorhandene regionale Ressource sinnvoll genutzt werden.
Effiziente Grabenpflege
An der zweiten Station wurde die Grabenpflege mithilfe eines Anbaugraders und eines Mobilbaggers mit Variolöffel demonstriert. Zunächst schälte der Grader das abgelagerte Material vom Bankett. Anschließend nahm der Bagger das Material mit seinem verstellbaren Grabenlöffel auf und verteilte es im Wegeseitenraum.
Durch den 3D-Rotator lässt sich der Graben während der Rückwärtsfahrt präzise bearbeiten. Die Vorführung machte deutlich, dass mit dieser Technik lange Wegestrecken in vergleichsweise kurzer Zeit gepflegt werden können. Gegenüber herkömmlich aufgehängten Grabenlöffeln ermöglicht die bewegliche Anbauausrüstung ein deutlich flexibleres und schnelleres Arbeiten.
Regelmäßige Pflege erhält die Wege
Am dritten Exkursionspunkt wurden drei unterschiedliche Wegepflegegeräte vorgestellt und miteinander verglichen. Wesentliche Unterschiede zeigten sich in der Fähigkeit, seitlich ausgetragenes Material aus dem Wegesrand zurückzugewinnen. Je weiter das Gerät in den Randbereich eingreifen und je mehr Material es aufnehmen soll, desto stabiler und aufwendiger muss seine Bauweise sein.
Grundsätzlich besteht das Ziel der Wegepflege darin, ausgestaubtes oder durch den Verkehr verlagertes Deckschichtmaterial wieder in die Fahrspuren zurückzuführen und ein funktionsfähiges Wegeprofil herzustellen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichend mächtige Deckschicht. Nach Einschätzung der Teilnehmenden muss diese etwa alle sechs bis zehn Jahre ergänzt werden, damit die Wege langfristig pflegefähig bleiben.
Das betriebliche Ziel von Sachsenforst sind vier Pflegedurchgänge pro Jahr auf allen pflegefähigen Wegen. Dafür werden jedoch geeignete Witterungs- und Feuchtigkeitsverhältnisse benötigt. In den trockenen Sommern der vergangenen Jahre war das angestrebte Pflegeintervall teilweise nicht zu erreichen, weil sich das ausgetrocknete Wegebaumaterial nur schwer bearbeiten ließ.
In der Diskussion wurden zugleich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern sichtbar. Während einige Betriebe ihre Wege intensiv und regelmäßig pflegen, setzen andere auf kombinierte Trag-Deck-Schichten, die nicht für eine fortlaufende Pflege vorgesehen sind. Dort erfolgt nach längeren Nutzungsphasen eine umfangreichere Instandsetzung, sobald der Zustand des Weges dies insbesondere infolge des Holztransportes erforderlich macht.
Alte Asphaltdecken fachgerecht zurückbauen
Der letzte Exkursionspunkt befasste sich mit dem Rückbau sogenannter Schwarzdecken. Solche gebundenen Wegedecken kommen in unterschiedlichem Umfang in den Forstbetrieben aller Bundesländer vor. Aufgrund ihres häufig hohen Alters bereiten sie zunehmend Probleme in der Pflege und Unterhaltung.
Vor Beginn einer Maßnahme muss das Material auf problematische Inhaltsstoffe untersucht werden. Dies betrifft insbesondere teerhaltige Bestandteile, aber auch andere chemische Verbindungen. Auf Grundlage der Untersuchung wird entschieden, ob das Material ausgebaut und entsorgt werden muss oder im Wegekörper verbleiben kann.
Handelt es sich um unproblematischen Asphalt, kann die vorhandene Decke aufgefräst und als unterste Tragschicht weiterverwendet werden. Der aufbereitete Wegekörper wird anschließend durch zusätzliches Material verstärkt und mit einer neuen Deckschicht versehen. So lassen sich Entsorgungsmengen und der Bedarf an neuem Baustoff verringern.
Für einige Teilnehmende besonders interessant war die Möglichkeit, für die Entsiegelung alter Asphaltwege Ökopunkte zu erhalten. Diese können als Ausgleich für Eingriffe an anderer Stelle dienen. Vor allem beim Neubau und bei der Verbreiterung öffentlicher Straßen werden geeignete Entsiegelungsflächen gesucht. Da sich die Nachfrage regional unterscheidet, kann eine alte Schwarzdecke für Forstbetriebe mitunter einen unvermuteten Wert darstellen und zumindest einen Teil der Rückbaukosten ausgleichen.
Fazit
Die Sitzung des Arbeitsausschusses zeigte, dass der forstliche Wegebau bundesweit vor ähnlichen Herausforderungen steht. Steigende Baustoffpreise, Trockenperioden, Naturschutzanforderungen, Waldbrandvorsorge und der Wasserrückhalt im Wald erhöhen die Ansprüche an Planung und Unterhaltung. Gleichzeitig verdeutlichte die Exkursion, dass sich durch regelmäßige Pflege, geeignete Technik, regionale Baustoffe und abgestimmte Lösungen wirtschaftliche und praxistaugliche Wege finden lassen. Der bundesweite Erfahrungsaustausch im KWF leistet dazu einen wichtigen Beitrag.



